
Besser spät als nie…und so reihe ich mich jetzt etwas atemlos, aber dennoch voller Vorfreude in die Reihe der Hemdblusenkleider-Näherinnen ein ! Tina sienähtschonwieder und Manuela (Twill und Heftstich) veranstalten diesen Sewalong, und mittlerweile sind sie schon beim dritten Treffen angelangt.
Ich habe diesen Sewalong natürlich in den sozialen Medien verfolgt und die Beiträge gelesen, so recht zum Mitmachen konnte ich mich allerdings nicht aufraffen. Das Thema fand ich toll, die Organisation von Tina und Manuela absolut bewundernswert, aber ich sah zur Zeit keine Notwendigkeit, ein Kleid zu nähen. Ich bin ja nicht so die große Kleider-Trägerin und lieber in Jeans und Shirt unterwegs- wobei der Schritt vom Shirt zum Shirtdress gar nicht mehr so groß ist, wie ich dann gemerkt habe.
Einer meiner liebsten Shirtschnitte ist das Donnyshirt von Friday Pattern Company. Ich habe es mittlerweile 4mal genäht und liebe alle Variationen. Von der Bequemlichkeit her nimmt das Donnyshirt es locker mit jedem Jerseyshirt auf, ist aber dabei um einiges schicker.

Vor kurzem wurde ich wieder auf den Donnyschnitt aufmerksam gemacht. Stacey, die unter dem Namen thecrookedhem bloggt, hatte den Schnitt genäht und sich darüber einige Gedanken gemacht. Ich fand den Beitrag sehr interessant, da sie den Schnitt nicht so vorbehaltlos lobt und einige Kritikpunkte an der Anleitung hat. Unter anderem geht es dabei um das Nähen des Kragens- das hat mich dann so interessiert, daß ich Donny unbedingt nochmals nähen mußte. Diesmal aber als Kleid aus einem Liberty Tana Lawn, das schien mir passend zu diesem warmen Sommer. Und da das Thema des 3. Teil des Hemdblusenkleid-Sewalong unter anderem der Kragen des Kleides ist, berichte ich im folgenden über meine Erfahrungen und Probleme mit dem Donny-Kragen.
Also: der Donnykragen ist ein Reverskragen- so würde ich ihn jedenfalls bezeichnen. Im englischsprachigen Raum ist die Bezeichnung „notched collar“ oder auch „camp collar“ gebräuchlich, dafür habe ich keine deutsche Entsprechung gefunden. Wobei ja „Revers“ auch nicht so wirklich deutsch ist…
Müller und Sohn schreibt:
Der typische Reverskragen ist besonders bei Jacken vorhanden, kann aber auch bei Hemden, Blusen oder Kleidern eingesetzt werden und hat einen festen Platz in der Modewelt. Der typische Reversumschlag verlängert den eigentlichen Kragen und streckt die Proportionen des Trägers optisch.
Revers nennt man dabei die nach außen geschlagene Vorderkante. Dabei ist das Revers durch die Spiegel- oder Crochetnaht mit dem Kragen verbunden.
Dieses nach außen geschlagene Vorderteil wird nähtechnisch üblicherweise durch einen Beleg gebildet, der dann mit dem Vorderteil verstürzt wird. Dann wird das ganze gewendet, die Ecken geformt und die freie Kante- ja, was machen wir mit der freien Kante? Bei einer gefütterten Jacke wird man hier das Futter ansetzen, aber eine Bluse ist ungefüttert. Also wird der Rand festgenäht. Im Fall von Donny wird der Rand des Beleges umgeschlagen und dann der ganze Beleg knappkantig aufgesteppt.

Später wird das Revers dann nach außen gefaltet. Und hier setzt die Kritik von Stacey an: beim Falten des Revers nach außen muß der äußere Stoff, in diesem Fall also der Beleg, einen weiteren Weg um die Kante zurücklegen als der innere Stoff, also das Vorderteil. Das Vorderteil wird sich deshalb in Wellen legen und das ganze nicht schön glatt liegen. Sie hat diese Erfahrung beim Nähen gemacht und stattdessen den Nähprozess geändert: sie hat erst den Kragen umgebügelt, dann von rechts erst gesteckt, dann geheftet, und erst dann von links die Belegkante knappkantig abgesteppt.
Mir erschien der Gedankengang sehr logisch. Von meinen vier Donnys sind zwei aus Double Gauze, eine aus Krepp, da fallen diese Feinheiten sicher nicht auf. Aber bei meinem Donnyshirt aus Liberty hatte ich damals auch etwas mit dem Beleg gekämpft und viel getrennt.
Und so habe ich diesmal das so gemacht, wie es Stacey empfohlen hat, mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Aber so ganz durch bin ich mit dem Gedanken noch nicht. Es gibt ja viele Schnitte mit einem ähnlichen Kragen, spontan fällt mir das Gilbertshirt von Helens Closet ein, oder das Genrashirt von Daughter Judy. In allen Anleitungen wird der Beleg vom Kragen im flachen Zustand festgenäht, und bisher hat sich glaube ich noch keiner dran gestört. Ich perönlich glaube ja, daß der Stoff, gerade wenn es sich um einen dünnen Blusenstoff handelt, mit diesen geringen Längendifferenzen durch den Umschlag klar kommt. Er ist in diesem Bereich ja auch in einem recht schrägen Fadenlauf, und durchs Bügeln läßt sich das alles wunderbar augleichen.
Aber die sorgfältige Verarbeitungsweise, daß man erstmal steckt, dann von rechts heftet und erst dann von links näht, ist sicher empfehlenswert. Der Kragenbereich vom Donnyshirt ist nicht so ganz einfach zu nähen, da beim Einnähen des Kragens und des Beleges viele verschieden gerundete Kanten aufeinander genäht werden.
Ich bin jedenfalls so ganz zufrieden mit dem Kragen meines Kleides, wie ich überhaupt mit dem ganzen Kleid sehr zufrieden bin…ich zeige es hier schon mal an der Puppe, Tragebilder natürlich erst zum Finale des Sewalongs. Dann werde ich auch noch ein bißchen mehr über meine Schnittänderungen berichten, wie ich vom Shirt zum Kleid kam.

Vermutlich zeige ich ja die Minimalversion eines Hemdblusenkleides, denn von den typischen Stilelementen kann ich nur mit dem Kragen und der rückwärtigen Passe punkten. Auf Knöpfe konnte ich verzichten, denn mein Donnykleid läßt sich genau wie das Shirt einfach über den Kopf ziehen. Die aufwändige Suche nach Knöpfen blieb mir also erspart, wäre auch nicht so ganz einfach gewesen, denn das Blau des Kleides ist schon ein spezielles. Eine Brusttasche hätte ich nähen können, ist ja im Schnitt auch so vorgesehen, aber das Schnittteil dafür war leider nicht mehr vorhanden …und zum Neuausdrucken hatte ich auch keine Lust. Ja, und Ärmelmanschetten braucht dieses Kleid wirklich nicht…
Ich bedanke mich ganz herzlich bei Tina und Manuela, die diesen Sewalong organisieren und mir dadurch den Anstupser zum Nähen dieses Kleides gegeben haben!
Deine „Minimalversion“ eines Hemdblusenkleid sieht ganz bezaubernd aus!
Schön, dass Du das Thema Krägen aufgreifst und zum Reverskragen schreibst. Das ist ein wichtiger Punkt! Denn wie der Kragen selbst braucht natürlich auch ein Revers Rollweite, damit es schön liegt und der Stoff nicht knautscht. Bei dünnen Stoffen mag das tatsächlich kein Thema sein, aber bei meiner Version Eleonora aus festerer Baumwolle würde sich eine fehlende Rollweite schon bemerkbar machen.
Dann freue ich mich auf die Tragebilder und Besprechung Deines Patternhack.
Liebe Grüße, bis zum Finale
Manuela
Liebe Manuela, stimmt, Deine Eleonora hat ja auch einen Reverskragen! Ich finde den Gedanken immer noch interessant, bei welchen Stoffen man die Länge des Stoffbruches mit einrechnen muß, denn darum geht es ja letztlich bei der Rollweite. Ich glaube, es gab in der Thread dazu mal einen Artikel (also allgemein über den Stoffbruch, nicht nur über den Reverskragen), muß mal sehen, ob ich den noch finde.
Liebe Grüße und Danke,
Barbara
Schön, dass du auch dabei bist.
Bei einem so großgemusterten Stoffen würde mich interessieren, wie du die Platzierung der Schnittteile fürs Oberteil geplant hast. Durch die mittige Teilung ist ja nochmals eine Trennung drin. Bei genügend Stoff hätte man Patternmatching machen können, sodass die Teilung nicht auffällt, aber offensichtlich hast du dich anders entschieden und zudem auch nicht die beiden großen Rosenblüten auf Taillenhöhe symmetrisch gelegt. Das Ergebnis gefällt mir gut, eine genaue Symmetrie hätte eine gewisse Strenge, so wirkt es legerer. Mich würden deine Gedanken dazu interessieren.
Das mit der Rollweite für den Reverskragen ist ein guter Punkt. Ich hab ein Auge auf das Gilbert-Top geworfen und werde mir deine (und auch Stacys) Überlegungen abspeichern.
Viele Grüße,
Kathrin
Liebe Kathrin, das Pattern-Matching an der vorderen Mitte hatte ich natürlich überlegt, kam am rasch davon wieder weg. Meine Stoffmenge war begrenzt, wie das halt so ist bei den teuren Stoffen, und ich fand es dann auch nicht so wichtig. Ich habe bei den Vorderteilen natürlich geschaut, daß die großen Blüten nicht grade zentral über dem Brustpunkt liegen :-), ansonsten habe ich es so gelassen, wie es sich durch den Zuschnitt ergab. Ich persönlich finde auch, daß die vordere Teilungsnaht ein Designelement des Donnyschnittes ist, und da stört es mich überhaupt nicht, wenn man den Stoffanstoß sieht. Auch beim Kragen hatte ich mal kurz überlegt, ob ich den symmetrisch im Muster zuschneiden soll, aber auch hier finde ich jetzt diesen „Zufallszuschnitt“ ganz gut. Ich finde auch, es wirkt legerer, und so soll das Kleid ja auch sein.
Liebe Grüße,
Barbara
Schön, dass du noch mitmachst! Deine ausführlichen Ausführungen (und auch die von Stacey) lesen sich ganz spannend. Wie unterschiedlich Reverskragen doch aussehen können…. Ich hätte aus der Erfahrung heraus auch automatisch auf die Rollweite geachtet, kann mir aber gut vorstellen, dass es bei dünnen Blusenstoffen keinen großen Unterschied macht.
Was mir bei diesem Revers noch einfällt: man müsste es ja gar nicht festnähen, dann hätte man vermutlich kein Problem mit Rollweite etc. – aber klar, ist ein Designelement, die Bluse würde dann anders wirken.
Das ist bestimmt ein unkompliziertes Sommerkleid, wie man es bei warmen Temperaturen gut gebrauchen kann.
Liebe Grüße Christiane
Liebe Christiane, wenn man den freien Rand des Revers nicht befestigt, klappt der vermutlich ständig nach rechts und liegt nicht schön an, das ist auch keine gute Lösung. Bei den Schnittmustern, die ich mir angeschaut habe mit ähnlichem Kragen, wird er immer festgesteppt. Und Du hast völlig recht, diese sichtbare Naht dient dann auch als Designelement, sind ja meistens auch sehr schön geschwungene Schnittteile.
Liebe Grüße und Danke, Barbara
Wie schön, dass du noch eingestiegen bist! Ich finde deine Donnykleid passt wunderbar in unsere Arbeitsgruppe.
Ich kann verstehen, dass viele den Fehler bzw. die vereinfachte Verarbeitung in der Anleitung nicht bemerken. Zum einen kann es, wie bei manchen deiner Varianten einfach der Stoff schlucken, zum anderen gibt es in der Nähcommunity auch viele deren Augenmerk mehr auf schneller als auf präziser liegt und damit wird gar nicht klar, warum der Kragen vielleicht etwas spannt. Nicht so aber bei Stacey und dir, ihr löst das Problem. Ich denke die Designerinnen trauen sich gar nicht, an dieser Stelle ein Heften zu verlangen, da viele abgeschreckt wären. Mir persönlich gefallen aber Revers am besten, wenn sie nicht eingebügelt, sondern nur eingedämpft sind und rund fallen, spätestens dann ist die Hefttechnik sicher die bessere Option.
Bin sehr gespannt auf deine Tragebilder!
Grüße, Tina
Liebe Tina, für die Designerinnen ist das wahrscheinlich auch so ein Drahtseilakt- auf der einen Seite möchten sie ihre Anleitungen nicht so kompliziert halten, damit die Kundinnen nicht abgeschreckt werden, auf der anderen Seite haben aber sehr viele der Designerinnen, grade im englischsprachigen Raum, ein total großes Fachwissen. Bei der Kragengeschichte habe ich nur wieder mal gemerkt, wie sinnvoll das bloggen doch ist. Und auch jetzt die Diskussion mit Euch, überhaupt der ganze Sewalong, hätte so wohl nicht auf Instagram stattgefunden.
Liebe Grüße, und nochmals herzlichen Dank für die Organisation des Swalongs,
Barbara
Der Donny Shirt Schnitt liegt auch gerade hier und wartet auf Zuschnitt. Deine Überlegungen zum Reverskragen finde ich deshalb besonders spannend. Bei dünneren Stoffen ist die Rollweite wohl eher nicht so zu berücksichtigen wie bei dickeren Stoffen. Ich hätte jedoch den Kragenbeleg auch erstmal von rechts mit umgeklapptem Kragen begutachtet und und gesteckt oder sogar geheftet, und dann erst festgenäht. Aus dem Donny Shirt ein Shirtdress zu machen, finde ich jedenfalls eine gute Idee. Und der Stoff mit den großflächigen Blumen in dieser Farbstellung passt wunderbar.
Liebe Grüße, heike
Liebe Heike, Danke! Ich finde den Donnyschnitt nach wie vor sehr gut, ich mag vor allem dieses Unkomplizierte, daß man das Teil einfach über den Kopf zieht. Und bei heißem Wetter ist es schön luftig, bedeckt trotzdem die Schultern…ich denke, Du wirst den Schnitt auch lieben! Bin schon gespannt auf Deine Version und Stoffauswahl!
Liebe Grüße, Barbara
Das Donny-Shirt macht sich offensichtlich auch sehr gut als Kleid. Die fehlende Rollweite in Anleitungen ist bei mir ja Dauerthema/Dauerärgernis, besonders wenn der Schntt auch noch teuer ist! Ich habe sogar bei meinem Probemodell aus einem dünnen Oberhemd ein paar Millimeter Rollweite im Kragen ergänzt, und wenn ich die Hemden meines Mannes mal bügele, fällt mir die Rollweite im Kragen auch immer auf.
Bei meinen beiden Blusen mit Reverskragen, Norma von Ottobre und Bruna aus der LMV wird der Besatz an der Kante eingeschlagen und gesäumt und hängt dann lose, nur durch den Saum unten fixiert. Dadurch kann der Oberstoff des Revers „arbeiten“. Umgeklappt hat sich bei mir noch nie etwas, nur der Knick muss halt immer eingebügelt werden. Mir gefällt das auch besser so, die breite Absteppnaht würde mir das Oberteil zu sehr zerteilen. Ich bin auf Tragefotos gespannt.
Viele Grüße, Stefanie
Und wieder was gelernt – genau solche Beiträge wie Deiner machen das Bloggen und Sewalongs sooooo wertvoll. Frau liest und lernt einfach immer wieder kleine, feine Details, die den Unterschied machen und ggf. Knoten im eigenen Hirn lösen.
Schön, dass Du noch eingestiegen bist!
Dein Kleid wird bestimmt ganz zauberhaft und da du immer eine sehr treffende, zu dir passende Stoffwahl triffst, wirst du auch als Nicht-Kleidträgerin garantiert glücklich mit diesem Donny werden.
LG Miriam
Liebe Miriam, danke! Ich bin ja gar nicht gegen das Kleider tragen, mir fehlen nur oft die Gelegenheiten dazu. Aber dieses Kleid ist definitiv völlig unproblematisch zu tragen, es ist bequem, luftig und durch die Baumwolle auch gut zu waschen. Das wird sicher keine Schrankleiche!
Liebe Grüße, Barbara