Blusen True Bias

Merritt-Shirt von True Bias

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Ich zeige heute zum Memademittwoch im September ein noch sommerlich-maritimes Shirt…wahrscheinlich vom geplanten Ostseeurlaub inspiriert. Es ist das Merritt-Shirt, erst vor kurzem von True Bias veröffentlicht. Merrit ist ein typischer Hemdenschnitt, wie er jetzt modern ist, mit vorderer Knopfleiste, Buttonup-Kragen, einer rückwärtigen Passe und überschnittenen Schultern. Die Paßform ist oversized und leger. Und wer sich jetzt denkt: so einen Schnitt kenne ich doch schon- der hat natürlich völlig recht. Ähnliche oder vielleicht sogar gleiche Schnitte gibt es in großer Zahl, spontan fällt mir Jenna von Closet Core, das Oversized Shirt von TAL oder La Chemise Boyish von Atelier Brunette ein, auch in der Fibre Mood gibt es etliche ähnliche Schnitte. Ich glaube nicht, daß die Designerinnen jeweils ihre Kolleginenn kopieren wollten, sondern das ist einfach ein Modetrend, ähnliche Hemden hängen ja auch in den Geschäften.

Auch ich besaß bereits einen ähnlichen Hemdenschnitt und hatte ihn sogar schon genäht und für gut befunden, nämlich das Jenna von Closet Core. Warum also noch einen ähnlichen Schnitt kaufen? Die Antwort findet sich in dem zauberhaften Kleid, was sich auch aus dem Merritt-Schnitt nähen läßt, seht selbst:

Quelle: True Bias

Da mein Stoff nicht mehr für das Kleid gereicht hat, blieb es dann doch bei einem Shirt- das ist jetzt im Herbst sicher auch etwas praktischer und wird häufiger aus dem Schrank geholt. Bei Kleidern ist es ja bei mir so, daß ich sie natürlich sehr gerne nähe und wenn ich sie anziehe auch gerne an mir mag. Aber mein Alltag als aktive Rentnerin und Hundesportlerin hat nicht so oft die Gelegenheiten für Kleider, also denke ich, daß ich mit dem Shirt alles richtig gemacht habe.

Was ist denn jetzt der Unterschied zwischen Merritt und Jenna? Es gibt doch einige Designmerkmale, in denen sich die beiden Schnitte unterscheiden. Merrit ist mehr „boxy“ geschnitten, ist kürzer und hat eine etwas größere Bequemlichkeitszugabe im Brustbereich. Die Armkugel bei Jenna ist etwas höher,die Brusttasche ist kleiner und der Kragen schmaler.

zum Vergleich die Kragenschnittmuster von Jenna(oben) und Merritt

Unterschiede gibt es auch in der Seitennaht: hier hat Merrit einen schön geschwungenen Übergang zwischen Vorder- und Rückenteil, bei Jenna wird optional ein Zwickel eingesetzt.

An dem Saumbild von Jenna läßt sich schon erkennen, wie ich mit dem Saum gekämpft habe. Die Anleitung für den Zwickel hatte ich vermutlich nicht richtig verstanden, und der Saum , der doppelt eingeschlagen wird, hat sich bei mir nicht schön gelegt. Vielleicht lag das auch am Stoff, ein dünner Baumwollblusenstoff, der ein klein wenig Elasthan enthält. Das braucht man natürlich nicht für diesen Schnitt, und für manche Nähschritte war es eher kontraproduktiv.

Jennna-Shirt von Closet Core

Jenna hatte ich schon Anfang des Sommers genäht und seither gerne und viel getragen, auch bei der großen Hitze war es angenehm luftig. Der Stoff hat die Eigenheit, leicht zu knittern, deshalb sieht das Shirt auf den Bildern so knittrig aus- war aber frisch gebügelt!

Der Stoff, aus dem ich mein Merritt-Shirt genäht habe, ist deutlich dicker. Er wurde als Tencel-Denim bezeichnet, ist aber nicht wirklich ein Hosenstoff. Das Denim meint wohl eher die Bindung, in der der Stoff gewebt ist. Durch das Material Tencel war er nicht so ganz einfach zu verarbeiten und hätte sich gerne in alle möglichen und nicht erwünschten Richtungen bewegt, da war ich froh über die Streifen als Orientierungshilfe. Der Stoff fällt erwartungsgemäß sehr schön und fließend, das Tragegefühl ist weich und kuschelig.

Die Anleitung für Merritt ist ausführlich und gut, es gibt auf dem Blog von True Bias auch einen ausführlich bebilderten Sewalong. Aber eine gute Anleitung findet man natürlich auch bei Closet Core für das Jennashirt.

Kleiner Unterschied: True Bias verwendet üblicherweise eine Nahtzugabe von 1/2 Inch, das finde ich auch sehr angenehm zum Nähen. Bei Closet Core ist die Nahtzugabe meistens 5/8 Inch. Für die Kappnähte, mit denen ich bei Jenna die Seitennähte versäubert habe, ist das ideal. Bei Merritt habe ich die Nähte mit der Overlock versäubert und dann nochmal von rechts abgesteppt- das sind die sogenannten falschen Kappnähte. Den Saum von Merritt habe ich mit der Hand genäht, das Ergebnis gefällt mir viel besser als der vermurkste Saum von Jenna.

Soweit also mein kleiner Schnittmustervergleich zweier recht ähnlicher Schnitte. Ich denke, beide Schnitte haben ihre Daseinsberechtigung und hätten eine Wiederholung , vielleicht dann mit langen Ärmeln, verdient. Mir gefällt im Augenblick das Merrittshirt besser, zumindest in meiner Version, deshalb darf es auch mit an die Ostsee reisen und Jenna bewacht in dieser Zeit meine Schneiderpuppe…so haben alle ihre Aufgaben…

Danke fürs Lesen, und ich freue mich schon auf das Stöbern in Euren Beiträgen, die auf dem Memademittwoch verlinkt sind.

12 Kommentare

  1. Von solchen Hemdblusen kann man wirklich nicht genug haben und auch kleine Details machen einen Unterschied! Ich finde beide Blusen ganz toll und dieses hellblau steht dir einfach großartig.

    • Barbara sagt am 4. September 2026

      Liebe Sam, danke! Ich mag auch beide Blusen gerne, gut, die Merritt vielleicht noch ein bisschen mehr. Blau fügt sich immer gut in meine jeanslastige Garderobe ein, wobei ich jetzt auch noch ein weißes Merritshirt in der Planung habe.
      Liebe Grüße, Barbara

  2. Tolle Bluse, der Stoff ist wirklich perfekt für diesen Schnitt. Deine Merrit gefällt mir ganz hevorragend. Vielen Dank für den Schnittmustervergleich – spannend zu lesen. LG und einen tollen Urlaub an der Ostsee! Kuestensocke

    • Barbara sagt am 4. September 2026

      Liebe Küstensocke, danke! Ich fand es ja selber ganz spannend, mir ein paar Gedanken über die Unterschiede der beiden Schnittmuster zu machen. Gerade bei so ähnlichen Schnitten sind es dann die Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachen.
      Liebe Grüße, Barbara

  3. So ein Shirtkleid habe ich mir letztes Jahr genäht, auch aus einem Streifenstoff. Ich habe allerdings das Saint Dress von Ann Ringstrand genäht, noch ein Schnitt für deine Aufzählung. Es trägt sich gut, kommt aber trotzdem nicht allzu oft raus. Insofern war es gut, dass du dir Shirt statt Kleid genäht hast. Da hast du definitiv mehr davon. Und auch bei den Säumen gibt es ähnliches zu berichten. Der ist beim Saint Shirt/Dress noch gebogener und kann sich nur verziehen beim nähen, es sei denn man näht einen Beleg gegen. Den Zwickel beim Jenna finde ich eine interessante Lösung. Der Saum beim Merritt gefällt mir am besten. Wobei der Saum beim Kleid ja auch viel gebogener ist. Wäre interessant, wie True Bias das dort löst. Ich finde beide deine Hemdblusen sehr gelungen, Merritt gefällt mir noch einen Ticken besser.
    Liebe Grüße heike

    • Barbara sagt am 4. September 2026

      Liebe Heike, Du hast völlig recht, das Saint Shirt/Dress hätte unbedingt in die Aufzählung gehört. Interessant von Deiner Erfahrung zu höen, daß Du das Kleid dann doch nicht so viel getragen hast…genau das waren ja auch meine Befürchtungen. Ich denke, für die gebogenen Säume ist die technisch sauberste Lösung ein Beleg. Oder ein Rollsaum, wenn der Stoff dafür dünn genug ist. Auch bei True Bias wird der Saum doppelt eingeschlagen und dann von links festgesteppt, es wird extra darauf hingewiesen, daß dabei Fältchen entstehen, das wäre aber nicht schlimm…für mich war dann der Handsaum die bessere Lösung.
      Liebe Grüße und Danke,
      Barbara

  4. Ich liebe Streifen im Sommer. Sie sehen immer so kühl und frisch aus, besonders in blau. Das Shirt steht Dir richtig gut und sieht toll aus.
    Die flachere Armkugel bei dem Merrit-Shirt trägt sicher sehr zu seiner Bequemlichkeit bei.
    Ich bändige solche beweglichen Stoffe immer mit reichlich Stärke, mindestens soviel wie für Tischwäsche, dann sind sie artig wie Baumwolle.. Bei diesen gebogenen Säumen bin ich zu Rollsäumen mit dem Rollsaum-Fuß der Nähmaschine übergegangen, wenn der Stoff erstmal eingefädelt ist, geht das schnell und sieht sehr gut aus.
    Liebe Grüße, Stefanie

    • Barbara sagt am 5. September 2026

      Liebe Stefanie, mit meinem Rollsaumfuß stehe ich noch auf Kriegsfuß- liegt aber sicher an mir, daß ich das nicht hinkriege. Vielleicht muß ich es auch in Ruhe nochmals versuchen. Rollsaum mache ich tatsächlich ganz gerne mit der Hand (hat mir Pingel-Inge mal gezeigt :-)), aber mir war dieser Hemdenstoff etwas zu dick für einen Rollsaum.
      Den Trick mit der Stärke muß ich auch mal probieren, das habe ich schon so oft gelesen. Aber da ich meine Tischwäsche nicht stärke, habe ich sowas normalerweise nicht im Haus…
      Liebe Grüße und Danke,
      Barbara

  5. Ein toller Vergleich, vielen Dank dafür! Die Bluse steht dir fantastisch.
    Der Herbst steht ja vor der Tür und ich bin gerade auf Inspirationssuche, was ich in den nächsten Monaten nähen möchte. Eine Bluse für Layering wäre ein tolles Projekt, daher werde ich mir die Schnitte in Ruhe anschauen.
    Meinst du Merit wäre auch für Flanell geeignet?

    LG Miriam

    • Barbara sagt am 7. September 2026

      Liebe Miriam, Merritt würde aus Flanell sicher gut aussehen! Der Schnitt ist ja sehr weit, man könnte ihn sicher auch gut als „Overshirt“ nähen. Ich habe ihn in Gr 6 genäht, ich war von meinen Maßen her zwischen 6 und 8. Bei einem sehr dicken Stoff könnte man die größere Größe wählen, denke ich.
      Liebe Grüße und Danke,
      Barbara

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