Uncategorized

nur eine kleine Bluse- aber selbst konstruiert!

Was macht man mit einem knappen Meter des schönsten Double Gauze von Kokka? Schon lang lag dieser Stoff schon ganz oben auf dem Stoffstapel, wurde immer wieder mal rausgeholt und gestreichelt. So ein schöner Stoff, ganz weich, und dann diese Farben…warum hatte ich damals so wenig davon bestellt? Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, aber vermutlich war das so eine Testbestellung gewesen, weil ich nicht wusste, wie der Stoff sein würde.

Für ein ärmelloses Top reichte der Stoff aber aus, und das wollte ich nun endlich nähen. Bei der Schnittauswahl habe ich viel hin und her überlegt. Es gibt ja wirklich eine Vielfalt von ärmellosen Tops und Blusen bei den Indieschnittmustern in diesem Sommer, ganz zu schweigen von der Auswahl, wenn man die einschlägigen Zeitschriften mit dazu nimmt.

Und wie so oft, macht die Vielfalt der Möglichkeiten die Wahl nur schwerer. In diesem Fall ging es so aus, daß ich mir überlegte, was ich eigentlich wollte, wie dieses Top aussehen sollte- und dann selbst den Schnitt konstruierte.

Für viele von Euch mag dieser Schritt sehr banal klingen. Ja, ich habe einen professionell konstruierten Oberkörperschnitt, und dann ist der Schritt zu einem genähten Teil nicht allzu groß. Andererseits ist meine Erfahrung, daß gerade diese kleinen Design-Zugaben, wie Kragen, Saumabschlüsse und Ähnliches, über den optischen Eindruck des Kleidungsstückes entscheiden, und damit fühle ich mich immer noch überfordert. Ich bin nun mal keine Modedesignerin, und habe leider auch nicht die Zeit, etliche verschiedene Modelle zu nähen und dann das schickste auszuwählen. Deshalb nähe ich immer noch so gerne nach Fertigschnitten, bei denen mir diese Arbeit von einer freundlichen Designerin abgenommen wurde.

Aber in diesem Fall wußte ich genau, was ich wollte, und vor allem was zu meinem Stoff paßte. Also: kein Kragen, sondern einfach ein V-Ausschnitt. Knopfleiste vorne, weil ich das Anziehen einer Bluse mit Verschluss immer noch einfacher finde als das Hineinwinden in ein verschlußloses Teil. Und vor Knopflöchern haben meine Nähmaschine und ich mittlerweile keine Angst mehr. Länge: kurz, möglichst über Röcke und Hosen zu tragen. Eine Schulterpasse, um meinen Rückenabnäher unterzubringen und eine kleine Falte im Rücken.

Heraus kam ein gut tragbares Modell. Die Rückansicht gefällt mir auf den Bildern richtig gut, das sehe ich ja im Spiegel so selten!

 Die Bluse wird gerne getragen, der Stoff ist ein Traum und auch an warmen Tagen nicht zu dick. Am wenigsten finde ich die Ausschnitte gelungen: ich habe mit für eine Schrägbandversäuberung entschieden, und da der Stoff so knapp war, habe ich fertiges Schrägband genommen. Das war aber für diesen weichen Stoff doch zu fest, obwohl ich dann bei der Verarbeitung schon ein Viertel der Breite abgeschnitten hatte. Besser wäre sicher gewesen, aus irgendeinem farblich passenden Baumwollstoff Schrägband selbst herstzustellen. Warum gibt es dieses fertige Schrägband eigentlich nur in dieser furchtbar steifen Qualität?

Außerdem ist der Armsausschnitt immer noch zu weit. Der BH ist zwar gerade nicht sichtbar, trotzdem wäre es besser gewesen, den Ausschnitt noch 2 cm höher zu setzen. Beim nächsten Mal!

hier schleicht sich jemand ins Bild…
MaineCoon Katzen lieben eigenlich das Fotografieren, schließlich sind sie von ihrer Schönheit überzeugt.
auf Befehl läßt sich Kassandra allerdings nicht fotografieren.
na gut, fotografieren wir also weiter die Bluse!

Im Kopfkino schlummern schon viele neue Entwürfe für weitere Blusen. Natürlich läßt sich so ein Modell leicht weiter verändern. Vielleicht mit Ankrausungen, bei einem weicheren Stoff, oder dann doch mit Ärmeln für die kühleren Jahreszeiten.

Aber wer mag jetzt schon an den Herbst denken? Ich halte es lieber wie die Maus Frederic aus dem bekannten Kinderbuch und sammle weiter Sonnenstrahlen für den Winter. Also vielleicht doch noch ein ärmelloses Top nähen?

Heute bin ich wieder bei RUMSdabei, und da ist sicher wieder eine umfangreiche Sammlung von neuen Schnitten zu entdecken.

Uncategorized

Seamwork Patsy

Ich habe ja die Seamwork abonniert und lese eigentlich jede Ausgabe doch ganz gerne. Auch wenn oft nichts (näh)weltbewegendes drinsteht, ist sie schön zum Schmökern, insofern hat sich das Abo schon gelohnt, finde ich. Die Schnitte allerdings, die in den letzten Monaten drin waren, fand ich alle nicht sehr interessant. Es gibt ja die Vorgabe, daß die Schnitte alle eher einfach und an einem Nachmittag zu nähen sein sollen- und das merkt man dann doch. Wobei ich gar nichts gegen einfache Schnitte habe, wenn sie denn wirklich gut sind. Aber einen Schnitt zu vereinfachen, nur damit er schneller zu nähen ist, halte ich für keine gute Idee.

Egal wie, Patsy aus der Juni-Seamwork ist eine rühmliche Ausnahme. Ein eigentlich einfacher Schnitt, nämlich ein Rock mit breitem Formbund und rundum angekrausten Rockteilen. Die Besonderheit dieses Schnittes liegt in der Variation des Fadenlaufes an Bund, Taschen und Saumstreifen. Es gab in der Seamwork ein Designbeispiel mit Streifen, was mir gleich gut gefiel, und diese Version habe ich nachgenäht.

Erleichtert wurde dieses Vorhaben durch einen passenden und traumhaft schönen Stoff in meinem Vorrat, der gleich danach schrie, zu so einem Rock verarbeitet zu werden. Wieder mal von Robert Kaufmann, wieder mal von 1000Stoff zu mir geschickt, und wieder mal einblauer Baumwollstoff. Aber diesmal mit zarten bunten Streifen- so schön, daß auch die Großaufnahme des Stoffes ihm eigentlich nicht gerecht wird!

Das Nähen war unproblematisch, einzig mit der Weite des Bundes gab es dann doch eine Überraschung. Eigentlich hatte ich mir über die Passform überhaupt keine Gedanken gemacht- der Rock ist weit, also wenn der Bund irgendwo in der Taille sitzt, paßt der Rock. Aber leider hatten sich meine Bundteile, die natürlich teilweise im schrägen Fadenlauf zugeschnitten sind, trotz Verstärkung und ausgiebigem  Staystitching offensichtlich verzogen und geweitet. Jeden falls war der Bund deutlich zu weit. Da ich den Bund schon angenäht hatte und die Seitennähte verschlossen hatte, als mir das klar wurde, habe ich die überschüssige Weite aus der hinteren Mitte rausgenommen. Bei so einem einfachen und rundum symmetrischen Schnitt kann man das machen, finde ich.

Nun sitzen die Seitennähte und damit die Taschen ein kleines wenig hinter der optimalen Position- ich kann damit gut leben. Auch über die Streifenanpassung hatte ich mir übrigens keine großen Gedanken gemacht, das war mir zu kompliziert bei diesen vielen verschiedenen Anschlüssen. Und bisher hat es auch noch keinen gestört.

 Mit der Länge des Rockes habe ich eine Weile gehadert. Die Originalversion war eindeutig zu lang, da habe ich dann gleich mal 3-4 cm abgeschnitten. Dann war er immer noch lang, nämlich über knielang, und das soll er wohl auch sein. Ich fand die Länge an mir anfangs sehr fremd. Hatten nicht meine großen Schwestern und meine Mutter immer Röcke in dieser Länge getragen? Ich habe ihn dann kürzer abgesteckt, fand ich viel schicker, am nächsten Tag noch mal anprobiert und dann doch länger gelassen, mit dem Gedanken, daß ich ihn ja immer noch kürzen könnte.

 Und mittlerweile gefällt mir die Länge ausnehmend gut. Sie ist auch bei warmen Temperaturen sehr angenehm, und genial beim Fahrradfahren. Also, die Rocklänge bleibt so!

In der Seamwork wird der Rock als“peasant skirt“ bezeichnet, da habe ich gerade noch mal im Wörterbuch nachgeschlagen, aber peasant bedeutet wirklich „bäuerlich, ländlich“. Also ein Rock im Landhausstil? Da war es ja passend, daß wir für die Bilder eine sehr ländliche Gegend aufgesucht haben, nämlich ein kleines Naturschutzgebiet, das sich mitten in der dicht besiedelten Rheinebene unversehens findet. Nach wenigen Metern ist man in der schönsten Natur, und bis auf das Rattern der Güterzüge der nahen Bahnstrecke ist man wirklich in ländlicher Stille. Hier paßt der Rock gut hin!

verlinkt: RUMS

Uncategorized

Liebe auf den 3. Blick- Malaga Top von Waffle Patterns

Letzter Memademittwoch vor den Ferien, und das Motto heißt: ich packe meinen Koffer!

Da kann ich leicht mitmachen, denn ich bin bereits in den Urlaub gefahren und das obligatorische Kofferpacken liegt erst 3 Tage zurück.

Seit ich selbst nähe, ist auch das Kofferpacken vor Reisen ein Genuss. So schön, die ganzen selbstgenähten Klamotten zu falten und zu verstauen. Das meiste, das ich mitnehme, ist ja mittlerweile selbstgenäht, mit einzelnen Ausnahmen. Dieses Jahr ist es eine kurze Kaufhose, die mit muß (wieso habe ich mir eigentlich noch keine kurze Hose genäht? muß dringend geändert werden!)

Die Wahl, was ich mitnehme, ist auch einfach, denn ich packe die genähten Stücke der letzten Wochen ein, das paßt dann meistens ganz gut in die Jahreszeit.

Dieses Jahr ist wieder mal Ostsee angesagt, also Tops, Jeans und natürlich Kleider eingepackt. Was mir fehlte, nachdem ich die aktuellen Wettervorhersagen studiert hatte, war ein weiteres Sweatshirt.

Da traf es sich doch wunderbar, daß Yuki von Wafflepatterns gerade einen neuen Schnitt heraus gebracht hatte, der aus Sweat genäht werden kann, das Malaga Top.

Malaga ist ein Raglanschnitt, die Schultern werden durch Schulterabnäher auf Form gebracht. Am Saum sowie an den Ärmeln werden kleine Abnäher genäht, dadurch entsteht eine ovale Form. Es gibt verschiedene Ärmellängen und zwei Ausschnitte, ich habe den tiefen Ausschnitt mit einem V-Ausschnitt im Rücken gewählt. Es gibt auch eine Art Rollkragen, dann mit einem Reissverschluss im Rücken. Als Stoffempfehlung werden sowohl Sweatshirtstoffe als auch Webstoffe genannt.

 Mit Malaga und mir, das war keine Liebe auf den ersten Blick. Oder besser gesagt, auf den ersten schon, denn der hat mich ja zum Kaufen des Schnittes animiert. Aber der zweite Blick, und vor allem die Blicke beim Nähen, die waren sehr, sehr skeptisch…aber der dritte und die folgenden Blicke, mit denen ich jetzt meinen Pulli im Urlaub betrachte, die finden ihn ganz toll!

Was war das Problem? Ich denke, das war die Stoffwahl. Auch wenn Yuki Sweatstoffe mit empfiehlt, ist die Art, wie der Stoff verwendet wird, eindeutig eine Verarbeitung von Webstoffen. Ausschnitt und alle Säume werden mit Belegen versäubert- kann man natürlich auch bei dehnbaren Stoffen machen, aber so richtig Freude kommt dabei nicht auf. Nachdem ich die Belege zugschnitten hatte, kamen mir die ersten Bedenken. Mein Stoff, ein Sommersweat, war wirklich nicht allzu dick, aber wenn dann mal einige Schichten aufeinander liegen, kommt schon ein gewisses Volumen zusammen. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, alle Säume und Nahtzugaben zurückgeschnitten und gradiert, aber trotzdem trägt der Halsausschnitt etwas auf und liegt nicht perfekt an.

Als ich das beim Nähen gemerkt habe, war ich schon fast soweit, das ganze Teil in die Ecke zu pfeffern und auf das Shirt zu verzichten. Mittlerweile hatte ich auch mal die Seitennähte geheftet und fand das ganze auch viel, viel zu weit.

Aber wie so oft, half auch hier einmal darüber schlafen. Am nächsten Tag versuchte ich dann, die Seitennähte enger zu heften, und den abstehenden Ausschnitt fand ich auch nicht mehr so schlimm.

Am Ende hatte ich dann die Seitennähte von Ärmeln und Pulli jeweils um ca 1cm enger genäht. Ich hatte ursprünglich Gr 38 zugeschnitten, von meinen Maßen lag ich zwischen 38 und 40. Was ich jetzt trage, entspricht vermutlich der Gr 36, die hätte ich gleich abpausen sollen.

Durch die eigentlich zu große Größe wirkt der ganze Pulli oversized- das war zuerst gar nicht mein Fall, aber mittlerweile gefällt es mir ganz gut.

Die Ärmel sind natürlich zu lang, aber kürzen ging nicht mehr, da ich ja auch schon mühevoll die Abnäher eingenäht hatte.

Nach dem Desaster mit dem Halsausschnitt-Beleg wollte ich das ganze nicht am Saum wiederholen, zumal ich es am Saum noch unschöner finde, wenn er so absteht. Ich habe die Säume einfach mit der Overlock versäubert und dann mit der Coverkettstichnaht abgesteppt- ging wunderbar.

Die farbige Kettstichnaht konnte ich mir dann doch nicht verkneifen. Der Sweat(bezogen über 1000Stoff) ist ja auch nicht einfach grau, sondern hat so kleine neongrüne und pinkfarbene Sprenkel in sich, kann man auf den Bildern leider nicht erkennen. Das erforderte einfach eine pinkfarbene Covernaht!

Der Pulli ist hinten länger als vorne und hat eine schön geschwungene Saumkante. Deswegen kann man ihn auch nicht anders herum tragen, das hatte ich mir zwischendurch mal überlegt, weil ich den V-Ausschnitt auch vorne ganz schön finden würde.

Der Tragetest des Pullis verlief übrigens absolut positiv. Ich bin seit Montag an der Ostsee und trage ihn jeden Tag. Der Stoff ist ein Traum, wunderschön weich. Und der Pulli paßt irgenwie über alles, wärmt mich im Strandkorb, läßt sich natürlich zu Jeans kombinieren und überraschenderweise auch zum Kleid oder Rock- das ist jetzt eindeutig die Liebe auf den dritten Blick zwischen Malaga und mir.

Wenn ich das Top noch mal nähe, würde ich eine Größe kleiner von vornherein wählen und den Beleg des Halsausschnittes aus einem dünneren Stoff nähen. Ich hatte zwischendurch auch mal überlegt, ein Bündchen an den Halssausschnitt zu nähen, aber das paßt nicht zum Stil des Pullis. Ich finde es hier gerade schön, daß ein Sweatshirt ohne Bündchen genäht wird und trotzdem nicht unförmig wirkt. Diese Abnäher am Saum sind schon ein tolles Designmerkmal.

Da der Haus- und Hoffotograf noch nicht angereist war, hatte ich mir für diese Bilder wieder mal das Stativ eingepackt und eine möglichst einsame Stelle am Brodtner Ufer aufgesucht. Und ich hatte Glück, bis auf etliche vorbeischwimmende Schwäne störte mich keiner bei meiner Tätigkeit.

jetzt bin ich aber doch gespannt auf den Kofferinhalt der anderen gutangezogenen Damen des Memademittwoch! Sicher gibt es hier wieder ganz viele tolle Inspirationen für die Nähprojekte nach dem Urlaub!

Uncategorized

Darling Ranges von Megan Nielsen

Zu diesem Kleid kann ich eigentlich gar nicht viel schreiben. Es ist ein Klassiker  in der Nähszene, dieses Darling Ranges von  Megan Nielsen. Unzählige Male wurde es genäht und auf den Blogs besprochen, da kann ich kaum was hinzufügen.

Auch meine Erfahrung ist, daß dieser Schnitt einfach gut ist. Ich habe Größe S genäht und wenig geändert. Der Schnitt hat ein relativ figurbetontes Oberteil mit einem Brustabnäher. Den hatte ich gleich mal 2 cm tiefer gesetzt und nach der ersten Anprobe noch mal um 2cm nach unten verschoben.. Dadurch wurde der Abnbäher recht kurz und weit- wenn ich das Kleid noch mal nähe (und das werde ich bestimmt! ) teile ich den Abnäher auf zwei Abnäher auf, also einen zur Seitennaht, das sieht dann glaube ich besser aus.

 Hinten wird das Kleid mit Bindbändern auf eine taillierte Form gebracht. Ich hatte eigentlich vor, dies durch Rückenabnäher zu erreichen und auf die Bändel zu verzichten. Aber ich war zu zaghaft beim Einfügen meiner Rückenabnäher, das Kleid war immer noch so weit, daß ich die Bänder dann doch angenäht habe. Und sie gefallen mir doch sehr gut. Ich hatte ja Angst, daß die Bänder dann so eine Küchenschürzencharakter bewirken, aber das ist hier nicht so, wahrscheinlich  weil die Bänder auch recht kurz sind.

Die Knopfleiste ist angeschnitten und einfach zu nähen. Der Rock ist ein Rechteck und wird in der Taille angekraust.

Normalerweise hat das Kleid natürlich Ärmel. Für diese ärmellose Version habe ich sie einfach weggelassen und die Kanten mit Schrägband versäubert, genau wie den Halsausschnitt.

Den Armausschnitt hätte ich etwas nach unten legen müssen, der ist etwas knapp, stört beim Tragen aber nicht weiter. Zumindest gibt es keine unverhofften Einblicke auf den BH im Armausschnitt.

Ein weiterer Vorteil dieses Schnittes ist, daß er mit vielen Stoffen gut funktoniert. Mein Stoff ist ein relativ stabilerBaumwollchambray von Robert Kaufmann, den ich über 1000Stoff bezogen habe

Das schöne an diesem Stoff sind die kleinen bunten Sprenkel:

Aber ich kann mir diesen Schnitt auch aus vielen anderen Stoffen vorstellen, vielleicht aus einem DoubleGauze, und dann mit Ärmeln?

Jetzt schaue ich aber erstmal, was die anderen Damen am Memademittwoch tragen. Da gibt es sicher noch viele andere Inspirationen! Claudia zeigt ein tropentaugliches Seidenkleid-so schön!

Und da das Kleid eindeutig blau ist, paßt es natürlich wunderbar in Selmins Aktion 12 Colours of Handmade Fashion, bei der im Juni das Thema blau gewählt wurde. Meine Lieblingsfarbe, da darf ich nicht fehlen!

Uncategorized

CalifayePocketSkirt

Auf diesen Rockschnitt wurde ich durch die Aktion SewMyStyleaufmerksam, die zur Zeit auf Instagram läuft. Es gibt ja in der Nähszene unzählige Aktionen für Blogger und andere Internet-Aktive, ich glaube, den Überblick darüber hat keiner so wirklich. Jeder hat sei Eckchen im Internet , in dem er sich wohlfühlt, und nur manchmal gibt es Überlappung und Kontakte zu anderen Aktionen.

Ich beteilige mich fast ausschliesslich am Memademittwoch, weil ich mich hier wohlfühle und meine Beiträge wohlwollend und hoffentlich mit Interesse gelesen werde.

Instagram ist etwas anderes- hier gibt es viele kurze , schnelle Kontakte, und der Radius ist natürlich ungleich größer. Über die gemeinsam genähten Modelle hat man unvermittelt Kontakte zu Näherinnen aus USA, Norwegen oder anderen Ländern, das finde ich schon spannend. Und diese Aktion SewMyStyle läuft auch nur auf Instagram. Initiiert wurde diese Aktion vonBluebirdfabric, einer jungen irischen Stoffhändlerin, die sich das“slow sewing“ auf ihre Fahnen geschrieben hat. Es geht darum, jeden Monat einen definierten Schnitt zu nähen und dann Ende des Jahres eine komplette selbstgenähte Basisgarderobe zu haben

Die Auswahl der Schnitte ist sicher subjektiv von der Autorin des Sewalongs getroffen, aber es ist ein hübscher Querschnitt durch etliche bekannte und unbekannte Indie-Schnittdesignerinnen. Named Pattern und Megan Nielsen sind mit einigen Schnitten vertreten, aber eben auchCaliFaye, die ich bisher noch nicht kannte.

Für den Mai 2017  war  der BasicsPocketSkirt von Cali Faye das Thema, und so fanden sich auf den Instagram Accounts und Blogs einige Beispiele dafür, die mich animierten, diesen Rock zu nähen.

Der Schnitt: zwei einfache Rechtecke, oben angekraust. Zwei große Taschen werden sichtbar aufgenäht. Der hintere Bund wird durch ein eingezogenes Gummiband noch etwas in Form gebracht.

Eigentlich alles nichts besonderes , aber in der Kombination dann doch so überzeugend, daß dieser Rock seiner Bezeichnung „Basics Skirt“ durchaus gerecht wird. Er ist weit, aber nicht so weit, daß er unförmig ist. Zum Laufen ist er gut geeignet, Radfahren geht grade so. Der Gummizug im rückwärtigen Bund hat einen guten Effekt auf den Sitz des Rockes. Sonst haben Röcke bei mir immer leicht die Tendenz, vorne hoch und hinten runter zu rutschen, aber durch das Gummi sitzt dieser Rock immer schön in der Taille.

Ich habe Größe  M  genäht und ihn um 7 cm verlängert. Das erwies sich dann als immer noch zu kurz, um den vorgeschlagenen Saum von 5 cm zu nähen. Ich habe dann den Saum wie einen Beleg extra angesetzt, jetzt finde ich die Länge gerade so ok, kürzer dürfte er für mich nicht sein.

Die Anleitung fand ich nicht so optimal, wenn ich ehrlich bin…ich lese ja immer die Anleitungen von Schnitten, weil ich denke, ich kann dabei noch etwas neues lernen. Hier habe ich oft  gestutzt und mich gefragt, wie das jetzt wohl gemeint sein könnte. Vielleicht bin ich auch einfach verwöhnt von den vielen anderen guten Anleitungen, die es bei anderen Schnittmuster-Designerinnen gibt?

Der Stoff ist ein grauer Baumwollstoff, den ich ein Jahr lang im Stoffvorrat gehütet hatte. Ich hatte ihn im letzten Jahr in Lüneburg in der Tillabox erstanden, ein kleiner, feiner Stoffladen in der Innenstadt von Lüneburg. Der Stoff ist so weich, daß ich ihn beim ersten Anfassen für einen Double Gauze hielt, aber er ist wirklich nur ein einfacher Baumwollstoff. Super zu vernähen, und ein Traum beim Tragen.

Dei Frage des passenden Oberteiles hat mich dann auch noch beschäftigt. Am schönsten finde ich ja einen kurzen Pulli zu so einem Rock, und hier ist mein Lieblingsschnitt der Ondee von Deer und Doe. Hier habe ich ihn schon mal gezeigt. Pulliwetter ist zur Zeit ja nicht so wirklich, aber zum Glück kann man Ondee auch aus Jersey nähen, hier hat der Schnitt eine Version mit einem kleinen Kragen, relativ hochgeschlossen. Die Ärmel habe ich weggelassen, und das Saumbündchen auch, nachdem ich bei der ersten Anprobe die Länge (allerdings schon um 5 cm verlängert) genau richtig über dem Rock fand….

 So ganz optimal ist die Länge im Tragetest allerdings doch nicht, denn der Zuppel-Faktor ist doch recht hoch…irgendwie ist das Top doch zu kurz. Vielleicht mache ich doch noch ein Bündchen daran.

Genäht ist das Top aus einem cremefarbenen Noshjersey, von dem ich einen Meter bestellt hatte.

Da der Stoff recht breit war, ich glaube 170 cm, gab es noch Reste für ein zweites Top nach dem gleichen Schnitt: diesmal mit tiefem Ausschnitt und einer Rückenpasse aus einem Spitzenjersey.

Ich hatte hierfür den Schnitt noch um weitere 3 cm verlängert, jetzt finde ich die Länge ideal.

Beide Tops trage ich aber sehr gerne zu meinem neuen Rock und finde mich bei den derzeitigen tropischen Temperaturen gut und passend angezogen.

Die Garderobe der anderen Näherinnen des MeMadeMittwoch an diesem tropischen Mittwoch findet man hier!

Uncategorized

Willow Tank Top von Grainline Studio

Ich kaufe ja furchtbar gerne neue Schnitte- mehr als ich jemals nähen kann. Das habe ich schon erkannt und versuche wirklich mittlerweile, mich zu bremsen. Zum Glück gibt es auch Schnitte, die mich so wenig interessieren, so daß hier der Verzicht auf den Kauf mir nicht schwer fällt.

Zu diesen Schnitten gehörte bisher dasWillow Tank von Grainline Studio.

Ich bin wirklich ein großer Fan der Grainline Schnitte, aber bei diesem Top dachte ich immer, daß ich das nicht brauche. Zu schlicht, ohne Ärmel, dann noch aus Webstoff- wenn ich schon so ein Top nähen würde, dann doch lieber aus Jersey, damit es jedenfalls bequem ist- so meine Gedanken bis vor einigen Wochen.

Aber dann kamim Mai der Sommer mit hohen Temperaturen, und ich hatte das Verlangen nach einem leichten Oberteil. Und in meinem Stoffregal lachte mich dieser Stoff an: ein luftiger Baumwollstoff, freundlicherweise auch in Bioqualität von dem amerikanischen Stoff-Label Cloud9.

Auf eine Bluse hatte ich grade keine Lust, mit Knöpfen, Knopfleiste und was dazu gehört- nein, war mir bei dem warmen Wetter zu aufwendig. Und da fiel mir das Willow Tank Top von Grainline ein, und plötzlich fand ich den Schnitt ideal: ein ganz schlichtes Oberteil, ohne Verschluss, knapp hüftlang und damit sowohl über Röcke als auch Hosen zu tragen.

Meine anfängliche Skepsis bei diesem Schnitt war rasch vergessen. Der Schnitt ist einfach genial: so schlicht wie er ist, merkt man doch das Können der Designerin dahinter. Er hat eben genau die richtige Weite, um ohne Verschluß auszukommen und trotzdem nicht unförmig zu wirken. Die Länge ist  genau richtig, nicht zu kurz und nicht zu lang.

Der Brustabnäher sitzt für mich an der richtigen Stelle- das passiert mir bei Fertigschnitten selten.

Die Verarbeitung sieht Beläge aus Schrägband an Arm- und Halsausschnitt vor. Der Saum unten wird 5 cm umgeschlagen. Es gibt einen genauenSewalong auf dem Blog von Grainline, wenn man sich manche Schritte nochmal genau erklären lassen möchte.

Das Nähen wurde so zu einem reinen Vergnügen, das allerdings nicht lange anhielt, denn auch mit der Nähdauer kann dieses Top punkten: ich habe die Zeit zwar nicht genau gemessen, aber es waren sicher nicht mehr als drei Stunden, inclusive Kauf des Schnittes , Ausdruck und Zusammenkleben des Schnittes. Das ruft doch schon nach dem nächsten Exemplar!

 Das Top ist so  bequem, daß es an den warmen Tagen fast in Dauerschleife getragen wurde. Auch zum Radfahren hat es sich absolut bewährt.

Dazu trage ich übrigens die Morgan Jeans von Close Case. Auch die empfinde ich bei dem warmen Wetter als sehr angenehm und trage sie viel.

Aber daß wir bei unserer Radtour dieses tolle Kornblumenfeld entdeckte, das war wirklich genial! Ich weiß wirklich nicht, zu welchem landwirtschaftlichen Zweck dieses Feld dient. Vielleicht war es wirklich für radfahrende nähende Bloggerinnen angelegt, damit die ihren passenden Fotohintergrund haben? oder hat jemand eine bessere Erklärung?

Die Garderobe anderer nähende Bloggerinnen, fahrradfahrend oder nicht, findet man heute auf dem Blog des MeMadeMittwoch!

Uncategorized

Gedanken zur T-Shirt- Passform: Plantain von DeerandDoe

 

Ups, jetzt hatte ich die Streifen ja völlig vergessen! An diesem Mittwoch ist wieder Motto-Tag beim Memademittwoch, Motto diesmal: Streifen!

Eigentlich wollte ich ja was ganz anderes zeigen, aber dieses andere hat so wenig Streifen, wie man überhaupt nur wenig Streifen haben kann, wäre nämlich geblümt…also habe ich kurzerhand umdisponiert, nachdem ich auf Instagram an das  dieswöchentliche Motto erinnert wurde. Ja, Instagram -Leser wissen eindeutig mehr!

Zum Glück habe ich noch zwei T-Shirts zu zeigen, bei denen zumindest das erste eindeutig gestreift ist. Das zweite zeige ich auch nur, weil ich mir bei diesem Gedanken  und Anpassungen zur Passform gemacht habe.

Nun könnte man zu recht einwenden: braucht denn ein T-Shirt eine gute Paßform? Handelt es sich nicht eher  um ein so simples Kleidungsstück, bei dem man getrost nach dem Motto verfahren kann:sitzt, wackelt und hat Luft? Shirts haben wir alle zu Dutzenden in unseren Schränken, sie werden nach Belieben hervorgeholt, in Taschen zerknüllt, ohne Bügeln wieder angezogen- es sind doch einfach Gebrauchsgegenständen, denen wir  nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenken. Andererseits ist es natürlich schön, wenn man als Selbernäherin gerade diese alltäglichen Teile mit etwas Liebe gestalten kann. Ich jedenfalls freue mich jeden Morgen, wenn ich ein selbstgenähtes T-Shirt aus dem Schrank ziehen kann.

Und da ich in diesem Frühjahr mit dem wechselhaften Wetter das Gefühl hatte, ich bräuchte noch ein neues Shirt mit 3/4 Ärmeln, griff ich mir aus meinem Stoffstapel diesen wunderschönen gestreiften Jersey der Firma Noshund nähte mir ein Shirt nach dem Schnitt Plantain von DeerandDoe.

Plantain ist ein Gratisschnitt, den es bis vor kurzem nur als PDF zum Zusammenkleben gab. Ich hatte ihn einige Male genäht, den Schnitt dabei geändert, Nahtzugaben angeklebt und wieder abgeschnitten- nein, dieses Schnittmusterteil war nicht mehr zu gebrauchen. Aber DeerandDoe hat mittlerweile auch  auf Schnittmuster im A0-Format umgestellt, und auch das ist bei Plantain kostenlos. Also: Schnitt runtergeladen, zum Plotten geschickt, und dann ging es los.

Genäht habe ich die Größe 40, paßt zu meinen Maßen, und paßt mir auch sonst gut bei DeerandDoe.

Shirt genäht, angezogen- alles gut, es paßte mir, ich war zufrieden.

Nein, ich war nicht zufrieden. Das Shirt hatte eine Paßform, die akzeptabel war, mehr aber auch nicht. Aber diese Paßform haben viele T-Shirts an mir: kleine Fältchen über der Brust, die fast schon einen Abnäher formen möchten, und zuviel Stoff im oberen Rücken und oberen Brustbereich.

Die Brustweite an sich war schon richtig: der Schnitt hat eine leichte negative Bequemlichkeitszugabe von 3cm im Brustbereich, enger möchte ich es eigentlich gar nicht haben.

In der seitlichen Ansicht sieht man deutlich, daß das Shirt vorne hochgezogen wird, die Streifen betonen das noch.

Die Lösung meines Problemes fand ich in einem alten Blogbeitrag von MariaDenmark.  Hierbeschreibt sie, daß die meisten Fertigschnitte für B-Körbchen designt sind. Wer eine größere Körbchenweite hat, solle die Größe des Fertigschnittes nach der Oberbrustweite auswählen und eine FBA, ein full bust adjustment durchführen.

Mir schien das einleuchtend, und so habe ich es einfach ausprobiert. Für die FBA gibt es viele Anleitungen im Netz, ich kann hier bespielhaft auf dieschöne Anleitung von Crafteln hinweisen.

Kurz gefaßt geht es bei der FBA darum, dem Schnitt im Brustbereich mehr Stoff zu gönnen. Das geht durch drei definierte Einschnitte im Schnitt und ein Verschieben der Schnittmusterteile um den gewünschten Betrag.

Die FBA für T-Shirts hat zwei Besonderheiten: die erste ist natürlich, daß wir den Brustpunkt, den wir ja für unsere Änderungen benötigen, leider nicht dem Schnitt entnehmen  können. Bei Schnitten für Webstoffe läßt sich der Brustpunkt  meistens durch die Position der Abnäher erkennen, bei einem Jerseyschnitt ohne Abnäher geht das natürlich nicht. Da hilft wohl wirklich nur, ein Shirt sich anzuhalten und den Brustpunkt markieren und auf den Schnitt übertragen.

Das andere Problem ist, daß bei der FBA ein neuer Abnäher entsteht. Den könnte man natürlich nähen, dann hat man ein Shirt mit Brustabnäher. Wenn man das nicht will, muß er eliminiert werden, dies wird sehr schön  auf dem Blog von Paprika Pattern beschrieben. Auch Maria Denmark beschreibt ein ähnliches Verfahren .Im Prinzip ist es so, daß der entstandene Brustabnäher in  die Taille gedreht wird und dann das Volumen des neuen Abnähers von der Seitennaht wieder weggenommen wird. Schnitttechnisch vielleicht nicht ganz korrekt, denn es handelt sich hier um eine Parallelverschiebung eines Abnähers- aber bei dehnbaren Stoffen funktioniert sowas wunderbar.

Da ich ja furchtbar gerne an Schnitten herumschnippele oder zeichne, habe ich das mit dem Plantain-Schnitt einfach mal ausprobiert. Ich habe eine FBA von 1,6 cm durchgeführt , wirklich nicht viel, aber das ergab sich rechnerisch so. Die fertigen Schnittteile sahen auch nur wenig anders aus, rein optisch. Aber das Ergebnis fand ich schon überzeugend:

Natürlich gab es immer noch Fältchen im Achselbereich , aber deutlich weniger als bei der ersten Version. Deutlicher wird das in der Seitansicht, denn der Saum wird nach der FBA schön gerade:

Insgesamt war ich schon sehr überrascht, wie deutlich diese geringe Schnittänderung die Paßform beeinflußt, selbst bei diesen dehnbaren Stoffen. Ich fand dieses Experiment hochinteressant. Und zu verlieren hatte ich ja eigentlich nichts, denn natürlich trage ich auch das gestreifte Exemplar ausgesproch gerne, es paßt mir ja auch relativ gut. Aber die Anpassung hat es noch etwas besser gemacht- spannende Angelegenheit, mit der ich mich weiter beschäftigen möchte!

 Der Stoff ist diesmal einBaumwolljersey von Art Gallery, in der Dehnbarkeit in etwa dem Nosh-Jersey vergleichbar.

Ich trage beide Shirts übrigens sehr gerne, die nicht optimale Paßform des gestreiften fällt erwartungsgemäß im täglichen Gebrauch nicht auf. Und den Schnitt finde ich nach wie vor sehr schön- etwas ausgestellt zum Saum hin, knapp hüftlang, das ist so die Länge, die bei mir zu (fast) allem paßt.

Jetzt bin ich aber doch gespannt auf die anderen gestreiften Kleidungsstücke, die am heutigen Memademittwoch gezeigt werden!

Uncategorized

Heather die zweite

Ich nähe ja die meisten Schnitte nur einmal- nicht, weil ich unzufrieden mit den Schnitten wäre, nein, die  meisten Schnitte , die ich nähe, gefallen mir sehr gut (schliesslich habe ich sie ja auch aus einer Vielzahl von möglichen zu nähenden Schnitten ausgewählt…)

Aber es gibt so viele spannende Schnitte, die mich interessieren, so daß mir oft einfach keine Zeit für eine Zweitauflage bleibt.

Wenn ich einen Schnitt wiederholt nähe, handelt es  sich a) um einen besonders tollen Schnitt  b) um einen Schnitt, bei dem ich mir eine Optimierung der Paßform überlegt hatte oder  c) um einen Schnitt, nach dem ein neu gekaufter Stoff undbedingt ruft.

Wenn alle drei Dinge zusammen treffen, handelt es sich um den Schitt Heather von Sewoverit und einen  Sommersweat von Albstoffe.

Heather hatte ich schon mal genäht, gefällt mir immer noch sehr gut und wurde in diesem Frühjahr gerne und viel getragen. Eine Version mit Streifen konnte ich mir gut vorstellen, dann aber mit einfarbigen Außenteilen. Die idealen Stoffe dafür entdeckte ich im Stoffbüro: ein gestreifter Sommersweat,  mittelblau mit zarten grauen Streifen, und ein dazu passender Uni-Stoff– perfekt für mein Projekt.

An meiner ersten Heather fand ich ja die Paßform nicht so optimal, ich fand das Kleid im Oberkörperbereich etwas zu weit. Aber anstatt die Teilungsnähte etwas nach innen zu nähen, wollte ich jetzt mal ganz schlau sein: ich nahm mir vor, eine Größe kleiner zu nähen, dafür aber ein Full-Bust-Adjustment durchzuführen und hoffte auf eine ideale Paßform.

Dieser Gedanke war vermutlich ganz richtig, das glaube ich immer noch. Die meisten Fertigschnitte sind ja für ein B-Körbchen gemacht, das heißt für uns C-Körbchen-und-größer-Trägerinnen, daß wir immer eine zu große Größe bei den Fertigschnitten wählen, wenn wir nach der Brustweite gehen.

Mein weiteres Vorgehen allerdings war ziemlich stümperhaft. Ich also die nächstkleinere Größe des Schnittes abgepaust, das war dann die Größe 8 , ist übrigens auch schon die kleinste Größe bei Sewoverit. Dann die FBA versucht, nach einer Anleitung für Prinzeßnähte, wo man ja die FBA vor allem am äußeren Seitenteil vornimmt- ging natürlich nicht, denn Heather hat eben keine richtigen Prinzessnähte, sondern Teilungsnähte, die dem Design und der Taschenformung dienen, soviel habe ich jetzt gelernt.

Der korrekte Weg wäre gewesen, die Teilungsnähte am Schnitt wieder zusammen zu fügen, die FBA vorzunehmen und dann erneut zu teilen.

Für diesen korrekten Weg war ich einfach zu faul. Nachdem ich eine Weile an den Schnittteilen erfolglos herumgestrichelt und geschnippelt hatte, entschied ich mich für den Weg „quick and dirty“.

In diesem Fall hieß das, das Mittelteil zu verlängern, um die erforderliche Länge für die größere Brust zu bekommen. Die Seitenteile habe ich einfach aufgespreizt. Und die notwendige Weite wollte ich mir aus der Erweiterug der Seitennaht holen bzw aus einer Verringerung der Nahtzugaben- also wirklich alles quick and dirty, nicht zu empfehlen.

Die Armausschnitte wollte ich in der ursprünglichen Größe 10 lassen, habe sie sogar noch etwas nach unten vergrößert und die Ärmelweite entsprechend erhöht, da mir in der ersten Version die Ärmel etwas zu eng gewesen waren. Das alles hatte ich natürlich nicht auf die Schnitteile augezeichenet, sondern mir lässig beim Zuschneiden überlegt…

Spätestens jetzt merkt die geneigte Leserin, an welcher Phase meiner Nähkünste ich angelangt bin: eindeutig in der Phase, in der ich zwar manche Zusammenhänge der Schnittkonstruktion begriffen habe, aber meine Kenntnisse durchaus nicht Schritt halten können mit dem Zuwachs an Selbstvertrauen oder eher Selbstüberschätzung. Auch ein Schnitt aus dehnbaren Materialien folgt gewissen Grundsätzen, die man nicht einfach lässig vereinfachen darf.

Unter diesen Umstaänden war es eigentlich überraschend, daß Heather II doch noch so gut gelungen ist.  Aber das Kleid ist eindeutig zu eng im Brustbereich. Zum Glück ist der Sweat halbwegs dehnbar, so daß die fehlende Oberweite aus der Dehnbarkeit geholt wird.

Die Schultern sitzen nicht richtig. Das Problem hatte ich schon bei der ersten Version, habe ich jetzt aber durch die kleinere Größe eher verstärkt. Und der Ärmel ist eher zu groß. Zu meiner Ehrenrettung kann ich hier nur vorbringen, daß die andere Schulter besser sitzt: dies ist die rechte Schulter, die bei mir mehr abfallend ist als die andere. Langsam müßte ich wirklich mal anfangen, das bei meiner Schnittanpassung zu berücksichtigen, aber es fällt mir immer zu spät ein…

Als das Kleid fertig war, war ich zunächst maßlos enttäuscht. Die Anpassung war mir nicht gelungen, und ich fand das ganze Kleid auch nicht so schick, wie ich es mir vorgestellt hatte. Nach den ersten Trageerfahrungen musste ich zum Glück meine Meinung revidieren: dieses Kleid ist genau das, was die Lücke zwischen den alltagstauglichen praktischen Dingen und den „schickeren“ Klamotten wunderbar erfüllt.

Die Paßformmängel stören mich im Alltag überhaupt nicht- ja, war eigentlich zu erwarten, man ist da einfach zu pingelig mit sich selbst. Das Kleid ist bequem wie in Sweatshirt, und so durfte es auch mit nach Mecklenburg reisen, wo die Bilder an einem einsamen Strand entstanden sind. Ja, so was gibt es wirklich in Deutschland- die deutsche Ostseeküste ist absolut eine Reise wert!

Zum Fahrradfahren und Strandwandern war das Kleid wunderbar geeignet, und auch bei Schlossbesichtigungen, von denen es in Mecklenburg ja so viele gibt, fühlte ich mich mit Heather immer gut angezogen.

Und so kann ich mir gut noch eine Heather III vorstellen, vielleicht gelingt mir die Anpassung ja doch noch etwas besser. Auch bei diesem Kleid habe ich jedenfalls wieder viel gelernt. Nähen ist so toll!

Was tragen denn die anderen Selbernäherinnen heute so? Das sieht man auf dem Blog des Memademittwoch, heute von Sybille in einem traumhaften Lempidress angeführt.

verlinkt MMM, ichnähbio

Uncategorized

Tuuli-Dress von NamedClothing

Das Kleid Tuuli der finnischen Schnittmuster-Designer Named Clothing hatte ich schon bei meiner Wahl des Weihnachtskleides 2016 in der engeren Wahl. Ich fand es damals als Winterkleid nicht passend und nahm mir fest vor, es in der wärmeren Jahreszeit zu nähen.

Auch wenn die Sache mit der wärmeren Jahreszeit eine Weile nicht so eindeutig war, fand ich es jetzt an der Zeit, Tuuli zu nähen. Ausschlaggebend war wieder mal der Stoff, den ich hatte: ein Modaljersey von Lillestoff mit dem schönen Namen Magnolia.

 #einbisschenGlitzermusssein

Modaljersey ist ein tolles Material. Er hat den gleichen schönen Fall wie Viscosejersey, ist dabei aber etwas griffiger und fester. Hergestellt wird Modal aus Zellulosefasern, so wie Viscose. Ausgangsstoff ist für Modal allerdings immer Buchenholz.

Das Tuuli-Kleid ist eigentlich ein recht simpler Schnitt: ein enganliegendes Oberteil mit V-Ausschnitt, darunter ein weiter Rock, der an der Oberkante in gleichmäßige Falten eingelegt wird. Mich erinnerte der Schnitt gleich an Moneta von Colette, auch Moneta hat diese Kombination von engem Oberteil mit weitem Rock, der aber bei Moneta mit Framilon-Band eingekraust wird.

Das Oberteil von Tuuli ist wirklich sehr figurbetont: im Brustbereich hat der Schnitt eine „negative ease“ von 12 cm, das ist schon recht enganliegend. Aber kein Wunder, der Schnitt hat ja auch eine Variation als Body, und da muß er natürlich figurbetont sein. Das Positive daran ist, daß Tuuli bei den meisten Frauen sehr gut sitzt- das Oberteil ist so eng, daß es keine Falten schlagen kann

Mein Modaljersey war für diesen Schnitt gut geeignet. Er ist leicht und sehr dehnbar, ich habe ihn allerdings fürs Oberteil gedoppelt, damit sich nicht jede Spur meiner Unterwäsche darunter abzeichnet. Die innere Schicht, also das Futter, ist ein einfarbiger Modaljersey.

die Bilder sind frühmorgens entstanden- deshalb mein verschlafener Gesichtsausdruck…

Im Originalschnitt wird der V-Ausschnitt mit einem Beleg versäubert, der auch am Bund festgenäht wird, sitzt sicher auch gut. Die Absteppung des Beleges  würde genau auf die Faltenkanten  des Rockes treffen – sicher auch ein schöner Effekt, den ich aber hier nicht zeigen kann. Ich habe die Mittelnaht des Vorderteiles einfach mit zwei Coverkettstichnähten betont. Die Spitze des V-Ausschnittes dann genau in die Mitte der beiden Nähte zu bekommen, gelang mir immerhin schon beim zweiten Anlauf .

Das Kleid ist natürlich schnell genäht, auch das Legen der Falten ist nicht sonderlich schwierig, wenn man mal den ersten Schrecken beim Anblick des Schnittmusterbogens überwunden hat. Die Falten sind regelmäßig, und man kann sie einfach ausmessen. Hier ist übrigens auch meine einzige Kritik an dem sonst so durchdachten und schönen Papierschnitt: der Rockteil ist überlappend gedruckt, wohl aufgrund der Breite von knapp 110 cm pro Rockteil. Man kann also nicht einfach ausschneiden, sondern muß abpausen. Ansonsten sind Schnitt und Anleitung perfekt, der Schnitt enthält eine Nahtzugabe von 1cm. Alle Angaben sind sowohl in inch als auch in cm enthalten. Die Angaben der Maße des fertigen Kleidungsstückes sind üppig und enthalten auch die Ärmelmaße, das finde ich schon sehr nett.

Die Hauptschwierigkeit bei Tuuli ist, denke ich, die Gestaltung der Taille. Nach der Anleitung würden die Falten des Rockes geheftet und dann Rock und Oberteil zusammengenäht . Bei einem stabilen Jersey geht das vielleicht ganz gut, aber jeder dünnere Jersey wird durch den weiten Rock (immerhin stattliche 220cm) auseinandergedrückt. Die Taille ist ja überhaupt ein Problem bei vielen Jerseykleidern. Nicht ohne Grund haben die von uns allen so geliebten Knipjerseykleider oft einen separaten Taillenbund, um Stabilität in diesem Bereich zu schaffen, sonst wird so ein Jerseykleid leicht formlos. Andere Schnitte, wie Moneta oder auch das Ladyskater-Kleid, verwenden Framilon-Band, um die Taille zu stabilisieren

Balancieren ist mit passendem Schuhwerk kein Problem..

Im Internet sieht man einige Tuuliversionen, die mit Gürtel getragen werden, ich vermute, hier könnte die formlose Taille der Grund dafür sein (abgesehen davon, dass Tuuli auch mit Gürtel auch sehr gut aussieht!). Nach der Anleitung könnte man dann noch ein Gummiband von innen gegen die Taille nähen, aber möchte man ein Gummiband direkt auf der Haut haben? Ich möchte es nicht!

…ups, wenn die Sache mit dem Gleichgewicht nicht wäre…

Ich habe mich deshalb dafür entschieden, die Taille mit Framilon zu stabilisieren. Framilonband und ich, das war lange Zeit keine große Liebe, überhaupt hatte ich es früher für eine Erfindung der Ottobre gehalten, da wird es ja ständig für alle möglichen Zwecke eingesetzt.

Ich hatte Framilon  erst bei Moneta schätzen gelernt, nicht nur zum Einkrausen, was ich eher etwas unschierig fand, aber es verhindert wirklich auch längerfristig ein Ausleiern der Taille.

Bei meinem Tuuli habe ich der Taille also viel Näh-Aufmerksamkeit geschenkt: zunächst im Rock die Falten geheftet und dann Framilonband unter leichtem Zug mit Zickzackstich aufgenäht. Die Länge des Framilonbandes habe ich vorher ausprobiert, sie lag  bei mir ungefähr bei 85% meines Taillenumfanges. Die Unterkanten des Oberteils, das ja gedoppelt war, hatte ich auch zusammengeheftet. Dann hatte ich anprobiert, wo meine Taille sitzen sollte, das war bei mir etwa 1 cm höher als im Schnitt angegeben, und dann erst mit der Overlock zusammengenäht.

Aber jetzt bin ich mit der Paßform sehr zufrieden.

Überhaupt gefällt mir das ganze Kleid gut. Der Modaljersey fällt wunderschön, und angeblich schwitzt man darin überhaupt nicht- gut , das werden die nächsten warmen Tage zeigen.

ja, die Schuhe passen nicht zum Kleid, aber es war wie gesagt frühmorgens…

Meinem Mann gefiel das Kleid gut, erwartungsgemäß, eigentlich gefallen ihm alle Kleider an mir. Er meinte allerdings, das Kleid würde irgendwie altmodisch aussehen, und da war ich mir dann doch unsicher, ob das als Kompliment gemeint war…

Aber er hat schon recht, so lange Faltenröcke sind eher so 50er Jahre, oder noch früher? Egal, mir gefällt mein Kleid, und in Gedanken plane ich schon das nächste Tuuli. Da ich das Oberteil doppele, ist ja auch eine ärmellose Version leicht machbar, könnte mein Lieblingsschnitt für den Sommer 2017 werden.

Und ihr so? Tragt ihr schon Sommerkleider, oder rechnet ihr noch mit kühleren Tagen? Die Galerie der gut angezogenen Frauen, sprich MemadeMittwoch zeigt es!

Katharinaempfängt uns dort mit einem traumhaften Sommerkleid mit interessantem Knotendetail, lädt unbddingt zum Nachmachen ein!

verlinkt: MMM 

              

Uncategorized

Kellyanorak von Closet Case Patterns

Den Kelly-Anorak habe ich schon einige Male genäht- leider die ersten Male nur in meiner Phantasie. Denn sobald ich einen interessanten Schnitt sehe, beginnt mein Kopf-Kino zu arbeiten: wie würde ich das nähen? welcher Stoff eignet sich dafür, habe ich einen Stoff im Vorrat, wo habe ich einen passenden gesehen? Steht mir der Schnitt, oder kann ich mir das Teil  gar nicht an mir vorstellen?

Als der Schnitt für den Kellyanorak im letzten Herbst veröffentlicht wurde, war ich sofort begeistert. Die großen Taschen, die Kapuze, der Kordelzug in der Taille, das gefiel mir alles sehr gut. Ich hätte ihn gerne sofort genäht, aber mein Kopf-Kino wurde zunächst gebremst: der Schnitt ist ungefüttert, und der deutsche Winter nahte- keine gute Kombination.

Die Designerin und Bloggerin von ClosetCase hatte diese Gedanken wohl gespürt und veröffentlichte kurz darauf eine Version des Anoraks mit Futter, allerdings nur eine Fassung, bei der der Außenstoff mit einem Futterstoff gedoppelt wird und das ganze wie eine Stofflage verarbeitet wird. Das kann man natürlich machen, aber mittlerweile (wir waren jetzt im Winter) schwebte mir in meiner Phantasie eher eine wasserdichte Version vor, aus einem Funktionsstoff. Wenn so ein Anorak wasserdicht werden soll, muß man aber auch die Nähte abdichten, und das geht bei dieser Version natürlich nicht mehr. Also. Kopfkino erst mal wieder abgestellt, und andere Dinge genäht…

Zum Frühjahr hin war ich mir dann wieder sicher, genau diesen Anorak zu benötigen. Ein wasserdichter Stoff, oder beschichtete Baumwolle sollte es werden, das Futter vielleicht aus Flanell, und den Futterschnitt würde ich selbst konstruieren- das war so die Version in den kühnsten Träumen.

Ich habe mir dann viele , viele Stoffproben schicken lassen. Bei der Farbe war ich mir auch sicher, denn er sollte blau werden, aber keinesfalls dunkelblau oder marine, sondern ein zartes Mittelblau, irgendwas zwischen taubenblau und jeansblau…

Wer schon mal einen bestimmten Stoff in einer bestimmten Farbe gesucht hat, ahnt was jetzt kommt. Natürlich habe ich diesen Stoff nicht gefunden. Die Funktionsstoffe waren sicher super in ihrer Funktion, fühlten sich aber furchtbar nach Plastik an und rochen auch so- nein, so etwas wollte ich nicht auf meinem Nähtisch haben. Beschichtete Baumwolle gibt es durchaus, aber nicht in der Farbe und Qualität , die ich wollte. Und ein unbeschichteter Baumwollstoff? Lange habe ich auch hier gesucht, nach einem Twill oder Canvas. Gibt es reichlich, in beige, schwarz, braun , grün oder marine- aber keine Farbe, die mir gefiel.

Bevor ich dann erneut die Lichter in meinem Kopfkino wieder ausschaltete, schaute ich nochmal auf den Blog von Closetcase. Hier gab es wirklich einen ausführlichen Artikel zu Stoffwahl für Kelly, als der ideale Stoff wurde ein Baumwolltwill von Robert Kaufmann erwähnt. Eher aus Langweile folgte ich dem Link auf die Seite von fabric.com, ein amerikanischer Stoff-Onlinehandel. Und da war der Stoff: ein weicher Baumwolltwill, und in allen erdenklichen Farben! Ein Blau gefiel mir schon, aber dann war da dieser fliederfarbene Stoff…flugs wurde das Programm im Kopfkino geändert, und ich wollte jetzt unbedingt einen fliederfarbenen Anorak nähen.

Eine Weile versuchte ich am Rechner, einen europäischen Händler für diesen Stoff zu finden, aber ohne Erfolg. Also in den USA bestellen? Nun ist Stoff bestellen in den USA einfach, bezahlen auch, nur über die Lieferung liest man immer wieder Schreckgeschichten auf den Blogs. Da wird von langen Lieferfristen berichtet, von Abholungen auf Zollämtern, horrenden Zollgebühren, unfreundliche Zollbeamten. Aber was tut man nicht alles für den idealen Stoff für ein lang geplantes Nähprojekt? Kurz checkte ich noch mal die Öffnungszeiten des Hanauer Hauptzollamtes, fand sie zumindest freitags mit meinen Arbeitszeiten kompatibel- und bestellte den Stoff in den USA.

Das ganze war Freitag abend, Mittwochs wurde mein Stoff geliefert.

Unser wie immer wortkarge UPS-Bote brachte mir das Päckchen an die Haustür, wollte  9 Euro Einfuhrumsatzsteuer dafür kassieren, die ich ihm natürlich gerne gab. Ein Brief von UPS wenig später brachte mir Klarheit: anscheinend fällt bei Sendungen in einem Warenwert unter 150 € nur eine Einfuhrumsatzsteuer  von 19% an, die üblicherweise wohl von den Paketdiensten vorgelegt wird. Also nichts mit Zollamt, dafür eine Lieferfrist, von der manche deutsche Onlingeschäfte nur träumen können.

Der Preis des Stoffes hielt sich durchaus im Rahmen, da die Stoffe in den USA so günstig sind, auch wenn das Porto und die Steuer dazu kommen. Über die ökologische Bilanz dieses Transportes mag ich jedoch nicht nachdenken. Dieser Stoff ist ja auch nicht in Amerika hergestellt, sondern vermutlich in Fernost, dann von da nach den USA, und dann nach Deutschland zu mir geflogen worden. Also einmal eine Reise um die halbe Welt, nur damit ich mir einen fliederfarbenen Kelly-Anorak nähen kann..

Der Stoff ist aber schon sehr schön. Fest, dicht gewebt, dabei ganz weich- ich habe selten so einen schönen Stoff in der Hand gehabt. Und so ein schöner Stoff verlangt nach einer schönen Verarbeitung, und so war mir bald klar, daß ich die Nähte mir einer Hongkong-Einfassung aus einem Liberty-Schätzchen verarbeiten würde. Und irgendwie mußte ich ja auch das Blumen-Thema des heutigen Memade-Mittwochs aufgreifen…

Der Libertystoff war auch schon angeschnitten, da ich die Innentaschen meiner Ginger-Jeans daraus gearbeitet hatte. Und wer genau hinschaut, sieht daß ich den Rand des Untertrittes damals auch mit einer Hongkong-Einfassung versehen hatte, auch wenn ich damals noch gar nicht wußte, daß das so heißt.

Bis vor kurzem war es mir  nicht klar, daß es verschiedene Techniken gibt, eine Nahtzugabe mit Stoff schön dekorativ einzufassen. Ich kannte das Ergebnis von hochwertiger Kaufkleidung, und fand es immer schon sehr schön.

Auch hier half mir der Blog von ClosetCase weiter, denn es gibt einen ausführlichen Bericht über die verschiedenen Techniken. Ein Weg ist das Einfassen mit einem vorgefalteten Schrägband, das man, wie auch immer, um den Nahtzugabenrand befestigt. Der einfachere Weg ist das Hongkong- Finish: der Schrägstreifen, ungefalzt, wird rechts auf rechts auf der Nahtzugabe genäht, um die Nahtzugabe herumgelegt und im Nahtschatten nochmals festgenäht. Optimalerweise läuft zwischendurch auch noch ein Kontakt mit dem Bügeleisen ab. Die umgeschlagene Kante des Schrägbandes bleibt bei dieser Version unversäubert, dewegen geht das auch nur bei Nähten, die nochmals abgesteppt oder festgenäht werden, und das ist bei diesem Anorak fast durchweg der Fall.

 Lediglich die Ärmeleinsatznaht wird nicht abgesteppt, und hier habe ich dann wirklich den Schrägstreifen vorher durch den Schrägbandfalter gejagt und die Nahtzugabe dann mit dem gefalteten Schrägband gebunden. Vorher hatte ich allerdings diese Kante noch mit der Overlock versäubert, da ich meinem zierlichen Schrägband nicht so recht die Haltefunktion zutraute.

Mir hat diese Art der Nahtversäuberung unglaublich viel Spaß gemacht. Natürlich ist es mehr Arbeit als nur mit der Overlock über die Nahtzugaben zu rattern. Aber es ist so viel schöner, und es macht einfach  Freude, ein hochwertiges Kleidungsstück zu produzieren.

Das Nähen des Anoraks war kein besonderes Problem- so würde ich gerne etwas hochtrabend berichten, trifft aber natürlich nicht zu. Aber es ist machbar, ich würde sagen für jeden, der darauf Lust hat, sich Mühe gibt und Zeit nimmt und einen ambitionierten Nahttrenner besitzt…

Nein, so schlimm war es wirklich nicht. Der erste Schreck sind natürlich die vielen Teile, die alle ihren Platz finden müssen. Aber es ist ein guter und professioneller Schnitt, alle Teile haben die erforderlichen Bezeichnungen und Paßzeichen.

Die Anleitung ist hervorragend , und für die schwierigen Stellen gibt es Artikel auf dem Blog von Closet Case, in denen sie erklärt werden.

Neu waren für mich die Beutel-Taschen, und natürlich der Reißverschluß, der ordentlich mit Beleg und Blende eingefaßt wird.

Die Hardware, also Reißverschluß, Knöpfe und Ösen waren übrigens das, was durchaus ins Geld ging. Ich glaube, der Betrag, den ich im Kurzwarengeschäft gelassen habe, entsprach in etwa dem Preis des Stoffes. Hätte man sicher online auch günstiger bekommen, aber wenn man eine Kordel im gleichen Roseton wie den Reißverschluß sucht, braucht man schon ein „richtiges“ Geschäft.

Das Einschlagen der Druckknöpfe war völlig problemlos, ich hatte hier die Anorak-Druckknöpfe von Prym verwendet. Meine Hauptschwierigkeit bei den ersten Knöpfen war das Stanzen des Loches in den Stoff, da der mitgelieferte kleine Stanzzylinder dafür meiner Meinung nach völlig ungeeignet ist. Das hat mich zum Kauf einer Ahle geführt- gibt es übrigens nicht im Baumarkt, wo ich zuerst danach gesucht hatte, sondern wirklich im Nähgeschäft. Die Ahle bohrt das Loch wunderbar vor, und zwar durch ein Auseinanderdrängen der Fasern, also fast ohne größere Verletzungen des Stoffes. Das war schon ein tröstender Gedanke, denn immerhin führt man diese Prozedur am fertigen und wunderschönen Kleidungsstück aus, und mir fiel es richtig schwer, die schöne Knopfleiste zu durchlöchern. Aber ich denke, es hat sich gelohnt, es macht den Anorak doch etwas „professioneller“ vom Aussehen her.

Genäht habe ich Größe 10, ohne Änderungen. Auf ein Probeteil hatte ich großzügig verzichtet, denn ich hatte ja bereits den Mantel Clare von Closet Case genäht, der mir gut paßt. Kelly ist auch nicht sehr paßformsensibel, da die Taille durch den Kordelzug beliebig gerafft werden kann.

Die Kapuze paßt mir gut und kann durch zwei Knöpfe verschlossen werden.

An den Ärmeln habe ich noch einen zweiten Druckknopf weiter innen angebracht, damit ich die Ärmel notfalls weiter verschliessen kann. Das hat sich beim Fahrradfahren schon bewährt, damit der Fahrtwind nicht so von vorne in die Jacke hineinwehen kann.

Insgesamt bin ich sehr , sehr glücklich mit meinem neuen Anorak. Und natürlich auch stolz, das gebe ich gerne zu, denn ich habe ein wunderschönes Kleidungsstück hergestellt, das keiner außer mir so besitzt, und dabei so manche Schwierigkeiten erfolgreich gemeistert. Das Nähen von Jacken oder auch Mänteln hat doch noch mal eine andere Dimension beim Nähen als das Herstellen von T-Shirts, Hosen oder Kleidern, finde ich…irgendwie dachte ich doch immer, daß man diese Domainen der Kaufklamottenhersteller nicht so ohne weiteres würde erobern können. Umso schöner, wenn es doch gelingt!

Das Shirt ist übrigens einer meiner ersten genähten T-Shirts. Ein Knotenschnitt, wie es damals so modern war, von derSchnittquelle. Eigentlich ein schönes Shirt, allerdings ist der Stoff 100% Polyester, und ich schwitze sehr leicht darin, deswegen trage ich es nicht gerne.

 Was zeigen denn die anderen Selbermacherinnen heute? Ich freue mich heute auf viele geblümte Inspirationen auf dem Memademittwoch

Schnitt: Kelly-Anorak  von ClosetCase, Gr. 10

Stoff: Robert Kaufmann Ventana Twill Light purple