Blusen Hey June Hosen Vivian Shao Chen

Bisque Trousers und Laurence Top

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Mit der Paßform dieser Hose habe ich ziemlich gekämpft, und ich bin mir immer noch unsicher, ob sie mir so gut an mir gefällt. Dabei hatte ich es mir so einfach vorgestellt- vom Schnitt, der Bisque Trousers von Vivian Shao Chen war ich nach meiner Probeversion sehr begeistert. Die Probeversion war eine kurze Hose, hier gezeigt. Ich gehöre ja absolut zu der Fraktion neinichnähekeinNesselmodelldasistsolangweilig (besser bekannt als Fraktion norisknofun…). Bei Hosen liegt es da nahe, eine tragbare Testversion als kurze Hose zu nähen. Im schlimmsten Fall ist nicht viel Stoff verschnitten, und im zweitschlimmsten Fall lässt sich eine misslungene kurze Hose immer als Radfahrerdress oder Gartenhose auftragen. In diesem Fall war die Testversion nach meiner Meinung gut gelungen und wurde im Sommer gerne getragen.

Bei der Stoffauswahl für die lange Version habe ich lange zwischen verschiedenen Stoffen geschwankt und mich dann für einen naturfarbenen belgischen Leinenstoff entschieden, den ich hier bezogen habe. Ich wollte einen Stoff, der etwas Stand hat, um die Eigenheiten dieses Schnittes herauszuarbeiten. Die Designerin des Schnittes zeigt bei ihren Produktfotos auch eine Version aus einem eher dicken und kräftigen Leinenstoff, und diese Version sprach mit sehr an. So sollte meine Hose auch aussehen!

Ich hatte mich ja auch für diesen Hosenschnitt entschieden, weil ich die Website der Designerin und ihren ganzen Stil so ansprechend fand. Man kann aber auch ganz anders an die Wahl eines Schnittes herangehen und das ganze von der wissenschaftlichen Seite aufziehen- das habe ich an diesem Blogbeitrag gelernt. Die amerikanische Nähbloggerin Thecrookedhem vergleicht hier die Bisque-Hose mit einem Schnitt von Paper Theory, den Miller-Trousers. Beide sind vom Prizip her ähnlich, haben einen Gummizug in der Taille, eine Falte im Vorderteil und schräge Eingriffstaschen. Ich finde diesen Beitrag absolut interessant, hier wird wirkllich alles mögliche und unmögliche verglichen- von der Größenauswahl über die Schnittgestaltung bis hin zur Nähanleitung. Ich habe mich bei meiner Schnittwahl wie so oft nur vom Gefühl leiten lassen. Die Millerhose hätte ich nicht in Betracht für mich gezogen, da ich mit dem Zadiejumpsuit, ein bekannteres Schnittmuster von Paper Theory, so meine Last hatte. Dem Zadie-Fanclub, so groß wie er auch sein mag, bin ich definitiv nicht beigetreten.

Das Nähen der Hose war eine reine Freude, die Anleitung ist super und beim zweiten Mal näht sich so ein Teil ja noch mal einfacher. Für die Innentaschen habe ich natürlich wieder ein Liberty-Stöffchen verwendet (ja, ich weiß, ich bin in der gesamten Nähwelt schon als die Liberty-Tante verschrien…)

Die erste Anprobe verlief ernüchternd. Die Hose hatte schon sehr viel Mehrweite im Hüftbereich, mehr als mir gefiel. Ich hatte für die Anprobe dann wirklich mal den Bund umgeheftet und das Gummi eingezogen, sonst ist das ja immer so schwierig mit den Gummizughosen bei der Anprobe.

Jedenfalls war diese Hose mir zu weit. Ich habe dann sowohl an der inneren als auch an der äußeren Beinnaht einiges an Weite herausgenommen. Im Endeffekt habe ich jetzt die Hose vermutlich eher in Gr 6 genäht als in der ursprünglich zugeschnittenen Gr 8.

Hatte ich die Größe von vornherein verkehrt ausgewählt? Diese Frage stellt man sich ja immer, wenn mit einem Schnitt etwas nicht so klappt. Die Designerin empfiehlt bei der Größenwahl, vom Hüftumfang auszugehen. Gut, dann hätte ich mich für Gr 6 oder sogar 4 entscheiden müssen. Allerdings hat dieser Schnitt die pikante Eigenheit, daß die Taillenweite der Hose, also des Stoffes, bevor er durch ein Gummiband gekräuselt wird, geringer ist als die Hüftweite. Und diese Hose hat keinen Reißverschluss,und irgendwie muß man sich noch rein winden können. Ich denke schon, daß die Größe 6 richtig wäre für mich. In der Hinterhose hatte ich einiges an Weite vor dem Zuschneiden herausgenommen, also ein „small butt adjustment“ durchgeführt, das mache ich mittlerweile routinemäßig bei allen Hosenschnitten.

Ich denke, daß die Form der Hose schon so gedacht ist. Der Eindruck, dass sie „zu groß“ ist, kommt wahrscheinlich auch durch den etwas tiefer hängenden Schritt. Bei einer Gummizughose ist das mit der Position und Höhe der Schrittnaht allerdings so ein bisschen ein Tappen im Ungewissen, aber wenn ich die Hose eine Weile trage und sie sich auf ihre Position zurechtzieht, ist die Schrittnaht einige cm unter meiner anatomischen Schritthöhe. Man ist das glaube ich nicht so gewöhnt, zumindest meine Sehgewohnheiten hängen eher noch an Hosenformen wie der Gingerjeans, den Landerpants und wie sie alle heißen, jedenfalls an Hosenformen, an denen der Schritt recht anliegend ist an den Körper.

Die Hose ist jetzt seit einigen Wochen fertig, im Hochsommer habe ich sie nicht getragen. Aus naheliegenden Gründen, bei Temperaturen weit über 30°C war mir der Gedanke an eine langbeinige Leinenhose sehr, sehr fern. Irgendwann zog ich sie dann wieder mal aus dem Schrank und zog sie an. Und so toll fand ich die Hose! Hatte ich mich mittlerweile an die Form gewöhnt, oder genug andere Frauen in etwas weiteren Hosen gesehen? Hatte die wochenlange Hitze mein eigenes Körpergefühl geändert (oder im schlimmsten Fall mein Urteilsvermögen nachhaltig getrübt? bei den diesjährigen Temperaturen ist ja alles denkbar).

Jedenfalls gefiel sie mir gut, und so probierte ich munter verschiedene Oberteile dazu. Das Oberteil, das mit Abstand am besten aussah, war ein anderer Schnitt der gleichen Designerin, nämlich das Laurence-Top. Na, das ist ja nicht überraschend, wird die geneigte Leserin sich jetzt sagen, natürlich passen die Schnitte einer Designerin auch zusammen, wäre ja komisch wenn nicht…ist ja alles richtig, aber ich hatte es nicht so erwartet.

Das Laurence-Top ist ein Schnitt, den ich natürlich lang schon gesehen hatte auf der Schnittübersicht von Vivian Shao Chen, das ich aber für mich nicht so in Betracht gezogen hatte. Es ist ein simpler Schnitt- ein einfaches kastiges Oberteil mit einem Brustabnäher, kurz geschnitten und mit einer leichten A-Form. Es gibt zwei Versionen, die ärmellose Form hat einen V-Ausschnitt, die Version mit Ärmeln hat einen runden Ausschnitt. Das ist einer von den Schnitten, bei denen man denkt: na, den brauche ich nun wirklich nicht, so simpel wie der ist…

Aber irgendwann in diesem heißen Sommer brauchte ich noch ein ärmelloses Oberteil, und da fiel meine Wahl auf diesen Schnitt. Letzendlich ging es mir auch um eine nähtechnische Frage: der V-Ausschnitt des Tops ist mit Schrägband versäubert, und das war mir schon lange unklar, wie man das sauber und korrekt hinbekommt. Diese Antwort gibt die Anleitung des Laurence-Top, auch hier war ich wieder begeistert von der wirklich ausführlichen Beschreibung.

Es gibt auch vom Laurencetop eine erste Version, die ich hiernur am Bügel zeige . Ich habe sie aus einem Viskose/Leinengemisch genäht, blau-weiß gestreift, auch hier die gleiche Anpassung vorgenommen, also in Gr 8 zugeschnitten und dann alle Nähte auf Gr 6 verkleinert nach der ersten Anprobe. Dieses blauweiße Top hat mich wirklich über viele der ganzen heißen Tage hinweg gerettet. Es ist total luftig, trotzdem fühlt man sich noch halbwegs angezogen- es war mein Lieblingsteil in diesem Sommer.

Und so kam es, daß ich Laurence gerne nochmal nähen wollte. Der weiße Spitzenstoff lag schon viele Jahre in meinem Stoffvorrat. Er kam vom lokalen Nähgeschäft, das es mittlerweile leider nicht mehr gibt. Ich brauchte ein weißes Oberteil zu einem taillenhohen Rock, das fehlte mir schon lange in meiner Garderobe. Ich hatte verschieden Schnitte in der engeren Wahl und mich dann für das Laurencetop entschieden. Eine gute Wahl, wie ich finde, denn auch zum Rock sieht das Top sehr gut aus! Auch diese Kombination müßte mal fotografiert werden, jetzt geht es aber erst mal um die Bisque Hose.

Die Kombination von der Bisque Hose mit Laurence war für mich wirklich überraschend. Ich gehe sonst eher davon aus, daß ich zu einer weiten Hose lieber ein enges Top nehme. Ich hatte deshalb zu meiner Bisque Hose noch ein Biscayne Top von HeyJune genäht. Das Biscayne Top gehört zu meinen Standardschnitten für den Sommer, es gibt schon etliche Versionen davon. Biscayne ist ein ärmelloses Top, der Halsausschnitt ist mit einem sehr flachen Kragen eingefaßt und es gibt eine halbe verdeckte Knopfleiste im Vorderteil. Diese Version habe ich aus einer Atelier Brunette Viskose genäht, und ich mag sie auch sehr gerne.

Also, es gibt jetzt zwei sommerliche Oberteile zur Bisque-Hose, ist ja nett…aber schließlich kommt doch irgendwann der Herbst! Immerhin wird dieser Beitrag mit dem Septemberbeitrag des Memademittwoch verlinkt, und irgendwas Herbstliches brauchen wir jetzt schon noch, um der Jahreszeit gerecht zu werden.

Und natürlich ist die Lösung wie so oft eine Jacke obendrüber. Dieses weiße Jäckchen, erst wenige Wochen fertig, hat sich auch schon seinen festen Platz in meiner Garderober erobert. Schnitt ist wie so oft der Jamiecardigan von Readytosew , davon habe ich schon zwei Versionen in anderen Farben, alle gerne getragen. Das Material ist ein dicker, kuscheliger Sweat von Mindthemaker.

Soweit meine spätsommerliche Garderobe, fotografiert wie immer vom besten aller Ehemänner auf einer sehr, sehr ausgetrockneten Wiese im Spessart. Wer noch mehr selbstgenähte Garderobe anschauen möchte, bitte hier entlang zur Galerie des Memademittwoch!

Blusen Closetcore Hosen Vivian Shao Chen

Ein Sommeroutfit- Kalle Shirt und Bisque Trousers

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Es gibt Stoffe, die sind so schön, daß man sich beim Anschauen fragt: ist das jetzt ein Stoff, den ich vernähen soll, oder ist es nicht viel mehr Kunst, die gerahmt an die Wand gehört? In diese Kategorie gehört der Stoff der Bluse, die ich auf den Bildern trage. Es handelt sich um einen Baumwollsatin der Schweizer Firma Hello Heidi, designt wurde er von der dänischen Aquarellkünstlerin Karina Petersen.

Der Stoff ist einfach wunderschön. Ich habe ihn oft einfach vor mich hingelegt, ihn betrachtet und mich in die Stimmung des Stoffes vertieft. Die Bezeichnung „waves“- Wellen weckt so viele Assoziationen- natürlich die kühlen Wellen eines Meeres (wer träumt bei den jetzigen Temperaturen nicht vom kühlen Meer?), aber auch der Sand und Hügel tauchen auf, Erde…für mich wirklich ein Kunstwerk. Daß ich ihn nicht eingerahmt an die Wand gehängt habe, hängt vor allem damit zusammen, daß ich schon so viele andere Bilder habe und keinen Platz mehr an den Wänden- nein, dieser Stoff sollte vernäht werden.

Was näht man denn aus so einem schönen Stoff? Eine Bluse, das war mir gleich klar, ich wollte den Stoff nahe am Gesicht haben. Das Material ist ein Baumwollsatin mit einem gewissen Stand, und so war der Plan bald klar: ein Kalleshirt von Closetcore sollte es werden aber in der kurzen Form, der „cropped version“.

Diese kurze Form ist schon besonders, denn sie hat seitlich recht tiefe Schlitze mit einer ausgeprägten Rundung und ist hinten deutlich länger als vorne. Ich habe diese Bluse vor Jahren schon mal auf einem Video von Heather, der Designerin von Closetcore, geshen. Sie trägt diese Version bei ihrem Jeans- Lehrvideo, wenn ich mich recht erinnere jedenfalls war ich von diesem Schnitt damals schon begeistert. Der richtige Stoff kam mir bisher nicht unter die Nadel resp aus dem Stoffpäckchen- das sollte sich jetzt ändern.

Ich hatte das Kalleshirt schon mal genäht, hier gezeigt, allerdings in einer langärmeligen Version. Ich hatte damals die Größe 10 gewählt, da ich es etwas lässiger wollte und auch Platz lassen wollte für Unterziehshirts- es war Winter. Aber jetzt ist Sommer, die damalige Version fand ich auch etwas zu weit, und so entschied ich mich zur Größe 8.

Weil ich mir dann doch unsicher war mit der Größe und vor allem der Länge dieser „cropped “ Version, hatte ich sogar ganz vorschriftsmäig ein Nesselmodell genäht. Ich wollte die Bluse gerne zu taillenhohen Hosen oder Röcken kombinieren, sie sollte also nicht zu lang sein, aber natürlich wollte ich auch nicht bauchfrei dastehen. Mit dem Nesselmodell war ich zufrieden, und so habe ich frohgemut in den schönen Stoff geschnitten.

So ganz zu Ende gedacht hatte ich meinen Plan allerdings nicht. Ich hatte ursprünglich einen richtigen Kragen mit Kragensteg geplant und auch so zugeschnitten. Erst beim Nähen fiel mir auf, daß dann natürlich auch ein Teil der Stoffrückseite innen sichtbar sein wird, wenn der Kragen offen getragen wird. Und der Kragen hätte immer etwas offen gestanden in dieser Größe, der Halsausschnitt war nämlich etwas zu eng. Bei meinem Nesselmodell aus einer alten, roten und schön durchgefärbten Ikeabettwäsche war mir das nicht aufgefallen, zumal der Stoff auch schon so labberig war…es hatte seinen Grund, daß ich diese Bettwäsche aussortiert hatte.

Mir ist bei dieser Aktion wieder mal klar geworden, welche Grenzen so ein Nesselmodell hat. Meistens verzichte ich ja aus einer gewissen Faulheit darauf, aber wenn man es näht, kommt es auch hier auf den Stoff an- wenn es wirklich Sinn machen soll, braucht man einen Stoff mit ähnlichen Eigenschaften wie der eigentlich geplante Stoff.

Der wunderschöne Baumwollsatin ist definitiv komplett anders als mein alter Bettwäschenstoff, er hat viel mehr Stand, und natürlich eine weiße Rückseite- wie soll es auch anders sein bei einem bedruckten Stoff. Und so wurde dann im Nähprozess umgeplant, ich habe den Ausschnitt etwas erweitert und eine Art flachen Kragen daran gebastelt. Eigentlich wollte ich einen richtig flaches Kragenband so wie bei der Cheyennebluse von Hey June, hier ist so eine Art Mittelding aus Stehkragen und flachem Band daraus geworden…aber es gefällt mir so auch ganz gut. Wahrscheinlich hätte ich die Rundung des Kragens mehr verstärken müssen, damit er flacher anliegt. Irgendwann muß ich mich mit der Kragenkonstruktion noch mehr beschäftigen.

Der schön geschwungene Saum der Kallebluse wird mit einem breiten Beleg verarbeitet, das ist der eigentliche Witz dieser kurzen Form. Und die tiefe Kellerfalte im Rücken mag ich besonders!

Eine schöne Sommer-Bluse erfordert auch einen schönen sommerlichen Kombiparter. Eine neue Leinenhose mußte her! Sämtliche verfügbaren Leinenstoffe aus dem Stoffvorrat wurden neben die Bluse gelegt, und die Wahl fiel auf diesen gut abgelagerten hellblauen Stoff. Ich weiß nicht mehr genau, wo er herkam, mittlerweile führe ich ja ganz ordentlich Buch über meine Stoffkäufe, aber das muß vor dieser Zeit gewesen sein. Der Stoff ist eher dünn und knittert gnadenlos- also ideal für einen Sommerhose, da muß man auch kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn man sich verschwitzt aufs Fahrrad setzt und dann noch Blogfotos macht. Der Stoff ist sowieso zerknittert.

Die Hose ist die kurze Version der Bisque Trousers von Vivian Shao Chen. Die Designerin und der Schnitt sind in der deutschsprachigen Nähszene kaum bekannt. Im englischsprachigen Raum scheint es im letzten Jahr durchaus einen gewissen Hype um diesen Schnitt gegeben zu haben. Der Schnitt ist eine weitere Variation des so beliebten Themas der Gummizughose. Während bei vielen dieser Schnitt der Gummizug eher der Bequemlichkeit dient und gerne auch schamhaft im Rücken versteckt wird, wird hier der Kräuselbund ganz bewußt als Designmerkmal eingesetzt. Das Gummiband ist 5 cm breit und wird nicht abgesteppt, wie es sonst bei vielen anderen Schnitten gemacht wird.

Im Vorderteil gibt es eine tiefe Bundfalte und Taschen. Diese Taschen…sie sind einfach toll. Ich habe selten so schöne Hosentaschen genäht wie an dieser Hose. Die Taschen sind tief, man kann die Hände drin vergraben, und das ganze ist auch noch wunderschön verarbeitet. Die Anleitung ist überhaupt sehr gut, mit exzellenten Grafiken, ich fand es eine große Freude, diesen Schnitt zu nähen.

Die Bisque Trousers sind weit geschnitten. Ich habe die Größe 8 genäht, einiges an Stoff an der Hinterhose rausgenommen und finde die Form bei der kurzen Hose jetzt sehr hübsch. Für mich hat das fast so etwas von einem Röckchen, mit viel Stoff um die Hüfte.

Kleiner Spoiler auf einen nächsten Blogbeitrag: ich habe mittlerweile auch die lange Version der Bisque genäht, und da mußte ich wesentlich mehr anpassen. Das ist allerdings auch wieder ein anderer Stoff- meine kurze Hose ist aus einem sehr weichen Leinen genäht, der Stoff der langen ist viel dicker und steifer. Womit wir wieder beim Thema wären, daß jeder Stoff auch beim gleichen Schnitt wieder sein eigenes Ergebnis bringt…

dieses Label konnte ich mir dann nicht verkneifen…

Ich habe natürlich nur für die Bilder die Kallebluse in den Bund der Hose gesteckt. Im richtigen Leben trage ich die Bluse über der Hose, sie ist dafür viel besser geeignet. Aber irgendwie mußte ich ja diesen sehenswerten Hosenbund auch präsentieren!

Mein Outfit für den warmen Sommertag wird durch einen Hut komplettiert. Bei diesem extrem warmem Sommer braucht man eine Kopfbedeckung, und so habe ich mir einen passenden Sonnenhut genäht. Schnitt ist der Bucket Hat von Merchant and Mills, ein Freebook. Und natürlich paßt das Hutfutter zur Bluse-hierfür habe ich dann die letzten Schnipsel des schönen Stoffes zusammengefügt.

Soweit mein Sommeroutfit, das ich an diesem warmen Tag gerne getragen habe. Gerne hätte ich bei dieser Fotostrecke den jungen Storch, der hier im Hintergrund durch die Bilder turnt, noch mehr einbezogen. Leider stieß diese Absicht bei dem Storch nicht auf großes Interesse, und offensichtlich war er auch nicht auf eine steile Instagramkarriere aus…er entfernte sich zunehmen und widmete sich der Beschaffung seines Abendessens. Schade- aber er hatte sicher seine Gründe.

Verlinkt wird dieser Beitrag mit dem Memademittwoch, auf dem an diesem ersten Mittwoch im August sicher viele andere schöne Sommermodelle zu finden sind!

Memademittwoch Sewoverit

Sewoverit Kitty Dress

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Manchmal sind es Kleinigkeiten, die darüber entscheiden, ob ich ein Kleidungsstück gerne und oft trage. Das Kitty-Kleid von Sewoverit hatte ich vor drei Jahren schon mal genäht, ein wirklich schönes Kleid, wie ich immer noch finde. Aber getragen habe ich es nicht so oft- wegen einer Kleinigkeit, nämlich dem passenden Untendrunter.

Der Kitty-Schnitt ist ein wunderbarer Baukastenschnitt, es gibt verschiedene Oberteile, verschiedene Röcke, allen gemeinsam ist ein Taillenband und eine Knopfleiste in der vorderen Mitte. Die Version, die ich bisher genäht habe, hat diesen genialen Schalkragen, den ich sonst nicht bei vielen Fertigschnitten gesehen habe. Das Oberteil hat Prinzessnähte, und der Armausschnitt ist sehr weit- das ist der sogenannte amerikanische Armausschnitt.

das war 2019- Kittydress aus Viskose

Aufgrund des speziellen Armausschnittes sind die BHs, die ich üblicherweise trage, nicht gut geeignet für das Kleid, denn die Träger rutschen immer nach außen über die Schulter. Ich habe einen BH, bei dem ich die Träger überkreuz tragen kann, der ist ideal für dieses Kleid und ich habe ihn auch bei der damaligen Fotoserie getragen. Aber das Überkreuzschnüren des BHs ist bei diesem Modell eine Fummelei, die ich dann doch gerne vermeide- deshalb blieb dieses schöne Kleid öfters im Schrank hängen, als es das eigentlich verdient hat.

Ja, ich weiß, die bessere Lösung wäre, endlich mal die BH-Näherei anzugehen und einen BH zu nähen, der unter dieses Kleid paßt. Ich habe aber zur zweitbesten Lösung gegriffen und den Schnitt nochmals genäht, diesmal mit leicht nach außen verbreiterten Schultern.

Die Verbreiterung ist wirklich nicht viel, das war gut 2 cm, aber völlig ausreichend, um die BH Träger zu verdecken. Bei dieser Fotoserie trage ich einen Sport-BH, der ist meistens nicht sichtbar. So ganz problemlos ging diese Änderung natürlich nicht, denn dadurch wurde natürlich auch der gesamte Armausschnitt zu eng…das habe ich dann nach der ersten Anprobe korrigiert. Auf den Bildern gibt es einen eigenartige Falte unter der linken Achsel, ich kann nicht nachvollziehen, wo das herkommt. Vermutlich ist es einfach ein Schattenwurf, die Bilder sind in der prallen Mittagshitze entstanden. In echt sitzt der Armausschnitt recht gut, finde ich.

Der Stoff ist ein Traum. Es handelt sich um einen Double Gauze der japanischen Stoff-Firma Nani Iro. Mit den üblichen Double Gauzes, die man sonst so als Spucktuch- Musselin kennt, hat dieser Stoff nichts zu tun. Ich war sogar zunächst von der Haptik des Stoffes etwas enttäuscht, denn er ist nicht so weich wie andere Double Gauzes. Es handelt sich wirklich um zwei sehr dünne Stofflagen aus Baumwolle, die miteinander verwebt sind. Die Rückseite ist etwas heller, aber nicht weiß. Das Muster ist ein Kunstwerk- eine unregelmäßige Abfolge von Linien und Kreisen, so unregelmäßig, daß man die leidige Sache mit dem Musteranpassen getrost vergessen kann.

Es ist ein diskreter Glitzerfaden miteingewebt, so diskret, daß ich ihn auch beim Zuschneiden und Nähen nie bemerkt oder rausziehen konnte. Aber er gibt dem Stoff diesen wunderschönen Glanz- also einfach ein Traum.

Auch ein Traum, aber eher ein Alptraum war der Zuschnitt des Kleides. Ich hatte von dem wunderschönen Stoff über 2 m bestellt, ich glaube, es waren 2,30m, so ganz genau weiß ich es nicht mehr. Meine Buchführung ist zur Zeit etwas lückenhaft, was Stoffekauf angeht, das muß ich im nächsten Jahr wieder konsequenter durchführen. Jedenfalls dachte ich, daß die Stoffmenge für ein ärmelloses Kleid reichen müßte. Ich habe dann viel probiert, Schnitteile rumgeschoben und wieder anders angeordnet und dann irgendwann beherzt zugeschnitten. Der Stoff hat ja seine Eigenheiten, nicht nur seine besondere Schönheit, sondern auch seine nicht vorhandene Breite…1,10 m sind nicht so viel, und dann geht natürlich auch einiges ab von der Breite für die Webkanten, die aber wirklich sehr dekorativ sind. So dekorativ, daß ich sie gerne als gestalterisches Element sowohl im Taillenband als auch im Beleg der vorderen Kanten eingesetzt habe.

Aus dem angekrausten Rock habe ich einiges an Weite rausgenommen, um mit meiner Stoffmenge hinzukommen. Das paßte eigentlich auch ganz gut, denn dieser Stoff ist etwas stabiler als die Viskose, die ich für meine ersten Version 2019 verwendet hatte. Aber trotz allem braucht ein eingekrauster Rock natürlich eine gewisse Mehrweite im Bund, und die fehlte mir in den Vorderteilen dann doch, da hätte die vorhandene Stoffmenge nicht mehr gereicht.

Es gab noch einen Plan B für diesen Schnitt, falls der Stoff nicht reichen sollte, hätte ich ihn als Schößchenbluse genäht. Aber mittlerweile hatte ich mich so in dieses noch nicht vorhandene Kleid verliebt, daß ich es auch als Kleid tragen wollte. Also wurde Stoff nachbestellt- das ist bei so einem bekannten Stoff nicht weiter schwierig.

Nani Iro Stoffe werden ja weltweit vertrieben und vermutlich in großen Mengen produziert, das kam mir jetzt zugute. Meine erste Lieferung hatte ich bei 1000stoff in Berlin bestellt, und da auch freundlicherweise die passenden Corozo-Knöpfe bekommen. Ein Hoch auf unsere engagierten Stoffhändlerinnen, die online und sicher auch offline (ich war noch nie in Berlin bei Lara, muß ich unbedingt mal nachholen) uns so gut versorgen und beraten. Viele Stoffhändlerinnen haben in letzter Zeit ihre Betriebe geschlossen, auch der lokale Stoffladen hier bei mir im Ort hat grade zugemacht. Ich denke, man kann das Engagement von solchen Kleinbetrieben gar nicht hoch genug schätzen und sollte es unbedingt unterstützen.

Für die Nachbestellung meines Stoffes habe ich dann doch einen größeren Händler wählen müssen, hier gibt es eine große Auswahl an Nani Iro Stoffen.

Jedenfalls hatte ich dann genug Stoff für mein Kleid, Knöpfe wie gesagt waren auch vorhanden, und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Das Kleid ist absolut alltagstauglich, Radfahren geht, Bratschespielen…alles gut. Und zum Wandern war es auch geeignet!

Alle anderen genähten Kleidungsstücke, ob alltagstauglich oder nicht, finden sich heute auf der Galerie des Memademittwoch

Kleid Named Pattern

Taika Dress von Named Clothing

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In der Frühlingsschnittkollektion von Named gab es nicht nur den schönen Hosenschnitt (Aina), den ich hier und hier schon gezeigt habe, sondern auch ein Kleid, nämlich Taika. Taika ist ein finnischer Name und bedeutet „Zauber“- ich finde, das paßt auf dieses zauberhafte Kleid ganz gut!

Es ist ein Midikleid, für mich eine ungewohnte Länge, und leider überhaupt nicht fahrradtauglich. Das ist aber auch so ziemlich das einzig negative, das ich über den Schnitt sagen kann.

Der lange Rock, der sich vermutlich sofort in den Radspeichen verfangen würde, besteht aus insgesamt 7 Bahnen. Im Vorderteil laufen die mittleren Bahnen zu einer Spitze aus, im Rückenteil ist die Taillenlinie etwas nach unten geschwungen. Kleine Einkräuselungen im Rücken- und Vorderteil schaffen etwas Volumen im Oberteil. Der V-Ausschnitt wird mit einer schmalen Blende eingefaßt, der rückwärtige Ausschnitt hat einen Beleg. Die hübsche Rüsche am Ärmelabschluß entsteht durch ein eingezogenes Gummiband.

Genäht habe ich das Kleid aus einer Viskose von Atelier Brunette, die sich schon eine Weile bei mir hauseigenen Stofflager befand. Gedanklich war der Stoff schon zu etlichen Kleidungsstücken verarbeitet worden, jetzt erfolgte endlich eine finale Umsetzung.

Ich habe das Kleid in Gr 38 genäht und eine FBA im Oberteil gemacht. Den Rock habe ich zwischen Gr 40 im Taillenbereich und 36 in der Hüfte gradiert. Prinzipiell war das sicher eine richtige Planung, jedenfalls wenn ich von meinen Körpermassen ausgehe. Nicht bedacht hatte ich allerdings, daß dieses Kleid recht eng anliegt zwischen Taille und dem oberen Beckenbereich, erst dann wird der Rock weiter. In diesem Unterbauchbereich befinden sich bei mir wie bei vielen Frauen etliche Vorwölbungen (vulgo: Speckröllchen), die mich natürlich überhaupt nicht stören, aber bei der Anpassung dieses Kleides durchaus eine Rolle spielen.

Die Anpassung ist überhaupt etwas schwierig, denn der Schnitt ist so konstruiert, daß man erst das Vorderteil mit dem Rock fertig zusammenfügt, die vordere Blende annäht und dann erst die Schulternähte schließt. Eine kurze Anprobe zwischendurch, wie ich sie sonst immer mache, um grobe Paßformmängel zu erkennen, ist hier schwierig.

Ja, ich weiß , man hätte natürlich ein Nesselmodell nähen können… das mache ich fast nie. Ich finde es langweilig, es bremst meinen Nähfluss und außerdem sehe ich auch nicht ein, daß ich einen billigen Stoff kaufen muss, das Modell nähe und dann nach erfolgter Anprobe wieder wegwerfe. Meistens kann man ja im Vorfeld auch den Schnitt schon anpassen. Die FBA, die ich bei diesem Schnitt gemacht habe, mache ich fast immer bei Fertigschnitten, sie sitzen dann besser bei mir. Bei diesem Kleid ging es mir auch gar nicht so sehr um den Zuwachs an Brustweite im Schnitt, denn da hat der Schnitt recht viel Bequemlichkeitszugabe, aber ich wollte gerne die Teilungsnaht zum Rockteil etwas tiefer haben. Die FBA schafft ja nicht nur Zuwachs in der Breite, sondern auch in der Länge, und das war erwünscht in diesem Fall.

Also, es gab auch bei diesem Kleid kein Nesselmodell, dafür habe ich aber die Einzelteile irgendwann zusammengeheftet, um eine Anprobe durchzuführen. Dabei habe ich gemerkt, daß die Weite im Unterbauchbereich etwas knapp war. Im Stehen geht so was ja immer noch, aber ich habe mir bei Anproben angewöhnt, mich auch mal hinzusetzen, das bringt oft interessante Ergebnisse.

Ich habe dann in dem bewußten Bereich alle Nahtzugaben verringert , um Weite zu schaffen. Ich hatte ja in weiser Vorraussicht auf etwaige Änderungen die Rockbahnen getrennt versäubert, so konnte ich jetzt aus jeder Naht doch einige mm an Weite rausquetschen. Bei den sieben Bahnen kam dann doch eine zufriedenstellende Weitenänderung heraus.

Das Kleid ist überraschenderweise sehr bequem, vor allem im Schulterbereich. So bequem, daß ich es wunderbar zum Bratsche spielen anziehen kann. Und so habe ich es auch bei einem Konzert mit meinem Amateur-Streichquartett getragen und mich sehr wohl darin gefühlt.

Für mich zählt das Taika-Kleid eher noch als „schickes Kleid für besondere Anlässe“, aber wahrscheinlich kann ich es auch wunderbar im Alltag tragen. Man sieht jetzt ja auch im Alltag viele Frauen mit dieser Kleider- oder Rocklänge, und ich finde das eigentlich sehr schön. Und sicher hat auch der Alltag seine zauberhaften Momente!

Kleid Memademittwoch Schnittkonstruktion

Sommerkleid-selbstgebastelt

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Ist es klassisch-schlicht, zeitlos, oder doch nur einfach langweilig? Diese Fragen stelle ich mir immer, wenn ich einen Schnitt selbst erstelle. Ich habe grossen Respekt vor Schnittdesignerinnen, die ja oft eine sehr lange Ausbildung hinter sich haben. Deshalb nähe ich so gerne die Schnitte von versierten Designerinnen, die technisches Können mit modischer Raffinesse verbinden.

Andererseits habe ich natürlich auch meine Ideen , wie ein Schnitt, ein geplantes Modell für mich aussehen soll. Dieses Kleid hatte ich schon lange im Kopf und fand einfach keinen Fertigschnitt, der meinen Gedanken entsprach. Es sollte ein eher figurbetontes Oberteil haben, die Taille sollte erkennbar sein und der Rock weit und in der Taille gekräuselt. Ich wollte einen Kragen mit V-Ausschnitt, eine vordere Knopfleiste und Ärmel, die etwas weiter sind. Das hatte ich mir einige Male so aufgezeichnet und war mir sicher, daß so ein Modell mir gut stehen würde.

Mit diesen Gedanken fing ich an zu basteln. Ich möchte hier den Begriff der Schnittkonstruktion vermeiden, denn ich habe wirklich nur gebastelt, aus Elementen, die ich zur Verfügung hatte.

Das Herzstück des Kleides ist der Oberkörperschnitt mit Prinzessnähten, den ich vom Etuikleid von Inge Szoltysek-Sparrer übernommen habe. Ich hatte ja das Glück, einmal einen Kurs bei Inge besuchen zu dürfen (hier beschrieben), und dort wurde mir ein Maßschnitt für ein Etuikleid erstellt. Dieser Schnitt ist ein unglaublicher Schatz für mich, und ich hüte die Originalteile sorgsam…alle Bearbeitungen werden natürlich nur an Kopien vorgenommen. In diesem Fall habe ich das Oberteil bis zu Taille ausgewählt- im Nachhinein denke ich, daß ein bis zwei cm länger ganz gut gewesen wären, aber das kommt dann beim nächsten Kleid.

Den Kragen habe ich dann wirklich selbst konstruiert, einen einfachen Hemdblusenkragen, der offen getragen wird. Dafür gibt es viele Anleitungen, ich orientiere mich gerne an dem Buch Oberteil-Grundschnittvariationen von Harumi Maruyama. Das ist so ein wunderbares Buch, voller Informationen und Inspirationen..ich könnte mich stundenlang darin verlieren! Wenn ich ein Buch auf die berühmte einsame Insel mitnehmen müsste, könnte das gerne dieses sein. Aber dann bräuchte ich natürlich auch eine Nähmaschine, und ob Stoff so reichlich auf der Insel vorhanden ist wie in meinem Nähzimmer? Aber das Buch ist einfach toll.

Die Ärmel sind in der Armkugel und auch unten am Saum aufgespreizt und erweitert, hier waren die Ärmel der Orchideebluse von Deeranddoe mein Vorbild, da ich diese Ärmelform grade so gerne mag.

Der Rock ist im Prinzip ein Rechteck mit einer leichten Abrundung im Hüftbereich. Die Weite des Rockes ergab sich aus der vorhandenen Stoffmenge. Letztendlich ist die Rockweite etwa um den Faktor 1,3 bis 1,4 weiter als die Taillenweite- das ist nicht viel. Bei vielen Fertigschnitten ist dieser Faktor wesentlich höher, aber das hängt natürlich auch vom verwendeten Stoff ab.

Ach ja, und Taschen hat das Kleid natürlich auch! Wo sollten auch sonst die Hände hin beim Fotografieren?

Ich habe bei diesem Kleid viel auch einfach rumprobiert und an mir drapiert, um den Effekt zu sehen. Ich war lange nicht entschieden, wie der Rock aussehen sollte. Jeder Stoff fällt doch wieder etwas anders, und das muß man einfach probieren. Das ist sicher der Vorteil von so einer Schnittbastelei, denn ich war nicht von vornherein auf eine Form festgelegt und konnte ein bisschen experimentieren.

Der Stoff , den ich verwendet hatte, lag schon lange im Stoffstapel. Es ist Double Gauze von der amerikanischen Stofffirma Cloud9, offensichtlich aus einer Biobaumwolle, wenn ich dem Aufdruck am Stoffrand Glauben schenken kann. Ich hatte den Stoff nicht vergessen, ich wußte schon genau, daß ich ihn noch hatte. Aber die Farbe hatte mich in den letzten Jahren nicht interessiert, vielleicht fand ich sie zu leuchtend, zu penetrant? Jetzt jedenfalls war sie genau richtig. Der Stoff ist auch unglaublich weich, es ist so eine Freude, in dieses Kleid zu schlüpfen.

Ich trage das Kleid wirklich gerne, obwohl oder vielleicht auch weil es so unspektakulär ist- es ist einfach ein schönes Sommerkleid. Schon beim Nähen hatte ich die Idee, etliche andere Stoffe des Stapels in genau das gleiche Kleid zu verwandeln, oder in ein ähnliches…vielleicht doch mal ein Rock mit Falten? ärmellos, einfache kurze Ärmel? ein anderer Kragen? der Phantasie sind da natürlich keine Grenzen gesetzt.

Jetzt stöbere ich erst mal auf dem Memademittwoch-Blog, da gibt es sicher viele Ideen für die nächste Variante!

Blusen Culotte Deer and Doe Named Pattern

Eine neue Culotte…und die Folgen

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Das Outfit, das ich heute zeige, entstand bei den Vorbereitungen für das Bloggertreffen in Frankfurt, das Muriel (Nahtzugabe5cm), Anja (Nordendnaht), Sybille (langsame Schildkröte) und Claudia (@kaffebrod) am nächsten Wochenende organisieren. So schön, wieder ein „richtiges Treffen“, sozusagen life und in Farbe…mit den virtuellen Treffen per Zoom konnte ich mich nie anfreunden. Im Vorfeld des Bloggertreffens gab es einen Sewalong, geplant ist dann noch ein gemeinsamer Fototermin am Sonntag mit den neu genähten Dingen. Das Thema, das die Organisatorinnen für den Sewalong vorschlugen, war Nachhaltigkeit- natürlich ein super wichtiges Thema, gerade wenn man sich mit Kleidung beschäftigt.

Leider sind so Dinge wie Refashion oder Redesign nicht meine Schwerpunkte beim Nähen. Natürlich habe ich auch schon mal aus alten Kleidungsstücken etwas neues genäht, und natürlich repariere ich auch Kleidungsstücke oder ändere, wenn sie nicht mehr passen oder gefallen. Aber am liebsten nähe ich eben doch neue Kleidungsstücke aus neuen Stoffen, das macht für mich den Reiz meines Hobbys, des Nähens, aus.

Auch der Stoff für diese Culotte war neu. Es handelt sich um einen Hanfstoff, den ich bei der finnischen Schnittmusterfirma Named bezogen habe. Hanf gilt als umweltfreundlich, da bei der Herstellung weniger Wasser und kaum Pestizide eingsetzt werden. Außerden wurde dieser Hanf wohl aus Resten der industriellen Produktion hergestellt. Somit hüllt er sich in das Mäntelchen der Nachhatltigkeit- na ja, ein sehr dünnes Mäntelchen, das spätestens bei dem Transport von Finnland zu mir davonwehte.

Der Stoff ist allerdings wirklich schön. Er ist eher dünner als Leinen, aber etwas steifer und fühlt sich auf der Haut sehr angenehm an. Ich vermute, daß er bei Hitze angenehm ist, da gab es aber bisher noch keine Gelegenheiten, das zu testen. Für mich bedeute Nachhaltigkeit, daß ich mich bemühe, möglichst hochwertige Dinge herzustellen, wenn ich denn schon so viele Resourcen dafür verschwende. Bei dieser Culotte(Schnitt: Aina-Culotte von Named) habe ich ein gutes Gefühl. Ich hatte den Schnitt schon mal genäht und angepaßt und wußte, das mir das fertige Stück gut gefallen würde. Meine erste Aina war eine gerade Hose, hier gezeigt, dies ist jetzt die zweite Version, die im Schnitt von Named Pattern enthalten ist. Bezeichnet wird sie als Culotte, ich empfinde sie eher als weite Hose.

Der Aina Schnitt hat als Besonderheit, daß die Bundweite durch Knöpfe geregelt wird. Im Originalschnitt werden zwei Knöpfe aufgenäht. Bei meiner ersten Aina-Version, hier gezeigt, habe ich das im Nachhinein noch ergänzt. So ganz überzeugt mich das bisher nicht: die Knöpfe haben naturgemäß einen Mindestabstand von ca 2 cm, und wenn ich dann auf beiden Seiten den inneren Knopf wähle, verändere ich die Bundweite gleich um 4 cm…solche Schwankungen brauche ich nicht in der Taillenweite. Ich habe ein bisschen rumprobiert, manchmal ist es dann ganz angenehm, nur einen Knopf enger zu knöpfen, aber dann wird natürlich die Hose assymmetrisch. Wenn man das Oberteil darüber trägt, sieht man das nicht, und dann sieht man auch die vielen Knöpfe nicht, die ich auch nicht so wirklich schön finde…da kommt schon rasch die Assoziation mit den bekannten Kinderhosen.

Also, es bleibt bei dem einen Knopf, aber den kann man natürlich leicht versetzen, je nach Bedarf. Ich habe die Hose auch noch etwas enger gemacht nach dem ersten Tragen, denn der schöne Hanfstoff ist durchaus nachgiebig und der Bund hat sich trotz Verstärkung deutlich geweitet. Ich bin gespannt, wie sich das nach der ersten Wäsche verhält. Natürlich war der Stoff vor der Verarbeitung vorgewaschen, das mache ich immer, aber nach meiner Erfahrung verändert er sich oft auch noch nach der ersten Wäsche im verarbeiteten Zustand.

Die Culotte war also fertig, und dann folgte wie immer nach dem Vollenden eines Nähwerks der spannende Punkt: was paßt denn jetzt zum neuen Stück, wie kann ich es kombinieren? Meistens versuche ich ja diese Fragen schon im Vorfeld, am besten schon beim Stoffkauf zu klären. Ich habe meine Lieblingsfarben, meine Lieblingsstoff-Firmen, und das führt schon zu guten Kombinationsmöglichkeiten. Bei dieser Culotte fand ich es schwierig. Die Farbe ist ein wunderschönes blau mit einem kleinen Grünstich…von meinen Blusen paßte nichts so recht dazu. Klar, weiß ging schon, auch ein cremefarbenes Kaufshirt sah recht gut dazu aus. Aber da das ja als Outfit für ein Nähbloggerwochenende gedacht war, ging ein Kaufshirt natürlich gar nicht.

Ich inspizierte mein Stoffregal. Jerseys sind darin nicht so viele enthalten, da ich mittlerweile viel lieber Webstoffe als Jersey vernähe. Aber es gibt manche Jerseys, die vom Design her mindestens genauso schön sind wie gewebte Stoffe. Ein Beispiel dafür ist dieser Art Gallery Jersey, der auch farblich so gut zu meinem Hosenstoff paßte. Als ich die Kombination entdeckte, war ich so begeistet, daß der Jersey umgehend in meinen derzeitigen Lieblings-Shirtschnitt verwandelt werden mußte.

Genäht habe ich hier den Vera-Schnitt von Forgetmenot-Patterns. Ich finde den Schnitt toll und habe schon einige Versionen davon genäht. Es gibt auch einen V-Ausschnitt und längere Ärmelmanschetten, dann sieht das Top richtig elegant aus. Der Schnitt ist übrigens gratis…immer wenn ich ihn nähe, ist mir das fast peinlich, denn ich finde ihn so gut und hätte eigentlich die Arbeit der Schnittdesignerin gerne honoriert.

Aber wie man am ersten Bild des Beitrages schon sieht, war das nicht die einzige Kombinationsmöglichkeit, die der Stoffstapel hergab. Da lag im Stapel ein Seidenstoff, genauer gesagt eine Liberty-Seide. Wer meinen Blog schon länger liest, kennt meine Vorliebe für Liberty-Stoffe, diese schönen Baumwollstoffe, meistens kleingeblümt. Das sind ja auch die Stoffe, die Liberty am meisten vertreibt, aber es gibt natürlich auch andere Qualitäten, unter anderem Seidenstoffe.

Ist Seide nachhaltig, ökologisch vertretbar? Jeder Veganer geht auf die Barrikaden, wenn das Wort Seide erwähnt wird. Sicher zu Recht, denn die Seidenraupen, die den erwünschten Faden spinnen, werden sehr gemein getötet, um an die kostbare Faser zu gelangen. Nein, das ist nicht tierfreundlich, wobei ich gerne zugebe, daß meine eigentlich grenzenlose Tierliebe bei Raupen aussetzt…wer einmal den Kampf gegen die Raupen des Buchsbaumzünslers geführt und natürlich verloren hat, der hat keine Sympathien für Raupen mehr, gleich welcher Spezies.

Ich habe diesen Stoff gekauft, weil ich Muster und Farben so unglaublich schön fand. Es ist ein dunkles Olive, darauf dieses leuchtendblaue Muster- so etwas sieht man nicht so oft. Und der Stoff ist natürlich absolut hochwertig und eine wunderbare Qualität. Er lag deshalb auch schon lange im Stapel, weil ich ihn für etwas besonderes aufheben wollte. Nun war die Gelegenheit gekommen, denn er passte wunderbar zur neuen Aina- Hose.

Ich habe den schönen Seidenstoff hier zu einer Orchidee-Bluse von Deeranddoe verarbeitet. Auch das ein von mir erprobter Schnitt, hier und hier schon mal gezeigt. Auch bei dieser neuen Version habe ich den Ausschnitt etwas höher gesetzt und damit entschärft-damit wird die Bluse für mich bedeutend alltagstauglicher.

Ich hatte im Vorfeld etwas Bedenken, ob die Statement-Ärmel des Orchideeschnittes aus der doch sehr fliessenden Seite gut zur Geltung kommen. Die Schnittdesignerinnen von Deeranddoe empfehlen eher Baumwollstoffe oder andere Stoffe mit etwas Stand für diesen Schnitt. Aber es gibt im Netz mittlerweile auch Beispiele aus dünneren Stoffen, auch aus Viskose, und so entschied ich mich, es einfach auszuprobieren.

Ich finde den Schnitt wirklich schön. Ich mag ja diese Schößchenblusen, und das Orchidee-Schößchen ist ein besonders hübsches und zierliches- wobei ich es um ca 2 cm verlängert habe, das gefällt mir besser. Die kostbare Seide war übrigens hervorragend zu verarbeiten. Ich habe eine Mikrotexnadel verwendet, und es gab keine besonderen Schwierigkeiten. Da hatte ich schon manches Viskosestöffchen unter der Nadel, was sich viel kapriziöser angestellt hatte.

So, daß war jetzt die Geschichte von dem einen Kleidungsstück, das ich unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit nähen wollte…entstanden sind drei Teile, die Materialien durchaus nicht durchweg ökologisch korrekt….aber ich liebe diese drei Teile! Ich denke , ich werde sie diesen Frühling und Sommer oft tragen.

Nicht zu vergessen ist auch die Freude beim Nähen, die ich bei diesen Kleidungsstücken hatte. Insbesondere beim Nähen des Seidenblüschens geriet ich in einen so wunderbaren Nähflow, wie ich es lange nicht erlebt hatte. Waren es die schönen Farben, das hochwertige Material, der bewährte Schnitt? Ich finde, diese Freude, die wir bei unserem Hobby empfinden, ist auch etwas ganz wichtiges, was auch einen gewissen Verbrauch an Resourcen wieder rechtfertigt.

Aber jetzt habe ich zumindest etwas anzuziehen beim Blogger-Treffen am Wochenende…ich freue mich sehr darauf! Zunächst aber freue ich mich auf viele weitere Inspirationen an diesem Memademittwoch, der ja auch ein Teil des Memademay 2022 ist. Ich finde es immer wieder überwältigend, wie viele Frauen weltweit an dieser Aktion teilnehmen und bereitwillig und voller Freue eine Blick in ihren Kleiderschrank gewähren.

Ich verabschiede mich mit einigen Inspirationen unserer Fahrradtour am Rhein, die allerdings noch im April stattfand!

Hose Memademittwoch Named Pattern

Aina Trousers von Named Clothing

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Als ich meine erste Hose mit Gummizug in der Taille nähte, die Pietra Pants von Closet Core, machte ich mir noch Gedanken über diese Form der Bundgestaltung. Das berühmte Zitat von Karl Lagerfeld beschäftigte mich in meinem Blogbeitrag über die Pietrapants. Mittlerweile ist mehr als ein Jahr vergangen, ich habe verschieden Gummizughosen genäht und die Kontrolle über mein Leben nicht verloren. Außerdem habe ich mir sagen lassen, daß Karl Lagerfeld den Satz so nie gesagt hätte, zumindest gibt es keine sichere Quelle dafür.

Also, eine neue Gummizughose! Prinzipiell spricht ja auch nichts dagegen, sich durch dehnbare Materialien bei der Anpassung einer Hose helfen zu lassen. Die arme Hose muß ja auch so einiges mitmachen: sowohl beim Sitzen als auch im Stehen soll sie noch „bella figura“ machen, und das sowohl morgens, wenn der Bauch noch flach ist, als auch abends nach vielleicht einem Schlemmermenü.

Also, Gummizug ist eine gute Idee. Es gibt ganz, ganz viele Schnitte für Gummizughosen auf dem Schnittmustermarkt. Die meisten unterscheiden sich nicht wesentlich voneinander…aber das ist ja überhaupt so, wenn man den Markt an neuen Schnittmustern betrachtet, das meiste war schon mal dagewesen. Wenn dann auch noch die Namen der Schnittmuster sich ähneln, wird es schon etwas schwierig…

Wie gut, daß Named Clothing finnische Namen für die Schnittmuster wählt, da komme ich etwas weniger durcheinander. Und die Aina Hose ist schon etwas besonderes. In diesem Fall ist der Gummizug nur im hinteren Bereich der Taille angesiedelt, nämlich zwischen den rückwärtigen Abnähern. Das ist sozusagen eine Minimalversion der Gummizugtaille. Die Pietra von Closet Core hat im gesamten Rückteil den Gummizug, die meisten anderen Schnitte im ganzen Bund. Aber da gibt es alle möglichen Variationen bei den Schnittdesignern.

Wenn der Gummizug nur hinten ist, ist das natürlich hübscher für die Vorderansicht, vor allem wenn die Vorderansicht die einer „normalen“ Hose ist. So ist das bei der Ainahose, die ist von vorne eine ganz normale Jeans mit Reißverschluss und Eingriffstaschen und hat eben nur hinten diesen kurzen Gummizug. Es gibt auch Schnittmuster, die haben vorne einen normalen Hosenreißverschluss und trotzdem einen Gummizug um den gesamten Umfang, so z.B. die DaniPants von True Bias (habe ich noch nicht genäht, stehen aber ganz oben auf der to-sew-Liste). Hier bräuchte man den Vorderreißverschluß eigentlich nicht, aber er macht sich halt gut für den Eindruck einer „richtigen“ Hose.

Die Aina hat noch eine weitere Besonderheit in der Taillenkonstruktion: der vordere Bund ist über die Seitennähte hinweg zu einer Lasche oder einem verlängerten Übertritt ausgezogen und wird am Rückenteil mit einem Knopf befestigt. Hier schlägt das Schnittmuster sogar zwei Knöpfe vor, um die Weite nochmals regulieren zu können. Ich habe mich mit einem Knopf begnügt, dazu aber später noch mehr.

Es gibt zwei Variationen von der Aina-Hose, einmal eine knöchellange Version mit eher geradem Bein, und eine Culotte. Ich hatte mich spontan in die Culotte verliebt, sobald ich die ersten Bilder dieses Modelles in den sozialen Medien von Named Pattern gesehen hatte. Diese Culotte wollte ich aus dem traumhaften Hanfstoff nähen, den Named Pattern auch vertreibt, aber vorher wollte ich die Hosenversion nähen, sozusagen als Testmodell, bevor ich den wertvollen Hanfstoff anschneide.

Der Plan war also ein tragbares Testmodell- nein, das ist natürlich nicht korrekt. Ich nähe höchst ungerne Testmodelle- erstens macht es überhaupt keinen Spaß, etwas zu nähen, was nachher nicht getragen wird, und ich finde ein Testmodell auch nicht immer so aufschlußreich. Ich weiß, daß insbesondere bei Hosen viele Näherinnen Testhosen nähen und dann akribisch die entstehenden Falten in Schnittänderungen umsetzen können- ich kann das nicht. Und ich mag auch nicht irgendetwas nähen, auch nicht aus einem billigen Stoff, was ich dann nachher wieder wegwerfe.

Meine Form der Hosenanpassung geht über die Änderung des Schnittmusters, also ich versuche schon vor dem Zuschnitt die erforderlichen Änderungen , die mein dreidimensionaler Körper erfordert, in die beiden Dimensionen des Schnittmusters umzusetzen. Ich muß Hosenschnittmuster immer ändern, meine Figur weicht von der Standardfigur um einiges ab. Wenn ich mich nur auf die Größentabelle meines Aina-Schnittmusters verlassen würde, hätte ich im Hüftbereich eine Gr 36 und in der Taille eine Gr 40. Das berühmte „Gradieren“, also die Verbindung der Schnittmusterlinien auf dem Mehrgrößenschnitt, kann nicht weiterhelfen, denn es geht ja nicht um gleichmäßige Änderungen des Umfanges, sondern um Erhebungen des Körpers, die mal mehr oder weniger ausgeprägt sind.

Ich habe die Gr 38 gewählt bei diesem Schnitt, habe dann ein „flat seat adjustment“ duchgeführt um die geringere Hüftweite zu erreichen und im Vorderteil ein „full tummy adjustment“, um auf die größere Taillenweite zu kommen. Ich bitte, diese Anglizismen zu entschuldigen, aber im deutschen Sprachraum sind diese segensreichen Änderungsmöglichkeiten noch nicht angekommen, ist mein Eindruck. Wir reden ja auch von der „FBA“, dem „full bust adjustment“, das viele Näherinnen kennen und anwenden. Genauso geht es auch im Unterkörperbereich, auch hier kann ich den zweidimensionalen Schnitt durch Linien trennen und auseinanderziehen oder zusammenschieben, um Weite und Länge an definierten Punkten zu schaffen oder zu verringern.

Ich kann und will hier keine genaue Anleitung dafür geben, dafür gibt es kompetentere Personen als mich. Es gibt dafür viele Tutorials, leider sind die alle englischsprachig und, so wie ich das sehe, oft auch kostenpflichtig. Ich habe viel aus den Artikeln der Zeitschrift Threads gelernt, aber auch im letzten Buch von Named Clothing „Building the Pattern“ gibt es viele Anleitungen , wie man einen Schnitt schon vor dem Zuschneiden anpaßt. Sehr informativ und kostenlos sind die Videos von Alexandra Morgan über die Hosenanpassung z.B. hier und hier.

Wenn ich einen Hosenschnitt auf diese Art angepaßt habe, bin ich mir sicher, daß er im Prinzip schon mal paßt. Deshalb habe ich in diesem Fall auch gewagt, schon für mein Testmodell einen sehr schönen Stoff zu verwenden, nämlich einen Baumwoll-Leinen Twill von Mindthemaker. Ursprünglich hatte ich gedacht, damit einen Kombipartner für meinen neuen rosa Blazer zu nähen- aber das rosa ist dann doch zu verschieden und paßt nicht. Aber die Farbe ist trotzdem sehr schön und mit vielem zu kombinieren, hier mit meiner Norma-Bluse aus Liberty.

Der Named-Papierschnitt ist sehr schön gemacht und auf stabilem Papier gedruckt, nicht auf diesem komischen dünnen Papier, wie die amerikanischen Schnitte. Abpausen muß man aber trotzdem, da Culotte- und Hosenmodell übereinander gedruckt sind. Der Schnitt enthält alle wichtigen Bezeichnungen, also auch Linien für Hüfte, Oberschenkel und Knie- das ist so segensreich, wenn man Änderungen durchführt.

Der Schnitt enthält auch eine Nahtzugabe. Ich weiß, daß das immer gerne gesehen wird- aber eigentlich ist es Blödsinn, denn ein Hosenschnitt muß meistens geändert werden. Und die Nahtzugabe von 1 cm ist mir eigentlich zu knapp- wenn ich eine Naht wie die Seitennaht erst mit der Overlock versäubere und dann nähe, ist das schon sehr eng.

Ich glaube, daß die pdf Version des Schnittes auch eine Version ohne Nahtzugabe enthält, da bin ich mir aber nicht ganz sicher. Die Anleitung ist völlig ausreichend, aber gewisse Nähkenntnisse werden wohl schon vorausgesetzt.

Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die Paßform fand ich auf Anhieb sehr gut und habe nicht mehr viel geändert. Nach dem ersten Tragen habe ich dann gemerkt, daß der Stoff doch um einiges nachgibt. Einen Gürtel kann man bei diesem Schnitt nicht tragen, aber es gibt die Möglichkeit, doch noch einen zweiten Knopf anzunähen, wie es ja auch im Schnitt vorgesehen ist. Ich habe das bisher nicht gemacht, weil dann eine Falte in der Hose seitlich entsteht, aber wenn man etwas über dem Bund trägt, sieht man das sicher nicht. Jedenfalls ist dieser Knopf eine weitere einfache Möglichkeit, die Weite nachträglich zu korrigieren. Ein Knopf ist ja auch schnell versetzt (wenn es sich nicht um einen Jeansknopf handelt), und ich finde das eine sehr gute Idee, um die Taillenweite variabel zu gestalten.

Ach ja, und das Innenleben darf man nicht vergessen: wenn ich schon eine einfarbige Hose nähen, muß doch jedenfalls der Taschenbeutel aus einem geliebten Libertystoff sein. Natürlich drehe ich den Stoff so, daß ich beim An- und Ausziehen den bunten Stoff sehe. An solchen Kleinigkeiten kann ich mich unglaublich freuen.


Jetzt freue ich mich erst mal auf die Galerie der gut angezogenen Frauen des Memademittwoch!

Bloggen Named Pattern

Näbloggertreffen in Frankfurt

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Im Mai gibt es ein Nähbloggertreffen in Frankfurt, so schön, ich freue mich sehr, daß ich dabei sein darf! Und noch mehr freue ich, daß es im Vorfeld einen Sewalong gibt, sozusagen zur Einstimmung auf unser Treffen. Ich finde die Idee sehr gut, denn auf diese Art lernt man sich schon mal etwas kennen. Bei meinen bisherigen Bloggertreffen gab es dann doch immer wieder mal Bloggerinnen, deren Blog ich wenig kannte oder einfach nicht zuordnen konnte, im Nachhinein fand ich das sehr schade.

Das Nähthema des Sewalong soll etwas mit Nachhaltigkeit zu tun haben- das finde ich zwar eine super Idee, spontan hatte ich aber wenig konkrete Pläne dazu. Upcycling oder Recycling ist nicht das Hauptthema meines Blogs, ich nähe einfach furchtbar gerne neue Kleidungsstücke. Aber natürlich ändere ich auch immer wieder mal etwas oder passe die Größe an.

Für den Sewalong habe ich mir aber etwas anderes vorgenommen, nämlich die Aina Culotte von Named Pattern. Aina ist der neue Hosenschnitt der aktuellen Named- Kollektion, und hat eine sehr interessante Bundlösung. Es gibt den Schnitt in zwei Variationen, einmal eine Hose, die ich schon genäht habe und die ich hoffentlich am Mittwoch zeigen werde, und eine Culotte, die ich jetzt im Sewalong nähen möchte.

Nachhaltig ist zumindest mein Stoff, denn es handelt sich um einen Hanfstoff. Es ist der Stoff, aus dem auch die Designmodelle von Named genäht sind, und ich habe ihn direkt aus Finnland von Named Pattern bezogen. Hanf ist wirklich ein schönes Material, denn er braucht im Anbau viel weniger Wasser als z.B. Baumwolle. Auch Pestizide werden wohl weniger eingesetzt. Bei dem von Named vertriebenen Hanfstoff handelt es sich um einen Stoff, der aus Resten der Textilindustrie hergestellt wurde, so übersetze ich jedenfalls „rescued textile industrie surplus“, wie der Stoff auf der Website von Named beschrieben wird. Weitere Informationen finden sich leider nicht dazu. Aber da Named sich durchaus um Nachhaltigkeit bemüht, habe ich einfach mal Vertrauen in diese Aussage und freue mich an dem schönen Stoff.

Der Stoff ist toll, finde ich. Er ist eher steif, aber dünn, könnte für eine Sommer-Culotte sehr angenehm sein. Er hat einige Unregelmäßigkeiten in der Webung und eben diese schöne blaugrüne Farbe. Passende Corozo-Knöpfe hatte ich im Vorrat, Reißverschluss und Garn sind gekauft, da gab der Vorrat nichts passendes her.

Beim Hanfstoff ist übrigens der Gehalt an Tetrahydrocannabiol gleich null- wenn also irgendwelche Hochgefühle beim Nähen oder Anziehen auftauchen, hat das nichts mit Hasch zu tun. Wobei man jetzt natürlich fragen könnte, ob die Nähsucht weniger schlimm als die Cannabissucht ist- diese Frage kann ich nicht beantworten, da ich Cannabis noch nicht probiert habe. Mir reicht auch schon die Nähsucht.

Verlinkt wird der Beitrag mit dem Blog von Muriel, die alle Beiträge der Teilnehmer am Bloggertreffen sammelt. Ich bin schon sehr gespannt, wer alles dabei sein wird!

Blazer I am Patterns

Fullmoon-Blazer von I am Patterns- oder vom Blazer, der eigentlich eine Jeans werden sollte…

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Selbstgenähte Kleidungsstücke haben immer eine interessante Vorgeschichte. Nicht nur, daß natürlich der Prozess des Nähens interessant ist, nein, auch schon vorher müssen ja Stoff und Schnitt ausgesucht werden. Und noch davor steht der Entscheidungsprozess, was denn nun eigentlich genäht werden soll. Ich denke, jeder oder jede, die viel näht, kennt dieses Dilemma. So viele Ideen, schöne Schnitt und bezaubernde Stoffe- ja, was nähe ich denn da als nächstes?

Und dieser Entscheidungsprozess geht manchmal sehr krumme Wege, um doch zu einem schönen Ergebnis zu führen. So ging es mir jedenfalls mit diesem Blazer in zartem Pastellrosa, der jetzt meine Frühlingsgarderobe bereichert.

Am Anfang war der Wunsch nach einer neuen Jeans.

Ich wußte genau, wie sie aussehen sollte. Ein legerer Schnitt, so etwas boyfriend-Mäßiges, eine schöne hellblaue Waschung, eine lockere Paßform, so daß ich die Hose auch zum Wandern oder Radfahren gut anziehen kann. Ich wußte das alles so genau, da diese Hose sich schon in meinem Besitz befand und ich sie auf den Bildern in diesem Beitrag trage.

Diese Hose hat aber einen großen, großen Fehler- sie ist nicht selbst genäht. Ja, es ist eine böse Kaufhose, irgendwann im letzten Jahr bestellt, durch Werbung beeinflußt…und ich liebe sie. Sie paßt mir nicht wirklich, aber bei einer Boyfriendhose ist das ja auch gar nicht erwünscht. Ich trage sie gerne und viel, aber mit zunehmend schlechten Gewissen. Das darf doch gar nicht sein, daß ich eine Kaufhose so toll finde! Geht doch sicher selbstgenäht viel besser, wenn ich so eine Hose nachnähe, mit besserer Paßform, das würde doch sicher ein Lieblingsstück werden…also ich brauchte eine neue Jeans.

Also machte ich mich auf der Suche nach einem entsprechenden Schnitt. Fündig wurde ich bei dem französischen Label I am Pattern. Hier gab es die Jeans I am Sunshine, die meinen Vorstellungen und meiner bösen Kaufhose ziemlich gut entsprachen.

Quelle: I am Sunshine von I am Patterns

Diese Hose wollte ich nähen, das würde so toll werden! Der Schnitt wurde gleich bestellt und auf die geduldige Festplatte geladen. Mitgeladen wurden auch zwei andere Schnitte des Labels, die es im Bündel günstig angeboten gab. Ein Schnitt für ein Sweatshirt oder eine Sweatjacke- kann man immer brauchen, und dann noch ein Jackenschnitt, eber dieser Fullmoon-Blazer. Die Jacke fand ich ganz witzig, ich mochte diesen langgezogenen Reverskragen, und im Bündel war das ganze wie gesagt günstiger.

Aber nähen wollte ich ja sofort die Hose. Leider fand ich aber keinen Stoff dafür. Jeansstoffe sind nicht so einfach zu bekommen, man muß da immer auf die richtige Gelegenheit warten, bis es die gewünschte Qualität in der gewünschten Farbe gibt. In diesem Fall hatte ich keine gute Stoffoption für die Jeans. Auf Sweatshirtnähen hatte ich grade keine Lust- so rückte der Blazer nach vorne in den Nähplänen. Denn für den hatte ich einen passenden Stoff gerade bekommen: einen zauberhaften blaßrosa Cordstoff von Atelier Brunette. Und da Atelier Brunette ja so viele Stoffe in der gleichen Farbrichtung anbietet, gab es auch einen passenden Futterstoff dazu. So stand der Plan für ein Nähprojekt fest: es sollte dieser rosafarbene Blazer werden.

Ich gebe ja zu, daß ich das ganze Projekt anfangs unterschätzt hatte. Ich hatte den Schnitt eher so als legere Übergangsjacke verstanden , und dieser tolle langgezogene Kragen hat es mir einfach angetan. Über die Paßform hatte ich mir keine großen Gedanken gemacht- ich hatte einige Maße am Schnitt kontrolliert und fand das ganze eher lässig sitzend, so war ja auch meine Erwartung an das fertige Teil. Wenn schon keine Boyfriend-Jeans, dann jedenfalls eine lässige Jacke!

Für mich war es der erste Schnitt von I am Patterns, den ich genäht habe. Ich bin insgesamt recht zufrieden mit Schnitt und Anleitung, es ist alles sehr professionell gemacht. Die Anleitung gibt es auf französisch und englisch, damit sollte jeder zurecht kommen. Der Futterschnitt wird nach Anleitung aus den Hauptteilen entwickelt, aber das ist genau beschrieben, um wieviel kürzer der Saum für das Futter sein soll und wo die Falte im Rückenteil sein soll. Ich kam damit gut zurecht, mir ist das lieber als drölfzig Teile für einen Extrafutterschnitt, der nachher vielleicht doch nicht paßt, weil man am Hauptteil Änderungen vorgenommen hat.

Die Innentasche ist glaube ich auf der verkehrten Seite ….

Der Cord von Atelier Brunette ist wirklich ein Traum. Er ist super zu verarbeiten, auch das übliche Cordfusseln ist hier wenig ausgeprägt. Der Futterstoff, eine Viskose, machte dafür ihrem Ruf als Flutschi-Viskose alle Ehre. Ich war ja schon froh, daß ich hier „nur“ ein Futter zuschneiden mußte und es vielleicht nicht ganz so auf den Millimeter ankam. Da die Viskose allerdings nur beim Nähen flutschig war und nicht beim Anziehen, habe ich den oberen Teil der Ärmel aus einem richtigen Viskosefutterstoff genäht. So ist das Gefühl beim Anziehen sehr angenehm, man rutscht schön in den Ärmel rein, und beim Umschlagen der Ärmel kommt trotzdem der hübsche gemusterte Stoff zum Vorschein.

Das Nähen war also ganz lustig, bis ich ans Ärmeleinsetzen kam…nachdem ich die Ärmel zum zweitenmal rausgetrennt hatte, weil sie nicht saßen, dämmerte es mir, daß ich hier doch mit einem richtigen Blazerschnitt zu tun hatte. Und so suchte ich zunächst aus meinem Vorrat die Schulterpolster raus und dann meine rudimentären Kenntnisse im Blazernähen, die ich mir beim Nähen des Jasika-Blazers von Closet Core erworben hatte. Mit Schulterpolstern saß die Jacke gleich um Klassen besser, und da waren dann ja auch noch diese netten Ärmelfischchen…schnell zugeschnitten aus Watteline, und dann war ich mit dem Sitz der Schultern doch etwas zufriedener.

Beim restlichen Nähprozess habe ich mich dann an die bewährte Anleitung von Closet Core gehalten. Insbesondere das Verstürzen des Futters, das überwiegend mit der Maschine gemacht wird, finde ich ausgesprochen lustig. So witzig, wie dann dann nach dem Wenden der schön gefütterte Blazer vor einem liegt! Das Anstaffieren mit der Hand wäre vielleicht korrekter, aber der Lustgewinn war so für mich größer. Wahrscheinlich gibt es immer verschiedene Wege , zum Ziel zu kommen.

Der Blazer ist sehr, sehr bequem. Er ist im Rücken eher lässig geschnitten, deshalb ist er auch für mich für alle möglichen Freizeitaktivitäten geeignet. Radfahren ist problemlos, Wanderen sowieso, wie hier gezeigt. Farbe und Material entsprechen vielleicht nicht ganz der üblichen Funktionskleidung, aber hej, wer hält sich mit solchen Kleinigkeiten auf, wenn ein rosafarbener Blazer in der Frühjahrssonne ausgeführt werden möchte?

Was mir nicht ganz so gut gefällt, ist meine Knopflösung. Ich hatte die Wahl zwischen 15 und 25 mm Knöpfen in der passenden Farbe und mich für die kleinere Version entschieden- das war keine gute Entscheidung, finde ich jetzt. Die größeren Knöpfe wären schöner, dann mit richtigen Paspelknopflöchern, das würde besser passen. Ich hatte auch schon die wahnwitzige Idee, das im nachhinein zu ändern…das Annähen von zwei neuen Knöpfen wäre natürlich nicht das Problem, aber Paspelknopflöcher im fertigen Kleidungsstück einnähen, das ist dann doch ein verwegener Gedanke. Ich habe ihn auch wieder verworfen und mich mittlerweile an die zu kleinen Knöpfe gewöhnt.

Ja, und die Jeans? Die sind immer noch in Planung, aber zunächst mußte ich einen anderen Hosenschnitt ausprobieren…mehr davon demnächst auf diesem Blog!

Verlinkt wird dieser Beitrag mit dem Blog Augensterns Welt – gerade habe ich entdeckt, daß Annette eine kleine, sehr feine Linkaktion dieses Jahr gestartet hat. Jeden Monat werden zu einem Thema selbstgenähte Kleidungsstücke gezeigt, und im März ist das Thema Jacke oder Blazer. Als ob ich es geahnt hätte und deshalb den Blazer genäht hatte! Ich finde es jedenfalls sehr interessant, bei dieser Linkaktion neue, mir völlig unbekannte Blogs kennen zu lernen. Die Nähwelt ist einfach vielfältig!

Bloggen Blusen Hey June Iris May Rock

Sandbridge-Skirt und Maybelle-Bluse

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In den letzten Monaten habe ich immer wieder Kombinationen aus Rock und Bluse auf diesem Blog gezeigt. Diesem Muster bleibe ich treu, und so gibt es auch zum Memademittwoch im Februar wieder eine bewährte Kombination. Und damit es nicht ganz so langweilig wird, hier auch noch mit einer neuen Tasche kombiniert!

Auf den Rock bin ich ja richtig stolz. Nein , er ist überhaupt nicht spektakulär, es ist kein neuer Schnitt, keine duftige Viskose irgendeines schicken französischen Labels, die Farbe ist nicht mal frühlingshaft. Warum ich trotzdem so stolz bin? Weil ich bei dem Rock ein Nähproblem gelöst habe, das mich schon lange beschäftigt hat.

Der Rock ist nach dem Schnittmuster Sandbridge Skirt von Hey June genäht. Es gibt aber auch viele ähnliche Schnittmuster in den einschlägigen Zeitschriften, es ist einfach ein Basic-Schnitt mit „5 pockets“ , rückwärtiger Passe und einem Reißverschluss in der vorderen Mitte. Das ist der typische Schnitt für einen Jeansrock, und so ist der Sandbridgerock auch designt. Er sitzt eher etwas tiefer in Richtung Hüfte und hat deshalb einen Formbund. Der Original-Sandbridge ist sehr kurz, ich habe den Schnitt verlängert und einen rückwärtigen verdeckten Schlitz ergänzt, um meine Fortbewegungsfähigkeit zu sichern.

Ich hatte den Sandbridge Rock vor einigen Jahren schon mal genäht und hier darüber gebloggt. Das Ergebnis damals war nicht so ganz optimal, obwohl ich mir bei der Anpassung Mühe gegeben hatte. Aber ich hatte den Rock damals schon gefüttert- natürlich gefüttert, denn jeder von uns kennt die unheilvolle Anziehungskraft von Cord auf Wollstrickstrumpfhosen. Und natürlich trage ich so einen Cordrock über einer Wollstrumpfhose- wenn die Temperaturen es erlauben würden, die Strumpfhose weg zu lassen, würde ich doch viel lieber einen Rock aus einer frühlingshaften duftigen Viskose irgendeines schicken französischen Labels tragen!

Problematisch fand ich damals die Befestigung des Futters in der vorderen Mitte. Da ist ja der Reißverschluß mit Untertritt, und daran mußte dann das Futter befestigt werden. Anleitungen dafür gibt es nicht- offensichtlich hat außer mir keiner das Problem, daß er einen Jeansrock füttern möchte. Alle gefütterten Röcke haben ihren Reißverschluß entweder seitlich oder in der hinteren Mitte.

An der Futterproblematik bin ich damals gescheitert und habe dann das Futter irgendwie am Rockreißverschlußschlitz befestigt.

Jetzt hatte ich es geschafft, den Futterschnitt so anzupassen, daß ich das Futter beim Annähen des Reißverschlusses mitnähen konnte. So ganz genau kann ich es im Nachhinein auch nicht mehr beschreiben, aber mein Vorgehen war so, daß ich mir überlegt habe, wo die senkrechten äußeren Nähte des Reißverschlusses verlaufen im Bezug zur vorderen Mitte. Das war dann meine Nahtlinie auf dem Futterschnitt, natürlich ergänzt um die Nahtzugabe. Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, ein Tutorial möchte ich dazu allerdings auch nicht schreiben…

Das Label „proud as punch“ hatte ich ausgesucht, weil es farblich so schön passte. Aber es drückt auch sehr gut meine Zufriedenheit mit meinem Nähwerk aus, denn ich bin wirklich stolz auf diesen Rock. Als ich dieses Label aus dem Adventskalender von Kylie and the Machines zog, habe ich erst mal die Übersetzung nachgeschlagen. Punch ist das Kasperle, und in der Zusammensetzung „proud as…“ würden wir es als „stolz wie Oskar“ übersetzen. Wieder was gelernt- und da soll nochmal jemand sagen, daß Nähen nicht der Allgemeinbildung dient!

Den Sandbridge -Rock von 2018 habe ich eine Weile gerne getragen, mittlerweile finde ich ihn nicht mehr so toll. Auch wenn er auf den alten Bildern recht gut aussieht, war der Stoff immer schon ungeeignet für diesen Schnitt. Es war ein dünner Feincord, eher für Hemden oder Blusen geeignet als für diesen Schnitt. Der Cordrock 2022 ist aus einem stabilen und leicht dehnbaren Cord genäht, es ist die gleiche Qualität , die ich auch für meine grüne Bettyhose verwendet hatte. In Verbindung mit meiner halbwegs ordentlichen Innenverarbeitung hoffe ich, daß ich mit diesem Stück ein etwas langlebigeres Teil geschaffen habe.

Die Bluse, die ich zum Rock kombiniert habe, ist nach dem Schnittmuser Maybelle der belgischen Schnittdesignerin Iris May genäht. Ich bin ja großer Fan der belgischen Stoff-Firma Seeyouatsix, und deren Designerin verwendet diesen Schnitt sehr oft für ihre Designbeispiele. Es ist ein klassischer Hemdblusenschnitt, auch hier gibt es natürlich viele ähnliche Modelle in den einschlägigen Zeitschriften. Was mir aber an diesem Schnitt so gefällt, sind seine gelungenen Proportionen. Die Bluse sitzt eigentlich ganz lässig, hat aber trotzdem eine schön geformte und hohe Armkugel, so daß sie nicht ganz so „hemdsärmelig“ herkommt, in wahren Sinn des Wortes. Meine letzten beiden genähten Blusen waren ähnliche Schnitte, aber sowohl Kalle von Closetcore als auch die Beabluse aus dem Buch Timeless Chic haben deutlich überschnittene Schultern und dann eben diese sehr flache Armkugel, die an ein Herrenhemd erinnert. Diese Bluse ist deutlich femininer, das mag ich gerne

Außerdem hat der Schnitt so schön viele Variationen, man kann verschiedene Ärmelformen oder -längen wählen, verschiedene Rockformen dranhängen, und wer mit einem „Mini-Me“ im Partnerlook gehen möchte, bekommt das ganze auch identisch als Kinderschnitt. Für mich ist das ein praktischer und gut einsetzbarer Schnitt, den ich sicher nochmal nähen werde.

Der Stoff der Bluse ist von Seeyouatsix, unverkennbar. Ich bestelle sehr gerne die Stoffe dieses Labels, weil ich die Designs so gerne mag und von Stoffqualität noch nie enttäuscht worden bin. Aber als ich diesen Stoff aus dem Päckchen zog, mußte ich doch erst mal schlucken und dachte, ich hätte mich verkauft. Ja, die Farben, dieses Grün, etwas rosa, das mochte ich gerne, auch das Blätter-Design, schließlich heißt das Muster ja auch Autumn Joy. Aber zwischen den Blättern verbergen sich etliche Tiere… mit dem possierlichen Eichhörnchen kam ich ja noch zurecht, aber dann gibt es ein weißes Tier, das ich nicht so ganz bestimmen kann- weiße Ratte, Iltis? Es ist jedenfalls ein Tier, das mir spontan unsympathisch war, und das tummelt sich jetzt auf meiner Bluse. Andererseits kann man ja auch einer Bluse auch mal ein witziges oder ungewöhnliches Muster haben, es ist ja keine so große Fläche wie z.B. ein Kleid.

Bild von Autumn Joy - M - Baumwolle Gabardine Twill - Forest River
Quelle: Seeyouatsix

Und die tolle Stoffqualität entschädigt für einiges. Es ist 100% Baumwolle, aber ganz weich und geschmeidig, mit einem richtig „warmen“ Griff. Auch wenn die Bluse so herbstlich daher kommt, wird sie mich sicher durch die letzten kühlen Tage dieses Winters begleiten.

Die Tasche heißt Anni und kam aus der Januar-Box von „dasmacheichnachts“. Wer die Boxen nicht kennt: hier kann man monatlich ein Päckchen erhalten, das Material für ein Projekt erhält. Keine Kleidung, sondern eher Patchwork, Taschen und ähnliches. Es ist alles immer wunderschön gestaltet, und die Stoffe sind sehr geschmackvoll zusammengestellt. Man kann die Boxen abonnieren, oder als Einzelbox kaufen, den Taschenschnitt gibt es aber auch alleine.

Ich finde den Schnitt ganz witzig: die Tasche wird nach unten hin weiter durch eingelegte Falten an der Taschenseite. Oben ist sie schön schmal und wird nach unten hin richtig tief. Sie wird mit einem Reißverschluß oben geschlossen, es gibt eine Außentasche. Absolut professionell wirkt natürlich die Trägerlösung, die farblich passenden Lederriemen werden mit Buchschrauben befestigt. Theoretisch könnte man die Träger abnehmen und den Rest der Tasche waschen. Aber so schmutzig werden Taschen ja eigentlich nicht, ich habe zumindest noch nie eine Tasche gewaschen.

Ich war ja ganz glücklich, daß der Stoff in der Box so gut in mein derzeitiges Farbschema paßt, denn der Inhalt der Box ist natürlich eine Überraschung und wird streng geheim gehalten, bis alle ihre Box erhalten haben. Aber so paßt alles schön, und ich kann ein Komplett-Outfit zum Memademittwoch präsentieren. Was haben denn die anderen so genäht, gibt es schon Frühlingsmode?