Blusen Culotte Deer and Doe Named Pattern

Eine neue Culotte…und die Folgen

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Das Outfit, das ich heute zeige, entstand bei den Vorbereitungen für das Bloggertreffen in Frankfurt, das Muriel (Nahtzugabe5cm), Anja (Nordendnaht), Sybille (langsame Schildkröte) und Claudia (@kaffebrod) am nächsten Wochenende organisieren. So schön, wieder ein „richtiges Treffen“, sozusagen life und in Farbe…mit den virtuellen Treffen per Zoom konnte ich mich nie anfreunden. Im Vorfeld des Bloggertreffens gab es einen Sewalong, geplant ist dann noch ein gemeinsamer Fototermin am Sonntag mit den neu genähten Dingen. Das Thema, das die Organisatorinnen für den Sewalong vorschlugen, war Nachhaltigkeit- natürlich ein super wichtiges Thema, gerade wenn man sich mit Kleidung beschäftigt.

Leider sind so Dinge wie Refashion oder Redesign nicht meine Schwerpunkte beim Nähen. Natürlich habe ich auch schon mal aus alten Kleidungsstücken etwas neues genäht, und natürlich repariere ich auch Kleidungsstücke oder ändere, wenn sie nicht mehr passen oder gefallen. Aber am liebsten nähe ich eben doch neue Kleidungsstücke aus neuen Stoffen, das macht für mich den Reiz meines Hobbys, des Nähens, aus.

Auch der Stoff für diese Culotte war neu. Es handelt sich um einen Hanfstoff, den ich bei der finnischen Schnittmusterfirma Named bezogen habe. Hanf gilt als umweltfreundlich, da bei der Herstellung weniger Wasser und kaum Pestizide eingsetzt werden. Außerden wurde dieser Hanf wohl aus Resten der industriellen Produktion hergestellt. Somit hüllt er sich in das Mäntelchen der Nachhatltigkeit- na ja, ein sehr dünnes Mäntelchen, das spätestens bei dem Transport von Finnland zu mir davonwehte.

Der Stoff ist allerdings wirklich schön. Er ist eher dünner als Leinen, aber etwas steifer und fühlt sich auf der Haut sehr angenehm an. Ich vermute, daß er bei Hitze angenehm ist, da gab es aber bisher noch keine Gelegenheiten, das zu testen. Für mich bedeute Nachhaltigkeit, daß ich mich bemühe, möglichst hochwertige Dinge herzustellen, wenn ich denn schon so viele Resourcen dafür verschwende. Bei dieser Culotte(Schnitt: Aina-Culotte von Named) habe ich ein gutes Gefühl. Ich hatte den Schnitt schon mal genäht und angepaßt und wußte, das mir das fertige Stück gut gefallen würde. Meine erste Aina war eine gerade Hose, hier gezeigt, dies ist jetzt die zweite Version, die im Schnitt von Named Pattern enthalten ist. Bezeichnet wird sie als Culotte, ich empfinde sie eher als weite Hose.

Der Aina Schnitt hat als Besonderheit, daß die Bundweite durch Knöpfe geregelt wird. Im Originalschnitt werden zwei Knöpfe aufgenäht. Bei meiner ersten Aina-Version, hier gezeigt, habe ich das im Nachhinein noch ergänzt. So ganz überzeugt mich das bisher nicht: die Knöpfe haben naturgemäß einen Mindestabstand von ca 2 cm, und wenn ich dann auf beiden Seiten den inneren Knopf wähle, verändere ich die Bundweite gleich um 4 cm…solche Schwankungen brauche ich nicht in der Taillenweite. Ich habe ein bisschen rumprobiert, manchmal ist es dann ganz angenehm, nur einen Knopf enger zu knöpfen, aber dann wird natürlich die Hose assymmetrisch. Wenn man das Oberteil darüber trägt, sieht man das nicht, und dann sieht man auch die vielen Knöpfe nicht, die ich auch nicht so wirklich schön finde…da kommt schon rasch die Assoziation mit den bekannten Kinderhosen.

Also, es bleibt bei dem einen Knopf, aber den kann man natürlich leicht versetzen, je nach Bedarf. Ich habe die Hose auch noch etwas enger gemacht nach dem ersten Tragen, denn der schöne Hanfstoff ist durchaus nachgiebig und der Bund hat sich trotz Verstärkung deutlich geweitet. Ich bin gespannt, wie sich das nach der ersten Wäsche verhält. Natürlich war der Stoff vor der Verarbeitung vorgewaschen, das mache ich immer, aber nach meiner Erfahrung verändert er sich oft auch noch nach der ersten Wäsche im verarbeiteten Zustand.

Die Culotte war also fertig, und dann folgte wie immer nach dem Vollenden eines Nähwerks der spannende Punkt: was paßt denn jetzt zum neuen Stück, wie kann ich es kombinieren? Meistens versuche ich ja diese Fragen schon im Vorfeld, am besten schon beim Stoffkauf zu klären. Ich habe meine Lieblingsfarben, meine Lieblingsstoff-Firmen, und das führt schon zu guten Kombinationsmöglichkeiten. Bei dieser Culotte fand ich es schwierig. Die Farbe ist ein wunderschönes blau mit einem kleinen Grünstich…von meinen Blusen paßte nichts so recht dazu. Klar, weiß ging schon, auch ein cremefarbenes Kaufshirt sah recht gut dazu aus. Aber da das ja als Outfit für ein Nähbloggerwochenende gedacht war, ging ein Kaufshirt natürlich gar nicht.

Ich inspizierte mein Stoffregal. Jerseys sind darin nicht so viele enthalten, da ich mittlerweile viel lieber Webstoffe als Jersey vernähe. Aber es gibt manche Jerseys, die vom Design her mindestens genauso schön sind wie gewebte Stoffe. Ein Beispiel dafür ist dieser Art Gallery Jersey, der auch farblich so gut zu meinem Hosenstoff paßte. Als ich die Kombination entdeckte, war ich so begeistet, daß der Jersey umgehend in meinen derzeitigen Lieblings-Shirtschnitt verwandelt werden mußte.

Genäht habe ich hier den Vera-Schnitt von Forgetmenot-Patterns. Ich finde den Schnitt toll und habe schon einige Versionen davon genäht. Es gibt auch einen V-Ausschnitt und längere Ärmelmanschetten, dann sieht das Top richtig elegant aus. Der Schnitt ist übrigens gratis…immer wenn ich ihn nähe, ist mir das fast peinlich, denn ich finde ihn so gut und hätte eigentlich die Arbeit der Schnittdesignerin gerne honoriert.

Aber wie man am ersten Bild des Beitrages schon sieht, war das nicht die einzige Kombinationsmöglichkeit, die der Stoffstapel hergab. Da lag im Stapel ein Seidenstoff, genauer gesagt eine Liberty-Seide. Wer meinen Blog schon länger liest, kennt meine Vorliebe für Liberty-Stoffe, diese schönen Baumwollstoffe, meistens kleingeblümt. Das sind ja auch die Stoffe, die Liberty am meisten vertreibt, aber es gibt natürlich auch andere Qualitäten, unter anderem Seidenstoffe.

Ist Seide nachhaltig, ökologisch vertretbar? Jeder Veganer geht auf die Barrikaden, wenn das Wort Seide erwähnt wird. Sicher zu Recht, denn die Seidenraupen, die den erwünschten Faden spinnen, werden sehr gemein getötet, um an die kostbare Faser zu gelangen. Nein, das ist nicht tierfreundlich, wobei ich gerne zugebe, daß meine eigentlich grenzenlose Tierliebe bei Raupen aussetzt…wer einmal den Kampf gegen die Raupen des Buchsbaumzünslers geführt und natürlich verloren hat, der hat keine Sympathien für Raupen mehr, gleich welcher Spezies.

Ich habe diesen Stoff gekauft, weil ich Muster und Farben so unglaublich schön fand. Es ist ein dunkles Olive, darauf dieses leuchtendblaue Muster- so etwas sieht man nicht so oft. Und der Stoff ist natürlich absolut hochwertig und eine wunderbare Qualität. Er lag deshalb auch schon lange im Stapel, weil ich ihn für etwas besonderes aufheben wollte. Nun war die Gelegenheit gekommen, denn er passte wunderbar zur neuen Aina- Hose.

Ich habe den schönen Seidenstoff hier zu einer Orchidee-Bluse von Deeranddoe verarbeitet. Auch das ein von mir erprobter Schnitt, hier und hier schon mal gezeigt. Auch bei dieser neuen Version habe ich den Ausschnitt etwas höher gesetzt und damit entschärft-damit wird die Bluse für mich bedeutend alltagstauglicher.

Ich hatte im Vorfeld etwas Bedenken, ob die Statement-Ärmel des Orchideeschnittes aus der doch sehr fliessenden Seite gut zur Geltung kommen. Die Schnittdesignerinnen von Deeranddoe empfehlen eher Baumwollstoffe oder andere Stoffe mit etwas Stand für diesen Schnitt. Aber es gibt im Netz mittlerweile auch Beispiele aus dünneren Stoffen, auch aus Viskose, und so entschied ich mich, es einfach auszuprobieren.

Ich finde den Schnitt wirklich schön. Ich mag ja diese Schößchenblusen, und das Orchidee-Schößchen ist ein besonders hübsches und zierliches- wobei ich es um ca 2 cm verlängert habe, das gefällt mir besser. Die kostbare Seide war übrigens hervorragend zu verarbeiten. Ich habe eine Mikrotexnadel verwendet, und es gab keine besonderen Schwierigkeiten. Da hatte ich schon manches Viskosestöffchen unter der Nadel, was sich viel kapriziöser angestellt hatte.

So, daß war jetzt die Geschichte von dem einen Kleidungsstück, das ich unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit nähen wollte…entstanden sind drei Teile, die Materialien durchaus nicht durchweg ökologisch korrekt….aber ich liebe diese drei Teile! Ich denke , ich werde sie diesen Frühling und Sommer oft tragen.

Nicht zu vergessen ist auch die Freude beim Nähen, die ich bei diesen Kleidungsstücken hatte. Insbesondere beim Nähen des Seidenblüschens geriet ich in einen so wunderbaren Nähflow, wie ich es lange nicht erlebt hatte. Waren es die schönen Farben, das hochwertige Material, der bewährte Schnitt? Ich finde, diese Freude, die wir bei unserem Hobby empfinden, ist auch etwas ganz wichtiges, was auch einen gewissen Verbrauch an Resourcen wieder rechtfertigt.

Aber jetzt habe ich zumindest etwas anzuziehen beim Blogger-Treffen am Wochenende…ich freue mich sehr darauf! Zunächst aber freue ich mich auf viele weitere Inspirationen an diesem Memademittwoch, der ja auch ein Teil des Memademay 2022 ist. Ich finde es immer wieder überwältigend, wie viele Frauen weltweit an dieser Aktion teilnehmen und bereitwillig und voller Freue eine Blick in ihren Kleiderschrank gewähren.

Ich verabschiede mich mit einigen Inspirationen unserer Fahrradtour am Rhein, die allerdings noch im April stattfand!

Hose Memademittwoch Named Pattern

Aina Trousers von Named Clothing

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Als ich meine erste Hose mit Gummizug in der Taille nähte, die Pietra Pants von Closet Core, machte ich mir noch Gedanken über diese Form der Bundgestaltung. Das berühmte Zitat von Karl Lagerfeld beschäftigte mich in meinem Blogbeitrag über die Pietrapants. Mittlerweile ist mehr als ein Jahr vergangen, ich habe verschieden Gummizughosen genäht und die Kontrolle über mein Leben nicht verloren. Außerdem habe ich mir sagen lassen, daß Karl Lagerfeld den Satz so nie gesagt hätte, zumindest gibt es keine sichere Quelle dafür.

Also, eine neue Gummizughose! Prinzipiell spricht ja auch nichts dagegen, sich durch dehnbare Materialien bei der Anpassung einer Hose helfen zu lassen. Die arme Hose muß ja auch so einiges mitmachen: sowohl beim Sitzen als auch im Stehen soll sie noch „bella figura“ machen, und das sowohl morgens, wenn der Bauch noch flach ist, als auch abends nach vielleicht einem Schlemmermenü.

Also, Gummizug ist eine gute Idee. Es gibt ganz, ganz viele Schnitte für Gummizughosen auf dem Schnittmustermarkt. Die meisten unterscheiden sich nicht wesentlich voneinander…aber das ist ja überhaupt so, wenn man den Markt an neuen Schnittmustern betrachtet, das meiste war schon mal dagewesen. Wenn dann auch noch die Namen der Schnittmuster sich ähneln, wird es schon etwas schwierig…

Wie gut, daß Named Clothing finnische Namen für die Schnittmuster wählt, da komme ich etwas weniger durcheinander. Und die Aina Hose ist schon etwas besonderes. In diesem Fall ist der Gummizug nur im hinteren Bereich der Taille angesiedelt, nämlich zwischen den rückwärtigen Abnähern. Das ist sozusagen eine Minimalversion der Gummizugtaille. Die Pietra von Closet Core hat im gesamten Rückteil den Gummizug, die meisten anderen Schnitte im ganzen Bund. Aber da gibt es alle möglichen Variationen bei den Schnittdesignern.

Wenn der Gummizug nur hinten ist, ist das natürlich hübscher für die Vorderansicht, vor allem wenn die Vorderansicht die einer „normalen“ Hose ist. So ist das bei der Ainahose, die ist von vorne eine ganz normale Jeans mit Reißverschluss und Eingriffstaschen und hat eben nur hinten diesen kurzen Gummizug. Es gibt auch Schnittmuster, die haben vorne einen normalen Hosenreißverschluss und trotzdem einen Gummizug um den gesamten Umfang, so z.B. die DaniPants von True Bias (habe ich noch nicht genäht, stehen aber ganz oben auf der to-sew-Liste). Hier bräuchte man den Vorderreißverschluß eigentlich nicht, aber er macht sich halt gut für den Eindruck einer „richtigen“ Hose.

Die Aina hat noch eine weitere Besonderheit in der Taillenkonstruktion: der vordere Bund ist über die Seitennähte hinweg zu einer Lasche oder einem verlängerten Übertritt ausgezogen und wird am Rückenteil mit einem Knopf befestigt. Hier schlägt das Schnittmuster sogar zwei Knöpfe vor, um die Weite nochmals regulieren zu können. Ich habe mich mit einem Knopf begnügt, dazu aber später noch mehr.

Es gibt zwei Variationen von der Aina-Hose, einmal eine knöchellange Version mit eher geradem Bein, und eine Culotte. Ich hatte mich spontan in die Culotte verliebt, sobald ich die ersten Bilder dieses Modelles in den sozialen Medien von Named Pattern gesehen hatte. Diese Culotte wollte ich aus dem traumhaften Hanfstoff nähen, den Named Pattern auch vertreibt, aber vorher wollte ich die Hosenversion nähen, sozusagen als Testmodell, bevor ich den wertvollen Hanfstoff anschneide.

Der Plan war also ein tragbares Testmodell- nein, das ist natürlich nicht korrekt. Ich nähe höchst ungerne Testmodelle- erstens macht es überhaupt keinen Spaß, etwas zu nähen, was nachher nicht getragen wird, und ich finde ein Testmodell auch nicht immer so aufschlußreich. Ich weiß, daß insbesondere bei Hosen viele Näherinnen Testhosen nähen und dann akribisch die entstehenden Falten in Schnittänderungen umsetzen können- ich kann das nicht. Und ich mag auch nicht irgendetwas nähen, auch nicht aus einem billigen Stoff, was ich dann nachher wieder wegwerfe.

Meine Form der Hosenanpassung geht über die Änderung des Schnittmusters, also ich versuche schon vor dem Zuschnitt die erforderlichen Änderungen , die mein dreidimensionaler Körper erfordert, in die beiden Dimensionen des Schnittmusters umzusetzen. Ich muß Hosenschnittmuster immer ändern, meine Figur weicht von der Standardfigur um einiges ab. Wenn ich mich nur auf die Größentabelle meines Aina-Schnittmusters verlassen würde, hätte ich im Hüftbereich eine Gr 36 und in der Taille eine Gr 40. Das berühmte „Gradieren“, also die Verbindung der Schnittmusterlinien auf dem Mehrgrößenschnitt, kann nicht weiterhelfen, denn es geht ja nicht um gleichmäßige Änderungen des Umfanges, sondern um Erhebungen des Körpers, die mal mehr oder weniger ausgeprägt sind.

Ich habe die Gr 38 gewählt bei diesem Schnitt, habe dann ein „flat seat adjustment“ duchgeführt um die geringere Hüftweite zu erreichen und im Vorderteil ein „full tummy adjustment“, um auf die größere Taillenweite zu kommen. Ich bitte, diese Anglizismen zu entschuldigen, aber im deutschen Sprachraum sind diese segensreichen Änderungsmöglichkeiten noch nicht angekommen, ist mein Eindruck. Wir reden ja auch von der „FBA“, dem „full bust adjustment“, das viele Näherinnen kennen und anwenden. Genauso geht es auch im Unterkörperbereich, auch hier kann ich den zweidimensionalen Schnitt durch Linien trennen und auseinanderziehen oder zusammenschieben, um Weite und Länge an definierten Punkten zu schaffen oder zu verringern.

Ich kann und will hier keine genaue Anleitung dafür geben, dafür gibt es kompetentere Personen als mich. Es gibt dafür viele Tutorials, leider sind die alle englischsprachig und, so wie ich das sehe, oft auch kostenpflichtig. Ich habe viel aus den Artikeln der Zeitschrift Threads gelernt, aber auch im letzten Buch von Named Clothing „Building the Pattern“ gibt es viele Anleitungen , wie man einen Schnitt schon vor dem Zuschneiden anpaßt. Sehr informativ und kostenlos sind die Videos von Alexandra Morgan über die Hosenanpassung z.B. hier und hier.

Wenn ich einen Hosenschnitt auf diese Art angepaßt habe, bin ich mir sicher, daß er im Prinzip schon mal paßt. Deshalb habe ich in diesem Fall auch gewagt, schon für mein Testmodell einen sehr schönen Stoff zu verwenden, nämlich einen Baumwoll-Leinen Twill von Mindthemaker. Ursprünglich hatte ich gedacht, damit einen Kombipartner für meinen neuen rosa Blazer zu nähen- aber das rosa ist dann doch zu verschieden und paßt nicht. Aber die Farbe ist trotzdem sehr schön und mit vielem zu kombinieren, hier mit meiner Norma-Bluse aus Liberty.

Der Named-Papierschnitt ist sehr schön gemacht und auf stabilem Papier gedruckt, nicht auf diesem komischen dünnen Papier, wie die amerikanischen Schnitte. Abpausen muß man aber trotzdem, da Culotte- und Hosenmodell übereinander gedruckt sind. Der Schnitt enthält alle wichtigen Bezeichnungen, also auch Linien für Hüfte, Oberschenkel und Knie- das ist so segensreich, wenn man Änderungen durchführt.

Der Schnitt enthält auch eine Nahtzugabe. Ich weiß, daß das immer gerne gesehen wird- aber eigentlich ist es Blödsinn, denn ein Hosenschnitt muß meistens geändert werden. Und die Nahtzugabe von 1 cm ist mir eigentlich zu knapp- wenn ich eine Naht wie die Seitennaht erst mit der Overlock versäubere und dann nähe, ist das schon sehr eng.

Ich glaube, daß die pdf Version des Schnittes auch eine Version ohne Nahtzugabe enthält, da bin ich mir aber nicht ganz sicher. Die Anleitung ist völlig ausreichend, aber gewisse Nähkenntnisse werden wohl schon vorausgesetzt.

Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die Paßform fand ich auf Anhieb sehr gut und habe nicht mehr viel geändert. Nach dem ersten Tragen habe ich dann gemerkt, daß der Stoff doch um einiges nachgibt. Einen Gürtel kann man bei diesem Schnitt nicht tragen, aber es gibt die Möglichkeit, doch noch einen zweiten Knopf anzunähen, wie es ja auch im Schnitt vorgesehen ist. Ich habe das bisher nicht gemacht, weil dann eine Falte in der Hose seitlich entsteht, aber wenn man etwas über dem Bund trägt, sieht man das sicher nicht. Jedenfalls ist dieser Knopf eine weitere einfache Möglichkeit, die Weite nachträglich zu korrigieren. Ein Knopf ist ja auch schnell versetzt (wenn es sich nicht um einen Jeansknopf handelt), und ich finde das eine sehr gute Idee, um die Taillenweite variabel zu gestalten.

Ach ja, und das Innenleben darf man nicht vergessen: wenn ich schon eine einfarbige Hose nähen, muß doch jedenfalls der Taschenbeutel aus einem geliebten Libertystoff sein. Natürlich drehe ich den Stoff so, daß ich beim An- und Ausziehen den bunten Stoff sehe. An solchen Kleinigkeiten kann ich mich unglaublich freuen.


Jetzt freue ich mich erst mal auf die Galerie der gut angezogenen Frauen des Memademittwoch!

Bloggen Named Pattern

Näbloggertreffen in Frankfurt

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Im Mai gibt es ein Nähbloggertreffen in Frankfurt, so schön, ich freue mich sehr, daß ich dabei sein darf! Und noch mehr freue ich, daß es im Vorfeld einen Sewalong gibt, sozusagen zur Einstimmung auf unser Treffen. Ich finde die Idee sehr gut, denn auf diese Art lernt man sich schon mal etwas kennen. Bei meinen bisherigen Bloggertreffen gab es dann doch immer wieder mal Bloggerinnen, deren Blog ich wenig kannte oder einfach nicht zuordnen konnte, im Nachhinein fand ich das sehr schade.

Das Nähthema des Sewalong soll etwas mit Nachhaltigkeit zu tun haben- das finde ich zwar eine super Idee, spontan hatte ich aber wenig konkrete Pläne dazu. Upcycling oder Recycling ist nicht das Hauptthema meines Blogs, ich nähe einfach furchtbar gerne neue Kleidungsstücke. Aber natürlich ändere ich auch immer wieder mal etwas oder passe die Größe an.

Für den Sewalong habe ich mir aber etwas anderes vorgenommen, nämlich die Aina Culotte von Named Pattern. Aina ist der neue Hosenschnitt der aktuellen Named- Kollektion, und hat eine sehr interessante Bundlösung. Es gibt den Schnitt in zwei Variationen, einmal eine Hose, die ich schon genäht habe und die ich hoffentlich am Mittwoch zeigen werde, und eine Culotte, die ich jetzt im Sewalong nähen möchte.

Nachhaltig ist zumindest mein Stoff, denn es handelt sich um einen Hanfstoff. Es ist der Stoff, aus dem auch die Designmodelle von Named genäht sind, und ich habe ihn direkt aus Finnland von Named Pattern bezogen. Hanf ist wirklich ein schönes Material, denn er braucht im Anbau viel weniger Wasser als z.B. Baumwolle. Auch Pestizide werden wohl weniger eingesetzt. Bei dem von Named vertriebenen Hanfstoff handelt es sich um einen Stoff, der aus Resten der Textilindustrie hergestellt wurde, so übersetze ich jedenfalls „rescued textile industrie surplus“, wie der Stoff auf der Website von Named beschrieben wird. Weitere Informationen finden sich leider nicht dazu. Aber da Named sich durchaus um Nachhaltigkeit bemüht, habe ich einfach mal Vertrauen in diese Aussage und freue mich an dem schönen Stoff.

Der Stoff ist toll, finde ich. Er ist eher steif, aber dünn, könnte für eine Sommer-Culotte sehr angenehm sein. Er hat einige Unregelmäßigkeiten in der Webung und eben diese schöne blaugrüne Farbe. Passende Corozo-Knöpfe hatte ich im Vorrat, Reißverschluss und Garn sind gekauft, da gab der Vorrat nichts passendes her.

Beim Hanfstoff ist übrigens der Gehalt an Tetrahydrocannabiol gleich null- wenn also irgendwelche Hochgefühle beim Nähen oder Anziehen auftauchen, hat das nichts mit Hasch zu tun. Wobei man jetzt natürlich fragen könnte, ob die Nähsucht weniger schlimm als die Cannabissucht ist- diese Frage kann ich nicht beantworten, da ich Cannabis noch nicht probiert habe. Mir reicht auch schon die Nähsucht.

Verlinkt wird der Beitrag mit dem Blog von Muriel, die alle Beiträge der Teilnehmer am Bloggertreffen sammelt. Ich bin schon sehr gespannt, wer alles dabei sein wird!

Blazer I am Patterns

Fullmoon-Blazer von I am Patterns- oder vom Blazer, der eigentlich eine Jeans werden sollte…

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Selbstgenähte Kleidungsstücke haben immer eine interessante Vorgeschichte. Nicht nur, daß natürlich der Prozess des Nähens interessant ist, nein, auch schon vorher müssen ja Stoff und Schnitt ausgesucht werden. Und noch davor steht der Entscheidungsprozess, was denn nun eigentlich genäht werden soll. Ich denke, jeder oder jede, die viel näht, kennt dieses Dilemma. So viele Ideen, schöne Schnitt und bezaubernde Stoffe- ja, was nähe ich denn da als nächstes?

Und dieser Entscheidungsprozess geht manchmal sehr krumme Wege, um doch zu einem schönen Ergebnis zu führen. So ging es mir jedenfalls mit diesem Blazer in zartem Pastellrosa, der jetzt meine Frühlingsgarderobe bereichert.

Am Anfang war der Wunsch nach einer neuen Jeans.

Ich wußte genau, wie sie aussehen sollte. Ein legerer Schnitt, so etwas boyfriend-Mäßiges, eine schöne hellblaue Waschung, eine lockere Paßform, so daß ich die Hose auch zum Wandern oder Radfahren gut anziehen kann. Ich wußte das alles so genau, da diese Hose sich schon in meinem Besitz befand und ich sie auf den Bildern in diesem Beitrag trage.

Diese Hose hat aber einen großen, großen Fehler- sie ist nicht selbst genäht. Ja, es ist eine böse Kaufhose, irgendwann im letzten Jahr bestellt, durch Werbung beeinflußt…und ich liebe sie. Sie paßt mir nicht wirklich, aber bei einer Boyfriendhose ist das ja auch gar nicht erwünscht. Ich trage sie gerne und viel, aber mit zunehmend schlechten Gewissen. Das darf doch gar nicht sein, daß ich eine Kaufhose so toll finde! Geht doch sicher selbstgenäht viel besser, wenn ich so eine Hose nachnähe, mit besserer Paßform, das würde doch sicher ein Lieblingsstück werden…also ich brauchte eine neue Jeans.

Also machte ich mich auf der Suche nach einem entsprechenden Schnitt. Fündig wurde ich bei dem französischen Label I am Pattern. Hier gab es die Jeans I am Sunshine, die meinen Vorstellungen und meiner bösen Kaufhose ziemlich gut entsprachen.

Quelle: I am Sunshine von I am Patterns

Diese Hose wollte ich nähen, das würde so toll werden! Der Schnitt wurde gleich bestellt und auf die geduldige Festplatte geladen. Mitgeladen wurden auch zwei andere Schnitte des Labels, die es im Bündel günstig angeboten gab. Ein Schnitt für ein Sweatshirt oder eine Sweatjacke- kann man immer brauchen, und dann noch ein Jackenschnitt, eber dieser Fullmoon-Blazer. Die Jacke fand ich ganz witzig, ich mochte diesen langgezogenen Reverskragen, und im Bündel war das ganze wie gesagt günstiger.

Aber nähen wollte ich ja sofort die Hose. Leider fand ich aber keinen Stoff dafür. Jeansstoffe sind nicht so einfach zu bekommen, man muß da immer auf die richtige Gelegenheit warten, bis es die gewünschte Qualität in der gewünschten Farbe gibt. In diesem Fall hatte ich keine gute Stoffoption für die Jeans. Auf Sweatshirtnähen hatte ich grade keine Lust- so rückte der Blazer nach vorne in den Nähplänen. Denn für den hatte ich einen passenden Stoff gerade bekommen: einen zauberhaften blaßrosa Cordstoff von Atelier Brunette. Und da Atelier Brunette ja so viele Stoffe in der gleichen Farbrichtung anbietet, gab es auch einen passenden Futterstoff dazu. So stand der Plan für ein Nähprojekt fest: es sollte dieser rosafarbene Blazer werden.

Ich gebe ja zu, daß ich das ganze Projekt anfangs unterschätzt hatte. Ich hatte den Schnitt eher so als legere Übergangsjacke verstanden , und dieser tolle langgezogene Kragen hat es mir einfach angetan. Über die Paßform hatte ich mir keine großen Gedanken gemacht- ich hatte einige Maße am Schnitt kontrolliert und fand das ganze eher lässig sitzend, so war ja auch meine Erwartung an das fertige Teil. Wenn schon keine Boyfriend-Jeans, dann jedenfalls eine lässige Jacke!

Für mich war es der erste Schnitt von I am Patterns, den ich genäht habe. Ich bin insgesamt recht zufrieden mit Schnitt und Anleitung, es ist alles sehr professionell gemacht. Die Anleitung gibt es auf französisch und englisch, damit sollte jeder zurecht kommen. Der Futterschnitt wird nach Anleitung aus den Hauptteilen entwickelt, aber das ist genau beschrieben, um wieviel kürzer der Saum für das Futter sein soll und wo die Falte im Rückenteil sein soll. Ich kam damit gut zurecht, mir ist das lieber als drölfzig Teile für einen Extrafutterschnitt, der nachher vielleicht doch nicht paßt, weil man am Hauptteil Änderungen vorgenommen hat.

Die Innentasche ist glaube ich auf der verkehrten Seite ….

Der Cord von Atelier Brunette ist wirklich ein Traum. Er ist super zu verarbeiten, auch das übliche Cordfusseln ist hier wenig ausgeprägt. Der Futterstoff, eine Viskose, machte dafür ihrem Ruf als Flutschi-Viskose alle Ehre. Ich war ja schon froh, daß ich hier „nur“ ein Futter zuschneiden mußte und es vielleicht nicht ganz so auf den Millimeter ankam. Da die Viskose allerdings nur beim Nähen flutschig war und nicht beim Anziehen, habe ich den oberen Teil der Ärmel aus einem richtigen Viskosefutterstoff genäht. So ist das Gefühl beim Anziehen sehr angenehm, man rutscht schön in den Ärmel rein, und beim Umschlagen der Ärmel kommt trotzdem der hübsche gemusterte Stoff zum Vorschein.

Das Nähen war also ganz lustig, bis ich ans Ärmeleinsetzen kam…nachdem ich die Ärmel zum zweitenmal rausgetrennt hatte, weil sie nicht saßen, dämmerte es mir, daß ich hier doch mit einem richtigen Blazerschnitt zu tun hatte. Und so suchte ich zunächst aus meinem Vorrat die Schulterpolster raus und dann meine rudimentären Kenntnisse im Blazernähen, die ich mir beim Nähen des Jasika-Blazers von Closet Core erworben hatte. Mit Schulterpolstern saß die Jacke gleich um Klassen besser, und da waren dann ja auch noch diese netten Ärmelfischchen…schnell zugeschnitten aus Watteline, und dann war ich mit dem Sitz der Schultern doch etwas zufriedener.

Beim restlichen Nähprozess habe ich mich dann an die bewährte Anleitung von Closet Core gehalten. Insbesondere das Verstürzen des Futters, das überwiegend mit der Maschine gemacht wird, finde ich ausgesprochen lustig. So witzig, wie dann dann nach dem Wenden der schön gefütterte Blazer vor einem liegt! Das Anstaffieren mit der Hand wäre vielleicht korrekter, aber der Lustgewinn war so für mich größer. Wahrscheinlich gibt es immer verschiedene Wege , zum Ziel zu kommen.

Der Blazer ist sehr, sehr bequem. Er ist im Rücken eher lässig geschnitten, deshalb ist er auch für mich für alle möglichen Freizeitaktivitäten geeignet. Radfahren ist problemlos, Wanderen sowieso, wie hier gezeigt. Farbe und Material entsprechen vielleicht nicht ganz der üblichen Funktionskleidung, aber hej, wer hält sich mit solchen Kleinigkeiten auf, wenn ein rosafarbener Blazer in der Frühjahrssonne ausgeführt werden möchte?

Was mir nicht ganz so gut gefällt, ist meine Knopflösung. Ich hatte die Wahl zwischen 15 und 25 mm Knöpfen in der passenden Farbe und mich für die kleinere Version entschieden- das war keine gute Entscheidung, finde ich jetzt. Die größeren Knöpfe wären schöner, dann mit richtigen Paspelknopflöchern, das würde besser passen. Ich hatte auch schon die wahnwitzige Idee, das im nachhinein zu ändern…das Annähen von zwei neuen Knöpfen wäre natürlich nicht das Problem, aber Paspelknopflöcher im fertigen Kleidungsstück einnähen, das ist dann doch ein verwegener Gedanke. Ich habe ihn auch wieder verworfen und mich mittlerweile an die zu kleinen Knöpfe gewöhnt.

Ja, und die Jeans? Die sind immer noch in Planung, aber zunächst mußte ich einen anderen Hosenschnitt ausprobieren…mehr davon demnächst auf diesem Blog!

Verlinkt wird dieser Beitrag mit dem Blog Augensterns Welt – gerade habe ich entdeckt, daß Annette eine kleine, sehr feine Linkaktion dieses Jahr gestartet hat. Jeden Monat werden zu einem Thema selbstgenähte Kleidungsstücke gezeigt, und im März ist das Thema Jacke oder Blazer. Als ob ich es geahnt hätte und deshalb den Blazer genäht hatte! Ich finde es jedenfalls sehr interessant, bei dieser Linkaktion neue, mir völlig unbekannte Blogs kennen zu lernen. Die Nähwelt ist einfach vielfältig!

Bloggen Blusen Hey June Iris May Rock

Sandbridge-Skirt und Maybelle-Bluse

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In den letzten Monaten habe ich immer wieder Kombinationen aus Rock und Bluse auf diesem Blog gezeigt. Diesem Muster bleibe ich treu, und so gibt es auch zum Memademittwoch im Februar wieder eine bewährte Kombination. Und damit es nicht ganz so langweilig wird, hier auch noch mit einer neuen Tasche kombiniert!

Auf den Rock bin ich ja richtig stolz. Nein , er ist überhaupt nicht spektakulär, es ist kein neuer Schnitt, keine duftige Viskose irgendeines schicken französischen Labels, die Farbe ist nicht mal frühlingshaft. Warum ich trotzdem so stolz bin? Weil ich bei dem Rock ein Nähproblem gelöst habe, das mich schon lange beschäftigt hat.

Der Rock ist nach dem Schnittmuster Sandbridge Skirt von Hey June genäht. Es gibt aber auch viele ähnliche Schnittmuster in den einschlägigen Zeitschriften, es ist einfach ein Basic-Schnitt mit „5 pockets“ , rückwärtiger Passe und einem Reißverschluss in der vorderen Mitte. Das ist der typische Schnitt für einen Jeansrock, und so ist der Sandbridgerock auch designt. Er sitzt eher etwas tiefer in Richtung Hüfte und hat deshalb einen Formbund. Der Original-Sandbridge ist sehr kurz, ich habe den Schnitt verlängert und einen rückwärtigen verdeckten Schlitz ergänzt, um meine Fortbewegungsfähigkeit zu sichern.

Ich hatte den Sandbridge Rock vor einigen Jahren schon mal genäht und hier darüber gebloggt. Das Ergebnis damals war nicht so ganz optimal, obwohl ich mir bei der Anpassung Mühe gegeben hatte. Aber ich hatte den Rock damals schon gefüttert- natürlich gefüttert, denn jeder von uns kennt die unheilvolle Anziehungskraft von Cord auf Wollstrickstrumpfhosen. Und natürlich trage ich so einen Cordrock über einer Wollstrumpfhose- wenn die Temperaturen es erlauben würden, die Strumpfhose weg zu lassen, würde ich doch viel lieber einen Rock aus einer frühlingshaften duftigen Viskose irgendeines schicken französischen Labels tragen!

Problematisch fand ich damals die Befestigung des Futters in der vorderen Mitte. Da ist ja der Reißverschluß mit Untertritt, und daran mußte dann das Futter befestigt werden. Anleitungen dafür gibt es nicht- offensichtlich hat außer mir keiner das Problem, daß er einen Jeansrock füttern möchte. Alle gefütterten Röcke haben ihren Reißverschluß entweder seitlich oder in der hinteren Mitte.

An der Futterproblematik bin ich damals gescheitert und habe dann das Futter irgendwie am Rockreißverschlußschlitz befestigt.

Jetzt hatte ich es geschafft, den Futterschnitt so anzupassen, daß ich das Futter beim Annähen des Reißverschlusses mitnähen konnte. So ganz genau kann ich es im Nachhinein auch nicht mehr beschreiben, aber mein Vorgehen war so, daß ich mir überlegt habe, wo die senkrechten äußeren Nähte des Reißverschlusses verlaufen im Bezug zur vorderen Mitte. Das war dann meine Nahtlinie auf dem Futterschnitt, natürlich ergänzt um die Nahtzugabe. Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, ein Tutorial möchte ich dazu allerdings auch nicht schreiben…

Das Label „proud as punch“ hatte ich ausgesucht, weil es farblich so schön passte. Aber es drückt auch sehr gut meine Zufriedenheit mit meinem Nähwerk aus, denn ich bin wirklich stolz auf diesen Rock. Als ich dieses Label aus dem Adventskalender von Kylie and the Machines zog, habe ich erst mal die Übersetzung nachgeschlagen. Punch ist das Kasperle, und in der Zusammensetzung „proud as…“ würden wir es als „stolz wie Oskar“ übersetzen. Wieder was gelernt- und da soll nochmal jemand sagen, daß Nähen nicht der Allgemeinbildung dient!

Den Sandbridge -Rock von 2018 habe ich eine Weile gerne getragen, mittlerweile finde ich ihn nicht mehr so toll. Auch wenn er auf den alten Bildern recht gut aussieht, war der Stoff immer schon ungeeignet für diesen Schnitt. Es war ein dünner Feincord, eher für Hemden oder Blusen geeignet als für diesen Schnitt. Der Cordrock 2022 ist aus einem stabilen und leicht dehnbaren Cord genäht, es ist die gleiche Qualität , die ich auch für meine grüne Bettyhose verwendet hatte. In Verbindung mit meiner halbwegs ordentlichen Innenverarbeitung hoffe ich, daß ich mit diesem Stück ein etwas langlebigeres Teil geschaffen habe.

Die Bluse, die ich zum Rock kombiniert habe, ist nach dem Schnittmuser Maybelle der belgischen Schnittdesignerin Iris May genäht. Ich bin ja großer Fan der belgischen Stoff-Firma Seeyouatsix, und deren Designerin verwendet diesen Schnitt sehr oft für ihre Designbeispiele. Es ist ein klassischer Hemdblusenschnitt, auch hier gibt es natürlich viele ähnliche Modelle in den einschlägigen Zeitschriften. Was mir aber an diesem Schnitt so gefällt, sind seine gelungenen Proportionen. Die Bluse sitzt eigentlich ganz lässig, hat aber trotzdem eine schön geformte und hohe Armkugel, so daß sie nicht ganz so „hemdsärmelig“ herkommt, in wahren Sinn des Wortes. Meine letzten beiden genähten Blusen waren ähnliche Schnitte, aber sowohl Kalle von Closetcore als auch die Beabluse aus dem Buch Timeless Chic haben deutlich überschnittene Schultern und dann eben diese sehr flache Armkugel, die an ein Herrenhemd erinnert. Diese Bluse ist deutlich femininer, das mag ich gerne

Außerdem hat der Schnitt so schön viele Variationen, man kann verschiedene Ärmelformen oder -längen wählen, verschiedene Rockformen dranhängen, und wer mit einem „Mini-Me“ im Partnerlook gehen möchte, bekommt das ganze auch identisch als Kinderschnitt. Für mich ist das ein praktischer und gut einsetzbarer Schnitt, den ich sicher nochmal nähen werde.

Der Stoff der Bluse ist von Seeyouatsix, unverkennbar. Ich bestelle sehr gerne die Stoffe dieses Labels, weil ich die Designs so gerne mag und von Stoffqualität noch nie enttäuscht worden bin. Aber als ich diesen Stoff aus dem Päckchen zog, mußte ich doch erst mal schlucken und dachte, ich hätte mich verkauft. Ja, die Farben, dieses Grün, etwas rosa, das mochte ich gerne, auch das Blätter-Design, schließlich heißt das Muster ja auch Autumn Joy. Aber zwischen den Blättern verbergen sich etliche Tiere… mit dem possierlichen Eichhörnchen kam ich ja noch zurecht, aber dann gibt es ein weißes Tier, das ich nicht so ganz bestimmen kann- weiße Ratte, Iltis? Es ist jedenfalls ein Tier, das mir spontan unsympathisch war, und das tummelt sich jetzt auf meiner Bluse. Andererseits kann man ja auch einer Bluse auch mal ein witziges oder ungewöhnliches Muster haben, es ist ja keine so große Fläche wie z.B. ein Kleid.

Bild von Autumn Joy - M - Baumwolle Gabardine Twill - Forest River
Quelle: Seeyouatsix

Und die tolle Stoffqualität entschädigt für einiges. Es ist 100% Baumwolle, aber ganz weich und geschmeidig, mit einem richtig „warmen“ Griff. Auch wenn die Bluse so herbstlich daher kommt, wird sie mich sicher durch die letzten kühlen Tage dieses Winters begleiten.

Die Tasche heißt Anni und kam aus der Januar-Box von „dasmacheichnachts“. Wer die Boxen nicht kennt: hier kann man monatlich ein Päckchen erhalten, das Material für ein Projekt erhält. Keine Kleidung, sondern eher Patchwork, Taschen und ähnliches. Es ist alles immer wunderschön gestaltet, und die Stoffe sind sehr geschmackvoll zusammengestellt. Man kann die Boxen abonnieren, oder als Einzelbox kaufen, den Taschenschnitt gibt es aber auch alleine.

Ich finde den Schnitt ganz witzig: die Tasche wird nach unten hin weiter durch eingelegte Falten an der Taschenseite. Oben ist sie schön schmal und wird nach unten hin richtig tief. Sie wird mit einem Reißverschluß oben geschlossen, es gibt eine Außentasche. Absolut professionell wirkt natürlich die Trägerlösung, die farblich passenden Lederriemen werden mit Buchschrauben befestigt. Theoretisch könnte man die Träger abnehmen und den Rest der Tasche waschen. Aber so schmutzig werden Taschen ja eigentlich nicht, ich habe zumindest noch nie eine Tasche gewaschen.

Ich war ja ganz glücklich, daß der Stoff in der Box so gut in mein derzeitiges Farbschema paßt, denn der Inhalt der Box ist natürlich eine Überraschung und wird streng geheim gehalten, bis alle ihre Box erhalten haben. Aber so paßt alles schön, und ich kann ein Komplett-Outfit zum Memademittwoch präsentieren. Was haben denn die anderen so genäht, gibt es schon Frühlingsmode?

Blusen Fibre Mood Hose Jeans True Bias

Bluse Bea, Nikko-Top und Betty-Jeans: Gedanken zu Lieblingsteilen

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Die letzten Dezembertage und die ersten Januartage sind traditionell die Zeit für Bilanzierungen, für Jahresrückblicke und Abrechnungen des vergangenen Jahres. War es ein gutes Jahr, an welche Augenblicke erinnere ich mich nicht so gerne, was möchte ich im nächsten Jahr besser und anders machen?

Ich tue mir ja ehrlich gesagt etwas schwer mit solcher Abrechnung, der ich mein Leben zu einem festgesetzen Zeitpunkt unterziehen soll. Natürlich möchte auch ich aus Fehlern lernen, vieles optimieren oder zumindest besser machen, aber ich denke, da gibt es vielleicht bessere Zeitpunkte als ausgerechnet diese Tage um den Jahreswechsel, an denen es so viel anderes zu tun gibt…

Zumindest die bekannte Frage, die man sich ab einem gewissen Alter stellt („wo ist denn eigentlich das Jahr geblieben? es war doch grade erst Neujahr!“) also zumindest diese Frage kann ich gut beantworten, denn ich habe habe ein Nähtagebuch und weiß daher, daß ich auch im Jahr 2021 viele Stunden an der Nähmaschine verbracht habe. Und das waren meistens schöne Stunden:

Genäht habe ich einiges, und meine Bilanzierung zeigt hier einen deutlichen Schwerpunkt im Bereich der Oberteile aus Webstoff: 17 Teile, recht gleichmäßig auf Kurz- und Langarmblusen sowie ärmellose Tops verteilt. Und da man nicht nur obenrum was anzieht, sind dieses Jahr auch 5 Hosen, 4 Röcke und 1 Hosenrock entstanden. Kleider waren es nur zwei, und dann noch diverse Kleinigkeiten wie ein sehr schöner gefütterter Softshell- Parka...

Tosti von Waffle Pattern

Also vor allem Webstoffoberteile und Hosen, und das entspricht auch meinen Tragegewohnheiten. Das Ziel meiner Näherei ist immer noch das Nähen von alltagstauglichen Teilen, und dieses Ziel habe ich erreicht und werde auch weiterhin so vorgehen. Also, keine Überaschungen hier auf diesem Blog zu erwarten!

Auch das Outfit, das ich zum ersten Memademittwoch des neuen Jahres zeige, ist somit keine Überraschung und bleibt dieser Linie treu: Jeans, Bluse und Unterziehshirt, alles eher casual vom Stil und hoffentlich alltaugstauglich.

Die Bluse habe ich nach dem Schnitt „Bea“ aus dem Buch Timeless Chic von Claras Stoffe genäht. Ich habe mir das Buch wegen der Schnittmuster gekauft, die ich interessant fand. Es sind überwiegend Basismodelle, die sich gut kombinieren lassen und damit meinem „Bluse und Hose/Rock-Stil“ gut entsprechen. Als ich das Buch dann in den Händen hielt, war ich überrascht, daß es auch einen großen allgemeinen nähtechnischen Bereich enthält- genauer gesagt ist die ganze erste Hälfte des Buches grundlegenden Techniken gewidmet.

Einerseits finde ich das sehr gut, denn ohne Technik läßt sich auch ein sonst simples Modell nicht nähen. Andererseits ist es natürlich bei der Fülle der Informationen, die in diesem Buch angerissen werden, nicht möglich, eine Technik wirklich ausführlich zu erklären. Ich vermute, daß für einen blutigen Anfänger die meisten Erklärungen nicht ausreichen, zumal sie auch nur mit Fotos und nicht mit Grafiken gezeigt werden. Ich persönlich hätte mir lieber noch ein paar Modelle mehr gewünscht, denn die sind wirklich hübsch.

Bea ist eine Hemdbluse mit überschnittenen Schultern, so wie es grade modern ist. Der Schnitt enthält alle Stilelemente eines klassischen Herrenhemdes, also Brusttasche, Kragen mit Steg und Ärmel mit Manschetten. Im Rücken sind unterhalb der Passe zwei kleine Kellerfalten.

Bei der Größenwahl lag ich mit meinen Maßen zwischen Gr 38 und 40. Da ich die Bluse eher lässig wollte, habe ich mich für die größere Größe, also 40 entschieden. Leider enthält das Buch keine Fertigmaße des Kleidungsstückes, sonst hätte ich wohl schon gemerkt, daß der Schnitt in sich schon eher lässig gezeichnet ist…gut, ich hätte den Schnitt ausmessen können, aber ich finde die Angabe der Fertigmaße ist immer ein angenehmer Service.

Im Nachhinein finde ich die Bluse etwas zu groß, die 38 wäre wahrscheinlich die richtige Größe gewesen. Andererseits paßt diese sehr lässige Paßform gut zu meinem Stoff. Ich habe einen wunderbar weichen Flanellstoff verwendet, den ich hier bezogen habe. Der Stoff hat eine richtig kuschelige Innenseite- ein Genuß beim Tragen, aber auch schon beim Vernähen. Für die Innenseite der Passe, des Kragensteges und der Manschette habe ich wieder einen Libertystoff verwendet, in diesem Fall den Strawberrry Thief. Der Erdbeerdieb ist eines von diesen ganz klassischen Libertymuster, die es immer wieder in neuen Farben gibt. Meistens ist dieses Design ausverkauft, wenn ich es kaufen will, aber diesmal gelang es mir, ein kleines Stück zu ergattern.

man muß ein bisschen suchen, dann erkennt man die Vögelchen, die scharf auf die Erdbeeren sind…eben der Erdbeerdieb!

Wenn man in Herbst oder Winter Blusen trägt, braucht man auch ein wärmendes Untendrunter. Ich habe einige Shirts aus Merinowolle, die ich gerne trage, aber das wärmt den Hals natürlich nicht. Mit Rollkragenshirts komme ich nicht gut zurecht, mir ist das meistens zuviel und zu enger Stoff am Hals. Um den Schnitt Nikko von True Bias bin ich deshalb schon lange herumgeschlichen. Und auch wenn der Schnitt im ersten Augenblick wirkt wie ein Schnitt, den man eigentlich nicht braucht, muß ich sagen, der Schnitt ist genial.

Nikko ist ein enganliegendes Top mit einer negativen Bequemlichkeitszugabe von 10 cm im Brustbereich, das geht natürlich nur bei entsprechend dehnbaren Stoffen. Die notwendige Dehnbarkeit des Stoffes wird mit 75% angegeben, das braucht man auch, um mit dem Kopf durch den Kragen zu kommen. Der Kragen ist so ein Mittelding zwischen Steh- und Rollkragen, aber wirklich so geschickt geschnitten, daß auch Rollkragenhasser wie ich sich nicht daran stören. Mein Stoff ist ein Rippjerey mit einer interessanten Zusammensetzung: außer Tencel und Baumwolle erhält er auch einige Prozent Poyurethan, das ist vermutlich für die Weichheit des Stoffes verantwortlich. Bei diesem Stoff bin ich wirklich auf die Langzeiterfahrung gespannt, ich hoffe, daß er seine wunderbare Haptik noch eine Weile erhält.

Und die dritte im Bunde ist wiedermal Betty aus der Fibremood. Da ich mit meiner ersten Fassung so zufrieden war, habe ich den Schnitt nochmals genäht, diesmal aus Jeansstoff.

Der Stoff ist ein sogenannter „raw denim“, das heißt er kommt als nicht vorgewaschener Jeansstoff an und ist entsprechend hart und dunkel. Beim Waschen wird er dann zunehmend weicher und auch etwas heller, wobei mein Stoff natürlich immer noch dunkelblau ist. Der Vorteil des „raw denim “ soll wohl sein, daß man zum Waschen seine eigenen, hoffentlich umweltfreundlichen Waschmittel nimmt und auf eine industrielle Vorbehandlung verzichtet wird. Der Stoff wird mit einer ausführlichen Waschanleitung geliefert: die ersten Wäschen nur mit der Hand, nicht schleudern, nicht wringen…ich habe das alles ganz brav gemacht, und der Stoff ist wirklich sehr schön geworden.

Ich habe die Passform der Betty noch etwas weiter optimiert, die Beine am Oberschenkel verschmälert und die Schrittkurve besser angepaßt. Und weil sie dann so schön wurde, paßte der Lederpatch so gut darauf:

Die Jeans-Betty habe ich schon einige Wochen, und sie hat ihren Test auf ein mögliches Lieblingsstück schon gut bestanden. Auch wenn die Hosenform für mich immer noch etwas ungewohnt ist, trage ich sie sehr gerne. Am liebsten mit hochgekrempelten Beinen, denn dann sieht man die Einfassung der Nahtzugaben mit Schrägband…natürlich nur im unteren Bereich, wo die Krempelung ist.

Wann wird ein Teil zum Lieblingsteil oder zumindest zu einem gerne getragenen Kleidungsstück? Diese Frage versuche ich mir ja mittlerweile vor dem Nähen schon zu stellen und möglichst keine Schrankleichen zu produzieren. Klar, die Paßform muß stimmen, die Farben und Stoffmuster sollten mir stehen und das neue Teil sollte sich in die bestehende Garderobe einpassen.

Ein wichtiger Punkt sind die Tragegewohnheiten, denke ich…ich hatte in meiner Anfangsnähzeit sehr viele Jerseykleider genäht, die ich an anderen immer so schön fand. Aber ich trage keine Jerseykleider, ich fühle mich darin denkbar inkomplett angezogen, also wurden sie mittlerweile entsorgt. Überhaupt trage ich selten Kleider, vom Hochsommer mal abgesehen, aber auch im Hochsommer hat sich für mich die Kombination ärmelloses Top und Rock sehr bewährt.

Apropos ärmelloses Top: ich kenne natürlich den Ratschlag aller selbsternannten Stilexpertinnen (…über 60 auf keinen Fall mehr ärmellos tragen!!…)- ich beherzige ihn nicht und fühle mich wohl damit. Hier eine Auswahl meiner ärmellosen Tops 2021, alles Lieblingsteile! Ganz oben eine Variation von DeerandDoe Orchidee, unten selbst gebastelte Schnitte, die auf dem Tunika-Schnitt von Inge basieren.

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Kleid Memademittwoch WKSA

Robe Cyrene von Wefeelpretty

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Nein, ich wollte dieses Jahr kein Weihnachtskleid nähen.

Ich hatte keine Zeit, keine Lust, schlechte Laune, viel Streß im Leben 1.0…gut, das traf alles auch schon auf die letzten Monate zu. Aber viel entscheidender war: ich brauchte kein Weihnachtskleid. Denn ich hatte ein Weihnachtskleid! Und zwar das vom letzten Jahr, das Feliz-Kleid aus der Fibremood. Ich finde es immer noch sehr schön und habe es natürlich im letzten Jahr nicht oft getragen. Wir kennen alle den Grund, es gibt nicht so viel Gelegenheiten, Kleider anzuziehen.

Das war das Weihnachtskleid 2020-Feliz aus der Fibremood

Also, ich hatte ein wunderschönes Weihnachtskleid, das würde ich nochmals tragen. Ist ja auch viel nachhaltiger, ein Weihnachtskleid an zwei Jahren zu tragen- was man da an Zeit, Mühe und Stoff sparen kann! Ja, ich kam mir richtig toll vor mit meiner Entscheidung. Ich sah mich schon als neue Trendsetterin, würde jeden, der mich darauf anspricht, meine ökologisch korrekte und umweltschonende Vorgehensweise erklären. Ab jetzt würde ich immer das gleiche Weihnachtskleid die nächsten Jahre tragen!

Der Plan war gut, aber ich beging einen entscheidenden Fehler, der alle guten Absichten zunichte machte. Ich hätte einfach nicht an einem düsteren Dezemberabend, schlecht gelaunt und gestresst, durch die schönen Instagram-Bildchen scrollen dürfen, vor allem nicht auf den Seiten der französischen Influenzerinnen, die ihre Modelle so gekonnt präsentieren. Und da war dann dieses Kleid: Robe Cyrene einer französischen Designerin, deren Namen ich vorher noch nie gehört hatte.

So eine hübsche Silhouette! Da mußte ich mir doch gleich mal den Schnitt auf der Website anschauen. Ja, der Schnitt war wirklich ganz ungewöhnlich schön. Ein Kleid mit Raglanärmeln, die vorne und hinten an der Schulter jeweils drei eingelegte Falten haben. Dadurch wird die Schulter schön geformt und bekommt fast so einen kleinen Anklang eines Puffärmels. Die Taillennaht ist schön geschwungen, vorne nach oben und im Rückenteil nach unten.

Die Designerin nennt ihr Label „Wefeelpretty“, hier sollte wohl der Name wirklich Programm werden. Die anderen Schnitte auf der Website sprachen mich jetzt nicht so an, aber dieser Schnitt erschien mir sehr interessant. Es konnte nichts schaden, den Schnitt zu kaufen, schließlich gab es ihn grade noch zu einem Sonderpreis. Ich wollte mir am Schnitt die Konstruktion genauer anschauen, natürlich nur aus didaktischen und theoretischen Gründen, also anschauen nur mit den Augen….

Ich denke, jeder weiß, wie so eine Geschichte ausgeht. Der Schnitt war kaum auf meiner Festplatte angekommen, als ich auch schon im Geist mein Kleid nähte. Ich war so gierig auf diesen Schnitt, daß ich ihn unmittelbar ausdrucken mußte und dafür sogar die Klebereien der A4-Seiten auf mich nahm. Ich mußte dieses Kleid sofort und jetzt nähen, da führte kein Weg daran vorbei.

Ich war grade noch intelligent genug, ein kurzes Nesselmodell zusammen zu tackern, denn ich wollte meinen schönsten Stoff dafür anschneiden, der noch nicht lange auf meinen Stoffstapel lag und jeden Tag zärtlich gestreichelt wurde. Ein Stoff von Atelier Brunette, mit einem wunderschönen Blütendesign, das an die französische Malerin Lucie Cousturier erinnern soll. Es ist ein Viskose-Webstoff, hergestellt nach dem Ecovero-Prinzip der Firma Lenzing. Hier soll die Herstellung der Viskose umweltverträglicher sein als bei normaler Viskose.

Ein kleineres Abenteuer wartete noch mit dem Zuschnitt auf mich, denn ich hatte nur 2m von dem schönen Stoff und der Schnitt sah 2,40m in meiner Größe vor. Aber sollche Kleinigkeiten können ja einen großen Geist nicht aufhalten- mit etwas Zuschneide-Tetris bekam ich das Kleid aus der vorhanden Menge heraus. Der rückwärtige Rock hat jetzt eine Mittelnaht, was ihn sicher nicht stört.

Der Schnitt hat viele Variationen, man kann ihn als Kleid oder als Tunika nähen, mit engem oder mit eingekrausten Rock und aus verschiedenen Ärmelvariationen auswählen. Das macht die Anleitung nicht grade übersichtlich, zumal sie auf französisch ist und das nicht zu meinen sprachlichen Stärken zählt. Aber man kann sich dann doch durchfinden, auch ohne fundierte Französichkenntnisse. Gut gemacht fand ich die Ausdrucksmöglichkeiten des pdfs, denn man druckt wirklich nur die Seiten aus, die man benötigt, und kann dann auch nur eine Größe wahlweise mit und ohne Nahtzugabe ausdrucken. Die Anleitung enthält übrigens auch Zeitangaben, wie lang man für eine Version braucht. Das fand ich interessant, wenn auch vielleicht nicht so ganz praktisch brauchbar. Schliesslich ist das individuelle Arbeitstempo doch sehr von den Vorkenntnissen abhängig und vielleicht auch von der Genauigkeit des Arbeitens. Aber jedenfalls wird von diesen Angaben her erkenntlich, daß so ein Webstoffkleid einfach kein Quickie ist und es auch nicht sein kann.

Quelle: Wefeelpretty.fr

Zur Anleitung kann ich sonst nicht viel sagen, denn ich habe sie nicht verstanden und auch nicht benötigt, letztendlich ist das Kleid nicht so schwierig zu nähen. Ich glaube, daß der Schnitt technisch sehr gut gemacht ist, denn der Ärmel und der Halsausschnittbeleg haben sehr interessante Formen, die gut aufeinanderpassen, der Ausschnitt hat eine sehr schöne Form, finde ich. Von der Paßform her war ich nachher doch nicht ganz zufrieden, denn das Kleid rutscht beim Tragen etwas nach hinten über die Schulter. Kein Wunder, ich habe etwas nach vorne gedrehte Schultern und benötige ein „forward shoulder adjustment“…wie ich das bei diesem speziellen Raglanschnitt bewerkstellige, das überlege ich mir bis zur nächsten Version. Letzendlich ist das auch wieder ein Jammern auf hohem Niveau, denn ich finde das Kleid wirklich schön an mir.

Also, Ende gut, alles gut, ich bin jetzt sehr froh, daß ich mir doch noch ein Weihnachtskleid 2021 genäht habe. Ich freue mich sehr , daß ich am Sewalong des Memademittwoch teilnehmen kann und reihe mich gerne in die Reihe der Unentwegten ein, die trotz aller Widrigkeiten diese Tradition erhalten. Besonders freue ich mich natürlich, daß diese Seite weiterhin organisiert wird und sende ein dickes Dankeschön an die Organisatorinnen!

Aber das Kleid ist jetzt so schön, da brauche ich im nächsten Jahr doch kein neues Weihnachtskleid. Das trage ich sicher die nächsten Jahre! Natürlich nur, wenn ich nicht wieder den gleichen Fehler begehe und mir französische Schnitte auf Instagram anschaue…

Blusen Closetcore Memademittwoch

Kalleshirt von Closetcore

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Zwar ist noch nicht ganz die Zeit für den Blogjahres-Rückblick, aber ich denke, das Jahr 2021 wird für mich nähtechnisch als das Jahr der Blusen in die Annalen eingehen. Wenn ich richtig gezählt habe, ist das dieses Jahr die zwölfte Bluse, die ich genäht habe!

Und das entspricht auch gefühlsmäßig meinen Tragegewohnheiten. Ich trage gerne und fast täglich eine Bluse, in T-Shirts fühle ich mich nicht mehr „richtig“ angezogen. Die Werke, die ich auf meinem Blog dieses Jahr gezeigt habe, spiegeln also ganz gut sowohl meine Tragevorlieben als auch natürlich meine Nähinteressen wieder.

Ich erinnere mich noch gut an meine Anfangs-Nähzeiten, das ist jetzt aber auch schon mindestens fünf Jahre her…wie die Zeit vergeht! Meinen 5-jährigen Bloggeburtstag, der im Sommer gewesen wäre, habe ich natürlich verpennt…na gut, dann wird eben der 10jährige groß gefeiert! Jedenfalls habe ich anfangs viel aus Jersey genäht, immer auf der Suche nach dem idealen Shirtschnitt, den ich natürlich nicht gefunden habe. Heute kann ich darüber etwas lächeln, denn ich weiß, daß es den idealen Shirtschnitt nicht gibt. Jeder Jersey verhält sich anders, das ist nicht berechenbar und macht das Nähen aus Jersey zu einer wirklich schwierigen Aufgabe. Warum denken eigentlich alle Nähanfänger, sie müßten Jerseyshirts nähen? etwas Schwierigeres gibt es fast nicht…

Aber zurück zu meinen Blusen. Für mich und meine Nähkünste war es irgendwann eine große Erleichterung, als ich meine Liebe zu Webstoffen entdeckt habe. Es gibt aber auch so wunderschöne Webstoffe, das ist ja eine komplett andere Welt als die der Jerseys. Und wer einmal die Näheigenschaften eines guten Baumwollstoffes wie eines Liberty-Stoffes genossen hat, ich glaube, der ist für alle Zeiten verdorben für die Arbeit mit den Jerseys. Und dann gibt es ja auch diese wunderbaren modernen Fasermischungen, die Tencel oder Lyocell enthalten, da fühlt man sich ja fast ökologisch korrekt, wenn man einen neuen Stoff bestellt…

Die Bluse, die ich heute zeige, ist aus Lyocell, genauer gesagt aus einem sandgewaschenen Lyocell. Zur Erinnerung: Lyocell ist eine Regeneratfaser, die aus Holz gewonnen wird, das Verfahren gilt als umweltverträglich. Unter „sandgewaschen“ versteht man eine Oberflächenbehandlung- ich weiß nicht genau, wie es gemacht wird, vermutlich wird der Stoff wirklich mit Sand gemeinsam in eine große Maschine geworfen. Über die Umweltverträglichkeit dieses Verfahrens mache ich mir lieber keine Gedanken, vermutlich ist es ja nicht damit getan, daß man den Stoff und den Sand 15 Minuten im Schonwaschgang rotieren läßt, da sind sicher ganz andere Kräfte notwendig. Das Ergebnis ist eine matte und etwas aufgerauhte Oberfläche, sonst ist der Lyocell ja eher etwas glänzend.

Es ist ein wunderschöner Stoff, was auf den Bilder vielleicht nicht so gut erkennbar ist. Das liegt zu Teil daran, daß die Bluse leider völlig zerknittert wirkt. Vielleicht kann man daraus lernen, daß Lyocell nicht so edel knittert wie Leinen…es war aber einfach so, daß wir wie immer die Blogfotos gerne vor einem schönen Panorama machen wollten und ich meine neue Bluse deshalb zu einer Spessartwanderung angezogen hatte. Kühle Oktobertemperaturen, deshalb darüber die dicke Jacke, geschwitzt beim ersten Anstieg auf die Höhe- das Ergebnis sieht man auf den Bildern. Bitte denkt Euch die Knitter einfach weg, es ist wirklich ein schöner und glatter Stoff!

Kombiniert habe ich den smaragdgrünen Lyocell mit einem Libertystoff. dem Wiltshire Bud Gold. Der Druck hat diskrete Goldakzente und wäre mir als alleiniger Stoff für ein Bluse zu „weihnachtlich“ gewesen, wobei das natürlich in die jetzige Jahreszeit gut paßt.

Blusen laden sehr dazu ein, mit verschiedenen Stoffen zu spielen, finde ich. Und so habe ich hier die Innenseiten der Schulterpassen, des Kragensteges und der Ärmelmanschetten aus dem Kontraststoff zugeschnitten. Auch die Saumveräuberung mit einem Schrägband aus Kontraststoff konnte ich mir nicht verkneifen. Mir macht sowas ja unglaublich Spaß, mit schönen Stoffen zu spielen, und ich mag es einfach gerne, wenn auch die Innenseite eines Kleidungsstückes schön aussieht. Seit ich den Instagram-Hashtag #sewprettyinside entdeckt habe, bin ich etwas beruhigt…ich bin nicht die einzige, die so denkt!

iihh, da hängt noch ein Faden!

Meine Bluse ist jedenfalls von innen auch schön, die Nähte sind größtenteils mit Kappnähten verarbeitet. Lediglich die Ärmelansatznaht ist nur mit der Overlock versäubert, hier war ich mir unsicher, ob nicht eine weitere Nahtbearbeitung den Fall des Ärmels beeinträchtigt hätte.

Und da die Innenverarbeitung so schön ist , habe ich mir dann mal den Spaß gemacht und die Bluse verkehrt herum angezogen. Auf einer einsamen Wiese im Spessart kann man sowas machen!

Aber genug von Stoff, eigentlich sollte es ja um den Schnitt gehen, das Kalleshirt von Closetcore, so hatte ich zumindest den Blogbeitrag übertitelt. Den Schnitt wollte ich schon ganz lange nähen. Ich bin überzeugte Anhängerin von Heather, der Designerin Closetcore und habe soviel gelernt von ihren Anleitungen. Die Hose, die ich auf den Bildern trage, ist übrigens eine ältere Sasha-Trousers auch von Closetcore.

Kalle ist ein Hemdblusenschnitt, im Original ohne Ärmel mit überschnittenen Schultern. Es gibt etliche verschiedene Versionen sowohl für den Verschluss als auch für die Länge. Die Längen- oder Saumvarianten waren auch das, was mich bisher vom Nähen dieses Schnittes abgehalten haben. Es gibt drei Längen, eine sehr kurze, die ich mir an einer knackigen 20-jährigen gut vorstellen kann, eine sehr lange, die man an lauen Strandabenden bei 30° gerne trägt und eine Tunikalänge, bei der mir die ausgeprägte Rundung zwischen Vorder- und Rückenteil nicht gefiel. Aber das läßt sich ja alles ändern, und ich bin mit meiner Saumlänge und -form für meine klimatischen und persönlichen Bedingungen sehr zufrieden. Es ist so ein Mitteldingens zwischen Tunika und kurzer Länge, und auch die Rundungen an der Seite habe ich nur angedeutet.

Ich habe eine ganz normale Knopfleiste genäht, der Schnitt hätte auch noch die Option einer verdeckten Knopfleiste oder einer Knopfleiste nur im oberen Bereich des Vorderteiles. Auch im Rückenteil gibt es verschiedene Variationen der Falte, dann die erwähnten unterschiedlichen Längen…eigentlich sehr vorteilhaft, daß der Schnitt so vielseitig ist, aber das führt dazu, daß die Anleitung eher unübersichtlich wird.

Ich habe ja schon so einiges von Closetcore genäht und fand die Anleitungen immer toll, in diesem Fall mußte ich einige Abstriche machen. Das ist sicher ein Jammern auf einem hohen Niveau, natürlich sind Schnitt und Anleitung völlig korrekt und ausreichend, aber man wird beim Nähen nicht so an die Hand genommen wie bei anderen Schnitten dieses Labels. Dafür behandelt der Sewalong, der auf der Website veröffentlicht ist, sehr viele gute Tipps zum Blusen- oder auch Hemdennähen. Letztendlich ist dies ein Schnitt, der viele Elemente eines klassischen Herrenhemdes enthält wie z.B. die Brusttaschen oder den Kragen mit Kragensteg. Dazu gibt es sehr ausführliche Blogbeiträge, die man dann beim Nähen des Schnittes erst mal entdecken muß. Der Vorteil ist dabei, daß diese Blogbeiträge für jeden frei zugänglich sind, man muß also den Schnitt nicht kaufen, um sich diese wirklich ausführlichen Tutorials anschauen zu können.

Das Knopfloch am Kragensteg habe ich zwar genäht, dann aber doch nicht aufgeschnitten- ich werde diesen Knopf nie verschliessen

Das Original des Schnittes ist ohne Ärmel, und natürlich habe ich nach der Fertigstellung des Rumpfes die Bluse so anprobiert. Ich war sehr angetan davon, hätte es dann fast so gelassen, aber im deutschen Winter ist eine ärmellose Bluse doch nicht so angebracht. Außerdem wollte ich auch unbedingt die langen Ärmel probieren, die man als Ergänzungsschnitt kaufen kann.

Ich war ja skeptisch…bisher ging ich davon aus, daß ein Schnitt, der als ärmelloser Schnitt designt ist, nicht ohne weiteres mit Ärmeln genäht werden kann. Üblicherweise erfordert das eine Änderung des Armausschnittes an Vorder- und Rückenteil. Bei diesem Schnitt war das nicht so und der Ärmel wurde einfach an die vorhandenen Teile angenäht. Es handelt sich hier allerdings auch um eine weit überschnittene Schulter, und da scheint das zu funktionieren. Ich wüßte auch nicht, was ich hätte ändern sollen. Wenn ich sehr kritisch hinschaue, habe ich den Eindruck , daß der Ärmel etwas nach innen dreht…fällt aber vermutlich keinem auf außer mir.

Das Schönste an den Ärmeln sind die langen Manschetten. Wieder eine Gelegenheit, den schönen Kontraststoff einzusetzen! Die Manschetten werden halb umgeschlagen beim Tragen, und da kommt der schöne Innenstoff wunderbar zur Geltung. Das kleine Knöpfchen am Ärmelschlitz hat wirklich keinen praktischen Nährwert, aber es ist doch einfach hübsch!

Insgesamt bin ich mit dem Schnitt sehr zufrieden und kann mir gut vorstellen, auch noch andere Variationen zu nähen. Insbesondere die ärmellose Fassung kommt im nächsten Sommer sicher mal auf den Nähplan. Aber jetzt freuen wir uns erst mal auf den Winter, auch die kühlere Jahreszeit hat ihre Reize!

Verlinkt wird dieser Beitrag mit dem Memademittwoch– herzlichen Dank an die Organisatorinnen der Plattform, die uns jeden Monat immer wieder aufs neue die Möglichkeit zum Austausch geben!

Blusen fibremood Hose Jeans Memademittwoch

Fibre Mood Betty und Ermine: ein Dream-Team

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Die letzte FibreMood gefiel mir ja ausgesprochen gut. Schon beim ersten Durchblättern der Zeitschrift ging ich im Kopf meinen Stoffvorrat durch: welcher Stoff würde sich wohl für welches Modell eignen? Tausend Nähideen kamen mir, die Zeitschrift wanderte abends mit mir ins Bett und wurde vorm Einschlafen nochmals von vorne nach hinten und wieder zurück durchgeblättert. Wo sollte ich anfangen?

Die Antwort war, wie so oft bei mir: eine Hose. Ich trage im Alltag so oft Hosen, sie passen zu mir, ich mag sie und deshalb nähe ich gerne Hosen. Wenn ich diese Vorliebe in Näherinnen- Kreisen oute, bekomme ich oft die Antwort: oh, wie toll, daß Du Hosen nähst, mir wäre das zu schwierig, die ganze Sache mit dem Reißverschluß, und dann die Anpassung…

Meine Antwort ist dann immer, daß man die Sache mit dem Reißverschluß bei jeder halbwegs passablen Anleitung gut meistern kann, und die Anpassung- nun, das ist ein Thema, mit dem ich mich vermutlich auch noch bis an mein Lebensende beschäftigen werden.

Bei der Anpassung einer Hose interessieren mich zwei Aspekte, die ich auch versuche getrennt zu bearbeiten. Die erste Frage ist, wie der Schnitt überhaupt sitzen soll, wie er gemeint ist. Bei der Bettyhose zeigen die Bilder im Heft eine eher legere Form, sie wird beschrieben als Hose im Stil der 80er Jahre…damit ist wohl die Karottenhose gemeint, die in dieser Dekade gerne getragen wurde. Allerdings ist der Begriff Karottenhose irgendwie sehr negativ besetzt und führt zum kollektiven Stöhnen…kann ich nicht verstehen, ich habe diese Hosenform schon in den 80erJahre durchaus gerne getragen. Moderne Bezeichnungen für diese Hosenform, die an Hüfte und Oberschenkel einiges an Mehrweite hat, ist „Momjeans“ oder „Boyfriend“- vermutlich gibt es da irgendwelche feinen Unterschiede, die mir aber bisher verborgen blieben.

Also, es geht hier um eine Hose mit viel „positive ease“ im Hüft- und Oberschenkelbereich, einer großen Bequemlichkeitszugabe. Klingt gut, aber natürlich soll die Hose irgendwie richtig sitzen und passen- das ist der zweite Aspekt, der beim Hosennähen zu berücksichtigen ist. Für Frauen, deren Maße genau in die angegebenen einschlägigen Tabellen passen, ist das kein Problem, dann sucht man sich die richtige Größe raus, näht sie und ist mit dem fertigen Produkt zufrieden (oder auch nicht…)

Wenn ich mir die Größentabelle der Fibremood anschaue, liege ich mit meine Hüftweite zwischen Gr 34 und 36 (je nachdem, wo die Hüftweite gemessen wird, da gibt es ja auch verschiedene Möglichkeiten), bei der Taillenweite bei Gr 38. Von der Brustweite her wäre ich zwischen 38 und 40, zum Glück muß ich die ja beim Hosennähen nicht berücksichtigen. Was tun, welche Größe ist denn nun richtig? Manchmal liest man dann den guten Ratschlag, man solle „gradieren“ zwischen den Größen, also die verschiedenen Linien der unterschiedlichen Größen verbinden. Das wäre ein guter Ratschlag, wenn mein Unterkörper so schön geometrisch gleichmäßig geformt wäre wie eine Litfaßsäule. Das ist er aber ganz und gar nicht, da gibt es überall Erhebungen, Täler und andere Besonderheiten. Wenn man einen Mathematiker bitten würde, den Unterkörper einer Frau als Summe von geometrischen Formen zu beschreiben, würde er sicher dankend ablehnen und sich lieber seinen Differentialgleichungen zuwenden. Also, so einfach kann das nicht sein!

Ich habe mich schon lange mit dem „small butt“ oder „flat seat“ adjustment beschäftigt, wie meine Figurbesonderheit im englischsprachigen Raum bezeichnet wird. Bei meinen ersten genähten Hosen habe ich vieles nach Gefühl geändert, also einfach die Schrittkurve steiler gestellt, etwas Weite und Höhe in der hinteren Mitte herausgenommen und war mit dem Ergebnis recht zufrieden. Zumindest passten mir meine selbstgenähten Hosen viel besser als die Kaufhosen. Mittlerweile habe ich ein Verfahren entdeckt, mit dem ich sehr systematisch einen Schnitt ändern kann. Dieses Verfahren läßt sich natürlich auch in allen Fällen anwenden, bei denen die Hüftweite größer ist als die erwartete Hüftweite in der Maßtabelle. Beschrieben ist das ganze in einem Artikel des Threads Magazine. Leider ist der Artikel nicht kostenlos zugängig, aber eine ähnliche Methode wird auch in diesem Video beschrieben. Das Schnittmuster wird dabei durch eine definierte Anzahl von Schnitten durchtrennt und die entstehenden Einzelteile wieder zusammengeschoben, oder eben auseinandergezogen, falls eine größere Hüftweite gewünscht wird. Klingt kompliziert, geht aber leider nicht einfacher…es geht ja darum, einen dreidimensionalen Raum, also den Po, auf einem zweidimensionalen Schnittmuster abzubilden und zu ändern. Wir kennen ein ähnliches Verfahren auch bei der Anpassung im Brustbereich, dem Full- oder Smallbust-Adjustment. Auch hier muß der fertige 2D-Papierschnitt an drei Linien eingeschnitten werden, um eine Volumenänderung an der richtigen Stelle zu ermöglichen. Genauso geht es auch im Hüftbereich.

Bei der Bettyhose kommt noch dazu, daß die rückwärtige Hose eine Passe hat, die muß man dann erstmal zurückkonstruieren in den Abnäher…also schon etwas Bastelei.

Hat sich die Bastelei denn gelohnt? Ja und nein, würde ich sagen. Ich habe die Weite der Hinterhose von der Größe 38 ausgehend jeweils um 1,5 cm je Seite reduziert, dann noch etwas an der Schrittkurve rumgeschnippelt und noch mehr von der Höhe in der hinteren Mitte rausgenommen.

Nicht geändert habe ich die Oberschenkelweite, und da finde ich die Hose fast etwas zu weit. Naürlich soll sie weit sein im Oberschenkelbereich, aber vielleicht nicht ganz so weit…Die Anpassung einer Hose hört leider nicht nach diesem ersten Schritt auf, da gibt es noch viele andere Stellen, an denen man optimieren kann.

Und natürlich ändert sich die Hose noch mit der Tragedauer. Mein Stoff ist ein Cordstoff mit 3% Elasthan, den ich hier bezogen habe. Er ist sehr bequem, aber dehnt sich durch das Tragen erwartunsgemäß aus. Bei den Bildern mit der grünen Bluse war die Hose recht neu, bei denen mit der orangefarbenen schon eine Weile getragen.

Mal abgesehen davon, daß die Wanderschuhe sowieso keine schlanken Fuß machen, finde ich sie jetzt von hinten etwas zu weit im Beinbereich. Das ließe sich aber problemlos über die Seitennähte ändern, denn die habe ich in weiser Vorraussicht auf eventuell nötige spätere Änderungen getrennt versäubert. Man liest ja immer in den Anleitungen, daß man Nahtzugaben zusammen versäubern solle, die Industrie würde es auch so machen…mag ja sein,daß die Industrie es so macht, kann sie auch machen wie sie will, aber ich möchte langlebige Stücke produzieren und da muß es auch eine Möglichkeit zur Änderung geben.

Bis jetzt fühle ich mich in der Bettyhose aber sehr wohl. Sie ist wirklich sehr bequem, obwohl sie ja recht hoch in der Taille sitzt. Ich trage sie gerne mit einem Gürtel, damit sie wirklich in der Taille sitzen bleibt. Oberteile sollten in der Taille reingesteckt werden bei dieser Hosenform, sonst sieht es leicht etwas unförmig aus. Und der ideale Partner für Betty ist Ermine aus dem gleichen Fibremood-Heft- so eine schöne Bluse!

Im Heft fand ich die Bluse eher schlecht präsentiert, aber es ist wirklich ein schöner Schnitt. Es gibt eine Schulterpasse und im Vorderteil schräge Passen mit vielen Kräuselungen. Wer nicht so gerne Kräusel näht, sollte den Schnitt lieber vermeiden-alle anderen haben ihre Freude daran! Ich habe hier die Gr. 38 genäht und im Rücken an der hinteren Mitte noch ca 1cm Mehrweite dazugegeben, das sind so meine Erfahrungen mit den Fibremoodschnitten, die mich zu dieser Änderung geführt haben.

Bei dieser ersten Ermine aus grüngemusterter Viskose (aus dem örtlichen Stoffgeschäft, ich wollte eigentlich nur den Reißverschluß für Betty und passendes Garn kaufen, aber dann landete dieser Stoff auch in meinem Einkaufskorb, ich weiß wirklich nicht, wie!) habe ich den Ärmelsaum einfach mit einem Gummiband zusammengerafft. Im Schnitt ist überhaupt kein Abschluß vorgesehen, der Ärmel hört einfach auf…etwas eigenartig.

Ich habe dann gleich danach noch eine Ermine genäht, weil ich das Potential des Schnttes weiter ausschöpfen wollte. Erminde die zweite ist aus einer Viskose von LiseTaylor genäht, das ist schon ein Schätzchen, das ich eine Weile im Stoffstapel immer wieder voller Wohlgefallen betrachtet habe. So ein schöner Stoff, und wie schön, daß es auch die passenden Knöpfe dazu gab!

Ermine die Zweite ist eindeutig meine Favoritin. Ich habe die Schulter etwas angepaßt, die Schulternaht ca 1 cm nach vorne gesetzt und auch etwas gedreht. Man sieht das bei der ersten Version nicht, aber die Schulter sitzt nicht gut und die Bluse rutscht immer etwas nach hinten. Das ist jetzt bei der zweiten Version deutlich besser. Die Ärmel habe ich erweitert und in Handgelenkshöhe mit einem Gummiband gerafft, so finde ich die Ärmelform stimmig zum Rest der Bluse. Ach ja, und der Halsausschnitt ist vorne um einen Zentimeter nach unten gesetzt. Da der Ausschnitt mit einem Schrägband versäubert wird, ist diese Änderung unproblematisch auszuführen.

Und dann habe ich natürlich die Inneneinrichtung der Erminebluse verbessert…ich mag es so gerne, wenn meine genähten Kleidungsstücke auch von innen schön aussehen. Ermine II hat eine gedoppelte Passe, genäht nach der Burritomethode und hat dadurch auch eine größere Stabilität im Schulterbereich, die dem Schnitt gut tut.

Bei der Burritomethode wird die Passe gedoppelt und so verstürzt, daß keine offene Saumkanten mehr zu sehen sind. Man kann das immer schlecht beschreiben, aber es ist wirklich total einfach zu nähen (wenn der Knoten im Gehirn, der sich bei mir immer kurzfristig bildet, mal entwirrt ist), ich verlinke hier mal eine Anleitung von Closetcore, aber es gibt auch viele andere. Man kann dabei auch gut einen anderen Stoff in Szene setzen, es ist einfach eine Spielerei, die keiner außer mir sieht, aber ich liebe diese kleinen Feinheiten.

Ich hatte beide Blusenvarianten und die Bettyhose unmittelbar nach ihrer Fertigstellung auf Instagram gezeigt. Ich bin ja nicht so eine geübte Instagrammerin und von einer Influencerin meilenweit entfernt, aber den Versuchungen von Insta erliege ich immer gern: es ist einfach gut für eine schnelle Befriedigung . Man zeigt ein Outfit, ein schönes Foto, und schon prasseln die Herzchen in meinen Account- oh, das ist so gut für das Näh-Ego und Balsam für alle anderen Wehwehchen aus dem Leben 1.0, die einen sonst so beschäftigen! Selbstkritisch wie ich nun mal bin muß ich allerdings feststellen, daß der große positive Zuspruch für diese Modelle sicher nicht meinen Nähkünsten, sondern einfach der beliebten Zeitschrift Fibremood und dem entsprechenden Hashtag geschuldet ist. Aber egal, vor allem die grüne Version gefiel, und gefiel auch den Instagram-Beauftragten von Fibremood offensichtlich so gut, daß sie mein Foto kurzerhand auf ihrem Insta-Account hochluden. Ja, ich wurde davon im nachhinein verständigt, aber ich wurde nicht vorher gefragt. Das fand ich ja schon etwas eigenartig- ich kenne es so, daß die Schnittmusterdesignner einen vorher fragen, wenn sie ein Foto für ihren Account und damit natürlich zu Werbezwecken verwenden, so machen es jedenfalls Closetcore und Wafflepattern. Ich hätte ja auch gar nichts dagegen gehabt, man fühlt sich ja auch geschmeichelt über die Aufmerksamkeit, aber so ohne Vorankündigung fand ich es zumindest eigenartig. Zum Glück handelte es sich um Bilder ohne Kopf, wenn Hose und Bluse zu sehen sind, ist ja auf dem quadratischen Instagram -Bild der Kopf abgeschnitten…

Letzendlich bin ich ja auch selber schuld, ich habe einen öffentlichen Instagram-Account und stimme damit der Sichtbarkeit meiner Bilder zu. Mir hat es nur wieder mal einen Denkanstoß gegeben, was ich auf Instagram zeigen möchte und was nicht. Und für mich war es auch wieder mal ein Argument für einen Nähblog. Natürlich ist der Blog auch öffentlich, aber er hat für mich doch eine gewisse Privat-Sphäre- einfach deshalb, weil ich denke, daß nur derjenige den vielen Text hier liest, der auch Interesse an der Sache hat. Mein Blog ist für mich so etwas wie mein Wohnzimmer oder mein Garten, in das oder in den ich nette Gäste gerne einen Einblick gestatte. Und besonders freue ich mich auf einen Dialog mit diesen netten Gästen!

Ich verlinke diesen Beitrag mit dem Memademittwoch, der Linkparty für die ambitionierte Hobbynäherin, und freue mich auf viele andere inspirierende Beiträge! Danke an das Team für Eure unermüdliche Arbeit, diese qualifizierte Plattform uns zur Verfügung zu stellen!

Culotte Gestricktes Helens Closet Memademittwoch Rosa P Uncategorized

Winslow-Culotte und Nuumi-Cardigan

Oh, ich habe es geschafft: ich nehme mit etwas Gestricktem am Memademittwoch teil! Wie bewundere ich immer die Näherinnen, die mit Stricknadeln genau so souverän umgehen wie mit den Nähnadeln ihrer Nähmaschinen. Da wird dann schnell mal ein passendes Jäckchen zum Rock oder zum Kleid gestrickt…nun, von dieser Kunst bin ich weit entfernt.

Diese Kombination aus Culotte, also Hosenrock und Jacke hat nicht nur ihre Zeit gebraucht zur Fertigstellung, sondern weist auch durchaus ihre perönlichen Macken um nicht zu sagen Fehler auf, das ist das Thema des folgenden Blogbeitrages.

Beginnen möchte ich mit dem Jäckchen, auf das ich so stolz bin. Es handelt sich um den Nuumi-Cardigan von rosa p. Die meisten Strickwerke der letzten Jahre (sind allerdings nicht viele….) sind nach Anleitungen von Rosape entstanden. Ich finde ihre Entwürfe alle wunderschön und die Anleitungen sind so ausführlich, daß auch ich damit gut zurecht komme.

Bei Nuumi handelt es sich um eine eng anliegende Jacke mit Raglanärmeln. Sie wird von oben nach unten gestrickt, die Blenden am Vorderteil werden separat angestrickt. Die Krönung ist natürlich das Zopfmuster, das den Rumpf ziert. Es ist ein einfacher Zopf, gerade so kompliziert, daß das Stricken seine Gleichförmigkeit verliert, aber doch so einfach, daß man es recht rasch auswendig kann. Die verwendete Wolle ist Valley Tweed von Rowan, wie es auch in der Anleitung vorgeschlagen war. Ich weiß nicht mehr so ganz genau, wann ich die Jacke angefangen habe, aber das Strickzeug war zumindest bei zwei Sommerurlauben dabei- also gehe ich von zwei Jahren Strickzeit aus. Vielleicht waren es auch nur eineinhalb, denn ich glaube mich zu erinnern, daß ich sie in einem Frühjahr begonnen habe und damals frohgemut bei der Farbauswahl gedacht habe: das wird ein schönes Herbstjäckchen! na ja, ist ja auch ein Herbstjäckchen geworden, aber halt ein Jahr später.

Ich habe die Jacke bisher noch nicht gewaschen. Bevor jetzt jemand „iihh!“ sagt, die Erklärung, daß das Waschen des fertigen Strickstückes nicht der Sauberkeit oder der Entfernung von irgendwelchen müffelnden Geruchsspuren dient, sondern der Gleichmäßigkeit des Maschenbildes und Verbesserung der Passform- so habe ich es jedenfalls gelesen. Mir war das bisher völlig neu. Ich hatte ja als Teenager auch viel gestrickt, und damals hat das keiner so gemacht. Oder vielleicht wußte ich es einfach nicht, es gab zu diesen Zeiten ja noch kein Internet, und so beruhten meine Strickkenntnisse damals nur auf dem, was mir meine Mutter und meine großen Schwewtern beigebracht hatte. Ich gebe zu, daß es mir widerstrebt, eine saubere und neue Wollstrickjacke erst mal zu waschen, denn sonst ist ja die Empfehlung, Wolle möglichst wenig zu waschen. Die Schafe duschen schließlich auch nicht jeden Tag!

Edit: es gab einen ganz tollen Kommentar zu diesem Blogbeitrag, in dem eine Leserin ihre große Erfahrung mit dem Waschen und Blocken von Strickwaren mitteilt. Schaut mal weiter unten in den Kommentaren!

In diesem Fall war es aber einfach so, daß die Jacke zu unserem geplanten Fototermin gerade so fertig geworden war, und fürs Waschen und Trocken blieb da keine Zeit. Deshalb fehlen auch noch einige Knöpfe. Eigentlich hatte ich andere Knöpfe geplant, aber als ich gemerkt hatte, wie toll die Corozo-Knöpfe von HelloHeidi zur Wolle passten, mußten die es sein. Mittlerweile sind die Knöpfe nachbestellt und angenäht.

Ich liebe diese Jacke sehr und trage sie seit ihrer Fertigstellung wirklich fast jeden Tag. Sie ist so schön herbstlich und fügt sich damit wunderbar in meine Garderobe ein. Allerdings ist sie wirklich eher figurnah geschnitten und passt am besten über dünne Blusen oder Tops. Aber das ist ja das, was man im Spätsommer und Herbst braucht, wenn die Sommerblusen zu kalt werden und etwas zum Überziehen benötigt wird.

Ich habe die Jacke mit einem ärmellosen Top kombiniert, das ich hier schon beschrieben habe. Ergänzt wird das Ensemble durch einen Hosenrock , die Winslow-Culotte von Helens Closet.

Quelle: Helens Closet

Die Winslow-Culotte ist kein neuer Schnitt, er ist in den Maßstäben des Smartphone-Zeitalters eher uralt, nämlich von 2016. Es war der erste Schnitt, den die kanadische Schnittdesignerin Helen veröffentlicht hat, und ich finde ihn absolut genial. Er ist sehr einfach- ein Hosenrock mit je zwei Kellerfalten im Vorder- und Hinterrock, rückwärtiger Reißverschluss und ein gerader Bund. Ach ja, Nahttaschen hat er natürlich auch. Also wirklich ein simpler Schnitt, aber er schafft es, an wirklich jeder Frau mit jeder Figur gut auszusehen- so jedenfalls mein Eindruck, wenn man auf Instagram den entsprechenden Hashtag durchscrollt. Für mich gehört dieser Schnitt zu den absoluten Klassikern der Nähwelt, ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, daß die Nähwelt um einiges ärmer wäre ohne diesen Schnitt…

Da der Schnitt so einfach ist, war auch meine Anpassung sehr einfach: ich habe den Vorderrock in Gr 8 genäht, den Hinterrock in Gr 6 und den Bund in Gr.10. Den fehlenden Umfang der Rockoberteile habe ich durch entsprechende Veränderungen der Tiefe der Kellerfalten ausgeglichen. Klingt so ein bisschen wie Schnittanpassung for Dummies, aber hat wunderbar funktioniert. Der Rockbund ist gerade, aber da er hoch in der natürlichen Taille sitzt, paßt er gut.Es gibt, wie bei allen Schnitten von Helens Closet, eine sehr ausführliche Anleitung und einen noch ausführlicheren Sewalong- damit ist dieser Schnitt sicher für jeden geeignet.

Genäht habe ich den Rock aus einem Leinen-Tencel-Stoff, genauer gesagt hat der Stoff 15% Leinen und 75% Tencel. Für die Rocklänge, die ich gewählt habe, ist der Stoff gerade noch geeignet. Empfohlen werden für die längeren Längen eher weich fliessende Stoffe, denn da kommen schon größere Mengen an Stoff zusammen. Bei einem festeren Stoff stehen die Culottebeine dann sehr ab, das ist nicht mehr so schön.

Den rückwärtigen Bund meiner Culotte ziert eine z-förmige Stickerei. Ach, wie gerne würde ich jetzt meine tiefgründigen Gedanken hier niederschreiben, warum es gerade dieses Stickereimotiv sein mußte…vielleicht so: das z ist der letzte Buchstabe des Alphabetes, sozusagen eine Metapher des Endlichen, und symbolisiert so die Endlichkeit des Rockbundes, der ja auch irgendwann am Verschluss endet…hmm, nicht sehr überzeugend….

Oder so: durch die Stickerei konnte ich auf subtile Weise die Form der Kellerfalten aufnehmen und dadurch eine geniale Verbindung von Rock und Bund herstellen…auch nicht viel besser.

Leider ist die Erklärung für die Stickerei viel banaler und eigentlich sehr peinlich. Ich habe beim Zurückschneiden der Nahtzugaben des Bundes in den Bund reingeschnitten und damit einen wunderschönen rechteckigen Cut produziert. Gemerkt habe ich das erst beim Bügeln, und dann war das Entsetzen groß. Mein erster Gedanke war, es einfach zu lassen. Der Bund war ja verstärkt, und ich habe dann nochmals etwas Einlage auf den Einschnitt gebügelt, so daß er eigentlich nicht mehr ausfransen konnte, und verschlossen war der Einschnitt auch. Der Stoff hat ja eine leichte Unregelmäßigkeit in der Struktur, und so fiel der Schnitt gar nicht so sehr auf. Andererseits ist es ein Bereich neben dem Reißverschluss, an dem man beim An- und Ausziehen doch immer wieder mal rumzuppelt, und ich wollte ja schon ein langlebiges Kleidungsstück produzieren.

Also Reparatur. Wenn es ein Jeansstoff gewesen wäre, hätte ich einfach eine Applikation draufnähen können, das paßte aber in diesem Fall nicht. Gürtelschlaufen hatte ich mir überlegt, passten aber auch nicht zu Stil des Rockes. Die korrekteste Lösung wäre wahrscheinlich gewesen, den Bund abzutrennen und komplett neu zu nähen- dazu hatte ich aber keine Lust.

Also fing ich an zu flicken, mit Zickzackstich über den Einschnitt, und weil es so schön ging, wurde noch ein weiterer Zacken angehängt. Damit das ganze nicht so geflickt aussah, habe ich auf der anderen Seite des Bundes die Stickerei gespiegelt. Ganz symmetrisch ist es nicht geworden, vielleicht hätte ich auf der anderen Seite auch erst mal den Bund einschneiden sollen…

So, jetzt ist es ein gewünschtes Designmerkmal, unbedingt so gewollt und natürlich von von vornherein so geplant gewesen:-)

Ich finde den Schnitt wie gesagt sehr, sehr schön und kann mir gut auch die kürzeren Versionen vorstellen, die kann man dann sicher mit Strumpfhosen gut in der kälteren Jahreszeit tragen. Damit schlage ich jetzt eine schöne Brücke zum Oktober Memademittwoch, an dem sicher viele herbsttaugliche Outfits gezeigt werden.