Inges Szoltysik Memademittwoch Rock

Plissee is schee…Plisseerock nach Inge

Kommentare 1

Plisse ist schee…dieser Satz einer Plisseemanufaktur gefiel mir so gut, daß ich ihn auch als Titel für diesen Blogbeitrag gewählt habe. Auch wenn der Reim etwas holprig ist, trifft die Aussage doch genau meine Meinung: Plissee ist schön. Plissee, also diese regelmäßige und geometrische Abfolge von kleinen Falten, hat in meinen Augen etwas ungemein Ästhetisches- kein Wunder , daß das schon vor einigen Tausenden von Jahren die alten Ägypter erkannt hatten, denn die fanden Plissee auch schon schön.

Nun hatten die alten Ägypter natürlich keine Plisseemanufaktur, wo sie ihren Stoff bestellen konnten, genauso wenig wie die vielen nachfolgenden Generationen, die diese Fältelungen schick fanden. Plissieren war früher aufwendig und teuer- die Ägypter legten ihren Stoff zwischen dunkle Steine in den heißen Sand, so weiß es jedenfalls ein sehr lesenswerter Artikel in der Rundschau für Internationale Damenmode, in dem auch die Geschichte des Plissees beschrieben wird. Die Plissiermethoden verfeinerten sich im Lauf der Jahrhunderte, hatten aber alle das große Problem, daß der zu fältelnde Stoff natürlich Leinen oder Hanf war, eventuell auch Seide. In allen Naturfasern halten die Falten aber nicht permanent, so daß die plissierten Kleidungsstücke lange Zeit einer wohlhabenden Oberschicht vorbehalten war. Das änderte sich in den 1930er Jahren mit der Erfindung des Polyesters- nun konnten dauerhafte Falten in Stoffe eingelegt werden und Plissee wurde damit einer breiten Bevölkerungsschicht zugänglich gemacht werden.

Ehrlich gesagt hatte ich mir früher nie gedanken gemacht, wie so ein Plissseestoff hergestellt wird. Man sieht die plissierten Röcke ja mittlerweile viel im Sommer, und sie sehen an den meisten Trägerinnen bezaubernd aus, vor allem wenn die Trägerinnen jung und schlank sind. Aber auch in der Haute Couture werden wohl gern plissierte Stoffe eingesetzt. In dem oben genannten Rundschauartikel werden einige Entwürfe einer Schneiderin gezeigt, in dem plissierte Einsätze in den Kleidungsstücken vorkommen- total schick, wie ich finde. Wer so etwas nähen möchte, braucht dafür eine Plisseemanufaktur, die das gewünscht Plissee im gewünschten Muster herstellt.

Das Handplissieren geht (stark vereinfacht) so, daß der Stoff auf eine gefaltete Schablone gelegt wird. Die Schablone ist aus einem Spezialpapier, das hitze- und feuchtigkeitsrestent ist. Der Stoff wird dann mit einer zweiten Schablone abgedeckt und die Schablonen zusammengeschoben wie eine Ziehharmonika. Das ganze wird dann gut gepresst, gebündelt, und dann ab in den Backofen! Es ist wirklich ein Backofen, und das Plissee wird „gebacken“, so der Fachjargon.

Es gibt natürlich auch Maschinen, die das Plissieren übernehmen, hier wird der Stoff dann über ein Messer in Falten gezogen, das ist wesentlich einfacher. Aber die schönsten Plissees entstehen doch in Handarbeit in den wenigen Plisseemanufakturen, die es in Deutschland noch gibt. Abnehmer dieser Manufakturen sind neben der Mode vor allem Theater und Opernhäusern…natürlich ein Bereich, der im letzten Jahr durch die Coronamaßnahmen sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Und so ist es vielleicht kein Zufall, daß die Firma Rabowsky, die als eine der ersten Plissiermaschinen hergestellt hat, sich mittlerweile auf Fertigung von Maschinen zur Maskenherstellung umgestellt hat…

Meine Kenntnisse über das Plissee stammen übrigens aus einem sehr sehens- und hörenswerten Beitrag, der hier auf Youtube zu sehen ist. Beschrieben wird der Besuch bei einer Berliner Plisseemanufaktur, ich fand den Bericht absolut spannend.

Mal ganz abgesehen von Fabriken, Maschinen und Manufakturen kann man natürlich auch einen Stoff mit dem Bügeleisen plissieren. Das ist eine Fleißaufgabe, der sich aber offenbar manche Schneiderinnen ganz gerne stellen. Inge Szoltyisik-Sparrer stellte das Verfahren in einer ihrer immer sehenswerten Instagram-Veranstaltungen vor. Sie verwendet dafür einen gestreiften Stoff, so daß man die Falten ganz komfortabel entlang der Streifen legen kann. Bei geblümten Stoffen ist auch Inges Ratschlag, den Stoff zum Plissieren wegzuschicken, sie empfiehlt die Plisse-Manufaktur Schatz, deren Wahlspruch ich im Titel des Blogbeitrags schon zitiert habe.

Quelle: Inge Szoltysik-Sparrer

Inge hat einen wunderschönen Plisseerock entworfen, in dessen Schnitt ich mich sofort verliebt habe. Sonst sind ja die Plisseeröcke, die man so sieht, etwas lieblos hergestellt. Meistens haben sie einen Gummizug in der Taille, und das steht nicht jeder. Ich glaube auch nicht, daß sich so ein Gummiband auf nackter Bauchhaut wirklich gut anfühlt. Der Rock von Inge jedoch hat einen breiten Sattel, an dem das plissierte Rockteil genäht wird, und einen Reißverschluß in der Seitennaht. Also , der Rock gefiel mir gut, aber Lust aufs Hand-Plissieren hatte ich nicht. Was also tun? Die Lösung fand ich in einem französischen Onlineshop. Lise Taylor entwirft nicht nur schöne Schnitte und Stoffe, sondern vertreibt sie auch , und so gibt es ein ihrem Onlineshop ein Nähpaket für einen Plisseerock. Das Nähpaket ist ein Rundum-Sorglos-Paket, das Plissee auch schon gesäumt, und ein Streifen unplissierten Stoffes für den Bund sowie ein Gummiband ist auch dabei. Aber ich wollte ja diesen schönen breiten Sattel des Inge-Rockes nähen- zum Glück gab es aber dieses Stoffdesign auch als Viskose, das Plissee ist natürlich Polyester. Ich hatte vorher bei Lise Taylor gefragt, ob man mir ein größeres Stück unplissierten Polyester schicken könne, aber das ist wohl nicht vorgesehen. Und die Farbgebung von den beiden Stoffqualitäten ist so ähnlich, daß ich es gut zusammen verarbeiten konnte. Als Bonus ergab sich dann auch noch dieses kleine Oberteil aus dem gleichen Stoff.

Das Nähen des Plisseestoffes fand ich etwas gewöhnungsbedürftig. Es ist ja nicht viel zu nähen an diesem Rock, aber er hat natürlich Seitennähte. Damit hatte ich angefangen, und mich bemüht, immer parallel zur Falte in einem Faltentief zu nähen. Ging ganz gut, danach schleppte ich den Rock so wie immer zum Bügelbrett, Nähte sorgfältig ausbügeln, das hatte ich mittlerweile gelernt…leider bügelt man dann auch die Falten aus dem Stoff. Klar, genauso wie die Falten reinkommen, mit Hitze und Feuchtigkeit, kommen sie auch wieder raus. Ich habe dann den Nahtbereich nachplissiert und von da an das Bügeleisen nur noch sehr, sehr vorsichtig eingesetzt. Lektion gelernt!

Der Rock ist übrigens gefüttert mit einem Viskosefutter. Der Sattel ist direkt am Futter angesetzt, das hatte leider anfangs zur Folge, daß das Futter immer oben am Rockrand rauskrabbelte. Eine kurze Beratung mit Inge per mail brachte Hilfe: ich habe eine Steppnaht parallel zum Rockbund durch alle Schichten im Abstand von 1,5 cm zur Bundkante genäht, danach krabbelte nichts mehr.

Eine spannende Sache bei genähten Teilen ist ja immer, die passenden Kombipartner aus dem eigenen Kleiderschrank rauszusuchen. In diesem Fall stellte ich mir das ganz einfach vor- der geblümte Stoff hat einen dunkelblauen Hintergrund, und so sollte das mit einem dunkelblauen Shirt doch passen. Aber weit gefehlt, der Kontrast zwischen dunkelblau und dem pastellfarbenen Rock erwies sich als viel zu hart. Ich habe dann eine Weile rumprobiert und fand nachher die Kombination mit einem hellgrünen pastellfarbenen (gekauften) Top am schönsten.

So sieht man mal den Rockbund in seiner ganzen Schönheit

Und weil das Kombinieren so schwierig wurde, habe ich kurzerhand aus dem Rest Viskose noch ein ärmelloses Top genäht. Der Schnitt hierfür ist der Tunika-Schnitt von Inge, den sie mir mal als Maßschnitt erstellt hatte. Es ist ein wunderbarer Grundschnitt für alle möglichen Spielereien. In diesem Fall habe ich ihn ziemlich kurz genäht, also nur knapp über Taillenlänge und alle Abnäher bis auf den Brustabnäher weggelassen. Im Nachhinein und beim Betrachten der Bilder fiel mir ein, daß es nett gewesen wäre, den Saum etwas geschwungen zu führen, sozusagen korrespondierend zum Rockbund…aber hinterher ist man immer klüger.

Ich bin jetzt sehr gespann auf die Haltbarkeit der Falten. Bisher habe ich den Rock nicht geschont und die Falten scheinen sich nicht zu verändern, auch wenn man längere Zeit drauf sitzt. Angeblich kann man Plissee auch waschen, wenn die Temperatur nicht zu hoch ist. Aber ein Rock wird ja eigentlich nicht so schmutzig und eher selten gewaschen.

Für mich hat sich die Kombination Rock mit passendem Oberteil absolut bewährt. Ich trage beide Teile auch einzeln: das Oberteil paßt wunderbar zu Jeans, und für den Rock habe ich jetzt gerade noch weitere pastellfarbene Oberteile genäht. Das ist ja mit das Schönste am Selbernähen, daß man einen speziellen gewünschten Kombipartner so problemlos herstellen kann. Hach, Nähen ist so toll-wie halten es eigentlich Menschen aus, die nicht selber nähen können? Zumindest mein tiefes Mitleid ist ihnen sicher…

verlinkt: Memademittwoch

Blusen Deer and Doe Rock Schultz-Apparel

Herla-Rock und Orchidee-Bluse

Kommentare 36

Es gibt eine unglaubliche Anzahl von tollen Schnittdesignerinnen, die meist als Ein-Frau-Betrieb die schönsten Schnittmuster erstellen. Ich kenne sicher so einige, da ich mich für diesen „Markt“ sehr interessiere, aber natürlich nicht alle. Immer wieder entdecke ich ein neues Schnittmusterlabel, und das finde ich so spannend: wer ist die Designerin, hat sie einen professionellen Hintergrund, welchen Stil hat sie? In diesem Fall war es ein dänisches Label, was ich neu kennen gelernt habe. Unter dem Namen Schultz-Apparel veröffentlicht eine junge Dänin, die wohl eine Ausbildung in Schnittkonstruktion hat, ihre Schnitte . Der Stil ist sehr vintage-inspiriert, aber durchaus tragbar, es gibt von vielen ihrer Schnitte auch modernere Varianten. So auch bei dem Rock Herla, den ich heute zuerst zeige.

Herla hat einen sehr breiten, assymmetrischen Sattel, an den ein gekrauster Rock angesetzt wird. Es gibt auch eine symmetrische Form mit zwei Spitzen im Sattel, die ist dann wohl mehr Vintage…trug man das so im letzten Jahrhundert? keine Ahnung, aber ich finde meine Version einfach wunderschön!

Es ist ja gar nicht so einfach mit den Rock -Schnittmustern, finde ich. Oder vielleicht ist es auch ganz einfach, und man braucht eigentlich keine Schnittmuster, wenn man einen halbwegs passenden Basisschnitt hat. Beim Rock ist der Grundschnitt wirklich einfach abzuwandeln, hier eine Falte, dort gekräuselt, Formbund, Passe oder doch ein Beleg am Bund, schon ist der Rockschnitt fertig. Ich übertreibe jetzt natürlich, aber so ähnlich funktionieren wohl die meisten Rockschnitte. Deshalb scheint auch der Rock für viele Schnittmusterdesignerinnen gar nicht mehr so interessant zu sein, so als hätten sie den Eindruck, damit sei ja doch kein Blumentopf zu verdienen…

Dieser Rock ist mit seiner assymmetrischen Passe da wirklich eine sehr schöne Ausnahme, und ich bin sehr froh, diesen Schnitt entdeckt zu haben. Ich habe ihn hier aus einer sommerlichen Viskose genäht, aber ich könnte ihn mir auch gut im Herbst kombiniert mit Stiefeln und einem Pulli vorstellen. Gerade durch die breite Passe läßt er sich wahrscheinlich auch gut mit einem etwas kürzeren Pullover kombinieren.

Interessant ist ja auch bei allen individuellen Schnittdesignerinnen, wie sie die Anleitung gestalten. Hier ist Amalie von Schultzapparel auch vorbildlich. Sehr gut finde ich die reichliche Nahtzugabe von 2 cm in der Seitennaht, auch der Bund hat eine seitliche Naht. Dadurch läßt sich der Rock problemlos an Änderungen der Taillen- und Hüftweite anpassen. Eine Sache empfinde ich allerdings als Fehler in der Anleitung, oder zumindest in meiner Umsetzung. Die Anleitung ist ja sehr genau, es wird auch beschrieben, wie der Bund verstärkt wird, und wenn ich sowas lese, dann schalte ich offenbar mein Gehirn auf Autopilot und denke nicht mehr mit. Der breite Sattel des Rockes ist wunderschön und hat diese witzige assymmetrische Ecke- und natürlich hat er deshalb Kanten, die im schrägen Fadenlauf sind. Das würde eigentlich eine Verstärkung des Stoffes durch eine Einlage erfordern, sonst leiert die Kante aus, zumal dann ja auch noch diese ganzen Kräusel mit ihrem Gewicht dran genäht werden. Ich habe die Kanten nicht verstärkt, in der Anleitung steht auch nichts davon- beides finde ich schade. Ich hätte natürlich selbst dran denken müssen, vielleicht hängt es auch vom Stoff ab. Mein Stoff ist eine wunderschöne weiche Viskose des belgischen Stofflabels Eglantine und Zoe, und die hätte eigentlich eine bessere und stabilere Verarbeitung verdient. Bei mir sieht es so aus, daß sich das eigenlich exakt genähte Dreieck des Rocksattels mittlerweile einer gemütlichen Rundung annähert. Ist auch nicht schlimm, paßt auch zum Stil des Rockes, aber schöner wäre es doch, wenn die Form so erhalten bliebe wie gedacht. Nun denn, beim nächsten Herla-Rock wird alles besser!

Ich hatte von der schönen belgischen Viskose reichlich bestellt, und so wollte ich natürlich auch noch ein passendes Oberteil dazu nähen. Meine Wahl fiel auf den Orchidee- Schnitt von Deer and Doe, nachdem mir mein erstes Exemplar nach diesem Schnitt schon so gut gefallen hatte. Für diese Version hatte ich den Ausschnitt etwas entschärft, also höher gesetzt, die Brautknöpfe durch normale Knöpfe ersetzt und eine ärmellose Version genäht.

Die ersten beiden Änderungen lassen sie ja problemlos umsetzen. Der höhere Ausschnitt ist rasch gezeichnet, und für eine komplette Knopfleiste gibt man an der vorderen Mitte einfach die Überbrückungsbreite dazu, in diesem Fall 1,5 cm. Und für die ärmellose Version…läßt man einfach die Ärmel weg. Diese Antwort findet man leider immer noch in vielen, vielen Schnittmustern, auch von namhaften Schnittdesignerinnen. Dabei ist es so klar, daß das nicht funktionieren kann- oder besser gesagt, natürlich kann man das so machen, wenn man gerne der Umwelt auch seinen BH oder andere Bestandteile der vorhandenen oder nicht vorhandenen Unterwäsche zeigen möchte.

Ein Oberteil mit Ärmeln hat einen anderen Armausschnitt als ein ärmelloses, das muß man glaube ich einfach akzeptieren. Sicher hängt manches auch vom Schnittmuster, von der Figur und den persönlichen Vorlieben ab, aber üblicherweise braucht man für ein ärmelloses Top einen engeren Armausschnitt als für eines mit Ärmeln. Wo man die Weite aus dem Ausschnitt rausnimmt, ist vielleicht egal, es geht an der Schulter, unter den Armen oder auch durch einen in den Armausschnitt gedrehten Abnäher, aber enger muß es werden. Für mich setze ich auch gerne den Schulterpunkt etwas nach innen, also etwas innerhalb des Gelenkes zwischen Arm und Schulterblatt, aber das ist sicher Geschmackssache. In diesem Fall habe ich den Armausschnitt unter der Achsel ca 1cm höher gelegt und auch etwas Weite aus dem Armausschnitt genommen.

Zum Glück hatte ich diesmal dran gedacht, bei meiner Schnittbastelei auch mal zu fotografieren. Meistens bin ich bei dieser Tätigkeit so absorbiert, daß ich nicht an die Dokumentation denke. Wie man sieht, zeichne ich bei all diesen Änderungen mir erst mal die Nahtlinien auf. Der Orchideeschnitt enthält ja 1,5 cm Nahtzugabe, das finden wir alle bequem beim Zuschneiden- erst mal, bis man dann Änderungen machen muß, dann verflucht man diese Bequemlichkeit…In diesem Fall waren die Änderungen ja überschaubar, falls es größere Aktionen oder Abnäherverlagerungen sind, schneide ich die Nahtzugabe komplett ab und arbeite lieber mit einem Schnittteil ohne Nahtzugabe.

Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Der Armsausschnitt ist bequem und luftig, aber trotzdem bleibt die Farbe meines BHs mein Geheimnis- so soll es sein. Auch diese Version ist übrigens komplett mit der hellen Seide gefüttert, die ich auch bei der ersten Version der Orchideebluse verwendet hatte. Ich hatte noch Reste davon, soviel Stoff braucht man ja nicht für das Futter. Ich mag diese Orchideeversion sehr gerne, auch wenn sie sicher nicht so spektakulär wie das Original ist, da ich sie ja der voluminösen Ärmel beraubt habe. Aber sie ist sehr alltagstauglich, und wie hier zur kurzen Hose habe ich sie an den heißen Tagen schon viel getragen.

Und jetzt, Trommelwirbel, die Kombination von Rock und Oberteil!

I proudly present: the Herla-Orchidee!

Ehrlich gesagt, war ich etwas enttäuscht von der Kombination, ich hatte mir das irgendwie stimmiger vorgestellt. Wobei das auch zuviel Kritik ist, man kann die beiden Teile gut zusammen tragen, und ich habe es jetzt auch schon oft so angehabt und mich sehr wohl gefühlt.

Mich stört an der Optik, daß ich hier zwei Teile mit breiten Passen kombiniere: beim Oberteil eine Passe hoch in der Teile mit einer Spitze in der Mitte, beim Rock eine breite Passe über der Hüfte mit seitlicher Spitze. Das ist in meinen Augen irgendwie nicht stimmig, die Spitzen korrespondieren nicht und es ist zu viel Passe. Aber das ist jetzt natürlich der übliche überkritische Blick, den wir auf unsere Nähwerke haben. In der Realität merkt das keiner, ich denke, der Betrachter sieht eher ein Kleid oder ein hübsches Ensemble mit Kräuseln hie und da und macht sich sonst keine tiefergehenden Gedanken.

Und so bin ich doch ganz zufrieden mit meiner Herla-Orchidee, die ich an den warmen Tagen schon viel und gerne getragen habe. Für mich hat sich die Kombination eines Rockes mit einem Oberteil aus dem gleichen Stoff schon oft bewährt, da ich beides auch getrennt tragen kann.

Verlinkt wird dieser Beitrag mit dem Memademittwoch, dem virtuellen Laufsteg für die ambitionierte Hobbynäherin. Ich bin schon gespannt, welche spannenden Schnitte und Schnittdesignerinnen ich da wieder neu entdecke!

Blusen Deer and Doe Memademittwoch

Bluse Orchidee von Deer and Doe

Kommentare 24

Die Schnitte der französischen Designerinnen, die unter Deer and Doe ihre Entwürfe veröffentlichen, begleiten mich schon mein ganzes Näh-Leben. Ich weiß noch gut, wie ich nach meinen ersten holprigen Nähversuchen begann, im world wide web zu stöbern, und dann auf diese raffinierten französischen Schnitte stieß. Und wie stolz ich dann war, als ich zum ersten Mal einen solchen genäht hatte!

Weiterlesen
Blusen Jeans Maison Fauve Memademittwoch Sewoverit

Le Pantalon Hussard von Maison Fauve

Kommentare 32

War es der hübsche französische Name dieses Schnittes, der schön aufgemachte Papierschnitt oder einfach die Lust auf einen neuen Jeansschnitt, der mich zu diesem Nähprojekt inspiriert hat?

Wahrscheinlich von jedem etwas… aber die Verpackung des Schnittes ist schon sehenswert:

Es handelt sich um ein Hosenschnittmuster im Jeansstil des französischen Labels Maison Fauve, das einige witzige Besonderheiten hat. Im Vorderteil gibt es drei schmale biesenförmige Abnäher. Die Vorderhose hat eine Längsnaht in der Mitte und im Außenteil eine schräge Tasche, dies erinnert an die Taschenlösung der Pietrapants von Closetcore. Die Passe der Hinterhose ist nach oben gebogen , die Taschen haben eine leicht assymmetrische Form.

Ich habe eine Weile gerätselt, wie die Paßform der Hose gedacht ist. In der Beschreibung wird sie als eher bequem um Hüfte und Oberschenkel beschrieben, die Beine werden zum Knöchel hin etwas enger. Die Taille ist in der natürlichen Taille, also eher hoch. Mich erinnert diese Hosenform an die Karottenjeans der 90er Jahre, mittlerweile heißt diese Jeansform wohl Mom-Jeans und ist wieder modern. Die meisten Beispiele der Hussardhose, die in den sozialen Medien gezeigt werden, haben diese eher entspannte Form. Es gibt aber auch sehr körperbetonte Exemplare, aber ich denke, da wurde dann viel Weite aus dem Oberschenkelbereich herausgenommen, der Originalschnitt hat ausgesprochen weite Oberschenkel. Ich habe die großzügige Mehrweite im Oberschenkelbereich gelassen und somit eine Mom-Jeans genäht.

Ich habe einiges an der Hinterhose angepaßt, das sind meine normalen Änderungen, bei denen ich Weite aus dem Gesäßbereich herausnehme und die Schrittkurve anpasse. Bei der finalen Anprobe, also nach dem Zusammenheften von Vorder- und Hinterhose habe ich dann noch einiges an Weite aus den Seitennähten genommen, aber das war wohl auch meiner Stoffwahl geschuldet: ich hatte einen Jeansstretch verwendet, empfohlen wird für diesen Schnitt eigentlich ein nicht dehnbarer Stoff. Aber dafür macht man ja die Anprobe, um solche Anpassungen vornehmen zu können. In der Anleitung steht es übrigens ausdrücklich, daß man bei einem dehnbaren Stoff eine Größe kleiner nehmen könne….ja, ja, wer lesen kann , ist klar im Vorteil…

Apropos Lesen: die Anleitung ist natürlich auf französisch, was ich wenig beherrsche. Es gibt im Booklet aber eine englische Überetzung. Egal welche Sprache man aussucht, die Anleitung ist…eher sehr kurzgefaßt. Es gibt sehr einfache Zeichnungen, insgesamt ist das ganze für einen Anfänger, der noch nie eine Jeans genäht hat, vermutlich schwer verständlich. Es gibt aber ein Video, das ich wiederum sehr gut finde. Es ist natürlich auch auf französisch, aber es werden die wichtigen Dinge so genau gezeigt, daß man das gut nachnähen kann.

Mein Fazit zum Schnitt Hussard: ein sehr interessanter Jeansschnitt mit schönen Details, der sehr gut und liebevoll gestaltet ist. Für die Umsetzung ist eine gewisse Näherfahrung notwendig, und die Paßform muß man mögen. Ich mag sie im Augenblick sehr gerne und bin gespannt, wie sie sich im Alltag bewährt.

Die Bluse, die ich dazu trage, ist die Zadiebluse von Sewoverit. Zadie ist ein eigentlich schlichter Blusenschnitt mit einigen Kräuseln im Rücken und Brustbereich und den aktuell weiten Ärmeln. Die Besonderheit des Schnittes ist, daß er Raglanärmel hat, das sieht man nicht so oft bei den aktuellen Blusenschnittmustern, so jedenfalls mein Eindruck. Die Raglanärmel haben einen kleinen Abnäher auf der Schulter- der ergibt bei mir eine kleine Ecke, der Abnäher müsste für meine Schulterform wahrscheinlich etwas nach vorne geschoben werden. Da die Bluse aber insgesamt so locker fällt, merkt man das beim Tragen nicht.

Die Bluse hat einen großen Nähfehler, den man aber auf den Bilder vermutlich nicht sieht: sie wird verkehrt herum geknöpft. Nein, mich hat nicht beim Nähen der Knopflöcher eine plötzliche Rechts-Links-Schwäche befallen, bei Blusen finde ich es wirklich sehr einfach, die Knopflöcher richtig zu positionieren (im Gegensatz zu Hosenverschlüssen und anderen Gemeinheiten, da muß ich immer noch mal nachdenken). Ich hatte die Knopflöcher ganz richtig angefangen, aber meine Nähmaschine hatte ein Problem mit der Knopflochautomatik und hat ausgerechnet beim Knopfloch im Brustbereich eine Raupe viel zu lang genäht, so daß ich das wieder auftrennen mußte. Dabei bin ich mit dem Nahttrenner abgerutscht und habe einen tiefen Riss in der Knopfleiste produziert. Den habe ich dann wieder geflickt, aber natürlich nicht unsichtbar. Meine pragmatische Lösung war, die Knopfleiste nun in die linke Blusenleiste zu legen, zumindest im zugeknöpften Zustand sieht man die Flickstelle kaum noch. Aber das Zuknöpfen links über rechts ist bei einer Bluse schon etwas gewöhnungsbedürftig…

Meine Nähmaschine ist mittlerweile wieder repariert, ich habe ihr sozusagen einen umfasssenden Wartungs- und Wellnessaufenthalt gegönnt und jetzt näht sie Knopflöcher wieder mit ihrer gewohnten Präzision. Ich hatte meine Bernina in einem größeren Nähzentrum gekauft, natürlich, möchte ich fast sagen, denn man möchte ja beim Nähmaschinenkauf auch verschiedene Modelle und Firmen probenähen. Das war ja auch zum Auswählen und Kaufen ganz gut, aber zur Reparatur habe ich sie jetzt lieber ins örtliche Nähgeschäft gebracht. Auch dort gibt es einen Bernina-Service, und schon nach einer Woche hatte ich mein Schätzchen wieder. Der schöne Viskosestoff der Bluse kam übrigens auch aus selbigem örtlichen Nähgeschäft, das wirklich nicht groß ist, aber doch auch eine interessante Stoffauswahl anbietet. Ein Hoch auf die örtlichen Nähgeschäfte, gerade jetzt, wo es doch für alle Geschäftsleute so schwierig ist. Ich versuche immer, alle meine Kurzwaren vor Ort zu kaufen, um das Geschäft zu unterstützen.

Meinen Beitrag verlinke ich gerne mit dem Memademittwoch, unserer monatlichen Plattform für die ambitionierte Hobbynäherin. Wie immer freue ich mich aufs rege Kommentieren und Diskutieren unserer Beiträge!

Jacke Memademittwoch Waffle Pattern

Tosti Jacket von Waffle Patterns- Erfahrungen mit Softshell

Kommentare 56

In meinem Stoffvorrat lagert seit vielen, vielen Jahren ein großes Stück Softshell, 100% Polyester.

Ich will jetzt nicht behaupten, daß ich nicht wüßte, wie das Stoffstück in meinen Stoffschrank geraten war. Ich hatte den Stoff gekauft, im hiesigen Nähgeschäft, muß mir also durchaus über Haptik und Zusammensetzung im klaren gewesen sein. Zu meiner Ehrenrettung kann ich nur sagen, daß es zum Zeitpunkt des Kaufes, vor 5 oder 6 Jahre? noch nicht die Auswahl an hochwertigen Outdoorstoffen gab, die wir jetzt in den einschlägigen Stoffshops im Internet haben, oder sie waren mir zumindest nicht bekannt. Ich glaube, ich wollte mir damals schon ein Jacke nähen, aber die Planung ging nie über das Stadium des Stoffkaufes hinaus. Mir wurde dann auch bald klar, daß ich das gekaufte Material nicht so gerne mochte. Die Außenseite war ja ganz ansprechend mit diesem imitierten Jeanslook, aber die Innenseite mit dem Polyester-Fleece- da bekam ich schon beim Anschauen Schweißausbrüche.

Also, der Stoff lag im Regal, und ich brauchte eine wasserabweisende Jacke für die Übergangszeit. Ich wollte dem ungeliebten Stoff jedenfalls eine Chance geben, und sei es nur als tragbares Muslin für eine eventuell später zu nähende Jacke aus einem schöneren Stoff- ich dachte da an einen der schönen Oilskins, die es jetzt in so tollen Qualitäten gibt.

Die Schnittauswahl war recht einfach- den Klassiker der Softshelljacken, die Susan von Pattydoo, hatte ich rasch für mich ausgeschieden. Ich wollte weder drölfzig A4-Seiten für den Schnitt zusammenkleben noch mich mit einer Anleitung beschäftigen, die ausschließlich aus einem Video besteht.

Also mußte es die Tosti-Jacke von Waffle Patterns sein, ein Schnitt, den ich schon ganz lange bewundere. Tosti ist eine typische Outdoor-Jacke mit den entsprechenden Taschen- das ist ja sowieso eines der Markenzeichen der holländischen (oder eigentlich japanischen) Designerin Yuki, daß sie eine unglaubliche Vielzahl von Taschenoptionen an ihren Schnitten offeriert. So kann man bei Tosti zwischen verschiedenen aufgesetzten Taschen für das Vorderteil wählen, Brusttaschen, Ärmeltaschen, Taschen mit oder ohne Reißverschluß. Das Highlight ist natürlich die Paspeltasche, die innen im Vorderteilbeleg eingearbeitet ist. Das war glaube ich auch das Detail, in das ich mich zuerst bei diesm Schnitt verliebt hatte.

Sonst ist der Schnitt klassisch: das Rückenteil hat Teilungsnähte, im Vorderteil gibt es einen Brustabnäher. die Ärmel sind geteilt, aber horizontal in Ellbogenhöhe. Verschlossen wird die Jacke mit einem Zweiwegereissverschluss, die Kapuze ist abknöpfbar. Der Schnitt ist gefüttert, es gibt selbstverständlich einen extra Futterschnitt.

Ich schreibe jetzt hier, daß es „selbstverständlich“ einen Futterschnitt gibt- ja , ich denke, es gibt einige Dinge, die man von einem gutgemachten und entsprechend hochpreisigen Schnittmuster erwarten kann. Alle diese Erwartungen werden von diesem Schnitt erfüllt. Die Anleitungen bei Wafflepatterns sind zwar knapp, aber treffen alles immer genau auf den Punkt. Die Grafiken in der Anleitung sind einfach toll, schon deshalb lohnt sich der Kauf des Schnittes.

Ich habe Größe 40 gewählt, eine Größe oberhalb der nach meinen Maßen zutreffenden Größe, und den Schnitt um 5 cm verlängert. Viele Näherinnen berichten darüber, daß die Jacke eher knapp ausfällt. Sonst habe ich nichts geändert, ich hatte das ganze ja auch eher so als Probemodell geplant. Und so hatte ich das Futter auch nicht schon zu Beginn zugeschnitten, sondern ich wollte erst mal warten. Wenn das Modell gut werden würde, nur dann würde ich dem Innenleben mit einem Libertystoff eine entscheidende Aufwertung zukommen lassen- und wenn nicht, irgendeinen Futterstoff dafür nehmen.

Ich hatte mich im Vorfeld über die Verarbeitung von Softshell belesen und wußte schon, daß man den Softshell ganz normal nähen kann, aber am besten weder Stecknadeln verwenden noch heften solle. Bügeln sei auch nicht so angebracht bei diesem Material. Also alles, was mir beim Nähen Spaß macht, sollte ich diesmal vermeiden- na gut, nach einigen Monaten Lockdown ist man ja in der Technik der Spaß-Vermeidung durchaus geübt.

Die Jacke entstand übrigens größtenteils auf einem Nähwochenende, das pandemiebedingt digital stattfand. An dieser Stelle nochmals ein großes Lob und Dank an @nahtzugabe5cm und @popchrissy für Idee und Durchführung dieses Events. Ich war überrascht, wie gut die Digitalisierung auch eines Nähtreffens funktionieren kann..muß allerdings zugeben, daß ich von meinem Projekt ziemlich absorbiert war, so daß ich vermutlich nicht alle Finessen des Events mitbekommen habe.

Denn so eine Jacke ist schon ein aufwendiges Projekt und erfordert eine gewisse Konzentration, vor allem wenn es dann um so diffizile Tätigkeiten geht wie das Auseinanderhalten des rechten und linken Vorderteiles. Ist ja nicht so ganz trivial, wie rum der Reißverschluss und das entsprechende „Placket“ eingenäht wird.

Meinen ungeliebten Softshell konnte ich eigentlich ganz gut verarbeiten. Über das Verbot von Stecknadeln habe ich mich bald hinweggesetzt, denn mit den Wonderclips alleine kam ich nicht zurecht. Es entstanden wirklich kleine Einstiche durch die Stecknadeln, aber die liessen sich durch heißen Dampf beim Bügeln wieder schliessen oder jedenfalls verringern. Und mit heißem Dampf habe ich dann viel gearbeitet. Ja , Softshell läßt sich nicht richtig bügeln, aber durch Bügeln, Dampf und Druck läßt sich durchaus eine gewisse Formänderung des Stoffes erreichen. Ich hatte anfänglich ja große Bedenken, weniger wegen des Stoffes als eher um die Beschaffenheit meines Bügeleisens, aber völlig unbegründet. Mein Fazit: man kann Softshell bügeln, solange man nicht so exakte Ergebnisse wie z.B. mit einem schönen Wollstoff erwartet.

Die Nähte habe ich alle von rechts nochmals abgesteppt, damit sie flach liegen, die entstehende Doppelnaht fand ich auch ganz hübsch zur erwünschten Jeans-Optik. Schwierig wurden natürlich die diversen Taschen. Bei den Reißverschlusstaschen im Vorderteil hatte ich den Softshell mit einer dünnen Futtereinlage verarbeitet, um den Reißverschluss halbwegs sauber einzunähen. Die Tasche hat eigentlich eine sehr hübsche Falte für einen 3D-Effekt, das kam bei mir dann nicht mehr so sauber raus. Auch die Paspeltasche im Vorderteilbeleg ist nicht so ganz exakt gearbeitet, aber ich kann mit dem Ergebnis gut leben.

Sehr angetan war ich von der Paßform der Jacke. Ich habe bis auf die Verlängerung des Schnittes nichts angepaßt und war schon bei der ersten Anprobe sehr zufrieden mit dem Schnitt. Gut, der Brustabnäher sitzt etwas zu hoch, aber ich hatte ehrlich gesagt erst beim Zuschneiden realisiert, daß der Schnitt einen Abnäher hat und war dann zu faul, ihn noch zu verlegen. Insgesamt stört das aber nicht, finde ich. Ich hatte ja auch schon mal den Kellyanorak von Closetcore genäht, und im Vergleich zu Kelly hat diese Jacke eine etwas schmalere Schnittführung, die mir gut gefällt. Deshalb entschied ich mich dann auch dafür, das Futter aus einem geliebten Libertystoff zu zu schneiden. Ich hatte aus diesem Stoff, Thorpe, schon eine Bluse genäht und unmittelbar nach Fertigstellung der Bluse den Stoff nachbestellt, weil ich ihn so schön fand. Offensichtlich eine sehr spezielle Form der Stoffverarmungsangst, die mich da befallen hat- aber man weiß doch heutzutage wirklich nicht, wie lange und wo man Stoffe einkaufen kann!

Eine Jacke zu nähen ist ein aufwendiges Projekt, und gerade die finalen Schritte, Absteppung, Nähte, Knöpfe, das sind alles Tätigkeiten, die nochmals einiges an Zeit benötigen. Bei den letzten Absteppungen kam meine treue Nähmaschine an ihre Grenzen, auch Schweizer Präzision hilft bei 6-8 Lagen Softshell übereinander nicht unbedingt weiter. Aber sobald es mir gelungen war, die Stoffschichten irgenwie unter den Nähfuß zu bringen, hat sie durchaus pflichbewußt versucht zu nähen. Und den Verlust von drei zerbrochenen Nadeln kann ich verschmerzen- die Nähgeschäfte hatten zwischendurch ja wieder mal offen und ich hatte den Nadelvorrat grade reichlich aufgestockt. Druckknöpfe einschlagen gehört nicht unbedingt zu meinen Vorlieben, aber auch das bekomme ich mittlerweile hin- es ist wie gesagt nicht meine erste Jacke.

Tosti ist jetzt seit einigen Wochen in Gebrauch, und ich bin sehr zufrieden mit dieser Jacke. Sie trägt sich hervorragend, wärmt durchaus und ist zumindest wasserabweisend. In einem richtigen Regenguß habe ich sie noch nicht getragen, ich fürchte aber, daß dann die Nähte undicht werden und die Feuchtigkeit in die Softshellinnenseite läuft. Die Taschenlösungen haben sich bewährt, die Reißverschlußtaschen sind gut für die Hände und/oder Handschuhe, und in der Innentasche findet das Handy seinen Platz.

Im Vergleich zu meinem Kellyanorak von Closetcore finde ich die Tosti-Jacke etwas eleganter, falls man bei diesen Outdoor-Jacken überhaupt von Eleganz reden kann. Aber Kelly hat für mich eher etwas sportliches, wahrscheinlich durch den Kordelzug in der Taille. Und auch wenn ich die Closetcore-Schnitte wirklich gerne mag- ich glaube, daß Yuki von Waffle Patterns die sorgfältigere Schnittdesignerin ist. Vielleicht kommt mir auch einfach diese Detail-Verliebtheit in Kleinigkeiten wie diverse Taschen mehr entgegen.

Und am meisten freue ich mich darüber, daß ein ungeliebter Stoff seinen Weg zu einem alltagstauglichen Kleidungsstück gefunden hat. Ich blicke auf meinen Stoffvorat oft mit Wohlgefallen und Freude, aber manchmal auch mit Sorge- natürlich macht es keinen Sinn , die Stoffe nur im Regal zu stapeln und nicht zu gebrauchen. Mein Vorsatz für dieses Jahr war , weniger Stoff neu zu kaufen und eher die alten Vorräte zu verwenden, diese Jacke ist dafür ein schönes Beispiel.

Alle anderen Näöhprojekte des letzten Monats, aus alten und neuen Stoffen, zeigt die Galerie des Memade-Mittwochs– danke an die Crew, daß sie uns jeden Monat aufs neue diese Plattform bereit stellt!

Blusen fibremood Inges Szoltysik Memademittwoch Rock

Fibremood Paulette und Inges Bleistiftrock

Kommentare 44

Heute zeige ich ein Outfit aus Rock und Bluse. Zwei Kleidungsstücke mit ganz unterschiedlichen Entstehungsgeschichten: der Rock nach einer super Anleitung ein Maßschneiderin genäht, jedes Detail penibel entsprechend der Vorgabe umgesetzt, und eine Bluse, bei der ich mich munter über den Originalschnitt hinweg gesetzt und meine eigene Version kreiert habe.

Der Rock ist, wie man unschwer erkennen kann, ein Bleistiftrock. Genäht habe ich ihn nach dem Videokurs von Inge Szoltysik-Sparrer, auch der Stoff, ein Merinowollstoff, kam aus Inges Werkstatt. Die Maßschneiderin Inge ist ja den meisten von uns durch ihre exzellenten Videokurse bekannt, ich hatte im letzten Jahr auch noch das Glück, ein Coaching in ihrer Werkstatt besuchen zu dürfen. Wenn ich Inges Video anschaue, fühle ich mich sofort wieder in diese Werkstatt-Situation zurück versetzt, und ich glaube, daß schon dadurch automatisch alle Nähte gerader werden- und was nicht gerade ist, muß gerade gemacht werden, d. h. der Nahttrenner war bei diesem Rockprojekt mein ständiger Begleiter.

Der Rock war sicher kein Quickie, ich habe ziemlich lange daran gewerkelt. Man muß bei so einer Videoanleitung ja auch immer sich das Video angucken, manchmal geht das parallel zum Nähen, ich habe es aber meistens erstmal so angeschaut, und schon das dauert. Der Videokurs ist sehr, sehr ausführlich- ich denke, man muß sich darauf einlassen, dann kann man auch viel davon profitieren. Ich habe mich bemüht, alles genauso zu machen wie im Video, irgendwann packte mich dann auch der Ehrgeiz, es auch genauso perfekt hinzubekommen wie Inge es vormachte, deshalb der häufige Einsatz des Nahttrenners.

Ich habe natürlich schon einige Röcke oder Hosen genäht, trotzdem war mir vieles bei diesem Rock neu. Inge wendet andere Techniken z.B. bei der Bundverarbeitung und beim Reissverschluss an- auf den ersten Blick war ich überrascht und dachte oft, daß das aber alles sehr umständlich sei. Sehr rasch habe ich dann aber gemerkt, daß die scheinbar umständliche Vorgehensweise ihren Sinn hat, weil das Ergebnis einfach um Klassen besser wird. Als Beispiel kann ich das Einnähen des nahtverdeckten Reißverschlusses anführen: nach Inges Anleitung wird hierfür erst die rückwärtige Naht komplett geschlossen, im oberen Bereich, in dem nachher der Reißverschluss sitzt, allerdings nur mit großem Stich geheftet. Dann wird – natürlich!- gebügelt (bei Inge wird ständig gebügelt) und der Reißverschluss mit zwei Hilfsnähten auf dem Band des Reißverschlusses eingenäht. Erst dann kommt der Spezialfuß für den Nahtverdeckten zum Einsatz, die Heftnaht wird entfernt und die eigentliche Naht am Reißverschluss genäht- die aber dann sehr gemütlich und entspannt, denn der Reißverschluss sitzt bereits exakt und verrutscht nicht mehr. Natürlich habe ich auf diese Art drei Nähte mehr genäht als auf die andere Art, die wir von Burda und Co immer gelernt haben- dafür spare ich mir aber das Auftrennen, wenn die Nähte aber doch nicht so aufeinander treffen, wie es geplant war.

Sehr vieles wird bei diesem Rock mit der Hand genäht. Das muß man wahrscheinlich einfach wollen- mir macht es nichts aus, im Gegenteil, ich nähe sehr gerne mit der Hand, vor allem wenn es keine großen Strecken sind- mir ist eine kurze Handnaht viel lieber als eine Maschinennaht, die ich nachher wieder auftrennen muß. Auch bei der Paspeltasche wird viel mit der Hand genäht, die Technik ist auch völlig anders als bei meinen bisherigen Paspeltaschen. Das Ergebnis finde ich sehr schön, übrigens ist es zum ersten Mal, daß ich eine Paspeltasche auch von links hübsch finde.

Und die Krönung dieses Rockes, die handgestickte Fliege zur Befestigung des rückwärtigen Schlitzes, darf natürlich nicht fehlen. Mich hat sie etwas Nerven gekostet, da ich zum Sticken die Konturen mit hellblauer Schneiderkreide vorgezeichnet hatte- und diese nach der Fertigstellung nicht mehr ausbürsten konnte. Ich habe dann eine Weile rumprobiert, auf einem Test-Stoffstück konnte ich die blaue Farbe gut mit Gallseife auswaschen, aber so richtig rubbeln wollte ich an dem fertigen Rock auch nicht. Ich habe die erste Fliege dann wieder aufgetrennt und nochmals etwas größer darüber gestickt, und durch die ganzen Manipulationen hatte sich dann doch noch einiges an Kreide gelöst. Jetzt stören die hellblauen Farbreste kaum noch, finde ich.

Der Schnitt des Rockes ist schlicht, etwas nach unten eingestellt, also eben ein Bleistiftrock. Raffiniert finde ich, daß der Bund nicht durchgehend geschneidert wird, sondern an den Seitennähten angesetzt wird, so lassen sich Weitenänderungen des Rockes relativ einfach ausführen. Ich hatte ja Bedenken, daß diese zusätzlichen Nähte im Bund auftragen könnten- weit gefehlt, die Nahttechniken und vor allem das Zurückschneiden der Nahtzugaben ist so ausgefeilt, daß alles schön flach anliegt.

Also, das Video ist toll, aber es ist eben ein Video. Ich hätte mir oft noch eine schriftliche Anleitung gewünscht, vor allem zum schnellen Nachlesen von Einzelheiten. Ich bin sicher auch nicht so die videoaffine Kundin, mir ist eine schriftliche Anleitung immer lieber, das mag aber auch Geschmackssache sein. Und ob ich jetzt jeden meiner zukünftigen Röcke mit dieser Sorgfalt und Genauigkeit nähen werde, kann ich auch nicht versprechen. Ich bin nun mal keine Profi-Schneiderin, ich nähe nur für mich und habe begrenzte Zeit und Lust dafür. Aber wenn ich weiß, wie der korrekte Weg ist, kann ich ja auch mal bewußt davon abweichen. Wie so oft im Leben ist es auch beim Nähen so, daß erst das Können und die Fertigkeiten uns die Freiheit eröffnen, nach eigenem Willen zu gestalten.

Die Bluse Paulette ist das Titelmodell der aktuellen FibreMood. Ja, im Heft sieht sie etwas anders aus, und ich fand diese Version auch wunderschön und hatte sie deshalb genäht.

Quelle: Fibremood

Paulette ist eine Bluse aus Webstoff, im Vorderteil hat sie eine Prinzessnaht von der Schulter bis zum Saum. In diese Naht ist eine Rüsche eingenäht, die im Rückenteil um eine tiefe halbkreisförmige Passe herum geleitet wird. Die Rüsche hat verschiedene Breiten, die breiteste Stelle liegt über der Schulter.

Ich hatte mir lange überlegt, welchen Stoff ich für Paulette nehmen sollte. Mein hauseigenes Stofflager enthält etliche schöne Viskosestoffe, die ich mir für so ein Blüschen gut vorstellen konnte. Aber diese Stoffe waren alle bedruckt und hatten eine weiße Rückseite, das fand ich für die Rüsche nicht schön, denn die Stoffrückseite ist durchaus sichtbar. Ein Chambray war noch im Angebot, der mir aber dann zu steif für das Modell erschien- und so wurde dann dieser schöne Liberty-Stoff (Thorpe, bezogen habe ich ihn hier) aus dem Stoffstapel genommen. Die Libertys sind zwar auch nicht ganz durchgefärbt, aber die Farben sind so intensiv, daß der Stoff auch von links gut aussieht.

Die Fibremood-Schnitte passen mir recht gut, ich hatte aber auch bei diesem Schnitt im Vorfeld eine FBA (full bust adjustment ) gemacht. Ich halte mich dabei immer an die wunderbaren Anleitungen von Anne vom beswingten Allerlei, die hier die FBA bei einem Oberkörperschnitt mit Teilungsnähten erklärt.

So fing ich also munter an zu nähen, und meine genähte Fassung, zunächst noch ohne Ärmel, sah auch sehr gut aus- an meiner Puppe, wo sie eine Woche hing und jeden Abend herunter genommen wurde zum Anprobieren. Der Schnitt hat einen Stehkragen, der relativ hoch geht- das steht mir nur begrenzt, und in diesem Fall konnte ich mich nicht damit anfreunden. Nachträgliche Änderungen an einem fertigen Ausschnitt sind immer mit erheblichen Risiken verbunden, das ist schon ein größerer chirurgischer Eingriff, finde ich- in diesem Fall habe ich es gewagt, den Ausschnitt zu einem V-Ausschnitt gemacht und mit einem Beleg versäubert. Sicher nicht so ganz perfekt gelungen, aber in diesem Fall einfach die bessere Lösung, ich hätte die Bluse sonst nicht gerne getragen.

Nachdem der Ausschnitt dann so erfolgreich geändert war, nähte ich die Ärmel ein. Die Rüsche war da schon eine Weile drin, und bei meinem Anproben war das der andere Punkt, an dem ich immer wieder stutzte. Mal fand ich die übergroße Rüsche toll, mal entsetzlich- ich hatte zu diesem Zeitpunkt auch schon erkannt, daß meine Stoffwahl vielleicht doch nicht so ideal war. Die Designbeispiele im Heft waren aus einer Viskose genäht, da fließt die übergroße Rüsche schön weich über die Schulter. Mein Liberty-Stoff hat natürlich auch einen schönen Fall, aber es ist trotz allem ein Baumwollstoff, der einfach einen anderen Stand hat. Aber seht selbst, es gibt Bilder von dieser Version:


Bitte nicht an den anderen Farben stören, diese Bilder sind in der Dämmerung abends entstanden, da hat die Belichtungsautomatik der Kamera nicht mehr so gut funktioniert und die Farben sehr verfäscht, in echt sind die Farben schon so wie auf den anderen Bildern. Mein Tragegefühl in dieser Bluse war ganz ok, aber ich kam mir irgendwie verkleidet vor- und auch die Konsultation der hauseigenen Modeberatung aka Ehemann ergab das gleiche Ergebnis: die Rüsche war zu breit. Zu breit für mich und für diesen Stoff, andere Fassungen haben mich da viel mehr überzeugt.

Und so folgte der nächste chirurgische Eingriff am lebenden Objekt, das Kürzen der bereits eingenähten Rüsche. Das ist sicher auch nichts, was ich weiter empfehlen kann, denn die Rüsche war ja bereits eingekraust festgenäht, exakt abmessen oder einzeichnen war da nicht mehr drin. Aber irgendwie habe ich es hinbekommen, sie halbwegs gleichmäßig abzuschneiden. Und der Rüschensaum ist jetzt endlich auch standesgemäß: bei der ersten Version hatte ich den Saum einfach schmal mit der Maschine abgesteppt, aber ich hatte das schon beim Nähen als Vergewaltigung dieses edlen Stoffes gesehen. Jetzt habe ich den Saum mit der Hand rolliert- ja, die Kurse bei Inge haben schon nachhaltige Wirkung bei mir…

Es ist nicht so schlimm, ein Rüsche mit einem handgenähten Rollsaum zu versehen, man muß halt nur die 2-3 Stunden Zeit dafür einplanen- ich habe dabei Musik und Podcasts gehört und mich über das Gefühl gefreut, daß ich endlich die richtige Lösung für Paulette gefunden habe.

So, genug der langen Nähgeschichte, danke fürs Lesen bis hierher! Über Kommentare, Anmerkungen oder Kritik freue ich mich wie immer. Bitte nicht wundern, wenn die Kommentare nicht gleich anzgezeigt werden, sie müssen erst noch von mir freigeschaltet werden. Diese Moderation ist leider notwendig, da die Spam-Kommentare doch zu zahlreich wurden.

verlinkt: Memademittwoch

Closetcore Hose Sweatshirt The#AssemblyLine

TAL High Cuff Sweater – das Beste aus zwei Welten?

Kommentare 10

Es gibt Schnitt für Webware, und es gibt Schnitte für Maschenware. Mit gutem Grund sind das üblicherweise unterschiedliche Schnitte, denn zu verschieden sind die Eigenschaften der Stoffarten und die Verarbeitungstechniken. Natürlich werden auch immer wieder mal Schnitte angeboten, bei denen die Stoffart egal sein soll- das trifft dann aber auch auf die Güte der Paßform zu, um solche Schnitte habe ich bisher einen großen Bogen gemacht.

Eine interessante Ausnahme von dieser Regel stellt der Schnitt „High Cuff Sweater“ des schwedischen Schnittlabels The Assembly Line dar. Hier wird ein Webstoff mit einem dehnbaren Bündchen kombiniert. Der Schnitt wird in den sozialen Medien meistens aus Webstoff gezeigt, aber die Schnittbeschreibung sieht auch Jersey als Hauptstoff vor.

Wanderoutfit- nur echt mit vielen Tragefalten!

„High Cuff“ bezieht sich auf die Rückansicht, denn hier wird das Bündchen, der Cuff, bogenförmig nach oben gezogen. Das ist ein ausgesprochen witziges Detail an diesem Schnitt, das einen guten Sitz des Sweaters garantiert. Sonst ist der Schnitt unspektakulär: etwas überschnittene Ärmel, Rundhalsausschnitt, leicht nach unten gestellte Brustabnäher,Länge bis etwas über die Taille.

vor der Wanderung war das Teil wirklich gebügelt!

Die Anleitung ist so, wie man es von einer etablierten und hochpreisigen Schnitt-Firma erwartet. Alles wird gut und ausführlich beschrieben, die Nahtzugabe von 1 cm ist im Schnitt enthalten. Etwas gestutzt habe ich nur beim Ärmelschnitt: hier sind vordere und hintere Ärmeleinsatzpunkte mit der gleichen Markierung gezeichnet, aber der Ärmel ist durchaus nicht ganz symmetrisch, sondern im Vorder- und Rückenärmel verschieden, man darf die Ärmel also nur in einer Richtung einsetzen. Eine Markierung mit einem Doppelstrich am hinteren Ärmeleinsatzpunkt würde hier Klarheit schaffen.

Das Einfügen des elastischen Bündchens an den Webstoff gelingt wirklich problemlos, wobei sich bei mir dann doch einige Fältchen bildeten, die ich nicht wegbügeln konnte. Besser wäre es gewesen, die Ausschnittkante des doch recht weichen Webstoffes mit einer Einlage zu stabilisieren, so meine Erkenntnis nach dem Nähen. In der Anleitung findet sich darauf kein Hinweis, obwohl die Stoffempfehlung leichte und „midweight“ Stoffe empfiehlt.

Ja, mein Stoff…das ist auch eine interessante Angelegenheit. Es handelt sich um einen Viscosetwill von Mindthemaker, gekauft hatte ich ihn im Herbst 2019. Ich weiß noch genau, wie scharf ich auf diesen Stoff war, weil ich ihn auf vielen Bildern so schön fand. Es ist ja auch ein schöner Stoff, mit diesen rostroten Blüten auf dem grünen Untergrund. Aber in echt hat der Stoff irgendeinen düsteren Anklang, der mich lange von der Verarbeitung abgehalten hat. Dazu kommt, daß er nicht durchgefärbt ist, also eine weiße linke Seite hat, dadurch wirkt er deutlich billiger als er war. Ich habe ihn oft in der Hand gehabt, für ein Kleid, einen Rock in der engeren Wahl gehabt, aber konnte mich dazu nicht entscheiden. Jetzt wurde er verarbeitet, da Mind the Maker so schöne passende Bündchen dazu angeboten hatte. Ganz identisch war der Farbton des flaschengrünen Bündchens dann doch nicht, aber das kann man auch nicht erwarten bei so unterschiedlichen Stoffen. Auf den Bildern kommt es nicht so ganz raus, aber die Grüntöne sind eine Farbfamilie und beißen sich nicht.

Ich hatte mir einiges erwartet von diesem Schnitt, der auch in den sozialen Medien mit schönen Designbeispielen gezeigt wird. Ich hatte irgendeine ideale Mischung der verschiedenen Stoffarten mir vorgestellt, sozusagen das Beste aus zwei Welten verein…die Sportlichkeit eines Sweatshirts kombiniert mit der Eleganz einer Bluse, das war so mein Wunschtraum.

Träume gehen nicht immer in Erfüllung, und so finde ich das Gesamtergebnis ganz ok- ein Lieblingsstück wird der Sweater wohl nicht bei mir. Am meisten stört mich das Gefühl beim Anziehen- ich erwarte, ein Sweatshirt anzuziehen, und dann kommt nur dieses luftige Viskose-Feeling, das überhaupt nicht wärmt- das paßt in meiner Wahrnehmung nicht zusammen. Ich muß bei den derzeitigen Temperaturen immer eine Jacke darüber tragen. Das ist ja nicht schlimm, aber dann könnte ich auch gleich eine Bluse anziehen, die wäre dann zumindest schicker. Und die Kombination des Viskosewebstoffes mit dem Baumwollbündchen ist in meinen Augen zumindest ungewohnt…vielleicht ändert sich das noch mit längerer Tragezeit.

Die Hose, die ich dazu trage, hat aber absolut das Potential zu einem Lieblingsteil. Es handelt sich um die Sasha Trousers von Closetcore, die ich hier schon mal gezeigt habe. Die Sasha- Hose ist eine Chino aus einem dehnbaren Stoff- aus einem sehr dehnbaren Stoff, Dehnbarkeiten von 20% werden hier verlangt. Das schaffen nicht viele Hosenstoffe, in diesem Fall war es ein Stretchcord von metermeter, der so schön elastisch war und förmlich nach diesem Schnitt verlangte.

Wie immer bei meinen Hosen ist die Innenansicht spektakulärer als die Außenansicht:

Die Hose Sasha ist dank der guten Anleitung von Closetcore nicht schwer zu nähen. Ich habe die Anpassung meiner ersten Sasha übernommen, damit sitzt die neue Hose jetzt eher „knackig“. Bei längerem Tragen wie bei einer Wanderung kam mir der Gedanke, daß 0,5 cm mehr in der Schrittlänge vielleicht gut gewesen wären…andererseits ist meine Erfahrung mit Hosen aus dehnbaren Stoffen, daß sie mit der Tragedauer alle deutlich weiter werden. Ich denke, das ist das Elasthan, das mit der Zeit seine Funktion einbußt. Mit „Zeit “ meine ich jetzt wirklich viele Monate- meine erste Sasha habe ich im April 2019 genäht, viel getragen und natürlich auch viel gewaschen. Jetzt sitzt Sasha die erste sehr, sehr locker, genau wie meine Pinda-Jeans, die meine absolute Lieblings-Bequemjeans ist. Es stört mich überhaupt nicht, daß diese Hosen nicht mehr so eng sitzten, sie haben irgendwie über das Tragen eine Form angenommen, in der ich mich sehr wohl fühle. Das ist ja das Schöne an diesen viel getragenen Hosen- man gewöhnt sich aneinander, vielleicht wie in einer langjährigen Ehe.

Also, eine Hose mit Potential zum Lieblingsteil, und ein Sweatshirt mit eher experimentellem Charakter, so konnte ich die Wanderung an diesem schönen Vorfrühlingstag geniessen!

Blusen Memademittwoch Rock Schnittkonstruktion

Cordrock nach eigenem Schnitt mit Norma-Bluse

Kommentare 45

Im letzten Jahr hatte ich mir einen Jeansrock nach eigenem Schnitt genäht, der ziemlich misslungen war…zu wenig passten Schnitt, Anpassungen und Stoff zusammen. Der Stoff war zu dehnbar, der Bund leierte hoffnungslos aus und ich hatte ihn auch zu eng um die Hüfte angepaßt. Im Nachhinein hat mich das doch sehr geärgert, denn ich hatte natürlich viel Mühe in diesen Schnitt gesteckt. Einen Schnitt selbst konstruieren, das sagt sich immer so einfach. Ist ja auch einfach, von der Theorie her. Ein Rock-Grundschnitt ist relativ überschaubar aufgebaut, und Variationen wie Passe oder Taschen eigentlich nicht schwierig. Aber leider muß dafür erstmal der Schnitt kopiert werden, ausgeschnitten, Teile angeklebt, durchgeschnitten- wie man das halt so macht, wenn man kein Schnitterstellungsprogramm hat und alles mit der Hand machen muß.

Deshalb bin ich sehr froh, daß ich mir und meinem Schnitt noch eine weitere Chance gegeben habe, diesmal aus einem stabilen Breitkord von Seeyouatsix genäht. Der Breitcord ist ein sehr breiter, jede Rippe hat eine Breite von 1cm, war aber (bis auf das obligatorische Cordfusseln) sehr gut zu verarbeiten.

Der Schnitt ist wie ein Jeansrockschnitt, also mit rückwärtiger Passe und einem Hosenreißverschluss in der vorderen Mitte. Bei diesen Schnittbestandteilen bediene ich mich immer gerne bei Closetcorepatterns- die Anleitung für den Reissverschluss stammt von den Sasha Trousers, die rückwärtigen Taschen hatte ich von der Morgan Jeans genommen. Es geht doch nichts über eine reichhaltige Bibliothek von bewährten Hosenschnittmustern!

Die vorderen Taschen sind über den Bund hochgezogen und formen so eine Gürtelschlaufe, das hatte ich mir bei einem Kaufrock abgeschaut. Die Taschen sind innen mit Viskose gefüttert, ich hatte Bedenken, daß die doppelten Cordlagen sonst zu sehr auftragen. Die Taschen sind vielleicht etwas zu klein, trotzdem aber so , daß ich immer gerne meine Hände darin versenke, wie man auf den Bildern sieht.

Hinten hat der Rock einen kleinen verdecken Schlitz, um das Laufen zu erleichtern. Der Rock ist gut knielang, er ist zwar seitlich jeweils 3 cm ausgestellt, aber die Saumweite wäre trotzdem nicht komfortabel für größere Schritte. Die Anleitung für einen verdeckten Rockschlitz habe ich aus einem meiner Lieblingsbücher entnommen:

Und auch das Innenleben eines Rockes hat ja ein Recht auf schöne Gestaltung, hier fand ein vorgefertigtes Schrägband von Atelier Brunette seinen Platz.

Der Rockbund ist ein Formbund, also aus den obersten 4 cm des Rockgrundschnittes entstanden. Die runde Form, die sich daraus ergibt, finde ich immer noch abenteuerlich, vor allem wenn man sie aus einem Stoff mit einem so sichtbaren Fadenlauf zuschneidet wie es mein Breitkord war. Natürlich wollte ich die vordere Mitte im Fadenlauf zuschneiden, aber dann wird die hintere Mitte zum 45°-Fadenlauf- aber so sitzt der Bund gut, finde ich. Man hätte natürlich auch den Bund aus kleineren Teilen zuschneiden können, aber ich wollte nicht so viele vielleicht knubbelige Nähte im Bund haben. Ich hatte beide Bundteile mit stabiler Einlage verstärkt, bis jetzt behält er schön seine Form und Weite.

Die Bluse, die ich zum Rock trage, ist eine Normabluse von Fibremood, Insider haben den Schnitt sicher längst erkannt. Oder auch nicht, denn es gibt mittlerweile viele ähnliche Schnitte auf dem Schnittmustermarkt, so daß ich da auch schon den Überblick verloren habe. Dies ist jedenfalls der Fibremood-Schnitt, nicht mehr ganz im Original, da ich mir auch da nicht die Bastelei verkneifen konnte.

Die Fibremood macht ihre Schnitte gerne mal ohne Brustabnäher, vielleicht damit sie einfacher zu nähen sind? Der Original-Normaschnitt hat mir ja auch gepaßt, aber bekanntlich ist das Bessere der Feind des Guten, und so habe ich in den Schnitt einen Brustabnäher konstruiert. Ich habe eine (kleine) FBA gemacht und dadurch den Brustumfang der Bluse um 3 cm erweitert. Es sind wirklich nur kleine Abnäher, die entstanden sind, aber ich bilde mir ein, daß sie jetzt besser sitzt. In dem gemusterten Stoff ist das allerdings nicht zu erkennen.

Ach ja, der Stoff…zu gerne hätte ich jetzt irgendeinen genialen literarischen oder thematischen Schnörkel eingefügt und erklärt, warum ein belgischer Stoff mit dem schönen Namen „Tropical Garden“ genau auf dieser schneebedeckten Wiese in Süddeutschland fotografiert werden musste…ist mir leider keiner eingefallen. Aber der Stoff ist einfach ein Traum, und ich finde ja eigentlich, daß die stilisierten Bäume und Pflanzen auf dunkelgrünem Untergrund durchaus in die Landschaft passen. Der Stoff ist übrigens bei allen mir bekannten Stoffdealern, die Seexouatsixstoffe führen, ausverkauft- offenbar bin ich nicht die einzige, die diesem Stoff sofort verfallen war.

Ich hatte den Ausschnitt der Bluse etwas verkleinert, da ich sie „wintertauglicher“ wollte, und die Ärmel verlängert. Die Ärmel könnten noch länger sein, da hatte ich nicht bedacht, daß die aufgeplusterte Form auch etwas von der Länge schluckt. So sind es jetzt 7/8 Ärmel statt 3/4 Ärmel.

Unter der Bluse einen Rolli, an den Beinen Thermo-Leggins, Wanderschuhe, aber da fehlt natürlich noch eine wärmende Schicht für die Schneewanderung, eine Jacke!

Die Jacke ist selbstgestrickt. Zu gerne würde ich ganz lässig sagen, ich hätte sie mal eben zwischen Weihnachten und Neujahr gestrickt, um mein Ensemble zu ergänzen- nein, weit gefehlt.

Diese Jacke hat mir meine Mutter gestrickt, vor vermutlich 35 ? Jahren. Meine Mutter war Jahrgang 1918, gestrickt hat sie die Jacke nach meiner Erinnerung in den frühen 80er Jahren. Warum sie mir die Jacke gestrickt hat, weiß ich nicht mehr ganz genau, denn zu der Zeit habe ich selbst viel gestrickt. Wenn ich es recht erinnere, hatte sie selbst eine ähnliche Jacke, die ich mir immer wieder ausgeliehen hatte. Meine Mutter, recht pragmatisch veranlagt, hatte dann das Problem so gelöst, daß sie mir auch ein Exemplar gestrickt hat. Die Jacke ist aus Alpaka-Wolle und aufwendig mit Zopfmuster in Vorder- und Rückenteilen gearbeitet.

Ich habe die Jacke natürlich aufgehoben, über viele Umzüge und Ausräumaktionen des Kleiderschrankes hinweg- so ein Teil entsorgt man nicht. Getragen habe ich sie tatsächlich nicht viel. Erstens ist die Wolle recht kratzig, und dann die Ärmel, die sind überweit, fast schon Statement-Ärmel, das war ja nun bis zum letzten Jahr nicht modern…aber jetzt sind sie es! Und ich war so froh, daß ich meine weiten Blusenärmel schön in diesen Jackenärmeln verstauen konnte und die Jacke jetzt in dieser Bilderstrecke einen würdigen Auftritt bekommt.

Von dem schönen Breitcord hatte ich noch ein großes Reststück. Das ist ja eigentlich kein Problem, so schöne Stoffe deponiere ich gerne in der Restekiste. Aber der Cord fusselte so furchtbar…da war es mir doch lieber, ihn bald zu verarbeiten. Und da mir eine Hülle für mein Laptop schon lang fehlte, war der Verwendungszweck bald klar. Zunächst hatte ich eine einfache Hülle geplant nach dem Motto quadratisch-praktisch-gut. Aber wie es halt so ist, man schaut dann doch mal im Internet, was so an Schnittmustern auf den einschlägigen Seiten angeboten wird. Vielleicht ein Fehler, aber so wanderte rasch das Schnittmuster Kuoria von Hansedelli zunächst in meinen Warenkorb und dann auf meine Festplatte eben diesen Laptops.

leider habe ich den gemusterten Stoff verkehrt herum eingenäht…die Bäume stehen jetzt auf dem Kopf!

Ich nähe ja immer wieder gerne auch mal Taschen, einfach auch deshalb, weil dann all diese komplizierten Fragen mit Paßform und Anprobe wegfallen. Und viele Taschenschnittmuster haben so hervorrragende Anleitungen, daß sie sich fast von alleine nähen. Und dann immer dieser witzige Moment, wenn man die Tasche final wendet und das Ergebnis vor sich sieht! Ja, ich nähe wirklich gerne Taschen mal zwischendurch, und auch dieses Exemplar mag ich gerne. Den bekannten grünen Breitkord habe ich wieder mit den Oriental Gardens kombiniert- natürlich nicht mit der Viskose, aber es gibt das Muster auch als Canvas, und den hatte ich in weiser Voraussicht auch gleich mitbestellt. Alle anderen Materialien für die Tasche hatte ich zum Glück im Vorrat: ein Restchen Kunstleder, Reißverschlüsse mit (fast) passenden Schiebern und für das Futter Leinen, das ich mit Soft und Stable gequiltet habe.

Mir fällt zwar keine Gelegenheit ein, wo ich mein Rock-Bluse-Ensemble zusammen mit dem Laptop ausführen könnte…aber egal, ich bin jetzt passend mit meinem digitalen Endgerät angezogen. Von dem stark fusselnden Cord ist übrigens immer noch ein Stück übrig, mal sehen, ob nicht noch ein Geldbeutel daraus entsteht!

Was sonst so in den letzten Wochen bei den Hobbynäherinnen entstanden ist, zeigt die Galerie des Memademittwochs- bitte hier entlang!

Memademittwoch Rückblick

Liebling 2020 und Jahresrückblick

Kommentare 32

Das neue Jahr, das so angenehm leise begonnen hat, das wohl von uns allen ersehnte 2021, ist nun schon fast eine Woche alt. Auch ich möchte gerne ein Resumee ziehen über das vergangene Jahr: was habe ich genäht, was war toll, wie geht es weiter?

Heute ist der erste Mittwoch im Januar, der erste Mittwoch im neuen Jahr, und wie jedes Jahr stellt der Memademittwoch, unsere liebste (und mittlerweile fast einzige) Linkparty für die ambitionierte Hobbynäherin, die Frage nach dem Lieblingsteil 2020. Wie immer stöhne ich erstmal über diese Frage- wie soll ich mich für ein Teil entscheiden, wenn ich einiges genäht habe, was mir gut gefällt? Überhaupt ist mein Lieblingsteil immer das, was ich grade nähe oder, noch lieber, was ich nähen will. Die Liebe läßt dann im Lauf des Nähprozesses nach, manchmal sehr schnell, wenn schon das Zuschneiden ungeahnte Schwierigkeiten produziert, manchmal später, wenn die Nähfehler so sind, daß sie nicht mehr zu korrigieren sind.

Hemdblusenkleid, Schnitt von Inge Szoltysik-Sparrer

Auch Nina vom Blog vervliest und zugenäht stellt jedes Jahr im Januar die Frage nach den besten Kleidungsstücken des vergangenen Jahres. Bei ihr geht es allerdings um eine virtuelle Oscar-Verleihung, in der wir Genähtes mit einem Oscar in verschiedenen Kategorien auszeichnen können. Nun, mit virtuellen Dingen kennen wir uns ja mittlerweile alle gut aus- also auf zur Oscarverleihung!

Hemdblusenkleid, Schnitt von Inge Szoltisek-Sparrer

Dieses Kleid ist mein absolutes Lieblingsteil des letzten Jahres. Es entstand im Februar auf einem Nähcoaching-Wochende bei Inges Szoltysek-Sparrer und ist ein eigentlich schlichtes Hemdblusenkleid mit Prinzessnähten und zwei tiefen Kellerfalten im Rockvorderteil. Aber da die Passform so perfekt und die Ausführung (zumindest für mich) so gut ist, ist es für mich ein ganz besonderes Teil, das unbedingt den Oscar für den besten Hauptdarsteller verdient hat.

Und auch der Oscar für die beste Regie geht an dieses Kleid, denn eine bessere Anleitung als bei Inge kann ich mir nicht vorstellen. Wunderbar ist ja auch, daß ich die Techniken gelernt habe und nach diesem Wochenende auf einem deutlich höheren Level meiner Nähfertigkeiten war. Natürlich nähe ich zuhause nicht immer so ordentlich wie auf dem Kurs, ich denke, das muß ich auch gar nicht, ich bin ja Hobbynäherin und eben kein Profi. Aber zu wissen, wie es besser geht, ist immer gut. So zeichne ich mir jetzt fast immer die Nahtlinien ein, auch bei den Schnitten, die schon mit Nahtzugabe geliefert werden. So groß ist der Aufwand nicht, und es ist beim Nähen so eine Hilfe. Und auch die Sache mit den Handnähten erscheint nur auf den ersten Blick zeitaufwendiger- so viel schöner wird das Ergebnis, und die Zeit, die ich mit Handnähen verbringe, ist eine absolute „quality time“, wie man es auf Neudeutsch bezeichnen würde.

nie wieder ist mir später so ein perfekt eingesetzter Ärmel gelungen!

Ein schöner Nebeneffekt des Coachings war, daß Inge mir noch einen Maßschnitt für einen Oberkörperschnitt erstellt hat. Ich hatte ja auch schon selbstgezeichnete Oberkörperschnitte, aber der von Inge ist noch besser. So habe ich im Sommer zwei ärmellose Tops genäht, auch die wurden absolute Lieblingsteile. Den Oscar für die besten Nebendarsteller haben sie sich verdient!

Das Nähcoaching bei Inge ist mir auch deshalb so gut in Erinnerung, da es das letzte Freizeitvergnügen war, das ich noch unbeschwert geniessen konnte. Das Coaching war im Februar, und Ende Februar tauchten in den Medien die Berichte über die ersten Coronafälle in Heinsberg auf. Im März befand sich Deutschland im ersten Lockdown.

Eigentlich wollte ich das Wort mit dem großen C gar nicht in diesem Blogbeitrag erwähnen. Das Thema ist einfach zu komplex, um es auch nur anzureissen, und außerdem hat es mit meiner Näherei nicht so viel zu tun.

Nicht so viel heißt, daß ich meine Nählust durchaus nicht verloren habe, sondern eher noch besser ausleben konnte. Im Mai hatte ich mal 14 Tage in Quarantäne zuhause verbracht, die habe ich fast durchweg an der Nähmaschine verbracht. Was machen eigentlich die armen Menschen, die in Quarantäne sind und keine Nähmaschine haben? Genäht habe ich dieses Jahr also viel, in Zahlen: 6 Sweatshirts, 7 Röcke, 9 T-Shirts, 5 Blusen, 7 Kleider, 2 Rucksäcke, 3 Hosen, 2 ärmellose Tops und 1 Jacke. Im Vergleich zum letzten Jahr sticht vor allem die große Anzahl von Sweatshirts und Röcken heraus. Und das ist auch so eine Kombination, die ich im Alltag gerne trage, oder eben Rock und Bluse.

Sheridan Sweatshirt von HeyJune

Den Sheridan Sweater von Hey June habe ich einige Male genäht, ein schöner schlichter Sweatshirt-Schnitt mit etwas erweiterten Ärmeln, die nicht so weit sind, daß sie als Statement-Ärmel gelten können, aber doch gerade so weit, daß der Sweater etwas moderner wirkt. Und als Basis -T-Shirt-Schnitt hat sich dieses Jahr ein anderer HeyJune-Schnitt heraus kristallisiert, nämlich das St Union Tee. Davon habe ich dieses Jahr insgesamt 5 Stück genäht, in verschiedenen Fassungen. Der Schnitt ist so basic, daß es davon kaum Fotos gibt, aber auf diesem Outfit ist er zumindest mal abgebildet.

HeyJune St Union Tee

Diese beiden Schnitten von HeyJune, der Sheridan Sweater und das St Union Tee, teilen sich dieses Jahr der Oscar für den besten Schnitt. Es sind beides wunderbar solide Schnitte, gut designt mit vielen Variationen und bei mir oft genäht.

Nicht nur Kleidung entstand letztes Jahr an meiner Nähmaschine, sondern auch Rucksäcke…und hier kann ich voller Freude den Oscar für das beste Drehbuch an Frau Machwerk übergeben, die diesen tollen Rucksack entworfen hat. Ich bin keine so geübte Taschennäherin, und das mir dieses Meisterstück gelungen ist, lag einzig und alleine an der guten Anleitung.

Die Frage mit dem Ehrenoscar, der für das beste für andere genähte Kleidungsstück vergeben wird, ist dieses Jahr ganz einfach: die schönste Unterhose, die ich jemals genäht habe, ist diese Boxershorts für meinen Mann aus einem Atelier Brunette Stoff.

Den Oscar für die beste Kamera bekommt mein Mann, da er immer so schöne Bilder von mir in den genähten Kleidungsstücken macht. Da wir das immer mit Wanderungen oder anderen Outdoor-Aktivitäten verbinden, ist mein Blog auch zu einem Wandertagebuch geworden. Oft fällt uns bei einer Wanderung ein, was wir an einer bestimmten Stelle schon mal fotografiert haben. Und wenn ich mir manche Blogbilder anschaue, ist die Atmosphäre an einem bestimmten Ort an der Wanderung wieder präsent. So erinnere ich mich gerne an diese Wanderung im Spessart, an der wir das Elodie-Kleid von Closetcore fotografiert haben. Ein windiger, aber milder Spätsommertag- so ein Genuss, auf dieser Hochebene zu stehen in meinem neuen Kleid!

Ein Oscar für die besten visuellen Effekte? hmm, vielleicht diese Aufnahmen vom Sweatshirt Erin in den schneebedeckten Hängen des Kleinwalsertales?

Der Oskar für die beste Maske hat ja dieses Jahr eine besondere Bedeutung bekommen. Natürlich habe ich Masken genäht, viele Masken für mich und andere. Meistens habe ich sie nach dem Schnittmuster von Inge genäht, aus naheliegenden Gründen. Es ist ja auch ganz witzig, wenn man die Maske passend zum Kleid oder zur Bluse hat. Interessant immer die Reaktionen der Umwelt, soweit man denn soziale Kontakte in dieser Zeit hatt: eine kurze Überraschung, dann meistens die Frage, ob Maske und Bluse zusammen gekauft wurden…und dann natürlich mein grosser Augenblick, wo ich mich als Schöpferin sowohl des Kleidungsstückes als auch der Maske zu erkennen gebe.

Seamwork Bertie mit passender Maske

Ist ja alles ganz nett, aber tatsächlich ist es bei mir so, daß ich (beruflich trage ich den ganzen Tag eine Maske, keine Chance zum Home-Office!) am besten mit den Einmal-Chirurgischen Masken zurecht komme. Die Stoffmasken sind leider alle so dicht, daß ich dadurch schlecht Luft bekomme, das spricht vielleicht für meine gute Stoffqualität, ist aber mit meiner Lebensqualität eher weniger vereinbar. Meine Lebensqualität hat übrigens einen gewaltigen Auftrieb bekommen, als ich einen gut passenden Abstandshalter für die Masken entdeckt habe- es ist schon angenehm, wenn man beim Sprechen nicht mehr ständig die Maske in den Mund bekommt.

Rock selbstkonstuiert

Und dann gibt es ja auch noch die Goldene Himbeere, sozusagen den Anti-Oscar…der geht dieses Jahr eindeutig an diesen Rock. Die Auszeichnung vergebe ich deshalb so gerne, weil ich den Schnitt selbst konstruiert habe. Der Schnitt war ja auch gar nicht so verkehrt, aber ich habe einen denkbar ungünstigen Stoff gewählt: einen Elastik-Jeansstoff mit einer Dehnbarkeit von mindestens 10%, also fast wie ein Sweatstoff. Ich habe den Rock entsprechend eng gemacht- zu eng, er hat eine Bequemlichkeitszugabe von knapp 4 cm im Hüftbereich. Das könnte für eine enge Hose ganz gut sein, für einen Rock ist es definitiv zu wenig. Und der Bund leiert gnadenlos aus, trotz entsprechender Verstärkung mit Einlage. Ich hatte mittlerweile versucht, mit Gürtelschlaufen und eingezogenem Gummiband den Bund zu retten, das hat dem Rock auch nicht gut getan. Ich denke, ich werde ihn entsorgen. Aber der Schnitt an sich ist schön, und so war mein erstes Nähwerk 2021 ein Rock nach eben diesem Schnitt. Diesmal aus einem stabilen Breitcord und mit den korrekten Bequemlichkeitszugaben. Bilder folgen, demnächst in diesem Theater!

Ich freue mich auf ein wunderbares Nähjahr 2021, auf hoffentlich etwas mehr Gelegenheiten, die selbstgenähten Kleidungsstücke zu tragen, und vor allem auf den lebhaften Austausch mit meinen Leserinnen und Lesern!

fibremood Kleid Readytosew WKSA

WKSA-Finale mit Feliz und Jamie-Cardigan

Kommentare 34

Mein Weihnachtskleid ist pünktlich fertig geworden, und dazu habe ich auch noch ein passendes Jäckchen und ein Unterzieh-Shirt aus Wolle genäht. Ja, nennt mich ruhig einen Streber, aber ich bin mit meinem Ensemble sehr zufrieden, denn ohne wärmendes Obendrüber (bzw Untendrunter) wäre so ein Viskosekleidchen doch zu luftig.

Genäht habe ich das Kleid Feliz aus der aktuellen FibreMood, über die Einzelheiten von Stoffwahl und Erfahrungen beim Nähen habe ich hier berichtet. Ich habe den Schnitt in Gr 38 genäht, bis auf eine Kürzung der Rocklänge um 10 cm habe ich nichts am Schnitt geändert. Die Passform des Kleides ist akzeptabel oder überraschend gut, je nach Sichtweise. Über der Brust bilden sich Querfalten, wenn ich die oberen Knöpfe zumache, aber da ich das nicht vorhabe, stört es mich erst mal nicht. Im Nachhinein muß ich sagen, daß ich wohl doch besser ein full-bust-adjustment gemacht hätte, dabei einen Abnäher eingefügt, dann wäre der Sitz noch besser.

Die Schnitte in der FibreMood scheinen jetzt eine etwas geringere Bequemlichkeitszugabe zu haben als die der ersten Ausgaben, im Fall von Feliz sind es 10 cm im Brustumfang, das finde ich eigentlich ganz normal für einen Oberkörperschnitt. Interessant ist ja, daß viele Schnitte der Fibremood ohne Abnäher daherkommen. Ist das modern zur Zeit, soll vielleicht einen etwas kastigen Look kreieren?

Aber kastig ist an Feliz sonst nichts, denn der eingekrauste Rock und auch die mit Schlaufen hochgeschoppten Ärmel geben eher eine weiche Silhouette.

Ein sehr schönes Detail, das auf meinen Bildern in dem dunklen Stoff leider kaum zu sehen ist, ist die geschwungene Passe im Rückenteil. Ich habe die Passe übrigens gedoppelt, um eine schönere Innenansicht zu erreichen. Und ich denke auch, etwas mehr Stabilität im Schulterbereich kann bei so einem dünnen Viskosestoff nicht schaden.

Genial sind auch die Taschen, denn die sind wirklich sehr groß. Deshalb gibt es auch fast kein Bild, wo ich nicht die Hände in der Tasche habe!

Das Kleid ist dünn und wärmt nicht, mir war schon klar, daß es ein passendes Darüber benötigt. Ich hatte eine Weile mit vorhanden Jacken und Pullis experimentiert und dann gemerkt, wie die ideale Jacke zu Feliz aussehen müsste: mit V-Ausschnitt, taillenkurz und möglichst weiten Ärmeln. Diesen Schnitt gab es beim französichen Label ReadytoSew, nämlich den Jamie-Cardigan.

Ich kenne natürlich nicht alle Modelle sämtlicher Indie-Schnittmusterdesigner, aber das ist so der Bereich, wo ich mich beim Surfen im Internet gerne aufhalte. Manche Schnitte begegnen mir dann immer wieder, und so war es im Fall von Jamie auch. Ich wußte, daß es diesen Schnitt bei ReadytoSew gab, und so war die Wahl nicht schwer. Ganz einfach war die Wahl des Stoffes, als eine Stoffprobe dieses altrosa Sweatstoffes auf meinem Kleid lag- das paßte farblich so perfekt, manche Kombinationen sind eindeutig.

Jamie ist ein eher leger geschnittener Cardigan mit weit überschnittenen Schultern. Es gibt auch noch eine hüftlange Version, bei den Ärmeln kann man zwischen dreiviertellang und „normal lang“ wählen.

Mein Sweatshirtstoff enthält kein Elasthan, deshalb knittert er auch ganz ordentlich, was mich aber bei diesem legeren Modell nicht stört. Er hat eine mässige Dehnbarkeit und eine noch mäßigere Rücksprungkraft- ist dafür aber unvergleichlich kuschelig! Zum Glück gibt es passende Bündchenstoffe, sonst wäre dieser Stoff schwierig zu verarbeiten, denke ich . Und um das Glück vollkommen zu machen, gibt es sogar farblich passende Corozo-Knöpfe.

Ich schwärme deshalb so von dieser Jacke, weil sie sich rasch zu einem Star in meinem Kleiderschrank entwickelt hat…ehrlich gesagt habe ich sie fast jeden Tag an, seit ich sie fertig gestellt habe. Sie paßt aber auch zu allem , zu Jeans, zu Röcken, über Kleider…auch bei meinem wöchentlichen Pilates-Training (natürlich online, was sonst…) habe ich sie über der Fitness- Kleidung getragen, bis sie mir zu warm wurde.

Und untendrunter gibt es auch was Warmes, nämlich ein Shirt aus einem Wolljersey. Der Schnitt ist mein derzeitiger Standard-Schnitt für Shirts, nämlich das St. Union Tee von HeyJune. Auch das ist so ein Teil geworden, was ich freiwillig nicht mehr ausziehe…

Vielmehr kann ich über mein Weihnachtskleid nicht schreiben. Für mich war der WKSA dieses Jahr eine sehr entspannte Angelegenheit, ohne große Überraschungen und mit vielen positiven Näherlebnissen. Aber das war vermutlich genau das, was ich in dieser eigenartigen Zeit gebraucht hatte.

Mit diesen Impressionen, unverhoffte Sonnenstrahlen auf einem Aussichtspunkt im Kraichgau, möchte ich diesen letzten Blogbeitrag im Jahr 2020 schliessen. Danke fürs Lesen, fürs Kommentieren, Diskutieren…diese Interaktion ist für mich unglaublich wichtig geworden. Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern wunderschöne und entspannte Weihnachtstage und einen guten Start ins neue Jahr!

Alle anderen Weihnachtskleider finden sich auf dem Blog des Memademittwoch, bitte einmal hier entlang!