Memademittwoch Waffle Pattern

Tsuki Vest von Waffle Pattern

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Ich benötigte für die warme Jahreszeit ein leichtes Kleidungsstück mit vielen Taschen, um Hundezubehör, Schlüssel, Taschentücher und ähnliches zu verstauen. Also eine Funktions-Weste, oder eine cargo vest, wie ich das etwas frei ins Englische übersetzt habe und in die einschlägigen Suchmaschinen eingegeben habe. So viele Schnittmuster gibt es dafür nicht- in die engere Wahl kamen die Envigado Vest von Itch-to- Stitch und die Tsuki-Vest von Waffle Pattern. Die Wahl fiel mir nicht schwer: die Envigado-Weste fand ich zwar schicker, aber sie hat so wenig Taschen- also mußte es Tsuki sein.

Genug Taschen hat meine Funktionsweste jetzt jedenfalls- ok, ich hätte ja auch nicht alle Taschenoptionen ausführen müssen, aber wenn man dann schon mal angefangen hat…

Meine Lieblingstasche ist übrigens die im Rückenteil, denn da kann man richtig was drin verstauen, z.B. ein Hundespielzeug.

Ich habe schon einige Schnitte von Waffle Patterns genäht und bin immer wieder begeistert von der Qualität der Anleitungen. Es gibt Zeichnungen, die genau das zeigen was benötigt wird, Paßzeichen an den wichtigen Stellen und eine Anleitung, die man nur genau befolgen muß, um zu einem guten Ergebnis zu kommen. So eine Weste ist sicher kein schnell genähtes Kleidungsstück, und während des Nähprozesses war der Nahttrenner mein ständiger Begleiter, wenn mir eine Taschenecke doch zu unpräzise genäht vorkam. Mit dem Rest der Ungenauigkeiten kann ich gut leben.

Der Schnitt enthält zwei Variationen, eine eher kurze Version mit V-Ausschnitt und eine etwas längere mit Bund in der Taille und einem Kragen. Ich habe beide Versionen gemischt und eine taillenkurze Version genäht mit dem Kragen. In den Kragen kann man auch noch eine Kapuze einnähen, die sich in einer Reißverschlußtasche im Kragen verstauen läßt. Kurz habe ich überlegt, diese Kragen- Tasche auch noch zu nähen, da mich das vom technischen Vorgang her interessiert hätte, aber die Kapuze erschien mir dann doch zu unsinnig. Wozu brauche ich bei einer Weste ein Kapuze, soll ich mir bei Regen den Kopf schützen, während die Arme klatschenaß werden? Nein, das macht in meinen Augen keinen Sinn, also nur Kragen ohne Kapuze.

Ich habe hier Gr 42 genäht, das ist ein bis zwei Größen über meiner tatsächlichen Größe, aber ich wollte etwas Platz in der Weste habe, um sie auch über ein dickeres Sweatshirt tragen zu können. Über dem dünnen Shirt wirkt sie daher etwas überdimensioniert, aber dafür paßt es farblich so schön.

Der Stoff ist eine Gabardine von Atelier Brunette, die ich schon ein Weile im Vorrat hatte und die schon für verschiedene Projekte gedanklich in der engeren Wahl war. Mal war sie in meiner Phantasie schon eine Jacke geworden, öfters eine Hose, auch ein Rock (wobei diese Phantasie ganz schnell wieder verworfen war, die anderen Gedanken hatte ich immer wieder neu überlegt). Der Stoff ist wunderbar zu verarbeiten, er ist zwar recht dick, aber ganz weich und näht sich wie Butter, auch an den Stellen, wo bei den Taschenkanten so viele Lagen aufeinander trafen.

Der Schnitt sieht ein Futter vor, durchaus sinnvoll bei diesen vielen Taschen, denn sonst würde man ja das ganze unschöne Innenleben der Weste ständig sehen. Und da der schöne Libertystoff farblich so perfekt paßte, mußte er es einfach sein. Als das Futter dann irgendwann erfolgreich drin war und auch an den Ärmelausschnitten verstürzt, habe ich mich im nachhinein fast etwas geärgert, daß ich nicht doch eine komplette Jacke mit Ärmeln genäht habe. Der Arbeitsaufwand wäre kaum größer gewesen, und vielleicht wäre eine richtige Jacke doch noch vielseitiger vom Einsatz gewesen. Aber nun ist es eine Weste geworden, und ich trage sie sehr gerne.

Die Hose, die ich auf diesen Bildern trage, ist die Worker Trousers von Modern Sewing. Ich habe lange überlegt, ob ich diese Hose auf dem Blog oder in den sozialen Medien zeigen soll. Vorweg genommen: ich trage sie eigentlich ganz gerne. Es ist eine Hose in der typischen modernen Form, also weit und bequem im Hüftbereich, nach unten eher schmal zulaufend. Es gibt viele ähnliche Schnitte in dieser Paßform. Gewählt habe ich diesen Schnitt, weil ich die Präsentation der Designerin und ihre Philosophie so überzeugend fand- also das typische, wenn man sich einen teuren Schnitt einer Indie-Designerin kauft, es geht nicht nur um den Schnitt, sonder auch um eine Idee dahinter.

Ich mußte am Schnitt einiges ändern, vor allem viel Weite in der Hüfte herausnehmen, aber das ist meiner Anatomie geschuldet und hat sicher nichts mit der Qualität des Schnittes zu tun. Aber- die Anleitung ist nicht gut. Sie ist sehr knapp gehalten, nun, damit kann man leben, zumal es wohl auch noch eine ausführliche Videoanleitung dazu gibt (die aber dann extra kostet). Aber sie enthält Fehler, Ungenauigkeiten, die Zeichnungen sind schlecht und entsprechen nicht dem Text. Ich bin nicht die erste, die das moniert, es gibt einen englischsprachigen Blogartikel mit ähnlichen Aussage. Ich mag diesen Artikel hier nicht verlinken, er ist schon sehr negativ um nicht zu sagen bösartig, aber im Kern kann ich die Aussagen zur mäßigen Qualität der Anleitung bestätigen (wen der Artikel interessiert, ist leicht zu finden unter dem Titel „Sewer Beware: Worker Trousers…“ im deutschen etwa: hüte dich vor den Worker Trousers…).

Ich war mir mit der weiten Paßform zunächst unsicher, ob ich das wirklich gut an mir finden sollte. Aber dann habe ich die Hose zu einem Wochenende mitgenommen, bei dem ich einen Kammermusikkurs besucht habe (ich bin Hobby-Bratschistin) Der Kurs fand in einem feudalen Musikzentrum in der Schweiz statt, so feudal, daß in jedem Kursraum große Spiegel standen, damit der Musizierende damit seine Haltung und Performance kontrollieren möge. Und hier gefiel ich mir in der Hose ausnehmend gut, natürlich war ich auch mit passenden Schuhen und Oberteil gestylt, aber die Hose sah lässig und trotzdem schick aus- ich habe sie jeden Tag getragen und die anderen beiden mitgeführten Jeans im Koffer gelassen. Und die Kommentare der anderen Kursteilnehmer nimmt man natürlich gerne an (WAS? DIESE Hose hast Du selbst genäht?? WAHNSINN).

Insgesamt finde ich den Schnitt nicht schlecht, er hat eine moderne bequeme Form, genial sind die großen Taschen, in die man richtig was reinpacken kann. Aber aufgrund der mäßigen Anleitung kann ich ihn nur für die empfehlen, die schon einige Hosen genäht haben und daher nicht auf die Anleitung angewiesen sind.

Soviel zu meinem heutigen Outfit, dem Traum in Blautönen, der mich in diesem Frühling hoffentlich gut begleiten wird. Das Shirt ist übrigens Sewlala Paula, hier stimmt auch wieder alles, also auch die Qualität der Anleitung.

Und nun Vorhang auf für alle anderen Outfits, die am heutigen Memademittwoch gezeigt werden!

Blusen Memademittwoch The Assembly Line

Wrap Collar Shirt von The Assembly Line

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Die Schnitte des schwedischen Labels The Assembly Line bewundere ich schon lange. Ich mag ihre zeitlose Eleganz, ihre Schlichtheit und das klassische Design.

Die Schnitte von Assembly Line bewundere ich schon lange- an anderen. Auf mich wirken die Frauen, die eines der Modelle tragen, immer gut angezogen, dabei aber lässig und auf eine unaufgeregte Art sehr schick. Meine eigenen Versuche mit den Schnitten von TAL waren leider nicht so erfolgreich. Sie beschränken sich auf einen Schnitt, nämlich den HighCuff Sweater, hier verbloggt und nur ganz selten getragen. Es gab dann noch eine zweite Version, die genau so in den Tiefen meines Schrankes verschwunden ist.

Ich hatte eigentlich schon akzeptiert, daß die Schnitte von TAL einfach nichts für mich sind. Wir kennen das ja alle, daß man von dem einen Designer oder aus einer Zeitschrift einfach alles nähen kann und es werden fast immer Lieblingsteile, und bei anderen klappt das einfach nicht. Vielleicht fehlt mir auch einfach das schwedische Lebensgefühl? Egal wie, man muß ja auch nicht alles nähen…so dachte ich es mir, bis vor kurzem dieser Schnitt von TAL in den sozialen Medien auftauchte.

Quelle: The Assembly LIne

Ein ganz simpler Shirt-Schnitt, so simpel, daß er auf so überflüssigen Schnickschnack wie Abnäher oder Verschlüsse verzichtet und einfach nur kastig und grade geschnitten ist. Die Ärmel gehen kanpp bis zum Handgelenk oder werden durch eine gerade Manschette bis zur Hand verlängert. Das Highlight ist der namensgebende Kragen, der sich gewickelt in den eckigen Ausschnitt einfügt. So einen interessanten Kragen hatte ich noch nie gesehen! Ich betrachtete die Modellbilder und die wenigen verfügbaren genähten Modellbilder immer wieder. Wie das Schnittteil für diesen Kragen wohl aussehen würde? Meine Neugier war geweckt, und so landete der Schnitt bald auf meiner Festplatte.

Und der passende Stoff wurde mir auch direkt angeboten, denn eine meiner Lieblingsstoffdealerinnen hatte diesen Schnitt auch vor kurzem für sich entdeckt und diesen Stoff als sehr passend für den Schnitt empfohlen. Es ist ein Chambray, jeansblau und braun gewebt, das Material ist 100% Wolle, ganz zart gewebt. Der schöne Glanz des Stoffes läßt sich auf den Bildern nur erahnen, und das Tragegefühl ist unglaublich angenehm.

Ich habe mich für die Größe S entschieden, damit hat das Shirt im Brustbereich die üppige Bequemlichkeitszulage von 33 cm. Die Länge habe ich um 2 cm gekürzt, nachdem ich mir den Papierschnitt angehalten habe. Ich hatte ja schon Bedenken, daß der Schnitt sehr unförmig an mir wirken würde und habe eine Weile gezaudert, den schönen Stoff anzuschneiden…

Der Nähprozess verlief schnell und einfach. Die Anleitung ist gut und sehr professionell. Die einzige Schwierigkeit ist das Einsetzen des Kragens, und der ist so mit Paßzeichen versehen, daß man das gut hinbekommt. Es gibt noch die Option, einen Druckknopf am gewickelten Kragenende anzubringen, ich finde es so aber schöner.

Der so kompliziert aussehende Kragen wird übrigens ganz einfach im Bruch zugeschnitten, aufgrund der geraden Bruchkante sitzt er auch eher halsfern und steht etwas ab. Ich finde, das paßt zum Schnitt.

Und der ganze Schnitt ist wunderbar proportioniert, da war ich schon bei der ersten Anprobe sehr erleichtert. Oversize ist ja durchaus schwierig…es soll weit und lässig wirken, aber auf keinen Fall nur schlecht angepaßt oder unförmig. Dieser Schnitt schafft zumindest an mir mit meiner Figur und in dieser Größe den Spagat ganz gut, finde ich. Es ist ja meistens nicht angebracht, die Paßform eines Schnittes zu loben, denn zu unterschiedlich sind die Figuren und Tragegewohnheiten. Aber in diesem Fall paßt das für mich!

Etwas rumprobieren mußte ich mit der Ärmellänge, Bei den ersten Anproben war ich immer versucht, die Ärmel hochzukrempeln, was aber natürlich bei diesen graden Ärmeln nicht gut hält. Die als Option vorgesehene Manschette hatte ich mal angeheftet und gleich wieder abgetrennt. Interessant, was die Ärmellänge ausmacht, aber lange Ärmel bis über die Hände machten das ganze Teil irgendwie trutschig, fand ich…letztendlich habe ich dann die kurze Ärmellänge gelassen, der mit einem Beleg an der Kante versäubert wird. Diesen Beleg schlage ich dann beim Tragen gerne einmal um, das hält gut und ergibt die Illusion eines gekrempelten Ärmels.

Insgesamt fühle ich mich in meinem neuen Shirt sehr wohl. Es hat die Lässigkeit eines Sweatshirts und dabei doch die Eleganz einer Bluse, vor allem auch durch diesen schönen Stoff. Ja, so stelle ich mir das schwedische Lebensgefühl vor…

Alle anderen stoffgewordenen Lebensgefühle finden sich auf dem Memademittwoch-Blog, danke an die Organisatorinnen für Eure stetige Mühe!

Hosen Jeans Smart Pattern T-Shirt

Smart Pattern Chino

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Das Schöne, wenn man sich eine Chino näht, ist ja, daß die Pose fürs Fotografieren schon klar ist- Hände in die Tasche! Wo sollen sie auch sonst hin, die schrägen Eingrifftaschen laden ja gerade dazu ein, die Hände darin zu versenken, und damit ist eines der großen Probleme für die Hobbynäherin und -poserin schon gelöst. Und manche Paßformmängel lassen sich damit auch elegant überspielen, aber davon später mehr.

Ich habe mir also wieder eine Chino genäht. Ich hatte einen Grund dafür, denn die letzte selbstgenähte Chino ist mittlerweile nicht mehr gut tragbar. Genäht hatte ich sie 2019, hier verbloggt und gerne und viel getragen und gewaschen. Der Stoff enthielt sehr viel Elasthan, und erwartungsgemäß ist die Hose jetzt verbraucht- sie ist ausgeleiert und abgestossen, einfach nicht mehr schön. Der Schnitt, Sasha von Closet Core, gefiel mir jetzt auch nicht mehr so gut, da er relativ tief in der Taille sitzt, mittlerweile mag ich es lieber, wenn die Hosen eher hoch in der Taille sitzen.

Da ich eine relativ klare Idee davon hatte, wie die Hose aussehen sollte, ich aber auch keine Lust auf große Anpassungs-Orgien hatte, habe ich mich wieder für Smart Pattern entschieden, das Baukastensystem, das nach eigenen Maßen einen Schnitt generiert. Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht, wobei ich zugebe, daß ich ein etwas schlechtes Gewissen habe, wenn ich so einen Maßschnitt bestelle. Ja, ich könnte einen Hosenschnitt auch selbst anpassen…aber wenn dafür Zeit und Lust fehlen, ist der Smart Pattern Schnitt die bessere Lösung.

Ich komme mit den Smart Pattern Schnitten recht gut klar. Anproben erspart so ein Maßschnitt natürlich nicht. In diesem Fall hatte ich die Empfehlung der Anleitung für eine erste Anprobe befolgt und ein erstes Testmodell ohne Tascheneingriff genäht. Ich fand die Idee gut und kannte sie so noch nicht: es gibt auf dem Schnittmusterbogen ein „ganzes “ Vorderteil, auf dem die seitlichen Tascheneingriffen nur eingezeichnet sind. Man schneidet zunächst das Papierteil und auch das Stoffteil komplett, also ohne Taschen und heftet die ganze Hose zusammen. Nach der Anpassung trennt man dann den Tascheneingriff sowohl am Papierschnitt als auch am Stoff ab und näht erst dann die Tasche. Das ist sozusagen ein Nesselmodell ohne Nessel – finde ich prinzipiell sehr hilfreich. Gerade bei Hosen ist es schwierig, die Paßform nach einem Modell aus einem anderen Stoff zu beurteilen, da der Hosenstoff sich nachher doch wieder ganz anders verhält. Insbesondere wenn der Stoff etwas dehnbar ist, hilft mir ein Modell aus einem unelastischen Baumwollstoff oft nicht so sehr weiter.

Aber auch diese Methode hat ihre Tücken. Mein Probemodell, also ohne Taschen, saß recht gut, fand ich. Ich hatte dann noch etwas Weite an den Seitennähten ausgelassen, also die Nahtzugaben verringert. Als ich die Hosen dann final zusammengenäht habe und den Bund auch bereits angenäht hatte, sah ich das Problem. Natürlich paßt die Hose, der Stoff ist ja auch dehnbar, aber durch die schrägen Eingriffstaschen holt sich die Hose die Mehrweite, die sie für den Unterbauch benötigt, aus dem Tascheneingriff. Dieser klafft dann auf und es gibt eine Einbuchtung an der Seite, wo die Tasche angenäht ist. Die Seitennaht ist im oberen Bereich nach hinten verzogen.

Was man auf den Bildern sieht, ist schon das Ergebnis meiner Korrektur. Ich habe die Seitennähte dann nochmal aufgetrennt und maximal die Nahtzugabe reduziert- mit dem Ergebnis kann ich jetzt gut leben. Das letzte Bild ist sicher keines, daß ich auf Instagram veröffentlichen werde- oder vielleich doch grade? Mich nervt es schon sehr, daß ich auf Instagram keine Bilder von Hosen sehe, die nicht in der idealen Pose fotografiert sind. Und es wird schon seinen Grund haben, warum wir alle die Hände so gerne in die Taschen von Chinos stecken, denn das verdeckt zumindest auf den ersten Blick so manche Paßformmängel.

Hinterher ist man ja immer klüger, und so weiß ich jetzt, wo mein Fehler lag. Schon bei der Auswahl und Planung des Schnittes hätte ich bedenken müssen, daß diese schrägen Eingrifstaschen dazu neigen, aufzuklaffen wenn im Unterbauchbereich der Hose nicht ausreichend Platz ist. Denn natürlich benötigt der Unterbauch seinen Raum, vor allem auch beim Hinsetzen. Abhilfe kann ein Taschenbeutel schaffen, der durchgehend bis zum Reißverschluß geschnitten ist und dort festgenäht wird. Ich kenn dafür den Begriff „pocket stay“, aber sicher gibt es dafür auch eine deutsche Bezeichnung. Ich hatte einmal eine Jeans mit „pocket stay “ genäht und fand sie sehr unbequem…klar, der Taschenbeutelstoff war nicht so schön dehnbar wie mein Jeansstoff…also wie man es macht, ist es verkehrt.

Wahrscheinlich würde auch das Einbauen von Bundfalten mein Problem lösen, dann würde ja der Falteninhalt Raum für den Unterbauch bieten. Das ist vielleicht der Grund, warum Chinos auch so gerne mit Bundfalten geschnitten werden? Also, ich glaube, ich nähe mir bald noch eine Chino und beherzige alles das, was ich jetzt gelernt habe.

Aber letztendlich ist das jetzt alles Jammern auf einem hohen Niveau, den ich bin mit dieser Hose trotz aller meiner Nörgelei sehr zufrieden. Sie ist sehr bequem, das liegt sicher auch an dem schönen Stoff, der 2% Elasthan enthält. Bezogen habe ich ihn bei 1000Stoff in Berlin. Die Anleitung von Smart Pattern finde ich gut verständlich, insbesondere das Nähen der rückwärtigen Paspeltasche habe ich als sehr entspannt erlebt.

Das Shirt habe ich natürlich ausgewählt, um einen schönen Kontrast zur grauen Hose im tristen Februargrau zu haben. Genäht hatte ich es schon im Spätsommer letzten Jahres, da hatte ich plötzlich Lust auf diese für mich etwas untypische Farbe. Es ist ein zarter Rippjersey, den ich auch bei Lara in Berlin bezogen habe. Der Schnitt ist wiedermal Vera von Forgetmenot- Patterns, ein oft genähter Schnitt, der mich immer wieder begeistert.

Der Veraschnitt hat die beste Anleitung für einen V-Ausschnitt in Jerseyshirts, die ich je gelesen habe, und ich kenne mittlerweile viele Anleitungen. Der Schnitt ist immer noch gratis, aber es gibt mittlerweile die Option, etwas zu spenden, wenn man ihn herunterlädt.

Verlinkt wird dieser Beitrag mit dem Memademittwoch. Ich freue mich schon, wenn ich die anderen Beiträge lesen kann- sicher gibt es viele Inspirationen für Frühjahrsmode!

Bloggen Blusen Daughter Judy Patterns Memademittwoch

Jahresrückblick und Genra-Shirt von Daughter Judy

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Der Rückblick auf mein Nähjahr 2023 fällt mir deutlich leichter als in den letzten Jahren, denn die Anzahl der Kleidungsstücke, über die es zu berichten gilt, ist um einiges geringer als in den letzten Jahren.

Nun könnte ich ja mit Zeitmangel kokettieren und mich mit dem bekannten Spruch „ich gehöre jetzt zur Gattung der vielbeschäftigten Rentner, die nie für etwas Zeit haben!“ aus der Affaire ziehen, aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Tatsächlich ist es so, daß man als Rentner natürlich erst mal viel Zeit hat, aber die teilt man sich dann für die Dinge ein, die im Vordergrund stehen oder im Augenblick notwendig sind. Und da gehört das Nähen sicher auch irgendwo dazu, aber die Prioritäten liegen woanders. Ich merke jetzt auch zunehmend, wie sehr das Nähen in den früheren Jahren ein Ventil für den Druck war, dem ich jahrzehntelang ausgesetzt war. Mittlerweile brauche ich das Nähen nicht mehr für diesen Zweck, und so wurde es eben doch deutlich weniger. Dazu kommt natürlich auch, daß Kleiderschrank und Regale gut gefüllt sind mit schönen selbstgenähten Kleidungsstücken, auch da brauche ich eigentlich nichts mehr.

Trotz allem sind dieses Jahr 20 Kleidungsstücke für mich entstanden, und wenn ich so über die Liste blicke, trage ich sie alle auch gerne. Es gibt weiterhin einen klaren Trend zu Oberteilen, und einen genaus so klaren Trend zu Schnittwiederholungen. So sind zwei Olyashirts entstanden (Olya von Paper Theory , hier verbloggt) und drei Donny-Shirts (Donny von Friday Pattern , hier verbloggt)

Den Sweatshirt-Schnitt Capitole von Cosy Little World habe ich sogar 4mal genäht. Eine Version kann man hier sehen, die anderen drei haben es nicht auf den Blog geschafft, werden aber alle gerne getragen. Dann gab es zwei Nora-Shirts (Nora von Sew lala), eines davon hier gezeigt. Zwei Sommerkleider habe ich genäht, allerdings nach verschiedenen Schnitten…und den einen Kleiderschnitt dann nochmals als Bluse (hier nachzulesen).

Eine Neuentdeckung im letzten Jahr waren für mich die Maßschnitte von Smart Patterns. Auch wenn ich mir mittlerweile zutraue, eine Hose für mich anzupassen, ist es schon schön, so einen fertigen Schnitt nach meinen Maßen zu bekommen. So sind drei Jeans entstanden, hier verbloggt. Dann gab es noch eine Leinenhose, einen Rock und natürlich noch die aufwendige Momiji-Jacke von Waffle Patterns, die ich zwar immer noch schön finde, aber selten getragen habe. Sie wärmt nicht so richtig und ist zu schmal geschnitten, um dicke Pullis darunter zu tragen, das ist mir im Augenblick zu kalt.

Ja, und dann sind natürlich auch noch einige andere Nähwerke entstanden, z.B.diese Patchworkdecke (Lonestar Quilt, Muster und Stoffe von Das-mach-ich-nachts). Diverse Kissen habe ich genäht, Utensilien fürs Nähzimmer, Geschenke, Taschen und Täschchen…also die Nähmaschine hatte keine Zeit Staub anzusetzen.

Meine Nähpläne für 2024 sind auch durchaus bescheiden, denn konkrete Pläne oder Bedürfnisse habe ich nicht. Ich werde weiterhin versuchen, Stoffabbau zu betreiben, das Stofflager ist natürlich immer noch gut gefüllt. Über meine Stoffkäufe 2023 habe ich nicht mehr korrekt Buch geführt, wie ich es in früheren Jahren teilweise gemacht hatte (mit durchaus erschreckenden Bilanzen…).

Auch der Stoff der Bluse , die ich heute noch zeige, kommt nicht so wirklich aus dem Vorrat, er lag nur ca 3 Monate im Stoffregal.

Es handelt sich um einen Triple Gauze, als sozusagen ein Doble Gauze mit einer weiteren Schicht, das gibt es ja nicht so oft. Ich habe den Stoff beim Ausverkauf von Hello Heidi ergattert, ein Deadstock von Jil Sander. Mit dem üblichen Double Gauze- Musselin-Spucktuchstoff hat dieser Stoff nun gar nichts mehr zu tun, er hat eine richtige Substanz und ist kuschelig weich wie ein Flanell. Vielleicht ist er für den von mir gewählten Schnitt ein klein wenig zu dick, aber das Ergebnis mag ich trotzdem sehr.

Genäht habe ich das Genra Shirt von Daughter Judy Patterns. Das ist einer der vielen Schnitt für oversized geschnittene Hemden/Blusen, die zur Zeit auf dem Markt sind. Genra hat einige Besonderheiten, die in diesem Blogbeitrag einer amerikanischen Bloggerin wunderbar zusammengefaßt sind. Ich mag vor allem diesen sehr schmalen Reverskragen gerne, und in der Kombination mit den weiten Ärmeln und dem ausladenden „shirt tail“ ergibt sich ein sehr proportionierter Hemdenschnitt.

Ich habe die Größe S gewählt, das ist eher die kleinere Größe, die sich nach meinen Maßen ergibt. Die Anleitung ist völlig ausreichend, wenn man schon mal eine Bluse genäht hat, für einen Anfänger ist sie wahrscheinlich nicht ausführlich genug. Besonders stolz bin ich auf den gerundeten Saum, für die Rundung habe ich die Nahtzugabe mit einer Extranaht eingereiht und dann den Faden etwas gerafft. Ich hatte diese Technik schon oft gelesen aber noch nie probiert- hier hat es gut funktioniert.

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Jacke Memademittwoch Waffle Pattern

Momiji Walking Jacket von Waffle Pattern

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Der Nähprozess dieser Jacke hat mich durch etliche Höhen und Tiefen gerführt, wobei die Tiefen am Anfang wirklich sehr, sehr tief waren. Daß ich jetzt hier so fröhlich in die Kamera blicken kann, zeigt mir wieder mal, wie spannend und interessant doch unser wunderbares Hobby, das Nähen, sein kann.

Quelle: Waffle Patterns

Genäht habe ich die Momiji-Jacke der holländisch-japanischen Designerin Yuki, die unter dem Labe Waffle-Patterns ihre Schnitte vertreibt. Ich habe schon einiges von ihr genäht, die Jeans Pinda (hier verblogt) , den Pulli Malaga (hier) den Anzu-Rock (hier) und die wunderschöne Softshell-Jacke nach dem Schnittmuster Tosti. Wenn ich das so aufzähle, merke ich erst, wie viele Schnitte das von ihr sind, aber es hat seinen Grund. Ich war immer hoch zufrieden mit den Schnitten, sie passen mir recht gut und ich liebe die Anleitungen mit diesen tollen Grafiken, auf denen man sofort versteht, wie es gemeint ist. Es ist natürlich ein spezieller Stil, sehr sportlich und wohl auch eher für Menschen gedacht, die sich gerne draußen aufhalten und viele Taschen benötigen, das ist ja fast ein Markenzeichen der Waffle Pattern Schnitte. Also ideal für Hundebesitzer, und so hat Melanie von 500days of sewing die Momiji-Jacke sogar schon zweimal genäht (hier und hier verbloggt).

Die Momijijacke hat ein asymmetrisches Vorderteil mit einem seitlichen Reißverschluss, das ermöglicht breite und tiefe Taschen im Vorderteil. Ich habe bei meinem Modell alle verfügbaren Taschen genäht, war ursprünglich gar nicht so geplant und vielleicht auch gar nicht nötig, aber ich fand dann irgendwann soviel Spaß am Taschennähen, daß ich mir diese Freude nicht verderben wollte. Eine der vorderen Taschen ist unter der Klappe gut geschützt, da kann wirklich nichts raus- und auch kein Regen reinfallen, also der ideale Ort fürs Handy (wenn man es denn dabei hat-wenn ich mit meinem Hund spazieren gehe, habe ich es meistens nicht dabei, denn ich will mich auf den Hund konzentrieren-er soll sich ja auch auf mich konzentrieren)

Darunter ist der Handwärmer, eine absolut geniale Einrichtung: eine breite Tasche, in die man von beiden Seiten die Hände reinsteckt, um sie zu wärmen. Dann gibt es noch eine Brusttasche und eine Ärmeltasche, beide mit Reißverschluss, für so notwendige Kleinigkeiten wie Kleingeld, Schlüssel oder Hundepfeife. In der Ärmeltasche verwahre ich die Kotbeutelchen auf, sehr angenehm, wenn man dann beim abendlichen Gassigang im Dunkeln nicht erst mühsam alle Taschen nach dem notwendigen Utensil durchwühlen muß.

Und eine weitere Tasche habe ich noch ergänzt: eine einfache, nach oben auch nicht verschlossene Eingrifftasche auf dem rechten Vorderteil. Hier kann ich die Leine von Caspar unterbringen, wenn er im Freilauf ist (was sehr oft der Fall ist, er hat schon einen recht zuverlässigen Rückruf und darf daher oft ohne Leine laufen). Das Fach für die Leine muß logischerweise nicht wassergeschützt sein, und da die Leine meistens verdreckt ist, ist es gut, sie fernab von anderen sauberen Taschen zu haben.

Der Schnitt enthält sowohl ein Version mit Kapuze, die ich hier zeige, als auch eine mit einem hohen Kragen. Es gibt verschiedene Ärmelabschlüsse, ich habe die Bündchen-Lösung gewählt. Ach ja, und natürlich ist auch ein Futterschnitt enthalten, denn die Jacke ist selbstverständlich gefüttert.

Also, am Schnitt lag es wirklich nicht, daß ich so lange mit diesem Nähprojekt gehadert habe. Nein, es war meine Stoff-Wahl, die mich wirklich lange sehr unsicher gemacht hat. Denn soviel Freude es mir auch normalerweise macht, einen passenden Stoff für ein Projekt zu wählen, in diesem Fall fand ich es sehr schwierig. Klar, der Stoff sollte halbwegs regentauglich sein. Ich wollte nicht unbedingt eine perfekte Regenjacke, denn ich hatte nicht vor, mit dieser Jacke stundenlang durch strömenden Regen zu marschieren- das macht auch mein kleiner Partner am anderen Ende der Leine nicht mit. Aber so einige Regentropfen sollte die Jacke aushalten und der Stoff etwas wasserabweisend sein. Mein Wunsch-Stoff, nachdem ich eine Weile gesucht hatte, war einer der Trenchcoat-Stoffe, die oft als Deadstock von Stoff-Händlerinnen angeboten werden. Da gab es auch manche Angebote, aber irgendwie war ich immer zu spät und der Stoff in der gewünschten Menge oder Farbe ausverkauft. Einen richtigen Funktionsstoff mit viel Kunststoff wollte ich auch nicht nehmen, außerdem gefielen mir die Farben da nicht. Irgendwie kam ich dann doch immer wieder auf Oilskin, den ich schon für diverse Taschen verarbeitet hatte und eigentlich gute Erfahrung gemacht hatte.

Und so so entschied ich mich für diesen Stoff, einen Dry Oilskin in freundlichem Grau, GOTS zertifiziert. Die Wahl des Futters war einfach: das mußte ein kuscheliger Flanell sein, dieser ist von Robert Kaufman, bezogen habe ich beide Stoffe hier. So weit, so gut…als ich aber dann mein Päckchen erhielt und die Stoffe auspackte, war ich entsetzt. Die knapp 3 m Oilskin zusammengefaltet schienen mir ein einziges hartes Brett, undenkbar, daraus ein Kleidungsstück zu nähen! Der kuschelige Flannell, der in echt noch viel hübscher war als auf dem Produktfoto, tröstete mich kaum.

Ich ließ das ganze erstmal liegen, die Beschäftigung mit der Hardware, also Reißverschluss , Ösen und anderem Zubehör zog sich sowieso noch hin, und ich konnte guten Gewissens etwas prokrastinieren.

Als dann alles zusammen war, sah es in der Kombination doch ganz hübsch aus…und wenn der Oilkin auseinandergefaltet war, schien er auch nicht mehr ganz so brettartig. Also beschloß ich , einfach mal anzufangen und nach den ersten Nähschritten zu überlegen, ob ich die Jacke fertig stellen würde.

Der Zuschnitt versöhnte mich mit dem Oilskin- der ist wirklich so super zu verarbeiten. Man kann gut darauf anzeichen, er verrutscht nicht beim Schneiden und verzieht sich nicht. Und das Beste: er muß nicht mit Einlage verstärkt werden! Er ist ja von sich aus schon steif, abgesehen davon, daß er das Aufbügeln der Einlage nicht überstehen würde. Richtig bügeln darf man Oilskin nicht, aber so ein bisschen anwärmen mit dem Bügeleisen, ganz vorsichtig mit Tuch dazwischen, das geht schon. Und ansonsten war er prima zu falzen und zu knicken, so daß diese ganzen komplizierten Taschenkonstruktionen wunderbar zu machen waren.

Aber andere Dinge fand ich schwierig zu nähen, schon bei den Teilungsnähte in Vorder- und Rückteil, die leicht geschwungen verlaufen, erwies sich der Oilskin als störrisch. Und beim Einsetzen der Ärmel hatte ich plötzlich ein heftiges Verlangen nach einem Wollstoff, in den ich diese perfekte Armkugel einbügeln würden, schön mit viel Dampf…der Ärmelschnitt ist nämlich wirklich wunderschön, zweigeteilt mit einer hohen Armkugel, das rief einfach nach einem Wollstoff. Nun, natürlich wurden meine Wünsche nicht erhört, es blieb bei dem störrischen Oilskin, den ich dann irgendwie in den Armausschnitt reinzwängte. So ist das Leben!

Je weiter der Nähprozess fortschritt, umso zufriedener wurde ich mit dem Projekt. Als dann die Ärmel mal drin waren und ich die erste Anprobe macht, war ich komplett versöhnt mit meiner Stoffwahl. Ja, man konnte die Jacke anziehen, hatte zwar ein bisschen was von einem Panzer, aber durchaus tragbar. Und dann lag da ja auch das Futter bereit zum Zusammennähen, da hatte ich mich ja so drauf gefreut, auf diesen lang ersehnten Kuschelfaktor beim Nähen.

Aber vorher mussten noch die Futterteile mit einer warmen Einlage verstärkt werden. Es sollte ja doch eine Winterjacke werden, und Flanell und Oilskin sind durchaus nicht wintertauglich. Ich hatte mich für Meida 120 entschieden, eine dünne Polyester Einlage mit einem sehr guten Wärmevermögen, so wird sie jedenfalls beworben. Ich habe alle Futterteile mit Meida 120 zusammengeheftet und dann wie eine Stofflage behandelt. Ging ganz gut, der Kuschelfaktor stieg, bis dann am Bügelbrett der nächste Schrecken kam: Meida ist extrem hitzeempfindlich. Auch mit Bügeltuch und tiefen Temperaturen ist mir einiges der Einlage einfach weggeschmolzen. Also auch hier keine Chancen auf schön ausgebügelte Nähte- gut, ich hatte schon akzeptiert, daß ich mit diesem Projekt kein Bügeldiplom erwerben kann.

Ein Diplom für Karoanpassung kann ich hier auch nicht erwerben- das war mir schon beim Zuschnitt klar und ich fand es auch nicht so wichtig. Ich hatte relativ wenig Stoff, da der schöne amerikanische Flanell nur 1,10 m breit liegt, und so wurde die Karoanpassung nur halbherzig betrieben. Ich kann damit gut leben, zumal ich die Jacke aufgrund ihres Schnittes nie offen tragen werde.

Die Momiji ist wunderschön geschnitten, Vorder- und Rückteil sind jeweils dreiteilig plus Schulterpassen. Der Schnitt passt mir auch gut, aber er ist schon eher schmal geschnitten. Das wurde mir klar, als ich dann erstmals Futter und Aussenteil zusammen probierte. Die Futter-Ärmel hatte ich natürlich nicht aus dem Flanell zugeschnitten, sondern aus normalem Flutschi-Futterstoff- trotzdem war das ganze recht eng. Es war nicht zu eng, wenn ich wie im Nähzimmer nuir ein Shirt darunter trug, dann war die Passform sehr , sehr gut. Aber leider trägt man ja im Winter auch mal einen Pulli oder ein Sweatshirt, würde das noch unter die Jacke passen?

Als ich diese Gedanken hatte, war es zum Ändern der Jacke sowieso schon zu spät. Und sie gefiel mir so gut mittlerweile, daß ich mit diesem Manko gut leben konnte. Ich habe mittlerweile akzeptiert, daß die Jacke eher etwas für die milden Wintertage ist, an denen man eben keinen dicken Pulli unter der Jacke trägt. Dünne Pullis oder Sweatshirts sind kein Problem, sie sollten aber auch keine allzu überschnittenen Schultern haben. Denn die Schulterpartie der Momijijacke ist eher eine zarte, wie gesagt mit wunderschönen hohen Armkugeln. Das paßt vielleicht nicht ganz zur derzeitigen Mode, die ja extrem oversized ist, aber ich hoffe, daß meine Jacke diesen Modetrend überleben wird. Vielleicht tragen wir ja in 2 bis 3 Jahren wieder ganz schmale Pullis, und dann habe ich schon eine passende Jacke dazu.

Das Wärmevermögen der Jacke ist recht gut, und sie trägt sich auch wirklich angenehm. Durchs Tragen wird der Oilskin zunehmend weicher, dieses panzerartige Gefühl habe ich jetzt nicht mehr, es ist eher eine schwere, wertige Jacke, wenn ich sie anziehe. Für ganz kalte Temperaturen ist sie aber nicht ausreichend, ich finde sie ideal bei Temperaturen zwischen 5° und 15° Celsius. Aber da das ja durchaus häufige Temperaturen in den jetzigen Wintern sind, werde ich die Jacke sicher gut einsetzen können. Kombiniert habe ich die Jacke hier übrigens mit dem Anzu-Rock, ein Schnitt auch von Waffle Pattern, hier verbloggt und gerne getragen.

Momiji ist übrigens die japanische Bezeichnung für die Herbstlaubfärbung des Ahorns, und so ist es vielleicht auch ganz richtig, daß die Jacke eher für herbstliche Wetterlagen denn für tiefen Winter passend ist. Verlinkt wird dieser Beitrag allerdings mit einem Memademittwoch im Winter, dort gibt es noch viele andere schöne Kleidungsstücke zu entdecken!

Fibre Mood Hose

Naima Trousers aus der FibreMood

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Wie modern soll meine Kleidung sein? Versuche ich mit meinen Nähmodellen den aktuellen Trend zu kopieren, oder bleibe ich einem eher klassischen, zeitlosen Stil treu? Was ist überhaupt modern zur Zeit, wie erfahre ich von den aktuellen Trends?

Solche und ähnliche Fragen bewegten mich, als ich mir Gedanken über meine Herbstgarderobe machte. Eine Hose stand oben auf der Liste, vielleicht aus einem der zahlreichen Jeansstoffe, die im Stoffregal auf ihren großen Auftritt warten. Oder eine Leinenhose? Auch da gab es Stoff im Vorrat. Und gut passende Hosenschnitte habe ich natürlich im Repertoire, oder traue mir zumindest zu, einen Schnitt anzupassen.

Aber dann lag die neue Fibre Mood im Briefkasten. Ich mag die Fibre Mood ja schon sehr gerne und habe sie deshalb abonniert, als einzige Nähzeitschrift. Ich mag die Aufmachung der Zeitschrift, die Anleitungen sind korrekt und vor allem die Schnittmusterbögen so übersichtlich, dass das Abpausen der Schnitte wirklich keine Strafaufgabe ist. Man könnte die Schnitte sich auch als pdf schicken lassen, aber dafür war ich dann bisher doch zu geizig.

Die Präsentation der Schnitte ist so gekonnt, daß ich nach dem ersten Durchblättern der Zeitschrift oft schon im Geist meine vorhandenen Stoffe irgendeinem Modell zuordne und mich am liebsten sofort an die Nähmaschine setzen würde. Also ein gelungenes Marketing- das sieht man dann auch großzügig über die bekannten Kritikpunkte hinweg. Auch in der Fibre Mood ist die Altersspanne der Modelle weit unterhalb der Generation 30+, und ich glaube, jenseits von Gr 42 wird auch kein Modell präsentiert. Das muß nicht so sein, in der Ottobre z.B. werden viele Modelle von älteren Frauen oder Frauen in großen Kleidergrößen gezeigt. Aber die Ottobre-Modelle reizen mich auch nicht so sehr zum Nachnähen wie die Fibre Mood…also das Marketing ist schon erfolgreich.

Und so habe ich mich in der aktuellen Ausgabe gleich in die Hose Naima verliebt. Moderne , weite Form, zwei Bundfalten vorne, und eine Länge, die wir noch vor einigen Jahren etwas pikiert als Hochwasserhose bezeichnet hätten- jetzt heißt es 7/8 Länge und ist offensichtlich sehr im Trend. Ja, diese Hose wollte ich nähen, mußte ich nähen, jetzt sofort!

Quelle: Fibre Mood

Über die Stoffwahl habe ich dann einen halben Tag gegrübelt. Stoffe mit etwas Stand wurden empfohlen, aber auch Wolle oder Cordsamt als Beispiel genannt. Ich wollte einen schönen petrolfarbenen Leinenstoff vernähen, das war vielleicht doch nicht die beste Idee, denn die Bundfalten fallen doch nicht so exakt wie auf dem Beispielfoto. Andererseit trägt das Modell vermutlich eine frisch gebügelte Hose beim Shooting, diesen Luxus hatte ich bei unserer Fotowanderung natürlich nicht. Aber dafür ist bei mir das Landschaftspanorama schöner , finde ich!

Von vorne sieht die Naima-Hose wie eine „richtige“ Hose mit Reißverschluß und Knopf aus, hinten im rückwärtigen Bund sorgt ein kurzes Stück Gummiband für einen guten Sitz in der Taille. Also sozusagen vorne hui, hinten pfui, wobei ich ja die Gummizuglösungen nicht mehr so schlimm finde.

Genäht habe ich die Größe 36, von meinem Hüftmaß ausgehend, und zur Taille hin zu Gr 38 gradiert. Die Länge des Gummibandes, die die Bundweite bestimmt, habe ich durch Anprobieren festgelegt. An der Hinterhose habe ich noch ein flat seat adjustment durchgeführt, wie ich es bei allen Hosenschnitten mache. So bin ich mit dem Sitz der Hose recht zufrieden.

Ich hatte beim Nähen noch überlegt, ob ich Gürtelschlaufen ergänzen soll, denn dies ist einer von den Hosenschnitten, die wirklich in der Taille sitzen müssen und mein weicher Leinenstoff erweckte in mir den Eindruck, daß er ganz gerne auch der Körperwärme und dem Druck der Bauchweichteile nachgeben würde. Mit einem stoffbezogenen Gürtel konnte ich mir die Naima-Hose auch gut vorstellen, und der hätte dann das pfui-Gummiband hinten etwas verdeckt…. Aber diese Bedenken waren nicht begründet, der Gummizug hinten sorgt wirklich für einen stabilen Sitz.

Also, Hose fertig, alles gut? Nicht ganz, denn die Silhouette dieser Hose ist mir immer noch etwas fremd Die Hosenbeine sind im Oberschenkelbereich sehr, sehr weit. Als Kombinationspartner bieten sich nur eher figurbetonte Oberteile oder taillenkurze Pullover an. Beim taillenkurzen Pullover ist immer das Problem, daß der Bauch bei gewissen Armbewegungen freigelegt wird- muß man mögen. Ich bleibe lieber bei den Oberteilen, die ich in die Hose reinstecke, wie hier das Nora-Shirt von Sewlala. Ein schöner Shirtschnitt, genau das richtige Mittelmaß zwischen eng und körperumspielend, deshalb ist dies auch schon das zweite Norashirt, das ich genäht habe.

Mittlerweile habe ich die Hose schon einige Male getragen und freunde mich zusehend mehr mit ihr an. Sie hat natürlich auch den großen Vorteil, daß sie bequem ist durch ihre üppige Weite im Oberschenkelbereich. Trotzdem werde ich sie nicht als Wanderhose regelmäßig einsetzen, denn der Stoff ist doch etwas fleckenempfindlich. Kleines Drama am Rande unserer Fotosession: mein Hund Caspar, eigentlich sehr vorsichtig mit Wasser (schwimmen kann er noch nicht), stürzte in den Teich, an dem wir Bilder gemacht haben. Wir haben ihn natürlich gleich wieder rausgezogen, es ist ihm gar nichts passiert, aber den Schrecken war doch groß. Und dann brauchte er erst mal eine Runde Kuscheln auf Mamas Schoß- die Hose wanderte zuhause in die Waschmaschine.

Also, mein Abenteuer mit der modernen Hose ging doch ganz gut aus, wobei ich mir glaube ich als nächstes doch wieder eine ganz klassische Jeans nähen werde..

Alle anderen Nähwerke, ob abenteuerlich oder nicht, finden sich auf dem Memademittwoch-Blog. Herzlichen Dank für die Verantwortlichen, die immer so treu diese Plattform bereitstellen!

Grainline Kleid Memademittwoch

Austindress von Grainline Studio

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Die Idee zu diesem Kleid entstand an einem der sehr heißen Tage im Juli. Es war einer der Tage, an dem schon der Gedanke an enganliegende Kleidungsteile oder wärmende Stoffschichten mir die Schweißperlen ins Gesicht trieb. Ich benötigte ein ganz leichtes Kleid, weit schwingend, ohne Ärmel, und natürlich aus Leinen, dem Sommerstoff schlechthin.

Stoff lag im Regal, ein eher dünner karierter Leinenstoff von der britischen Traditionsfirma Merchant und Mills. Man kann natürlich fragen, ob die Briten mit ihrem kühlen Landesklima für dünne Leinenstoffe die richtige Adresse sind, aber dieser Stoff ist einfach ein Traum. Ein zartes Karo in hellgrau und weiß, und wunderbar zu vernähen und zu tragen. Die leinentypischen Knitter gehören undbedingt dazu!

Meine Wahl fiel auf den Austin Dress von Grainline Patterns. Es gibt viele sehr ähnliche Schnittmuster, die wie der Austindress ein eher enges ärmelloses Oberteil und dann einen hoch in der Taille sitzenden rundum eingekrausten Rock haben. Das Besondere an Austin ist der Verschluß mit zwei seitlichen Knopfleisten und einem kleinen Knopf im vorderen Halsausschnitt. Der Armausschnitt ist weit nach innen über die Schulter gezogen und schafft Bewegungsfreiheit für den Arm. Es gibt zwei aufgesetzte große Taschen, Hals- und Armausschnitte sind mit Schrägband versäubert.

Ich habe nach meinen Maßen die Größe 6 gewählt und ein Nesselmodell des Oberteiles genäht, bevor ich mein edles engisches Leinen angeschnitten habe. Nesselmodell ist ja auch nicht sehr arbeitsaufwendig, wenn es sich nur um zwei Schnittmusterteile handelt:-)

Und es hat sich gelohnt: auch wenn die Passform gar nicht schlecht war, klaffte der Armausschnitt im rückwärtigen Bereich. Durch einen kleinen Abnäher, den ich aber dann ins Halsloch gedreht habe, war das einfach zu beheben. Den Brustabnäher habe ich etwas tiefer gesetzt und das vordere Halsloch nach unten vertieft. Das sind aber für mich alles keine ungewöhnlichen Änderungen.

Ich trage übrigens einen Sport BH unter diesem Kleid, damit man die BH Träger nicht so sieht. Der Sport BH ist dunkelgrau und schimmert etwas durch, mich stört das nicht weiter.

Ich finde das Schnittmuster sehr schön und durch die Knopfleisten auf beiden Seiten auch sehr besonders. Überrascht war ich, daß im Netz und in den einschlägigen sozialen Medien wenig genähte Beispiele von Austin zu finden sind. Aber die Designerin von Grainline Studio ist auch eine von denen, die wenig Wind um neue Schnittmuster machen und eher versucht, durch Qualität zu überzeugen, das finde ich sehr sympathisch.

Und Qualität hat dieser Schnitt, vor allem die Anleitung ist sehr gut. Alle Arbeitsschritte sind ausführlich erklärt und es wird großen Wert auf eine saubere Innenverarbeitung gelegt. Es gibt mittlerweile auch einen Sewalong zu diesem Schnitt, allerdings nur als Video. Früher waren die Sewalongs bei Grainline noch als Texte zu finden, aber auch hier wird mittlerweile auf den Reiz der bewegten Bilder gesetzt…schade, ich finde es immer schöner, etwas nachzulesen, vor allem wenn es in einer Fremdsprache, wie hier englisch, dargestellt wird.

Das Einkräuseln des Rockes ist ein bisschen eine Fleissarbeit. Einkräuseln gehört nach wie vor nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, und es gelingt mir auch nie so ganz gleichmässig. Ich bin jedesmal aufs neue überrascht, daß das Ergebnis meiner ungleichmässigen Kräuselei nachher doch nicht so schlimm aussieht wie befürchtet.

Und daß meine neue Tasche, die Nousha Bag aus der aktuellen Fibremood, so gut dazu paßt, war wirklich Zufall. Ich hatte ein Materialpaket für die Tasche von meiner Lieblings-Stoffdealerin ergattert, und der graue Oilskin und das gestreifte Band sind wirklich der perfekte Match zu meinem Leinen.

Die Nousha-Bag ist eine eher schlichte Crossbodytasche, hat aber durch die eingebaute Kellerfalte doch ein überraschendes Füllungsvermögen. Handy, Regenhut, Leckerlibeutel, Frisbee und Kotbeutel finden gut Platz darin, und so ist sie gerade zu meinem festen Begleiter bei meinem Spaziergängen geworden. Der Schnitt ist simpel, Anleitung braucht man eigentlich nicht, ist aber auch nicht vorhanden, wenn man von der kurzgefaßten Anleitung im Heft absieht. Ist es eigentlich immer so, daß die Fibremoodseite mit der ausführlichen Anleitung tagelang nicht erreichbar ist?

Nachdem Kleid und Tasche fertig genäht waren, stellte sich nur noch das Problem der Bilder, denn mittlerweile war die sommerlich Hitze vorbei und wir befinden uns in einer Wetterperiode, die von verschiedenen Regentiefs dominiert wird. Ist ja an sich nicht schlimm, und die Natur braucht den Regen, aber ein Hochsommer-Leinenkleid läßt sich bei Regenwetter wirklich nicht gut fotografieren. Zum Glück gab es dann doch ein kleines Sommer-Fenster zwischen zwei Gewittern, und da sind dann diese Bilder entstanden.

Was zeigen die anderen Näherinnen denn heute am ersten August- Mittwoch? Vielleicht wurden manche durch das Regenwetter schon zu ersten Herbst-Modellen inspieriert? Ich bin gespannt und betrachte jetzt den virtuellen Laufsteg des Memademittwoch!

Blusen Closetcore Kleid Megan Nielsen Memademittwoch

Nicks Dress von Closet Core Patterns

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Das Nicks Kleid von Closet Core Patterns ist einfach ein wunderschöner Schnitt. Auf den ersten Blick gefällt der feminine Eindruck: das Kleid ist lang (im Original Maxi-Länge), hat einen Stufenrock und im Oberteil viele eingekrauste Partien. Auf den zweiten Blick sieht die geübte Hobbynäherin , daß es bei diesem Schnitt keine allzu großen Anpassungs-Orgien geben wird. Die vielen Kräusel ersetzen die Abnäher, die Passform ist insgesamt eher oversized und ein Gummiband in der Taille sorgt doch für die Illusion eines gut sitzenden Kleides. Das ganze in Verbindung mit einer guten Anleitung, denn dafür ist Closet Core Patterns ja bekannt, verspricht etliche ungetrübte Stunden Nähfreude und ein schönes Ergebnis.

Ich hatte den Schnitt ziemlich bald nach seinem Erscheinen gekauft, das war im Herbst letzten Jahres. Daß ich ihn erst jetzt genäht habe, hatte den banalen Grund, daß ich nicht genug Stoff hatte. Nein, das ist jetzt verkehrt ausgedrückt, natürlich habe ich genug Stoff, das heimische Stofflager ist gut gefüllt. Aber für dieses Kleid mit den üppigen Stufen braucht man, laut Anleitung, in meiner Größe fast 5 m Stoff, und solche großen Mengen kaufe ich selten von einem Stoff ein. Das ist ja dann schon eine finanzielle Investition, vor allem wenn man sich einen richtig schönen Stoff aussucht, und abgesehen davon ist das auch ein ganz ordentliches Gewicht an Stoff, was man da mit sich rumschleppt.

Also wurde das Projekt erst mal aufgeschoben, erst als ich jetzt in diesen warmen Tagen beschloß, mir ein Sommerkleid zu nähen, war es wieder in der engeren Wahl. Aber hatte ich einen Stoff, aus dem man vielleicht mit viel gutem Willen diesen Schnitt verwirklichen konnte? Meistens kaufe ich von Stoffen, mit denen ich keinen konkreten Plan beim Kauf verbinde, 2 m ein- für eine Bluse immer ausreichend, für ein Kleid nicht unbedingt. Mmh, vielleicht hängt es mit dieser Einkaufsgewohnheit zusammen, daß mein Blusenregal mittlerweile so voll hängt? muß ich mal überdenken…

Aber es gab da diesen schönen Double Gauze von Atelier Brunette, von dem ich in weiser Vorraussicht und sicher auch der Planung eines Kleides 2,50 m gekauft hatte. Der Stoff hat zwei Seiten: auf der einen Seite ist das Gingham-Karo groß, auf der anderen Seite klein. Ein Stoff, der zum Spielen mit den beiden Seiten einlädt, also gut geeignet für ein Kleid mit verschiedenen Schnittbereichen.

Aber die Menge war natürlich zu gering für den Originalschnitt. Also wurde gekürzt, alle Stufen etwas verkleinert und verschmälert, so daß sie auf den vorhandenen Stoff paßten. Das Kleid ist so nicht mehr Maxi, sondern eher eine Midilänge, was mir aber auch fast besser gefällt.

Der Schnitt hat eine rückwärtige Schulterpasse, die natürlich noch schöner im schrägen Fadenlauf wäre, aber dafür hat der Stoff dann nicht gereicht. Das Rückenteil ist mir beim Zuschnitt verrutscht, nun laufen die Karostreifen auf der Hälfte nicht mehr ganz waagrecht. Ja, ich weiß, ich hätte natürlich nur einlagig zuschneiden dürfen, denn mir wurde das Problem beim Zuschneiden schon bewußt. Der Stoff ist ganz weich und ließ sich kaum gerade positionieren, keine guten Vorraussetzungen für einen exakten Zuschnitt. Mittlerweile kann ich aber mit solchen Fehlern gut leben- außer irgendwelchen Nähnerds, die mich von hinten betrachten, wird dieser Faux-pas von keinem bemerkt werden.

Sehr schön finde ich den Ausschnitt des Kleides. Ein V-Ausschnitt, nicht zu tief, und eine kleine Knopfleiste mit genähten Knopfschlaufen. Der Ausschnitt wird mit Schrägband versäubert- gehört nicht gerade zu meinen Lieblingstechniken beim Nähen. Bei der Schrägbandverarbeitung gibt es ja zwei Techniken, wird z. B. hier bei Closet Core ausführlich besprochen. Die Technik, die hier für dieses Kleid angewendet wird, wird auch als „french“ , also französisch bezeichnet. Das Schrägband wird hier im ersten Schritt der Länge nach gefaltet, links auf links, und dann an die Kante angenäht. Quilterinnen werden hier die Technik erkennen, mit der sie ihr Binding an einen Quilt annähen. Aber während das Quilt-Binding als Design-Element an den Kanten sichtbar übersteht, wird es bei der Versäuberung eines Kleidungsstückes dann ganz auf die linke Seite geschlagen und dort festgenäht. Die Methode gilt als einfach und schafft auf der linken Seite eine ordentliche Versäuberung, hat aber den Nachteil, daß hier viele Stofflagen aufeinander liegen und das Ergebnis leicht etwas „knubbelig“ wird.

Bei der anderen Methode der Schrägbandverabeitung wird das Schrägband einlagig verarbeitet, rechts auf rechts an die offene Kante des Ausschnittes genäht, untersteppt und dann nach links umgeschlagen und festgesteppt. Nach meiner Meinung gibt das die schöneren Ergebnisse, ist allerdings auch etwas arbeitsintensiver. Ich habe mich bei diesem Kleid an die Anleitung gehalten und die etwas knubbeligere Form des versäuberten Ausschnittes in Kauf genommen- offensichtlich soll das hier so sein.

Die Knöpfe sollen auf dem Schrägband des linken Vorderteiles festgenäht werden. Die fertige Schrägbandversäuberung hat allerdings nur eine Breite von 10 mm, meine Knopf-Schlaufen haben einen Durchmesser von 15 mm, die Knöpfe einen von 13 mm…im Ergebnis heißt das, daß ich die Knöpfe natürlich nicht mittig auf dem Schrägband, sondern irgendwo sehr am Rand aufgenäht habe. Und überhaupt befinden sich die Knöpfe nicht in der vorderen Mitte, sonderen etwas daneben- das ist die Folge der Konstruktion dieses Ausschnittes.

Closet Core hat bei ihren Schnitten immer noch eine starre Nahtzugabe von 1,5 cm, das finde ich sehr schade. Es wäre viel sinnvoller, die Nahtzugabe zu variieren, eine Halsauschnittkante braucht eine andere Nahtzugabe als die Seitennaht eines Rockes. Könnte man natürlich auch selbst ändern, aber dazu war ich dann doch zu faul.

Also, insgesamt ein sehr erfreuliches Näherlebnis ohne allzu große Probleme, aber das war von mir auch so gewünscht in dieser sommerlichen Hitze. Mit dem fertigen Kleid hatte ich allerdings zunächst etwas gefremdelt- ich fühlte mich wie aus einem drittklassigen Western entsprungen oder zumindest aus einer der letzten Bonanza-Folgen. Aber das mag auch damit zusammenhängen, daß ich als Junghundbesitzerin das letzte halbe Jahr fast ausschließlich in Jeans verbracht habe, da fühlt man sich in jedem Kleid etwas deplaziert. Für Kaspar, den Hund, ist der weitschwingende lange Rock durchaus eine willkommene Abwechslung, die auch mal zum Reinbeissen verleidet. Wahrscheinlich sollte ich einfach mehr Röcke tragen, damit der Hund auch lernt, damit umzugehen.

Probiert habe ich dann allerdings doch noch eine andere Version des Schnittes, bei der ich die Schrägbandversäuberung durch einen Beleg ersetzt habe. Ich habe das ganze als Bluse genäht, mein Ziel war ein eher kurzes Exemplar, das ich zu taillenhochen Röcken gut tragen kann. Im Schnitt von ClosetCore ist auch eine Blusenversion enthalten, diese ist dann aber relativ lang und wirkt auf mich etwas unförmig, zumal da auch der vordere Schlingenverschluß weggelassen wird.

Ich habe für meine Bluse das Nicks-Oberteil um 5 cm verlängert, bei der Weite aber je Hälfte 2 cm reduziert, also insgesamt die Oberweite um 8 cm verringert. Es ist schon sehr viel Weite im Oberteil, die Schulterpasse fand ich aber sehr gut passend in meiner genähten Größe 8, so daß ich keine kleinere Größe wählen wollte. Auch mit der Weitenreduktion ist die Bluse immer noch schön locker fallend. Wer also so wie ich beim Nähen des Nicks-Kleides Stoff sparen muss, könnte problemlos einige cm Weite aus dem Oberteil nehmen.

Trotz der Verlängerung ist das Blüschen etwas kurz geraten, aber zu taillenhohen Röcken wie hier zum Kellyrock von Megan Nielsen ist es ein guter Kombipartner.

Der Stoff ist eine Art Broderie-Stoff, reine Baumwolle, bezogen hatte ich ihn hier. Er ist recht durchscheinend, hat dabei aber einiges an Stand, das fand ich bisher schwierig zu verarbeiten und hatte keine Verwendung dafür. Aber für so ein Experiment mit ungewissem Ausgang war er genau richtig.

Ich habe den Beleg bis knapp unterhalb des Schlingenverschlusses verlängert, Inspiration und Verarbeitung dafür kamen vom Donny Skirt von Friday Patterns, das ich ja in verschiedenen Versionen schon genäht habe. Das Shirt ist immer noch weit genug, um es über den Kopf zu ziehen, die Knopfleiste ist nur Dekoration und Stilelement. Die Knöpfe sind korrekt auf dem mit Beleg verstärkten linken Vorderteil plaziert- damit ist meine innere Nähpolizei zufrieden.

Und ich habe jetzt endlich einen idealen Kombipartner zum Kellyrock von Megan Nielsen, den ich im letzten Spätsommer noch genäht hatte. Der Rock sitzt sehr hoch in der Taille und verträgt sich daher am besten mit taillenkurzen Oberteilen, so finde ich es recht hübsch.

Ich finde, man sieht an der Blusenversion gut, wieviel Mehrweite immer noch im Oberteil steckt, obwohl ich wie gesagt schon entscheidend reduziert hatte. Und die Kräusel im Rückenteil fallen immer noch sehr schön, sogar in diesem etwas steifen Stoff.

Wenn ich das Nickskleid nochmals nähe, und das halte ich für wahrscheinlich, werde ich das Oberteil wie meine Bluse arbeiten, also mit der Weitenreduktion und der Belegversäuberung für den Ausschnitt. Oder ich nähe mal die Tunika-Version , die auch im Schnitt enthalten ist, dabei wird an das Oberteil die mittlere Rockstufe genäht, das gibt eine Tunika, die einen sehr interessanten Fall hat durch das etwas längere Rückenteil.

Also, das Nicks Kleid ist wirklich ein vielseitiger und schöner Schnitt, mit dem es sich auch gut spielen läßt. Am heutigen Memademittwoch, dem ersten im Juli, werden hier noch viele, viele andere schöne Schnitte gezeigt. So viel Inspirationen, wunderbar!

Blusen Friday Pattern

Donny Shirt von Friday Pattern

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Wie oft sollte man den gleichen Schnitt nähen, bevor es langweilig wird? Oder sollte man den gleichen Schnitt möglichst oft nähen, damit sich Schnittkauf und eventuelle Anpassungen amortisieren? Braucht man überhaupt verschiedene Schnitte, braucht man neue Schnitte, wenn das vorhandene Schnittregal schon überquillt?

Solche Fragen habe ich mir gestellt, als ich dieses Modell genäht habe. Ich zeige hier das Donnyshirt von Friday Pattern Company, genäht habe ich es in aller Ruhe, über einige Tage hinweg..immer mal hier eine Naht, dort etwas gebügelt, am nächsten Tag weitergenäht, es hat mich nichts getrieben. Nein, ich hatte keine Eile, ich wußte ja schon, daß das Ergebnis gut werden würde!

Denn diese Version ist jetzt die dritte, die ich nach dem gleichen Schnitt genäht habe. Ich hatte nach der zweiten Version minimale Änderungen am Schnitt gemacht und aus den Seitennähten etwas Weite heraus genommen, sonst war ich mit dem Schnitt so zufrieden, daß ich keinen Grund für Änderungen sah. Ich trage die drei Versionen abwechselnd, mit wachsender Begeisterung, und kann mir ein Leben ohne Donnies nicht mehr vorstellen, frei nach dem Slogan „ein Leben ohne Donnyshirt ist möglich, aber sinnlos…“- nein, im Ernst, es ist einfach ein angenehmer Schnitt.

Dabei wirkt er auf den ersten Blick wie ein Remake vom Gilbert-Shirt von Helens Closet, das ich hier gezeigt habe. Beide Shirts sind ähnlich kastig und oversized geschnitten, wobei Gilbert Brustabnäher hat, Donny ist ganz grade geschnitten. Donny hat eine deutliche größere Bequemlichkeitszugabe als Gilbert, sie beträgt im Brustbereich 18 bis 21 cm, bei Gilbert nur 13 cm. Daher kann bei Donny auf die Knopfleiste verzichtet werden und das Shirt wird einfach über den Kopf gezogen. Beide haben einen ähnlichen Reverskragen und rückwärtige Passen, die mit der Burritomethode verarbeitet werden. Gilbert bietet verschieden Versionen für den Saumabschnitt und die Ärmel an, Donny hat nur eine einzige Version mit einer leicht geschwungenen Saumlinie. Die Länge ist so , daß man das Shirt grade noch in die Hose stecken kann oder über dem Taillenbund hängen lassen kann- also eine ideale Länge. Gilbert ist auch inder cropped Version naoch 4,5 cm länger als das Donnyshirt. Es sind minimale Unterschiede, aber ich finde, Donny wirkt dadurch etwas moderner und lässiger.

Letztendlich trägt sich dieses Shirt wie ein T-Shirt , wirkt aber durch den Kragen doch etwas angezogener als ein normales Jerseyshirt. Ich würde nicht sagen, daß es schnell genäht ist, denn Kragen und Verarbeitung der rückwärtigen Passen brauchen natürlich ihre Zeit, aber es ist ein Schnitt, der sich einfach angenehm näht, keine allzu großen Schnittteile hat und natürlich auch mit einer sehr guten Anleitung punktet.

Interessant fand ich dann doch, wie verschieden meine drei Versionen aus verschiedenen Stoffen wirken. Diese, meine dritte Version, ist aus einem Viskosekrepp genäht, den ich hier bezogen habe. Ein ganz leichter und luftiger Stoff, so herrlich bei den jetzigen warmen Temperaturen, der Wind weht so schön hindurch!

Meine erste Donnybluse war auch aus Viskose, allerdings aus einem Viskose-Crinkle, so eine Art Seersucker, mit blau-weißem Gingham- Karo. Ich glaube, dieser Stoff stammte mal aus der Fibremoodkollektion, bin mir aber nicht mehr ganz sicher. Der Stoff hat viel mehr Stand, dadurch wirkt auch die ganze Form der Bluse anders.

Und für Donny Nr 2 habe ich einen meiner geliebten Libertystoffe verwendet. Das ist die Version, bei der ich am genauesten gearbeitet habe und auch den Saum mit der Hand genäht habe.

Jetzt fehlt mir noch eine einfarbige Donnybluse in meiner Sammlung. Mal sehen, ob mir der Schnitt dann doch irgendwann langweilig wird! Jetzt schaue ich mir erstmal die Galerie des Memademittwoch an, da gibt es sicher wieder viele Inspirationen für neue Schnitte.

Hosen Jeans Smart Pattern

Smart Pattern Jeans

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Smart Pattern Wide Leg Culotte

Ich habe mir wieder mal Jeans genäht…nichts ungewöhnliches, wenn man sich meinen Blog und meine genähten Modelle betrachtet. Aber ich trage einfach gerne Jeans, und deshalb nähe ich sie gerne. Ich nähe auch gerne dünne Sommerkleidchen- aber da gibt es so wenig Gelegenheiten, sie zu tragen. Also lieber eine Jeans, die viel getragen wird!

Smart Pattern Mom Jeans

Aber vor dem Nähen stehen viele andere Schritte. Wie soll die Jeans denn sitzen, welchen Schnitt nehme ich, welche Passform? Die derzeitige Hosen-Mode ist ja recht offen und bietet viele Schnittformen an. Es gibt immer noch viele Skinnyjeans, aber auch sehr weite Schnitte. Karottenhose, Schlaghose…alles ist möglich, was die Wahl durchaus nicht einfacher macht.

Der Schnittmustermarkt ist entsprechend umfangreich, und viele Schnitte ähneln einander mit kleinen Variationen. Das ist sowieso ein Problem im Schnittmusterbereich, finde ich, daß viele Schnitte sich sehr ähnlich sehen. Man könnte jetzt bösartig von Plagiat oder Kopie sprechen, aber ich denke, das liegt einfach in der Natur der Sache. Keine Designerin kann die Hose oder die Bluse neu erfinden- eine Hose hat zwei Beine, die Bluse zwei Ärmel, und zwischen drin manche Variationen…aber das meiste war schon mal da gewesen.

Und in diesem Fall wollte ich ja auch eine ganz normale Jeans nähen, die ich im Alltag tragen kann. Ich hätte auch einen meiner bewährten Jeansschnitte zurück greifen können, insbesondere die Jeans mit dem schönen Namen „I am Sunshine“ von I am Pattern trage ich sehr gerne. Da hatte ich mir ja auch mit der Anpassung große Mühe gegeben. Aber das bessere ist bekanntermassen der Feind des Guten, und so wählte ich einen anderen Weg. Schon lange wollte ich das System von Smart Pattern ausprobieren, bei dem man sich einen Maßschnitt selbst am PC designen kann, und das zu erschwinglichen Preisen.

Bei Smart Patterns gibt es eine umfangreiche Auswahl von verschiedenen Jeans-und Hosenschnitten. So umfanreich, daß mir die erste Wahl sehr schwer fiel. Da ich aber die Sunshine-Jeans so gern mochte und auch sonst die Karottenhose eigentlich an mir recht gut fand, fiel meine Wahl zunächst auf eine Mom-Jeans. Das ist die hellblaue Hose, die ich in den ersten Bildern oben zeige.

Die Website von Smart Patterns ist absolut professionell gemacht. Man wählt das Modell aus und hat dann zunächst die Wahl zwischen verschiedenen Optionen. Wie hoch soll der Bund sitzten, Paßform eher eng oder weit, Taschen eckig oder rund…gar nicht so einfach, die ersten Fragen zu entscheiden. Dann werden die eigenen Maße eingegeben, dafür gibt es auch Anleitungen zum richtigen Maßnehmen. Es werden viele Maße abgefragt, also auch Innen- und Außenbeinlänge, Umfänge von Waden und Oberschenkeln und anderes. Man bezahlt einen Betrag, der einem hochwertigen Indieschnittmuster entspricht und hat nach wenigen Minuten einen Schnitt im elektronischen Postfach, der nach den eigenen Maßen erstellt wurde.

Mir ist schon klar, daß es Schnitterstellungs-Programme gibt, aber ich finde es einfach genial, daß ich als Amateur ohne große Einarbeitung das Programm so nutzen darf. Ansonsten bietet Smart Patterns eine Sammlung von Anleitungen zum Hosennähen an, die alle gratis zugänglich sind. Die Anleitungen sind als Video oder als Text erhältlich, wobei der Text identisch zum Video ist. Die Nahtzugabe ist im Schnitt enthalten, die Nahtlinien sind auch eingezeichnet. Sehr gut ist die Anleitung für den vorderen Reißverschluß- wieder eine neue Variante für mich, aber eine, die gut funktioniert.

Das Nähen war also kein Problem, wobei ich natürlich auch schon viele Hosen und Jeans genäht habe. Ich hatte vorm endgültigen Zusammennähen die Seitennähte geheftet und alles ganz gut gefunden, geändert am Schnitt hatte ich nichts bei der hellblauen Hose. Allerdings war mein Stoff auch extrem dehnbar. Für meine Schnittversion, Momjeans in der engen Form, wurde ein Stoff mit 10% Dehnbarkeit empfohlen. Mein Stoff hatte eine Dehnbarkeit von mindestens 20%. Ich weiß nicht mehr genau, wo er herkam, er lag schon eine Weile im hauseigenen Stofflager. Ehrlich gesagt fiel die Wahl auf ihn, weil ich den Stoff weg haben wollte- ich weiß, daß das keine gute Basis für ein Nähprojekt ist. Mein Problem war auch gar nicht die Dehnbarkeit, sondern die Farbe. Der Stoff ist so richtig himmelblau, und bei der bisherigen Wetterlage war mir diese Farbe einfach total fremd. Das wird jetzt besser mit der zunehmenden Sonne, merke ich, aber ich finde die Farbe immer noch schwierig zu kombinieren.

Ich war auch anfangs mit dem Schnitt nicht glücklich. Natürlich paßte er, keine Frage, war ja nach meinen Maßen erstellt. Aber das war nicht die Mom-Jeans, die ich wollte, das war eine normale enganliegende Hose! Letztendlich lag das natürlich an meine Schnittauswahl. Im Schnittgenerator konnte man bei der Paßform zwischen eng, normal und weit wählen. Ich hatte mich für eng entschieden, da mein Stoff so dehnbar war. Hätte ich gewußt, daß mit der engen Paßform eine negative ease von 1 cm verbunden ist, hätte ich mich vermutlich für eine andere Passform entschieden

Das ist eigentlich auch mein einziger Kritikpunkt an dem System von Smart Pattern. Es werden zwar viele Optionen angeboten, aber diese werden nur mit Worten umschrieben (eng/ normal/weit) . Mir hätte es geholfen, dazu eine Maßangabe zu erhalten. Gute Schnittmuster enthalten ja auch die Maß-Angabe der fertigen Schnitteile, das hilft ungemein, die Paßform abzuschätzen. Natürlich kann man bei einem Maßschnitt nicht die fertigen Maße des Schnittes auf der Website angeben, das ist ja bei jedem Schnitt unterschiedlich. Aber eine Angabe über die Bequemlichkeitszugabe hätte mir sehr geholfen.

Beim zweiten Schnitt von Smart Patterns, den ich genäht habe, war manches schon umgesetzt, was ich für mich als negativ empfunden hatte. Vielleicht hatten andere Näherinnen auch schon meine Gedanken gehabt? Bei der Wide Leg Pants wird jedenfalls die Paßform genauer beschrieben, und ich hatte mich nach der Größenangabe ( positive ease 3,5 cm im Hüftbereich) für die normale Paßform entschieden. Nach meiner Messung komme ich allerdings auf +5 cm im Hüftbereich, das hängt wohl doch vom Ort der Messung ab. Die Hose ist nach meiner Meinung aber immer noch eng anliegend im Hüftbereich- zumindest für meine Figur.

Der Schnittgenerator bietet hier auch die Möglichkeit, die Lage der Schrittnaht zu variieren- ich habe mich hier für den tiefen Schritt entschieden, da ich bei der hellblauen Hose den Schritt auch als eher zu hoch empfunden habe. Es gibt auch verschiedene Bundformen, vor allem diese hübsche Vorderteilpasse finde ich sehr gelungen. Ich habe die kurze Variante gewählt, die als Culotte bezeichnet wird.

Ja, und dann wollte ich es doch genau wissen. Ich plante, diesen Schnitt mit meinem neuen Jeansstoff umzusetzen, den ich hier bezogen hatte. Ein italienischer Bio-Jeansstoff, GOTS-zertifiziert, mittelschwer, leicht elastisch, und einer der schönsten Jeansstoffe, die ich je vernäht habe. Und ich habe schon etliche Jeansstoffe vernäht!

Ich wollte keine Risiko eingehen und habe deshalb zwar keine Nesselmodell, aber das Modell der Topdowncenteroutmethode genäht. Topdowncenterout hatte ich im letzten Blogbeitrag schon beschrieben. Es ist eine Methode zur Hosenanpassung, bei der zuerst der Hosenbund und dann der Rest der Hose von innen nach außen angepaßt wird. Dazu wird ein einbeiniges Nesselmodell genäht. Das ganze Verfahren ist recht arbeitsaufwendig, ich habe es hier abgekürzt, da mir ja schon ein Maßschnitt vorlag. Genäht habe ich das einbeiniges Modell mit Bund und den beiden Passen im Vorder- und Rückenteil. Das habe ich zuerst angepaßt und dabei 2 cm in der Weite der Taille dazu gefügt. An der Hinterhose habe ich in der hinteren Mitte um einen cm reduziert, sonst war ich mit der Paßform sehr zufrieden. Das einbeinige Modell konnte ich auch gut nutzen, um die Taschenposition festzulegen.

Jetzt sitzt die Hose richtig gut. Oder ist es doch eine Culotte, wie sie in der Schnittbezeichnung heißt? Egal wie, mir gefällt sie!

Ergänzt habe ich nur noch eine Tasche am Oberschenkel im Cargostil. Mein vierbeiniger Begleiter hatte Sorge, daß seine Leckerli in der Hose keinen Platz finden…

Mein Fazit zu Smart Pattern: eine sehr gute Methode für alle, deren Körpermaße von den gängigen Tabellen abweichen und die trotzdem eine gut sitzende Hose mit geringem Anpassungsaufwand nähen möchten. Ganz kann man sich die Anpassung nicht sparen, das ist auch nicht zu erwarten. Jeder Schneider, der eine Maßhose näht, wird den Kunden auch zur Anprobe einige Male einbestellen.

Ich trage übrigens die himmelblaue Jeans grade richtig gerne. Mit der Farbe habe ich mich arrangiert, und durch das Tragen ist die ursprünglich sehr körperbetonte Form deutlich lässiger geworden. Das Elasthan zeigt eben seine Wirkung…also, alles richtig gemacht.

Alle anderen genähten Modelle an diesem ersten Mittwoch im Mai, der ja auch wieder ein #memademay ist, finden sich auf dem Blog des Memademittwoch.