Memademittwoch Rückblick

Liebling 2020 und Jahresrückblick

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Das neue Jahr, das so angenehm leise begonnen hat, das wohl von uns allen ersehnte 2021, ist nun schon fast eine Woche alt. Auch ich möchte gerne ein Resumee ziehen über das vergangene Jahr: was habe ich genäht, was war toll, wie geht es weiter?

Heute ist der erste Mittwoch im Januar, der erste Mittwoch im neuen Jahr, und wie jedes Jahr stellt der Memademittwoch, unsere liebste (und mittlerweile fast einzige) Linkparty für die ambitionierte Hobbynäherin, die Frage nach dem Lieblingsteil 2020. Wie immer stöhne ich erstmal über diese Frage- wie soll ich mich für ein Teil entscheiden, wenn ich einiges genäht habe, was mir gut gefällt? Überhaupt ist mein Lieblingsteil immer das, was ich grade nähe oder, noch lieber, was ich nähen will. Die Liebe läßt dann im Lauf des Nähprozesses nach, manchmal sehr schnell, wenn schon das Zuschneiden ungeahnte Schwierigkeiten produziert, manchmal später, wenn die Nähfehler so sind, daß sie nicht mehr zu korrigieren sind.

Hemdblusenkleid, Schnitt von Inge Szoltysik-Sparrer

Auch Nina vom Blog vervliest und zugenäht stellt jedes Jahr im Januar die Frage nach den besten Kleidungsstücken des vergangenen Jahres. Bei ihr geht es allerdings um eine virtuelle Oscar-Verleihung, in der wir Genähtes mit einem Oscar in verschiedenen Kategorien auszeichnen können. Nun, mit virtuellen Dingen kennen wir uns ja mittlerweile alle gut aus- also auf zur Oscarverleihung!

Hemdblusenkleid, Schnitt von Inge Szoltisek-Sparrer

Dieses Kleid ist mein absolutes Lieblingsteil des letzten Jahres. Es entstand im Februar auf einem Nähcoaching-Wochende bei Inges Szoltysek-Sparrer und ist ein eigentlich schlichtes Hemdblusenkleid mit Prinzessnähten und zwei tiefen Kellerfalten im Rockvorderteil. Aber da die Passform so perfekt und die Ausführung (zumindest für mich) so gut ist, ist es für mich ein ganz besonderes Teil, das unbedingt den Oscar für den besten Hauptdarsteller verdient hat.

Und auch der Oscar für die beste Regie geht an dieses Kleid, denn eine bessere Anleitung als bei Inge kann ich mir nicht vorstellen. Wunderbar ist ja auch, daß ich die Techniken gelernt habe und nach diesem Wochenende auf einem deutlich höheren Level meiner Nähfertigkeiten war. Natürlich nähe ich zuhause nicht immer so ordentlich wie auf dem Kurs, ich denke, das muß ich auch gar nicht, ich bin ja Hobbynäherin und eben kein Profi. Aber zu wissen, wie es besser geht, ist immer gut. So zeichne ich mir jetzt fast immer die Nahtlinien ein, auch bei den Schnitten, die schon mit Nahtzugabe geliefert werden. So groß ist der Aufwand nicht, und es ist beim Nähen so eine Hilfe. Und auch die Sache mit den Handnähten erscheint nur auf den ersten Blick zeitaufwendiger- so viel schöner wird das Ergebnis, und die Zeit, die ich mit Handnähen verbringe, ist eine absolute „quality time“, wie man es auf Neudeutsch bezeichnen würde.

nie wieder ist mir später so ein perfekt eingesetzter Ärmel gelungen!

Ein schöner Nebeneffekt des Coachings war, daß Inge mir noch einen Maßschnitt für einen Oberkörperschnitt erstellt hat. Ich hatte ja auch schon selbstgezeichnete Oberkörperschnitte, aber der von Inge ist noch besser. So habe ich im Sommer zwei ärmellose Tops genäht, auch die wurden absolute Lieblingsteile. Den Oscar für die besten Nebendarsteller haben sie sich verdient!

Das Nähcoaching bei Inge ist mir auch deshalb so gut in Erinnerung, da es das letzte Freizeitvergnügen war, das ich noch unbeschwert geniessen konnte. Das Coaching war im Februar, und Ende Februar tauchten in den Medien die Berichte über die ersten Coronafälle in Heinsberg auf. Im März befand sich Deutschland im ersten Lockdown.

Eigentlich wollte ich das Wort mit dem großen C gar nicht in diesem Blogbeitrag erwähnen. Das Thema ist einfach zu komplex, um es auch nur anzureissen, und außerdem hat es mit meiner Näherei nicht so viel zu tun.

Nicht so viel heißt, daß ich meine Nählust durchaus nicht verloren habe, sondern eher noch besser ausleben konnte. Im Mai hatte ich mal 14 Tage in Quarantäne zuhause verbracht, die habe ich fast durchweg an der Nähmaschine verbracht. Was machen eigentlich die armen Menschen, die in Quarantäne sind und keine Nähmaschine haben? Genäht habe ich dieses Jahr also viel, in Zahlen: 6 Sweatshirts, 7 Röcke, 9 T-Shirts, 5 Blusen, 7 Kleider, 2 Rucksäcke, 3 Hosen, 2 ärmellose Tops und 1 Jacke. Im Vergleich zum letzten Jahr sticht vor allem die große Anzahl von Sweatshirts und Röcken heraus. Und das ist auch so eine Kombination, die ich im Alltag gerne trage, oder eben Rock und Bluse.

Sheridan Sweatshirt von HeyJune

Den Sheridan Sweater von Hey June habe ich einige Male genäht, ein schöner schlichter Sweatshirt-Schnitt mit etwas erweiterten Ärmeln, die nicht so weit sind, daß sie als Statement-Ärmel gelten können, aber doch gerade so weit, daß der Sweater etwas moderner wirkt. Und als Basis -T-Shirt-Schnitt hat sich dieses Jahr ein anderer HeyJune-Schnitt heraus kristallisiert, nämlich das St Union Tee. Davon habe ich dieses Jahr insgesamt 5 Stück genäht, in verschiedenen Fassungen. Der Schnitt ist so basic, daß es davon kaum Fotos gibt, aber auf diesem Outfit ist er zumindest mal abgebildet.

HeyJune St Union Tee

Diese beiden Schnitten von HeyJune, der Sheridan Sweater und das St Union Tee, teilen sich dieses Jahr der Oscar für den besten Schnitt. Es sind beides wunderbar solide Schnitte, gut designt mit vielen Variationen und bei mir oft genäht.

Nicht nur Kleidung entstand letztes Jahr an meiner Nähmaschine, sondern auch Rucksäcke…und hier kann ich voller Freude den Oscar für das beste Drehbuch an Frau Machwerk übergeben, die diesen tollen Rucksack entworfen hat. Ich bin keine so geübte Taschennäherin, und das mir dieses Meisterstück gelungen ist, lag einzig und alleine an der guten Anleitung.

Die Frage mit dem Ehrenoscar, der für das beste für andere genähte Kleidungsstück vergeben wird, ist dieses Jahr ganz einfach: die schönste Unterhose, die ich jemals genäht habe, ist diese Boxershorts für meinen Mann aus einem Atelier Brunette Stoff.

Den Oscar für die beste Kamera bekommt mein Mann, da er immer so schöne Bilder von mir in den genähten Kleidungsstücken macht. Da wir das immer mit Wanderungen oder anderen Outdoor-Aktivitäten verbinden, ist mein Blog auch zu einem Wandertagebuch geworden. Oft fällt uns bei einer Wanderung ein, was wir an einer bestimmten Stelle schon mal fotografiert haben. Und wenn ich mir manche Blogbilder anschaue, ist die Atmosphäre an einem bestimmten Ort an der Wanderung wieder präsent. So erinnere ich mich gerne an diese Wanderung im Spessart, an der wir das Elodie-Kleid von Closetcore fotografiert haben. Ein windiger, aber milder Spätsommertag- so ein Genuss, auf dieser Hochebene zu stehen in meinem neuen Kleid!

Ein Oscar für die besten visuellen Effekte? hmm, vielleicht diese Aufnahmen vom Sweatshirt Erin in den schneebedeckten Hängen des Kleinwalsertales?

Der Oskar für die beste Maske hat ja dieses Jahr eine besondere Bedeutung bekommen. Natürlich habe ich Masken genäht, viele Masken für mich und andere. Meistens habe ich sie nach dem Schnittmuster von Inge genäht, aus naheliegenden Gründen. Es ist ja auch ganz witzig, wenn man die Maske passend zum Kleid oder zur Bluse hat. Interessant immer die Reaktionen der Umwelt, soweit man denn soziale Kontakte in dieser Zeit hatt: eine kurze Überraschung, dann meistens die Frage, ob Maske und Bluse zusammen gekauft wurden…und dann natürlich mein grosser Augenblick, wo ich mich als Schöpferin sowohl des Kleidungsstückes als auch der Maske zu erkennen gebe.

Seamwork Bertie mit passender Maske

Ist ja alles ganz nett, aber tatsächlich ist es bei mir so, daß ich (beruflich trage ich den ganzen Tag eine Maske, keine Chance zum Home-Office!) am besten mit den Einmal-Chirurgischen Masken zurecht komme. Die Stoffmasken sind leider alle so dicht, daß ich dadurch schlecht Luft bekomme, das spricht vielleicht für meine gute Stoffqualität, ist aber mit meiner Lebensqualität eher weniger vereinbar. Meine Lebensqualität hat übrigens einen gewaltigen Auftrieb bekommen, als ich einen gut passenden Abstandshalter für die Masken entdeckt habe- es ist schon angenehm, wenn man beim Sprechen nicht mehr ständig die Maske in den Mund bekommt.

Rock selbstkonstuiert

Und dann gibt es ja auch noch die Goldene Himbeere, sozusagen den Anti-Oscar…der geht dieses Jahr eindeutig an diesen Rock. Die Auszeichnung vergebe ich deshalb so gerne, weil ich den Schnitt selbst konstruiert habe. Der Schnitt war ja auch gar nicht so verkehrt, aber ich habe einen denkbar ungünstigen Stoff gewählt: einen Elastik-Jeansstoff mit einer Dehnbarkeit von mindestens 10%, also fast wie ein Sweatstoff. Ich habe den Rock entsprechend eng gemacht- zu eng, er hat eine Bequemlichkeitszugabe von knapp 4 cm im Hüftbereich. Das könnte für eine enge Hose ganz gut sein, für einen Rock ist es definitiv zu wenig. Und der Bund leiert gnadenlos aus, trotz entsprechender Verstärkung mit Einlage. Ich hatte mittlerweile versucht, mit Gürtelschlaufen und eingezogenem Gummiband den Bund zu retten, das hat dem Rock auch nicht gut getan. Ich denke, ich werde ihn entsorgen. Aber der Schnitt an sich ist schön, und so war mein erstes Nähwerk 2021 ein Rock nach eben diesem Schnitt. Diesmal aus einem stabilen Breitcord und mit den korrekten Bequemlichkeitszugaben. Bilder folgen, demnächst in diesem Theater!

Ich freue mich auf ein wunderbares Nähjahr 2021, auf hoffentlich etwas mehr Gelegenheiten, die selbstgenähten Kleidungsstücke zu tragen, und vor allem auf den lebhaften Austausch mit meinen Leserinnen und Lesern!

fibremood Kleid Readytosew WKSA

WKSA-Finale mit Feliz und Jamie-Cardigan

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Mein Weihnachtskleid ist pünktlich fertig geworden, und dazu habe ich auch noch ein passendes Jäckchen und ein Unterzieh-Shirt aus Wolle genäht. Ja, nennt mich ruhig einen Streber, aber ich bin mit meinem Ensemble sehr zufrieden, denn ohne wärmendes Obendrüber (bzw Untendrunter) wäre so ein Viskosekleidchen doch zu luftig.

Genäht habe ich das Kleid Feliz aus der aktuellen FibreMood, über die Einzelheiten von Stoffwahl und Erfahrungen beim Nähen habe ich hier berichtet. Ich habe den Schnitt in Gr 38 genäht, bis auf eine Kürzung der Rocklänge um 10 cm habe ich nichts am Schnitt geändert. Die Passform des Kleides ist akzeptabel oder überraschend gut, je nach Sichtweise. Über der Brust bilden sich Querfalten, wenn ich die oberen Knöpfe zumache, aber da ich das nicht vorhabe, stört es mich erst mal nicht. Im Nachhinein muß ich sagen, daß ich wohl doch besser ein full-bust-adjustment gemacht hätte, dabei einen Abnäher eingefügt, dann wäre der Sitz noch besser.

Die Schnitte in der FibreMood scheinen jetzt eine etwas geringere Bequemlichkeitszugabe zu haben als die der ersten Ausgaben, im Fall von Feliz sind es 10 cm im Brustumfang, das finde ich eigentlich ganz normal für einen Oberkörperschnitt. Interessant ist ja, daß viele Schnitte der Fibremood ohne Abnäher daherkommen. Ist das modern zur Zeit, soll vielleicht einen etwas kastigen Look kreieren?

Aber kastig ist an Feliz sonst nichts, denn der eingekrauste Rock und auch die mit Schlaufen hochgeschoppten Ärmel geben eher eine weiche Silhouette.

Ein sehr schönes Detail, das auf meinen Bildern in dem dunklen Stoff leider kaum zu sehen ist, ist die geschwungene Passe im Rückenteil. Ich habe die Passe übrigens gedoppelt, um eine schönere Innenansicht zu erreichen. Und ich denke auch, etwas mehr Stabilität im Schulterbereich kann bei so einem dünnen Viskosestoff nicht schaden.

Genial sind auch die Taschen, denn die sind wirklich sehr groß. Deshalb gibt es auch fast kein Bild, wo ich nicht die Hände in der Tasche habe!

Das Kleid ist dünn und wärmt nicht, mir war schon klar, daß es ein passendes Darüber benötigt. Ich hatte eine Weile mit vorhanden Jacken und Pullis experimentiert und dann gemerkt, wie die ideale Jacke zu Feliz aussehen müsste: mit V-Ausschnitt, taillenkurz und möglichst weiten Ärmeln. Diesen Schnitt gab es beim französichen Label ReadytoSew, nämlich den Jamie-Cardigan.

Ich kenne natürlich nicht alle Modelle sämtlicher Indie-Schnittmusterdesigner, aber das ist so der Bereich, wo ich mich beim Surfen im Internet gerne aufhalte. Manche Schnitte begegnen mir dann immer wieder, und so war es im Fall von Jamie auch. Ich wußte, daß es diesen Schnitt bei ReadytoSew gab, und so war die Wahl nicht schwer. Ganz einfach war die Wahl des Stoffes, als eine Stoffprobe dieses altrosa Sweatstoffes auf meinem Kleid lag- das paßte farblich so perfekt, manche Kombinationen sind eindeutig.

Jamie ist ein eher leger geschnittener Cardigan mit weit überschnittenen Schultern. Es gibt auch noch eine hüftlange Version, bei den Ärmeln kann man zwischen dreiviertellang und „normal lang“ wählen.

Mein Sweatshirtstoff enthält kein Elasthan, deshalb knittert er auch ganz ordentlich, was mich aber bei diesem legeren Modell nicht stört. Er hat eine mässige Dehnbarkeit und eine noch mäßigere Rücksprungkraft- ist dafür aber unvergleichlich kuschelig! Zum Glück gibt es passende Bündchenstoffe, sonst wäre dieser Stoff schwierig zu verarbeiten, denke ich . Und um das Glück vollkommen zu machen, gibt es sogar farblich passende Corozo-Knöpfe.

Ich schwärme deshalb so von dieser Jacke, weil sie sich rasch zu einem Star in meinem Kleiderschrank entwickelt hat…ehrlich gesagt habe ich sie fast jeden Tag an, seit ich sie fertig gestellt habe. Sie paßt aber auch zu allem , zu Jeans, zu Röcken, über Kleider…auch bei meinem wöchentlichen Pilates-Training (natürlich online, was sonst…) habe ich sie über der Fitness- Kleidung getragen, bis sie mir zu warm wurde.

Und untendrunter gibt es auch was Warmes, nämlich ein Shirt aus einem Wolljersey. Der Schnitt ist mein derzeitiger Standard-Schnitt für Shirts, nämlich das St. Union Tee von HeyJune. Auch das ist so ein Teil geworden, was ich freiwillig nicht mehr ausziehe…

Vielmehr kann ich über mein Weihnachtskleid nicht schreiben. Für mich war der WKSA dieses Jahr eine sehr entspannte Angelegenheit, ohne große Überraschungen und mit vielen positiven Näherlebnissen. Aber das war vermutlich genau das, was ich in dieser eigenartigen Zeit gebraucht hatte.

Mit diesen Impressionen, unverhoffte Sonnenstrahlen auf einem Aussichtspunkt im Kraichgau, möchte ich diesen letzten Blogbeitrag im Jahr 2020 schliessen. Danke fürs Lesen, fürs Kommentieren, Diskutieren…diese Interaktion ist für mich unglaublich wichtig geworden. Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern wunderschöne und entspannte Weihnachtstage und einen guten Start ins neue Jahr!

Alle anderen Weihnachtskleider finden sich auf dem Blog des Memademittwoch, bitte einmal hier entlang!

fibremood Kleid WKSA

WKSA- glücklich mit Feliz?

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Auch in diesem Jahr schreitet die Vorweihnachtszeit voran, und so macht auch mein Weihnachtskleid Fortschritte.

Ich nähe das Kleid Feliz aus der aktuellen Fibremood, eine spontane Entscheidung, die bei dem ersten Anblick der Zeitschrift getroffen wurde.

Spontane Entscheidungen müssen nicht schlecht sein, und auch bei der Stoffwahl ist eine rasche Entscheidung oft goldrichtig. In diesem Fall war es die Entscheidung für den Stoff, aus dem auch im Heft ein Beispiel genäht worden war. Ich habe ja immer noch das Gefühl, ich müßte mich für diese Stoffwahl entschuldigen, weil es so phantasielos ist….andererseits hat es seinen Grund, daß die Zeitschriften wie FibreMood ihre Stoffe immer auch direkt anbieten. Wahrscheinlich wählen auch viele andere Näherinnen diesen Weg, der zugegeben sehr einfach ist- ich mußte meine Phantasie nicht strapazieren, mir das fertige Kleid vorzustellen, das gab es schon als Bild.

Egal wie, ich mag meinen Stoff, eine wirklich schöne Viskose in guter Qualität, natürlich durchgefärbt. Nichts schlimmeres, als wenn ein dunkler Stoff eine helle Rückseite hat! Bei der französischen Firma Cousette läßt es sich problemlos direkt bestellen. Ich hatte passende Knöpfe mitbestellt, mich aber nachher doch für eine andere Version entschieden, dazu später mehr.

Das Nähen beginnt ja immer mit dem Zuschneiden, oder in diesem Fall mit dem Kopieren des Schnittes aus der Zeitschrift. Und hier möchte ich der Fibre Mood mal ein großes Lob aussprechen: das Kopieren klappt wirklich problemlos, besser als bei den meisten anderen Schnittmusterbögen. Nach meinem Eindruck sind die Bögen nicht so dicht bedruckt , und es gibt auch eine Übersicht, wo auf welchem Bogen das Schnitteil zu finden ist. Es ist jedenfalls mir mit meinen altersbedingt nicht mehr so super guten Augen gelungen, auch bei Lampenlicht den Schnitt zu kopieren, das finde ich beachtlich.

Die Nähanleitung braucht man für diesen Schnitt nicht wirklich, es ist ja ein sehr simpler Schnitt. Ich habe mich um eine schöne Verarbeitung bemüht, dieser Punkt kommt bei den Fibremood-Anleitungen nicht so wirklich vor, ist mein Eindruck. Die Ärmel des Kleides sollen ja hochgekrempelt werden- da braucht man doch eine ansehliche Versäuberung der Ärmelnaht, ich habe sie französisch gemacht. Die wunderschöne geschwungene Passe im Rückenteil muß doch unbedingt gedoppelt genäht werden- hier wäre eine versäuberte Naht im Rückenteil so hässlich! Und so gab es einige Stellen im Nähprozess, die ich mit wesentlich mehr Zeit und Aufmerksamkeit genäht habe, als es die Anleitung vorgibt. Sicher muß das jeder für sich entscheiden, aber ich liebe dieses sorgsame Nähen mittlerweile.

So war es eigentlich ein schönes und entspanntes Nähen, es gab lediglich zwei Punkte, die mich aus meinem Näh-Flow zumindest kurzfristig gerissen hatten.

Der eine Punkt ist die Form des Halsausschnittes. Mir war schon klar, dass Feliz eher hochgeschlossen daher kommt, mit einem recht halsnahen runden Ausschnitt. Ich hatte da erst Bedenken, da ich weiß, daß mir so hohe Ausschnitte oft nicht stehen. Ich hatte das Schnittteil ausgemessen, mir angehalten und dann entschieden, es so zu lassen. Als dann der Kragen, ein sehr schmaler Stehkragen, angenäht und die erste Anprobe war, war ich dann doch etwas enttäuscht…kurz hatte ich überlegt, den Ausschnitt und den Kragen noch zu ändern. Aber so eine Änderung am fertigen Oberteil ist natürlich ein gewaltiger Eingriff und kann eigentlich nicht gut gehen.

Als dann der Rock angenäht war, fand ich den Gesamteindruck wieder sehr stimmig. Wobei sich dann das Problem zwei auftrat: das Kleid ist schon sehr lang. Das ist so gedacht, es ist ein Midi-Kleid. Trotzdem muß ich es ja irgendwie tragen können, ohne mich gleich verkleidet zu fühlen wie in ein Kostüm aus dem 18. Jahrhundert. Ich habe jetzt den Rock mal ca 10cm kürzer abgesteckt, gefällt mir gleich viel besser.

Die schönen Knöpfe sind wieder mal Corozo-Knöpfe, die ich von HelloHeidi bezogen habe. Seit ich diese Knöpfe entdeckt habe, bin ich für Plastikknöpfe nicht mehr zu haben. Ich hatte mir bei Cousette auch Knöpe in anthrazit mitgestellt, auch Corozo, aber ich fand dann diese altrosafarbenen Knöpfe viel schöner.

Und dann fehlen natürlich noch die wärmenden Schichten, die so ein Viskose-Kleidchen für den rauhen Dezember tauglich machen. Geplant ist noch eine Jacke, den passenden Sweatshirt-Stoff habe ich hier schon mal in der Stoffprobe dazu gelegt. Wahrscheinlich wird es diese Jacke:

Quelle: ReadytoSew

Dann fehlt noch ein wärmendes Untendrunter, ich dachte da an ein Shirt aus Merinowolljersey. Dazu eine dicke Strumpfhose, darüber vielleicht noch Thermo-Leggins- dann müßte ich mit meinem Kleid auch bei tiefen Temperaturen glücklich sein!

Alle anderen Fortschritte bei den Weihnachtskleidern finden sich auf dem Memademittwochblog. Ich bin wieder mal spät mit meiner Verlinkung dran, aber besser spät als nie…

Culotte fibremood Hosen Rock

Culotte Bea aus der Fibremood

Die Culotte, der Hosenrock, ist aus der Modewelt der letzten Jahre nicht mehr weg zu denken. Ob jetzt Culotte und Hosenrock das gleiche ist, sei mal dahin gestellt. Tatsache ist, daß mir diese überweiten, wadenlangen Hosen unglaublich gut gefallen. Ich finde, so ein Hosenrock vereint das Beste aus den beiden Welten Rock und Hose: vom Rock das elegante und feminine Aussehen, von der Hose die unbestreitbare Bequemlichkeit, die so zwei Hosenbeine nun mal bieten.

Eigentlich überraschend, daß ich bisher nur einen einzigen Hosenrock genäht habe. Der ist nach einem selbstkonstruierten Schnitt und wird sehr gerne getragen. Immer schon hatte ich mir überlegt, noch mal einen Hosenrock zu nähen, gerne als Variation dieses Schnittes, vielleicht mit eingefügten Falten…aber wie es so oft bei Näh-Ideen ist, blieben diese Pläne in einer gedanklichen Schublade liegen und wurden nicht umgesetzt.

Aber als dann in der neuen Fibre Mood dieser Schnitt für eine Culotte war, wußte ich sofort, daß ich dieses Teil wollte, das sollte mein neuer Hosenrock werden.

Der Schnitt von Bea ist eigentlich sehr einfach, wie oft in der Fibremood. Ich denke, das ist eines der Geheimnisse der belgischen Schnittmuster-Zeitschrift, die viele von uns begeistert. Die Schnittdesingerinnen schaffen es, einen schlichten Schnitt durch kleine Variationen so zu verändern, daß das Kleidungsstück absolut modern und modisch ist. Dazu kommt natürlich diese professionellen Präsentation in der Zeitschrift und in den Medien, das ist schon bewundernswert.

Quelle: Fibremood

Also: ein schlichter Hosenrockschnitt, zwei genähte Falten im Vorderteil und Abnäher im Rückenteil, dazu Taschen in den Seitennähten. Das einzig Besondere an Bea ist der Verschlußmechanismus, da der Rock über die Taschen geöffnet wird. Dieses Prinzip kennen wir schon von den Flint Pants von Megan Nielsen, ist also auch nichts neues. Bei der Schnittbeschreibung von Bea wird dieser Verschlußmechanismus als Vereinfachung angepriesen, da man keinen Reißverschluß einnähen müsse…ich glaube, das ist Ansichtssache. Ich persönlich habe überhaupt keine Probleme damit, einen Reißverschluß irgendwo einzunähen, ich finde das nicht so schwierig. Aber Knopflöcher, insbesondere wenn sie an so exponierter Stelle liegen wie an dem Bund von Bea, der zu einer Spitze ausgezogen ist, das finde ich schwierig. Das Knopflochproblem hat mich eine ganze Weile aufgehalten und geärgert, im Nachhinein muß ich sagen, das war auch die einzige Schwierigkeit im ganzen Nähprozess.

Aber von vorne: die Entscheidung für einen Stoff war nicht schwierig, da ich einen wunderschönen Karostoff in meinem Stoff-Vorrat hatte. Diesen Karostoff hatte ich immer wieder mal aus dem Stoffstapel gezogen und an mir drapiert, auch für mein Weihnachtskleid war er in der engeren Wahl. Ich fand die Farben sehr gut für mich, aber beim Drapieren fiel mir immer auf, daß das blau zu dunkel für mich ist, um es am Oberkörper und damit in Gesichtsnähe zu tragen. Die Kombination eines Stoffes mit einem Schnitt ist für mich eine der spannendsten Abschnitte im Nähprozess. Manchmal ist es sofort klar, manchmal dauert es eine Weile, aber immer ist es für mich ein erhebendes Gefühl beim Zuschneiden, wenn ich mir sicher bin, daß dieser Stoff mit diesem Schnitt seine Bestimmung gefunden hat.

Da es sich um einen Karostoff handelt, blieb das erhebende Gefühl beim diesem Zuschneiden logischerweise nicht lange. Ich versuche ja immer, den Karozuschnitt als intellektuelle Herausforderung anzusehen. Das gelingt mir am Anfang des Zuschneidens oft noch gut. Ich wende alle mir bekannten Tricks an: Markierungen im Schnittmuster, wo die Karos unbedingt passen müssen, einlagiges Zuschneiden oder akribisches Festtackern der Karolienien beim doppelagigen Zuschneiden. Also ich gebe mir schon Mühe, bis…ja, bis ich irgendwann merke, das klappt so nicht. Sei es, daß der Stoff sich verschoben hat, sei es, daß meine Markierungen nicht stimmen oder ich einfach ungenau gearbeitet habe, irgendwann paßt es nicht mehr. Zum Glück kann ich dann recht unkompliziert in einen großzügigen Arbeitsmodus umschalten, frei nach dem Motto: besser als bei den gekauften Klamotten ist es allemal, und wen es stört, der soll woanders hinschauen!

Im Fall von Bea war mein großer Fehler, daß ich eine Karoanpassung bei den Nahttaschen überhaupt nicht in Betracht gezogen hatte. Ja, Bea hat Nahttaschen in der Seitennaht, und die Seitennaht ist gerade, wie auch aus der Schnittzeichnung erkennbar. Normalerweise wäre der Innenstoff einer Nahttasche kaum erkennbar, deshalb hatte ich mich hier gar nicht um Musteranpassungen bemüht, zumal ich auch nicht mehr viel Stoff übrig hatte. Im fertigen Teil erscheint diese Tasche allerdings als gebogene Eingrifftasche, wie man sowohl bei den Modellen im Heft als auch bei mir erkennt, und damit ist natürlich auch das Muster der Innentasche erkennbar.

Was passiert hier? Eigentlich nur das , was zu erwarten ist, wenn man sich den Schnitt genau anschaut. Der Schnitt hat in der Taille eine Bequemlichkeitszugabe von ganzen 0,25 cm, das ist nicht so viel- will heißen, der Rock sitzt einfach eng in der Taille. Ich habe übrigens Gr 36 genäht und zur Taille hin zu Gr 38 gradiert, über die Abnäher und den Falteninhalt. Die enganliegende Taille wird nur durch die Knöpfe im Bund gehalten, der Bereich darunter holt sich seine Weite, die er nun mal durch die Rundungen am Bauch braucht, wo er sie kriegen kann, in diesem Fall aus der Tasche- der Tascheneingriff klafft also weit auf.

Vom Schnitttechnischen her gesehen finde ich das etwas unorthodox, denn dadurch ist man natürlich von einer gerade verlaufenden Seitennaht weit entfernt. Aber davon abgesehen ist dieses Vorgehen absolut praktisch, denn so läßt sich über die Knopfposition die Paßform wunderbar anpassen und korrigieren. Also, Daumen hoch für unorthodoxe Lösungen- nur daß dann halt leider meine nicht vorhandene Kaoranpassung an dieser Stelle sehr sichtbar wird. Zum Glück habe ich ja auf fast allen Fotos die Hände in den Rocktaschen, dann fällt das vielleicht nicht so auf.

Jetzt komme ich nicht mehr herum, von meinem persönlichen Armageddon bei diesem Schnitt zu berichten, den Knopflöchern. Der vordere Bund von Bea ist in zierliche Spitzen ausgezogen, die ein Knopfloch beherbergen. Ich hatte die Schwierigkeit erst gar nicht wahrgenommen und nach einem Probeknopfloch fröhlich die Knopflochautomatik eingeschaltet. Das ging natürlich nicht, da die Automatik mit der Messung über die Kanten nicht funktionierte. Kein Problem, wozu hat man einen Höhenausgleich für den Knopflochfuß, da würde das schon gehen…weit gefehlt, wieder stoppte die Automatik nach der Hälfte. Beim dritten Versuch (wohlgemerkt, am Rock, also sozusagen am lebenden Objekt, immer nach dem Auftrennen der vorherigen Versuche..) war ich dann schon so klug, auf den manuellen Betrieb umzuschalten, schließlich kam es hier überhaupt nicht auf eine exakt gleiche Länge der beiden Knopflöcher am Bund an. Das ging dann gut, aber nach der Hälfte war die Unterfadenspule leer…

Zum Glück hatte mein Stoff eine so gute Qualität, daß er dies ganzen Näh- und Auftrennarbeiten recht unbeschadet überstanden hat. Ein Hoch auf eine gute Stoffqualität! Die Versäuberung des unteren Bundrandes steht übrigens nicht in der Anleitung, das sind dann so die persönlichen Kleinigkeiten, die ich gerne in ein Nähwerk einfliessen lasse.

Die Jacke, die ich auf den Bildern trage, ist auch selbstgestrickt, ich habe sie hier schon mal gezeigt, bei diesem Blogbeitrab verbirgt sie sich leider meistensunter dem Kelly-Anorak. Ich freue mich sehr, daß ich das Jäckchen nun mal in seiner ganzen Schönheit hier zeigen kann! Es handelt sich übrigens im ein Modell von Kim Hargreaves („Kitten“). Ich liebe es ja sehr, wenn ich selbst genähte Kleidungsstücke gut kombinieren kann. Bei meiner Lieblingsfarbe blau ist das zum Glück nicht so schwierig.

Auch wenn er farblich nicht so gut dazu paßt, muß hier auch noch mal mein neuer Lieblings-Rucksack gezeigt werden. Es ist der Rucksack Arc von Frau Machwerk, der mich jetzt schon bei einigen Wanderungen begleitet hat. Ich finde ihn immer noch wunderschön, und durch die Trägerpolster ist er auch ausgesprochen bequem. Und dafür, daß er nicht blau ist, dafür kann er ja auch nichts!

Jetzt bin ich mal gespannt, was der letzte Memademittwoch in diesem verrückten Jahr 2020 noch alles zeigt. Vielleicht noch andere Modelle aus der neuen Fibremood?

liebe Grüße, Barbara

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Weihnachtskleid- Sewalong 2020- Teil 1

Weihnachten- das war doch dieses Event, das früher mal Ende Dezember gefeiert wurde? Lassen Sie mich überlegen, genau, ich erinnere mich, 2019 war das letzte Mal.

Oh, jetzt erinnere ich mich genau. Das war ein Event, geradezu furchtbar aus unserer heutigen Sicht. Es kam zu einer Massenbewegung der Menschen, alle fuhren irgendwo hin, meistens in den Ort ihrer Herkunft oder sogar ihrer Geburt (da gibt es glaube ich eine Quelle, die ca. 2000 Jahre alt ist ). Also, man reiste, oft in öffentlichen Verkehrsmitteln, sogar in Flugzeugen. Schutzmaßnahmen wie Lüftungsanlagen, Trennwände waren unbekannt, nicht mal Mundnasenmasken wurden in der Öffentlichkeit getragen, stellen Sie sich das mal vor! Und an Weihnachten trafen sich dann diese durchmischten Menschen in schlecht gelüfteten Kneipen, wo sie stundenlang mit ihre alten Schulfreunden erzählten, oder in genauso schlecht gelüfteten Wohnzimmern zum Feiern mit ihren Verwandten. Nein, die Fenster wurden nicht alle 20m min geöffnet, das hätte ja den herrlichen Duft des Weihnachtsessens oder der Plätzchen vernichtet. Und dann ging man in die Kirche, wo man dicht an dicht gedrängt saß, und – es wurde gesungen! Stellen Sie sich das mal vor, Gesang, eine vollbesetzte Kirche wie die Gedächtniskirche in Speyer, und alle singen! An die Aerosolbildung darf ich gar nicht denken…

Also, ich bin schon froh, daß das jetzt alles besser ist. Man ist ja schließlich aufgeklärt und virologisch und epidemiologisch podcastmäßig fortgebildet. Kontakt ist schlecht, das haben wir gelernt, Umarmen, die Köpfe zusammenstecken und natürlich Singen- Todsünden in der heutigen Zeit. Aber dennoch- gibt es da nicht noch ein Relikt aus früheren Zeiten? Genau, da war eine kleine Gruppe von unverdrossenen Näherinnen, die schon früher einen Weihnachtskleid-Sewalong veranstaltet hatten. Und diese Gruppe trotzt auch in diesem Jahr allen Unbillen, ob es nun Virusschreckensmeldungen, Quarantänebestimmungen oder andere unerfreuliche Dinge sind.

Immer nach dem Motto: egal, was passiert, wir nähen uns ein Weihnachtskleid!

Ich bin schon sehr froh, daß diese Tradition auch in diesem eigenartigen Jahr nicht aufgegeben wurde. Auch wenn wir sicher alle nicht so recht wissen, wie und mit wem wir Weihnachten feiern, lohnt es sich mit Sicherheit, gut angezogen zu sein.

Ich gebe zu, daß ich an Weihnachten resp. ein Weihnachtskleid bis vor einigen Tagen nicht ernsthaft gedacht habe. Zu sehr ist mein Alltag von der aktuellen Problematik überschattet. Aber ein bestimmtes Kleid plane ich schon seit einigen Wochen, und hatte auch immer schon mal gedacht, daß das ja mein Weihnachtskleid werden könnte.

Ich hatte im Herbst die Gilbert- Bluse von Helens Closet genäht und war begeistert von der schönen Kragenlösung und vor allem der sauberen Innenverabeitung. Nachdem die Bluse fertig war, kam mir der Gedanke, aus diesem Blusenschnitt ein Kleid zu machen. In den einschlägigen sozialen Medien wurden auch andere Versionen eines Gilbert-Kleides gezeigt, indem der Schnitt einfach verlängert wurde, das wollte ich natürlich nicht. Mir schwebte eine Version mit einem Taillenband vor, die zusätzliche Weite des Oberteiles würde ich in Falten oder Abnähern aufnehmen. Der Rock sollte leicht eingekraust oder auch in Falten gelegt werden. Einen Stoff dafür hatte ich auch schon, nämlich einen wunderbaren blaugelben Karostoff, den ich hier bezogen hatte. Ich hatte mir über dieses Kleid und den Pattern-Hack immer wieder Gedanken gemacht, und war mit dem Endergebnis und der Planung eingentlich ganz zufrieden, bis…

…ja, bis die neue Fibre Mood in meinem Briefkasten letzte Woche lag. Ich habe die Fibre Mood ja abonniert und komme dadurch einige Tage vor dem eigentlichen Erscheinen in den Genuß der Zeitschrift. Und diesmal war es wirklich ein Genuß, weil in dem Heft so viele schöne Modelle sind, die ich sofort nachnähen könnte. Und nein, ich bekomme kein Geld von der Fibre Mood und bin nicht mal in irgendeinem Probenähtool dafür. Ich finde dieses Heft einfach sehr gelungen, das davor übrigens nicht ganz so.

Dieses Kleid Feliz hatte es mir sofort angetan. Liebe auf den ersten Blick, kann man nichts machen, das werde ich nähen. Auf den zweiten Blick habe ich schon festgestellt, daß der Originalschnitt vielleicht etwas formlos in der Taille ist, aber da könnte ein Taillenabnäher leicht Abhilfe schaffen, das schaue ich mir auf den Schnittteilen genauer an.

Und bei der Stoffwahl habe ich mich- völlig phantasielos, gebe ich zu- der Stoffwahl im Magazin angeschlossen, denn da wird dieses Kleid noch in einer zweiten Version aus einer gemusterten Viskose gezeigt.

Dieses Kleid aus diesem Stoff wird also mein nächstes Nähprojekt, und das werde ich dann an Weihnachten tragen. Egal wie sich Weihnachten gestaltet- ich bin jedenfalls gut angezogen.

Den Stoff habe ich direkt in Frankreich bestellt. Es ist eine Viskose des französischen Labels Cousette, das ich auch schon im letzten Jahr kennen und lieben gelernt habe. Eine kleine Stoff-Firma, die ihr eigenes Design auf Viskose drucken läßt, in ausgesprochen schönen Farben und meistens kleingeblümten (oder -geblätterten) Mustern. Ich hatte im Sommer ein Top aus einem Cousette-Stoff genäht und sehr gerne getragen.

Apropos gerne getragen: was ist eigentlich aus meiner letztjährigen Weihnachtsgarderobe geworden? Ich hatte ja verschiedene Teile genäht und mich bemüht, sie alltagstauglich zu gestalten.

Die Jacke Frida wurde erwartungsgemäß ein Erfolg, ich trage sie gerne und finde sie immer noch super gelungen. Einzige Einschränkung ist ihre Temperaturtauglichkeit: für wirklich kalte Temperaturen ist sie einfach zu kurz und wärmt nicht genug.

Das Kleid, selbstkonstruiert nach dem GustaSchnitt der FibreMood, gefällt mir prinzipiell immer noch gut. Getragen wurde es selten. Die Paßform im Schulterbereich ist mir nicht ganz gelungen, und der Abschluß der dreiviertellangen Ärmel mit dem Viskosestreifen ist im täglichen Leben völlig unpraktisch. Der Ärmel rutscht immer wieder hoch und muß runtergezuppelt werden- kein Potential für ein Lieblingskleid. Ich habe mir jetzt überlegt, die Ärmel ganz raus zu trennen und das ganze dann als Trägerkleid über Shirts zu tragen.

Und Georgie- das ist wieder mal ein Beispiel, wie man Stoff, Farbe und Schnitt nicht kombinieren sollte. Der Stoff, ein Tenceljersey, ist dünn, zu dünn für ein Winterkleid. Die Farbe des Stoffes ist eindeutig winterlich, zu winterlich für ein Sommerkleid, der Schnitt eher sommerlich, dafür ist die Länge aber nicht geeignet- kurz: dieses Kleid habe ich nicht mehr getragen. Eigentlich schade, denn auf den Bildern sieht es sehr schön aus. Vielleicht sollte ich es doch mal wieder anziehen.

Alle anderen Planungen des Weihnachtskleides 2020 finden sich auf dem Memademittwochblog!

fibremood Sweatshirt

Erin Sweatshirt Fibre Mood- zwei Versionen

Vor einem geplanten Urlaub habe ich immer das dringende Verlangen, mir etwas neues zu nähen. Na ja, eigentlich habe ich immer das dringende Verlangen, mir etwas neues zu nähen, aber vor einem Urlaub wird dieses Verlangen noch um einiges dringender. Immerhin steht mir ja auch eine gewisse Zeit ohne Nähmaschine bevor. Und der Gedanke, im Urlaub vielleicht ein ganz bestimmtes Shirt, einen Pulli oder eine Hose zu vermissen, ohne jede Aussicht, das in absehbarer Zeit ändern zu können – nein, vor einem Urlaub muß genäht werden, Ihr versteht das sicher.

Da wir auch in diesem Jahr einen eher sportlichen Wanderurlaub im Herbst geplant hatten, war das Objekt meiner Näh-Begierde ein Sweatshirt-Schnitt, genauer gesagt der Schnitt Erin aus der Fibremood

Ich fand den Schnitt schon im Heft interessant, konnte aber nicht so wirklich damit etwas anfangen… dieser Konflikt begleitet mich oft bei den Fibremood-Schnitten. Im Heft sehen sie toll aus, aber wenn es dann an die Umsetzung für mich geht, gerate ich ins Stolpern.

Quelle: Fibremood

Erin ist eigentlich ein schlichter Raglanschnitt, der aus leicht dehnbaren Materialien genäht werden soll. Die Besonderheit bei diesem Schitt, so wie er im Heft gezeigt wird, sind die Saumabschlüsse, denn die werden mit einem eingezogenen Gummiband gestaltet. An sich eine gute Idee, denn auch in meinem Stoff-Vorrat lagern etliche Sweatstoffe, die selbst wenig Eignung zu einem Bündchen aufweisen und auch keinen passenden Bündchen-Kombipartner ihr eigen nennen.

Andererseits finde ich die allermeisten Erin-Varianten, die mit Gummibandabschlüssen auf den einschlägigen sozialen Kanälen gezeigt werden, nicht schön. Ich habe daher eine Weile hin und her überlegt- und dann meinen Erin-Sweater mit traditionellen Bündchen aus dem Hauptstoff genäht.

Das war in diesem Fall auch nicht so schwierig, da der verwendete Baumwoll-Jacquard nicht nur aus GOTS-zertifizierter Baumwolle bestand, sondern auch noch aus 5% Elasthan. Der Stoff war dehnbar, hatte eine gute Rücksprungkraft- so ein Stoff hält die Beanspruchung als Bündchenstoff aus.

Zurück zum Schnitt: Erin ist ja nicht nur ein klassicher Raglanschnitt, sondern hat natürlich auch, wie im Augenblick modern, die notwendigen weiten Statementärmel, wobei das Statement in diesem Fall eher diskret ausfällt. Aber immerhin ist es doch so viel, daß der ganze Pulli einen etwas modernen Touch erhält. Ansonsten ist er eher etwas schmaler geschnitten als andere Sweatshirtschnitt. Es gibt auch noch eine Schnittversion mit weiten Dreiviertelärmeln, da müsste man dann ein Rollkragenshirt oder so darunter tragen, das kam für mich aber nicht in Frage.

Nähtechnisch bietet so ein Sweatshirt keine wirklichen Probleme. Den Halsausschnitt habe ich auch mit einem Bündchen aus dem Hauptstoff versäubert. In der Anleitung wurde hier „elastisches Schrägband“ verwendet- darunter konnte ich mir nicht wirklich etwas vorstellen.

Ich habe ja schon so einige dieser Statement-Ärmel aus dehnbaren Stoffen genäht, und immer wieder stelle ich mir die Frage, wie ich optimal die überweiten Ärmel an das Saumbündchen dran kriege. Ich denke, es gibt da drei Möglichkeiten:

  • man kann einfach das Bündchen dehnen, wenn es sich denn um einen dehnbaren Bündchenstoff handelt, und hoffen, daß die Dehnung überall gleichmäßig sich über den Ärmel verteilt. So habe ich das beim Sheridan-Sweater von Heyjune gemacht. Geht ganz gut, hat aber einen gewissen Risiko-Faktor. Ich nähe die Bündchen direkt mit der Overlock an, und da ich sehr schmale Handgelenke habe, ist das immer ein ziemliches Gezuppel. Mit exaktem Nähen hat das nicht mehr viel zu tun.
  • beim Somerset-Shirt habe ich gelernt, daß man die überweiten Ärmel mit einem Gummifaden in der Unterspule erstmal rafft und dann an die Ärmelbündchen näht. Das empfand ich als sehr elegante Methode, ist allerdings etwas umständlich und erfordert das Aufwickeln von Hand des Unterfadens auf die Unterfadenspule. Kann man machen, möchte man vielleicht nicht immer, und so ist die Methode
  • drei vielleicht doch die beste: ganz normal die Ärmelunterkante einreihen mit zwei Nahtreihen und einem größer gestellten Geradstich, wobei dann der Oberfaden angezogen wird und der Ärmelsaum eingekraust wird. Die Bedenken dagegen sind natürlich, daß man am Ärmelsaum eines elastischen Teiles nicht so gerne einen (nicht dehnbaren) Geradstich hat, aber der Stich ist ja sehr weit. Und wenn er reißen würde, wäre es auch nicht schlimm, da er keine tragende Funktion hat.

Also, Erin wurde genäht, bekam seine Bündchen und Ärmel und ich war hochzufrieden mit dem fertigen Shirt. Also alles gut, der Urlaub konnte beginnen…

….könnte beginnen, wenn da nicht manche Widrigkeiten waren. Ich will jetzt gar nicht auf die damals noch aktuelle Quarantäne-Problematik und die Corona-Reisewarnungen eingehen, nur so viel: wir waren im Kleinwalsertal, und bis eine Woche vor Reisebeginn war es für uns unklar, ob wir wirklich fahren konnten. Das Kleinwalsertal gehört in Österreich zu Vorarlberg, ist aber verkehrstechnisch nur über Deutschland erreichbar- eine geographische Lage, die schon in der Geschichte für viele Sonderregelungen gesorgt hat. Uns hat sie jedenfalls eine wunderbare Urlaubswoche beschert- allerdings nicht mit herbstlichen, sondern winterlichen Temperaturen.

Der Temperatursturz in den Bergen war auch für mich bald erkennbar, und ich hatte Bedenken, daß mein Erin-Sweatshirt zu kühl für diese Temperaturen werden würde. Aber da lag ja noch so ein traumhafter Merino-Strickstoff auf meinem Nähtisch- damit würde ich dem österreichischen Frühwinter sicher trotzen!

Der Stoff ist absolut ein Traum. Weich, kuschelig, überhaupt nicht kratzig- aber ob man daraus ein Sweatshirt würde nähen können, das wußte ich nicht. Aber wer nicht wagt, der hat nachher auch keinen warmen Pulli, oder so ähnlich…so groß war das Risiko ja auch nicht, denn irgendeinen Pulli würde ich nach diesem Schnitt schon nähen können. Ich habe alle Kanten mit einem dehnbaren Kantenband stabilisiert, damit ich beim Nähen keine unerwünschten Formänderungen der zugeschnittenen Teile erleben würde. Strickstoffe sind ja oft etwas eigen in der Verarbeitung und verziehen sich gerne mal, aber so ging alles gut.

Den Halsausschnitt hatte ich mit einem besonders stabilen aufbügelbaren Vlieseline-Bündchen stabilisiert, weil ich da Angst hatte, daß der Wollstoff nicht genug Halt hat. so ganz ideal ist der Merinostrickstoff sicher nicht als Bündchenstoff, und ich habe sehr vorsichtig gearbeitet: wenig gedehnt, wenig gedämpft, und so blieb doch alles an seinem Platz. Beim Halsbündchen ist mir die Absteppnaht nicht gleichmäßig gelungen, aber das wollte ich dann doch nicht mehr auftrennen.

Der Pulli ist absolut schön geworden, finde ich, und so kuschelig! Der Schnee lag im Kleinwalsertal nur oben auf dem Berg, unten im Tal war es dann doch etwas milder, so daß der Sweatshirt-Erin auch zu seinem Einsatz kam.

Soweit meine Urlaubserlebnisse, nähtechnisch gesehen…und was zeigen die anderen Selbenäherinnen am ersten November-Mittwoch? hier wird es gezeigt!

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Arc Rucksack von machwerk

Zwischen dem Rucksack Arc und mir, das war Liebe auf den ersten Blick. Also natürlich war es von mir aus Liebe auf den ersten Blick, vermutlich ist ja ein Gegenstand wie ein Rucksack nicht zu solchen differenzierten Emotionen fähig…oder vielleicht doch? Egal wie, ich fand diesen Schnitt einfach toll, sobald ich ihn zum ersten Mal gesehen hatte.

Zum ersten Mal gesehen hatte ich ihn in einer Instagram-Story von Frau Machwerk, die wir alle als geniale Designerin von vielen Taschenschnitten kennen. Ich sah den Rucksack und wußte: der ist es, den will ich nähen. Mir gefiel die Form, die rundliche Tasche, einfach alles erschien mir perfekt. Tragischerweise, wie das ja oft so ist bei großen Lieben, verschwand die Insta-Story relativ rasch, und ich konnte meine Rucksackpläne nicht weiter verfolgen.

Aber zum Glück erschien nach einigen Wochen der Schnitt dafür, und es war nicht nur der Rucksack, sonderen gleichzeitig auch eine Reisetasche und ein Kulturbeutel dabei. Jetzt konnte es los gehen mit meinem geliebten Rucksack!

Stoff hatte ich ja auch schon rausgelegt. Ich hatte vor einiger Zeit einen wunderschönen Baumwollstoff der belgischen Stoff-Firma Seeyouatsix erstanden. Ich glaube, den Stoff gibt es nirgendwo mehr, sonst würde ich gerne die Quelle verlinken. Er ist einfach wunderschön, Blumen in Rose und Braun-Tönen auf dunkelblau, das ganze in warmen Farbtönen. Ich hatte den Stoff eine Weile im Regal liegen, ihn immer wieder gestreichelt und mir überlegt, was ich daraus machen sollte. Von der Stoffqualität her ist es ein Canvas, aber nicht allzu dick. Etliche Kleinigkeiten wie Handytaschen entstanden daraus, aber ansonsten blieb er unangetastet, bis eben jetzt sein großer Einsatz kommen sollte. Da die Stoffmenge dann doch nicht ganz ausreichte, habe ich ihn mit dunkelblauem Oilskin für Trägerpolster und Rückseite kombiniert.

Der Rucksack Arc brauchte natürlich auch ein Futter, hier habe ich Patchworkstoffe von Robert Kaufman verarbeitet, die ich hier bezogen hatte. Auch diese Stoffe haben eine blauen Hintergrund und waren damit für ihre Aufgabe als Rucksackfutter gut geeignet. Soft und Stable zum Stabilisieren gab es noch im Vorrat- ein Hoch auf einen gut sortierten Stoff- und Zubehörvorrat!

Die notwendige Hardware, also Riemen, Metallteile und auch Leder für den Rucksackboden sowie Reißverschluss gab es freundlicherweise auch von Frau Machwerk, und so konnte ich bald loslegen. Mein Terminplan bescherte mir eine unverplante Ferienwoche- was konnte es besseres geben, als in dieser Zeit einen Rucksack zu nähen!

Der Schnitt enthält in der Beschreibung irgendwo den Hinweis, daß er eher für fortgeschrittene Näherinnen gedacht ist, die schon Erfahrung im Taschennähen haben. Ich hatte den Hinweis zwar gesehen, aber nicht weiter beachtet. Ich habe ja schon viel Schwieriges genäht- was sollte so ein Rucksack da schon an Problemen bieten?

Der Schnitt ist absolut toll gemacht. Ein kleiner Wermutstropfen mag sein, daß es keine A0-Datei zum Plotten gibt, man muß also A4 drucken. Andererseits sind das so wenig Seiten, das kriegt man mit Kleben und Ausschneiden wirklich gut hin.

eines meiner Lieblingsdetails: diese Trägeraufhängung!

Der Schnitt enthält die Nahtzugabe von 1 cm, es ist alles super ausführlich beschrieben, was aus welchem Material zugeschnitten werden soll. Die Anleitung besteht aus Fotos, in die aber oft Nahtlinien eingezeichnet sind. Eigentlich mag ich Fotoanleitungen nicht so sehr, da man darauf meist nicht das erkennt, was wichtig ist. In diesem Fall kam ich wunderbar damit zurecht. Man merkt sowohl bei der Anleitung als auch bei den Bildern, daß Frau Machwerk viel Erfahrung nicht nur im Nähen, sondern auch in der Didaktik hat. Vermutlich fließt die Erfahrung von unzähligen Nähkursen mit Teilnehmern der unterschiedlichsten Wissensstufen in ihre Anleitungen ein- davon profitieren wir jetzt..

Ich denke, daß der Schnitt drei Schwierigkeiten bietet, mir denen man sich befassen muß.

Das erste hängt sicher mit dem ausgeklügelten Schnittmuster zusammen. Arc enthältet viele gerundete Teile, wie die Taschen oder auch die Vorderteile. Hier sollte man einfach genau zuschneiden und genau nähen, dann paßt das alles wunderbar. Für mich war das kein so großes Problem- wer einmal ein Wochenende mit Pingel-Inge verbracht hat, kann exakt nähen.

Das zweite Problem ergibt sich aus den verwendeten Materialien. Zwangsläufig sind die Stoffe für einen Rucksack eher von der dickeren Sorte, dazu kommt Einlage und Leder, und so muß die Nähmaschine einiges leisten, um das alles zu bewältigen. Ich war froh über diverse Hilfsmittel, die ich einsetzen konnte, wie meinen Obertransportfuß. Da ich auch eine Paspel verabeitet habe, kam mein neuer Nähfuß zum Einsatz. Der Fuß hat zwar die Bezeichnung Strickwarenfuß, war aber für diese eher dicke Paspel genau das Richtige. Als Nadel hatte ich eine Microtexnadel verwendet- keine Ahnung, ob das optimal war, aber es hat gut funktioniert.

Die dritte Schwierigkeit zeigte sich beim Zusammennähen des Rucksackes. Ich bin wie gesagt nicht so die große Taschennäherin, aber bei den Taschen, die ich genäht hatte, war das Prinzip immer gleich: man näht die Außentasche, dann die Futtertasche und verstürzt das ganze . Falls man nicht die Wendeöffnung vergessen hat, kann man dann die ganze Tasche wenden und den erhebenden Anblick des fertigen Teiles geniessen.

Bei dem Arc-Rucksack wird natürlich auch Außen- und Futterteil verstürzt, allerdings geschieht das hier getrennt für Vorder- und Rückenteil. Das wäre ja nicht so schlimm, wenn nicht an diesen Teilen dann schon der gesamte Rucksack dranhängt, der dann beim Nähen weggesteckt/gedrückt/irgendwie zur Seite geschafft werden muß…das fand ich schon sehr schwierig. Und auch das Wenden wird nicht unbedingt einfacher, wenn man durch die Wendeöffnung dann so einen ganzen Rucksack ziehen muß- da hat man viel Zeit, über die Frage zu sinnieren, warum Wendeöffnungen eigentlich IMMER zu klein sind…

Aber das Ergebnis finde ich absolut grandios. Irgendwie ist es doch etwas anderes, so ein dreidimensionales Teil zu schaffen, als ein Kleid oder einen Pulli- wobei das ja auch alles dreidimensional ist, aber das Kleid steht eben nicht so hübsch im Blumenbeet wie dieser Rucksack.

Mittlerweile ist der Rucksack in Gebrauch genommen, er hat mir im täglichen Leben schon gute Dienste geleistet. Es paßt einiges hinein, übrigens auch ein Laptop, wenn man das dann mit transportieren möchte.

Ich habe in der Inneneinrichtung nur diese Laptoptasche eingenäht, die auch im Schnitt enthalten ist. Vielleicht wäre noch eine weitere Innentasche hübsch gewesen, andererseits reicht die großzügige Außentasche eigentlich für Handy und Geldbeutel aus. Ist natürlich nicht diebstahlsicher, aber da ich zur Zeit nie in einem Menschengedränge unterwegs bin, spielt das keine Rolle. Wer von uns weiß eigentlich noch, wie sich Menschengedränge anfühlt? Ich zumindest nicht mehr.

Der Rucksack trägt sich sehr gut, durch die Polsterung sind die Träger recht bequem. Allerdings habe ich das Problem, daß beim Anziehen des Rucksackes das zweite Polster gern mal verrutscht und dann zurechtgezuppelt werden muß. Vielleicht werde ich die Träger noch auf dem Polster festnähen, dann wäre dieses Problem gelöst.

Und das schönste an diesem Schnitt ist ja, das ich mich jetzt noch auf zwei weitere Arc-Variationen freuen kann, nämlich den Kulturbeutel und die Reisetasche!

verlinkt: DufürDicham Donnerstag

A Blusen Hosen Uncategorized

Gilbert-Bluse von Helens Closet

Kurzärmelige Blusen sind in meinem sonst gut gefüllten Kleiderschrank Mangelware. Im Sommer trage ich gerne ärmellose Blusen oder Tops, wenn es kühler wird, mag ich zumindest dreiviertellange Ärmel. Aber kurzärmelig? Fehlanzeige!

Das fiel mir jetzt im Spätsommer auf, und ich hatte bald auch sehr genaue Vorstellungen, wie diese Bluse sein sollte. Ich wollte einen Hemdenkragen, eine schlichte, gerade Form, insgesamt nicht zu lang. Diese Ideen waren nicht sehr originell, denn in dieser Art gibt es viele Schnitte, sowohl bei den Schnittdesignerinnen als in den einschlägigen Zeitschriften.

Ich habe mich letztendlich für Gilbert von Helens Closet entschlossen, einfach deshalb, weil ich diese Designerin sehr mag und ja überhaupt gerne Schnitte der individuellen Schnittdesignerinne nähe. Ich mag die ausführlichen Anleitungen, die vielen Paßzeichen und das durchdachte Design, damit ist für mich meistens ein entspanntes Nähen gesichert.

Also Gilbert: ein Blusenschnitt, den es in zwei Längen gibt. Ich zeige hier die kurze Version, die eigentlich noch eine Schleife vorne hat. Die habe ich dann weggelassen, da mir das zu sommerlich für mein Herbstblüschen erschien.

Der Schnitt ist wirklich schlicht, er hat lediglich einen Brustabnäher und ist sonst gerade geschnitten. Im Rücken gibt es eine Passe, die Ärmel sind bei der Kurzarmversion gerade. Es gibt noch eine Langarmversion mit nach unten breit zulaufenden Ärmeln- das sieht schon schick und modern aus, aber da ich mir nicht vorstellen kann, mit solchen Ärmeln meinen Alltag zu bewältigen, habe ich doch lieber die kurzen Ärmel genäht.

Schön ist ja die Innenverarbeitung der Bluse. Die Passe ist gedoppelt und mit der Burrito-Methode verstürzt. Für die , die Burrito nicht kennen: es handelt sich um eine Nähmethode für Oberteile, bei denen Teile gedoppelt sind. Damit alle Nahtzugaben schön nach innen geschlagen sind, wird beim Nähen das gesamte Teil immer wieder zusammengerollt wie ein Burrito und die zu vernähenden Teile darüber geschlagen-schwer zu erklären, aber wenn man es einmal gemacht hat, recht logisch.

Auch die Verarbeitung des Vorderteilbeleges ist schön, denn der Beleg wird eingeschlagen und dann festgesteppt. Das führt natürlich zu einer sichtbaren Naht auf dem Vorderteil, die man bei einfarbigen Stoffen als Designelement sehen wird. In meinem buntgemustertetn Stoff geht diese Naht weitgehend unter.

Der Stoff ist ein Libertystoff , genauer gesagt ein Baumwollstoff aus Tana Lawn. Bezogen habe ich den Stoff hier, genauso wie die hübschen Corozo-Knöpfe, die freundlicherweise genau den gleichen Farbton wie der Stoff haben. Corozo ist ein pflanzliches Material für Knöpfe und wird aus dem Samen der südamerikanischen Steinnusspalme hergestellt. Ich habe die Knöpfe schon einige Male verarbeitet und bin immer wieder begeistert von den Farben und vor allem von der Haptik dieser Knöpfe. Die Qualität des Liberty-Stoffes ist natürlich auch toll, gut zu vernähen und alles- aber er knittert wie jeder andere Baumwollstoff auch.

Er knittert nicht im täglichen Leben, aber wenn man bei einer Wanderung über der Bluse ein Sweatshirt trägt, beim Bergaufgehen auch noch schwitzt, dann ist die Bluse einfach verknittert.

Einige Outtakes, bei denen ich versucht habe, das Schlimmste zu glätten:

Bei der Gelegenheit fiel mir auch wieder ein, warum ich so ungerne kurzärmelige Blusen tragen, denn das Problem, daß die Ärmel kraus werden, wenn man eine Jacke oder einen Pulli drüber trägt, das hatte ich auch früher schon mal registriert.

Aber nun war es einfach so, die Bluse war verknittert, die Wanderung schön, einen Picknickplatz gab es auch…was will man mehr? Manche Dinge muß man einfach akzeptieren.

Die Hose, die ich auf den Bildern trage, ist die Seaforth-Pants von HeyJune, die ich hier schon mal ausführlich vorgestellt habe. Auf der Wanderung lief die Hose in ihrem jogginghosenähnlichen Stil natürlich zu ihrer Hochform auf, das war ihr Element. Sie trägt sich wirklich gut, und ich habe mich mit den Gummizughosen mittlerweile sehr angefreundet. Es ist aber auch zu praktisch, eine bequeme Hose zu haben, die man sowohl in der Freizeit als auch „für gut“ anziehen kann.

Ich mag die Gilbert-Bluse gerne, sicher auch wegen des tollen Stoffes. Trotzdem finde ich die Form der Bluse mittlerweile nicht mehr so ganz ideal für mich, irgendwie ist sie mir dann doch zu grade und kantig . Wenn ich sie noch mal nähe, würde ich bei dieser kurzen Form doch die Schleife in den Vorderteilen mitnähen, vielleicht in einer Sommerversion nächstes Jahr. Oder ich nähe sie in der längeren Version, dann aber mit normalen langen Ärmeln mit Manschetten, man könnte auch einfach Rückenabnäher ergänzen, damit die Form nicht ganz so kastig wird.

Also, es gibt viele Pläne und Ideen…aber nach diesem Memademittwoch werden die sicher alle wieder verworfen, da dort eine Vielzahl von neuen Inspirationen und Schnitten gezeigt werden.

Danke fürs Lesen, ich freue mich wie immer auf Eure lieben Kommentare und die wertschätzende Interaktion, die ich auf meinem Blog erlebe!

B Hosen

Seaforth Pants von HeyJune

Die Gummizughose ist ja mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Man sieht sie überall, in den Geschäften, an den Frauen- natürlich auch an Männern, aber Männer mit Jogginghosen gab es immer schon, das ist normalerweise ein Grund, den Blick voller Grausen abzuwenden.

Aber die Frauen tragen jetzt wirklich schicke Jogginghosen, oft mit einem schönen Oberteil und schicken Schuhen kombiniert, und das sieht dann recht gut aus. Vielleicht ist das auch einfach eine Frage der Sehgewohnheiten, und wenn man etwas oft genug sieht, gefällt es einem- so wird ja wohl auch jeder Modetrend kreiert.

Beim Nähen der Pietra Pants von Closetcore im letzten Jahr hatte ich mich noch gefragt, ob Karl Lagerfeld mit seinem bekannten Zitat („wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“) eigentlich recht hat. Meine Pietrahose wird gerne getragen, und die Kontrolle über mein Leben habe ich seither nicht verloren. Es gab auch noch eine zweite Pietrapants, leider noch nicht verbloggt, folgt vielleicht noch irgendwann. Aber insgesamt war ich mit diesem Versuch einer Jogginghose sehr zufrieden.

Wobei ja die Pietra gar keine richtige Jogginghose ist, da das typische Bündchen am Knöchel fehlt. Und genau solche Schnitte erschienen jetzt auf dem Markt der individuellen Schnittdesignerinnen. Helens Closet brachte die Arden Pants heraus, und Hey June die Seaforth Panths. Wahrscheinlich gibt es auch noch viele ähnliche Schnitte, aber das waren die beiden, die ich für mich in die engere Wahl gezogen habe.

Entschieden habe ich mich für die Seaforth Hose, denn diese hat Taschen, die mit einem Reißverschluss versehen sind, das ist manchmal ja doch ganz gut, wenn so wichtige Dinge wie der Fahrradschlüssel drin sind. Außerdem hat der Schnitt rückwärtige Abnäher, wodurch er zumindest einen Hauch von Paßform bietet, soweit das eben bei einer Hose mit Gummizug möglich ist.

Viel mehr läßt sich über den Schnitt nicht sagen. Genäht habe ich Größe 6, nach meiner Hüftweite, und die Schrittkurve etwas steiler gestellt. Die Anleitung ist sehr gut, Nahtzugabe ist enthalten, also alles so, wie man es sich von einem stabilen Indie-Schnittmuster erwartet.

Der Stoff- ja, was soll ich über den Stoff sagen…ursprünglich wollte ich den Blogpost ja „eine Jogginghose aus Seide- nobel geht die Welt zugrunde“ nennen, aber das fand ich dann doch nicht mehr so passend. Aber es ist tatsächlich Seide, und zwar die sogenannte „raw silk noil“, ein Abfallprodukt bei der Seidenentstehung. Einzelheiten über die Produktion dieses Stoffes kann man bei den Hello Heidis nachlesen, wo ich meinen Stoff auch bezogen habe. Kurz gefaßt ist es so, daß bei der Seidengewinnung viele kurze Fasern anfallen, die für einen hochwertigen Seidenstoff nicht mehr geeignet sind. Daraus wird dann z.B. Bouretteseide produziert, oder eben die „raw silk noil“. Während die Bourettseide noch den Seidenleim enthält und deshalb recht typisch riecht, ist dieser Leim bei der Raw Silk Noil entfernt.

Ich hatte von dieser Stoffqualität noch nie etwas gehört und war ensprechend gespannt auf meine Lieferung aus der Schweiz, wo ich meinen Stoff bestellt hatte. Und der Stoff ist schon schön, hat eine etwas noppige Struktur und einen angenehmen Griff, so ähnlich wie Bouretteseide. Aber als ich den Stoff aus dem Päckchen nahm, war ich zunächst etwas enttäuscht. Die Farbe wird als Khaki bezeichnet, und das ist natürlich ein weiter Begriff zwischen grün und braun. In diesem Fall war es schon ziemlich braun, also eine richtige – Entschuldigung- Kackfarbe.

Deshalb lag der Stoff auch eine Weile im Stapel und wurde nicht zum geplanten Rock verarbeitet, für den er eigentlich gedacht war. Aber jetzt war er dran, und mittlerweile finde ich die Farbe auch gar nicht mehr so schlimm. Und farblich paßt er sich wirklich gut an die Farben des mecklenburgischen Strandes an!

Auch das Top, das ich dazu trage, ist sehr erwähnenswert. Es ist eines der ersten Oberteile, die ich genäht habe, und es hat duchaus eine historische Bedeutung. Genäht habe ich es 2016 und hier verblogt. Der Schnitt heißt Koko und ist von Named Patterns. Bei Named gibt es diesen Schnitt nicht mehr, er wurde aus dem Sortiment genommen. Eigentlich schade, denn es ist ein hübscher Schnitt: aus Jersey genäht, mit einem Einsatz aus Spitze vorne und hinten und witzigen kleinen Flügelärmelchen. Ärmelchen ist auch noch zuviel gesat, es sind eher kleine Schulterabdeckungen, die aber zumindest die empfindlichsten Stellen vor Sonnenbrand schützen können.

Wie antiquarisch der Schnitt ist, habe ich daran gemerkt, daß er auf Instagram nicht zu finden ist. Was leben wir doch in einer rasanten Zeit! Ich finde den Schnitt übrigens immer noch sehr hübsch, vielleicht nähe ich nochmal ein Koko Top, damit unter dem Hashtag #namedpatternskoko zumindest zwei Beispiele zu finden sind…

Auch der Stoff des Oberteiles ist historisch interessant, ein Jersey der finnischen Firma Nosh. Wie schade, daß diese Globalisierung schon vor Jahren aufgekündigt wurde…

Mittlerweile kann ich auch auf einige Wochen Trageerfahrung der Hose zurückblicken. Meine anfänglichen Bedenken wegen der Stofffarbe haben sich zum Glück nicht bestätigt. Die Farbe paßt sich insbesondere jetzt im Herbst sehr gut in meine Garderobe ein, und die Assoziation mit irgendwelchen Verdauungsprodukten haben sich nicht wiederholt. Der Schnitt ist wirklich schön, bequem und fahrradtauglich. Ob es wirklich so schick ist, eine Jogginghose aus Webstoff im täglichen Leben zu tragen, wird sich wahrscheinlich erst in einigen Jahren entscheiden. Ich vermute, man wird dann irgendwann sagen „in den 2020er Jahren war es kurzfristig modern, Gummizughosen auch auf der Straße und im Büro zu tragen- stellt Euch das mal vor!“ – so wie wir heute uns über die Moder der 70er oder 80er Jahre lustig machen- oder sie wieder schick finden. Es wiederholt sich ja einiges immer wieder.

Das Tragegefühl des edlen Stoffes ist eher gewöhnlich, ich merke hier keine Unterschiede zu anderen Stoffen wie Leinen oder Baumwolle. Der Fall des gekräuselten Bundes ist schön weich, aber das hätte ich mit einem vorgewaschenen Leinen wahrscheinlich auch erreicht. Ich hatte das Gefühl, daß ich an den jetzigen warmen Tagen eher wenig schwitze in der Hose, aber auch das wäre wahrscheinlich mit Leinen oder Viskose genauso zu erreichen.

Insgesamt bin ich also nach diesem Nähprojekt nicht unbedingt zu einem großen Anhänger der Raw Silk Noil geworden- ich finde, es gibt andere spannendere Stoffe.

Verlinkt: DufürDicham Donnerstag

Kleid

Elodie Wrap Dress von ClosetCorePatterns

Dieses Kleid, das Elodie Wickelkleid von Closet Core entstand ausschließlich nach dem Lustprinzip.

Natürlich kann man jetzt einwenden, daß alles, was ich nähe, nur aus Lust am Nähen entsteht. Ich könnte ja auch meine Klamotten kaufen, oder, noch besser, mich mit dem bescheiden, was der gut gefüllte Kleiderschrank beherbergt.

Aber bei vielen Dingen, die ich nähe, ist schon ein Sinn dahinter erkennbar. So entstehen schöne Kleidungsstücke, die mir besser passen als Kaufkleidung, aus schöneren oder ökologisch vertretbareren Stoffen und nach Schnitten, die mir stehen. Ja, ich würde schon sagen, daß ich meinen Stil gefunden habe. Aus den Zeiten, in denen ich noch gekauft habe, erinnere ich immer wieder Fehlkäufe, also Kleidung, die dann nicht getragen wurde. Das passiert mir bei den genähten Sachen mittlerweile fast nicht mehr.

Und trotzdem ist es manchmal einfach die Lust am Nähen, die zur Entscheidung eines genähten Stückes führt und über die Vernunft siegt. Die Vernunft sagte mir in diesem spätsommerlichen Fall, daß es keinen Sinn mehr macht, jetzt noch ein Sommerkleid zu nähen. Sie meinte auch, ich könne mich jetzt wirklich mal mit der Herbstgarderobe befassen, und hatte mir auch schon einen Rock- und einen Blusenschnitt herausgelegt.

Aber dann kam dieser neue Schnitt von Closet Core heraus, ein Wickelkleidschnitt, dessen Schnittführung mir sofort gefiel. Meine Vernunft, die alte Nörglerin, hatte natürlich sofort ihre Gegenargumente bereit: Wickelkleider sitzen nicht, klaffen nur auf und sind nicht alltagstauglich- ja, da hatte sie natürlich recht, das waren so meine Erfahrungen bisher mit Wickelkleidern. Andererseits habe ich mit den Schnitten von Closet Core bisher überwiegend sehr gute Erfahrung gemacht. Und das entscheidende war – ich hatte einfach Lust darauf , diesen Schnitt zu nähen.

Die Stoffwahl war nicht so schwierig, denn es gab noch diesen genialen Liberty-Stoff im Stoffregal, der auf seine Verwendung wartete.

Gekauft hatte ich ihn ursprünglich für ein Kleid nach einem der vielen schönen Sewoverit-Schnitte, konnte mich dann aber nicht für einen Schnitt entscheiden und deponierte den Stoff erstmal auf dem Stoffstapel. Dort war er absolut nicht richtig aufgehoben, denn so oft ich ihn betrachtete und streichelte, wurde mir bewußt, was für ein tolles Material es ist. Viel zu schade zum alleinigen Streicheln! Das Muster stammt übrigens aus dem Jahr 1933 und wird seither immer wieder in verschiedenen Farben neu aufgelegt. Mich erinnert es an stilisierte Beeren, Johannisbeeren, Heidelbeeren? egal, jedenfalls irgendwas sehr Appetitliches!

Aber jetzt war der Zeitpunkt da, Stoff und Schnitt paßten zusammen, es gab noch zwei freie Tage am Ferienende und die Vernunft wurde ausgeschaltet.

Für die Nählust sind die Schnitte von Closet Core immer ideal. Die Anleitung ist so ausführlich, daß das Gehirn wunderbar von Vernunft auf Lust schalten kann, der Schnitt näht sich also sozusagen fast von alleine. Über die Anpassung muß man sich bei diesem Schnitt auch keine so großen Gedanken machen, weil er wirklich raffiniert gemacht ist. Die Ärmel sind überschnittene Kimonoärmel- da fallen die Probleme mit Schulter und Armausschnitt schon mal weg. Die Abnäher im Vorderteil sind offene Abnäher, also nur abgesteppte Falten, da muß der Brustpunkt vielleicht auch nicht so ganz genau definiert werden. Die Taille reguliert sich mit dem Bindeband, und die Hüftweite verschwindet unter dem weiten Rock. Und trotzdem entsteht kein formloses Gebilde, sondern ein Kleid, das Figur zeigt- ich finde, so was ist schon ein Zeichen, daß der Schnitt einfach gut gemacht ist.

Ich habe die Größe 8 genäht und zur Taille hin auf eine 10 gradiert, damit bin ich sehr zufrieden. Mittlerweile erschien auch ein Tutorial bei ClosetCore, in dem verschiedeneSchnittanpassungen wie eine FBA/SBA und anderes beschrieben werden. Ich hätte wohl eigentlich eine FBA machen sollen aufgrund meiner Maße, aber eigentlich finde ich die Paßform des Oberteiles so recht gut.

Natürlich hat der Schnitt Taschen, in diesem Fall aufgesetzte Taschen, die aber zum Stil des Kleides gut passen, finde ich.

Wunderbar ist die Form des Halsausschnittes. Normalerweise steht der immer leicht etwas ab bei mir, da ich eigentlich einen Nackenabnäher benötige. In diesem Fall liegt alles perfekt an.

Der Rücken hat eingelegte Falten an der Taille, in Verbindung mit dem perfekt anliegenden Nackenausschitt ergibt sich eine schön blusige Form des Oberteiles, das ist eines meiner Lieblingsdetails an diesem Schnitt.

Der Schnitt enthält drei verschiedene Längen, von Mini bis Maxi. Ich habe zuerst sehr mit der Maxi-Variante geliebäugelt, aus einer gut fallenden Viskose, und dann an einem lauschigen Sommerabend ein Konzert besuchen…diese Träume habe ich jetzt erstmal auf 2021 geschoben, aus naheliegenden Gründen. Meine Version ist ein Mittelding zwischen der Mini- und Midiversion, und ich finde die Länge so ganz schön.

Das Oberteil klafft wirklich kaum auf, jedenfalls nicht im normalen Leben. Wenn ich mich allerdings auf die Couch flegele, gewährt es natürlich einige Einblicke, aber das ist auf der Couch vielleicht auch nicht so schlimm. Ich wollte das Kleid, da es ja so schön und so neu war, eigentlich bei einem Streichquartett- Vorspiel anziehen- davon habe ich dann aber doch abgesehen. Ich spiele Bratsche im Streichquartett und bewege mich dabei naturgemäß mit dem Oberkörper und den Armen. Ich bin zwar durchaus fähig zum Multitasking, aber gleichzeitig darauf zu achten, nicht allzu viele falsche Töne und keine unliebsamen Einblicke zu produzieren, das hätte mich dann doch überfordert. Ich habe dann lieber ein anderes Kleid angezogen.

Der Rock ist recht weit überlappend, aber er ist nun mal ein Wickelrock und zeigt viel Bein, vor allem wenn man auf einer windigen Wiese im Spessart steht. Im normalen Leben ist das nicht so schlimm, eine gewisse Öffnung des Rockteiles gehört sicher dazu zu einem Wickelkleid. Da ist es gut, wenn der Stoff halbwegs durchgefärbt ist wie bei meinem Liberty-Stoff, eine weiße Stoffrückseite würde sich nicht gut machen. Die Nähte habe ich übrigens alle französisch gearbeitet, auch in Gedanken an eventuelle Einblicke in das Innenleben des Kleides.

Ich habe das Kleid in den letzten warmen Tagen des Augusts häufig und gerne getragen. Genial ist wirklich das Tragegefühl des Stoffes. Ich mag ja die Libertys schon lange wegen den schönen Mustern, ein Kleid daraus hatte ich noch nie genäht. Aber es ist wirklich ein unvergleichliches Gefühl, diesen Stoff auf der Haut zu tragen.

Für den Herbst werde ich das Kleid wohl mit einem Unterkleid tragen, dann sind unverhoffte Einblicke auch nicht mehr das Problem.

Und die Stimme der Vernunft, die mir ja so vom Nähen des Kleides abgeraten hatte, wurde immer leiser, je weiter ich im Nähprozess fortschritt. Irgenwann hörte ich sie noch mal leise grummeln: „…ist ja doch sehr schön geworden“ … „kann man sicher im nächsten Jahr auch wieder anziehen“…

Also ich glaube, ich habe alles richtig gemacht! Und als nächstes nähe ich wirklich ganz vernünftig meine Herbst-Garderobe!

Dieses Kleid ist mein Beitrag zum September –Memademittwoch – die Linkparty zeigt viele, viele andere schöne Kleider!