Hosen Jeans Smart Pattern T-Shirt

Smart Pattern Chino

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Das Schöne, wenn man sich eine Chino näht, ist ja, daß die Pose fürs Fotografieren schon klar ist- Hände in die Tasche! Wo sollen sie auch sonst hin, die schrägen Eingrifftaschen laden ja gerade dazu ein, die Hände darin zu versenken, und damit ist eines der großen Probleme für die Hobbynäherin und -poserin schon gelöst. Und manche Paßformmängel lassen sich damit auch elegant überspielen, aber davon später mehr.

Ich habe mir also wieder eine Chino genäht. Ich hatte einen Grund dafür, denn die letzte selbstgenähte Chino ist mittlerweile nicht mehr gut tragbar. Genäht hatte ich sie 2019, hier verbloggt und gerne und viel getragen und gewaschen. Der Stoff enthielt sehr viel Elasthan, und erwartungsgemäß ist die Hose jetzt verbraucht- sie ist ausgeleiert und abgestossen, einfach nicht mehr schön. Der Schnitt, Sasha von Closet Core, gefiel mir jetzt auch nicht mehr so gut, da er relativ tief in der Taille sitzt, mittlerweile mag ich es lieber, wenn die Hosen eher hoch in der Taille sitzen.

Da ich eine relativ klare Idee davon hatte, wie die Hose aussehen sollte, ich aber auch keine Lust auf große Anpassungs-Orgien hatte, habe ich mich wieder für Smart Pattern entschieden, das Baukastensystem, das nach eigenen Maßen einen Schnitt generiert. Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht, wobei ich zugebe, daß ich ein etwas schlechtes Gewissen habe, wenn ich so einen Maßschnitt bestelle. Ja, ich könnte einen Hosenschnitt auch selbst anpassen…aber wenn dafür Zeit und Lust fehlen, ist der Smart Pattern Schnitt die bessere Lösung.

Ich komme mit den Smart Pattern Schnitten recht gut klar. Anproben erspart so ein Maßschnitt natürlich nicht. In diesem Fall hatte ich die Empfehlung der Anleitung für eine erste Anprobe befolgt und ein erstes Testmodell ohne Tascheneingriff genäht. Ich fand die Idee gut und kannte sie so noch nicht: es gibt auf dem Schnittmusterbogen ein „ganzes “ Vorderteil, auf dem die seitlichen Tascheneingriffen nur eingezeichnet sind. Man schneidet zunächst das Papierteil und auch das Stoffteil komplett, also ohne Taschen und heftet die ganze Hose zusammen. Nach der Anpassung trennt man dann den Tascheneingriff sowohl am Papierschnitt als auch am Stoff ab und näht erst dann die Tasche. Das ist sozusagen ein Nesselmodell ohne Nessel – finde ich prinzipiell sehr hilfreich. Gerade bei Hosen ist es schwierig, die Paßform nach einem Modell aus einem anderen Stoff zu beurteilen, da der Hosenstoff sich nachher doch wieder ganz anders verhält. Insbesondere wenn der Stoff etwas dehnbar ist, hilft mir ein Modell aus einem unelastischen Baumwollstoff oft nicht so sehr weiter.

Aber auch diese Methode hat ihre Tücken. Mein Probemodell, also ohne Taschen, saß recht gut, fand ich. Ich hatte dann noch etwas Weite an den Seitennähten ausgelassen, also die Nahtzugaben verringert. Als ich die Hosen dann final zusammengenäht habe und den Bund auch bereits angenäht hatte, sah ich das Problem. Natürlich paßt die Hose, der Stoff ist ja auch dehnbar, aber durch die schrägen Eingriffstaschen holt sich die Hose die Mehrweite, die sie für den Unterbauch benötigt, aus dem Tascheneingriff. Dieser klafft dann auf und es gibt eine Einbuchtung an der Seite, wo die Tasche angenäht ist. Die Seitennaht ist im oberen Bereich nach hinten verzogen.

Was man auf den Bildern sieht, ist schon das Ergebnis meiner Korrektur. Ich habe die Seitennähte dann nochmal aufgetrennt und maximal die Nahtzugabe reduziert- mit dem Ergebnis kann ich jetzt gut leben. Das letzte Bild ist sicher keines, daß ich auf Instagram veröffentlichen werde- oder vielleich doch grade? Mich nervt es schon sehr, daß ich auf Instagram keine Bilder von Hosen sehe, die nicht in der idealen Pose fotografiert sind. Und es wird schon seinen Grund haben, warum wir alle die Hände so gerne in die Taschen von Chinos stecken, denn das verdeckt zumindest auf den ersten Blick so manche Paßformmängel.

Hinterher ist man ja immer klüger, und so weiß ich jetzt, wo mein Fehler lag. Schon bei der Auswahl und Planung des Schnittes hätte ich bedenken müssen, daß diese schrägen Eingrifstaschen dazu neigen, aufzuklaffen wenn im Unterbauchbereich der Hose nicht ausreichend Platz ist. Denn natürlich benötigt der Unterbauch seinen Raum, vor allem auch beim Hinsetzen. Abhilfe kann ein Taschenbeutel schaffen, der durchgehend bis zum Reißverschluß geschnitten ist und dort festgenäht wird. Ich kenn dafür den Begriff „pocket stay“, aber sicher gibt es dafür auch eine deutsche Bezeichnung. Ich hatte einmal eine Jeans mit „pocket stay “ genäht und fand sie sehr unbequem…klar, der Taschenbeutelstoff war nicht so schön dehnbar wie mein Jeansstoff…also wie man es macht, ist es verkehrt.

Wahrscheinlich würde auch das Einbauen von Bundfalten mein Problem lösen, dann würde ja der Falteninhalt Raum für den Unterbauch bieten. Das ist vielleicht der Grund, warum Chinos auch so gerne mit Bundfalten geschnitten werden? Also, ich glaube, ich nähe mir bald noch eine Chino und beherzige alles das, was ich jetzt gelernt habe.

Aber letztendlich ist das jetzt alles Jammern auf einem hohen Niveau, den ich bin mit dieser Hose trotz aller meiner Nörgelei sehr zufrieden. Sie ist sehr bequem, das liegt sicher auch an dem schönen Stoff, der 2% Elasthan enthält. Bezogen habe ich ihn bei 1000Stoff in Berlin. Die Anleitung von Smart Pattern finde ich gut verständlich, insbesondere das Nähen der rückwärtigen Paspeltasche habe ich als sehr entspannt erlebt.

Das Shirt habe ich natürlich ausgewählt, um einen schönen Kontrast zur grauen Hose im tristen Februargrau zu haben. Genäht hatte ich es schon im Spätsommer letzten Jahres, da hatte ich plötzlich Lust auf diese für mich etwas untypische Farbe. Es ist ein zarter Rippjersey, den ich auch bei Lara in Berlin bezogen habe. Der Schnitt ist wiedermal Vera von Forgetmenot- Patterns, ein oft genähter Schnitt, der mich immer wieder begeistert.

Der Veraschnitt hat die beste Anleitung für einen V-Ausschnitt in Jerseyshirts, die ich je gelesen habe, und ich kenne mittlerweile viele Anleitungen. Der Schnitt ist immer noch gratis, aber es gibt mittlerweile die Option, etwas zu spenden, wenn man ihn herunterlädt.

Verlinkt wird dieser Beitrag mit dem Memademittwoch. Ich freue mich schon, wenn ich die anderen Beiträge lesen kann- sicher gibt es viele Inspirationen für Frühjahrsmode!

Bloggen Blusen Daughter Judy Patterns Memademittwoch

Jahresrückblick und Genra-Shirt von Daughter Judy

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Der Rückblick auf mein Nähjahr 2023 fällt mir deutlich leichter als in den letzten Jahren, denn die Anzahl der Kleidungsstücke, über die es zu berichten gilt, ist um einiges geringer als in den letzten Jahren.

Nun könnte ich ja mit Zeitmangel kokettieren und mich mit dem bekannten Spruch „ich gehöre jetzt zur Gattung der vielbeschäftigten Rentner, die nie für etwas Zeit haben!“ aus der Affaire ziehen, aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Tatsächlich ist es so, daß man als Rentner natürlich erst mal viel Zeit hat, aber die teilt man sich dann für die Dinge ein, die im Vordergrund stehen oder im Augenblick notwendig sind. Und da gehört das Nähen sicher auch irgendwo dazu, aber die Prioritäten liegen woanders. Ich merke jetzt auch zunehmend, wie sehr das Nähen in den früheren Jahren ein Ventil für den Druck war, dem ich jahrzehntelang ausgesetzt war. Mittlerweile brauche ich das Nähen nicht mehr für diesen Zweck, und so wurde es eben doch deutlich weniger. Dazu kommt natürlich auch, daß Kleiderschrank und Regale gut gefüllt sind mit schönen selbstgenähten Kleidungsstücken, auch da brauche ich eigentlich nichts mehr.

Trotz allem sind dieses Jahr 20 Kleidungsstücke für mich entstanden, und wenn ich so über die Liste blicke, trage ich sie alle auch gerne. Es gibt weiterhin einen klaren Trend zu Oberteilen, und einen genaus so klaren Trend zu Schnittwiederholungen. So sind zwei Olyashirts entstanden (Olya von Paper Theory , hier verbloggt) und drei Donny-Shirts (Donny von Friday Pattern , hier verbloggt)

Den Sweatshirt-Schnitt Capitole von Cosy Little World habe ich sogar 4mal genäht. Eine Version kann man hier sehen, die anderen drei haben es nicht auf den Blog geschafft, werden aber alle gerne getragen. Dann gab es zwei Nora-Shirts (Nora von Sew lala), eines davon hier gezeigt. Zwei Sommerkleider habe ich genäht, allerdings nach verschiedenen Schnitten…und den einen Kleiderschnitt dann nochmals als Bluse (hier nachzulesen).

Eine Neuentdeckung im letzten Jahr waren für mich die Maßschnitte von Smart Patterns. Auch wenn ich mir mittlerweile zutraue, eine Hose für mich anzupassen, ist es schon schön, so einen fertigen Schnitt nach meinen Maßen zu bekommen. So sind drei Jeans entstanden, hier verbloggt. Dann gab es noch eine Leinenhose, einen Rock und natürlich noch die aufwendige Momiji-Jacke von Waffle Patterns, die ich zwar immer noch schön finde, aber selten getragen habe. Sie wärmt nicht so richtig und ist zu schmal geschnitten, um dicke Pullis darunter zu tragen, das ist mir im Augenblick zu kalt.

Ja, und dann sind natürlich auch noch einige andere Nähwerke entstanden, z.B.diese Patchworkdecke (Lonestar Quilt, Muster und Stoffe von Das-mach-ich-nachts). Diverse Kissen habe ich genäht, Utensilien fürs Nähzimmer, Geschenke, Taschen und Täschchen…also die Nähmaschine hatte keine Zeit Staub anzusetzen.

Meine Nähpläne für 2024 sind auch durchaus bescheiden, denn konkrete Pläne oder Bedürfnisse habe ich nicht. Ich werde weiterhin versuchen, Stoffabbau zu betreiben, das Stofflager ist natürlich immer noch gut gefüllt. Über meine Stoffkäufe 2023 habe ich nicht mehr korrekt Buch geführt, wie ich es in früheren Jahren teilweise gemacht hatte (mit durchaus erschreckenden Bilanzen…).

Auch der Stoff der Bluse , die ich heute noch zeige, kommt nicht so wirklich aus dem Vorrat, er lag nur ca 3 Monate im Stoffregal.

Es handelt sich um einen Triple Gauze, als sozusagen ein Doble Gauze mit einer weiteren Schicht, das gibt es ja nicht so oft. Ich habe den Stoff beim Ausverkauf von Hello Heidi ergattert, ein Deadstock von Jil Sander. Mit dem üblichen Double Gauze- Musselin-Spucktuchstoff hat dieser Stoff nun gar nichts mehr zu tun, er hat eine richtige Substanz und ist kuschelig weich wie ein Flanell. Vielleicht ist er für den von mir gewählten Schnitt ein klein wenig zu dick, aber das Ergebnis mag ich trotzdem sehr.

Genäht habe ich das Genra Shirt von Daughter Judy Patterns. Das ist einer der vielen Schnitt für oversized geschnittene Hemden/Blusen, die zur Zeit auf dem Markt sind. Genra hat einige Besonderheiten, die in diesem Blogbeitrag einer amerikanischen Bloggerin wunderbar zusammengefaßt sind. Ich mag vor allem diesen sehr schmalen Reverskragen gerne, und in der Kombination mit den weiten Ärmeln und dem ausladenden „shirt tail“ ergibt sich ein sehr proportionierter Hemdenschnitt.

Ich habe die Größe S gewählt, das ist eher die kleinere Größe, die sich nach meinen Maßen ergibt. Die Anleitung ist völlig ausreichend, wenn man schon mal eine Bluse genäht hat, für einen Anfänger ist sie wahrscheinlich nicht ausführlich genug. Besonders stolz bin ich auf den gerundeten Saum, für die Rundung habe ich die Nahtzugabe mit einer Extranaht eingereiht und dann den Faden etwas gerafft. Ich hatte diese Technik schon oft gelesen aber noch nie probiert- hier hat es gut funktioniert.

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Jacke Memademittwoch Waffle Pattern

Momiji Walking Jacket von Waffle Pattern

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Der Nähprozess dieser Jacke hat mich durch etliche Höhen und Tiefen gerführt, wobei die Tiefen am Anfang wirklich sehr, sehr tief waren. Daß ich jetzt hier so fröhlich in die Kamera blicken kann, zeigt mir wieder mal, wie spannend und interessant doch unser wunderbares Hobby, das Nähen, sein kann.

Quelle: Waffle Patterns

Genäht habe ich die Momiji-Jacke der holländisch-japanischen Designerin Yuki, die unter dem Labe Waffle-Patterns ihre Schnitte vertreibt. Ich habe schon einiges von ihr genäht, die Jeans Pinda (hier verblogt) , den Pulli Malaga (hier) den Anzu-Rock (hier) und die wunderschöne Softshell-Jacke nach dem Schnittmuster Tosti. Wenn ich das so aufzähle, merke ich erst, wie viele Schnitte das von ihr sind, aber es hat seinen Grund. Ich war immer hoch zufrieden mit den Schnitten, sie passen mir recht gut und ich liebe die Anleitungen mit diesen tollen Grafiken, auf denen man sofort versteht, wie es gemeint ist. Es ist natürlich ein spezieller Stil, sehr sportlich und wohl auch eher für Menschen gedacht, die sich gerne draußen aufhalten und viele Taschen benötigen, das ist ja fast ein Markenzeichen der Waffle Pattern Schnitte. Also ideal für Hundebesitzer, und so hat Melanie von 500days of sewing die Momiji-Jacke sogar schon zweimal genäht (hier und hier verbloggt).

Die Momijijacke hat ein asymmetrisches Vorderteil mit einem seitlichen Reißverschluss, das ermöglicht breite und tiefe Taschen im Vorderteil. Ich habe bei meinem Modell alle verfügbaren Taschen genäht, war ursprünglich gar nicht so geplant und vielleicht auch gar nicht nötig, aber ich fand dann irgendwann soviel Spaß am Taschennähen, daß ich mir diese Freude nicht verderben wollte. Eine der vorderen Taschen ist unter der Klappe gut geschützt, da kann wirklich nichts raus- und auch kein Regen reinfallen, also der ideale Ort fürs Handy (wenn man es denn dabei hat-wenn ich mit meinem Hund spazieren gehe, habe ich es meistens nicht dabei, denn ich will mich auf den Hund konzentrieren-er soll sich ja auch auf mich konzentrieren)

Darunter ist der Handwärmer, eine absolut geniale Einrichtung: eine breite Tasche, in die man von beiden Seiten die Hände reinsteckt, um sie zu wärmen. Dann gibt es noch eine Brusttasche und eine Ärmeltasche, beide mit Reißverschluss, für so notwendige Kleinigkeiten wie Kleingeld, Schlüssel oder Hundepfeife. In der Ärmeltasche verwahre ich die Kotbeutelchen auf, sehr angenehm, wenn man dann beim abendlichen Gassigang im Dunkeln nicht erst mühsam alle Taschen nach dem notwendigen Utensil durchwühlen muß.

Und eine weitere Tasche habe ich noch ergänzt: eine einfache, nach oben auch nicht verschlossene Eingrifftasche auf dem rechten Vorderteil. Hier kann ich die Leine von Caspar unterbringen, wenn er im Freilauf ist (was sehr oft der Fall ist, er hat schon einen recht zuverlässigen Rückruf und darf daher oft ohne Leine laufen). Das Fach für die Leine muß logischerweise nicht wassergeschützt sein, und da die Leine meistens verdreckt ist, ist es gut, sie fernab von anderen sauberen Taschen zu haben.

Der Schnitt enthält sowohl ein Version mit Kapuze, die ich hier zeige, als auch eine mit einem hohen Kragen. Es gibt verschiedene Ärmelabschlüsse, ich habe die Bündchen-Lösung gewählt. Ach ja, und natürlich ist auch ein Futterschnitt enthalten, denn die Jacke ist selbstverständlich gefüttert.

Also, am Schnitt lag es wirklich nicht, daß ich so lange mit diesem Nähprojekt gehadert habe. Nein, es war meine Stoff-Wahl, die mich wirklich lange sehr unsicher gemacht hat. Denn soviel Freude es mir auch normalerweise macht, einen passenden Stoff für ein Projekt zu wählen, in diesem Fall fand ich es sehr schwierig. Klar, der Stoff sollte halbwegs regentauglich sein. Ich wollte nicht unbedingt eine perfekte Regenjacke, denn ich hatte nicht vor, mit dieser Jacke stundenlang durch strömenden Regen zu marschieren- das macht auch mein kleiner Partner am anderen Ende der Leine nicht mit. Aber so einige Regentropfen sollte die Jacke aushalten und der Stoff etwas wasserabweisend sein. Mein Wunsch-Stoff, nachdem ich eine Weile gesucht hatte, war einer der Trenchcoat-Stoffe, die oft als Deadstock von Stoff-Händlerinnen angeboten werden. Da gab es auch manche Angebote, aber irgendwie war ich immer zu spät und der Stoff in der gewünschten Menge oder Farbe ausverkauft. Einen richtigen Funktionsstoff mit viel Kunststoff wollte ich auch nicht nehmen, außerdem gefielen mir die Farben da nicht. Irgendwie kam ich dann doch immer wieder auf Oilskin, den ich schon für diverse Taschen verarbeitet hatte und eigentlich gute Erfahrung gemacht hatte.

Und so so entschied ich mich für diesen Stoff, einen Dry Oilskin in freundlichem Grau, GOTS zertifiziert. Die Wahl des Futters war einfach: das mußte ein kuscheliger Flanell sein, dieser ist von Robert Kaufman, bezogen habe ich beide Stoffe hier. So weit, so gut…als ich aber dann mein Päckchen erhielt und die Stoffe auspackte, war ich entsetzt. Die knapp 3 m Oilskin zusammengefaltet schienen mir ein einziges hartes Brett, undenkbar, daraus ein Kleidungsstück zu nähen! Der kuschelige Flannell, der in echt noch viel hübscher war als auf dem Produktfoto, tröstete mich kaum.

Ich ließ das ganze erstmal liegen, die Beschäftigung mit der Hardware, also Reißverschluss , Ösen und anderem Zubehör zog sich sowieso noch hin, und ich konnte guten Gewissens etwas prokrastinieren.

Als dann alles zusammen war, sah es in der Kombination doch ganz hübsch aus…und wenn der Oilkin auseinandergefaltet war, schien er auch nicht mehr ganz so brettartig. Also beschloß ich , einfach mal anzufangen und nach den ersten Nähschritten zu überlegen, ob ich die Jacke fertig stellen würde.

Der Zuschnitt versöhnte mich mit dem Oilskin- der ist wirklich so super zu verarbeiten. Man kann gut darauf anzeichen, er verrutscht nicht beim Schneiden und verzieht sich nicht. Und das Beste: er muß nicht mit Einlage verstärkt werden! Er ist ja von sich aus schon steif, abgesehen davon, daß er das Aufbügeln der Einlage nicht überstehen würde. Richtig bügeln darf man Oilskin nicht, aber so ein bisschen anwärmen mit dem Bügeleisen, ganz vorsichtig mit Tuch dazwischen, das geht schon. Und ansonsten war er prima zu falzen und zu knicken, so daß diese ganzen komplizierten Taschenkonstruktionen wunderbar zu machen waren.

Aber andere Dinge fand ich schwierig zu nähen, schon bei den Teilungsnähte in Vorder- und Rückteil, die leicht geschwungen verlaufen, erwies sich der Oilskin als störrisch. Und beim Einsetzen der Ärmel hatte ich plötzlich ein heftiges Verlangen nach einem Wollstoff, in den ich diese perfekte Armkugel einbügeln würden, schön mit viel Dampf…der Ärmelschnitt ist nämlich wirklich wunderschön, zweigeteilt mit einer hohen Armkugel, das rief einfach nach einem Wollstoff. Nun, natürlich wurden meine Wünsche nicht erhört, es blieb bei dem störrischen Oilskin, den ich dann irgendwie in den Armausschnitt reinzwängte. So ist das Leben!

Je weiter der Nähprozess fortschritt, umso zufriedener wurde ich mit dem Projekt. Als dann die Ärmel mal drin waren und ich die erste Anprobe macht, war ich komplett versöhnt mit meiner Stoffwahl. Ja, man konnte die Jacke anziehen, hatte zwar ein bisschen was von einem Panzer, aber durchaus tragbar. Und dann lag da ja auch das Futter bereit zum Zusammennähen, da hatte ich mich ja so drauf gefreut, auf diesen lang ersehnten Kuschelfaktor beim Nähen.

Aber vorher mussten noch die Futterteile mit einer warmen Einlage verstärkt werden. Es sollte ja doch eine Winterjacke werden, und Flanell und Oilskin sind durchaus nicht wintertauglich. Ich hatte mich für Meida 120 entschieden, eine dünne Polyester Einlage mit einem sehr guten Wärmevermögen, so wird sie jedenfalls beworben. Ich habe alle Futterteile mit Meida 120 zusammengeheftet und dann wie eine Stofflage behandelt. Ging ganz gut, der Kuschelfaktor stieg, bis dann am Bügelbrett der nächste Schrecken kam: Meida ist extrem hitzeempfindlich. Auch mit Bügeltuch und tiefen Temperaturen ist mir einiges der Einlage einfach weggeschmolzen. Also auch hier keine Chancen auf schön ausgebügelte Nähte- gut, ich hatte schon akzeptiert, daß ich mit diesem Projekt kein Bügeldiplom erwerben kann.

Ein Diplom für Karoanpassung kann ich hier auch nicht erwerben- das war mir schon beim Zuschnitt klar und ich fand es auch nicht so wichtig. Ich hatte relativ wenig Stoff, da der schöne amerikanische Flanell nur 1,10 m breit liegt, und so wurde die Karoanpassung nur halbherzig betrieben. Ich kann damit gut leben, zumal ich die Jacke aufgrund ihres Schnittes nie offen tragen werde.

Die Momiji ist wunderschön geschnitten, Vorder- und Rückteil sind jeweils dreiteilig plus Schulterpassen. Der Schnitt passt mir auch gut, aber er ist schon eher schmal geschnitten. Das wurde mir klar, als ich dann erstmals Futter und Aussenteil zusammen probierte. Die Futter-Ärmel hatte ich natürlich nicht aus dem Flanell zugeschnitten, sondern aus normalem Flutschi-Futterstoff- trotzdem war das ganze recht eng. Es war nicht zu eng, wenn ich wie im Nähzimmer nuir ein Shirt darunter trug, dann war die Passform sehr , sehr gut. Aber leider trägt man ja im Winter auch mal einen Pulli oder ein Sweatshirt, würde das noch unter die Jacke passen?

Als ich diese Gedanken hatte, war es zum Ändern der Jacke sowieso schon zu spät. Und sie gefiel mir so gut mittlerweile, daß ich mit diesem Manko gut leben konnte. Ich habe mittlerweile akzeptiert, daß die Jacke eher etwas für die milden Wintertage ist, an denen man eben keinen dicken Pulli unter der Jacke trägt. Dünne Pullis oder Sweatshirts sind kein Problem, sie sollten aber auch keine allzu überschnittenen Schultern haben. Denn die Schulterpartie der Momijijacke ist eher eine zarte, wie gesagt mit wunderschönen hohen Armkugeln. Das paßt vielleicht nicht ganz zur derzeitigen Mode, die ja extrem oversized ist, aber ich hoffe, daß meine Jacke diesen Modetrend überleben wird. Vielleicht tragen wir ja in 2 bis 3 Jahren wieder ganz schmale Pullis, und dann habe ich schon eine passende Jacke dazu.

Das Wärmevermögen der Jacke ist recht gut, und sie trägt sich auch wirklich angenehm. Durchs Tragen wird der Oilskin zunehmend weicher, dieses panzerartige Gefühl habe ich jetzt nicht mehr, es ist eher eine schwere, wertige Jacke, wenn ich sie anziehe. Für ganz kalte Temperaturen ist sie aber nicht ausreichend, ich finde sie ideal bei Temperaturen zwischen 5° und 15° Celsius. Aber da das ja durchaus häufige Temperaturen in den jetzigen Wintern sind, werde ich die Jacke sicher gut einsetzen können. Kombiniert habe ich die Jacke hier übrigens mit dem Anzu-Rock, ein Schnitt auch von Waffle Pattern, hier verbloggt und gerne getragen.

Momiji ist übrigens die japanische Bezeichnung für die Herbstlaubfärbung des Ahorns, und so ist es vielleicht auch ganz richtig, daß die Jacke eher für herbstliche Wetterlagen denn für tiefen Winter passend ist. Verlinkt wird dieser Beitrag allerdings mit einem Memademittwoch im Winter, dort gibt es noch viele andere schöne Kleidungsstücke zu entdecken!

Fibre Mood Hose

Naima Trousers aus der FibreMood

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Wie modern soll meine Kleidung sein? Versuche ich mit meinen Nähmodellen den aktuellen Trend zu kopieren, oder bleibe ich einem eher klassischen, zeitlosen Stil treu? Was ist überhaupt modern zur Zeit, wie erfahre ich von den aktuellen Trends?

Solche und ähnliche Fragen bewegten mich, als ich mir Gedanken über meine Herbstgarderobe machte. Eine Hose stand oben auf der Liste, vielleicht aus einem der zahlreichen Jeansstoffe, die im Stoffregal auf ihren großen Auftritt warten. Oder eine Leinenhose? Auch da gab es Stoff im Vorrat. Und gut passende Hosenschnitte habe ich natürlich im Repertoire, oder traue mir zumindest zu, einen Schnitt anzupassen.

Aber dann lag die neue Fibre Mood im Briefkasten. Ich mag die Fibre Mood ja schon sehr gerne und habe sie deshalb abonniert, als einzige Nähzeitschrift. Ich mag die Aufmachung der Zeitschrift, die Anleitungen sind korrekt und vor allem die Schnittmusterbögen so übersichtlich, dass das Abpausen der Schnitte wirklich keine Strafaufgabe ist. Man könnte die Schnitte sich auch als pdf schicken lassen, aber dafür war ich dann bisher doch zu geizig.

Die Präsentation der Schnitte ist so gekonnt, daß ich nach dem ersten Durchblättern der Zeitschrift oft schon im Geist meine vorhandenen Stoffe irgendeinem Modell zuordne und mich am liebsten sofort an die Nähmaschine setzen würde. Also ein gelungenes Marketing- das sieht man dann auch großzügig über die bekannten Kritikpunkte hinweg. Auch in der Fibre Mood ist die Altersspanne der Modelle weit unterhalb der Generation 30+, und ich glaube, jenseits von Gr 42 wird auch kein Modell präsentiert. Das muß nicht so sein, in der Ottobre z.B. werden viele Modelle von älteren Frauen oder Frauen in großen Kleidergrößen gezeigt. Aber die Ottobre-Modelle reizen mich auch nicht so sehr zum Nachnähen wie die Fibre Mood…also das Marketing ist schon erfolgreich.

Und so habe ich mich in der aktuellen Ausgabe gleich in die Hose Naima verliebt. Moderne , weite Form, zwei Bundfalten vorne, und eine Länge, die wir noch vor einigen Jahren etwas pikiert als Hochwasserhose bezeichnet hätten- jetzt heißt es 7/8 Länge und ist offensichtlich sehr im Trend. Ja, diese Hose wollte ich nähen, mußte ich nähen, jetzt sofort!

Quelle: Fibre Mood

Über die Stoffwahl habe ich dann einen halben Tag gegrübelt. Stoffe mit etwas Stand wurden empfohlen, aber auch Wolle oder Cordsamt als Beispiel genannt. Ich wollte einen schönen petrolfarbenen Leinenstoff vernähen, das war vielleicht doch nicht die beste Idee, denn die Bundfalten fallen doch nicht so exakt wie auf dem Beispielfoto. Andererseit trägt das Modell vermutlich eine frisch gebügelte Hose beim Shooting, diesen Luxus hatte ich bei unserer Fotowanderung natürlich nicht. Aber dafür ist bei mir das Landschaftspanorama schöner , finde ich!

Von vorne sieht die Naima-Hose wie eine „richtige“ Hose mit Reißverschluß und Knopf aus, hinten im rückwärtigen Bund sorgt ein kurzes Stück Gummiband für einen guten Sitz in der Taille. Also sozusagen vorne hui, hinten pfui, wobei ich ja die Gummizuglösungen nicht mehr so schlimm finde.

Genäht habe ich die Größe 36, von meinem Hüftmaß ausgehend, und zur Taille hin zu Gr 38 gradiert. Die Länge des Gummibandes, die die Bundweite bestimmt, habe ich durch Anprobieren festgelegt. An der Hinterhose habe ich noch ein flat seat adjustment durchgeführt, wie ich es bei allen Hosenschnitten mache. So bin ich mit dem Sitz der Hose recht zufrieden.

Ich hatte beim Nähen noch überlegt, ob ich Gürtelschlaufen ergänzen soll, denn dies ist einer von den Hosenschnitten, die wirklich in der Taille sitzen müssen und mein weicher Leinenstoff erweckte in mir den Eindruck, daß er ganz gerne auch der Körperwärme und dem Druck der Bauchweichteile nachgeben würde. Mit einem stoffbezogenen Gürtel konnte ich mir die Naima-Hose auch gut vorstellen, und der hätte dann das pfui-Gummiband hinten etwas verdeckt…. Aber diese Bedenken waren nicht begründet, der Gummizug hinten sorgt wirklich für einen stabilen Sitz.

Also, Hose fertig, alles gut? Nicht ganz, denn die Silhouette dieser Hose ist mir immer noch etwas fremd Die Hosenbeine sind im Oberschenkelbereich sehr, sehr weit. Als Kombinationspartner bieten sich nur eher figurbetonte Oberteile oder taillenkurze Pullover an. Beim taillenkurzen Pullover ist immer das Problem, daß der Bauch bei gewissen Armbewegungen freigelegt wird- muß man mögen. Ich bleibe lieber bei den Oberteilen, die ich in die Hose reinstecke, wie hier das Nora-Shirt von Sewlala. Ein schöner Shirtschnitt, genau das richtige Mittelmaß zwischen eng und körperumspielend, deshalb ist dies auch schon das zweite Norashirt, das ich genäht habe.

Mittlerweile habe ich die Hose schon einige Male getragen und freunde mich zusehend mehr mit ihr an. Sie hat natürlich auch den großen Vorteil, daß sie bequem ist durch ihre üppige Weite im Oberschenkelbereich. Trotzdem werde ich sie nicht als Wanderhose regelmäßig einsetzen, denn der Stoff ist doch etwas fleckenempfindlich. Kleines Drama am Rande unserer Fotosession: mein Hund Caspar, eigentlich sehr vorsichtig mit Wasser (schwimmen kann er noch nicht), stürzte in den Teich, an dem wir Bilder gemacht haben. Wir haben ihn natürlich gleich wieder rausgezogen, es ist ihm gar nichts passiert, aber den Schrecken war doch groß. Und dann brauchte er erst mal eine Runde Kuscheln auf Mamas Schoß- die Hose wanderte zuhause in die Waschmaschine.

Also, mein Abenteuer mit der modernen Hose ging doch ganz gut aus, wobei ich mir glaube ich als nächstes doch wieder eine ganz klassische Jeans nähen werde..

Alle anderen Nähwerke, ob abenteuerlich oder nicht, finden sich auf dem Memademittwoch-Blog. Herzlichen Dank für die Verantwortlichen, die immer so treu diese Plattform bereitstellen!

Grainline Kleid Memademittwoch

Austindress von Grainline Studio

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Die Idee zu diesem Kleid entstand an einem der sehr heißen Tage im Juli. Es war einer der Tage, an dem schon der Gedanke an enganliegende Kleidungsteile oder wärmende Stoffschichten mir die Schweißperlen ins Gesicht trieb. Ich benötigte ein ganz leichtes Kleid, weit schwingend, ohne Ärmel, und natürlich aus Leinen, dem Sommerstoff schlechthin.

Stoff lag im Regal, ein eher dünner karierter Leinenstoff von der britischen Traditionsfirma Merchant und Mills. Man kann natürlich fragen, ob die Briten mit ihrem kühlen Landesklima für dünne Leinenstoffe die richtige Adresse sind, aber dieser Stoff ist einfach ein Traum. Ein zartes Karo in hellgrau und weiß, und wunderbar zu vernähen und zu tragen. Die leinentypischen Knitter gehören undbedingt dazu!

Meine Wahl fiel auf den Austin Dress von Grainline Patterns. Es gibt viele sehr ähnliche Schnittmuster, die wie der Austindress ein eher enges ärmelloses Oberteil und dann einen hoch in der Taille sitzenden rundum eingekrausten Rock haben. Das Besondere an Austin ist der Verschluß mit zwei seitlichen Knopfleisten und einem kleinen Knopf im vorderen Halsausschnitt. Der Armausschnitt ist weit nach innen über die Schulter gezogen und schafft Bewegungsfreiheit für den Arm. Es gibt zwei aufgesetzte große Taschen, Hals- und Armausschnitte sind mit Schrägband versäubert.

Ich habe nach meinen Maßen die Größe 6 gewählt und ein Nesselmodell des Oberteiles genäht, bevor ich mein edles engisches Leinen angeschnitten habe. Nesselmodell ist ja auch nicht sehr arbeitsaufwendig, wenn es sich nur um zwei Schnittmusterteile handelt:-)

Und es hat sich gelohnt: auch wenn die Passform gar nicht schlecht war, klaffte der Armausschnitt im rückwärtigen Bereich. Durch einen kleinen Abnäher, den ich aber dann ins Halsloch gedreht habe, war das einfach zu beheben. Den Brustabnäher habe ich etwas tiefer gesetzt und das vordere Halsloch nach unten vertieft. Das sind aber für mich alles keine ungewöhnlichen Änderungen.

Ich trage übrigens einen Sport BH unter diesem Kleid, damit man die BH Träger nicht so sieht. Der Sport BH ist dunkelgrau und schimmert etwas durch, mich stört das nicht weiter.

Ich finde das Schnittmuster sehr schön und durch die Knopfleisten auf beiden Seiten auch sehr besonders. Überrascht war ich, daß im Netz und in den einschlägigen sozialen Medien wenig genähte Beispiele von Austin zu finden sind. Aber die Designerin von Grainline Studio ist auch eine von denen, die wenig Wind um neue Schnittmuster machen und eher versucht, durch Qualität zu überzeugen, das finde ich sehr sympathisch.

Und Qualität hat dieser Schnitt, vor allem die Anleitung ist sehr gut. Alle Arbeitsschritte sind ausführlich erklärt und es wird großen Wert auf eine saubere Innenverarbeitung gelegt. Es gibt mittlerweile auch einen Sewalong zu diesem Schnitt, allerdings nur als Video. Früher waren die Sewalongs bei Grainline noch als Texte zu finden, aber auch hier wird mittlerweile auf den Reiz der bewegten Bilder gesetzt…schade, ich finde es immer schöner, etwas nachzulesen, vor allem wenn es in einer Fremdsprache, wie hier englisch, dargestellt wird.

Das Einkräuseln des Rockes ist ein bisschen eine Fleissarbeit. Einkräuseln gehört nach wie vor nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, und es gelingt mir auch nie so ganz gleichmässig. Ich bin jedesmal aufs neue überrascht, daß das Ergebnis meiner ungleichmässigen Kräuselei nachher doch nicht so schlimm aussieht wie befürchtet.

Und daß meine neue Tasche, die Nousha Bag aus der aktuellen Fibremood, so gut dazu paßt, war wirklich Zufall. Ich hatte ein Materialpaket für die Tasche von meiner Lieblings-Stoffdealerin ergattert, und der graue Oilskin und das gestreifte Band sind wirklich der perfekte Match zu meinem Leinen.

Die Nousha-Bag ist eine eher schlichte Crossbodytasche, hat aber durch die eingebaute Kellerfalte doch ein überraschendes Füllungsvermögen. Handy, Regenhut, Leckerlibeutel, Frisbee und Kotbeutel finden gut Platz darin, und so ist sie gerade zu meinem festen Begleiter bei meinem Spaziergängen geworden. Der Schnitt ist simpel, Anleitung braucht man eigentlich nicht, ist aber auch nicht vorhanden, wenn man von der kurzgefaßten Anleitung im Heft absieht. Ist es eigentlich immer so, daß die Fibremoodseite mit der ausführlichen Anleitung tagelang nicht erreichbar ist?

Nachdem Kleid und Tasche fertig genäht waren, stellte sich nur noch das Problem der Bilder, denn mittlerweile war die sommerlich Hitze vorbei und wir befinden uns in einer Wetterperiode, die von verschiedenen Regentiefs dominiert wird. Ist ja an sich nicht schlimm, und die Natur braucht den Regen, aber ein Hochsommer-Leinenkleid läßt sich bei Regenwetter wirklich nicht gut fotografieren. Zum Glück gab es dann doch ein kleines Sommer-Fenster zwischen zwei Gewittern, und da sind dann diese Bilder entstanden.

Was zeigen die anderen Näherinnen denn heute am ersten August- Mittwoch? Vielleicht wurden manche durch das Regenwetter schon zu ersten Herbst-Modellen inspieriert? Ich bin gespannt und betrachte jetzt den virtuellen Laufsteg des Memademittwoch!

Blusen Closetcore Kleid Megan Nielsen Memademittwoch

Nicks Dress von Closet Core Patterns

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Das Nicks Kleid von Closet Core Patterns ist einfach ein wunderschöner Schnitt. Auf den ersten Blick gefällt der feminine Eindruck: das Kleid ist lang (im Original Maxi-Länge), hat einen Stufenrock und im Oberteil viele eingekrauste Partien. Auf den zweiten Blick sieht die geübte Hobbynäherin , daß es bei diesem Schnitt keine allzu großen Anpassungs-Orgien geben wird. Die vielen Kräusel ersetzen die Abnäher, die Passform ist insgesamt eher oversized und ein Gummiband in der Taille sorgt doch für die Illusion eines gut sitzenden Kleides. Das ganze in Verbindung mit einer guten Anleitung, denn dafür ist Closet Core Patterns ja bekannt, verspricht etliche ungetrübte Stunden Nähfreude und ein schönes Ergebnis.

Ich hatte den Schnitt ziemlich bald nach seinem Erscheinen gekauft, das war im Herbst letzten Jahres. Daß ich ihn erst jetzt genäht habe, hatte den banalen Grund, daß ich nicht genug Stoff hatte. Nein, das ist jetzt verkehrt ausgedrückt, natürlich habe ich genug Stoff, das heimische Stofflager ist gut gefüllt. Aber für dieses Kleid mit den üppigen Stufen braucht man, laut Anleitung, in meiner Größe fast 5 m Stoff, und solche großen Mengen kaufe ich selten von einem Stoff ein. Das ist ja dann schon eine finanzielle Investition, vor allem wenn man sich einen richtig schönen Stoff aussucht, und abgesehen davon ist das auch ein ganz ordentliches Gewicht an Stoff, was man da mit sich rumschleppt.

Also wurde das Projekt erst mal aufgeschoben, erst als ich jetzt in diesen warmen Tagen beschloß, mir ein Sommerkleid zu nähen, war es wieder in der engeren Wahl. Aber hatte ich einen Stoff, aus dem man vielleicht mit viel gutem Willen diesen Schnitt verwirklichen konnte? Meistens kaufe ich von Stoffen, mit denen ich keinen konkreten Plan beim Kauf verbinde, 2 m ein- für eine Bluse immer ausreichend, für ein Kleid nicht unbedingt. Mmh, vielleicht hängt es mit dieser Einkaufsgewohnheit zusammen, daß mein Blusenregal mittlerweile so voll hängt? muß ich mal überdenken…

Aber es gab da diesen schönen Double Gauze von Atelier Brunette, von dem ich in weiser Vorraussicht und sicher auch der Planung eines Kleides 2,50 m gekauft hatte. Der Stoff hat zwei Seiten: auf der einen Seite ist das Gingham-Karo groß, auf der anderen Seite klein. Ein Stoff, der zum Spielen mit den beiden Seiten einlädt, also gut geeignet für ein Kleid mit verschiedenen Schnittbereichen.

Aber die Menge war natürlich zu gering für den Originalschnitt. Also wurde gekürzt, alle Stufen etwas verkleinert und verschmälert, so daß sie auf den vorhandenen Stoff paßten. Das Kleid ist so nicht mehr Maxi, sondern eher eine Midilänge, was mir aber auch fast besser gefällt.

Der Schnitt hat eine rückwärtige Schulterpasse, die natürlich noch schöner im schrägen Fadenlauf wäre, aber dafür hat der Stoff dann nicht gereicht. Das Rückenteil ist mir beim Zuschnitt verrutscht, nun laufen die Karostreifen auf der Hälfte nicht mehr ganz waagrecht. Ja, ich weiß, ich hätte natürlich nur einlagig zuschneiden dürfen, denn mir wurde das Problem beim Zuschneiden schon bewußt. Der Stoff ist ganz weich und ließ sich kaum gerade positionieren, keine guten Vorraussetzungen für einen exakten Zuschnitt. Mittlerweile kann ich aber mit solchen Fehlern gut leben- außer irgendwelchen Nähnerds, die mich von hinten betrachten, wird dieser Faux-pas von keinem bemerkt werden.

Sehr schön finde ich den Ausschnitt des Kleides. Ein V-Ausschnitt, nicht zu tief, und eine kleine Knopfleiste mit genähten Knopfschlaufen. Der Ausschnitt wird mit Schrägband versäubert- gehört nicht gerade zu meinen Lieblingstechniken beim Nähen. Bei der Schrägbandverarbeitung gibt es ja zwei Techniken, wird z. B. hier bei Closet Core ausführlich besprochen. Die Technik, die hier für dieses Kleid angewendet wird, wird auch als „french“ , also französisch bezeichnet. Das Schrägband wird hier im ersten Schritt der Länge nach gefaltet, links auf links, und dann an die Kante angenäht. Quilterinnen werden hier die Technik erkennen, mit der sie ihr Binding an einen Quilt annähen. Aber während das Quilt-Binding als Design-Element an den Kanten sichtbar übersteht, wird es bei der Versäuberung eines Kleidungsstückes dann ganz auf die linke Seite geschlagen und dort festgenäht. Die Methode gilt als einfach und schafft auf der linken Seite eine ordentliche Versäuberung, hat aber den Nachteil, daß hier viele Stofflagen aufeinander liegen und das Ergebnis leicht etwas „knubbelig“ wird.

Bei der anderen Methode der Schrägbandverabeitung wird das Schrägband einlagig verarbeitet, rechts auf rechts an die offene Kante des Ausschnittes genäht, untersteppt und dann nach links umgeschlagen und festgesteppt. Nach meiner Meinung gibt das die schöneren Ergebnisse, ist allerdings auch etwas arbeitsintensiver. Ich habe mich bei diesem Kleid an die Anleitung gehalten und die etwas knubbeligere Form des versäuberten Ausschnittes in Kauf genommen- offensichtlich soll das hier so sein.

Die Knöpfe sollen auf dem Schrägband des linken Vorderteiles festgenäht werden. Die fertige Schrägbandversäuberung hat allerdings nur eine Breite von 10 mm, meine Knopf-Schlaufen haben einen Durchmesser von 15 mm, die Knöpfe einen von 13 mm…im Ergebnis heißt das, daß ich die Knöpfe natürlich nicht mittig auf dem Schrägband, sondern irgendwo sehr am Rand aufgenäht habe. Und überhaupt befinden sich die Knöpfe nicht in der vorderen Mitte, sonderen etwas daneben- das ist die Folge der Konstruktion dieses Ausschnittes.

Closet Core hat bei ihren Schnitten immer noch eine starre Nahtzugabe von 1,5 cm, das finde ich sehr schade. Es wäre viel sinnvoller, die Nahtzugabe zu variieren, eine Halsauschnittkante braucht eine andere Nahtzugabe als die Seitennaht eines Rockes. Könnte man natürlich auch selbst ändern, aber dazu war ich dann doch zu faul.

Also, insgesamt ein sehr erfreuliches Näherlebnis ohne allzu große Probleme, aber das war von mir auch so gewünscht in dieser sommerlichen Hitze. Mit dem fertigen Kleid hatte ich allerdings zunächst etwas gefremdelt- ich fühlte mich wie aus einem drittklassigen Western entsprungen oder zumindest aus einer der letzten Bonanza-Folgen. Aber das mag auch damit zusammenhängen, daß ich als Junghundbesitzerin das letzte halbe Jahr fast ausschließlich in Jeans verbracht habe, da fühlt man sich in jedem Kleid etwas deplaziert. Für Kaspar, den Hund, ist der weitschwingende lange Rock durchaus eine willkommene Abwechslung, die auch mal zum Reinbeissen verleidet. Wahrscheinlich sollte ich einfach mehr Röcke tragen, damit der Hund auch lernt, damit umzugehen.

Probiert habe ich dann allerdings doch noch eine andere Version des Schnittes, bei der ich die Schrägbandversäuberung durch einen Beleg ersetzt habe. Ich habe das ganze als Bluse genäht, mein Ziel war ein eher kurzes Exemplar, das ich zu taillenhochen Röcken gut tragen kann. Im Schnitt von ClosetCore ist auch eine Blusenversion enthalten, diese ist dann aber relativ lang und wirkt auf mich etwas unförmig, zumal da auch der vordere Schlingenverschluß weggelassen wird.

Ich habe für meine Bluse das Nicks-Oberteil um 5 cm verlängert, bei der Weite aber je Hälfte 2 cm reduziert, also insgesamt die Oberweite um 8 cm verringert. Es ist schon sehr viel Weite im Oberteil, die Schulterpasse fand ich aber sehr gut passend in meiner genähten Größe 8, so daß ich keine kleinere Größe wählen wollte. Auch mit der Weitenreduktion ist die Bluse immer noch schön locker fallend. Wer also so wie ich beim Nähen des Nicks-Kleides Stoff sparen muss, könnte problemlos einige cm Weite aus dem Oberteil nehmen.

Trotz der Verlängerung ist das Blüschen etwas kurz geraten, aber zu taillenhohen Röcken wie hier zum Kellyrock von Megan Nielsen ist es ein guter Kombipartner.

Der Stoff ist eine Art Broderie-Stoff, reine Baumwolle, bezogen hatte ich ihn hier. Er ist recht durchscheinend, hat dabei aber einiges an Stand, das fand ich bisher schwierig zu verarbeiten und hatte keine Verwendung dafür. Aber für so ein Experiment mit ungewissem Ausgang war er genau richtig.

Ich habe den Beleg bis knapp unterhalb des Schlingenverschlusses verlängert, Inspiration und Verarbeitung dafür kamen vom Donny Skirt von Friday Patterns, das ich ja in verschiedenen Versionen schon genäht habe. Das Shirt ist immer noch weit genug, um es über den Kopf zu ziehen, die Knopfleiste ist nur Dekoration und Stilelement. Die Knöpfe sind korrekt auf dem mit Beleg verstärkten linken Vorderteil plaziert- damit ist meine innere Nähpolizei zufrieden.

Und ich habe jetzt endlich einen idealen Kombipartner zum Kellyrock von Megan Nielsen, den ich im letzten Spätsommer noch genäht hatte. Der Rock sitzt sehr hoch in der Taille und verträgt sich daher am besten mit taillenkurzen Oberteilen, so finde ich es recht hübsch.

Ich finde, man sieht an der Blusenversion gut, wieviel Mehrweite immer noch im Oberteil steckt, obwohl ich wie gesagt schon entscheidend reduziert hatte. Und die Kräusel im Rückenteil fallen immer noch sehr schön, sogar in diesem etwas steifen Stoff.

Wenn ich das Nickskleid nochmals nähe, und das halte ich für wahrscheinlich, werde ich das Oberteil wie meine Bluse arbeiten, also mit der Weitenreduktion und der Belegversäuberung für den Ausschnitt. Oder ich nähe mal die Tunika-Version , die auch im Schnitt enthalten ist, dabei wird an das Oberteil die mittlere Rockstufe genäht, das gibt eine Tunika, die einen sehr interessanten Fall hat durch das etwas längere Rückenteil.

Also, das Nicks Kleid ist wirklich ein vielseitiger und schöner Schnitt, mit dem es sich auch gut spielen läßt. Am heutigen Memademittwoch, dem ersten im Juli, werden hier noch viele, viele andere schöne Schnitte gezeigt. So viel Inspirationen, wunderbar!

Blusen Friday Pattern

Donny Shirt von Friday Pattern

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Wie oft sollte man den gleichen Schnitt nähen, bevor es langweilig wird? Oder sollte man den gleichen Schnitt möglichst oft nähen, damit sich Schnittkauf und eventuelle Anpassungen amortisieren? Braucht man überhaupt verschiedene Schnitte, braucht man neue Schnitte, wenn das vorhandene Schnittregal schon überquillt?

Solche Fragen habe ich mir gestellt, als ich dieses Modell genäht habe. Ich zeige hier das Donnyshirt von Friday Pattern Company, genäht habe ich es in aller Ruhe, über einige Tage hinweg..immer mal hier eine Naht, dort etwas gebügelt, am nächsten Tag weitergenäht, es hat mich nichts getrieben. Nein, ich hatte keine Eile, ich wußte ja schon, daß das Ergebnis gut werden würde!

Denn diese Version ist jetzt die dritte, die ich nach dem gleichen Schnitt genäht habe. Ich hatte nach der zweiten Version minimale Änderungen am Schnitt gemacht und aus den Seitennähten etwas Weite heraus genommen, sonst war ich mit dem Schnitt so zufrieden, daß ich keinen Grund für Änderungen sah. Ich trage die drei Versionen abwechselnd, mit wachsender Begeisterung, und kann mir ein Leben ohne Donnies nicht mehr vorstellen, frei nach dem Slogan „ein Leben ohne Donnyshirt ist möglich, aber sinnlos…“- nein, im Ernst, es ist einfach ein angenehmer Schnitt.

Dabei wirkt er auf den ersten Blick wie ein Remake vom Gilbert-Shirt von Helens Closet, das ich hier gezeigt habe. Beide Shirts sind ähnlich kastig und oversized geschnitten, wobei Gilbert Brustabnäher hat, Donny ist ganz grade geschnitten. Donny hat eine deutliche größere Bequemlichkeitszugabe als Gilbert, sie beträgt im Brustbereich 18 bis 21 cm, bei Gilbert nur 13 cm. Daher kann bei Donny auf die Knopfleiste verzichtet werden und das Shirt wird einfach über den Kopf gezogen. Beide haben einen ähnlichen Reverskragen und rückwärtige Passen, die mit der Burritomethode verarbeitet werden. Gilbert bietet verschieden Versionen für den Saumabschnitt und die Ärmel an, Donny hat nur eine einzige Version mit einer leicht geschwungenen Saumlinie. Die Länge ist so , daß man das Shirt grade noch in die Hose stecken kann oder über dem Taillenbund hängen lassen kann- also eine ideale Länge. Gilbert ist auch inder cropped Version naoch 4,5 cm länger als das Donnyshirt. Es sind minimale Unterschiede, aber ich finde, Donny wirkt dadurch etwas moderner und lässiger.

Letztendlich trägt sich dieses Shirt wie ein T-Shirt , wirkt aber durch den Kragen doch etwas angezogener als ein normales Jerseyshirt. Ich würde nicht sagen, daß es schnell genäht ist, denn Kragen und Verarbeitung der rückwärtigen Passen brauchen natürlich ihre Zeit, aber es ist ein Schnitt, der sich einfach angenehm näht, keine allzu großen Schnittteile hat und natürlich auch mit einer sehr guten Anleitung punktet.

Interessant fand ich dann doch, wie verschieden meine drei Versionen aus verschiedenen Stoffen wirken. Diese, meine dritte Version, ist aus einem Viskosekrepp genäht, den ich hier bezogen habe. Ein ganz leichter und luftiger Stoff, so herrlich bei den jetzigen warmen Temperaturen, der Wind weht so schön hindurch!

Meine erste Donnybluse war auch aus Viskose, allerdings aus einem Viskose-Crinkle, so eine Art Seersucker, mit blau-weißem Gingham- Karo. Ich glaube, dieser Stoff stammte mal aus der Fibremoodkollektion, bin mir aber nicht mehr ganz sicher. Der Stoff hat viel mehr Stand, dadurch wirkt auch die ganze Form der Bluse anders.

Und für Donny Nr 2 habe ich einen meiner geliebten Libertystoffe verwendet. Das ist die Version, bei der ich am genauesten gearbeitet habe und auch den Saum mit der Hand genäht habe.

Jetzt fehlt mir noch eine einfarbige Donnybluse in meiner Sammlung. Mal sehen, ob mir der Schnitt dann doch irgendwann langweilig wird! Jetzt schaue ich mir erstmal die Galerie des Memademittwoch an, da gibt es sicher wieder viele Inspirationen für neue Schnitte.

Hosen Jeans Smart Pattern

Smart Pattern Jeans

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Smart Pattern Wide Leg Culotte

Ich habe mir wieder mal Jeans genäht…nichts ungewöhnliches, wenn man sich meinen Blog und meine genähten Modelle betrachtet. Aber ich trage einfach gerne Jeans, und deshalb nähe ich sie gerne. Ich nähe auch gerne dünne Sommerkleidchen- aber da gibt es so wenig Gelegenheiten, sie zu tragen. Also lieber eine Jeans, die viel getragen wird!

Smart Pattern Mom Jeans

Aber vor dem Nähen stehen viele andere Schritte. Wie soll die Jeans denn sitzen, welchen Schnitt nehme ich, welche Passform? Die derzeitige Hosen-Mode ist ja recht offen und bietet viele Schnittformen an. Es gibt immer noch viele Skinnyjeans, aber auch sehr weite Schnitte. Karottenhose, Schlaghose…alles ist möglich, was die Wahl durchaus nicht einfacher macht.

Der Schnittmustermarkt ist entsprechend umfangreich, und viele Schnitte ähneln einander mit kleinen Variationen. Das ist sowieso ein Problem im Schnittmusterbereich, finde ich, daß viele Schnitte sich sehr ähnlich sehen. Man könnte jetzt bösartig von Plagiat oder Kopie sprechen, aber ich denke, das liegt einfach in der Natur der Sache. Keine Designerin kann die Hose oder die Bluse neu erfinden- eine Hose hat zwei Beine, die Bluse zwei Ärmel, und zwischen drin manche Variationen…aber das meiste war schon mal da gewesen.

Und in diesem Fall wollte ich ja auch eine ganz normale Jeans nähen, die ich im Alltag tragen kann. Ich hätte auch einen meiner bewährten Jeansschnitte zurück greifen können, insbesondere die Jeans mit dem schönen Namen „I am Sunshine“ von I am Pattern trage ich sehr gerne. Da hatte ich mir ja auch mit der Anpassung große Mühe gegeben. Aber das bessere ist bekanntermassen der Feind des Guten, und so wählte ich einen anderen Weg. Schon lange wollte ich das System von Smart Pattern ausprobieren, bei dem man sich einen Maßschnitt selbst am PC designen kann, und das zu erschwinglichen Preisen.

Bei Smart Patterns gibt es eine umfangreiche Auswahl von verschiedenen Jeans-und Hosenschnitten. So umfanreich, daß mir die erste Wahl sehr schwer fiel. Da ich aber die Sunshine-Jeans so gern mochte und auch sonst die Karottenhose eigentlich an mir recht gut fand, fiel meine Wahl zunächst auf eine Mom-Jeans. Das ist die hellblaue Hose, die ich in den ersten Bildern oben zeige.

Die Website von Smart Patterns ist absolut professionell gemacht. Man wählt das Modell aus und hat dann zunächst die Wahl zwischen verschiedenen Optionen. Wie hoch soll der Bund sitzten, Paßform eher eng oder weit, Taschen eckig oder rund…gar nicht so einfach, die ersten Fragen zu entscheiden. Dann werden die eigenen Maße eingegeben, dafür gibt es auch Anleitungen zum richtigen Maßnehmen. Es werden viele Maße abgefragt, also auch Innen- und Außenbeinlänge, Umfänge von Waden und Oberschenkeln und anderes. Man bezahlt einen Betrag, der einem hochwertigen Indieschnittmuster entspricht und hat nach wenigen Minuten einen Schnitt im elektronischen Postfach, der nach den eigenen Maßen erstellt wurde.

Mir ist schon klar, daß es Schnitterstellungs-Programme gibt, aber ich finde es einfach genial, daß ich als Amateur ohne große Einarbeitung das Programm so nutzen darf. Ansonsten bietet Smart Patterns eine Sammlung von Anleitungen zum Hosennähen an, die alle gratis zugänglich sind. Die Anleitungen sind als Video oder als Text erhältlich, wobei der Text identisch zum Video ist. Die Nahtzugabe ist im Schnitt enthalten, die Nahtlinien sind auch eingezeichnet. Sehr gut ist die Anleitung für den vorderen Reißverschluß- wieder eine neue Variante für mich, aber eine, die gut funktioniert.

Das Nähen war also kein Problem, wobei ich natürlich auch schon viele Hosen und Jeans genäht habe. Ich hatte vorm endgültigen Zusammennähen die Seitennähte geheftet und alles ganz gut gefunden, geändert am Schnitt hatte ich nichts bei der hellblauen Hose. Allerdings war mein Stoff auch extrem dehnbar. Für meine Schnittversion, Momjeans in der engen Form, wurde ein Stoff mit 10% Dehnbarkeit empfohlen. Mein Stoff hatte eine Dehnbarkeit von mindestens 20%. Ich weiß nicht mehr genau, wo er herkam, er lag schon eine Weile im hauseigenen Stofflager. Ehrlich gesagt fiel die Wahl auf ihn, weil ich den Stoff weg haben wollte- ich weiß, daß das keine gute Basis für ein Nähprojekt ist. Mein Problem war auch gar nicht die Dehnbarkeit, sondern die Farbe. Der Stoff ist so richtig himmelblau, und bei der bisherigen Wetterlage war mir diese Farbe einfach total fremd. Das wird jetzt besser mit der zunehmenden Sonne, merke ich, aber ich finde die Farbe immer noch schwierig zu kombinieren.

Ich war auch anfangs mit dem Schnitt nicht glücklich. Natürlich paßte er, keine Frage, war ja nach meinen Maßen erstellt. Aber das war nicht die Mom-Jeans, die ich wollte, das war eine normale enganliegende Hose! Letztendlich lag das natürlich an meine Schnittauswahl. Im Schnittgenerator konnte man bei der Paßform zwischen eng, normal und weit wählen. Ich hatte mich für eng entschieden, da mein Stoff so dehnbar war. Hätte ich gewußt, daß mit der engen Paßform eine negative ease von 1 cm verbunden ist, hätte ich mich vermutlich für eine andere Passform entschieden

Das ist eigentlich auch mein einziger Kritikpunkt an dem System von Smart Pattern. Es werden zwar viele Optionen angeboten, aber diese werden nur mit Worten umschrieben (eng/ normal/weit) . Mir hätte es geholfen, dazu eine Maßangabe zu erhalten. Gute Schnittmuster enthalten ja auch die Maß-Angabe der fertigen Schnitteile, das hilft ungemein, die Paßform abzuschätzen. Natürlich kann man bei einem Maßschnitt nicht die fertigen Maße des Schnittes auf der Website angeben, das ist ja bei jedem Schnitt unterschiedlich. Aber eine Angabe über die Bequemlichkeitszugabe hätte mir sehr geholfen.

Beim zweiten Schnitt von Smart Patterns, den ich genäht habe, war manches schon umgesetzt, was ich für mich als negativ empfunden hatte. Vielleicht hatten andere Näherinnen auch schon meine Gedanken gehabt? Bei der Wide Leg Pants wird jedenfalls die Paßform genauer beschrieben, und ich hatte mich nach der Größenangabe ( positive ease 3,5 cm im Hüftbereich) für die normale Paßform entschieden. Nach meiner Messung komme ich allerdings auf +5 cm im Hüftbereich, das hängt wohl doch vom Ort der Messung ab. Die Hose ist nach meiner Meinung aber immer noch eng anliegend im Hüftbereich- zumindest für meine Figur.

Der Schnittgenerator bietet hier auch die Möglichkeit, die Lage der Schrittnaht zu variieren- ich habe mich hier für den tiefen Schritt entschieden, da ich bei der hellblauen Hose den Schritt auch als eher zu hoch empfunden habe. Es gibt auch verschiedene Bundformen, vor allem diese hübsche Vorderteilpasse finde ich sehr gelungen. Ich habe die kurze Variante gewählt, die als Culotte bezeichnet wird.

Ja, und dann wollte ich es doch genau wissen. Ich plante, diesen Schnitt mit meinem neuen Jeansstoff umzusetzen, den ich hier bezogen hatte. Ein italienischer Bio-Jeansstoff, GOTS-zertifiziert, mittelschwer, leicht elastisch, und einer der schönsten Jeansstoffe, die ich je vernäht habe. Und ich habe schon etliche Jeansstoffe vernäht!

Ich wollte keine Risiko eingehen und habe deshalb zwar keine Nesselmodell, aber das Modell der Topdowncenteroutmethode genäht. Topdowncenterout hatte ich im letzten Blogbeitrag schon beschrieben. Es ist eine Methode zur Hosenanpassung, bei der zuerst der Hosenbund und dann der Rest der Hose von innen nach außen angepaßt wird. Dazu wird ein einbeiniges Nesselmodell genäht. Das ganze Verfahren ist recht arbeitsaufwendig, ich habe es hier abgekürzt, da mir ja schon ein Maßschnitt vorlag. Genäht habe ich das einbeiniges Modell mit Bund und den beiden Passen im Vorder- und Rückenteil. Das habe ich zuerst angepaßt und dabei 2 cm in der Weite der Taille dazu gefügt. An der Hinterhose habe ich in der hinteren Mitte um einen cm reduziert, sonst war ich mit der Paßform sehr zufrieden. Das einbeinige Modell konnte ich auch gut nutzen, um die Taschenposition festzulegen.

Jetzt sitzt die Hose richtig gut. Oder ist es doch eine Culotte, wie sie in der Schnittbezeichnung heißt? Egal wie, mir gefällt sie!

Ergänzt habe ich nur noch eine Tasche am Oberschenkel im Cargostil. Mein vierbeiniger Begleiter hatte Sorge, daß seine Leckerli in der Hose keinen Platz finden…

Mein Fazit zu Smart Pattern: eine sehr gute Methode für alle, deren Körpermaße von den gängigen Tabellen abweichen und die trotzdem eine gut sitzende Hose mit geringem Anpassungsaufwand nähen möchten. Ganz kann man sich die Anpassung nicht sparen, das ist auch nicht zu erwarten. Jeder Schneider, der eine Maßhose näht, wird den Kunden auch zur Anprobe einige Male einbestellen.

Ich trage übrigens die himmelblaue Jeans grade richtig gerne. Mit der Farbe habe ich mich arrangiert, und durch das Tragen ist die ursprünglich sehr körperbetonte Form deutlich lässiger geworden. Das Elasthan zeigt eben seine Wirkung…also, alles richtig gemacht.

Alle anderen genähten Modelle an diesem ersten Mittwoch im Mai, der ja auch wieder ein #memademay ist, finden sich auf dem Blog des Memademittwoch.

Blusen Memademittwoch Paper Theory

Olya Shirt von Paper Theory Patterns

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Es gibt Schnittmuster, die werden in der Nähszene, in der ich mich bewege, sehr häufig genäht. Das erweckt in mir leicht den Eindruck, das „müsse man genäht haben“…das ist natürlich Blödsinn, keine von uns muß etwas nähen, wir machen das ja alles freiwillig. Aber interessant ist es schon, so ein Schnittmuster, das so oft genäht wird. Ist es das geschickte Marketing, die inspirierende Designerin oder am Ende doch die Qualität des Schnittes, die dafür verantwortlich ist, wenn so ein Schnitt rauf und runter genäht wird?

Bei der Olya Bluse von Paper Theory trifft sicher von all diesem etwas zu. Der Schnitt ist schon genial, und da die Feinheiten in meiner geblümten Version überhaupt nicht erkennbar sind, hier die technische Zeichnung:

Quelle: Paper Theory

Olya ist eine Bluse im klassischen Hemdblusenstil mit Kragen, einer Schulterpasse im vorder- und Rückenteil und Manschettenärmeln. Das Besondere ist, daß die Ärmel an die vordere Passe angeschnitten sind. Das ergibt ein ganz witzig geformtes Schnittteil, das ich zunächst etwas ratlos hin und hergedreht hatte, bis sich mir die Funktion erschloss. Die Naht, die den angeschnittenen Ärmel letztendlich schließt, wird in der Naht zwischen Passe und Oberteil fortgeführt. In diese Naht können zwei Brusttaschen eingearbeitet werden- ein witziges Designelement bei transparenten Stoffen, die Funktion der Brusttaschen erschliesst sich mir nicht. Ich habe sie weggelassen.Zwischen dem Vorderteil/Ärmel und rückwärtiger Passe ist ein Anschluss, bei dem eine Naht im rechten Winkel abknickend genäht werden muß, das ist eigentlich die einzige Schwierigkeit bei diesem Schnitt. Es gibt eine sehr gute Anleitung mit Grafiken zu diesem Schnitt, außerdem einen ausführlichen Sewalong auf der Website der Designerin. Wer noch nie einen Hemdblusenkragen oder Ärmelmanschetten genäht hat, wird hier sehr gut durch alle Schritte geführt.

der Fotograf hat sich wirklich bem0ht, diesen besonderen angeschnittenen Ärmel in Szene zu setzen, aber bei den vielen Blümchen war das schwierig

Die Olya Bluse ist oversized geschnitten. Das wußte ich, wurde auch in den vielen Beispielen von Olya, die man im Netz sieht, immer wieder bestätigt. Ich habe daher eine Größe kleiner gewählt als ich sie von der Größentabelle her gebraucht hätte. Dies ist die Größe 8, die zweitkleinste Größe. Mit der Größenwahl bin ich sehr zufrieden: die Bluse hat genau das richtige Maß an Mehrweite, das mir zur Zeit gut an mir gefällt.

Nicht ganz so zufrieden war ich mit dem Sitz des Kragens: wie so oft fand ich den Kragen zu hoch oder zu eng an mit. Wobei er eigentlich gar nicht zu eng war, ich hätte ihn schon zugeknöpft bekommen, wenn ich denn ein Knopfloch und Knopf auf den Steg genäht hätte. Aber die Bluse hat eine starke Tendenz, über die Schulter nach hinten zu rutschen, da konnte ich mir die hochgeschlossene Version gar nicht vorstellen.

Die Schulternaht dieser ersten Version lag deutlich hinter meiner anatomischen Schulter. Das ist sicher teilweise das Design, das das so möchte, liegt aber auch an meinen nach vorne gedrehten Schulter. Ich brauche bei vielen Schnitten ein „forward shoulder adjustment“, eine relativ einfache Änderung des Schnittmusters, bei der man am Vorderteil einen Streifen der Schulter entfernt und diesen am Rückteil wieder dran fügt. Es gibt dafür viele Anleitungen im Netz, ich verlinke hier mal eine, die das ganze sehr ausführlich behandelt.

meinem jungen Hund ist die Position der Schulternaht ziemlich egal- er interessiert sich mehr für die Position des Leckerli-Beutels

Letztendlich ist es ja immer Jammern auf hohem Niveau, wenn man sich über solche Feinheiten an einem genähten Stück grämt. Tatsache ist, daß ich diese Bluse unmittelbar nach ihrer Fertigstellung angezogen habe und dann nicht mehr freiwillig ausgezogen habe (doch, nachts natürlich dann doch:-)) Das lag sicher auch an dem hübschen Stoff, einem Baumwoll-Satin von Hello Heidi. Ich hatte diese Qualität schon mal vernäht und bin immer noch sehr begeistert davon. Der Stoff wirkt, wenn er aus dem Päckchen kommt, etwas steif, wird aber nach der ersten Wäsche butterweich. Die Verarbeitung ist eine Freude, grade so Dinge wie Kragen oder Manschetten gelingen problemlos.

Er knittert wenig, aber wenn man ein Sweatshirt und darüber noch eine Bauchtasche trägt, entstehen einfach Tragefalten. Das soll so!

Der Sweater ist nach dem Schnitt Capitol von Cosylittleworld genäht, das ist zur Zeit mein Lieblings-Sweatshirtschnitt, da er für mich genau das richtige Mass an Oversize aufweist.

Die Bauchtasche ist sicher vielen bekannt- der Schnitt heißt Rikka und ist von Hansedelli. Immer wieder schön, zwischendurch mal eine Tasche zu nähen, und diese wurde dringend benötigt. Bei Hundespaziergängen benötigt man so einiges, Leckerli, Kotbeutel, Leine…und die Hände sollen ja frei bleiben, damit man den Kleinen ausgiebig beschmusen kann.

Da ich die Olyabluse wie gesagt so gerne und viel getragen habe, lag es nahe, ein weiteres Exemplar zu nähen. Außerdem wollte ich wissen, ob ich die Schulternahtverlagerung so machen konnte, wie ich es mir vorgestellt habe. Beim Olya-Schnitt ist ja durch den angeschnittenen Ärmel manches anders.

Im hiesigen Nähgeschäft fand ich einen Double Gauze, der sich gut für eine weitere Olya eignete. Der Schnitt ist also etwas geändert, die Schulternaht um ca 1 cm nach vorne verlagert und etwas gedreht.

Außerdem habe ich den Kragenausschnitt etwas erweitert und den Kragen samt Steg natülrich auch, so daß er in etwa der Größe 10 entspricht.

Wie man sieht, ist der Sitz deutlich besser-nein, man sieht es natürlich nicht, aber das Gefühl beim Anziehen und Tragen ist so, daß ich mit der Bluse jetzt rundum zufrieden bin. Die Schulternaht liegt immer noch etwas hinter meiner anatomischen Schulter, aber das entspricht dem Design.

Das Nähen der Olyabluse ist übrigens eine recht zügige Angelegenheit, wenn der Anfang mal gemacht ist. Man beginnt mit dem Ärmelschlitz, der als Kapellenschlitz gearbeitet wird. Wenn diese erste Nähchallenge dann gemeistert ist, kann man sich entspannt dem weiteren Nähprozess zuwenden. Das Einsetzen der Ärmel spart man sich, das finde ich sehr angenehm. Ärmeleinsetzen finde ich beim ersten Ärmel immer noch ganz spannend, da bin ich hoch motiviert, aber beim zweiten läßt die Motivation dann deutlich nach, und dann sollen die beiden Ärmel ja auch noch identisch sein…nein, dann lieber ein Schnitt wie Olya, bei der der Ärmel angeschnitten ist.

So, soweit mein Outfit, in dem ich bei den zahlreichen Hundespaziergängen mit meinem Junghund Caspar unterwegs bin! Caspar und ich freuen uns jetzt auf wärmere Frühlingstage. Ich bin gespannt auf die heutige Galerie des Memademittwoch– werden schon Sommer-Outfits gezeigt, oder sind meine Mitnäherinnen vernünftig und zeigen dem Wetter angepaßte warme Kleidung? Ina zeigt heute ein traumhaftes Frühlingsoutfit, fröstelt aber auch darin…

Gestricktes Waffle Pattern

It has Pockets- Anzu Skirt von Waffle Patterns

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Wieviele Taschen braucht ein Rock? Die Antwort ist klar- jede Zahl größer als eins ist hier richtig. Ein Rock ohne Tasche ist wie ein Frühling ohne Sonne oder ein Hundespaziergang ohne Leckerli. Jeder Rock braucht mindestens eine Tasche! Aber ist die Zahl der Taschen nach oben begrenzt? Diese Frage mag man sich stellen, wenn man das Schnittmuster des Anzu-Rockes von Waffle Patterns betrachtet. Maximal könnte man 11 Taschen hier einbauen, ich habe mich auf 7 beschränkt. Ja, Bescheidenheit ist eine Tugend!

Es ist ja sicher auch nicht so gedacht, daß jeder Anzu-Rock mit allen Taschenvariationen genäht wird, das sind schon eher Vorschläge der Designerin, aus der man dann auswählen kann. Aber andererseits macht es so Spaß, diese ganzen Taschen zu nähen, ich konnte irgendwann nicht mehr stoppen. Und wenn man dann auch noch das passende Label dazu hat…

Wenn man von den vielen Taschen absieht, ist der Anzu Rock ein relativ schlichter Rock in A-Linie. Es gibt zwei Optionen, eine kurze mit Reißverschluß vorne oder eine knielange mit doppelter Knopfleiste („double breasted“), von denen aber nur die äußere mit Knöpfen genäht wird, die innere besteht aus Rockhaken und Druckknopf. Bei der Rückseite gibt es die Option auf eine tiefe Kellerfalte in der hinteren Mitte, die habe ich natürlich genäht, um mehr Beinfreiheit zum Laufen zu bekommen. Denn dieser Rock ist als Outdoor- und Wanderrock gedacht- etwas anderes passt nicht in mein Leben, das ich mit einem mittlerweile 5 Monate alten Welpen teile.

Die Anleitungen von Waffle Patterns sind immer eine reine Freude beim Nähen. Jeder Schritt ist mit Grafiken erklärt, die Anweisung knapp und präzise- so macht Nähen Spaß.

Der Stoff ist ein Doubleface-Jeansstoff, den ich von 1000Stoff bezogen hatte. Er hat zwei schöne Seiten, eine taupefarbene und eine jeansfarbene. Ich hatte lange geschwankt, welche Seite ich nach außen nehmen, oder ob ich bei den Taschen mit den verschieden farbigen Seiten spiele. Schlußendlich habe ich mich doch für diese schlichte Version in taupe entschieden, da ich die am besten kombinieren kann. Dafür habe ich mich dann bei der Innenansicht hemmungslos ausgetobt und meinen neuesten Libertystoff angeschnitten.

Der Rock passt zu vielen meiner Oberteile, hier habe ich ihn mit einer Cheyenne-Bluse aus einem Libertystoff kombiniert. Für unsere Wanderung an diesem nasskalten Vorfrühlingstag war das natürlich nicht warm genug, wie gut, daß ich einen selbstgestrickten Pullover darüber getragen habe!

Auf diesen Pulli, den Dartmoor Sweater von Caidree, bin ich ja besonders stolz. Gut, ich bin auf jeden selbstgestrickten Pulli stolz, eigentlich auf jedes selbstgemachte Kleidungstück, aber dieser Pullover…ich hatte die Wolle Ende Oktober bestellt, das habe ich grade noch mal nachvollzogen, und er war im Januar fertig. Für mich als langsame Strickerin ein geradezu atemberaubendes Tempo! Ich hatte allerdings auch einen gewissen Leidensdruck, da der Winter dann doch kühler wurde, der kleine Hund viele Outdoorzeiten forderte und es in meinem Kleiderschrank nicht so viele andere warme Pullis gab.

Der Dartmoor Sweater ist ein schlichter Pulli mit überschnittenen Schultern. Charakteristisch ist die etwas nach hinten verlegte Schulternaht, die durch einen i-cord betont wird. Für die Nicht-Profistrickerinnen, zu denen ich bis vor kurzem noch gehört habe: ein i-cord ist eine Art Kordel, die aus drei Maschen gestrickt wird. Man kann dann aus der Längsseite der Kordel die Maschen wieder aufnehmen, das führt zu einem sehr dekorativen Rand wie hier an der Schulter.

Ich habe den Dartmoor Pulli zweifädig gestrickt, ein Garn war Merinogarn (Lamana Como Grande), dazu ein Beilaufgarn aus 60% Mohair und 40% Seide (Lamana Premia). Das Ergebnis ist unglaublich weich, voluminös und wärmend, der Pullover war mein absolutes Lieblingsstück in diesem Winter. Und ich denke , daß ich auch bei den Morgenspaziergängen jetzt im März in der morgendlichen Kühle gerne diesen Pulli anziehen werde. Wer schon mal mit einem Welpen spazieren gegangen ist, kennt das Problem wahrscheinlich. Das Gassigehen mit einem Welpen ist ja oft ein Gassi-Sitzen- der Hund läuft einige Meter, dann setzt er sich erstmal hin und bestaunt die große weite Welt rings um ihn herum. Wie gut, wenn man da einen warmen Pullover anhat und den Hund in seiner kontemplativen Beschäftigung nicht stören muß!

so sieht ein nasser Zwergschnauzer aus

Für Kontemplation blieb dem Hund auf dieser Wanderung allerdings wenig Gelegenheit, da er irgendwann recht durchnäßt und völlig verdreckt war , was seiner guten Laune aber nicht schadete. Ich versichere, daß er kurze Zeit später wieder trocken und sauber auf der Couch saß!

Alle anderen genähten Modelle, mit oder ohne Hund, versammeln sich an diesem ersten Mittwoch im März hier. Ich freue mich sehr, daß es diese Plattform gibt!