Closetcore Hose Sweatshirt The#AssemblyLine

TAL High Cuff Sweater – das Beste aus zwei Welten?

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Es gibt Schnitt für Webware, und es gibt Schnitte für Maschenware. Mit gutem Grund sind das üblicherweise unterschiedliche Schnitte, denn zu verschieden sind die Eigenschaften der Stoffarten und die Verarbeitungstechniken. Natürlich werden auch immer wieder mal Schnitte angeboten, bei denen die Stoffart egal sein soll- das trifft dann aber auch auf die Güte der Paßform zu, um solche Schnitte habe ich bisher einen großen Bogen gemacht.

Eine interessante Ausnahme von dieser Regel stellt der Schnitt „High Cuff Sweater“ des schwedischen Schnittlabels The Assembly Line dar. Hier wird ein Webstoff mit einem dehnbaren Bündchen kombiniert. Der Schnitt wird in den sozialen Medien meistens aus Webstoff gezeigt, aber die Schnittbeschreibung sieht auch Jersey als Hauptstoff vor.

Wanderoutfit- nur echt mit vielen Tragefalten!

„High Cuff“ bezieht sich auf die Rückansicht, denn hier wird das Bündchen, der Cuff, bogenförmig nach oben gezogen. Das ist ein ausgesprochen witziges Detail an diesem Schnitt, das einen guten Sitz des Sweaters garantiert. Sonst ist der Schnitt unspektakulär: etwas überschnittene Ärmel, Rundhalsausschnitt, leicht nach unten gestellte Brustabnäher,Länge bis etwas über die Taille.

vor der Wanderung war das Teil wirklich gebügelt!

Die Anleitung ist so, wie man es von einer etablierten und hochpreisigen Schnitt-Firma erwartet. Alles wird gut und ausführlich beschrieben, die Nahtzugabe von 1 cm ist im Schnitt enthalten. Etwas gestutzt habe ich nur beim Ärmelschnitt: hier sind vordere und hintere Ärmeleinsatzpunkte mit der gleichen Markierung gezeichnet, aber der Ärmel ist durchaus nicht ganz symmetrisch, sondern im Vorder- und Rückenärmel verschieden, man darf die Ärmel also nur in einer Richtung einsetzen. Eine Markierung mit einem Doppelstrich am hinteren Ärmeleinsatzpunkt würde hier Klarheit schaffen.

Das Einfügen des elastischen Bündchens an den Webstoff gelingt wirklich problemlos, wobei sich bei mir dann doch einige Fältchen bildeten, die ich nicht wegbügeln konnte. Besser wäre es gewesen, die Ausschnittkante des doch recht weichen Webstoffes mit einer Einlage zu stabilisieren, so meine Erkenntnis nach dem Nähen. In der Anleitung findet sich darauf kein Hinweis, obwohl die Stoffempfehlung leichte und „midweight“ Stoffe empfiehlt.

Ja, mein Stoff…das ist auch eine interessante Angelegenheit. Es handelt sich um einen Viscosetwill von Mindthemaker, gekauft hatte ich ihn im Herbst 2019. Ich weiß noch genau, wie scharf ich auf diesen Stoff war, weil ich ihn auf vielen Bildern so schön fand. Es ist ja auch ein schöner Stoff, mit diesen rostroten Blüten auf dem grünen Untergrund. Aber in echt hat der Stoff irgendeinen düsteren Anklang, der mich lange von der Verarbeitung abgehalten hat. Dazu kommt, daß er nicht durchgefärbt ist, also eine weiße linke Seite hat, dadurch wirkt er deutlich billiger als er war. Ich habe ihn oft in der Hand gehabt, für ein Kleid, einen Rock in der engeren Wahl gehabt, aber konnte mich dazu nicht entscheiden. Jetzt wurde er verarbeitet, da Mind the Maker so schöne passende Bündchen dazu angeboten hatte. Ganz identisch war der Farbton des flaschengrünen Bündchens dann doch nicht, aber das kann man auch nicht erwarten bei so unterschiedlichen Stoffen. Auf den Bildern kommt es nicht so ganz raus, aber die Grüntöne sind eine Farbfamilie und beißen sich nicht.

Ich hatte mir einiges erwartet von diesem Schnitt, der auch in den sozialen Medien mit schönen Designbeispielen gezeigt wird. Ich hatte irgendeine ideale Mischung der verschiedenen Stoffarten mir vorgestellt, sozusagen das Beste aus zwei Welten verein…die Sportlichkeit eines Sweatshirts kombiniert mit der Eleganz einer Bluse, das war so mein Wunschtraum.

Träume gehen nicht immer in Erfüllung, und so finde ich das Gesamtergebnis ganz ok- ein Lieblingsstück wird der Sweater wohl nicht bei mir. Am meisten stört mich das Gefühl beim Anziehen- ich erwarte, ein Sweatshirt anzuziehen, und dann kommt nur dieses luftige Viskose-Feeling, das überhaupt nicht wärmt- das paßt in meiner Wahrnehmung nicht zusammen. Ich muß bei den derzeitigen Temperaturen immer eine Jacke darüber tragen. Das ist ja nicht schlimm, aber dann könnte ich auch gleich eine Bluse anziehen, die wäre dann zumindest schicker. Und die Kombination des Viskosewebstoffes mit dem Baumwollbündchen ist in meinen Augen zumindest ungewohnt…vielleicht ändert sich das noch mit längerer Tragezeit.

Die Hose, die ich dazu trage, hat aber absolut das Potential zu einem Lieblingsteil. Es handelt sich um die Sasha Trousers von Closetcore, die ich hier schon mal gezeigt habe. Die Sasha- Hose ist eine Chino aus einem dehnbaren Stoff- aus einem sehr dehnbaren Stoff, Dehnbarkeiten von 20% werden hier verlangt. Das schaffen nicht viele Hosenstoffe, in diesem Fall war es ein Stretchcord von metermeter, der so schön elastisch war und förmlich nach diesem Schnitt verlangte.

Wie immer bei meinen Hosen ist die Innenansicht spektakulärer als die Außenansicht:

Die Hose Sasha ist dank der guten Anleitung von Closetcore nicht schwer zu nähen. Ich habe die Anpassung meiner ersten Sasha übernommen, damit sitzt die neue Hose jetzt eher „knackig“. Bei längerem Tragen wie bei einer Wanderung kam mir der Gedanke, daß 0,5 cm mehr in der Schrittlänge vielleicht gut gewesen wären…andererseits ist meine Erfahrung mit Hosen aus dehnbaren Stoffen, daß sie mit der Tragedauer alle deutlich weiter werden. Ich denke, das ist das Elasthan, das mit der Zeit seine Funktion einbußt. Mit „Zeit “ meine ich jetzt wirklich viele Monate- meine erste Sasha habe ich im April 2019 genäht, viel getragen und natürlich auch viel gewaschen. Jetzt sitzt Sasha die erste sehr, sehr locker, genau wie meine Pinda-Jeans, die meine absolute Lieblings-Bequemjeans ist. Es stört mich überhaupt nicht, daß diese Hosen nicht mehr so eng sitzten, sie haben irgendwie über das Tragen eine Form angenommen, in der ich mich sehr wohl fühle. Das ist ja das Schöne an diesen viel getragenen Hosen- man gewöhnt sich aneinander, vielleicht wie in einer langjährigen Ehe.

Also, eine Hose mit Potential zum Lieblingsteil, und ein Sweatshirt mit eher experimentellem Charakter, so konnte ich die Wanderung an diesem schönen Vorfrühlingstag geniessen!

Blusen Memademittwoch Rock Schnittkonstruktion

Cordrock nach eigenem Schnitt mit Norma-Bluse

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Im letzten Jahr hatte ich mir einen Jeansrock nach eigenem Schnitt genäht, der ziemlich misslungen war…zu wenig passten Schnitt, Anpassungen und Stoff zusammen. Der Stoff war zu dehnbar, der Bund leierte hoffnungslos aus und ich hatte ihn auch zu eng um die Hüfte angepaßt. Im Nachhinein hat mich das doch sehr geärgert, denn ich hatte natürlich viel Mühe in diesen Schnitt gesteckt. Einen Schnitt selbst konstruieren, das sagt sich immer so einfach. Ist ja auch einfach, von der Theorie her. Ein Rock-Grundschnitt ist relativ überschaubar aufgebaut, und Variationen wie Passe oder Taschen eigentlich nicht schwierig. Aber leider muß dafür erstmal der Schnitt kopiert werden, ausgeschnitten, Teile angeklebt, durchgeschnitten- wie man das halt so macht, wenn man kein Schnitterstellungsprogramm hat und alles mit der Hand machen muß.

Deshalb bin ich sehr froh, daß ich mir und meinem Schnitt noch eine weitere Chance gegeben habe, diesmal aus einem stabilen Breitkord von Seeyouatsix genäht. Der Breitcord ist ein sehr breiter, jede Rippe hat eine Breite von 1cm, war aber (bis auf das obligatorische Cordfusseln) sehr gut zu verarbeiten.

Der Schnitt ist wie ein Jeansrockschnitt, also mit rückwärtiger Passe und einem Hosenreißverschluss in der vorderen Mitte. Bei diesen Schnittbestandteilen bediene ich mich immer gerne bei Closetcorepatterns- die Anleitung für den Reissverschluss stammt von den Sasha Trousers, die rückwärtigen Taschen hatte ich von der Morgan Jeans genommen. Es geht doch nichts über eine reichhaltige Bibliothek von bewährten Hosenschnittmustern!

Die vorderen Taschen sind über den Bund hochgezogen und formen so eine Gürtelschlaufe, das hatte ich mir bei einem Kaufrock abgeschaut. Die Taschen sind innen mit Viskose gefüttert, ich hatte Bedenken, daß die doppelten Cordlagen sonst zu sehr auftragen. Die Taschen sind vielleicht etwas zu klein, trotzdem aber so , daß ich immer gerne meine Hände darin versenke, wie man auf den Bildern sieht.

Hinten hat der Rock einen kleinen verdecken Schlitz, um das Laufen zu erleichtern. Der Rock ist gut knielang, er ist zwar seitlich jeweils 3 cm ausgestellt, aber die Saumweite wäre trotzdem nicht komfortabel für größere Schritte. Die Anleitung für einen verdeckten Rockschlitz habe ich aus einem meiner Lieblingsbücher entnommen:

Und auch das Innenleben eines Rockes hat ja ein Recht auf schöne Gestaltung, hier fand ein vorgefertigtes Schrägband von Atelier Brunette seinen Platz.

Der Rockbund ist ein Formbund, also aus den obersten 4 cm des Rockgrundschnittes entstanden. Die runde Form, die sich daraus ergibt, finde ich immer noch abenteuerlich, vor allem wenn man sie aus einem Stoff mit einem so sichtbaren Fadenlauf zuschneidet wie es mein Breitkord war. Natürlich wollte ich die vordere Mitte im Fadenlauf zuschneiden, aber dann wird die hintere Mitte zum 45°-Fadenlauf- aber so sitzt der Bund gut, finde ich. Man hätte natürlich auch den Bund aus kleineren Teilen zuschneiden können, aber ich wollte nicht so viele vielleicht knubbelige Nähte im Bund haben. Ich hatte beide Bundteile mit stabiler Einlage verstärkt, bis jetzt behält er schön seine Form und Weite.

Die Bluse, die ich zum Rock trage, ist eine Normabluse von Fibremood, Insider haben den Schnitt sicher längst erkannt. Oder auch nicht, denn es gibt mittlerweile viele ähnliche Schnitte auf dem Schnittmustermarkt, so daß ich da auch schon den Überblick verloren habe. Dies ist jedenfalls der Fibremood-Schnitt, nicht mehr ganz im Original, da ich mir auch da nicht die Bastelei verkneifen konnte.

Die Fibremood macht ihre Schnitte gerne mal ohne Brustabnäher, vielleicht damit sie einfacher zu nähen sind? Der Original-Normaschnitt hat mir ja auch gepaßt, aber bekanntlich ist das Bessere der Feind des Guten, und so habe ich in den Schnitt einen Brustabnäher konstruiert. Ich habe eine (kleine) FBA gemacht und dadurch den Brustumfang der Bluse um 3 cm erweitert. Es sind wirklich nur kleine Abnäher, die entstanden sind, aber ich bilde mir ein, daß sie jetzt besser sitzt. In dem gemusterten Stoff ist das allerdings nicht zu erkennen.

Ach ja, der Stoff…zu gerne hätte ich jetzt irgendeinen genialen literarischen oder thematischen Schnörkel eingefügt und erklärt, warum ein belgischer Stoff mit dem schönen Namen „Tropical Garden“ genau auf dieser schneebedeckten Wiese in Süddeutschland fotografiert werden musste…ist mir leider keiner eingefallen. Aber der Stoff ist einfach ein Traum, und ich finde ja eigentlich, daß die stilisierten Bäume und Pflanzen auf dunkelgrünem Untergrund durchaus in die Landschaft passen. Der Stoff ist übrigens bei allen mir bekannten Stoffdealern, die Seexouatsixstoffe führen, ausverkauft- offenbar bin ich nicht die einzige, die diesem Stoff sofort verfallen war.

Ich hatte den Ausschnitt der Bluse etwas verkleinert, da ich sie „wintertauglicher“ wollte, und die Ärmel verlängert. Die Ärmel könnten noch länger sein, da hatte ich nicht bedacht, daß die aufgeplusterte Form auch etwas von der Länge schluckt. So sind es jetzt 7/8 Ärmel statt 3/4 Ärmel.

Unter der Bluse einen Rolli, an den Beinen Thermo-Leggins, Wanderschuhe, aber da fehlt natürlich noch eine wärmende Schicht für die Schneewanderung, eine Jacke!

Die Jacke ist selbstgestrickt. Zu gerne würde ich ganz lässig sagen, ich hätte sie mal eben zwischen Weihnachten und Neujahr gestrickt, um mein Ensemble zu ergänzen- nein, weit gefehlt.

Diese Jacke hat mir meine Mutter gestrickt, vor vermutlich 35 ? Jahren. Meine Mutter war Jahrgang 1918, gestrickt hat sie die Jacke nach meiner Erinnerung in den frühen 80er Jahren. Warum sie mir die Jacke gestrickt hat, weiß ich nicht mehr ganz genau, denn zu der Zeit habe ich selbst viel gestrickt. Wenn ich es recht erinnere, hatte sie selbst eine ähnliche Jacke, die ich mir immer wieder ausgeliehen hatte. Meine Mutter, recht pragmatisch veranlagt, hatte dann das Problem so gelöst, daß sie mir auch ein Exemplar gestrickt hat. Die Jacke ist aus Alpaka-Wolle und aufwendig mit Zopfmuster in Vorder- und Rückenteilen gearbeitet.

Ich habe die Jacke natürlich aufgehoben, über viele Umzüge und Ausräumaktionen des Kleiderschrankes hinweg- so ein Teil entsorgt man nicht. Getragen habe ich sie tatsächlich nicht viel. Erstens ist die Wolle recht kratzig, und dann die Ärmel, die sind überweit, fast schon Statement-Ärmel, das war ja nun bis zum letzten Jahr nicht modern…aber jetzt sind sie es! Und ich war so froh, daß ich meine weiten Blusenärmel schön in diesen Jackenärmeln verstauen konnte und die Jacke jetzt in dieser Bilderstrecke einen würdigen Auftritt bekommt.

Von dem schönen Breitcord hatte ich noch ein großes Reststück. Das ist ja eigentlich kein Problem, so schöne Stoffe deponiere ich gerne in der Restekiste. Aber der Cord fusselte so furchtbar…da war es mir doch lieber, ihn bald zu verarbeiten. Und da mir eine Hülle für mein Laptop schon lang fehlte, war der Verwendungszweck bald klar. Zunächst hatte ich eine einfache Hülle geplant nach dem Motto quadratisch-praktisch-gut. Aber wie es halt so ist, man schaut dann doch mal im Internet, was so an Schnittmustern auf den einschlägigen Seiten angeboten wird. Vielleicht ein Fehler, aber so wanderte rasch das Schnittmuster Kuoria von Hansedelli zunächst in meinen Warenkorb und dann auf meine Festplatte eben diesen Laptops.

leider habe ich den gemusterten Stoff verkehrt herum eingenäht…die Bäume stehen jetzt auf dem Kopf!

Ich nähe ja immer wieder gerne auch mal Taschen, einfach auch deshalb, weil dann all diese komplizierten Fragen mit Paßform und Anprobe wegfallen. Und viele Taschenschnittmuster haben so hervorrragende Anleitungen, daß sie sich fast von alleine nähen. Und dann immer dieser witzige Moment, wenn man die Tasche final wendet und das Ergebnis vor sich sieht! Ja, ich nähe wirklich gerne Taschen mal zwischendurch, und auch dieses Exemplar mag ich gerne. Den bekannten grünen Breitkord habe ich wieder mit den Oriental Gardens kombiniert- natürlich nicht mit der Viskose, aber es gibt das Muster auch als Canvas, und den hatte ich in weiser Voraussicht auch gleich mitbestellt. Alle anderen Materialien für die Tasche hatte ich zum Glück im Vorrat: ein Restchen Kunstleder, Reißverschlüsse mit (fast) passenden Schiebern und für das Futter Leinen, das ich mit Soft und Stable gequiltet habe.

Mir fällt zwar keine Gelegenheit ein, wo ich mein Rock-Bluse-Ensemble zusammen mit dem Laptop ausführen könnte…aber egal, ich bin jetzt passend mit meinem digitalen Endgerät angezogen. Von dem stark fusselnden Cord ist übrigens immer noch ein Stück übrig, mal sehen, ob nicht noch ein Geldbeutel daraus entsteht!

Was sonst so in den letzten Wochen bei den Hobbynäherinnen entstanden ist, zeigt die Galerie des Memademittwochs- bitte hier entlang!

Memademittwoch Rückblick

Liebling 2020 und Jahresrückblick

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Das neue Jahr, das so angenehm leise begonnen hat, das wohl von uns allen ersehnte 2021, ist nun schon fast eine Woche alt. Auch ich möchte gerne ein Resumee ziehen über das vergangene Jahr: was habe ich genäht, was war toll, wie geht es weiter?

Heute ist der erste Mittwoch im Januar, der erste Mittwoch im neuen Jahr, und wie jedes Jahr stellt der Memademittwoch, unsere liebste (und mittlerweile fast einzige) Linkparty für die ambitionierte Hobbynäherin, die Frage nach dem Lieblingsteil 2020. Wie immer stöhne ich erstmal über diese Frage- wie soll ich mich für ein Teil entscheiden, wenn ich einiges genäht habe, was mir gut gefällt? Überhaupt ist mein Lieblingsteil immer das, was ich grade nähe oder, noch lieber, was ich nähen will. Die Liebe läßt dann im Lauf des Nähprozesses nach, manchmal sehr schnell, wenn schon das Zuschneiden ungeahnte Schwierigkeiten produziert, manchmal später, wenn die Nähfehler so sind, daß sie nicht mehr zu korrigieren sind.

Hemdblusenkleid, Schnitt von Inge Szoltysik-Sparrer

Auch Nina vom Blog vervliest und zugenäht stellt jedes Jahr im Januar die Frage nach den besten Kleidungsstücken des vergangenen Jahres. Bei ihr geht es allerdings um eine virtuelle Oscar-Verleihung, in der wir Genähtes mit einem Oscar in verschiedenen Kategorien auszeichnen können. Nun, mit virtuellen Dingen kennen wir uns ja mittlerweile alle gut aus- also auf zur Oscarverleihung!

Hemdblusenkleid, Schnitt von Inge Szoltisek-Sparrer

Dieses Kleid ist mein absolutes Lieblingsteil des letzten Jahres. Es entstand im Februar auf einem Nähcoaching-Wochende bei Inges Szoltysek-Sparrer und ist ein eigentlich schlichtes Hemdblusenkleid mit Prinzessnähten und zwei tiefen Kellerfalten im Rockvorderteil. Aber da die Passform so perfekt und die Ausführung (zumindest für mich) so gut ist, ist es für mich ein ganz besonderes Teil, das unbedingt den Oscar für den besten Hauptdarsteller verdient hat.

Und auch der Oscar für die beste Regie geht an dieses Kleid, denn eine bessere Anleitung als bei Inge kann ich mir nicht vorstellen. Wunderbar ist ja auch, daß ich die Techniken gelernt habe und nach diesem Wochenende auf einem deutlich höheren Level meiner Nähfertigkeiten war. Natürlich nähe ich zuhause nicht immer so ordentlich wie auf dem Kurs, ich denke, das muß ich auch gar nicht, ich bin ja Hobbynäherin und eben kein Profi. Aber zu wissen, wie es besser geht, ist immer gut. So zeichne ich mir jetzt fast immer die Nahtlinien ein, auch bei den Schnitten, die schon mit Nahtzugabe geliefert werden. So groß ist der Aufwand nicht, und es ist beim Nähen so eine Hilfe. Und auch die Sache mit den Handnähten erscheint nur auf den ersten Blick zeitaufwendiger- so viel schöner wird das Ergebnis, und die Zeit, die ich mit Handnähen verbringe, ist eine absolute „quality time“, wie man es auf Neudeutsch bezeichnen würde.

nie wieder ist mir später so ein perfekt eingesetzter Ärmel gelungen!

Ein schöner Nebeneffekt des Coachings war, daß Inge mir noch einen Maßschnitt für einen Oberkörperschnitt erstellt hat. Ich hatte ja auch schon selbstgezeichnete Oberkörperschnitte, aber der von Inge ist noch besser. So habe ich im Sommer zwei ärmellose Tops genäht, auch die wurden absolute Lieblingsteile. Den Oscar für die besten Nebendarsteller haben sie sich verdient!

Das Nähcoaching bei Inge ist mir auch deshalb so gut in Erinnerung, da es das letzte Freizeitvergnügen war, das ich noch unbeschwert geniessen konnte. Das Coaching war im Februar, und Ende Februar tauchten in den Medien die Berichte über die ersten Coronafälle in Heinsberg auf. Im März befand sich Deutschland im ersten Lockdown.

Eigentlich wollte ich das Wort mit dem großen C gar nicht in diesem Blogbeitrag erwähnen. Das Thema ist einfach zu komplex, um es auch nur anzureissen, und außerdem hat es mit meiner Näherei nicht so viel zu tun.

Nicht so viel heißt, daß ich meine Nählust durchaus nicht verloren habe, sondern eher noch besser ausleben konnte. Im Mai hatte ich mal 14 Tage in Quarantäne zuhause verbracht, die habe ich fast durchweg an der Nähmaschine verbracht. Was machen eigentlich die armen Menschen, die in Quarantäne sind und keine Nähmaschine haben? Genäht habe ich dieses Jahr also viel, in Zahlen: 6 Sweatshirts, 7 Röcke, 9 T-Shirts, 5 Blusen, 7 Kleider, 2 Rucksäcke, 3 Hosen, 2 ärmellose Tops und 1 Jacke. Im Vergleich zum letzten Jahr sticht vor allem die große Anzahl von Sweatshirts und Röcken heraus. Und das ist auch so eine Kombination, die ich im Alltag gerne trage, oder eben Rock und Bluse.

Sheridan Sweatshirt von HeyJune

Den Sheridan Sweater von Hey June habe ich einige Male genäht, ein schöner schlichter Sweatshirt-Schnitt mit etwas erweiterten Ärmeln, die nicht so weit sind, daß sie als Statement-Ärmel gelten können, aber doch gerade so weit, daß der Sweater etwas moderner wirkt. Und als Basis -T-Shirt-Schnitt hat sich dieses Jahr ein anderer HeyJune-Schnitt heraus kristallisiert, nämlich das St Union Tee. Davon habe ich dieses Jahr insgesamt 5 Stück genäht, in verschiedenen Fassungen. Der Schnitt ist so basic, daß es davon kaum Fotos gibt, aber auf diesem Outfit ist er zumindest mal abgebildet.

HeyJune St Union Tee

Diese beiden Schnitten von HeyJune, der Sheridan Sweater und das St Union Tee, teilen sich dieses Jahr der Oscar für den besten Schnitt. Es sind beides wunderbar solide Schnitte, gut designt mit vielen Variationen und bei mir oft genäht.

Nicht nur Kleidung entstand letztes Jahr an meiner Nähmaschine, sondern auch Rucksäcke…und hier kann ich voller Freude den Oscar für das beste Drehbuch an Frau Machwerk übergeben, die diesen tollen Rucksack entworfen hat. Ich bin keine so geübte Taschennäherin, und das mir dieses Meisterstück gelungen ist, lag einzig und alleine an der guten Anleitung.

Die Frage mit dem Ehrenoscar, der für das beste für andere genähte Kleidungsstück vergeben wird, ist dieses Jahr ganz einfach: die schönste Unterhose, die ich jemals genäht habe, ist diese Boxershorts für meinen Mann aus einem Atelier Brunette Stoff.

Den Oscar für die beste Kamera bekommt mein Mann, da er immer so schöne Bilder von mir in den genähten Kleidungsstücken macht. Da wir das immer mit Wanderungen oder anderen Outdoor-Aktivitäten verbinden, ist mein Blog auch zu einem Wandertagebuch geworden. Oft fällt uns bei einer Wanderung ein, was wir an einer bestimmten Stelle schon mal fotografiert haben. Und wenn ich mir manche Blogbilder anschaue, ist die Atmosphäre an einem bestimmten Ort an der Wanderung wieder präsent. So erinnere ich mich gerne an diese Wanderung im Spessart, an der wir das Elodie-Kleid von Closetcore fotografiert haben. Ein windiger, aber milder Spätsommertag- so ein Genuss, auf dieser Hochebene zu stehen in meinem neuen Kleid!

Ein Oscar für die besten visuellen Effekte? hmm, vielleicht diese Aufnahmen vom Sweatshirt Erin in den schneebedeckten Hängen des Kleinwalsertales?

Der Oskar für die beste Maske hat ja dieses Jahr eine besondere Bedeutung bekommen. Natürlich habe ich Masken genäht, viele Masken für mich und andere. Meistens habe ich sie nach dem Schnittmuster von Inge genäht, aus naheliegenden Gründen. Es ist ja auch ganz witzig, wenn man die Maske passend zum Kleid oder zur Bluse hat. Interessant immer die Reaktionen der Umwelt, soweit man denn soziale Kontakte in dieser Zeit hatt: eine kurze Überraschung, dann meistens die Frage, ob Maske und Bluse zusammen gekauft wurden…und dann natürlich mein grosser Augenblick, wo ich mich als Schöpferin sowohl des Kleidungsstückes als auch der Maske zu erkennen gebe.

Seamwork Bertie mit passender Maske

Ist ja alles ganz nett, aber tatsächlich ist es bei mir so, daß ich (beruflich trage ich den ganzen Tag eine Maske, keine Chance zum Home-Office!) am besten mit den Einmal-Chirurgischen Masken zurecht komme. Die Stoffmasken sind leider alle so dicht, daß ich dadurch schlecht Luft bekomme, das spricht vielleicht für meine gute Stoffqualität, ist aber mit meiner Lebensqualität eher weniger vereinbar. Meine Lebensqualität hat übrigens einen gewaltigen Auftrieb bekommen, als ich einen gut passenden Abstandshalter für die Masken entdeckt habe- es ist schon angenehm, wenn man beim Sprechen nicht mehr ständig die Maske in den Mund bekommt.

Rock selbstkonstuiert

Und dann gibt es ja auch noch die Goldene Himbeere, sozusagen den Anti-Oscar…der geht dieses Jahr eindeutig an diesen Rock. Die Auszeichnung vergebe ich deshalb so gerne, weil ich den Schnitt selbst konstruiert habe. Der Schnitt war ja auch gar nicht so verkehrt, aber ich habe einen denkbar ungünstigen Stoff gewählt: einen Elastik-Jeansstoff mit einer Dehnbarkeit von mindestens 10%, also fast wie ein Sweatstoff. Ich habe den Rock entsprechend eng gemacht- zu eng, er hat eine Bequemlichkeitszugabe von knapp 4 cm im Hüftbereich. Das könnte für eine enge Hose ganz gut sein, für einen Rock ist es definitiv zu wenig. Und der Bund leiert gnadenlos aus, trotz entsprechender Verstärkung mit Einlage. Ich hatte mittlerweile versucht, mit Gürtelschlaufen und eingezogenem Gummiband den Bund zu retten, das hat dem Rock auch nicht gut getan. Ich denke, ich werde ihn entsorgen. Aber der Schnitt an sich ist schön, und so war mein erstes Nähwerk 2021 ein Rock nach eben diesem Schnitt. Diesmal aus einem stabilen Breitcord und mit den korrekten Bequemlichkeitszugaben. Bilder folgen, demnächst in diesem Theater!

Ich freue mich auf ein wunderbares Nähjahr 2021, auf hoffentlich etwas mehr Gelegenheiten, die selbstgenähten Kleidungsstücke zu tragen, und vor allem auf den lebhaften Austausch mit meinen Leserinnen und Lesern!

fibremood Kleid Readytosew WKSA

WKSA-Finale mit Feliz und Jamie-Cardigan

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Mein Weihnachtskleid ist pünktlich fertig geworden, und dazu habe ich auch noch ein passendes Jäckchen und ein Unterzieh-Shirt aus Wolle genäht. Ja, nennt mich ruhig einen Streber, aber ich bin mit meinem Ensemble sehr zufrieden, denn ohne wärmendes Obendrüber (bzw Untendrunter) wäre so ein Viskosekleidchen doch zu luftig.

Genäht habe ich das Kleid Feliz aus der aktuellen FibreMood, über die Einzelheiten von Stoffwahl und Erfahrungen beim Nähen habe ich hier berichtet. Ich habe den Schnitt in Gr 38 genäht, bis auf eine Kürzung der Rocklänge um 10 cm habe ich nichts am Schnitt geändert. Die Passform des Kleides ist akzeptabel oder überraschend gut, je nach Sichtweise. Über der Brust bilden sich Querfalten, wenn ich die oberen Knöpfe zumache, aber da ich das nicht vorhabe, stört es mich erst mal nicht. Im Nachhinein muß ich sagen, daß ich wohl doch besser ein full-bust-adjustment gemacht hätte, dabei einen Abnäher eingefügt, dann wäre der Sitz noch besser.

Die Schnitte in der FibreMood scheinen jetzt eine etwas geringere Bequemlichkeitszugabe zu haben als die der ersten Ausgaben, im Fall von Feliz sind es 10 cm im Brustumfang, das finde ich eigentlich ganz normal für einen Oberkörperschnitt. Interessant ist ja, daß viele Schnitte der Fibremood ohne Abnäher daherkommen. Ist das modern zur Zeit, soll vielleicht einen etwas kastigen Look kreieren?

Aber kastig ist an Feliz sonst nichts, denn der eingekrauste Rock und auch die mit Schlaufen hochgeschoppten Ärmel geben eher eine weiche Silhouette.

Ein sehr schönes Detail, das auf meinen Bildern in dem dunklen Stoff leider kaum zu sehen ist, ist die geschwungene Passe im Rückenteil. Ich habe die Passe übrigens gedoppelt, um eine schönere Innenansicht zu erreichen. Und ich denke auch, etwas mehr Stabilität im Schulterbereich kann bei so einem dünnen Viskosestoff nicht schaden.

Genial sind auch die Taschen, denn die sind wirklich sehr groß. Deshalb gibt es auch fast kein Bild, wo ich nicht die Hände in der Tasche habe!

Das Kleid ist dünn und wärmt nicht, mir war schon klar, daß es ein passendes Darüber benötigt. Ich hatte eine Weile mit vorhanden Jacken und Pullis experimentiert und dann gemerkt, wie die ideale Jacke zu Feliz aussehen müsste: mit V-Ausschnitt, taillenkurz und möglichst weiten Ärmeln. Diesen Schnitt gab es beim französichen Label ReadytoSew, nämlich den Jamie-Cardigan.

Ich kenne natürlich nicht alle Modelle sämtlicher Indie-Schnittmusterdesigner, aber das ist so der Bereich, wo ich mich beim Surfen im Internet gerne aufhalte. Manche Schnitte begegnen mir dann immer wieder, und so war es im Fall von Jamie auch. Ich wußte, daß es diesen Schnitt bei ReadytoSew gab, und so war die Wahl nicht schwer. Ganz einfach war die Wahl des Stoffes, als eine Stoffprobe dieses altrosa Sweatstoffes auf meinem Kleid lag- das paßte farblich so perfekt, manche Kombinationen sind eindeutig.

Jamie ist ein eher leger geschnittener Cardigan mit weit überschnittenen Schultern. Es gibt auch noch eine hüftlange Version, bei den Ärmeln kann man zwischen dreiviertellang und „normal lang“ wählen.

Mein Sweatshirtstoff enthält kein Elasthan, deshalb knittert er auch ganz ordentlich, was mich aber bei diesem legeren Modell nicht stört. Er hat eine mässige Dehnbarkeit und eine noch mäßigere Rücksprungkraft- ist dafür aber unvergleichlich kuschelig! Zum Glück gibt es passende Bündchenstoffe, sonst wäre dieser Stoff schwierig zu verarbeiten, denke ich . Und um das Glück vollkommen zu machen, gibt es sogar farblich passende Corozo-Knöpfe.

Ich schwärme deshalb so von dieser Jacke, weil sie sich rasch zu einem Star in meinem Kleiderschrank entwickelt hat…ehrlich gesagt habe ich sie fast jeden Tag an, seit ich sie fertig gestellt habe. Sie paßt aber auch zu allem , zu Jeans, zu Röcken, über Kleider…auch bei meinem wöchentlichen Pilates-Training (natürlich online, was sonst…) habe ich sie über der Fitness- Kleidung getragen, bis sie mir zu warm wurde.

Und untendrunter gibt es auch was Warmes, nämlich ein Shirt aus einem Wolljersey. Der Schnitt ist mein derzeitiger Standard-Schnitt für Shirts, nämlich das St. Union Tee von HeyJune. Auch das ist so ein Teil geworden, was ich freiwillig nicht mehr ausziehe…

Vielmehr kann ich über mein Weihnachtskleid nicht schreiben. Für mich war der WKSA dieses Jahr eine sehr entspannte Angelegenheit, ohne große Überraschungen und mit vielen positiven Näherlebnissen. Aber das war vermutlich genau das, was ich in dieser eigenartigen Zeit gebraucht hatte.

Mit diesen Impressionen, unverhoffte Sonnenstrahlen auf einem Aussichtspunkt im Kraichgau, möchte ich diesen letzten Blogbeitrag im Jahr 2020 schliessen. Danke fürs Lesen, fürs Kommentieren, Diskutieren…diese Interaktion ist für mich unglaublich wichtig geworden. Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern wunderschöne und entspannte Weihnachtstage und einen guten Start ins neue Jahr!

Alle anderen Weihnachtskleider finden sich auf dem Blog des Memademittwoch, bitte einmal hier entlang!

fibremood Kleid WKSA

WKSA- glücklich mit Feliz?

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Auch in diesem Jahr schreitet die Vorweihnachtszeit voran, und so macht auch mein Weihnachtskleid Fortschritte.

Ich nähe das Kleid Feliz aus der aktuellen Fibremood, eine spontane Entscheidung, die bei dem ersten Anblick der Zeitschrift getroffen wurde.

Spontane Entscheidungen müssen nicht schlecht sein, und auch bei der Stoffwahl ist eine rasche Entscheidung oft goldrichtig. In diesem Fall war es die Entscheidung für den Stoff, aus dem auch im Heft ein Beispiel genäht worden war. Ich habe ja immer noch das Gefühl, ich müßte mich für diese Stoffwahl entschuldigen, weil es so phantasielos ist….andererseits hat es seinen Grund, daß die Zeitschriften wie FibreMood ihre Stoffe immer auch direkt anbieten. Wahrscheinlich wählen auch viele andere Näherinnen diesen Weg, der zugegeben sehr einfach ist- ich mußte meine Phantasie nicht strapazieren, mir das fertige Kleid vorzustellen, das gab es schon als Bild.

Egal wie, ich mag meinen Stoff, eine wirklich schöne Viskose in guter Qualität, natürlich durchgefärbt. Nichts schlimmeres, als wenn ein dunkler Stoff eine helle Rückseite hat! Bei der französischen Firma Cousette läßt es sich problemlos direkt bestellen. Ich hatte passende Knöpfe mitbestellt, mich aber nachher doch für eine andere Version entschieden, dazu später mehr.

Das Nähen beginnt ja immer mit dem Zuschneiden, oder in diesem Fall mit dem Kopieren des Schnittes aus der Zeitschrift. Und hier möchte ich der Fibre Mood mal ein großes Lob aussprechen: das Kopieren klappt wirklich problemlos, besser als bei den meisten anderen Schnittmusterbögen. Nach meinem Eindruck sind die Bögen nicht so dicht bedruckt , und es gibt auch eine Übersicht, wo auf welchem Bogen das Schnitteil zu finden ist. Es ist jedenfalls mir mit meinen altersbedingt nicht mehr so super guten Augen gelungen, auch bei Lampenlicht den Schnitt zu kopieren, das finde ich beachtlich.

Die Nähanleitung braucht man für diesen Schnitt nicht wirklich, es ist ja ein sehr simpler Schnitt. Ich habe mich um eine schöne Verarbeitung bemüht, dieser Punkt kommt bei den Fibremood-Anleitungen nicht so wirklich vor, ist mein Eindruck. Die Ärmel des Kleides sollen ja hochgekrempelt werden- da braucht man doch eine ansehliche Versäuberung der Ärmelnaht, ich habe sie französisch gemacht. Die wunderschöne geschwungene Passe im Rückenteil muß doch unbedingt gedoppelt genäht werden- hier wäre eine versäuberte Naht im Rückenteil so hässlich! Und so gab es einige Stellen im Nähprozess, die ich mit wesentlich mehr Zeit und Aufmerksamkeit genäht habe, als es die Anleitung vorgibt. Sicher muß das jeder für sich entscheiden, aber ich liebe dieses sorgsame Nähen mittlerweile.

So war es eigentlich ein schönes und entspanntes Nähen, es gab lediglich zwei Punkte, die mich aus meinem Näh-Flow zumindest kurzfristig gerissen hatten.

Der eine Punkt ist die Form des Halsausschnittes. Mir war schon klar, dass Feliz eher hochgeschlossen daher kommt, mit einem recht halsnahen runden Ausschnitt. Ich hatte da erst Bedenken, da ich weiß, daß mir so hohe Ausschnitte oft nicht stehen. Ich hatte das Schnittteil ausgemessen, mir angehalten und dann entschieden, es so zu lassen. Als dann der Kragen, ein sehr schmaler Stehkragen, angenäht und die erste Anprobe war, war ich dann doch etwas enttäuscht…kurz hatte ich überlegt, den Ausschnitt und den Kragen noch zu ändern. Aber so eine Änderung am fertigen Oberteil ist natürlich ein gewaltiger Eingriff und kann eigentlich nicht gut gehen.

Als dann der Rock angenäht war, fand ich den Gesamteindruck wieder sehr stimmig. Wobei sich dann das Problem zwei auftrat: das Kleid ist schon sehr lang. Das ist so gedacht, es ist ein Midi-Kleid. Trotzdem muß ich es ja irgendwie tragen können, ohne mich gleich verkleidet zu fühlen wie in ein Kostüm aus dem 18. Jahrhundert. Ich habe jetzt den Rock mal ca 10cm kürzer abgesteckt, gefällt mir gleich viel besser.

Die schönen Knöpfe sind wieder mal Corozo-Knöpfe, die ich von HelloHeidi bezogen habe. Seit ich diese Knöpfe entdeckt habe, bin ich für Plastikknöpfe nicht mehr zu haben. Ich hatte mir bei Cousette auch Knöpe in anthrazit mitgestellt, auch Corozo, aber ich fand dann diese altrosafarbenen Knöpfe viel schöner.

Und dann fehlen natürlich noch die wärmenden Schichten, die so ein Viskose-Kleidchen für den rauhen Dezember tauglich machen. Geplant ist noch eine Jacke, den passenden Sweatshirt-Stoff habe ich hier schon mal in der Stoffprobe dazu gelegt. Wahrscheinlich wird es diese Jacke:

Quelle: ReadytoSew

Dann fehlt noch ein wärmendes Untendrunter, ich dachte da an ein Shirt aus Merinowolljersey. Dazu eine dicke Strumpfhose, darüber vielleicht noch Thermo-Leggins- dann müßte ich mit meinem Kleid auch bei tiefen Temperaturen glücklich sein!

Alle anderen Fortschritte bei den Weihnachtskleidern finden sich auf dem Memademittwochblog. Ich bin wieder mal spät mit meiner Verlinkung dran, aber besser spät als nie…

Culotte fibremood Hosen Rock

Culotte Bea aus der Fibremood

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Die Culotte, der Hosenrock, ist aus der Modewelt der letzten Jahre nicht mehr weg zu denken. Ob jetzt Culotte und Hosenrock das gleiche ist, sei mal dahin gestellt. Tatsache ist, daß mir diese überweiten, wadenlangen Hosen unglaublich gut gefallen. Ich finde, so ein Hosenrock vereint das Beste aus den beiden Welten Rock und Hose: vom Rock das elegante und feminine Aussehen, von der Hose die unbestreitbare Bequemlichkeit, die so zwei Hosenbeine nun mal bieten.

Eigentlich überraschend, daß ich bisher nur einen einzigen Hosenrock genäht habe. Der ist nach einem selbstkonstruierten Schnitt und wird sehr gerne getragen. Immer schon hatte ich mir überlegt, noch mal einen Hosenrock zu nähen, gerne als Variation dieses Schnittes, vielleicht mit eingefügten Falten…aber wie es so oft bei Näh-Ideen ist, blieben diese Pläne in einer gedanklichen Schublade liegen und wurden nicht umgesetzt.

Aber als dann in der neuen Fibre Mood dieser Schnitt für eine Culotte war, wußte ich sofort, daß ich dieses Teil wollte, das sollte mein neuer Hosenrock werden.

Der Schnitt von Bea ist eigentlich sehr einfach, wie oft in der Fibremood. Ich denke, das ist eines der Geheimnisse der belgischen Schnittmuster-Zeitschrift, die viele von uns begeistert. Die Schnittdesingerinnen schaffen es, einen schlichten Schnitt durch kleine Variationen so zu verändern, daß das Kleidungsstück absolut modern und modisch ist. Dazu kommt natürlich diese professionellen Präsentation in der Zeitschrift und in den Medien, das ist schon bewundernswert.

Quelle: Fibremood

Also: ein schlichter Hosenrockschnitt, zwei genähte Falten im Vorderteil und Abnäher im Rückenteil, dazu Taschen in den Seitennähten. Das einzig Besondere an Bea ist der Verschlußmechanismus, da der Rock über die Taschen geöffnet wird. Dieses Prinzip kennen wir schon von den Flint Pants von Megan Nielsen, ist also auch nichts neues. Bei der Schnittbeschreibung von Bea wird dieser Verschlußmechanismus als Vereinfachung angepriesen, da man keinen Reißverschluß einnähen müsse…ich glaube, das ist Ansichtssache. Ich persönlich habe überhaupt keine Probleme damit, einen Reißverschluß irgendwo einzunähen, ich finde das nicht so schwierig. Aber Knopflöcher, insbesondere wenn sie an so exponierter Stelle liegen wie an dem Bund von Bea, der zu einer Spitze ausgezogen ist, das finde ich schwierig. Das Knopflochproblem hat mich eine ganze Weile aufgehalten und geärgert, im Nachhinein muß ich sagen, das war auch die einzige Schwierigkeit im ganzen Nähprozess.

Aber von vorne: die Entscheidung für einen Stoff war nicht schwierig, da ich einen wunderschönen Karostoff in meinem Stoff-Vorrat hatte. Diesen Karostoff hatte ich immer wieder mal aus dem Stoffstapel gezogen und an mir drapiert, auch für mein Weihnachtskleid war er in der engeren Wahl. Ich fand die Farben sehr gut für mich, aber beim Drapieren fiel mir immer auf, daß das blau zu dunkel für mich ist, um es am Oberkörper und damit in Gesichtsnähe zu tragen. Die Kombination eines Stoffes mit einem Schnitt ist für mich eine der spannendsten Abschnitte im Nähprozess. Manchmal ist es sofort klar, manchmal dauert es eine Weile, aber immer ist es für mich ein erhebendes Gefühl beim Zuschneiden, wenn ich mir sicher bin, daß dieser Stoff mit diesem Schnitt seine Bestimmung gefunden hat.

Da es sich um einen Karostoff handelt, blieb das erhebende Gefühl beim diesem Zuschneiden logischerweise nicht lange. Ich versuche ja immer, den Karozuschnitt als intellektuelle Herausforderung anzusehen. Das gelingt mir am Anfang des Zuschneidens oft noch gut. Ich wende alle mir bekannten Tricks an: Markierungen im Schnittmuster, wo die Karos unbedingt passen müssen, einlagiges Zuschneiden oder akribisches Festtackern der Karolienien beim doppelagigen Zuschneiden. Also ich gebe mir schon Mühe, bis…ja, bis ich irgendwann merke, das klappt so nicht. Sei es, daß der Stoff sich verschoben hat, sei es, daß meine Markierungen nicht stimmen oder ich einfach ungenau gearbeitet habe, irgendwann paßt es nicht mehr. Zum Glück kann ich dann recht unkompliziert in einen großzügigen Arbeitsmodus umschalten, frei nach dem Motto: besser als bei den gekauften Klamotten ist es allemal, und wen es stört, der soll woanders hinschauen!

Im Fall von Bea war mein großer Fehler, daß ich eine Karoanpassung bei den Nahttaschen überhaupt nicht in Betracht gezogen hatte. Ja, Bea hat Nahttaschen in der Seitennaht, und die Seitennaht ist gerade, wie auch aus der Schnittzeichnung erkennbar. Normalerweise wäre der Innenstoff einer Nahttasche kaum erkennbar, deshalb hatte ich mich hier gar nicht um Musteranpassungen bemüht, zumal ich auch nicht mehr viel Stoff übrig hatte. Im fertigen Teil erscheint diese Tasche allerdings als gebogene Eingrifftasche, wie man sowohl bei den Modellen im Heft als auch bei mir erkennt, und damit ist natürlich auch das Muster der Innentasche erkennbar.

Was passiert hier? Eigentlich nur das , was zu erwarten ist, wenn man sich den Schnitt genau anschaut. Der Schnitt hat in der Taille eine Bequemlichkeitszugabe von ganzen 0,25 cm, das ist nicht so viel- will heißen, der Rock sitzt einfach eng in der Taille. Ich habe übrigens Gr 36 genäht und zur Taille hin zu Gr 38 gradiert, über die Abnäher und den Falteninhalt. Die enganliegende Taille wird nur durch die Knöpfe im Bund gehalten, der Bereich darunter holt sich seine Weite, die er nun mal durch die Rundungen am Bauch braucht, wo er sie kriegen kann, in diesem Fall aus der Tasche- der Tascheneingriff klafft also weit auf.

Vom Schnitttechnischen her gesehen finde ich das etwas unorthodox, denn dadurch ist man natürlich von einer gerade verlaufenden Seitennaht weit entfernt. Aber davon abgesehen ist dieses Vorgehen absolut praktisch, denn so läßt sich über die Knopfposition die Paßform wunderbar anpassen und korrigieren. Also, Daumen hoch für unorthodoxe Lösungen- nur daß dann halt leider meine nicht vorhandene Kaoranpassung an dieser Stelle sehr sichtbar wird. Zum Glück habe ich ja auf fast allen Fotos die Hände in den Rocktaschen, dann fällt das vielleicht nicht so auf.

Jetzt komme ich nicht mehr herum, von meinem persönlichen Armageddon bei diesem Schnitt zu berichten, den Knopflöchern. Der vordere Bund von Bea ist in zierliche Spitzen ausgezogen, die ein Knopfloch beherbergen. Ich hatte die Schwierigkeit erst gar nicht wahrgenommen und nach einem Probeknopfloch fröhlich die Knopflochautomatik eingeschaltet. Das ging natürlich nicht, da die Automatik mit der Messung über die Kanten nicht funktionierte. Kein Problem, wozu hat man einen Höhenausgleich für den Knopflochfuß, da würde das schon gehen…weit gefehlt, wieder stoppte die Automatik nach der Hälfte. Beim dritten Versuch (wohlgemerkt, am Rock, also sozusagen am lebenden Objekt, immer nach dem Auftrennen der vorherigen Versuche..) war ich dann schon so klug, auf den manuellen Betrieb umzuschalten, schließlich kam es hier überhaupt nicht auf eine exakt gleiche Länge der beiden Knopflöcher am Bund an. Das ging dann gut, aber nach der Hälfte war die Unterfadenspule leer…

Zum Glück hatte mein Stoff eine so gute Qualität, daß er dies ganzen Näh- und Auftrennarbeiten recht unbeschadet überstanden hat. Ein Hoch auf eine gute Stoffqualität! Die Versäuberung des unteren Bundrandes steht übrigens nicht in der Anleitung, das sind dann so die persönlichen Kleinigkeiten, die ich gerne in ein Nähwerk einfliessen lasse.

Die Jacke, die ich auf den Bildern trage, ist auch selbstgestrickt, ich habe sie hier schon mal gezeigt, bei diesem Blogbeitrab verbirgt sie sich leider meistensunter dem Kelly-Anorak. Ich freue mich sehr, daß ich das Jäckchen nun mal in seiner ganzen Schönheit hier zeigen kann! Es handelt sich übrigens im ein Modell von Kim Hargreaves („Kitten“). Ich liebe es ja sehr, wenn ich selbst genähte Kleidungsstücke gut kombinieren kann. Bei meiner Lieblingsfarbe blau ist das zum Glück nicht so schwierig.

Auch wenn er farblich nicht so gut dazu paßt, muß hier auch noch mal mein neuer Lieblings-Rucksack gezeigt werden. Es ist der Rucksack Arc von Frau Machwerk, der mich jetzt schon bei einigen Wanderungen begleitet hat. Ich finde ihn immer noch wunderschön, und durch die Trägerpolster ist er auch ausgesprochen bequem. Und dafür, daß er nicht blau ist, dafür kann er ja auch nichts!

Jetzt bin ich mal gespannt, was der letzte Memademittwoch in diesem verrückten Jahr 2020 noch alles zeigt. Vielleicht noch andere Modelle aus der neuen Fibremood?

liebe Grüße, Barbara

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Weihnachtskleid- Sewalong 2020- Teil 1

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Weihnachten- das war doch dieses Event, das früher mal Ende Dezember gefeiert wurde? Lassen Sie mich überlegen, genau, ich erinnere mich, 2019 war das letzte Mal.

Oh, jetzt erinnere ich mich genau. Das war ein Event, geradezu furchtbar aus unserer heutigen Sicht. Es kam zu einer Massenbewegung der Menschen, alle fuhren irgendwo hin, meistens in den Ort ihrer Herkunft oder sogar ihrer Geburt (da gibt es glaube ich eine Quelle, die ca. 2000 Jahre alt ist ). Also, man reiste, oft in öffentlichen Verkehrsmitteln, sogar in Flugzeugen. Schutzmaßnahmen wie Lüftungsanlagen, Trennwände waren unbekannt, nicht mal Mundnasenmasken wurden in der Öffentlichkeit getragen, stellen Sie sich das mal vor! Und an Weihnachten trafen sich dann diese durchmischten Menschen in schlecht gelüfteten Kneipen, wo sie stundenlang mit ihre alten Schulfreunden erzählten, oder in genauso schlecht gelüfteten Wohnzimmern zum Feiern mit ihren Verwandten. Nein, die Fenster wurden nicht alle 20m min geöffnet, das hätte ja den herrlichen Duft des Weihnachtsessens oder der Plätzchen vernichtet. Und dann ging man in die Kirche, wo man dicht an dicht gedrängt saß, und – es wurde gesungen! Stellen Sie sich das mal vor, Gesang, eine vollbesetzte Kirche wie die Gedächtniskirche in Speyer, und alle singen! An die Aerosolbildung darf ich gar nicht denken…

Also, ich bin schon froh, daß das jetzt alles besser ist. Man ist ja schließlich aufgeklärt und virologisch und epidemiologisch podcastmäßig fortgebildet. Kontakt ist schlecht, das haben wir gelernt, Umarmen, die Köpfe zusammenstecken und natürlich Singen- Todsünden in der heutigen Zeit. Aber dennoch- gibt es da nicht noch ein Relikt aus früheren Zeiten? Genau, da war eine kleine Gruppe von unverdrossenen Näherinnen, die schon früher einen Weihnachtskleid-Sewalong veranstaltet hatten. Und diese Gruppe trotzt auch in diesem Jahr allen Unbillen, ob es nun Virusschreckensmeldungen, Quarantänebestimmungen oder andere unerfreuliche Dinge sind.

Immer nach dem Motto: egal, was passiert, wir nähen uns ein Weihnachtskleid!

Ich bin schon sehr froh, daß diese Tradition auch in diesem eigenartigen Jahr nicht aufgegeben wurde. Auch wenn wir sicher alle nicht so recht wissen, wie und mit wem wir Weihnachten feiern, lohnt es sich mit Sicherheit, gut angezogen zu sein.

Ich gebe zu, daß ich an Weihnachten resp. ein Weihnachtskleid bis vor einigen Tagen nicht ernsthaft gedacht habe. Zu sehr ist mein Alltag von der aktuellen Problematik überschattet. Aber ein bestimmtes Kleid plane ich schon seit einigen Wochen, und hatte auch immer schon mal gedacht, daß das ja mein Weihnachtskleid werden könnte.

Ich hatte im Herbst die Gilbert- Bluse von Helens Closet genäht und war begeistert von der schönen Kragenlösung und vor allem der sauberen Innenverabeitung. Nachdem die Bluse fertig war, kam mir der Gedanke, aus diesem Blusenschnitt ein Kleid zu machen. In den einschlägigen sozialen Medien wurden auch andere Versionen eines Gilbert-Kleides gezeigt, indem der Schnitt einfach verlängert wurde, das wollte ich natürlich nicht. Mir schwebte eine Version mit einem Taillenband vor, die zusätzliche Weite des Oberteiles würde ich in Falten oder Abnähern aufnehmen. Der Rock sollte leicht eingekraust oder auch in Falten gelegt werden. Einen Stoff dafür hatte ich auch schon, nämlich einen wunderbaren blaugelben Karostoff, den ich hier bezogen hatte. Ich hatte mir über dieses Kleid und den Pattern-Hack immer wieder Gedanken gemacht, und war mit dem Endergebnis und der Planung eingentlich ganz zufrieden, bis…

…ja, bis die neue Fibre Mood in meinem Briefkasten letzte Woche lag. Ich habe die Fibre Mood ja abonniert und komme dadurch einige Tage vor dem eigentlichen Erscheinen in den Genuß der Zeitschrift. Und diesmal war es wirklich ein Genuß, weil in dem Heft so viele schöne Modelle sind, die ich sofort nachnähen könnte. Und nein, ich bekomme kein Geld von der Fibre Mood und bin nicht mal in irgendeinem Probenähtool dafür. Ich finde dieses Heft einfach sehr gelungen, das davor übrigens nicht ganz so.

Dieses Kleid Feliz hatte es mir sofort angetan. Liebe auf den ersten Blick, kann man nichts machen, das werde ich nähen. Auf den zweiten Blick habe ich schon festgestellt, daß der Originalschnitt vielleicht etwas formlos in der Taille ist, aber da könnte ein Taillenabnäher leicht Abhilfe schaffen, das schaue ich mir auf den Schnittteilen genauer an.

Und bei der Stoffwahl habe ich mich- völlig phantasielos, gebe ich zu- der Stoffwahl im Magazin angeschlossen, denn da wird dieses Kleid noch in einer zweiten Version aus einer gemusterten Viskose gezeigt.

Dieses Kleid aus diesem Stoff wird also mein nächstes Nähprojekt, und das werde ich dann an Weihnachten tragen. Egal wie sich Weihnachten gestaltet- ich bin jedenfalls gut angezogen.

Den Stoff habe ich direkt in Frankreich bestellt. Es ist eine Viskose des französischen Labels Cousette, das ich auch schon im letzten Jahr kennen und lieben gelernt habe. Eine kleine Stoff-Firma, die ihr eigenes Design auf Viskose drucken läßt, in ausgesprochen schönen Farben und meistens kleingeblümten (oder -geblätterten) Mustern. Ich hatte im Sommer ein Top aus einem Cousette-Stoff genäht und sehr gerne getragen.

Apropos gerne getragen: was ist eigentlich aus meiner letztjährigen Weihnachtsgarderobe geworden? Ich hatte ja verschiedene Teile genäht und mich bemüht, sie alltagstauglich zu gestalten.

Die Jacke Frida wurde erwartungsgemäß ein Erfolg, ich trage sie gerne und finde sie immer noch super gelungen. Einzige Einschränkung ist ihre Temperaturtauglichkeit: für wirklich kalte Temperaturen ist sie einfach zu kurz und wärmt nicht genug.

Das Kleid, selbstkonstruiert nach dem GustaSchnitt der FibreMood, gefällt mir prinzipiell immer noch gut. Getragen wurde es selten. Die Paßform im Schulterbereich ist mir nicht ganz gelungen, und der Abschluß der dreiviertellangen Ärmel mit dem Viskosestreifen ist im täglichen Leben völlig unpraktisch. Der Ärmel rutscht immer wieder hoch und muß runtergezuppelt werden- kein Potential für ein Lieblingskleid. Ich habe mir jetzt überlegt, die Ärmel ganz raus zu trennen und das ganze dann als Trägerkleid über Shirts zu tragen.

Und Georgie- das ist wieder mal ein Beispiel, wie man Stoff, Farbe und Schnitt nicht kombinieren sollte. Der Stoff, ein Tenceljersey, ist dünn, zu dünn für ein Winterkleid. Die Farbe des Stoffes ist eindeutig winterlich, zu winterlich für ein Sommerkleid, der Schnitt eher sommerlich, dafür ist die Länge aber nicht geeignet- kurz: dieses Kleid habe ich nicht mehr getragen. Eigentlich schade, denn auf den Bildern sieht es sehr schön aus. Vielleicht sollte ich es doch mal wieder anziehen.

Alle anderen Planungen des Weihnachtskleides 2020 finden sich auf dem Memademittwochblog!

fibremood Sweatshirt

Erin Sweatshirt Fibre Mood- zwei Versionen

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Vor einem geplanten Urlaub habe ich immer das dringende Verlangen, mir etwas neues zu nähen. Na ja, eigentlich habe ich immer das dringende Verlangen, mir etwas neues zu nähen, aber vor einem Urlaub wird dieses Verlangen noch um einiges dringender. Immerhin steht mir ja auch eine gewisse Zeit ohne Nähmaschine bevor. Und der Gedanke, im Urlaub vielleicht ein ganz bestimmtes Shirt, einen Pulli oder eine Hose zu vermissen, ohne jede Aussicht, das in absehbarer Zeit ändern zu können – nein, vor einem Urlaub muß genäht werden, Ihr versteht das sicher.

Da wir auch in diesem Jahr einen eher sportlichen Wanderurlaub im Herbst geplant hatten, war das Objekt meiner Näh-Begierde ein Sweatshirt-Schnitt, genauer gesagt der Schnitt Erin aus der Fibremood

Ich fand den Schnitt schon im Heft interessant, konnte aber nicht so wirklich damit etwas anfangen… dieser Konflikt begleitet mich oft bei den Fibremood-Schnitten. Im Heft sehen sie toll aus, aber wenn es dann an die Umsetzung für mich geht, gerate ich ins Stolpern.

Quelle: Fibremood

Erin ist eigentlich ein schlichter Raglanschnitt, der aus leicht dehnbaren Materialien genäht werden soll. Die Besonderheit bei diesem Schitt, so wie er im Heft gezeigt wird, sind die Saumabschlüsse, denn die werden mit einem eingezogenen Gummiband gestaltet. An sich eine gute Idee, denn auch in meinem Stoff-Vorrat lagern etliche Sweatstoffe, die selbst wenig Eignung zu einem Bündchen aufweisen und auch keinen passenden Bündchen-Kombipartner ihr eigen nennen.

Andererseits finde ich die allermeisten Erin-Varianten, die mit Gummibandabschlüssen auf den einschlägigen sozialen Kanälen gezeigt werden, nicht schön. Ich habe daher eine Weile hin und her überlegt- und dann meinen Erin-Sweater mit traditionellen Bündchen aus dem Hauptstoff genäht.

Das war in diesem Fall auch nicht so schwierig, da der verwendete Baumwoll-Jacquard nicht nur aus GOTS-zertifizierter Baumwolle bestand, sondern auch noch aus 5% Elasthan. Der Stoff war dehnbar, hatte eine gute Rücksprungkraft- so ein Stoff hält die Beanspruchung als Bündchenstoff aus.

Zurück zum Schnitt: Erin ist ja nicht nur ein klassicher Raglanschnitt, sondern hat natürlich auch, wie im Augenblick modern, die notwendigen weiten Statementärmel, wobei das Statement in diesem Fall eher diskret ausfällt. Aber immerhin ist es doch so viel, daß der ganze Pulli einen etwas modernen Touch erhält. Ansonsten ist er eher etwas schmaler geschnitten als andere Sweatshirtschnitt. Es gibt auch noch eine Schnittversion mit weiten Dreiviertelärmeln, da müsste man dann ein Rollkragenshirt oder so darunter tragen, das kam für mich aber nicht in Frage.

Nähtechnisch bietet so ein Sweatshirt keine wirklichen Probleme. Den Halsausschnitt habe ich auch mit einem Bündchen aus dem Hauptstoff versäubert. In der Anleitung wurde hier „elastisches Schrägband“ verwendet- darunter konnte ich mir nicht wirklich etwas vorstellen.

Ich habe ja schon so einige dieser Statement-Ärmel aus dehnbaren Stoffen genäht, und immer wieder stelle ich mir die Frage, wie ich optimal die überweiten Ärmel an das Saumbündchen dran kriege. Ich denke, es gibt da drei Möglichkeiten:

  • man kann einfach das Bündchen dehnen, wenn es sich denn um einen dehnbaren Bündchenstoff handelt, und hoffen, daß die Dehnung überall gleichmäßig sich über den Ärmel verteilt. So habe ich das beim Sheridan-Sweater von Heyjune gemacht. Geht ganz gut, hat aber einen gewissen Risiko-Faktor. Ich nähe die Bündchen direkt mit der Overlock an, und da ich sehr schmale Handgelenke habe, ist das immer ein ziemliches Gezuppel. Mit exaktem Nähen hat das nicht mehr viel zu tun.
  • beim Somerset-Shirt habe ich gelernt, daß man die überweiten Ärmel mit einem Gummifaden in der Unterspule erstmal rafft und dann an die Ärmelbündchen näht. Das empfand ich als sehr elegante Methode, ist allerdings etwas umständlich und erfordert das Aufwickeln von Hand des Unterfadens auf die Unterfadenspule. Kann man machen, möchte man vielleicht nicht immer, und so ist die Methode
  • drei vielleicht doch die beste: ganz normal die Ärmelunterkante einreihen mit zwei Nahtreihen und einem größer gestellten Geradstich, wobei dann der Oberfaden angezogen wird und der Ärmelsaum eingekraust wird. Die Bedenken dagegen sind natürlich, daß man am Ärmelsaum eines elastischen Teiles nicht so gerne einen (nicht dehnbaren) Geradstich hat, aber der Stich ist ja sehr weit. Und wenn er reißen würde, wäre es auch nicht schlimm, da er keine tragende Funktion hat.

Also, Erin wurde genäht, bekam seine Bündchen und Ärmel und ich war hochzufrieden mit dem fertigen Shirt. Also alles gut, der Urlaub konnte beginnen…

….könnte beginnen, wenn da nicht manche Widrigkeiten waren. Ich will jetzt gar nicht auf die damals noch aktuelle Quarantäne-Problematik und die Corona-Reisewarnungen eingehen, nur so viel: wir waren im Kleinwalsertal, und bis eine Woche vor Reisebeginn war es für uns unklar, ob wir wirklich fahren konnten. Das Kleinwalsertal gehört in Österreich zu Vorarlberg, ist aber verkehrstechnisch nur über Deutschland erreichbar- eine geographische Lage, die schon in der Geschichte für viele Sonderregelungen gesorgt hat. Uns hat sie jedenfalls eine wunderbare Urlaubswoche beschert- allerdings nicht mit herbstlichen, sondern winterlichen Temperaturen.

Der Temperatursturz in den Bergen war auch für mich bald erkennbar, und ich hatte Bedenken, daß mein Erin-Sweatshirt zu kühl für diese Temperaturen werden würde. Aber da lag ja noch so ein traumhafter Merino-Strickstoff auf meinem Nähtisch- damit würde ich dem österreichischen Frühwinter sicher trotzen!

Der Stoff ist absolut ein Traum. Weich, kuschelig, überhaupt nicht kratzig- aber ob man daraus ein Sweatshirt würde nähen können, das wußte ich nicht. Aber wer nicht wagt, der hat nachher auch keinen warmen Pulli, oder so ähnlich…so groß war das Risiko ja auch nicht, denn irgendeinen Pulli würde ich nach diesem Schnitt schon nähen können. Ich habe alle Kanten mit einem dehnbaren Kantenband stabilisiert, damit ich beim Nähen keine unerwünschten Formänderungen der zugeschnittenen Teile erleben würde. Strickstoffe sind ja oft etwas eigen in der Verarbeitung und verziehen sich gerne mal, aber so ging alles gut.

Den Halsausschnitt hatte ich mit einem besonders stabilen aufbügelbaren Vlieseline-Bündchen stabilisiert, weil ich da Angst hatte, daß der Wollstoff nicht genug Halt hat. so ganz ideal ist der Merinostrickstoff sicher nicht als Bündchenstoff, und ich habe sehr vorsichtig gearbeitet: wenig gedehnt, wenig gedämpft, und so blieb doch alles an seinem Platz. Beim Halsbündchen ist mir die Absteppnaht nicht gleichmäßig gelungen, aber das wollte ich dann doch nicht mehr auftrennen.

Der Pulli ist absolut schön geworden, finde ich, und so kuschelig! Der Schnee lag im Kleinwalsertal nur oben auf dem Berg, unten im Tal war es dann doch etwas milder, so daß der Sweatshirt-Erin auch zu seinem Einsatz kam.

Soweit meine Urlaubserlebnisse, nähtechnisch gesehen…und was zeigen die anderen Selbenäherinnen am ersten November-Mittwoch? hier wird es gezeigt!

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Arc Rucksack von machwerk

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Zwischen dem Rucksack Arc und mir, das war Liebe auf den ersten Blick. Also natürlich war es von mir aus Liebe auf den ersten Blick, vermutlich ist ja ein Gegenstand wie ein Rucksack nicht zu solchen differenzierten Emotionen fähig…oder vielleicht doch? Egal wie, ich fand diesen Schnitt einfach toll, sobald ich ihn zum ersten Mal gesehen hatte.

Zum ersten Mal gesehen hatte ich ihn in einer Instagram-Story von Frau Machwerk, die wir alle als geniale Designerin von vielen Taschenschnitten kennen. Ich sah den Rucksack und wußte: der ist es, den will ich nähen. Mir gefiel die Form, die rundliche Tasche, einfach alles erschien mir perfekt. Tragischerweise, wie das ja oft so ist bei großen Lieben, verschwand die Insta-Story relativ rasch, und ich konnte meine Rucksackpläne nicht weiter verfolgen.

Aber zum Glück erschien nach einigen Wochen der Schnitt dafür, und es war nicht nur der Rucksack, sonderen gleichzeitig auch eine Reisetasche und ein Kulturbeutel dabei. Jetzt konnte es los gehen mit meinem geliebten Rucksack!

Stoff hatte ich ja auch schon rausgelegt. Ich hatte vor einiger Zeit einen wunderschönen Baumwollstoff der belgischen Stoff-Firma Seeyouatsix erstanden. Ich glaube, den Stoff gibt es nirgendwo mehr, sonst würde ich gerne die Quelle verlinken. Er ist einfach wunderschön, Blumen in Rose und Braun-Tönen auf dunkelblau, das ganze in warmen Farbtönen. Ich hatte den Stoff eine Weile im Regal liegen, ihn immer wieder gestreichelt und mir überlegt, was ich daraus machen sollte. Von der Stoffqualität her ist es ein Canvas, aber nicht allzu dick. Etliche Kleinigkeiten wie Handytaschen entstanden daraus, aber ansonsten blieb er unangetastet, bis eben jetzt sein großer Einsatz kommen sollte. Da die Stoffmenge dann doch nicht ganz ausreichte, habe ich ihn mit dunkelblauem Oilskin für Trägerpolster und Rückseite kombiniert.

Der Rucksack Arc brauchte natürlich auch ein Futter, hier habe ich Patchworkstoffe von Robert Kaufman verarbeitet, die ich hier bezogen hatte. Auch diese Stoffe haben eine blauen Hintergrund und waren damit für ihre Aufgabe als Rucksackfutter gut geeignet. Soft und Stable zum Stabilisieren gab es noch im Vorrat- ein Hoch auf einen gut sortierten Stoff- und Zubehörvorrat!

Die notwendige Hardware, also Riemen, Metallteile und auch Leder für den Rucksackboden sowie Reißverschluss gab es freundlicherweise auch von Frau Machwerk, und so konnte ich bald loslegen. Mein Terminplan bescherte mir eine unverplante Ferienwoche- was konnte es besseres geben, als in dieser Zeit einen Rucksack zu nähen!

Der Schnitt enthält in der Beschreibung irgendwo den Hinweis, daß er eher für fortgeschrittene Näherinnen gedacht ist, die schon Erfahrung im Taschennähen haben. Ich hatte den Hinweis zwar gesehen, aber nicht weiter beachtet. Ich habe ja schon viel Schwieriges genäht- was sollte so ein Rucksack da schon an Problemen bieten?

Der Schnitt ist absolut toll gemacht. Ein kleiner Wermutstropfen mag sein, daß es keine A0-Datei zum Plotten gibt, man muß also A4 drucken. Andererseits sind das so wenig Seiten, das kriegt man mit Kleben und Ausschneiden wirklich gut hin.

eines meiner Lieblingsdetails: diese Trägeraufhängung!

Der Schnitt enthält die Nahtzugabe von 1 cm, es ist alles super ausführlich beschrieben, was aus welchem Material zugeschnitten werden soll. Die Anleitung besteht aus Fotos, in die aber oft Nahtlinien eingezeichnet sind. Eigentlich mag ich Fotoanleitungen nicht so sehr, da man darauf meist nicht das erkennt, was wichtig ist. In diesem Fall kam ich wunderbar damit zurecht. Man merkt sowohl bei der Anleitung als auch bei den Bildern, daß Frau Machwerk viel Erfahrung nicht nur im Nähen, sondern auch in der Didaktik hat. Vermutlich fließt die Erfahrung von unzähligen Nähkursen mit Teilnehmern der unterschiedlichsten Wissensstufen in ihre Anleitungen ein- davon profitieren wir jetzt..

Ich denke, daß der Schnitt drei Schwierigkeiten bietet, mir denen man sich befassen muß.

Das erste hängt sicher mit dem ausgeklügelten Schnittmuster zusammen. Arc enthältet viele gerundete Teile, wie die Taschen oder auch die Vorderteile. Hier sollte man einfach genau zuschneiden und genau nähen, dann paßt das alles wunderbar. Für mich war das kein so großes Problem- wer einmal ein Wochenende mit Pingel-Inge verbracht hat, kann exakt nähen.

Das zweite Problem ergibt sich aus den verwendeten Materialien. Zwangsläufig sind die Stoffe für einen Rucksack eher von der dickeren Sorte, dazu kommt Einlage und Leder, und so muß die Nähmaschine einiges leisten, um das alles zu bewältigen. Ich war froh über diverse Hilfsmittel, die ich einsetzen konnte, wie meinen Obertransportfuß. Da ich auch eine Paspel verabeitet habe, kam mein neuer Nähfuß zum Einsatz. Der Fuß hat zwar die Bezeichnung Strickwarenfuß, war aber für diese eher dicke Paspel genau das Richtige. Als Nadel hatte ich eine Microtexnadel verwendet- keine Ahnung, ob das optimal war, aber es hat gut funktioniert.

Die dritte Schwierigkeit zeigte sich beim Zusammennähen des Rucksackes. Ich bin wie gesagt nicht so die große Taschennäherin, aber bei den Taschen, die ich genäht hatte, war das Prinzip immer gleich: man näht die Außentasche, dann die Futtertasche und verstürzt das ganze . Falls man nicht die Wendeöffnung vergessen hat, kann man dann die ganze Tasche wenden und den erhebenden Anblick des fertigen Teiles geniessen.

Bei dem Arc-Rucksack wird natürlich auch Außen- und Futterteil verstürzt, allerdings geschieht das hier getrennt für Vorder- und Rückenteil. Das wäre ja nicht so schlimm, wenn nicht an diesen Teilen dann schon der gesamte Rucksack dranhängt, der dann beim Nähen weggesteckt/gedrückt/irgendwie zur Seite geschafft werden muß…das fand ich schon sehr schwierig. Und auch das Wenden wird nicht unbedingt einfacher, wenn man durch die Wendeöffnung dann so einen ganzen Rucksack ziehen muß- da hat man viel Zeit, über die Frage zu sinnieren, warum Wendeöffnungen eigentlich IMMER zu klein sind…

Aber das Ergebnis finde ich absolut grandios. Irgendwie ist es doch etwas anderes, so ein dreidimensionales Teil zu schaffen, als ein Kleid oder einen Pulli- wobei das ja auch alles dreidimensional ist, aber das Kleid steht eben nicht so hübsch im Blumenbeet wie dieser Rucksack.

Mittlerweile ist der Rucksack in Gebrauch genommen, er hat mir im täglichen Leben schon gute Dienste geleistet. Es paßt einiges hinein, übrigens auch ein Laptop, wenn man das dann mit transportieren möchte.

Ich habe in der Inneneinrichtung nur diese Laptoptasche eingenäht, die auch im Schnitt enthalten ist. Vielleicht wäre noch eine weitere Innentasche hübsch gewesen, andererseits reicht die großzügige Außentasche eigentlich für Handy und Geldbeutel aus. Ist natürlich nicht diebstahlsicher, aber da ich zur Zeit nie in einem Menschengedränge unterwegs bin, spielt das keine Rolle. Wer von uns weiß eigentlich noch, wie sich Menschengedränge anfühlt? Ich zumindest nicht mehr.

Der Rucksack trägt sich sehr gut, durch die Polsterung sind die Träger recht bequem. Allerdings habe ich das Problem, daß beim Anziehen des Rucksackes das zweite Polster gern mal verrutscht und dann zurechtgezuppelt werden muß. Vielleicht werde ich die Träger noch auf dem Polster festnähen, dann wäre dieses Problem gelöst.

Und das schönste an diesem Schnitt ist ja, das ich mich jetzt noch auf zwei weitere Arc-Variationen freuen kann, nämlich den Kulturbeutel und die Reisetasche!

verlinkt: DufürDicham Donnerstag

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Gilbert-Bluse von Helens Closet

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Kurzärmelige Blusen sind in meinem sonst gut gefüllten Kleiderschrank Mangelware. Im Sommer trage ich gerne ärmellose Blusen oder Tops, wenn es kühler wird, mag ich zumindest dreiviertellange Ärmel. Aber kurzärmelig? Fehlanzeige!

Das fiel mir jetzt im Spätsommer auf, und ich hatte bald auch sehr genaue Vorstellungen, wie diese Bluse sein sollte. Ich wollte einen Hemdenkragen, eine schlichte, gerade Form, insgesamt nicht zu lang. Diese Ideen waren nicht sehr originell, denn in dieser Art gibt es viele Schnitte, sowohl bei den Schnittdesignerinnen als in den einschlägigen Zeitschriften.

Ich habe mich letztendlich für Gilbert von Helens Closet entschlossen, einfach deshalb, weil ich diese Designerin sehr mag und ja überhaupt gerne Schnitte der individuellen Schnittdesignerinne nähe. Ich mag die ausführlichen Anleitungen, die vielen Paßzeichen und das durchdachte Design, damit ist für mich meistens ein entspanntes Nähen gesichert.

Also Gilbert: ein Blusenschnitt, den es in zwei Längen gibt. Ich zeige hier die kurze Version, die eigentlich noch eine Schleife vorne hat. Die habe ich dann weggelassen, da mir das zu sommerlich für mein Herbstblüschen erschien.

Der Schnitt ist wirklich schlicht, er hat lediglich einen Brustabnäher und ist sonst gerade geschnitten. Im Rücken gibt es eine Passe, die Ärmel sind bei der Kurzarmversion gerade. Es gibt noch eine Langarmversion mit nach unten breit zulaufenden Ärmeln- das sieht schon schick und modern aus, aber da ich mir nicht vorstellen kann, mit solchen Ärmeln meinen Alltag zu bewältigen, habe ich doch lieber die kurzen Ärmel genäht.

Schön ist ja die Innenverarbeitung der Bluse. Die Passe ist gedoppelt und mit der Burrito-Methode verstürzt. Für die , die Burrito nicht kennen: es handelt sich um eine Nähmethode für Oberteile, bei denen Teile gedoppelt sind. Damit alle Nahtzugaben schön nach innen geschlagen sind, wird beim Nähen das gesamte Teil immer wieder zusammengerollt wie ein Burrito und die zu vernähenden Teile darüber geschlagen-schwer zu erklären, aber wenn man es einmal gemacht hat, recht logisch.

Auch die Verarbeitung des Vorderteilbeleges ist schön, denn der Beleg wird eingeschlagen und dann festgesteppt. Das führt natürlich zu einer sichtbaren Naht auf dem Vorderteil, die man bei einfarbigen Stoffen als Designelement sehen wird. In meinem buntgemustertetn Stoff geht diese Naht weitgehend unter.

Der Stoff ist ein Libertystoff , genauer gesagt ein Baumwollstoff aus Tana Lawn. Bezogen habe ich den Stoff hier, genauso wie die hübschen Corozo-Knöpfe, die freundlicherweise genau den gleichen Farbton wie der Stoff haben. Corozo ist ein pflanzliches Material für Knöpfe und wird aus dem Samen der südamerikanischen Steinnusspalme hergestellt. Ich habe die Knöpfe schon einige Male verarbeitet und bin immer wieder begeistert von den Farben und vor allem von der Haptik dieser Knöpfe. Die Qualität des Liberty-Stoffes ist natürlich auch toll, gut zu vernähen und alles- aber er knittert wie jeder andere Baumwollstoff auch.

Er knittert nicht im täglichen Leben, aber wenn man bei einer Wanderung über der Bluse ein Sweatshirt trägt, beim Bergaufgehen auch noch schwitzt, dann ist die Bluse einfach verknittert.

Einige Outtakes, bei denen ich versucht habe, das Schlimmste zu glätten:

Bei der Gelegenheit fiel mir auch wieder ein, warum ich so ungerne kurzärmelige Blusen tragen, denn das Problem, daß die Ärmel kraus werden, wenn man eine Jacke oder einen Pulli drüber trägt, das hatte ich auch früher schon mal registriert.

Aber nun war es einfach so, die Bluse war verknittert, die Wanderung schön, einen Picknickplatz gab es auch…was will man mehr? Manche Dinge muß man einfach akzeptieren.

Die Hose, die ich auf den Bildern trage, ist die Seaforth-Pants von HeyJune, die ich hier schon mal ausführlich vorgestellt habe. Auf der Wanderung lief die Hose in ihrem jogginghosenähnlichen Stil natürlich zu ihrer Hochform auf, das war ihr Element. Sie trägt sich wirklich gut, und ich habe mich mit den Gummizughosen mittlerweile sehr angefreundet. Es ist aber auch zu praktisch, eine bequeme Hose zu haben, die man sowohl in der Freizeit als auch „für gut“ anziehen kann.

Ich mag die Gilbert-Bluse gerne, sicher auch wegen des tollen Stoffes. Trotzdem finde ich die Form der Bluse mittlerweile nicht mehr so ganz ideal für mich, irgendwie ist sie mir dann doch zu grade und kantig . Wenn ich sie noch mal nähe, würde ich bei dieser kurzen Form doch die Schleife in den Vorderteilen mitnähen, vielleicht in einer Sommerversion nächstes Jahr. Oder ich nähe sie in der längeren Version, dann aber mit normalen langen Ärmeln mit Manschetten, man könnte auch einfach Rückenabnäher ergänzen, damit die Form nicht ganz so kastig wird.

Also, es gibt viele Pläne und Ideen…aber nach diesem Memademittwoch werden die sicher alle wieder verworfen, da dort eine Vielzahl von neuen Inspirationen und Schnitten gezeigt werden.

Danke fürs Lesen, ich freue mich wie immer auf Eure lieben Kommentare und die wertschätzende Interaktion, die ich auf meinem Blog erlebe!