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Winslow-Culotte und Nuumi-Cardigan

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Oh, ich habe es geschafft: ich nehme mit etwas Gestricktem am Memademittwoch teil! Wie bewundere ich immer die Näherinnen, die mit Stricknadeln genau so souverän umgehen wie mit den Nähnadeln ihrer Nähmaschinen. Da wird dann schnell mal ein passendes Jäckchen zum Rock oder zum Kleid gestrickt…nun, von dieser Kunst bin ich weit entfernt.

Diese Kombination aus Culotte, also Hosenrock und Jacke hat nicht nur ihre Zeit gebraucht zur Fertigstellung, sondern weist auch durchaus ihre perönlichen Macken um nicht zu sagen Fehler auf, das ist das Thema des folgenden Blogbeitrages.

Beginnen möchte ich mit dem Jäckchen, auf das ich so stolz bin. Es handelt sich um den Nuumi-Cardigan von rosa p. Die meisten Strickwerke der letzten Jahre (sind allerdings nicht viele….) sind nach Anleitungen von Rosape entstanden. Ich finde ihre Entwürfe alle wunderschön und die Anleitungen sind so ausführlich, daß auch ich damit gut zurecht komme.

Bei Nuumi handelt es sich um eine eng anliegende Jacke mit Raglanärmeln. Sie wird von oben nach unten gestrickt, die Blenden am Vorderteil werden separat angestrickt. Die Krönung ist natürlich das Zopfmuster, das den Rumpf ziert. Es ist ein einfacher Zopf, gerade so kompliziert, daß das Stricken seine Gleichförmigkeit verliert, aber doch so einfach, daß man es recht rasch auswendig kann. Die verwendete Wolle ist Valley Tweed von Rowan, wie es auch in der Anleitung vorgeschlagen war. Ich weiß nicht mehr so ganz genau, wann ich die Jacke angefangen habe, aber das Strickzeug war zumindest bei zwei Sommerurlauben dabei- also gehe ich von zwei Jahren Strickzeit aus. Vielleicht waren es auch nur eineinhalb, denn ich glaube mich zu erinnern, daß ich sie in einem Frühjahr begonnen habe und damals frohgemut bei der Farbauswahl gedacht habe: das wird ein schönes Herbstjäckchen! na ja, ist ja auch ein Herbstjäckchen geworden, aber halt ein Jahr später.

Ich habe die Jacke bisher noch nicht gewaschen. Bevor jetzt jemand „iihh!“ sagt, die Erklärung, daß das Waschen des fertigen Strickstückes nicht der Sauberkeit oder der Entfernung von irgendwelchen müffelnden Geruchsspuren dient, sondern der Gleichmäßigkeit des Maschenbildes und Verbesserung der Passform- so habe ich es jedenfalls gelesen. Mir war das bisher völlig neu. Ich hatte ja als Teenager auch viel gestrickt, und damals hat das keiner so gemacht. Oder vielleicht wußte ich es einfach nicht, es gab zu diesen Zeiten ja noch kein Internet, und so beruhten meine Strickkenntnisse damals nur auf dem, was mir meine Mutter und meine großen Schwewtern beigebracht hatte. Ich gebe zu, daß es mir widerstrebt, eine saubere und neue Wollstrickjacke erst mal zu waschen, denn sonst ist ja die Empfehlung, Wolle möglichst wenig zu waschen. Die Schafe duschen schließlich auch nicht jeden Tag!

Edit: es gab einen ganz tollen Kommentar zu diesem Blogbeitrag, in dem eine Leserin ihre große Erfahrung mit dem Waschen und Blocken von Strickwaren mitteilt. Schaut mal weiter unten in den Kommentaren!

In diesem Fall war es aber einfach so, daß die Jacke zu unserem geplanten Fototermin gerade so fertig geworden war, und fürs Waschen und Trocken blieb da keine Zeit. Deshalb fehlen auch noch einige Knöpfe. Eigentlich hatte ich andere Knöpfe geplant, aber als ich gemerkt hatte, wie toll die Corozo-Knöpfe von HelloHeidi zur Wolle passten, mußten die es sein. Mittlerweile sind die Knöpfe nachbestellt und angenäht.

Ich liebe diese Jacke sehr und trage sie seit ihrer Fertigstellung wirklich fast jeden Tag. Sie ist so schön herbstlich und fügt sich damit wunderbar in meine Garderobe ein. Allerdings ist sie wirklich eher figurnah geschnitten und passt am besten über dünne Blusen oder Tops. Aber das ist ja das, was man im Spätsommer und Herbst braucht, wenn die Sommerblusen zu kalt werden und etwas zum Überziehen benötigt wird.

Ich habe die Jacke mit einem ärmellosen Top kombiniert, das ich hier schon beschrieben habe. Ergänzt wird das Ensemble durch einen Hosenrock , die Winslow-Culotte von Helens Closet.

Quelle: Helens Closet

Die Winslow-Culotte ist kein neuer Schnitt, er ist in den Maßstäben des Smartphone-Zeitalters eher uralt, nämlich von 2016. Es war der erste Schnitt, den die kanadische Schnittdesignerin Helen veröffentlicht hat, und ich finde ihn absolut genial. Er ist sehr einfach- ein Hosenrock mit je zwei Kellerfalten im Vorder- und Hinterrock, rückwärtiger Reißverschluss und ein gerader Bund. Ach ja, Nahttaschen hat er natürlich auch. Also wirklich ein simpler Schnitt, aber er schafft es, an wirklich jeder Frau mit jeder Figur gut auszusehen- so jedenfalls mein Eindruck, wenn man auf Instagram den entsprechenden Hashtag durchscrollt. Für mich gehört dieser Schnitt zu den absoluten Klassikern der Nähwelt, ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, daß die Nähwelt um einiges ärmer wäre ohne diesen Schnitt…

Da der Schnitt so einfach ist, war auch meine Anpassung sehr einfach: ich habe den Vorderrock in Gr 8 genäht, den Hinterrock in Gr 6 und den Bund in Gr.10. Den fehlenden Umfang der Rockoberteile habe ich durch entsprechende Veränderungen der Tiefe der Kellerfalten ausgeglichen. Klingt so ein bisschen wie Schnittanpassung for Dummies, aber hat wunderbar funktioniert. Der Rockbund ist gerade, aber da er hoch in der natürlichen Taille sitzt, paßt er gut.Es gibt, wie bei allen Schnitten von Helens Closet, eine sehr ausführliche Anleitung und einen noch ausführlicheren Sewalong- damit ist dieser Schnitt sicher für jeden geeignet.

Genäht habe ich den Rock aus einem Leinen-Tencel-Stoff, genauer gesagt hat der Stoff 15% Leinen und 75% Tencel. Für die Rocklänge, die ich gewählt habe, ist der Stoff gerade noch geeignet. Empfohlen werden für die längeren Längen eher weich fliessende Stoffe, denn da kommen schon größere Mengen an Stoff zusammen. Bei einem festeren Stoff stehen die Culottebeine dann sehr ab, das ist nicht mehr so schön.

Den rückwärtigen Bund meiner Culotte ziert eine z-förmige Stickerei. Ach, wie gerne würde ich jetzt meine tiefgründigen Gedanken hier niederschreiben, warum es gerade dieses Stickereimotiv sein mußte…vielleicht so: das z ist der letzte Buchstabe des Alphabetes, sozusagen eine Metapher des Endlichen, und symbolisiert so die Endlichkeit des Rockbundes, der ja auch irgendwann am Verschluss endet…hmm, nicht sehr überzeugend….

Oder so: durch die Stickerei konnte ich auf subtile Weise die Form der Kellerfalten aufnehmen und dadurch eine geniale Verbindung von Rock und Bund herstellen…auch nicht viel besser.

Leider ist die Erklärung für die Stickerei viel banaler und eigentlich sehr peinlich. Ich habe beim Zurückschneiden der Nahtzugaben des Bundes in den Bund reingeschnitten und damit einen wunderschönen rechteckigen Cut produziert. Gemerkt habe ich das erst beim Bügeln, und dann war das Entsetzen groß. Mein erster Gedanke war, es einfach zu lassen. Der Bund war ja verstärkt, und ich habe dann nochmals etwas Einlage auf den Einschnitt gebügelt, so daß er eigentlich nicht mehr ausfransen konnte, und verschlossen war der Einschnitt auch. Der Stoff hat ja eine leichte Unregelmäßigkeit in der Struktur, und so fiel der Schnitt gar nicht so sehr auf. Andererseits ist es ein Bereich neben dem Reißverschluss, an dem man beim An- und Ausziehen doch immer wieder mal rumzuppelt, und ich wollte ja schon ein langlebiges Kleidungsstück produzieren.

Also Reparatur. Wenn es ein Jeansstoff gewesen wäre, hätte ich einfach eine Applikation draufnähen können, das paßte aber in diesem Fall nicht. Gürtelschlaufen hatte ich mir überlegt, passten aber auch nicht zu Stil des Rockes. Die korrekteste Lösung wäre wahrscheinlich gewesen, den Bund abzutrennen und komplett neu zu nähen- dazu hatte ich aber keine Lust.

Also fing ich an zu flicken, mit Zickzackstich über den Einschnitt, und weil es so schön ging, wurde noch ein weiterer Zacken angehängt. Damit das ganze nicht so geflickt aussah, habe ich auf der anderen Seite des Bundes die Stickerei gespiegelt. Ganz symmetrisch ist es nicht geworden, vielleicht hätte ich auf der anderen Seite auch erst mal den Bund einschneiden sollen…

So, jetzt ist es ein gewünschtes Designmerkmal, unbedingt so gewollt und natürlich von von vornherein so geplant gewesen:-)

Ich finde den Schnitt wie gesagt sehr, sehr schön und kann mir gut auch die kürzeren Versionen vorstellen, die kann man dann sicher mit Strumpfhosen gut in der kälteren Jahreszeit tragen. Damit schlage ich jetzt eine schöne Brücke zum Oktober Memademittwoch, an dem sicher viele herbsttaugliche Outfits gezeigt werden.

25 Kommentare

  1. Was für ein tolles Ensemble du heute zeigst; ich bin schwer begeistert von deiner Zusammenstellung und finde jedes Teil perfekt.
    Den kleinen Nähfehler an der Culotte hast du perfekt kaschiert und er ist damit definitiv ein persönliches Designelement.
    Und ich freue mich sehr für dich, dass deine Strickjacke für dich schon jetzt zum Lieblingsstück avanciert ist.
    Und ob die Jacke jetzt schon gewaschen ist, oder noch nicht, was solls?
    in der Tat hat man früher seine selbstgestrickten Sachen eher selten gewaschen, weil das ja von Hand erledigt werden musste; heutzutage ist es dagegen möglich, Selbstgestricktes problemlos im Wollwaschgang der Maschine waschen. Dennoch wasche ich meine selbstgestrickten Wollsachen auch nicht allzu häufig, damit die Fasern geschont werden und gut auslüften reicht oftmals.
    Herzlice Grüße von Susanne

    • Barbara sagt am 6. Oktober 2021

      Liebe Susanne, danke für Deinen Kommentar und Dein Lob! Meine Waschmaschine hat auch einen Wollwaschgang, aber ich habe es tatsächlich noch nicht in Betracht gezogen, selbstgestricke Sachen mit der Maschine zu waschen. Da ziehe ich wirklich das Waschbecken vor, kaltes Wasser, Wollwaschmittel, statt Auswringen nur Einwickeln in Handtüchdern- also ich bin da wirklich altmodisch. Und ich gebe Dir völlig recht, meistens reicht lüften aus.
      Liebe Grüße, Barbara

  2. Die Winslow Culotte liebe ich schon lange, weite Hosen sind einfach meins, leider, leider braucht es dafür wirklich unendlich viel Stoff und für die lange Version weich fließende Stoffe, habe ich gemerkt, es vorher zu wissen, ist sicher hilfreich. Deine Version gefällt mir sehr gut an dir und die Sache mit dem Z ist der Hammer, wenn du nichts darüber geschrieben hättest, hätte es als absolut tolle Idee gegolten. Glatt zum Nachmachen, gerade, wenn der Reißer hinten ist. Die Jacke ist auch super, ich würde sie aber nicht wirklich waschen, sondern nur so feucht, sehr feucht machen, mit Wasser und dann glatt trocknen, das verfeinert das Maschenbild bereits, ja, und ich tatsächlich wasche ich meine Stricksachen auch nie, Auslüften reicht völlig. Ich glaube, schon, dass gute Wolle solche selbstreinigenden Kräfte hat. LG Anja

    • Barbara sagt am 6. Oktober 2021

      Liebe Anja, ich freue mich sehr, daß auch Du als erfahrene Strickerin nicht so auf dem Waschen des fertig gestrickten Teiles bestehst! Ich habe meine Jacke in der Tat schon etwas mit dem Bügeleisen gedämpft, ganz vorsichtig, mit Bügeltuch und Abstand, und danach war das Maschenbild auch schon gleichmässiger.
      Wie schön, daß Du die Winslow Culotte auch so gerne magst! Ja, die lange Version braucht wirklich viel Stoff, aber kann dann auch traumhaft schön aussehen. Aus einer ganzen zarten Viskose, und dann die bodenlange Version- das kann ich mir gut vorstellen!
      LG Barbara

  3. Der Hosenrock ist ja ein Hinkucker und ein liest sich gut bei dir – was habe ich geschmunzelt über „Die Schafe duschen schließlich auch nicht jeden Tag!“ und den Stickereigrund.

    • Barbara sagt am 6. Oktober 2021

      Liebe Amberlightlabel, danke ! Ich schreibe halt so meine Gedanken auf, die ich beim Nähen oder Stricken habe, und ich freue mich sehr, wenn andere das gerne lesen.
      Liebe Grüße
      Barbara

  4. Die STrickjacke ist ein TRAUM! Ich stricke auch gerne nach Rosape, aber die nuumi ist mir noch garnicht so ins Auge gefallen. Ich glaube es liegt an der Farbe, dass das Muster so toll rauskommt! Du musst unbedingt gleich die nächste Jacke anfangen, denn wenn du diese so oft trägst, wie ich vermute, musst du sie in zwei Jahren ersetzen… 😉 Die Hose / der Rock passt wie immer perfekt zum Rest! Gaaanz liebe Grüße, Sarah

    • Barbara sagt am 6. Oktober 2021

      Liebe Sarah, das Lob von einer erfahrenen Strickerin freut mich natürlich besonders! Aber ich hoffe schon, daß die Jacke länger als zwei Jahre hält…im Hochsommer hat sie ja eine Pause!
      LG Barbara

  5. Wie wunderbar stimmig Dein Outfit heute wieder ist. Große Klasse. Der Schnitt für die Culotte kleidet Dich sehr gut, ein wundervolles Teil! Die kleine Verlegenheitsstickerei mag ich besonders! LG Kuestensocke

    • Barbara sagt am 6. Oktober 2021

      Liebe Küstensocke, danke für Deinen Kommentar und Dein Lob! Und was für eine schöne Bezeichnung“Verlegenheitsstickerei “ ist….danke!
      LG Barbara

  6. Das ist für mich so eine Horrorvorstellung, dass ich in das fertige Kleidungsstück hineinschneide. Da ärgert man sich mal so richtig. Aber du hast das super gelöst mit der Stickerei. Ein großes Lob auch für die Strickjacke, sie sieht toll aus und steht dir ausgezeichnet. 🙂
    Liebe Grüße
    Jenny

    • Barbara sagt am 6. Oktober 2021

      Liebe Jenny, ja das war auch ein wirklicher Schock. Zumal ich bei diesem Hosenrock alles so super ordentlich angefangen hatte und dachte, das wird ein perfektes Teile…und dann dieser dumme Fehler! Mittlerweile stört es mich ja gar nicht mehr, auch eine interessante und lehrreiche Erfahrung.
      LG Barbara

  7. Also, in dieses Outfit habe ich mich schockverliebt! Wie großartig ist das denn?! Die Culotte, das Top – und die Jacke! – stehen dir einfach wunderbar …
    Liebe Grüße von Doro

    • Barbara sagt am 6. Oktober 2021

      Liebe Doro, ganz herzlichen Dank für Dein Lob! Du bist ja eine von denen, die die Strickmuster von Rosape am besten kennen, umso mehr freut mich Dein Kommentar.
      LG Barbara

  8. Ich kann mich meiner Vorgängerin nur anschließen. Ich finde Dein heutiges Outfit ungemein stimmig und farblich wunderschön. „Schafe duschen auch nicht jeden Tag.“ Ich musste herzlich über diesen Satz lachen und wasche meine Wollsachen übrigens auch nur selten. Das kleine Malheur am Bund hast Du prima gelöst. Ich finde, hier zeigt sich die erfahrene Seamstress, die daraus ein schönes Detail machen kann. Liebe Grüße Manuela

    • Barbara sagt am 7. Oktober 2021

      Liebe Manuela, vielen Dank für Dein Lob! Ja, im Nachhinein kann man es als kleines Malheur bezeichnen, aber im ersten Augenblick ist man ja schon entsetzt über die eigene Tollpatschigkeit. Aber das ist ja vielleicht auch das, was den Reiz des Nähens ausmacht, man muß ständig neue Probleme lösen…
      LG Barbara

  9. So schön! Meinen Respekt vor deinem Strickwerk, für Jacke sieht klasse aus. Die Hose habe ich mir direkt gemerkt, es klingt, als könnte sie tatsächlich als Anfängermodell funktionieren.

    Vielen Dank für deine Inspiration!

    LG Miriam

    • Barbara sagt am 8. Oktober 2021

      Liebe Miriam, danke für Deinen Kommentar und Dein Lob! Der Culotteschnitt ist absolut anfängertauglich. Der Schnitt selbst ist ja eigentlich schlicht, und es gibt diese tolle Anleitung dazu. Auf der Website von Helens Closet findet man auch einen Sewalong, auf dem alle Schritte wirklich ausfühlich und mit Bildern erklärt werden.
      Liebe Grüße
      Barbara

  10. Barbara Wambach sagt am 8. Oktober 2021

    Liebe Barbara,
    da hast Du sehr schöne Sachen an. Überhaupt lesen ich gerne Deine Berichte. Bei mir ist es mit dem Stricken und Nähen anders als bei Dir. Ich kann beides, auch seit meiner Jugend, aber die größere Erfahrung habe ich im Stricken. Deshalb teile ich gerne mein Erfahrung und möchte hier vielleicht eine kleine Ergänzung zum Waschen und Bügeln oder Blocken eines fertigen sauberen Strickstückes schreiben. „Früher“, als wir alle unter der Schulbank und einfach überall so Vierecke gestrickt, und die dann zu einem Sackpullover zusammengefügt haben, gab es irgendwie auch nur so Wollzeugs, industriegesponnen, aus Poly und mit Superwash ausgerüstet. Ob man das gewaschen hat, oder nicht, machte keinen Unterschied. So Dinge wie Merino- oder Seidenfasern gab es in meiner Reichweite und den umliegenden Handarbeitsläden nicht, und schon gar nicht zu einem Preis, den ich mir leisten konnte. Jetzt hast Du da aber so schönes Material wie die Wolle von Rowan verarbeitet, da verdient die Arbeit ein gutes Finish. Deine fertigen genähten Teile würdest Du ja auch bügeln, nicht wahr? Und es geht ja nicht um das Waschen für die Sauberkeit, sondern um eine abschießende Bearbeitung, dem Bügeln vergleichbar. In vielen Strickanleitungen ist da vom „Blocken“/ „Blocking“ die Rede. Die Wolle wird sanft eingeweicht, das Wasser (vielleicht mit etwas Feinwasch- oder Wollwaschmittel) sanft zwischen Handtüchern ausgedrückt und das Teil dann in Form gezogen. Oft dann: Liegend trocken, wie man das bei einem sehr guten gekauften Wollpullover auch tun würde. Sinn des Ganzen ist es, die Fasern in die Richtung zu bringen, die das Strickmuster vorgibt. Bei Lochmustern werden dann die Löcher gleichmäßig und insgesamt sichtbarer und kleine Unregelmäßigkeiten gleichen sich aus. Eben ganz so, wie man einen Saum bügeln würde, oder eine Ärmelrundung. Die Variante in der Waschmaschine mute ich meinen gestrickten Teilen nicht zu. Ist ja Wolle mit dem von Dir erwähnten ohnehin vorhandenen Sauberkeitseffekt. (Und meine Wachmaschine ist schon etwas älter und geht mit den Sachen nicht schonend genug um.) Bei Merino und bei Seide kann es passieren, dass die Faser an sich durch das Wasser länger wird, bei Seide ist dieser Effekt am deutlichsten und naturgegeben und passiert nur einmal. Also nur beim ersten Kontakt mit Wasser wird die Faser länger und bleibt dann so. Schaf- und Alpakafasern werden auch länger, aber nicht so stark. Die Wolle reagiert zusätzlich auch auf Temperaturwechsel und Seife, das ist dann Filzen. Oder Einlaufen, je nach Stärke der Behandlung. Wenn ich Sachen stricke, mache ich vorher natürlich eine Probe und teste dabei auch, wie robust der Faden ist. Ob sich das Gestrick zum Beispiel mit dem Dampfbügeleisen bügeln lässt, oder ob der Wollfaden dann so platt wird, dass er irgendwie totgebügelt aussieht. Die robusten Schaffasern von Jamisons machen das Bügeln gut mit (die Schafe werden auf Shetland groß, die halten viel aus, so auch ihre Wolle), andere Wolle eher nicht. Dann werde ich die am Ende also nicht bügeln, sondern nur in nass machen/ legen, zum Finish. Ob Du jetzt Deine Jacke noch blocken solltest? Kann ich aus der Ferne nur schwer beurteilen. Rowan an sich habe ich noch nicht verstrickt, aber vergleichbare Qualitäten (Isager z.B.). Und trotz vergleichbarer Wollfaser-Mischung reagieren die Produkte immer unterschiedlich. Zwei Jacken/ Pullover sind NICHT länger, dafür aber breiter geworden, eine ist deutlich länger geworden. Dank Probe im eingeplanten Rahmen. Es kommt auch auf die Strickrichtung an. Meine quergestrickte Jacke sollte unbedingt länger werden, also ja eigentlich breiter, ist sie aber nicht. Wenn Du jetzt also irgendwann Deine süße Jacke waschen musst, oder sie beim vielen Tragen auf Körperwärme und Schweiß (also Wärme und Wasser) reagiert, könnte sie ihre Form ohnehin noch verändern. Vielleicht wird sie länger UND breiter. Oder nur eins von beiden. Vielleicht ganz viel, vermutlich aber nur ein kleines bisschen, denn Rowan ist auch eine gute Qualität und niemand würde so teure Wolle kaufen, wenn die Sachen alle ausleiern. Wenn Du sie vorsichtig blockst, wird auf jeden Fall das Strickbild ebenmäßiger. Wenn Du noch einen Rest der Wolle hast, kannst Du das ja ausprobieren und anhand der Probe entscheiden, ob Du sie noch blockst oder niemals wäscht.
    Vielen Dank, dass Du auf Deinem Blog immer so schöne Sachen zeigst. Und viel Glück bei der Nachbehandlung Deiner Jacke! Und bei Rowan-Wolle glaube ich übrigens nicht, dass sie in zwei Jahren auf ist, gesponnene und verstrickte Wollfasern halten in der Regel mehr aus, als dünner Stoff.
    LG Barbara

    • Barbara sagt am 8. Oktober 2021

      Liebe Barbara, ganz herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar! Du hast damit alle meine Fragen auf das beste beantwortet. Der Vergleich mit dem Bügeln eines genähten Teiles leuchtet mir ein. Ich gebe zu, daß ich mein Jäckchen auch etwas mit dem Bügeleisen gedämpft habe, aber nur sehr vorsichtig, also mit Abstand und Bügeltuch dazwischen. Danach fand ich das Maschenbild auch schon gleichmäßiger. Wie interessant, daß sich jede Wolle da so unterschiedlich verhält! Ich finde übrigens, daß sich meine Jacke durchs Tragen auch schon verändert hat- Nicht in der Größe oder Länge, aber ich habe das Gefühl, sie ist deutlich weicher geworden. Die Wolle fühlte sich beim Stricken eher fest, fast kratzig an, davon ist jetzt nichts mehr zu merken. Wirklich interessant!
      Ich denke, ich trage die Jacke jetzt erst mal so. Irgendwann werde ich sie waschen, so wie Du es beschrieben hast, und dann bin ich mal auf das Ergebnis gespannt
      Liebe Grüße
      Barbara

  11. Liebe Barbara,

    Dein Outfit überzeugt auf ganzer Länge und ist grandios gelungen.
    Die Stoff- und Schnittauswahl passt perfekt, wie wir es bei Dir gewohnt sind.
    Dein kleines Malheur hast Du perfekt kaschiert, sollte wohl einfach so sein… so ärgerlich dies auch ist.
    Ich bin immer wieder erstaunt, dass Du wirklich alle Farben tragen kannst.

    Liebe Grüße,
    Sandra

    • Barbara sagt am 12. Oktober 2021

      Liebe Sandra, danke! Ich freue mich, daß Dir mein Outfit gefällt. Alle Farben kann ich dann doch nicht tragen, aber dieses warme Gelb mag ich im Herbst sehr gerne.
      LG Barbara

  12. Liebe Barbara,
    eine großartige, ultrafeminine Kombination! Gerade diese Zusammenstellung ist für mich ein Gesamtkunstwerk. Vor jedem der Stricken kann verneige ich mich in Demut – es ist mir partout nicht möglich auch nur 2 Reihen mit gleicher Fadenspannung zu stricken, ein mir ewiges Rätsel wie irgendjemand das schafft

    Herzliche Grüße,
    Sam

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