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Clare von ClosetCaseFiles

Nun darf ich also endlich die Tragebilder meines schönen Wintermantels zeigen, der im Rahmen des Wintermantel-Sewalongs auf dem MMM entstanden ist.

Zunächst möchte ich mich aber bei den Organisatorinnen dieses Sewalongs bedanken. Nur durch Euch wurde es ermöglicht, daß jetzt 50 – 6o Frauen diesen deutschen Winter durch ihre schönen Mäntel bereichern. Ohne Eure Aktion hätten sicher viele gedacht „Nähen ist ja ganz schön, aber einen Wintermantel? viel zu schwierig und zu langwierig, nähe ich mir doch lieber erst mal das nächste Shirt, das ist jedenfalls nach 2 Stunden fertig…“ So hätte jedenfalls ich gedacht, wenn ich nicht durch den Sewalong zu einem Anfang und regelmäßigen Fortschritten gezwungen worden wäre. Nochmals vielen Dank!

Und nun bin ich sehr glücklich mit meinem Mantel. Ich hatte den MantelClare von CloseCaseFiles gewählt und ihn aus einem karierten Kaschmir-Wollstoff genäht. Eine der Hauptschwierigkeiten beim Nähen ist ja, finde ich, den richtigen Stoff für einen Schnitt zu finden, oder lieber andersrum- der Stoff sollte seinen Schnitt finden. In diesem Fall sprach mein bildschöner Kaschmir-Stoff zu mir, daß er   zu einem schlichten und klassischen Schnitt verarbeitet werden wollten, und das ist Clare auf jeden Fall.

Eigentlich hatte ich es ja sehr einfach mit meinem Mantel. Ich hatte einen tollen Stoff und vor allem einen guten Schnitt mit anfängertauglichen Anleitung. Es gab – zu der schon sehr guten Anleitung- einen ausführlichenSewalong auf der Blog von ClosetCaseFiles, so daß nicht viel schief gehen konnte.

Der Mantel hat Raglan-Ärmel, so daß die Probleme mit dem Ärmeleinsatz minimiert waren. Aufgrund der A-Form des Mantels musste ich auch nur darauf achten, daß die Schulter halbwegs paßte. Auf die Paßform an der Taille und an der Hüfte kam es nicht mehr so darauf an, da der Mantel da naturgemäß sehr weit fällt.

Meine Version von Clare hat Taschen in der Seitennaht. Auch das macht das Nähen einfach, da ich mir damit so kleine Schweinereien wie Pattentaschen erspart habe.

Wir haben ja wirklich viele Bilder gemacht, aber auf keinem einzigen habe ich die Hände nicht in den Taschen. Das zeigt hoffentlich, wie bequem diese Taschen sind ( und nicht nur, daß mir beim Fotografieren keine andere Pose einfällt…)

Ich habe den Mantel in Gr. 10 genäht, also etwas größer, als es meinen Maßen entsprach. Aber der Mantel sieht nur eine sehr geringe Bequemlichkeitszugabe (10 cm bei der Brustweite) vor, und ich wollte ja auch noch jedenfalls ein dünnes Vlies zu Verstärkung einnähen.

Über die Einzelheiten des Nähprozesses habe ichhier, hier und hier berichtet.

 Das Vlies habe ich dann letztendlich nur beim Vorder- und Rückenteil einnähen können, die Ärmel waren dafür zu eng.Natürlich schränkt das die Warmhaltefähigkeit des Mantels etwas ein- für richtig tiefe Temperaturen ist der Mantel nicht geeignet.

Aber er war wunderbar für die meisten Tage, die der Herbst in unseren Breitengraden bereit gehalten hat.

 

 Mit der Paßform bin ich sehr zufrieden. Ich hatte zuerst Bedenken wegen der Länge und fand den Mantel zu kurz, er ist wirklich mehr eine Jacke. Aber die Länge hat sich mittlerweile als ideal herausgestellt, vor allem zum Fahrradfahren.

Meine einzige Änderung am Schnitt war die Gestaltung der Knöpfe. Der Schnitt sieht Druckknöpfe vor- auch dies dient sicher zu Vereinfachung des Schnittes, denn natürlich sind Knopflöcher immer schwierig zu nähen. Ich wollte aber am Kragen zwei „richtige Knöpfe“ haben und habe mich dazu für Paspelknopflöcher entschieden.

Meine Paspelknopflöcher würden sicher vor Pingel-Inge nicht bestehen, da sie im geöffneten Zustand etwas klaffen. Das liegt daran, daß sich die Knopflöcher beim Annähen auf die Öffnung im Unterkragen etwas verzogen haben, vorher waren sie wunderbar eng anliegend! Mich stört das aber nicht weiter, da ich den Kragen sowieso meistens geschlossen trage.

Und das Gefühl des Kaschmirkragens am Hals ist wirkliche angenehm, hier bin ich doch froh, mich nicht für einen vielleicht kratzigen Wollstoff entschieden zu haben.

Die anderen Knöpfe habe ich als Druckknöpfe gelassen. Da die Druckknöpfe natürlich nur am Beleg angenäht sind, klafft das Vorderteil etwas, das kann man aber nicht ändern.

Bei den Druckknöpfen hatte ich ja zunächst große Bedenken, weil sie sich anfangs so schwer öffnen liessen. Zum Glück wird das durch den steten Gebrauch immer besser, und ich bin auch sehr vorsichtig beim Öffnen und reisse nie am Stoff.

Der Mantel ist grau, das Futter grau- zum Glück habe ich eine pinke Paspel zwischen Futter und Beleg eingenäht! Die sehe zwar eigentlich nur ich, wenn ich den Mantel an- oder ausziehe, aber für mich gehört das zu den kleinen Freuden, die wir Selbernäherinnen uns doch gönnen. Hier eine Paspel, dort ein bunter Aufhänger, in den Jeans vielleicht noch ein buntes Taschenfutter- das hat keiner außer uns, und das ist unsere ganz geheime Freude!

Was habe ich jetzt denn gelernt bei diesem Mantel? Das ist ja die Frage, die ich mir oft stellle, wenn ich ein Projekt fertig genäht habe. Und die Antworten auf diese Frage trösten mich durchaus, wenn das Nähergebnis vielleicht nicht so war, wie ich es mir erträumt hatte, oder sogar ein TFT (Teil für die Tonne) produziert wurde, was zum Glück bei mir nicht so oft vorkommt.

In diesem Fall habe ich gelernt, mit Wollstoff umzugehen. Ich habe gelernt, wie man einen hochwertigen Wollstoff mit viel Dampf vorbehandelt, um ein Schrumpfen bei der späteren Verarbeitung zu verhindern. Ich habe gelernt, daß Wollstoff mit einer passenden Einlage verstärkt werden muß, um eine ausreichende Struktur für den Mantel zu erreichen.

Mit Karoanpassung habe ich mich befasst, sicher noch keine super Erfolge erreicht, aber ich weiß jetzt jedenfalls, wo die Probleme sind. Auch bei den Paspelknopflächern sehe ich jetzt, daß die Hauptschwierigkeit eigentlich auf der Rückseite liegt, auch hieran kann ich weiter arbeiten.

Die Falten am rückwärtigen Saum sind mir übrigens erst auf den Bildern aufgefallen, hingen vermutlich aber auch mit dem Fahrradfahren zusammen, denn sonst fällt der Saum eigentlich sehr schön und glatt.

Insgesamt fühle ich mich sehr wohl in dem Mantel. Er  hat sich völlig nahtlos in meine Garderobe
eingefügt und paßt zu vielem, sowohl zu Jeans als auch über Röcke. Ich
bin bisher nicht auf ihn angesprochen worden, was vermutlich ein gutes
Zeichen ist. Vielleicht kennt Ihr ja auch diesen Reaktionen auf manche
selbstgenähten Kleidungsstücke, so in der Richtung „ach, diesen Rock
haben Sie ja bestimmt selbstgenäht, der ist ja so originell!“…das freut
einen ja nicht wirklich…

Und ich habe natürlich auf gelernt, daß manche Nähprojekte einfach ihre Zeit brauchen. Ein Mantel besteht aus vielen einzelnen Teilen, hat viele verschiedene Schichten, und alles muß richtig zusammengefügt werden. Ich war ja sehr froh, daß dieser Sewalong in einer Zeit durchgeführt wurde, in der ich einige Tage Urlaub hatte. Das hat es mir ermöglicht, manche Arbeitsschritte recht zügig und am Stück durchzuführen. Und trotzdem habe ich viele, viele Stunden mit diesem Mantel verbracht  (wobei die meisten sehr angenehm waren!)

Aber wie die Kalkulation beim Klamotten-Schweden aussieht, wo Mäntel für 30 Euro verkauft werden, kann ich nicht verstehen. Wobei vermutlich auch bei höherpreisigen Mänteln das meiste im Vertrieb hängenbleibt und die Näherin mit einem deprimierend geringen Lohn abgespeist wird.

Das ist ja für mich auch eine der „Nebenwirkungen“ des Selbernähens, daß meine Lust auf Shoppen mittlerweile gegen null geht. Manche Sachen gefallen mir schon, aber dann ist der nächste Gedanke: das könnte ich doch selber genaus so gut nähen, und dann würde ich das Teil vielleicht 5 cm länger nähen, oder die Taille etwas enger machen, und überhaupt, für den Preis bekäme ich ja auch 2 m von dem tollen Stoff, den ich vielleicht vor kurzem wegen des hohen Preises habe liegen lassen…also fürs Shoppen bin ich mittlerweile völlig verdorben.

Na gut, dann nähe ich halt weiter, nach dem Motto: nach dem (Wintermantel)-Sewalong ist vor dem (Weihnachtskleid)-Sewalong!

Jetzt bin ich aber doch auf dieParade der Wintermäntel auf dem Memademittwoch gespannt! Nina und Karin präsentieren uns heute ihre genähten Werke- Nina in total schicker Cabanjacke, und Karin ebenfalls mit Clare, aber aus einem traumhaften dunkelroten Wollstoff!

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Clare: Futter und Fertigstellung

Heute geht es um das Futter unserer Wintermäntel im 4. Teil des Wintermantelsewalongs auf dem Memademittwoch.Mein Mantel (Clare von Closetcasefiles) hat einen extra Futter-Schnitt, und so hatte ich keine allzugroßen Probleme beim Nähen des Futters. Die Hauptschwierigkeit war erwartungsgemäß das zuschneiden des Viskose-Futterstoffes, aber mit viel gutem Willen auf allen Seiten (ja , auch der Futterstoff

 wirkte manchmal durchaus kooperativ!) gelang mir auch diese Challenge.

Ich habe das Futter mit einem dünnen Vlies von Butinette verstärkt. Da hatte ich lange überlegt, nachdem mir klar wurde, daß der Wollstoff alleine im Winter als Wärmeschutz nicht ausreichen würde. In Frage kam für mich auch Thinsulate oder auch ein Wollvlies. Beides schien mir allerdings dann zu warm für unseren üblichen deutschen Winter.

Das Vlies war jedenfalls gut zu verarbeiten, ich habe es gemeinsam mit dem Futterstoff vernäht. Die Ärmel konnte ich allerdings nicht damit füttern, da nach der ersten Anprobe klar wurde, daß sie dafür zu eng sind.

An das Futter wurden dann die vorderen Belege und der Beleg vom Halsausschnitt genäht, hier war es natürlich ein besonderes Vergnügen, die pinkfarbene Paspel einzunähen.

Und beim Aufhänger, der zwischen Halsausschnitt  und Unterkragen eingenäht wurde, konnte ich mir die pinke Paspel auch nicht verkneifen!

In den Unterkragen hatte ich vorher schon die Öffnungen für die Paspelknopflöcher eingearbeitet. Eigentlich nicht schwierig, wenn man sich an Meikes Tutorial hält. Nur die Positionierung der Öffnungen hat mich etwas Zeit gekostet, denn die müssen ja genau an die Stellen, an denen im Oberkragen die Knopflöcher sind.

Dann waren also beide Mäntel fertig: der aus Oberstoff mit Oberkragen, und der Futtermantel mit Belegen und Unterkragen. Diese beiden Werkteile sollten dann miteinander verstürzt werden, natürlich bis auf eine Wendeöffnung, dann auf rechts gezogen- und voila, der Mantel ist fertig !

So stand es in der Anleitung, im Sewalong, ich konnte mir das zunächst nicht vorstellen. Trotzdem war mein Vertrauen in die Anleitung von Heather so groß, daß ich die nächsten Schritte im Sewalong einfach blindlings nachgearbeitet habe.

Ich kannte ja auch schon andere Beschreibungen, bei denen gefütterte Kleidungsstücke insgesamt verstürzt und gewendet wurden. Allen gemein ist immer, daß man die Anleitung erst mal nicht versteht und die Bilder völlig chaotisch wirken. Meine Fotos sind hier keine Ausnahme:

Verstürzt wurden also die Vorderkanten, die Kragenaußenkanten und der Saum, bis auf eine Öffnung zum Wenden und eine kleine Ecke unten am Beleg, bei dem die Bewegungsfalte des Futters war.

Besonder lustig war, daß auch die Ärmel zusammengenäht wurden:

Danach wurde gewendet. Und- tataa, hat funktioniert! Ein komplett gefütterter Mantel lag vor mir!

Die kleine Ecke unten am Beleg wurde dann mit der Hand festgenäht. Es folgten noch einige wenige Hand-Näharbeiten wie das Aufeinandernähen der Knopflöcher und das Annähen der Druckknöpfe. Dann war der Wintermantel fertig!

Er ist wunderschön geworden. Ich trage ihn seither fast jeden Tag, natürlich nicht wenn es regnet so wie heute, dafür ist er mir viel zu schade. Aber im nachhinein muß ich schon sagen, daß es sehr viel Arbeit war. Aber diese Arbeit hat sich gelohnt, so einen schönen Mantel hatte ich noch nie!

Mantel von links

Tragefotos naürlich erst nächste Woche, zum Finale des Wintermantel-Sewalongs auf dem Memademittwoch! Heute zeigt uns erst mal Karin, wie man professionell das Mantelfutter einnäht, und die Fortschritte der anderen Teilnehmer des Wintermantelsewalongs beim Memademittwoch sindhier zu finden!

Wintermantel von rechts
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Linden Sweatshirt

Eigentlich hatte ich mir überlegt, die Bilder , die ich heute zeige, in den Tiefen meiner Festplatte zu vergesssen und sie nicht zu zeigen- denn ich fand sie zu banal, den Schnitt und meine Ausführung zu einfach , um sie in diesem erlauchten Kreis derMemademittwoch-Damen zu zeigen. Andererseits- war es nicht die ursprüngliche Absicht dieser Aktion, zu zeigen, wie man im Alltag die selbstgenähten Kleidungsstücke trägt?

Und zu meinem Alltag gehören Sweatshirts, T-Shirts und Jeans. Natürlich nähe ich furchtbar gerne Kleider und Röcke, die ich zum Glück auch durchaus trage. Aber ich gebe zu , ich trage sie nicht so oft, wie ich Lust dazu habe, dann kommt immer der Gedanke: ach , heute ist eine Jeans doch einfach „praktischer“, und dazu das praktische Shirt, dann paßt das schon…

Sicher sollte ich mir da viel mehr Beispiel an den kleinen Kindergartenmädchen nehmen, die morgens einfach beschliessen: heute bin ich Prinzessin, da paßt nur das geblümte Kleidchen, auch wenn heute Waldtag im Kindergarten ist und es draußen regnet.

Aber leider bin ich noch nicht so weit, deshalb heute Bilder vom Sweatshirt, immerhin auch geblümt!

Es ist ein Schnitt von Grainline Studio, dasLinden  Sweatshirt.

Spätestens jetzt werden sich die letzten Leser von meiner Seite wegklicken, ich spüre schon die Gedanken… also wirklich, für so einen einfachen Schnitt hätte sie doch echt keinen extra Schnitt bestellen müssen, und dann auch noch einen englischsprachigen! und ja, liebe Leser , Ihr habt völlig recht. Man braucht für ein einfaches Sweatshirt keinen Indie-Schnitt. Natürlich gibt  es in der Ottobre oder Knip (Pardon, Fashion Style) ganz viele ähnliche Schnitte, und auch deutsche Schnittmustererstellerinnen haben sowas im Angebot.

Warum bestellt man einen Schnitt und gibt dafür auch noch extra Geld aus? Für mich hat das, natürlich neben der medialen Verführung, wenn ein Schnitt gut vermarktet wird, sehr viel mit Vertrauen zu tun. Wenn ich Vertrauen zu einer Schnittmuster-Designerin habe, ist mir dieser Schnitt sein Geld wert, denn ich weiß, daß ich dann beim Nähen Erfolgserlebnisse habe, wenig ändern muß und dadurch meine Zeit sinnvoll nutze. Das ist mir das Geld wert, und diesen Preis bezahle ich auch gerne für ein gutes und professionelles Produkt.

Und diese Qualität erlebe ich bei den Schnitten vonGrainline Studio.Die Größenangaben und die Gradierung stimmt, soweit ich es beurteilen kann. Die Schnitte enthalten alle korrekte Bezeichnungen und Maßzeichen (eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber warum fehlen dann an so vielen Schnitten die Bezeichnug für vordere oder hintere Mitte?). Für das Linden Sweatshirt ist eine Nahtzugabe von 6mm vorgesehen- das freut den Overlock-Benutzer. Die Länge des Shirts finde ich optimal, der Ausschnitt recht groß-schön für die Optik, und wenn es zu kalt wird, paßt wunderbar ein Schal dazu.

Ich habe schon einige Fassungen von Linden genäht, alle werden gerne getragen. Für dieses Exemplar habe ich einen bedruckten Sweat gewählt, der wohl eigentlich als Sommersweat bezeichnet wird, nicht ganz passend zur Jahreszeit. Im englischsprachigen Raum heißt er „french terry“, warum auch immer. Ich trage dieses Material auch in der kühleren Jahreszeit gerne. Es ist wärmer als normaler Jersey, aber nicht ganz so dick wie der typische Sweatshirtstoff, der mir in den geheizten Räumen  leicht zu warm wird.

Die einzige Schwierigkeit beim Nähen dieses Shirts war die Verabeitung der Bündchen, da ich keinen passenden Bündchenstoff hatte. Der verwendete gestreifte Stoff ist ebenfalls ein French Terry wie der Hauptstoff, zwar farblich passend, aber nur begrenzt dehnbar. Diese Ärmelbündchen habe ich mittlerweile schon ersetzt duch etwas engere Bündchen. Aber ansonsten akzeptiere ich die fehlende Dehnbarkeit der Bündchen einfach als Designmerkmal dieses Pullis, den ich seit seiner Fertigstellung ausgesprochen gern trage.

Was tragen denn die anderen Damen des Memademittwochheute? Meike zeigt uns heute ein total schickes Kleid aus grauem Romanit mit dazu passendem Schal und Schuhen- das sieht auch sehr nach einem perfekten Alltagsoutfit aus!

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Clare macht Fortschritte

Heute ist das dritte virtuelle Treffen der Wintermantel- Näherinnen auf dem Memademittwoch-Blog. Es soll über Fortschritte berichtet und über Schulterpolster diskutiert werden.

Mit den Schulterpolstern halte ich es ganz einfach: ich habe keine eingenäht und gehe deshalb davon aus, daß ich keine brauche. Zur Erinnerung: ich näheClare, einen Schnitt von ClosetCaseFiles. Es ist ein Mantelschnitt mit Raglanärmeln, ich weiß grad auch gar nicht, ob man auch unter Raglanärmel Schulterpolster einsetzen kann? Aber wahrscheinlich könnte man es. Der Schnitt sieht es allerdings nicht vor, und da dieser Schnitt ansonsten so hervorragend durchdacht und beschrieben ist, habe ich mir diese Frage auch nicht ernsthaft gestellt.

Und ich bin mir sicher, daß der Mantel auch ohne Schulterpolster paßt, denn- er ist mittlerweile fertig, fix und fertig, gebügelt, getragen, sogar schon fotografiert. Ja, ich weiß , ich bin eine Streberin…aber es ergab sich einfach so schön, daß ich letzte Woche ein paar Tage frei hatte, zuhause war, keine größeren Pläne als zu Nähen mir vorgenommen hatte…also einfach ein Paradies, Ihr versteht.

Und so habe ich viele Stunden an der Nähmaschine, am Zuschneidetisch und am Bügelbrett verbracht. Manche mit Genuß, manche eher zähneknirschend, manchmal auch sehr mit dem Projekt hadernd, das durchaus nicht immer so lief, wie ich es mir vorstellte.

Die Vorbereitungen des Nähens hatte ich eindeutig unterschätzt.  Zunächst musste erstmal die richtige Größe gefunden und abgepaust bzw. ausgeschnitten werden. Ich hatte zunächst an eine Gr. 8 nach meinen Maßen gedacht, da ich aber dann die geringen Bequemlichkeitszugaben zum fertigen Teil sah (nur 10 cm im Brustumfang, das ist schon sehr wenig für einen Mantel), habe ich mich zur nächstgrößeren Größe entschieden. Eine gute Entscheidung, wie ich heute weiß, denn enger dürfte der Mantel wirklich nicht sein.

Über die Möglichkeit eines Probemodells habe ich großzügig hinweggesehen.

Dann musste ich erst mal auf den diversen Schnittmusterbögen durchschauen, was aus Oberstoff, was aus Einlage und was aus Futterstoff zugeschnitten werden sollte. Clare hat, wie alle ordentlichen Mantelschnitte, einen extra Futterschnitt. Zum Glück gibt es für Clare einen ausführlichen Sewalong auf der Homepage von ClosetCaseFiles, und den habe ich schön der Reihe nach abgearbeitet.

Ich habe also meinen Wollstoff mit viel Dampf vorbehandelt, um ein „preshrinking“ zu errichen und dann alle Teile mit Gewebeeinlage verstärkt.

Beim Zuschneiden wollte ich mir dann extra viel Mühe geben. Ich habe einen karierten Stoff, und wollte natürlich die Karos perfekt anpassen. Hier hatte ich einTutorial von Colette Patterns durchgearbeitet, auch verstanden und war eigentlich willens, es anzuwenden. Deswegen hatte ich auch manche Schnittteile abgepaust, Nahtlinien eingezeichnet und die Stellen gekennzeichnet, wo die Karos auf jeden Fall „matchen“ sollten.

Allerdings- es ging nicht. Ich hatte zuwenig Stoff, war es irgendwann auch leid und beschloss schließlich, daß es ausreichend wäre, wenn die Karos nur an einigen Stellen wie in der vorderen Mitte oder an der Ärmelnaht passen würden. Passend dazu fiel mir an diesem Tag die Modebeilage unserer Lokalzeitung in  die Hände, hier wurden hochpreisige karierte Jacken beworben (mit meinen Karos bin ich anscheinend voll im Trend dieses Jahr), aber da war von Karoanpassung aber so was von gar nichts zu sehen…

Irgendwann hatte ich also alles zugeschnitten, verstärkt, gekennzeichnet und setzte mit dann morgens fröhlich an die Maschine, um alle Teile schön zusammen zu tackern, so jedenfalls der Plan- weit gefehlt! Schon die erste Naht mußte ich wieder auftrennen, denn die Stofflagen mit den so mühsam ausgeschnittenen Karos verschoben sich heillos gegeneinander beim Nähen.

Nun habe ich ja seit ca 3 Monaten eine neue, luxuriöse Nähmaschine. Jetzt schien mir der richtige Zeitpunkt, die diversen Einstellungen zu testen. Ja klar, der Nähfußdruck mußte verstellt werden! An diesem Rädchen hatte ich noch nie gedreht. Erst mal die Anleitung zu Rate gezogen, die mir empfahl, für dicke Wollstoffe den Nähfußdruck zu erhöhen. Gemacht, Probestück genäht- wurde alles noch schlimmer, der obere Stoff wurde beim Nähen immer stärker nach unten gewalzt. Dann probehalber den Nähfußdruck mal ganz reduziert- das war viel besser, hier gelang es mir fast ganz, die Karos deckungsgleich zu nähen.

Das mit dem Nährfußdruck ist wohl wirklich eine komplizierte Geschichte, wie ich mir mittlerweile angelesen habe. Es gibt hierfür  keine einfache Formel, weil nicht nur die Stoffdicke und -art mit einfliessen, sondern wohl auch die Friktion , also die Fähigkeit, wie sich Stoffe unter Druck gegeneinander verschieben, Offensichtlich hilft hier am besten Ausprobieren.

Die beste Lösung bei meinem Problem ist aber natürlich der Obertransport-Fuß, den ich dann auch in meinem Zubehörkästchen fand. Der hat die Stoffe dann wirklich traumhaft stabil transportiert, so daß alles so blieb, wie ich es zugeschnitten und gesteckt hatte

Beim Einsetzen der Raglanärmel wurde in meinem Sewalong beschrieben, daß man die Nähte mit einem Band verstärken sollte, das mitgenäht wird. Ich dachte zuerst, daß man da ein normales Baumwollband nehmen könnte. Im Kurzwarengeschäft, in dem ich mein Nähzubehör eingekauft hatte, meinte die Verkäuferin allerdings , daß ein Baumwollband dafür doch viel zu starr wäre und man würde heutzutage sowas mit einem aufbügelbarenVlieselineband verstärken. Auf meine Nachfrage wurde dann aus einer hinteren Schublade doch noch ein Band hervorgezogen mit der Bemerkung, daß die Schneider früher das für die Herrenjackets verwendet hätten. Es handelte sich um ein Leinenband, ca 4 mm breit, das mir gleich gut gefiel. Ich habe es bei allen strapazierten Nähten, also Raglannähten und Kragenansatznähten, mit genäht und denke, es wird gut zur Stabilität des Mantels beitragen.

 Meine Version von Clare erhält Taschen in der Seitnennaht. Damit die Taschen auch schön an ihrem Platz bleiben, werden sie mit einer kurzen, dichten Reihe Zickzackstiche („bar tack“, kennen wir schon vom Jeans Sewalong von ClosetCaseFiles) an ihrem Platz gehalten.

 Und was wäre ein Mantel ohne Paspelknopflöcher? In diesem Fall wollte ich nur im breiten Kragen zwei Paspelknopflöcher mit Knöpfen haben, alle übrigen Knöpfe sollten Druckknöpfe sein, wie im Originalschnitt beschrieben.

Paspelknopflöcher sind nicht so schwer zu nähen, die Hauptschwierigkeiten sind, wie ich finde, eher in der Gestaltung des Beleges und der Anpassung der Öffnungen. Aber darüber, wie auch über das Mantelfutter

 und die damit zusammenhängenden Abenteuer berichte ich dann beim nächsten Treffen der Memademittwoch-Mantelnäherinnen. Ich kann nur schon im voraus berichten: es wird gut ausgehen!

Über die Fortschritte der anderen Mäntel, die im Rahmen des Wintermantel-Sewalongs 2016 auf dem Memademittwochblog entstehen, wirdhierberichtet.

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Partyrock wintertauglich

 Der“ Partyrock “ vonMeike alias Frau Crafteln ist einer der ersten Schnitte, die Meike in Zusammenarbeit mit dem Label stokx in Berlin herausgegeben hat. Der Name Partyrock bezieht sich auf das Originalmodell, das aus glänzendem roten Stoff wirklich party- und ausgehtauglich ist. Ob Lindy Stokes, die Designerin von stokx, geahnt hat, was Hobbyschneiderinnen aus ihrem schönen Schnitt machen? Bei mir wurde er zum Winter- und Wanderrock, und hat auch hier mit Bravour bestanden.

Das Schnittmuster dieses Rockes ist absolut genial. Es handelt sich um einen 6-Bahnenrock, wobei jede Bahn in zwei schräge Falten eingelegt ist. Dadurch entsteht eine wunderbare Saumweite und ein schöner Fall des Rockes.Die Passe ist eng und figurbetont geschnitten, jede Rockbahn bringt ihre eigene angeschnittene Passe mit. Geöffnet wird der Rock mit einem nahtverdeckten Reißverschluß in der linken Seitennaht, gesäumt mit Saumband.

Ich fand diesen Rockschnitt sofort interessant, als er erschienen war, und hatte auch gleich einen Stoff aus meinem Vorrat dafür ausgewählt. Es handelt sich um einen japanischen Baumwollstoff, dunkelblau mit weißen Rechtecklinien, auf den schwarze Kornähren aufgedruckt sind. Der Stoff ist zwar dünn, hat aber durchaus Stand, so daß er mir für diesen Schnitt sehr geeignet schien.

Leider ist es so eine Sache mit Nähplänen und deren Verwirklichung, da liegen manchmal einige Wochen dazwischen, und in diesem Fall auch der Jahreszeitenwechsel zum Herbst. Beim Zuschneiden wurde mir klar, daß ich diesen Rock sicher nicht mehr ohne Strumpfhose anziehen würde. Den Rock jetzt nähen und bis zum nächsten Frühjahr liegen lassen kam natürlich auch überhaupt  nicht in Frage. Also musste ein Futter her, damit der Rock strumpfhosentauglich würde.

Nun ist es ja eigentlich überhaupt nicht schwierig, einen Rock zu füttern. In diesem speziellen Fall hat es mir schon etwas Kopfzerbrechen bereitet, da ich nicht wußte, wie ich die eingelegten Falten im Futter behandeln sollte. Ich habe mir dann einfach ein trapezförmiges Futterteil konstruiert, die obere Weite entsprechend der Belegweite, die untere etwas geringer als die Saumweite. Dieses Teil habe ich 6x zugeschnitten und an den Beleg angenäht. Das hat gut funktioniert und behindert den schönen Fall des Rockes nicht.

Die Anleitung für den Rock ist ausführlich und gut verständlich. Zur Zeit gibt es auch einen Sewalong, bei dem Meike noch  genauer auf einzelne Schritte eingeht. Hätte ich ihre Beiträge früher gelesen, hätte ich wahrscheinlich von vornherein eine andere Größe gewählt, denn die Größe soll nach dem Hüftumfang gewählt werden. Ich bin , wie bei den meisten Röcken, vom Taillenumfang ausgegangen und habe dann an Seiten- und hinteren Teilungsnähten jeweils einige mm in der Hüflinie reduziert, sozusagen ein flat-seat-adjustment durchgeführt.

Durch das Saumband bekommt der Saum nochmals etwas mehr Stand, die Drehprobe hat er auch bestanden.

Ich habe beim Nähen die Anleitung erst mal befolgt, so wie ich es eigentlich immer mache bei mir unbekannten Schnittherstellern. Manches fand ich hier ungewöhnlich, so z.B. die Markierungen, die man für die Falten wirklich unbedingt braucht, auf der rechten Seite des Stoffes. Mein Stoff war nun wirklich denkbar unempfindlich, aber bei einem anderen Stoff würde ich wahrscheinlich lieber die Markierungen auf der linken Seite haben. Dann müßte man aber auch das Schnitt-Teil seitenverkehrt auflegen, oder die Falten drehen auf die andere Seite. Gibt es hierfür eigentlich auch Vorschriften, näht man dann einen Herrenrock???

Die Nahtzugaben werden nach der Anleitung zusammen versäubert, was ich absolut genial finde. Aber was soll mit der Nahtzugabe neben dem Reißverschluß passieren? Die muß man doch vorher versäubern, wenn man nicht gerade wie ich ein Futter einnäht. Hier hätte ich mir einen deutlicheren Hinweis in der Anleitung gewünscht. Sicher wird das aber noch ausführlich imSewalong bei Frau Crafteln behandelt

Der Rock macht eine schöne Silhouette. Ich trage hier das Shirt Plantain von Deer and Doe dazu.

Durch die Weite des Saumes kann man sich perfekt im Rock bewegen, und so wurde er hier kurzerhand zum Wanderrrock umfunktioniert.

Die Bilder sind natürlich nicht in Hessen entstanden, so kalt war das Wetter hier dann doch nicht, sondern im Kleinwalsertal, in dem wir letzte Woche herrliche Urlaubstage verbracht haben.

Ich werde diesen Rock sicher noch oft tragen, dann auch mit passenderen Schuhen….

Was zeigen denn die anderen Frauen am  MemadeMittwoch?

Lucy begrüßt uns heute in einer traumhaften Strickjacke, die sieht so richtig kuschlig aus und ist bestimmt wintertauglich.

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ich nähe Clare!

Mit der Entscheidung für einen Wintermantel- Schnitt hatte ich mir wirklich schwergetan. Es gab aber auch zu schöne Möglichkeiten. Der Pepernoot von Waffle Pattern hatte es mir sehr angetan, aber fast schöner fand ich dann den neuen Schnitt von Waffle Patterns, der aber noch nicht erschienen ist. Mittlerweile gab es auch noch eine neueKnip mit einem recht interessanten Wintermantelschnitt, in den alten Ottobres war viel zu entdecken, und dann brachte letzte Woche Heather von Closet Case Files noch einenneuen Anorak-Schnitt- ach, man könnte so viel nähen, es gibt einfach tolle Schnitte.

Die Entscheidung fiel letztendlich aber ganz einfach und klar, als ich diesen Stoff in den Händen hielt.

Ich kaufe sonst ja gerne online meine Stoffe und mache damit gute Erfahrungen. Aber so einen Wollstoff für einen Mantel auszusuchen ist ja eine ganz anderen Sache. Hier muß man wirklich fühlen, wie dick der Stoff ist, wie er fällt, wie weich er ist. Deshalb habe ich einen meiner Lieblings-Stoffläden aufgesucht, den Laden „Hereinspaziert“ in Heppenheim .

Heppenheim ist ein absolutes Provinznest (sorry, liebe Heppenheimer!) an der hessischen Bergstraße. Die Innenstadt zeichnet sich durch Filialen der üblichen Verdächtigen aus, viele Läden stehen leer…und dann gibt es eben diesen Stoffladen. Schon die Größe fällt auf (ca 400 m²), und dann diese Auswahl: schön farblich geordnet, unzählige Ballen der schönsten Stoffe, man fühlt sich wie im Paradies.

Aus naheliegenden Gründen vermeide ich, diesen Laden zu oft aufzusuchen, aber jetzt hatte ich ja einen Grund, sozusagen einen Kauf-Auftrag. Daß dann relativ rasch auch noch ein geblümter Kleiderstoff in meinem Korb landete, dafür konnte ich ja wirklich nichts.

Die Mantelstoffe lagerten in einem extra Raum, in den ich von der freundlichen Inhaberin geführt wurde. Schöne Wollstoffe, alle möglichen Farben, gefiel mir sehr gut. Aber dann ertastete ich beim Streicheln der Stoffballen ganz unten im Stapel ganz eindeutig etwas anderes- Kaschmir hat so einen typischen Griff, den erkennt man sofort. Und dies ist 100% Kaschmir, ein Traumstoff. Und der Preis- ja, schon, aber für diese Qualität angemessen, denke ich.

Und mit der Entscheidung für diesen Stoff war auch der Schnitt sofort klar: aus diesem edlen Stöffchen kann nur eine Clare von ClosetCaseFiles werden. Passendes Futter fand sich praktischerweise auch im Geschäft:

Das war ja nun alles sehr schön, alles in dezenten Grautönen- hier fehlt doch noch der Pep!

Und den fand ich in Frankfurt beiWächtershäuser. Das ist ein Geschäft, das Nähzubehör  verkauft. Ein absolutes Traditionsgeschäft, das angeblich seit 1822 existiert und damals wohl vor allem die lokalen Schneider beliefert hat. Hier gab es diese zauberhafte pinkfarbene Paspel , die ich zwischen Futter und Hauptstoff platzieren möchte.

Natürlich gab es auch Knöpfe in Frankfurt, und Gewebeeinlage, und große Druckknöpfe. Das Geschäft ist nicht groß, aber wenn man die Verkäuferin nach irgendetwas fragt, wird zielsicher ein Holzlade aufgezogen und das gewünschte herausgezogen. Wie schön , daß es so etwas noch gibt, und das in bester Innenstadtlage in Frankfurt!

Ich möchte die Version B von Clare nähen, das ist die Version, die hüftlang ist, Taschen in der Seitennaht und einen hohen Kragen. Als Verschluss schlägt Heather Druckknöpfe vor, ich möchte aber im Kragen zwei richtige Knöpfe mit Paspelknopflöchern haben, inspiriert vondiesem Bild.

Und wenn ich mich nicht schon längst für Clare entschieden hätte, wäre es spätestens nach dieser Fassung von Clare um mich geschehen gewesen…es ist einfach ein wunderschöner Schnitt, und ich freue mich sehr darauf, ihn zu nähen!

Aber zunächst geht es erstmal ans Zuschneiden, oder besser gesagt an die Arbeiten davor.

In dem wie immer sehr ausfühlrichen Sewalong von Closetcasefiles ist genau beschrieben, wie der Wollstoff vorbereitet werden soll. Zunächst soll ein „preshrinking“ durchgeführt werden (auf deutsch „vorschrumpfen“?).

Hierbei soll der Stoff mit größeren Mengen Dampf Kontakt haben, um ein Einlaufen später beim Nähen zu verhindern , wenn man Nähte oder Abnäher dämpft.

Heather von Closetcasefiles wirft ihren Wollstoff einfach in den Trockner, zusammen mit feuchten Handtüchern…hmm, abgesehen davon, daß ich keinen Trockner habe, würde ich wohl auch nicht meinen schönen Stoff dahineingeben. Es geht aber wohl auch mit Dampfbügeleisen, oder mit einem feuchten Tuch abbügeln. Sehr interessant fand ich hier den Artikel von Sewaholic, vor allem in den Kommentaren wird dieses Thema ausgiebig behandelt .

Und dann muß die Einlage aufgebügelt werden. Mein Stoff ist auch sehr weich und hat zuwenig Stand für die schöne A-Form von Clare. Auch hier gibt es wohl Wege, sich die Bügelarbeit zu erleichtern.

Man könnte die Einlage auf den gesamten Stoff aufbügeln („blog-fusing“) und dann die Teile ausschneiden.Damit man dabei nicht ganz so viele Stunden am Bügelbrett verbringt, wirdhier eine Methode beschrieben, bei der man zunächst nur einzelne Punkte des Wollstoffs mit der Einlage verbindet, dann zuschneidet und dann das endgültige Aufbügeln durchführt.

Egal wie man es macht, es liegt noch einiges an Arbeit vor mir.

Zunächst freue ich mich darauf, heute zu lesen, wie sich die anderen Mitstreiterinnen des Wintermantel-Sewalongs auf dem MeMadeMittwoch entschieden haben. Schön, daß Karin auch Clare näht, und dann aus so einem traumhaften roten Wollstoff!

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Knip-Jerseykleid

Die holländische Nähzeitschrift Knip resp. ihre deutsche Übersetzung Fashion Style (eine selten phantasielose Bezeichnung für so eine schöne Zeitschrift!) erscheint monatlich und enthält regelmäßig mindestens zwei bis drei Schnitte für Jerseykleider. Oft wirken diese Schnitte auf mich etwas angestrengt- hier eine Raffung, dort eine Verknotung, nur um das ganze als neuen Schnitt zu bezeichnen… aber es ist ja sicher auch nicht einfach für die Schnitt- Designerinnen , immer auf Knopfdruck neue gute Ideen zu produzieren. Ich denke auch, daß die Variationsmöglichkeiten beim Jerseykleid durchaus begrenzt sind.

Aber es gibt immer wieder auch Jerseykleidschnitte in der Knip, die dann einfach unglaublich gut und kleidsam sind. Ein solcher Schnitt ist für mich das Kleid 13 aus der Fashion Style 8/2015.

Die Bilder im Heft sind allerdings nicht sehr aufschlußreich. Mit ist der Schnitt nur durch die technische Zeichnung aufgefallen.

Es handelt sich um ein Wickelkleid, oder eher um ein Pseudo-Wickelkleid, denn die beiden Vorderteile werden aneinander festgenäht. Das obere Vorderteil ist in der Taillengegend in sieben (da mußte ich grade noch mal nachzählen) lockere Falten gelegt, die auf einer halbkreisförmigen Passe festgenäht werden.

Die Falten sind so geschickt positioniert, daß sie da liegen, wo der weibliche Körper auch zu Falten (vulgo: Speckröllchen ) neigt. Dadurch kann das Kleid figurbetont sein, ohne allzuviel bloß zu stellen.

Da die Vorderteile gedoppelt sind, wird der vordere Halsausschnitt mit dem hinteren Vorderteil verstürzt , das ergibt einen schönen Abschluß . Der hintere Halsausschnitt ist mit einem Beleg versäubert und hat einen kleinen Schlitz.

Ob es wirklich  so geschickt ist, einen Jerseyausschnitt mit Beleg zu verarbeiten, kann man sicher diskutieren. Die Knip macht das gerne, nach meinem Eindruck. Ich finde, es wird dem Material des Jerseys eigentlich nicht gerecht. Aber es geht natürlich. Ich habe Vlieseline G785 genommen (das ist die ganz dünne dehnbare) und dann aber auch noch den Beleg am Rand  mit der Cover abgesteppt. So liegt er schön an seinem Platz.

Säume und sichtbare Nähte habe ich wieder mit dem Kettstich der Cover abgesteppt. Das ist mittlerweile mein Lieblingsstich auf meiner Covermaschine. Ich verwende für den Untergreifer Bauschgarn, möglichst farblich passend, das ergibt dann schön plastische Nähte, die ich aber nicht so aufdringlich finde wie die zwei- oder dreifädigen Covernähte.

Wie alle Wickelkleider hat auch dieses Kleid das Problem, daß es vorne aufklafft, wenn man sich bewegt oder ein Windhauch kommt. Da ich das Kleid aufgrund der herbstlichen Temperaturen jetzt mit Leggins trage, stört mich das nicht weiter. Leider ist der Jersey (vonhier) nicht durchgefärbt, man sieht leicht die weiße Rückseite. Warum gibt es eigentlich so wenig durchgefärbte Jerseystoffe?

Ansonsten ist das Kleid natürlich bequem, wie alle Jerseykleider, und absolut freizeittauglich. Wenn ich auf diesem Bild etwas erschöpft wirke, liegt es sicher nicht am Kleid, sondern eher an der 15 km Wanderung, die gerade hinter mir lag 🙂

 Genäht war das Kleid übrigens problemlos und jerseytypisch schnell. Ich gebe auch gerne zu , daß ich mir die Arbeit erleichtert hatte und den Schnitt als Fertigschnitt bei Knip bestellt hatte. Natürlich hätte ich auch abpausen können, ich habe ja das Heft. Aber das ist ein Schnitt mit vielen großen Teilen, die erst noch zusammengesetzt werden müssen und verschiedenen Vorderteilen. Da war ich zum Abpausen einfach zu faul…oder ich könnte auch etwas positiver formuliert sagen, mir war die Zeit dafür zu schade.

Schnitt bestellen bei Knip in Holland ist problemlos. Man bekommt relativ rasch einen Mehrgrößenschnitt auf festem Papier mit der Post zugesandt. Und da man Jersey ja auch nicht so extensiv anpassen muß, kann man seine Größe einfach ausschneiden. Ich habe diesen Schnitt in Gr. 38 genäht und nichts geändert.

Wenn ich den Schnitt nochmal nähe, werde ich vermutlich das untere Vorderteil am Saum grade schneiden,  damit beim Aufklappen des oberen Vorderteiles keine unliebsamen Einblicke entstehen. Auch würde ich den Schlitz im Nacken weglassen und den rückwärtigen Halsausschnitt mit einem Bündchen versäubern. Aber diesen seitlichen halbkreisförmigen Einsatz finde ich sehr gelungen , den würde ich gerne noch mal nähen. Vielleicht aus einem Streifenstoff, dann würden die Falten und der Einsatz vielleicht noch mehr Witz bekommen.

Aber bevor ich jetzt neue Nähpläne schmiede, schaue ich doch lieber erst mal, was die anderen Teilnehmerinnen desMemademittwoch heute zeigen! Sicher haben alle das herrliche Herbstwetter am langen Wochenende für tolle Blog-Photos genutzt!

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schwierige Entscheidung

Als der Wintermantel-Sewalong auf dem MMM angekündigt wurde , habe ich mich sehr gefreut. Natürlich wollte ich daran teilnehmen. Die Sewalongs waren ja das , was mich dazu getrieben  hat , einen Blog anzulegen, und nun sollte also mein erster Sewalong als aktive Bloggerin starten. Und einen Wintermantel brauche ich wirklich. Letzten Winter habe ich sehr viel Funktionsjacken getragen (praktisch, fahrradtauglich, gekauft), gelentlich auch ältere Winterjacken (gekauft, nicht ganz so praktisch und fahrradtauglich) und natürlich auch meinen vor 2 Jahren genähten Wintermantel. Dies war ein kurzer Mantel mit Schalkragen nach einem Schnitt der Firma Zwischenmass. Eigentlich ein sehr schöner Schnitt, mittlerweile glaube ich gar nicht mehr erhältlich, völlig korrekt mit extra Schnittmuster für das Futter. Leider war die Anleitung absolut rudimentär, um nicht zu sagen fast gar nicht vorhanden. Irgendwie habe ich das Teil zusammengetackert, mit viel mehr Glück als Nähverstand. Der Mantel ist sogar sehr schick geworden, wird auch immer sehr bewundert. Leider ist er beim Tragen völlig unpraktisch. Er hat einen Schalkragen und einen sehr, sehr großen Ausschnitt, auch der größte Schal kann diesen Ausschnitt nicht verdecken. Richtig wintertauglich oder gar fahrradtauglich ist dieser Mantel nicht.

Also waren die Vorgaben klar: ein Mantel, bis oben zu schließen, etwas hüftlang und eher sportlich vom Charakter.

Auf dieses Muster paßt genau der Mantel Pepernoot von Wafflepatterns. Es gibt wunderschöne Beispiele im Netz, und auch in der MMM-Community ist er oft und gern genäht worden. Wenn ich Probleme mit dem Schnitt hätte, würde ich sicher auf kompetente Hilfe hoffen können.

Aber auch der Mantel Clare von Closet Case Files würde meine Erwartungen erfüllen. Diesen Schnitt fand ich schon total schön, als er erschienen war. Es gibt mittlerweile einen ausführlichen Sewalong bei Closet Case Files. Sicher wäre das Nähen dieses Mantels damit völlig unproblematisch und eine sichere Option.

 Clare Coat Pattern //  Closet Case Files

Allerdings würde ich dann kleinere Änderungen einfügen: mir gefallen bei Clare die Länge und die Pattentaschen der VersionA, würde aber dann den mittigen Verschluß der Version B dazu nehmen. Und ob ich wirklich Druckknöpfe für einen Wintermantel will, das müßte ich mir auch noch überlegen. Oder einfach zwei Paspelknopflöcher im Kragen, und der Rest Druckknöpfe? Da ist noch Gestaltungsspielraum.

Soweit waren meine Gedanken bis gestern, als ich mich etwas ernsthafter an die Vorbereitung dieses Post machte. Ich dachte, ich müßte mich einfach zwischen den beiden Schnittmustern entscheiden , die beide schön sind, also eigentlich eine sichere Bank.

Und was mußte ich sehen? Denidealen Wintermantel!

Auf dem Blog von Waffle patterns zeigt die Designerin ihren neuen Wintermantel. Das ist so ein schöner Schnitt, genau das Modell, zu dem ich bei jedem Kaufmantel immer gegriffen habe… sehr schlicht,  kleiner Reverskragen, verdeckte Knopfleiste- ach, schaut ihn Euch einfach an auf dem Blog von Waffle Patterns. Ich gebe zu, daß er nicht ganz in mein vorgegebenes Raster paßt (er ist nicht ganz bis oben zu schließen, und wirklich sportlich ist er auch nicht…), aber er gefällt mir einfach unglaublich gut.

Der einzige Haken: der Schnitt ist noch nicht erschienen. Er würde “ bald“ erscheinen, was heißt das denn bei Waffle Pattern? Eine Woche, einen Monat, oder erst im nächsten Frühjahr?

Vielleicht sollte ich erstmal einen der beiden ersten Schnitte nähen, und dann vielleicht im Frühjahr den neuen Schnitt? Oder gleich zwei Wintermäntel planen?

Ich bin unentschieden,und schaue mir lieber erst mal die Pläne der anderenSewalong-Teilnehmerinnen an!

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Colette Rue

Ich zeige heute einen neuen Schnitt von Colette, das Kleid Rue. Die Präsentation von neuen Schnitten verläuft bei Colette ja immer absolut professionell.. Schon viele Tage vorher werden im Blog und auf  Instagram erste Einblicke auf das neue Modell gestreut, natürlich immer nur häppchenweise, so daß die Neugier steigt. Dieser neue Schnitt wurde auch als die „Rückkehr zu Vintage-Modellen “ eingeführt. Wenn der Schnitt dann erscheint, gibt es gleich ein stimmungsvolles Video, das die Modelle  vorführt…hier müssen etliche sehr gute Profis am Werk sein. Egal wie, Werbung ist erlaubt, und ich fand diesen neuen Schnitt gleich sehr schön und interessant, so daß ich ihn fast unmittelbar genäht habe.

Rue ist also ein Kleid im Vintage-Stil. Vintage ist in diesem Fall wohl die Form des Oberteiles mit den geschwungenen Nähte. 50-er Jahre? Oder 40-er Jahre? Das mögen die Vintage-Spezialistinnen entscheiden!

Die Nähte im Vorderteil sollen  mit Paspeln betont werden. Das mittlere Vorderteil hat seitlich je zwei kleine Falten. Es gibt zwei Rockvarianten, von denen ich die schmale Form gewählt habe , die im Vorderteil zwei leicht eingekrauste Partien hat. Es gibt aber auch einen weiten Rock mit Falten. Im Schnitt sind zwei Ärmellängen enthalten, kurz und etwas 3/4 lang. Das Kleid ist gefütter und wird hinten mit einem nahtverdeckten Reißverschluß geschlossen.

Bei der Stoffauswahl wird ein mittelfester Stoff empfohlen, unter anderem werden auch Patchworkstoffe als geeignet angesehen. Nun gibt es ja so wunderschöne Patchworkstoffe, die ich als Nicht-Patchworkerin bisher nur andächtig bestaunt habe. Aber jetzt hatte ich also die Legitimierung, einen Stoff aus der Art Gallery Serie Athena „LaureateDeep“ zu bestellen. Den habe ich schon eine Weile angeschmachtet, und der sollte jetzt bei mir zum Kleid Rue werden. Passendes Futter und sogar eine Paspel hatte der lokale Stoffdealer, und so konnte ich gleich loslegen.

Den Schnitt hatte ich als pdf bestellt und wie immer plotten lassen. Bei diesem Schnitt ist das schon viel Papier, das ich dann geschickt bekam, nämlich 5 DinA0 Bögen. Natürlich beanspruchen die beiden Rockformen viel Fläche, aber musste man wirklich  für jedes Futterteil einen extra Schnitt ausdrucken? Die Futterteile unterscheiden sich von den eigentlichen Schnittteilen nur durch eine etwas geringere Nahtzugabe ringsum, so wie ich es ausgemessen habe. Im Colette-Sewalong, der ja mittlerweile auch begonnen hat, wird sogar nur von einer geringeren Nahtzugabe am Halsausschnitt gesprochen. -Also, diese Schnittteile kann man sich sparen abzupausen.

Ich hatte versucht, den Schnitt mit meinem Grundschnitt abzugleichen, bin dabei aber nicht sehr weitgekommen. Ich hatte schon verstanden, daß der Abnäher im Vorderteil in der seitlichen Passe versteckt ist. Aber die Fältchen im Oberteil, sollten die über dem Brustpunkt liegen, oder ganz woanders? Nach den ersten Kommentaren auf Instagram war mir zumindest klar, daß die Paspelnaht im Oberteil eben nicht wie eine Prinzessnaht genau über den Brustpunkt laufen soll, sondern etwas darunter.

Der Armausschnitt erschien mir zu hoch, den habe ich etwa 2cm nach unten gelegt und damit auch die Zwischnnaht nach unten geschoben.So verläuft sie bei mir knapp unterhalb des Brustpunktes , könnte aber noch weiter nach unten gesetzt werden.

Die Falten im mittleren Teil sind zwar ein schönes Detail, fielen aber bei mir in dem doch etwas steifen Stoff irgenwie eigenartig. Da auch der Ausschnitt vorne etwas abstand, habe ich am Ausschnitt kurzerhand zwei kleine offene Abnäher eingefügt, die in der Richtung der Falten liegen. Mir ist das nicht ganz symmetrisch gelungen, aber mit dem Ergebnis bin ich zumindest zufriedener als mit dem klaffenden Ausschnitt.

Das Nähen war ansonsten völlig unproblematisch. Wie immer bei Colette, ist die Beschreibung gut und ausführlich. Ich habe neue Techniken gelernt: eine Paspel hatte ich bisher noch nicht eingenäht. Dabei ist das gar nicht so schwierig, zumal ich den Ratschlag von Fröbelina gelesen hatte und dafür den Fuß für nahtverdeckte Reißverschlüsse verwendet hatte. Ich hatte erst Bedenken, ob das geht, da ja die Paspel doch dicker ist als die Raupe des Reißverschlusses, aber das Füßchen lief problemlos auf der Paspel.

zum Glück hatte ich kompetente Hilfe beim Nähen

Das Kleid ist komplett gefüttert. Viel mehr Arbeit ist das eigentlich nicht, man näht einfach den Schnitt nochmal aus Futterstoff und spart sich dadurch das Versäubern der Nähte. So steht es jedenfalls in der Anleitung- ob das wirklich korrekt ist? Überstehen denn die unversäuberten Nähte die Waschmaschine? man wird sehen!

Die Ärmel sind mit dem Oberstoff gedoppelt. Lustig ist das Verstürzen des Futters vom Oberteil mit den Ärmeln. Das geht wirklich mit der Nähmaschine, wenn man beherzt zwischen Futter und Oberstoff greift, sich die entsprechenden Nahzugaben schnappt und in zwei Etappen jeweils von der Achsel zur Schulter näht.

Und so ein gefüttertes Kleid fühlt sich beim Anziehen schon toll an!

Am Rückenausschnitt blitzt das weiße Futter immer leicht hervor, stört mich nicht wirklich, da ich mich selten von hinten sehe. Ich glaube , das liegt daran, daß der hintere Halsausschnitt auch nicht ganz optimal anliegt.

Im Herst braucht man für ein kurzärmliges Kleid natürlich auch ein passendes Jäckchen, und ich habe mich sehr gefreut, daß mein Wickeljäckchen farblich gut dazu passt:

Insgesamt bin ich mit dem Schnitt recht zufrieden. Ich habe beim Nähen viel gelernt, und das ist ja auch schon etwas wert. Ob ich das Kleid oft und gerne tragen werden, weiß ich noch nicht. Es ist schon sehr Vintage-mäßig und entspricht nicht so meinem sonstigen Kleidungsstil. Aber wer weiß, ein Stil kann sich ändern, und vielleicht wird dieses Kleid ein Auftakt zu weiteren Vintage-Kleidern?

Jetzt freue ich mich erstmal auf die Parade der anderen gut gekleideten Frauen am memademittwoch,

die von Dodo in einem traumhaften Blumenrock angeführt wird.

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Bluse à la Hawthorn

Der SchnittHawthorn von Colette ist ein absoluter Klassiker in der Nähszene. 2013  erschienen, ist er auf unzähligen Blogs und Internetbildern zu sehen. Der Schnitt scheint auch jeder Frau hervorragend zu stehen, egal welchen Alters oder Figur. Hawthorn ist ein Hemblusenkleid, mit einem eng anliegenden Oberteil und einem weiten Rock. Der Kragen sitzt auf einem weiten v-förmigen Ausschnitt und  ist flach anliegend, eben ein typischer Colette-Kragen.

Ich hatte Hawthorn bisher zweimal genäht, einmal als Kleid und einmal als Bluse, dann mit einem „Peblum“ (deutsche Bezeichung: Schößchen??? ) anstatt Rock. Mit beiden Fassungen war ich nicht zufrieden. Ich hatte zwar vorher ordentlich ein Nesselmodell genäht und angepaßt, aber irgendwie waren meine Änderungen doch nicht richtig…beide Kleidungsstücke sind zwar tragbar, aber so richtig glücklich war ich nicht damit.

Aber nun hatte ich ja einen selbst konstruierten Oberkörper-Grundschnitt, über dessen Entstehung ich hierberichtet habe. Den habe ich genutzt, um eine besser passende Version von Hawthorne hinzubekommen.

In diesem Fall bin ich so vorgegangen, daß ich meinen Grundschnitt genommen habe und ihn mit den Designelementen von Hawthorn versehen habe. Ich habe also die Knopfleiste an die vordere Mitte angefügt, den Ausschnitt entsprechend übernommen und dann den Kragen gezeichnet. Dazu habe ich einfach die Ausschnittlinie abgepaust und daran den Kragen gezeichnet. Keine Ahnung, ob das so korrekt war, aber der Originalkragen schien mir auch so konstruiert. Das Peblum habe ich einfach an die Taillenweite angepaßt.

Genäht habe ich die Bluse aus einem Baumwollbatist von Atelier Brunette, der die schöne Bezeichnung „Bye Bye Birdie“ trägt, also absolut passend für so ein Spätsommer-Blüschen. Ich hatte diesen Stoff seit letztem Herbst in meine Vorrat, ihn immer wieder mal gestreichelt, betrachtet und dekorativ auf dem Regal drapiert…das hat er leider gar nicht gut überstanden, denn er hat deutliche Spuren, wo ihn die Sonne ausgeblichen hat. An der fertigen Bluse sieht man es zum Glück kaum, und ich denke auch, einige Wasch- und Trockenvorgänge werden diese Farbdifferenzen wieder ausgleichen.

Beim Nähen habe ich mich an die Anleitung von Colette gehalten, die wie immer gut und genau ist. Für den, der dann immer noch Fragen hat, gibt es einen Sewalong auf dem Colette-Blog.

Insgesamt bin ich mit der Paßform recht zufrieden. Die Taille könnte nach meinem Gefühl noch etwas höher sitzen, so ist es jedenfalls beim Originalschnitt.

Das Vorderteil enthält auch im Originalschnitt nur einen Abnäher, und so habe ich hier den Brustabnäher in den Taillenabnäher gedreht. Leider hatte ich beim Nähen vergessen, daß der Abnäher nur bis ca 2 cm unterhalb des Brustpunktes genäht werden soll, ich glaube, die Position an sich ist richtig.

das Ausbügeln von Abnähern gehört noch nicht wirklich zu meinen größten Fertigkeiten…

Beim Annähen der Knöpfe habe ich zum erstenmal die Knopfannähfunktion meiner Nähmaschine getestet. Bisher hatte ich das ja als völlig überflüssigen Schnickschnack abgetan, nach dem Motto, Knöpfe annähen kann man doch wirklich mit der Hand, was soll die Technik da schon ausrichten…aber es ging wirklich schneller, und wurde auch viel gleichmäßiger als meine Handnähaktionen. Überraschend, daß der Abstand der Knopflöcher zu den vielen Dingen gehört, für die es offensichtlich irgendeine Norm gibt!

Mit dem Sitz der Ärmel bin ich erst mal zufrieden. Im Original sind sie etwas kürzer, paßt vielleich auch besser zum Design. Aber als ich das festgestellt hatte, hatte ich schon diese zierliche Manschette an den Ärmelsaum gebastelt und natürlich überhaupt keine Lust, das wieder zu ändern. Mittlerweile habe ich mich an die Ärmellänge gewöhnt.

Der Ärmel sitzt bequem, ich kann mich darin gut bewegen, einzig die Bewegung nach vorne oben ist etwas eingeschränkt, dann rutscht die ganze Bluse nach oben. Nun wird jeder normale Mensch sagen, daß frau doch selten die Arme nach vorne oben bewegt…leider ist mein zweites großes Hobby neben dem Nähen das Bratschespielen, und da bewege ich nun leider immer beide Arme nach vorne oben. Zum Bratsche spielen ist diese Bluse also nur bedingt geeignet. Ich werde noch etwas an der Ärmelpassform arbeiten und probieren, aber wahrscheinlich gibt es hierfür auch keine Lösung für wenig elastische Webstoffe. Nicht ohne Grund treten Profi-Geigerinnen (oder Bratschistinnen) in Konzerten üblicherweise in einem schulter- und ärmelfreien Outfit auf….

Insgesamt bin ich mit dieser Bluse aber sehr glücklich. Ich finde es immer schön,wenn ich einen Schnitt verstanden habe und vielleicht das umsetzen kann, was die Schnitt-Designerin beabsichtigt hat. Mit dieser Version bin ich damit einen Schritt weiter gekommen, wie ich denke.

Ich freue mich sehr, daß ich mit diesem Beitrag wieder amMemadeMittwoch teilnehmen kann!Monika führt uns heute ein wunderschönes Sommerkleid vor- und verabschiedet sich damit leider vom Team des MMM. Aber ich kann sie verstehen, wir haben doch alle nur begrenzt Zeit, und wenn das ganze dann so zur Belastung wird, wie sie es beschreibt, war es sicher die richtige Entscheidung. Ich freue mich jedenfalls sehr, ihren Blog weiterhin zu lesen.