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Weihnachtskleid- Sewalong 2020- Teil 1

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Weihnachten- das war doch dieses Event, das früher mal Ende Dezember gefeiert wurde? Lassen Sie mich überlegen, genau, ich erinnere mich, 2019 war das letzte Mal.

Oh, jetzt erinnere ich mich genau. Das war ein Event, geradezu furchtbar aus unserer heutigen Sicht. Es kam zu einer Massenbewegung der Menschen, alle fuhren irgendwo hin, meistens in den Ort ihrer Herkunft oder sogar ihrer Geburt (da gibt es glaube ich eine Quelle, die ca. 2000 Jahre alt ist ). Also, man reiste, oft in öffentlichen Verkehrsmitteln, sogar in Flugzeugen. Schutzmaßnahmen wie Lüftungsanlagen, Trennwände waren unbekannt, nicht mal Mundnasenmasken wurden in der Öffentlichkeit getragen, stellen Sie sich das mal vor! Und an Weihnachten trafen sich dann diese durchmischten Menschen in schlecht gelüfteten Kneipen, wo sie stundenlang mit ihre alten Schulfreunden erzählten, oder in genauso schlecht gelüfteten Wohnzimmern zum Feiern mit ihren Verwandten. Nein, die Fenster wurden nicht alle 20m min geöffnet, das hätte ja den herrlichen Duft des Weihnachtsessens oder der Plätzchen vernichtet. Und dann ging man in die Kirche, wo man dicht an dicht gedrängt saß, und – es wurde gesungen! Stellen Sie sich das mal vor, Gesang, eine vollbesetzte Kirche wie die Gedächtniskirche in Speyer, und alle singen! An die Aerosolbildung darf ich gar nicht denken…

Also, ich bin schon froh, daß das jetzt alles besser ist. Man ist ja schließlich aufgeklärt und virologisch und epidemiologisch podcastmäßig fortgebildet. Kontakt ist schlecht, das haben wir gelernt, Umarmen, die Köpfe zusammenstecken und natürlich Singen- Todsünden in der heutigen Zeit. Aber dennoch- gibt es da nicht noch ein Relikt aus früheren Zeiten? Genau, da war eine kleine Gruppe von unverdrossenen Näherinnen, die schon früher einen Weihnachtskleid-Sewalong veranstaltet hatten. Und diese Gruppe trotzt auch in diesem Jahr allen Unbillen, ob es nun Virusschreckensmeldungen, Quarantänebestimmungen oder andere unerfreuliche Dinge sind.

Immer nach dem Motto: egal, was passiert, wir nähen uns ein Weihnachtskleid!

Ich bin schon sehr froh, daß diese Tradition auch in diesem eigenartigen Jahr nicht aufgegeben wurde. Auch wenn wir sicher alle nicht so recht wissen, wie und mit wem wir Weihnachten feiern, lohnt es sich mit Sicherheit, gut angezogen zu sein.

Ich gebe zu, daß ich an Weihnachten resp. ein Weihnachtskleid bis vor einigen Tagen nicht ernsthaft gedacht habe. Zu sehr ist mein Alltag von der aktuellen Problematik überschattet. Aber ein bestimmtes Kleid plane ich schon seit einigen Wochen, und hatte auch immer schon mal gedacht, daß das ja mein Weihnachtskleid werden könnte.

Ich hatte im Herbst die Gilbert- Bluse von Helens Closet genäht und war begeistert von der schönen Kragenlösung und vor allem der sauberen Innenverabeitung. Nachdem die Bluse fertig war, kam mir der Gedanke, aus diesem Blusenschnitt ein Kleid zu machen. In den einschlägigen sozialen Medien wurden auch andere Versionen eines Gilbert-Kleides gezeigt, indem der Schnitt einfach verlängert wurde, das wollte ich natürlich nicht. Mir schwebte eine Version mit einem Taillenband vor, die zusätzliche Weite des Oberteiles würde ich in Falten oder Abnähern aufnehmen. Der Rock sollte leicht eingekraust oder auch in Falten gelegt werden. Einen Stoff dafür hatte ich auch schon, nämlich einen wunderbaren blaugelben Karostoff, den ich hier bezogen hatte. Ich hatte mir über dieses Kleid und den Pattern-Hack immer wieder Gedanken gemacht, und war mit dem Endergebnis und der Planung eingentlich ganz zufrieden, bis…

…ja, bis die neue Fibre Mood in meinem Briefkasten letzte Woche lag. Ich habe die Fibre Mood ja abonniert und komme dadurch einige Tage vor dem eigentlichen Erscheinen in den Genuß der Zeitschrift. Und diesmal war es wirklich ein Genuß, weil in dem Heft so viele schöne Modelle sind, die ich sofort nachnähen könnte. Und nein, ich bekomme kein Geld von der Fibre Mood und bin nicht mal in irgendeinem Probenähtool dafür. Ich finde dieses Heft einfach sehr gelungen, das davor übrigens nicht ganz so.

Dieses Kleid Feliz hatte es mir sofort angetan. Liebe auf den ersten Blick, kann man nichts machen, das werde ich nähen. Auf den zweiten Blick habe ich schon festgestellt, daß der Originalschnitt vielleicht etwas formlos in der Taille ist, aber da könnte ein Taillenabnäher leicht Abhilfe schaffen, das schaue ich mir auf den Schnittteilen genauer an.

Und bei der Stoffwahl habe ich mich- völlig phantasielos, gebe ich zu- der Stoffwahl im Magazin angeschlossen, denn da wird dieses Kleid noch in einer zweiten Version aus einer gemusterten Viskose gezeigt.

Dieses Kleid aus diesem Stoff wird also mein nächstes Nähprojekt, und das werde ich dann an Weihnachten tragen. Egal wie sich Weihnachten gestaltet- ich bin jedenfalls gut angezogen.

Den Stoff habe ich direkt in Frankreich bestellt. Es ist eine Viskose des französischen Labels Cousette, das ich auch schon im letzten Jahr kennen und lieben gelernt habe. Eine kleine Stoff-Firma, die ihr eigenes Design auf Viskose drucken läßt, in ausgesprochen schönen Farben und meistens kleingeblümten (oder -geblätterten) Mustern. Ich hatte im Sommer ein Top aus einem Cousette-Stoff genäht und sehr gerne getragen.

Apropos gerne getragen: was ist eigentlich aus meiner letztjährigen Weihnachtsgarderobe geworden? Ich hatte ja verschiedene Teile genäht und mich bemüht, sie alltagstauglich zu gestalten.

Die Jacke Frida wurde erwartungsgemäß ein Erfolg, ich trage sie gerne und finde sie immer noch super gelungen. Einzige Einschränkung ist ihre Temperaturtauglichkeit: für wirklich kalte Temperaturen ist sie einfach zu kurz und wärmt nicht genug.

Das Kleid, selbstkonstruiert nach dem GustaSchnitt der FibreMood, gefällt mir prinzipiell immer noch gut. Getragen wurde es selten. Die Paßform im Schulterbereich ist mir nicht ganz gelungen, und der Abschluß der dreiviertellangen Ärmel mit dem Viskosestreifen ist im täglichen Leben völlig unpraktisch. Der Ärmel rutscht immer wieder hoch und muß runtergezuppelt werden- kein Potential für ein Lieblingskleid. Ich habe mir jetzt überlegt, die Ärmel ganz raus zu trennen und das ganze dann als Trägerkleid über Shirts zu tragen.

Und Georgie- das ist wieder mal ein Beispiel, wie man Stoff, Farbe und Schnitt nicht kombinieren sollte. Der Stoff, ein Tenceljersey, ist dünn, zu dünn für ein Winterkleid. Die Farbe des Stoffes ist eindeutig winterlich, zu winterlich für ein Sommerkleid, der Schnitt eher sommerlich, dafür ist die Länge aber nicht geeignet- kurz: dieses Kleid habe ich nicht mehr getragen. Eigentlich schade, denn auf den Bildern sieht es sehr schön aus. Vielleicht sollte ich es doch mal wieder anziehen.

Alle anderen Planungen des Weihnachtskleides 2020 finden sich auf dem Memademittwochblog!

21 Kommentare

  1. Was für eine Einleitung zum Thema, ein Jahr schon fast … zu einer Zeit als ich auf meinem jährlichen Paristagestrip (ich habe ja durch meinen Mann diese Bahnsondertickets einmal im Jahr und von Frankfurt sind es weniger als 4 Stunden mit dem ICE) in einen Laden namens Cousette gespäht habe, der leider an jenem Samstag Vormittag noch geschlossen war, ich vermute, dass er mit dem Stoff zusammen hängt. Dein Schnitt gefällt mir, er passt zu dir, dennoch interessanter wäre für mich die Variation der Bluse. Vielleicht später mal. Das mit den Kleidern vom letzten Jahr, wie elendig, ja, es ist immer eine Erfahrung Schnitt, Stoff, Farbe, Muster zu kombinieren, mal gelingt es perfekt, oft sogar unerwartet, mal misslingt es. Liebe Grüße von Anja, die jetzt gleich mit dem Hund zu den Dietesheimer Steinbrüchen fährt! Sonne!

    • Barbara sagt am 18. November 2020

      Liebe Anja, Cousette hat wohl auch ein Ladengeschäft, ein Atelier, die Adresse ist in Belleme- ist das in Paris? Aber vielleicht gibt es da auch Dependancen. Es ist jedenfalls ein hübsches Stoff-Label, und ich hoffe doch sehr, daß es die derzeitigen Krisen übersteht. – Der Gilbert-Blusen-Hack ist durchaus nicht vergessen, das mache ich noch irgendwann.
      Liebe Grüße und Danke,
      Barbara
      Wir müssen uns mal irgendwann in den Dietesheimer Steinbrüchen Treffen, das ist ja nicht weit von mir!

      • Es war dieser laden https://brindecousette.com/ und er hat wohl doch nicht mit dem Stoff zu tun, mein Französisch ist leider so dürftig, aber nach Betrachtung des Logos hat cousette wahrscheinlich was mit coudre – nähen zu tun. Ja, ich weiß, das du um die Ecke wohnst, gerne, aber ich fahre auch sehr gerne Richtung Spessart…LG Anja

  2. Ein schöner SToff, das wird sicher ein wundervolles Kleid. Aus dem letzten Jahr gefällt mir das grüne Kleid besonders gut. Vielleicht wäre ein Unterkleid hilfreich um es besser in den Alltag zu intergrieren, die Farbe ist der Hammer und der Schnitt steht Dir ganz wunderbar. Lg Kuestensocke

    • Barbara sagt am 18. November 2020

      Liebe Küstensocke, vielen Dank! Ich mag den Stoff des Grünen ja auch noch sehr gerne und finde auch, daß mir die Farbe steht. Unterkleid trage ich meistens drunter, aber da das Kleid so kurz ist, rutscht das dann hoch , vor allem beim Sitzen, und das Unterkleid ist sichtbar, das nervt total. Ich hatte schon überlegt, den Rock abzuschneiden und eine Tunika draus zu machen, mit kurzem Schößchen, über eine schmale Hose. Allerdings habe ich keine passende Hose, die müßte dann auch erst genäht werden…
      LG Barbara

    • Tolle Einleitung! Ich trage auch dünne Kleider im Winter einfach mit Unterkleid. Das hilft wirklich sehr. Denn um das grüne Kleid ist es sehr schade…
      LG Carola

      • Barbara sagt am 21. November 2020

        Liebe Carola, danke! Der Tipp mit den Unterkleidern ist wirklich gut. Ich glaube, ich nähe mir noch ein kurzes Unterkleide für dieses Kleid…
        Liebe Grüße, Barbara

  3. Das hast du so schön geschrieben, Barbara, dieses Bild einer fast schon fernen anderen Zeit! – Ich kann dich nicht davon abhalten, einen eher simplen Schnitt zu nähen, wenn das nun gerade Mode ist. Wenn es schon fertig zu sehen ist, verblasst natürlich die eigene Vision. Ich bin sicher, du hättest schon die Fähigkeit, sie auch umzusetzen. So oder so, aus dem hübschen Stoff wird sicher ein schönes Kleid! Viel Spaß! Regina

    • Barbara sagt am 18. November 2020

      Liebe Regina, mir ist dieser Konflikt durchaus bewußt. Ich habe viele, viele Ideen für selbstkonstruierte Kleider und glaube auch, daß ich manches davon umsetzen könnte. Andererseits ist die Welt der bunten Nähmagazine einfach verlockend, vor allem wenn sie so professionell aufgemacht sind wie die FibreMood. Und das eine tun heißt ja nicht unbedingt das andere lassen. Die Schnitte der Fibremood sind oft simpel von der Konstruktion her, aber irgendwie habe sie doch einen sehr modernen Touch, vielleicht nur durch Kleinigkeiten. Das finde ich auch interessant!
      Und das andere Kleid wird sicher irgendwann genäht!
      LG und Dank,
      Barbara

  4. Ich habe mir jetzt für zu dünne Kleider einen Schurwollunterrock bestellt. Was auch geht ist ein langer, dicker Cardigan über einem eher dünneren Kleid, zumindest im Herbst trage ich das häufig, bei Minustemperaturen zugegebener Maßen nicht mehr. Das Kleid ist wirklich zu schade zum verstauben.
    Freue mich schon auf die weitere Projektbeschreibung deines Weihnachtskleides.
    Liebe Grüße Tina

    • Barbara sagt am 21. November 2020

      Oh, Schurwollunterrock ist eine gute Idee, das könnte die Lösung sein! Mit so langen dicken Cardigans habe ich meine Probleme, da schwitze ich dann leicht.
      Liebe Grüße und Dank,
      Barbara

  5. Hallo Barbara,
    was für ein toll geschriebener Blogpost. Ja, wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass sich „alles“ innerhalb so kurzer Zeit ändern wird und wir plötzlich alltägliche Begegnungen in Restaurants und Co in einem solchen anderen Licht sehen. Ich freue mich auch sehr, dass es trotz allem dieses Jahr den Weihnachtskleid Sew Along gibt. Wenigstens etwas, dass noch ist wie „früher“ 🙂

    Ich finde beide Ideen für das Weihnachtskleid sehr spannend und hoffe, dass Du das Gilbert-Blusen-Kleid irgendwann nähen wirst. Ich stelle mir das auch super an Dir vor.

    So oder so wünsche ich Dir viel Spaß beim Nähen und eine gute Zeit.

    Lieber Gruß,
    Muriel

    • Barbara sagt am 21. November 2020

      Liebe Muriel,
      Das Gilbertkleid wird sicher genäht, aber vielleicht erst nach Weihnachten.
      Ich wünsche Dir auch eine gute Zeit und Freude mit Deinen Projekten!
      LG Barbara

  6. Liebe Barbara,
    was habe ich gerade geschmunzelt – dieses Jahr ist einfach alles anders. Und wie schön, dass Du solch passenden Stoff und Schnitt für das Weihnachtskleid hast.
    Ich nähe nicht mit, es passt einfach gerade nicht rein, umso schöner, Dich virtuell zu begleiten.
    Liebe Grüße
    Ines

    • Barbara sagt am 22. November 2020

      Liebe Ines, schade, daß Du dieses Jahr nicht dabei bist! Aber du hast recht, manchmal paßt es einfach nicht. Ich freue mich aber umso mehr über Dein Mitlesen!
      Liebe Grüße
      Barbara

  7. Das hast du ganz toll geschrieben – wie immer. Ich will das fibre mood Kleid auch unbeding nähen… wen wunderts… 😉 Also lese ich sehr sehr sehr gerne mit!!! LG Sarah (Die letzte Ausgabe fand ich auch öde… bis auf lexi)

    • Barbara sagt am 22. November 2020

      Liebe Sarah,
      Auf dem FibreMood Kleid steht unbedingt „Sarah“ drauf :-)) Ich berichte Dir gerne über meine Erfahrungen mit dem Schnitt!
      LG Barbara

  8. Wie wäre es , wenn du aus dem wunderschönen grünen Kleid durch Kürzen der Ärmel ein Sommerkleid machst? Dann wäre auch der Kontrast zur schwarzen Strumpfhose nicht so groß. Ich empfinde die Farbe durchaus als sommertauglich.
    Lieben Gruß
    Andrea

    • Barbara sagt am 22. November 2020

      Liebe Andrea, das ist auch eine spannende Idee…aber da das Kleid so kurz ist, ist es für mich ohne Strumpfhose nicht gut tragbar. Ansonsten hast Du natürlich völlig recht, grün ist auch im Sommer eine schöne Farbe.
      LG und Danke
      Barbara

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