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Herren-Shorts nach einem Knip-Schnitt

Ich nähe ja am liebsten für mich. Das hat größtenteils egoistische Gründe: ich trage gern Selbstgenähtes, mag auch gern immer wieder mal was neues- also muß ich ich viel für mich nähen, um diesen beiden Ansprüchen gerecht zu werden. Und das tolle und umfangreiche Angebot, das wir mittlerweile im Bereich der Damenschnittmuster haben, trägt nicht gerade dazu bei, daß meine To-Sew-Liste im Bereich des Selfish-Sewings irgendwann abgearbeitet ist.

Nähen für andere ist auch mit Problemen behaftet. Das Hauptproblem ist, finde ich, daß derjenige, der benäht wird, es gar nicht zu schätzen weiß, was wir ihm da Gutes tun. Vielleicht gefällt es ihm auch nicht, oder es paßt nicht, und dann landen die genähten Sachen im Altkleidersack oder im Müll…oder noch schlimmer, die benähte Person weiß zwar den Wert der Näharbeit zu schätzen, aber das Teil gefällt nicht, und wohin dann damit? Ich hatte ein ähnliches Problem, als mit eine Bekannte (es war wirklich nur eine Bekannte, also keine Freundin oder so) mir mal ein selbstgemaltes Ölgemälde schenkte, Größe 80x 80 cm….ich fand es schön, handwerklich gut gemacht, aber aufhängen wollte ich es zuhause dann doch nicht. Zum Glück fand sich dann an meinem Arbeitsplatz ein Eckchen, in dem das Bild heute noch schön hängt und durchaus für Freude sorgt.

Also, Nähen für Andere ist nicht so meins. Die einzige Ausnahme, die ich mache, ist das Nähen für meinen Mann, denn das mache ich richtig gerne…natürlich nur, wenn ich gerade Zeit dafür habe und nicht grade was für mich nähen muß. Mein Mann liebt die selbstgenähten Klamotten, die ich für ihn mache, er weiß die Arbeit zu schätzen und die Paßform ist auch nicht so schwierig bei ihm, da er mit den üblichen Konfektionsgrößen auch gut zurecht kommt.

Ich zeige heute eine Shorts, die nach einem Schnitt aus der Knip entstanden ist. Der Schnitt war in einer Beilage der holländischen Knip aus dem Jahr 2014, vermutlich war diese Beilage nie in Deutschland erhältlich.

Eigentlich schade, denn es handelt sich um sehr gute Schnitte, wie ich finde: alles Basics, Shirts, Sweatshirts und einfache Hosen. Die Schnitte sind sicher nichts besonderes, aber sie sind so von der Art, daß sie vermutlich den benähten Männern gut gefallen. Unter „gut gefallen“ verstehe ich die Reaktion des Mannes nach der ersten Anprobe des Teiles, der sich zufrieden im Spiegel betrachtet, kurz nachdenkt und dann sagt: sehr schön, dieses Shirt(dieser Pulli, diese Hose) , davon machts Du mir jetzt noch fünf Stück nach dem gleichen Schnitt…

 Diesen Schnitt hatte ich vor einigen Jahren schon mal genäht. Das entstandene Teil damals war weit von meinen heutigen Nähfertigkeiten entfernt. Die Hose war auch zu kurz, und Details wie die Taschen nicht gut im Schnittmuster gelöst. Trotz allem war diese Hose lange ein Lieblingsteil meines Mannes gewesen, was man der Hose auch bald ansah. Ein Ersatz mußte her, und dieses Modell zeige ich  heute.

Ich habe den Originalschnitt etwas abgewandelt, habe die Länge geändert und andere Taschen eingefügt. Hier sind verschiedene andere Schnitte eingeflossen, unter anderem die Herren-Shorts aus dem Buch von Sebastian Hoofs. Über dieses Schnitttmuster berichte ich vielleicht noch mal an anderer Stelle- hier nur soviel, daß dieser Schnitt bei mir nicht zu einer tragbaren Herrenhose führte.

Die Knip-Shorts haben die typischen Stil-Merkmale einer Chino-Hose, also schräge Eingrifftaschen im Vorderteil und Paspeltaschen im Rückteil. Ich habe mich hier auf die bewährten Anleitungen von Closet Case verlassen, die ähnliche Taschen bei der Sasha Trousers zeigen.

Den Schnitt für die Sasha Trosuser habe ich zwar nicht, aber es gibt auf dem Blog von Closet Case ein umfangreiches  Tutorial für diese Taschen. Danach habe ich an meinem Schnitt die Schnitteile für die Taschenspiegel vorne und die Pattentaschen hinten konstruiert.

Alle Taschenbeutel sind mit französischen Nähten genäht. Der Stoff für die Taschenbeutel war ein Rest von meinen Paperwaist-Shorts, so könne wir jetzt im Partnerlook gehen, zumindest was das Taschenfutter angeht…

Die Paspeltaschen hinten sind mir sicher noch nicht perfekt gelungen, es gibt noch etliche Beulen an dne Ecken der Taschen, die sich auch nicht wegbügeln liessen. Aber jedenfalls habe ich jetzt das Prinzip begriffen, wie sowas genäht wird. Diese Art Taschen war lange ein Angstgegner für mich, weil ich auch so viele verschieden Anleitungen dafür hatte und dann irgendwann überhaupt nicht mehr wußte, woran ich mich halten sollte. Aber da ich mit den Closet Case Anleitungen immer gut zurecht kamme, war das dieses Mal auch der beste Weg für mich.

Der Stoff der Hose ist ein  Twill von Lebenskleidung, also ein Stoff in Bioqualität. Ich hatte mir etliche Stoffproben schicken lassen, und dieser Stoff, der auch als Chino-Stoff bezeichnet wird, war eindeutig der schönste. Eine wunderbare Qualität. ganz glatt und etwas glänzend, in einem nicht zu dunklen Marineblau. Ich hoffe sehr, daß Stoff und vor allem die Farbe des Stoffes die Strapazen der nächsten Sommer überstehen, denn auch diese Hose soll hoffentlich die nächsten Jahre überdauern.

Und so macht mir das Nähen auch für andere Spaß, wenn ich dabei ein langlebiges Kleidungsstück schaffen kann, mit desssen Verarbeitung ich  zufrieden bin.

verlinkt : Afterworksewing, Sewlala

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Kleid Felix von Grainline Studio

Dieser Sommer hat es gut, vielleicht auch zu gut mit uns gemeint. Seit Wochen freuen wir uns über ungetrübten Sonnenschein. Regen ist zu einer exotischen Angelegenheit geworden, die in unserer Tagesplanung nicht mehr auftaucht. Auch wenn die Trockenheit für die Natur verheerende Folgen hat, habe ich natürlich die schönen Seiten dieses Sommers genossen. Alle genähten Sommerkleider wurden ausgiebig getragen, Hosen nur in Form von kurzen Shorts angezogen. Als dann die Temperaturen weiter kletterten, fiel mir aber doch eine schmerzhafte Lücke in meiner Garderobe auf: ich hätte so gerne ein dünnes, weitgeschnittenes Kleidchen aus irgendeinem Flatterstoff angezogen. Sonst mag ich ja gerne auch körperbetonte Kleidung und freue mich, wenn die Taille erkennbar ist. Aber bei 37° im Schatten mag ich an der Taille nichts mehr enges haben- ein weites Viscosekleid mußte her.

Ich gebe ja zu, daß ich zunächst versucht habe, so etwas noch zu kaufen. Aber ich habe wieder mal die Erfahrung gemacht, daß wir Selbernäherinnen in den üblichen Kleidergeschäften nicht fündig werden. Ich habe nun mal eine bestimmte Erwartung an Schnitt, Stoff und Qualität, und diese Wünsche werden mit der Kaufkleidung nicht erfüllt.

In dieser Phase entdeckte ich den neuen Schnitt von Grainline Studio, denFelix Dress. Ich wußte sofort, das würde mein fehlendes Sommerkleid werden. Der Schnitt ist aber auch zu schön: im Oberteil so eine Art Fake-Wickelkleid, als besser gesagt mehr Fake als Wickel, da nichts überlappt und die breite Ausschnittblende einfach assymmetrisch festgenäht wird. Raffiniert finde ich die Form, wie der Rock angesetzt wird: die Taillennaht im Vorderteil ist  nach oben gerundet, im Oberteil etwas mehr als im Rockteil. Der Rock wird beim Einsetzen ganz leicht angekraust oder besser gesagt eingehalten, um die Mehrweite zu verteilen.

Quelle: Grainline Studio

Ich habe so eine Schnittform noch nie gesehen und finde es sehr interessant, daß dadurch so ein schöner Faltenfall im Vorderteil erreicht wird. Das Vorderteil ist dadurch etwas kürzer als das Rückteil, also Vokuhila, aber eben nur sehr diskret.

Ein schöner Schnitt braucht einen schönen Stoff, und den fand ich in meinem gutsortierten hauseigenen Stofflager. Felix benötigt einen Stoff mit viel  „Drape“, also einer guten Fließeigenschaft, und das findet man eher bei Viscosestoffen. Ich habe eine buntgemustere Viscose gewählt, bei der sich rosa- und gelbfarbige Blüten auf einem mintfarbigen Untergrund tummeln. Der Stoff wartet schon länger auf seine Bestimmung. Gekauft habe ich ihn bei einem französischen Onlinestoffgeschäft, genaueres weiß ich leider nicht mehr. Wenn ich mich recht erinnere, war er mal für eine Bluse gedacht- wie schön, daß ich ihn dafür nicht genommen habe, denn jetzt wurde er zu meinem idealen Hochsommerkleid!

Das Felixkleid ist gefüttert, die Schnittanleitung auch so geschrieben. Natürlich kann man das Kleid auch ohne Futter nähen, ein schönes Beispiel dafür findet sichhier.

Aber irgendwie ist ja ein gefüttertes Kleid schon ein kompletteres Kleid, und es muß ja kein so ganz dickes Futter sein. Die üblichen Futterstoffe , die aus den bekannten Polydingensfasern bestehen, schieden sowieso aus, da schon der Gedanke an Polyester bei 35°  bei mir zu einem erneuten Schweißausbruch führte. Bei Grainline Pattern wurde ein Viscose-Futter empfohlen, was ich auch für eine gute Idee hielt. Leider gibt es Viskosefutterstoffe nicht an jeder Ecke…zum Glück war ich nach einem sehr nettenTelefongespräch mit einer Stoffhändlerin meines Vertrauens etwas klüger, und zwei Tage später erhielt ich ein Päckchen mit zwei möglichen Futterstoffen. Das Viscosefutter war schön, angenehm anzufassen, aber der andere Stoff war ein Traum: ein ganz zartes Stöffchen, aus Baumwolle und Seide. Die Temperaturen lagen auch an dem Tag, als das Päcken ankam, bei deutlich über 35°, deshalb war schon klar, welchen Stoff ich als Futter wählte, nämlich den zarten Seiden-Baumwollstoff. Ist es verwerflich, einen teuren Stoff als Futter zu nehmen? Ich finde eigentlich nicht-natürlich sieht man ihn normalerweise nicht von außen, aber ich habe ihn ja direkt auf der Haut, und das ist doch eigentlich viel wichtiger. Das Tragegefühl dieses Kleides ist jedenfalls unvergleichlich schön, es ist einfach eine Freude, sich dieses Kleid über zu ziehen.

Felix wird übrigens wirklich einfach übergezogen, das Kleid hat keinen Verschluss. Entsprechen „oversized“ ist auch die Paßform. Ich habe Größe 8 genäht, das paßt mir bei Grainline sonst immer ganz gut.

 Auch wenn die ersten Anproben vielversprechend waren, muß ich im nachhinein sagen, daß mir das Kleid etwas zu groß geraten ist. Vor allem der Ausschnitt ist sehr tief.  In der Freizeit stört mich das nicht, so wie hier auf unserer Fahrradtour durch den Kraichgau. Ich hatte morgens ja noch ein Top unter dem Kleid getragen, nachdem es mittags aber dann so warm wurde, habe ich das ausgezogen und mich in dem luftigen Kleidchen zwar etwas overdressed, aber sonst sehr wohl gefühlt.

Der Armausschnitt ist etwas zu tief. Das ist auch das einzige, was ich an dem Schnitt kritisieren kann. Das Schnittmuster enthält verschiedene Variationen, mit kurzen Flügelärmeln, mit dreiviertellangen Ärmeln und eben ärmellos, und alle Variationen haben den gleichen Armausschnitt. Das kann nicht gut gehen, für die ärmellose Version wäre es besser, den Schulterpunkt etwas nach innen und den Armausschnitt nach oben zu setzen.

Ansonsten ist der Schnitt, wie gewohnt von Grainline, technisch perfekt. Alles paßt gut zusammen, die Beschreibung ist mehr als ausführlich und sicher auch anfängertauglich. Schwierig fand ich eigentlich nur die Technik, die Mehrweite am Rock einzuhalten und eben nicht einzukräuseln. Irgendwie habe ich es hinbekommen, aber ich würde bei der nächsten Fassung lieber ein oder zwei Kräuselfäden einziehen, das ist keine große Mühe und würde zumindest mir das Nähen sehr erleichtern.

 Die Bilder sind an einem schönen sonnigen Tag auf einer Fahrradtour durch den Kraichgau entstanden. Morgens war es recht frisch, deshalb hatte ich noch ein Top unter das Kleid gezogen. Und das wird wahrscheinlich auch die Variante sein, in der ich das Kleid am meisten in der Öffentlichkeit tragen werde, um die allzu offenherzigen Einblicke durch Ausschnitt und Ärmellöcher zu verhindern.

Die Bilder entstanden vort dem wilden Apfelbaum, den wir im Frühjahr schon mal fotografiert haben. Damals war er von Blüten und Bienen übersät, ich übrigens im Joni-Dress. Auch wenn die Vegetation ringsum sichtbar ausgetrocknet ist, trägt der Baum überreichlich Früchte. Für mich ist das Werden eines Apfels jedes Jahr von neuem ein Wunder, dieses Jahr aber besonders, wenn ich an die brutale Hitze zwischendurch denke.

Außer Apfelbäumen gibt es im Kraichgau natürlich auch noch viele andere landschaftliche Besonderheiten. Interessant finde ich immer wieder die Hohlwege, tief eingeschnittene alte Wegverbindungen in den lockeren Lössboden. Hier findet man eine ganz eigene Vegetation, vor allem wenn es sich um wenig begangene Wege handelt. So einen hatten wir auf dieser Radtour entdeckt. Die Radtour wurde dann kurzfristig zur Schiebetour, aber die besondere Stimmung im Hohlweg war uns das wert.

Zum Radfahren ist das Felixkleid wunderbar geeignet, vor allem bei Hitze. Ich hatte ja etwas Sorge, ob der zarte Futterstoff irgenwann bei einer unbedachten Bewegung reissen könnte, aber das Kleid ist weit genug, daß das nicht passieren kann. Und auch die Tatsache, daß es am Ende der Radtour einmal komlett durchgeschwitzt war und verknittert von einem kurzen Mittagsschläfchen auf einer Wiese, machten dem Kleid nichts aus.  Deswegen kann ich diesen Schnitt guten Gewissens als einen idealen Sommerschnitt weiter empfehlen!

verlinkt: Sewlala, DufürDichamDonnerstag, AWS.

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Shorts Sunset aus der La Maison Victor

Wie sehr beeinflußt die aktuelle Mode eigentlich uns Selbernäherinnen? Eigentlich müßte sie uns ja gar nicht beeinflussen. Da ich selber nähe, bin ich völlig unabhängig von den gerade aktuellen Modefarben und den angesagten Schnittformen, ich könnte mich ganz auf das konzentrieren, was mir steht und nur das nähen.

Andererseits lebe ich natürlich nicht in einem modefreien Umfeld. Tagtäglich sehe ich andere Frauen, die mehr oder weniger modisch angezogen sind, ich sehe Modestrecken in Zeitschriften und in den Auslagen der Geschäfte. Und so blieb mir nicht verborgen, dass zur Zeit die „paperbag waist“ Hosen einen gewissen Modetrend darstellen, also Hosen, bei denen die Taille eingekraust ist und oberhalb der Kräuselung der Stoff noch etwas übersteht, so daß eben der Eindruck einer Papiertüte entsteht. Darüber wird dann noch ein Stoffgürtel getragen, gern mit Schleife vorm Bauch verschlossen.

Ehrlich gesagt fand ich diese Form der Taillenlösung anfangs ziemlich furchtbar…schon den normalen Gummizug in der Taille bei Hose oder Rocke empfinde ich als Notlösung, und dann das ganze auch noch betonen durch die das dicke Schlüppi vorm Bauch…als die ersten Schnitte dieser Art in den einschlägigen Schnittzeitschriften auftauchten, habe ich sie guten Gewissens ignoriert.

Aber dann kam die neue LaMaisonVictor, und die hatten eben dieses Schnittmuster der Shorts Sunset, was ich heute zeige. Schon im Heft fand ich die gezeigten Shorts toll, und mit meinem genähten Exemplar bin ich auch sehr zufrieden.

Schön finde ich an diesem Schnitt ja vor allem die Taschenlösung. Große Taschen in Hosen sind immer praktisch, in diesem Fall sehen sie auch noch gut aus und verwandeln sich im oberen Teil in Gürtelschlaufen.

Der verwendete Stoff ist ein Chambray, auf der einen Seite jeansblau mit kleinen orangenen Kreisen, die andere Seite einfarbig. Eigentlich ein sehr schöner Stoff, es gibt ihn nicht mehr, sonst hätte ich die Quelle verlinkt. Der Stoff lag schon eine Weile im Stoffstapel, eher nach unten gewandert über die Jahre, denn ich hatte ihn fast schon als Fehlkauf eingestuft. Muster und Farben gefielen mir zwar gut, aber der Stoff war  dünn und steif, hatte einen eigenartig starren Fall. Ich fand ihn bisher für alles ungeeignet, was Kleidung anging. Für diese Hose war er ideal. Auch wenn die LMV schreibt, der Schnitt wäre für alle Stoffe geeignet, glaube ich, daß der Papiertüten-Look besser mit einem etwas steifen Stoff erreicht wird.

Genäht ist die Hose wirklich schnell, da man sich  die zeitaufreibenden Dinge wie Reißverschluss und Bund spart. Ich habe Gr 36 genäht, da der Schnitt schon sehr „overzised“ ist. Die Schrittkurve hatte ich etwas steiler gestellt, wäre wahrscheinlich bei diesem Schnitt gar nicht nötig gewesen. So eine richtige Paßform hat die Hose sowieso nicht.

Die Beschreibung in der LMV ist gut und ausreichend. Es gibt auch noch ein Video über das Nähen des Bundes mit dem Gummizug, aber das braucht man eigentlich nicht.

Zu einer Shorts mit dem schönen Namen Sunset braucht man natürlich ein Top mit ähnlichem tageszeitlichen Bezug, und deswegen habe ich mit das Top „Till Dawn“ aus der Ottobre Woman 2 /2014 dazu genäht…na ja, nicht nur wegen des Namens, das fiel mir ehrlich gesagt erst beim Schreiben dieses Blogposts auf.

Tatsächlich hatte ich dieses Top in der Ottobre bisher völlig übersehen, dabei ist es ein sehr schöner Basic-Schnitt. Ein ärmelloses Top, die Schultern breit genug, um den BH Träger zu verdecken, der Ausschnitt ein ganz sanft geschwungenes V. Der obere Teil ist gedoppelt, gerade bei dem weißen Viscosejersey eine gute Sache, damit nicht gleich alles durchscheint. Die Verarbeitung in Heft klingt etwas umständlich, da die Verarbeitung von Ärmel- und Halsausschnittkanten wie bei Webstoffen durchgeführt wird, also mit Geradstich genäht und untersteppt. Obwohl ich es sonst nicht so mag, wenn Jersey wie Webstoff behandelt wird, habe ich es in diesem Fall einfach mal probiert, mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, denn die Abschlüsse sehen sehr schön glatt aus. Der gedoppelte innere Teil erhält als Abschluss ein Framilonband und sitzt dadurch gut unter der Brust.

Genäht habe ich Gr 36, die Armausschnitte um ca 2 cm nach unten vergrößert und die Länge um einiges gekürzt. Im Heft ist das Shirt in einer Tunika-Länge- auch schön, ich wollte es aber in der normalen Shirtlänge, damit ich es in den Bund von Hosen oder Röcken stecken kann.

Mit diesem sommerlichen Outfit reihe ich mich in die Schar der gutangezogenen Frauen des Memademittwoch ein. 

weitere Verlinkungen: Afterworksewing, Sewlala

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Jenny Overall von Closet Case

Brauche ich eine Latzhose? Das war mein erster Gedanke, als ich den (vor)letzen Schnitt von ClosetCasePatterns betrachtete. Die Designbeispiele waren hübsch, ohne Frage, aber brauche ich sowas?

Die bessere Frage in diesem Fall wäre sogar gewesen: wer braucht eigentlich eine Latzhose?

Latzhosen haben ja schon manche praktischen Vorteile. Sie finden ihren Halt eben nicht durch einen engen Taillenbund, sondern durch Latz und Träger über den Schultern. Vorteilhaft für Menschen, die viel in den Taschen tragen und/oder wenig Taille haben- spontan fallen mir da natürlich schwangere Frauen ein, oder Kleinkinder, die alle Schätze in ihren Taschen mit sich rum tragen. Oder Handwerker- hier trifft ja meistens das Merkmal fehlende Taille (um nicht zu sagen Bauch) mit den vollgeladenen Taschen zusammen…

Ich gehöre zu keiner der vorgenannten Gruppen, also brauche ich sicher keine Latzhose.

Sind Latzhosen modern? In de 70er Jahren waren sie es mit Sicherheit, da vorzugsweise in lila, von emanzipierten Frauen oder solchen, die sich dafür hielten, getragen.

 Heather, die Designerin von ClosetCase, berichtete  auf Instagram, daß sie sich in der Jenny Latzhose absolut in und modisch fühlte. Das mag für junge Frauen in Großstädten gelten- in meinem Umfeld sehe ich eher selten Latzhosen.

Also, ich brauchte keine Latzhose, und fand sie nicht modern, aber trotzdem hat mich dieser Schnitt unglaublich gereizt, sobald ich ihn gesehen hatte. Ich fand ihn einfach schön.

Ich wollte eine Latzhose.

Ich wollte eine grüne Latzhose.

Ich kann diese Farbwahl auch kaum begründen. Sonst trage ich eher blau, aber ich diesem Fall wollte ich grün, und zwar grünes Leinen. Die Assoziation zum Gärtner-Look hat mein Unbewußtes sicher gern in Kauf genommen!

Ich glaube, mir gefiel an diesem Schnitt der gewollte Kontrast zwischen dem maskulinen Arbeiterhosenlook und der sehr weiblichen Umsetzung. Es ist aber auch einfach ein schöner Schnitt.

Ach so, für die, die den Schnitt nicht kennen und auch keine Lust haben, dem  Link zu folgen, hier die kurze Schnittbeschreibung: Jenny ist ein Hosenschnitt, der mit und ohne Latz genäht werden kann. Im Schnitt sind drei verschiedene Hosenlängen enthalten. Die sehr kurze Shorts- Form hatte ich als Probemodell genäht, hier gezeigt,  dieses Modell wird gerade im Dauereinsatz geprüft.

Heute zeige ich die Latzversion mit dreiviertellangen Hosenbeinen.

Der Latz hat eine aufgesetzte Tasche. Ich hätte sie auch weglassen können, denn diese Tasche hat natürlich keine wirkliche Funktion für mich…ich werde hier nicht regelmäßig Zollstock oder Schraubenzieher verstauen, höchstens mal ein Handmaß oder einen Bleistift.

Aber der Rand der Tasche schliesst so schön in der gleichen Senkrechten wie der Beginn des Tascheneingriffes ab- das mußte ich einfach so nähen.

Der verwendete Stoff ist ein belgischer Feinleinen, bezogen habe ich ihnhier. Ein wunderschöner, kostbarer Stoff, ich habe mich deshalb wieder um sehr sorgfältige Arbeit bemüht, um ein nachhaltig wertvolles Stück zu schaffen.

Die Taschenbeutel sind aus einem farblich passender Baumwollstoff. Eine Kennzeichnung mit dem Closetcase Label konnte ich mir auch nicht verkneifen, das sieht so schön professionell aus. Und mein übliches „mariabarbara“-Label ist blau, das paßte jetzt so gar nicht. Wer weiß, in welchem Altkleidersack diese Hose mal irgendwann landet- vielleicht fischt sie jemand mit Kennerblick auf das Etikett heraus?

Aber soweit sind wir ja noch nicht, die nächsten 20 Jahre wird die Hose noch von mir getragen!

Das Nähen war ein reines Vergnügen. Natürlich benötigt so eine Latzhose etwas Zeit, viele Einzelteile, Taschen, Absteppungen, aber sowas macht mir ja unglaublich Spaß. Die Schnittanleitung ist wie immer bei Close Case hervorragend.

Genäht habe ich Größe 8. Ich habe die Länge um ca 7 cm gekürzt, die Schrittkurve angepaßt und in der Taille ca 1 cm erweitert. Die Träger waren etwas zu lang, die habe ich dann auch noch um einige cm gekürzt. Den Latz und die Träger habe ich gedoppelt, das fand ich schöner.

Ich kam mit meinen 2m Stoff, die ich hatte, gerade so hin. Übrig sind nur noch minimale Reste, die ich nicht aufheben werde. So liebe ich das,  wenn auch die Stoffrestekiste nicht durch ein Nähprojekt beschwert wird!

Ich zeige die Latzhose in diesem Beitrag mit zwei verschiedenen Oberteilen. Das weiße Top ist gekauft, aber trotzdem schön und paßt natürlich gut unter die grüne Hose.

Sehr gefreut habe ich mich aber, dass auch mein grüngemustertes Addison-Top (Seamwork) so gut dazu passte. Das war nicht beabsichtigt, umso schöner, wenn sich dann diese Kombinationsmöglichkeiten ergeben!

Das Seamwork Top war übrigens vor fast genau 2 Jahren mein erster Post, den ich beim Memademittwoch verlinkt hatte, mein Blog war noch ganz neu. Vieles ist seither geschehen- mein Kleiderschrank hat sich mittlerweile gefüllt mir vielen selbstgenähten Teilen, ich habe die Bloggerwelt (und die Bloggerwelt mich) kennengelernt, es gab tolle Kontakte, virtuell und reell, zu anderen nähenden Frauen. Ich möchte die Erfahrungen der letzten beiden Jahre nicht missen, freue mich an meinem schönen Hobby und der Welt der Nähbloggerinnen!

Das Seamwork-Top trage ich übrigens wirklich gerne, das ist bei mir jetzt den dritten Somme in der Dauerschleife zwischen Anziehen und Waschmaschine.

Das Thema des heutigen Memademittwoch („Ich packe meinen Koffer“) habe ich wohl nicht ganz getroffen, denn mit Urlaubsgarderobe hat diese Latzhose nicht so viel zu tun. Obwohl ich sie sicherlich mitnehmen werde, aber leider dauert es bei mir noch einige Wochen bis zum Ostsee- Urlaub. Trotzdem verlinke ich mich, und schaue mir gern den Kofferinhalt der anderen versierten Selbernäherinnen an!

verlinkt auch bei Afterworksewing 

                            Sewlala

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Sallie Jumpsuit von ClosetCase

Jumpsuits sind tolle Kleidungsstücke.  Einerseits haben sie die Vorteile eines Kleides: man zeigt ein einheitliches Erscheinungsbild, sieht ausgesprochen komplett angezogen aus und muß nicht extra nach einem Kombipartner suchen. Andererseits hat ein Jumpsuit auch die unbezweifelbaren Vorteile einer Hose: das Kleidungsstück wird alltags – und vor allem fahrradfreundlich, erlaubt beim Gehen große Schritte und gibt auch beim Sitzen keine ungewünschten Einblicke.

Eigentlich überraschend, daß sich der Jumpsuit nicht als das ideale weibliche Kleidungsstück herausgestellt hat. Aber dann doch wieder verständlich, denn einen Nachteil hat so ein Einteiler natürlich: man muß ihn aus naheliegenden Gründen etliche Male  am Tag ausziehen, um der Blase ihre gewohnten Funktionen zu ermöglichen. Die menschliche Physiologie ist nun mal so!

Deshalb ist ein Jumpsuit für mich eindeutig ein Sommer-Kleidungsstück. Die Vorstellung, mich im Winter auf schlecht geheizten Gäste- oder Restauranttoiletten aus dem gesamenten Outfit zu schälen, wird mich mit Sicherheit davon abhalten, einen Winter- Jumpsuit zu nähen.

Aber im Sommer ist es unproblematisch. Allerdings lebt auch die Funktionalität eines Sommerjumpsuits von der Praktikabilität des Verschlusses- furchtbarer Satz, merke ich grade. Also einfacher ausgedrückt: man muß das Ding rasch auf und zu kriegen, wenn man mal aufs Klo muß.

Der Jumpsuit-Schnitt von Closet Case,Sallie, löst das Problem mit Bindebändern. Es gibt zwei Versionen, eine mit tiefem V-Ausschnitt vorne und hinten und einem Bindeband im Nacken, die ich genäht habe. Die andere Version hat Bändel an der Schulter und ist nicht ganz so tief ausgeschnitten.

Im Schnitt enthalten sind Versionen für lange Hosen und Hosen in Culottelänge, außerdem auch eine Version für ein langes Kleid mit neckischem Seitenschlitz.

Die Schulter-Bändel-Version habe ich für mich gleich ausgeschlossen, da ich meine BH Träger nicht so demonstrativ zeigen möchte. Und bei der anderen Version fand ich, wie ich zugeben muß, dieses gebundene Nackenband so wenig attraktiv, daß mich der Schnitt bisher nicht so interessiert hatte.

Außerdem ist Sallie ein Schnitt für Jerseystoffe, und da dachte ich gleich an ausgebeulte Knie und einen ausgebeulten Hintern, wenn man das gute Stück mal ein Weilchen getragen  hatte.

Im Netz begegneten mir dann aber doch viele sehr schöne Beispiele, so wie die von Kleidermanie, die diesen Schnitt sofort für sich adoptiert hatte.

Und dann kam die Ankündigung des Memademittwoch, daß es einen Extratermin für Jumpsuits geben sollte. Da mußte ich doch dabei sein, schließlich sind die Blogparties meiner Lieblingslinkaktion durch den monatlichen Rhythmus rar gesät und jede Gelegenheit muß ergriffen werden.

Ich hatte mir dann viele Jumpsuitschnitte angeschaut, und die Wahl fiel auf Sallie. Zu schön fand ich dann doch die vielen genähten Beispiele, und schließlich ist ClosetCase ja eine meiner Lieblings- Schnittdesignerinnen.

Die Stoffwahl war einfach: ich hatte einen hellblau-weiß gestreiften Jersey der dänischen FirmaStof in meinem Lager (bezogen habe ich ihn hier) , der förmlich danach rief, zu einem Sallie-Jumpsuit zu werden. Die Menge war zu wenig- solche Kleinigkeiten halten mich natürlich nicht auf, wenn es gilt, den idealen  Stoff zum idealen Schnitt zu verwenden. Sallie hat ein gedoppeltes Oberteil, und als Futter fand sich ein weißer Jersey in meinem Lager. Die Beinlänge wollte ich sowieso auf die Culotte-Länge beschränken.

Das Problem mit der Stoffmenge konnte ich also gut bewältigen- aber mir kamen beim Zuschneiden andere Bedenken.  Meine Sallieversion hat kleine angeschnittene Kimonoärmel, vorderes und hinteres Oberteil sind komplett identisch. Für jemanden wie mich, der sich gerne mit Spielereien wie Abnäherverlegung und FBA beschäftigt, schon gewöhnungsbedürftig…

Die Hose erschien mir unförmig. Ich hatte meine übliche Anpassung der Schrittkurve versucht, wußte aber nicht, ob das bei dem dehnbaren Stoff überhaupt Sinn machte.

nein, dies ist kein Fall für die Streifenanpassungspolizei- die Streifen in diesem Stoff sind so ungleichmäßig, daß eine Anpassung nicht möglich ist. Das soll so!

Aber es war dann alles so schön zugeschnitten, und so tackerte ich das ganze dann mal zusammen. Die Ausschnittkante habe ich anleitungsgemäß mit Framilon verstärkt, ohne das Band beim Annähen zu dehnen. Im Nachhinein, nach den ersten Wäschen, denke ich, daß ich es besser leicht gedehnt aufgenäht hätte- der Ausschnitt neigt zum Ausleiern, zumal er auch recht tief ist. In der Taille wird ein Gummiband eingezogen, auch das wird in der Anleitung sehr gut beschrieben.

Und dann die erste Anprobe: ich war begeistert! So ein tolles Teil! Ich kann jetzt die Begeisterung für diesen Schnitt gut nachvollziehen. Der Armausschnitt ist bei mir etwas zu hoch, das führt zu verstärkten Falten zwischen Achsel und Schulter, die aber bei dem Kimonoärmel sowieso da sind. Unbequem ist es nicht und verhindert zumindest unwillkommene Einblicke im Brustbereich.

 Ich  habe den Jumpsuit bei verschiedenen Gelegenheiten getragen,  und er paßt einfach immer. Zuhause ist er bequem, beim Radfahren praktisch und beim Einkaufen sieht er gut aus.

Genial fand ich ihn bei unserem Streichquartetttermin am Sonntag. Ich spiele Bratsche in verschiedenenen mehr oder weniger ambitionierten Kammermusikformationen. Beim Bratschespielen sitze ich, korrekterweise mit halbgespreizten Beinen. Uns wurde mal auf einem renommierten Kurs erklärt, daß die hohen Streicher, also Geigen und Bratschen, so sitzen sollten, daß sie auch jeden Augenblick aufstehen könnten. Danach habe ich mir diese Haltung angewöhnt, also mit fest aufgestellten Füßen und halb gespreizten Beinen. Da hat natürlich ein kurzes Röckchen nichts verloren, schliesslich will man ja den Mitspielern keine unliebsamen Einblicke vermitteln, die sollen sich ja auf ihre Noten konzentrieren.

Aber der Jumpsuit, der war wirklich ideal fürs Quartettspiel. Auch am Bauch engte nichts ein, die Arme konnten sich schön frei bewegen, also ideale Voraussetzungen für unser anspruchsvolles Programm mit späten Beethovenquartetten

Ich erkläre hiermit den Jumpsuit zum idealen Kleidungsstück für Bratschistinnen  und Geigerinnen- vermutlich aber auch für Cellistinnen, denn die haben ja auch immer das Problem mit den gespreizten Beinen beim Spielen. Wenn ich professionell Musik machen würden, könnte ich mir Sallie, aus edlem schwarzen Jersey, auch gut als Konzertkleidung vorstellen.

Aber zurück zum Alltag. Ich bin jetzt sehr gespannt, welche anderen Jumpsuit-Schnitte auf dem Memademittwoch heute gezeigt werden, denn ich plane auch noch andere Versionen. Gerne nähe ich Sallie nochmal, denn der Schnitt hat mich sehr überzeugt. Aber es gibt sicher auch noch viele andere schöne Jumpsuitschnitte!

Verlinkt: Memademittwoch

Wof

Dufürdichamdonnerstag

Sewlala

Afterworksewing

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Jenny- Shorts von Closet Case

Eine kurze Hose fehlte schon im letzten Jahr in meiner Sommergarderobe. Ich wußte genau, wie sie ausssehen sollte: eher tiefe Taille, Hosenbeine länger, wie eine Bermuda, als Sonnenschutz beim Radfahren. Der Stoff sollte unempfindlich sein, am besten Jeans, also was zum Strapazieren für die Freizeit.

Genäht habe ich eine kurze Hose mit eher hochsitzender Taille, mit sehr kurzen Beinen, aus einem Leinenstoff, der schon bei normalen Radtouren sofort knitterte, vom Aussehen nach einem Regenguß ganz zu schweigen…na ja, schließlich kann man ja mal seine Pläne ändern, oder?

Diese Sinneswandlung ist dem neuen Schnitt von  Closet Casezu verdanken. Ich bin ja treue Anhängerin von manchen Indie-Schnittdesignerinnen und stehe auch dazu. Closet Case habe ich so viele schöne Schnitte zu verdanken, daß die wenigen Flops ( man möge mich nicht an das Ebony- Shirt erinnern, das war nicht mal zur Gartenarbeit tauglich…) rasch vergessen wurden.

Also es gab einen neuen Schnitt von Closet Case, Jenny, für eine Latzhose. Ja, bisher wußte ich ja auch nicht, daß ich eine Latzhose brauche, aber der Schnitt gefiel mir so gut, daß ich ihn direkt nach dem Erscheinen bestellte und plotten ließ.

Hosenschnitte sind immer eine Herausforderung, was die Anpassung angeht. Man kann vieles nicht mehr nach dem Zuschnitt ändern, so ist ein Probemodell eine gute Option. In diesem Fall wollte ich auch unbedingt ein Probemodell, da ich aus den Kommentaren und den Instagramm-Posts erfahren hatte, daß dieses Schnittmuster nach einem etwas geänderten Grundschnitt im Vergleich zu den früheren Hosenschnitten von ClosetCase entworfen war.

Und da in dem Schnitt ganz viele andere Versionen auch enthalten sind, unter anderem auch Hosen in verschiedenen Längen, entschied ich mich für eine Shorts als Testmodell.

Ich habe dafür einen Leinenstoff verwendet, der schon lange in meinem Stoffstapel auf seinen verdienten Auftritt wartet.. Ich weiß nicht mehr ganz genau, woher der Stoff stammt, aber es war ein Reststück von knapp einem Meter, den ich nur wegen der schönen Farbe dann doch mitgenommen hatte. Es ist ein Crash-Leinen mit einer sehr schönen Struktur. Ich wollte den Stoff schon lange verarbeiten, aber immer wenn er in der engeren Wahl war, war die Menge dann doch nicht ausreichend.

Für die Jenny-Shorts hat  der Stoff aber dann gereicht!

Das Nähen war eine reine Freude, wie immer bei den ClosetCase Schnitten, da die Anleitung so hervorragend ist. Und wie immer gibt es was zu lernen, in diesem Fall das Einnähen eines verdeckten Reißverschlusses an der Seite. Für diejenigen, denen die Anleitung zu kurz gefaßt ist, gibt es noch ein Blog-Tutorial.

Genäht habe ich Größe 8. Ich hatte am Schnitt die Schrittkurve steiler gestellt, nach Gefühl, und an der hinteren Mitte ca 10-15 mm gekürzt. Die Paßform gefällt mir so recht gut!

Ich habe den Reißverschluss anleitungsgemäß auf der rechten Seite eingesetzt, ist ja auch für einen Rechtshänder durchaus komfortabel. Warum haben eigentlich alle Kaufklamotten ihre Reißverschlüsse auf der linken Seite?

Die Bluse , die ich dazu trage, ist dieBiscayne-Blusevon HeyJune Patterns. Sie paßt nicht nur farblich gut dazu, sondern auch deswegen, weil die Innentaschen der Hose aus dem gleichen Stoff gemacht sind. Leider gibt es so wenig Gelegenheiten, wo man sowohl das Innenfutter der Taschen als auch die dazu passende Bluse zeigen kann…gehört also eher in die Kategorie der geheimen Freuden!

Biscayne wird oft als die ärmellose Cheyenne-Bluse bezeichnet, und so sehe ich sie auch. Ein absolut schöner Schnitt, nicht ganz so bekannt wie dieCheyenne von HeyJune, aber genau so durchdacht und alltagstauglich. Auch bei der Biscayne lernt man übrigens etwas, in dem Fall das Nähen einer halben verdeckten Knopfleiste.

Mein Exemplar gefällt mir im Nachhinein doch nicht so gut, aber das liegt an meiner Stoffwahl. Ich hatte einen Viscosestoff mit einer seitlichen Bordüre verarbeitet, und diese Bordüre als Saumabschluss genommen. Prizipiell ja keine schlechte Idee, aber wenn dann die geschwungenen Säume die Bordüre durchbrechen, kommt weder Saum noch Bordüre zur rechten Geltung. Aber es wird sicher noch eine weitere Biscayne folgen!

Und der Jenny-Overall ist natürlich auch in Planung, diesmal als richtige Latzhose, mit den Culotte- Hosen. Wie schön, daß es jetzt so viele neue Link-Parties gibt, da muß man ja unbedingt neue Dinge nähen!

Ach ja, vielleicht möchte jemand noch wissen, wie unsere Fahrradtour, auf der wir die Bilder gemacht hatten, weiter ging? Es war ja eine schwüle Gewitterstimmung, als wir los fuhren. Der Himmer wurde immer dunkler, und dann kam es , wie es kommen mußte: ein Gewitterschutt, der mich mit meinem schönen Outfit komplett durchnäßte.

 Zum Glück war es ja warm- aber so naß war ich lange nicht gewesen. Soll ich jetzt die Shorts und das Top als wetterfest bezeichnen? Die Bluse war ja dank ihres leichten Viscosestoffes rasch wieder trocken, aber die Jenny-Shorts brauchten dafür bis zum nächsten Morgen…ist also eher keine Funktionskleidung.

So, jetzt geht es ans Verlinken mit den neuen Donnerstags-Aktionen:

Sewlala

DufürDichamDonnerstag

Wof

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Myosotis von Deer and Doe und Gedanken zum Memademay

Ich nähe sehr gerne die Modelle des französischen Labels Deer and Doe. Für mich sind diese Entwürfe sehr klassisch und feminin, ohne dabei langweilig zu sein. Es gibt viele verspielte Elemente, aber keine billige Effekthascherei. Kurz: es sind einfach tragbare Kleidungsstücke,  an denen man lange Freude hat. Deswegen habe ich mich auch auf die diesjährige Frühjahrskollekton von Deer and Doe so wie immer sehr gefreut. Und ich wurde nicht enttäuscht: eine Hose, weit geschnitten, mit interessantem Seitendetail könnte ich mir gut an mir vorstellen. DieJacke ist ein Traum, wobei ich noch nicht den passenden Kombipartner in meiner Gardereobe gefunden habe…und das Kleid Myosotis, das ich heute zeige.

Mit Myosotis und mir, das war Liebe auf den ersten Blick. Ein Hemdblusenkleid, mit einem kleinen Stehkragen, V-Ausschnitt- sobald ich das realisiert hatte, war es völlig um mich geschehen. Und wie es so ist in der ersten Verliebtheit, leidet darunter die Kritikfähigkeit. So übersah ich völlig, daß dieser Schnitt schon sehr oversized gedacht ist…

Aber der Reihe nach. Ich bestellte den Schnitt, ein passender Stoff, eine Leinenviscosegemisch in einer traumhaften Farbe war auch rasch gefunden, bezogen habe ich ihn hier. Die Farbe ist ein weiches Korallenrot, oder eher ein orangenes pink? wie auch immer, diese Farbe ist unglaublich. Und dass meine Hortensie farblich so gut dazu paßt, das war wirklich Zufall!

Das Nähen der Deer and Doe Schnitte ist immer eine reine Freude. Sie sind handwerklich perfekt, die Anleitung ist korrekt und ausreichend. Das Oberteil war rasch genäht und anprobiert. Es gefiel mir gut, der überschnittene Stil war bequem und saß gut.

Den Rock hatte ich ja schon etliche Größen kleiner zugeschnitten. Eigentlich nähe ich bei Deer and Doe Gr 40, das paßt mir gut und so hatte ich auch das Oberteil genäht. Den Rock hatte ich aber in der kleinsten Größe zugeschnitten. Das Schnitteil ist allerdings nur ein Rechteck, das oben eingekraust wird, mit seitlichen Nahttaschen. Die vorgesehene Länge hatte ich  um einiges verlängert. Im Originalentwurf ist das Kleid recht kurz, bis ungefähr Mitte der Oberschenkel. Nun habe ich nichts dagegen meine Beine zu zeigen, z.B. im Bikini oder beim Sport…aber ein Sommerkleid, das ich natürlich ohne Leggins oder Strumpfhose darunter tragen möchte, das habe ich lieber etwas länger. Ich will mich ja auch mal hinsetzen können im Kleid, ohne allzu viel Einblicke zu bieten. Ein Kleid, nur um damit herumzustehen, das brauche ich nicht.

Der Rock wurde an der oberen Kante planmäßig eingekraust, ans Oberteil angehalten und -gesteckt…hmm, war nicht überzeugend. Aber angesteckte Röcke sind nie überzeugend, und so nähte ich dann Rock und Oberteil beherzt zusammen und stellte mich gespannt vor den Spiegel.

Das Ergebnis war von vorne hübsch, von hinten akzeptal und von seitlich den Eindruck erweckend, daß ich ein Zelt mit mir herum trage. Im Nachhinein bereue ich es ja doch, daß ich davon kein Bild gemacht habe, aber das ganze war mir dann zu eindeutig nicht tragbar, als daß ich mir die Mühe eines Fotos machen wollte.

Was war das Problem? Ganz einfach, die Silhouette des Kleides stimmte nicht an mir.

Ich habe durch die Näherei ja doch einiges gelertn, was die Silhoutte meiner Kleidung angeht. Vieles macht man ja automatisch. Wenn ich Klamotten kaufe, gehe ich in die Kabine, ziehe fünf Stücke an, behalte eines. Dann kommt die Verkäuferin, reicht mir in die Kabine drei dazu passende Teile, und wieder kann ich ausprobieren, was mir gefällt. Beim Selbernähen ist dieses Ausprobieren um einiges mühsamer, da jedes neue Teil mit einiger Arbeit verbunden war. Das ist dann doch schade, wenn es wieder verworfen wird. Besser ist, sich vorher zu überlegen, was gut und stimmig aussieht.

Ich trage durchaus gerne Kleidungsschnitte, die etwas oversized sind, es muß nicht immer alles hauteng sitzen. Aber zu einem überschnittenen Oberteil brauche ich dann eine enge Hose, oder eine weite Hose muß für mich mit einem engen Oberteil kombiniert werden. Bei diesem Kleid sind sowohl Oberteil als auch Rock weit geschnitten, das kann für mich nicht gut gehen.

Die Lösung ist eine definierte Taille. Schon bei der Anprobe vorm Spiegel hatte ich das dringende Bedürfnis, die Taille irgendwie zu raffen. Mir fiel dazu ein Gürtel ein, aus dem gleichen Stoff, mit stoffbezogener Schnalle…die Idee finde ich immer noch gut, aber ich habe zunächst die „quick and dirty“ Version gewählt und einen Gummizug in die Taille gebastelt.

Dazu habe ich ganz pragmatisch die mit der Overlock versäuberte Nahtzugabe des Saumes zwischen Oberteil und Rock auf dem Oberteil an der Kante der Nahtzugabe festgesteppt. Der entstandene Tunnel war gerade so ausreichend für ein Gummiband.

Für mich stimmen jetzt die Proportionen, es gibt einen definierten engen Bereich in der Taille und die Länge des Kleides paßt zur Gesamtform. Wieder was gelernt!

So bin ich wieder sehr glücklich mit meinem neuen Kleid und dem Schnitt, die Verliebheit war
gleich wieder hergestellt. Ja, wahre Liebe überdauert eben kleine Fehler des
anderen!

Der Schnitt heißt Myosotis, ein Blumenname wie alle Deeranddoe-Schnitte. Myosotis ist das Vergißmeinnicht, zufällig auch eine meiner Lieblingsblumen, die im Frühjahr in einem ganz zauberhaften Blau blüht.

Über die Blühzeit des Vergißmeinnicht hoffte ich jetzt, einen eleganten Schnörkel zum Mai, zum Memademay , zu schlagen- klappt nicht ganz, da meine Vergißmeinnicht im Mai schon verblüht waren. Also muß es ohne Schnörkel gehen!

Der Memademay ist eine Aktion, die von der englischen Nähbloggering Sozo vor einigen Jahren ins Leben gerufen wurde. Wer daran teilnimmt, „verpflichtet“ sich,, im Mai Selbstgenähtes zu tragen. Natürlich ohne Zwang, jeder kann sich seine Aufgabe für den Mai selbst wählen- jeden Tag mindestens ein selbgenähtes Stück, oder jeden Tag einen Rock, oder ein umgearbeitetes Stück…wenn man sich die Einschreibekommentare bei Sozo auf dem Blog anschaut, ist alles dabei.

Dieses Jahr waren es über 1000 Frauen, die teilgenommen haben!

Ich finde das unglaublich. Über 1000 Frauen, die gerne nähen, die im Alltag selbstgenähtes tragen und dies auch gerne zeigen- so eine schöne Bewegung in einer Welt, in der sonst eher Hektik und Eile, Hass und auch Krieg im Vordergrund stehen.

Ich habe dieses Jahr zum erstenmal teilgenommen. Ich hatte mir keine besondere Aufgabe vorgenommen, wollte nur dabei sein und versuchen, möglichst viele meiner Outfits zu dokumentieren. Das war einfacher als gedacht: dank Stativ und Handy-App für die Kamera war es recht wenig zeitaufwendig, abends noch ein paar Bilder im Garten zu machen. Und so ist ein schöner Nebeneffekt dieser Dokumentation, daß ich auch das Auf- und Verblühen mancher Stauden und Büsche im Garten so dokumetiert habe.

Es war eine schöne Zeit im Mai. So spannend jeden Tag, die Outfits der anderen Näherinnen zu betrachten, oft mit einem Einblick in die fremden Gärten, Wohn – oder auch Schlafzimmer verbunden. Ich habe viele neue Schnitte kennengelernt und ganz viel neue Inspirationen für weitere Nähprojekte. Ich freue mich schon sehr auf den Memademay 2019, da bin ich wieder dabei.

Alle anderen Inspirationen des heutigen Memademittwoch findet man hier!

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Gedanken zum Datenschutz DSGVO- german Angst?

Morgen ist der 25. Mai 2018.

Wenn man der Stimmung mancher Blogs im Internet folgt, ist dieses Datum gleichbedeutend  mit dem Untergang, einer Art digitaler Apokalypse, an dem entweder eine Klagewelle ungeahnten Ausmasses auf Blogger stürzt, Strafzahlung in Millionenhöhe drohen oder der kollektive Untergang des digitalen Abendlandes…

Auch ich als kleine Nähbloggerin bin vor dieser Stimmung nicht ganz gefeit, und so habe ich mal versucht, meine Gedanken dazu zu ordnen und zu Papier zu bringen.

Worum geht es eigentlich? Es geht um die Europäische Datenschutzverordung, genauer gesagt um die Verordnung (EU) 2016/670 des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 27. April 2016 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten.

Ich beziehe mich im folgenden auf einen Text , den ichhier gefunden habe. Gar nicht so einfach , den Originaltext der Verordnung zu finden, denn wenn ich Begriffe wie DSGVO oder Datenschutz bei meinem Freund, dem Herrn Google, eingebe, komme ich auf ganz andere Seiten- auf Seiten von Anwaltskanzleien, die mir genau und gerne auch kostenpflichtig anbieten, was ich jetzt tun soll, auf Seiten von Kommentatoren, die die Originalverordnung genau so wenig wie ich verstehen, oder auch auf journalistische Beiträge, die natürlich mit einem worst-case szenario um Leserschaft buhlen.

Also, nochmal ganz sachlich die Frage: worum geht es eigentlich? Es geht um ein ganz, ganz wichtiges Gut heutzutage, um den Schutz unserer persönlichen Daten im Netz. Diese Daten sind hochsensibel und absolut schutzwürdig, genauso wie der Lebensraum der Bienchen, die  sich trotz Pflanzenschutzmitteln weiter für uns verdient machen sollen, oder des Feldhamsters, der sich mühsam in seinem Überlebenskampf behaupten soll…die Liste der Beispiel liesse sich natürlich endlos fortführen, aber darum geht es in diesem Gesetz, das war der Anlass dafür.

Und nein, es geht nicht darum, kleine Blogger vom Bloggen abzuhalten! Denn in der Verordnung steht doch ganz klar bei den Erwägungsgründen unter Punkt 18: Diese Verordnung gilt nicht für die Verarbeitung von personenbezogenen Daten, die von einer natürlichen Person zur Ausübung ausschließlich persönlicher oder familiärer Tätigkeiten und somit ohne Bezug zu einer beruflichen oder wirtschaftlichen Tätigkeit vorgenommen wird…

Natürlich mögen jetzt Juristen diskutieren, was unter ausschließlich persönlicher Tätigkeit gemeint ist. Wenn ich in meinem Blog jeden Morgen beschreibe, wie ich geschlafen habe, ist das ja wohl persönlich. Wenn ich beschreibe, daß ich jeden Morgen meine Rosen betrachte und den Anblick meines Gartens beschreibe- sicher auch persönlich. Und wenn ich in diesem Blog über das Anfertigen meiner Oberbekleidung (oder auch Unterbekleidung, aber das kann ich noch nicht so gut!) referiere- das ist persönlich!

Natürlich bin ich keine Juristin, ich habe was anderes studiert. Vielleicht irre ich mich auch in dieser Betrachtungsweise? Aber dann darf ich ja ich meinem Blog gar nicht mehr äußern, was ich denke, ohen vorher mit einem Juristen Kontakt aufgenommen zu haben, und das ist dann doch mit dem im Grundgesetz verankertetm Recht auf freie Meinungsäußerung nicht mehr vereinbar!

Gerade wir in Deutschland kennen doch aus unserer düsteren Vergangenheit Zeiten, in denen die Meinungsfreiheit entscheidend eingeschränkt war, und sollten entsprechend sensibel reagieren.

Und da möchte ich dann doch noch mal aus dem o.g. Amtsblatt der Europäischen Union den Paragraphen 4 zitieren:

„Die Verarbeitung personenenbezogener Daten sollte im Dienste der Menschheit stehen. Das Recht auf Schutz der personenbezogenen Daten ist kein uneingeschränktes Recht; es muß im Hinblick auf seine gesellschaftliche Funktion gesehen und unter Wahrung des Verhältnismäßigkeitesprinzipes gegen alle anderen Grundrechte abgewogen werden. Diese Verordnung steht im Einklang mit allen Grundrechten und achtet alle Freiheiten und Grundrechte…insbesondere Achtung des Privat- und Familienlebens, der Wohnung und der Kommunikation….Freiheit der Meinungsäußerung und Informationsfreiheit, unternehmerische Freiheit….Vielfalt der Kulturen..“

Also , dieses Gesetz soll uns helfen, unsere Daten zu schützen vor Molochen wie Facebook und Google, aber es wird uns nicht beim Bloggen behindern, da bin ich mir recht sicher. Vermutlich gibt es bei der Auslegung des Gesetzes einen gewissen Graubereich, der dann erst durch Gesetzesurteile etwas definierter wird, aber das wird seine Zeit dauern.

Mich würde ja doch interessieren, ober die Blogger in anderen Ländern auch so panisch auf dieses Datum morgen reagieren. Ist es vielleicht doch ein Ausdruck der „german Angst“ wenn so viele Nähblogs ab heute nacht auf privat gestellt werden oder ganz vom Netz gehen?

Ich werde weiterbloggen wie bisher. Vielleicht werde ich einige kleinere Änderungen am Blog vornehmen, da ich mir jetzt auch Gedanken über den Datenschutz und die Kommunikation mit meinen Lesern gemacht habe, vor allem was die Kommentarfunktion angeht.

Aber Nähblogs muss es weiter geben!

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Frühling im Jonidress von Tillyandthebuttons

Heute zeige ich meine zweite Version des Jonikleides aus dem neuen Buch „Stretch“ von Tilly and the Buttons. Als erste Version hatte ich den Schnitt auf Tunikalänge gekürzt, den Blogpost darüber sowie meine Erfahrungen mit dem Buch könnt Ihrhier nachlesen.

Nachdem mir die Tunika so gut gefallen hatte, mußte ich unbedingt noch eine Version nähen, diesmal aber als Kleid, so wie es ja auch im Original vorgeshen ist. Joni ist ein Jerseykleidschnitt mit einer Verknotung im Vorderteil. Diese Verknotungen wirken immer gut aus einem gestreiften Stoff, und so mußte es diesmal ein Streifenjersey sein.

Meine Wahl fiel auf einen butterweichen Modaljersey, den ich hier bezogen habe. Die Farben dunkelblau/weiß sind nicht unbedingt originell, dafür aber gut mit meiner übrigen Garderobe kombinierbar.

Ich trage schon gerne gestreifte Kleidungsstücke, aber leider steht ja am Anfang immer das Zuschneiden und die Streifenanpassung beim Nähen. Allzu pingelig bin ich  ehrlich gesagt nicht, was die genaue Streifenanpassung angeht. Bei Kaufkleidung achtet auch kein Mensch darauf, wenn die Streifen nicht genau aufeinander treffen.

Größere Mühe verwende ich bei gestreiften Stoffen vor allem auf das Zuschneiden. Früher habe ich oft versucht, auch gestreiften Stoff im Bruch zuzuschneiden. Ich hatte dann die Streifen mit vielen Stecknadeln aufeinander gesteckt, aber trotzdem war das Ergebnis  nicht gut. Jetzt schneide ich den Streifenstoff immer in einfacher Lage zu, das klappt wesentlich besser und ist nicht so mühsam. Ich versuche schon, die Streifen an prominenten Stellen aufeinander treffen zu lassen, aber nachdem ich dann irgendwann mal begriffen hatte, daß das einfach nicht immer geht, bin ich da wesentlich gelassener geworden.

Da ich die Erfahrung gemacht habe, daß sich die Stofflagen beim Nähen mit der Overlock immer leicht etwas verschieben, hefte ich die Nähte, bei denen es mir darauf ankommt, vorher mit der Nähmaschine. Auf diese Art entsteht eine zumindest für mich akzeptable Anpassung der Streifen. Und wenn dann wirklich mal ein kleiner Versatz eines Streifens ist, stört mich das nicht. Und ich bin mir sicher, daß das außer diversen Nähnerds  auch kein anderer sieht.

Der Modaljersey war sehr angenehm zu verarbeiten , da sich die Kanten nicht nach innen einrollten und er schön seine Form behielt. Die Dehnbarkeit war allerdings  geringer als die des Viskosejerseys, aus dem ich mein erstes Joni genäht hatte. Beim Nähen war ich dann doch dankbar für die üppige Nahtzugabe von 15 mm, die dieser Schnitt hat, denn an den Seitennähten konnte ich so die Nahtzugabe etwas verringern. Sonst wäre das Kleid etwas zu eng geworden.

Der Rock ist schön weit und schwingend, die Länge habe ich um ca 3 cm verlängert.

 Leider hat der brütende Storch im Hintergrund uns nicht den Gefallen getan, sich mal während unserer Fotosession aufzusetzen. Na gut, er musste ja auch die Eier warm halten…aber jedenfalls der Partner hätte ja mal dekorativ anfliegen können!

Die Knotenkonstruktion des Kleides ist schon interessant. Beim zweiten Nähen eines Schnittes macht man sich ja doch noch mehr Gedanken als bei der Premiere, bei der es mehr um das Zustandebringen eines tragbaren Teiles geht.

Der Knoten, oder eher die Verschlingung, liegt deutlich über der Brustlinie, das ist ja das, was mir an diesem Schnitt so gut gefällt. Dadurch klafft das Vorderteil nicht auf und ich kann das Kleid auch ohne Unterziehtop tragen. Die Konsequenz aus dieser Schnittvariante ist aber natürlich, daß die durch die Verschlingung drapierten Falten nicht da liegen, wo Volumen gebraucht wird, nämlich über der Brust, sondern höher. Das stört bei diesem Schnitt überraschenderweise überhaupt nicht, finde ich. Man könnte natürlich auch immer, vor allem vor den Fotos, die Drapierungen über die Brust runter ziehen. Im Internet gibt es einzelne Beispiele von Joni, die so gezeigt werden- ich glaube aber nicht, daß der Schnitt so gedacht ist.

Die Ausschnittverarbeitung würde ich gern noch optimieren. Gut finde ich immer noch, daß die seitlichen Ausschnittkanten mit einem inneliegenden Bündchen stabilisiert werden. Aber in der vorderen Mitte, also da , wo die Verschlingung ist, ist ein ca 3cm langer Bereich, in dem die Nahtzugabe nur einfach umgeschlagen  und dann seitlich  und in der Mitte eingeschnitten wird. Die Kante wird schon vorher ordentlich mit einer Stütznaht gesichert, und  der Jersey franst natürlich auch nicht aus. Trotzdem ist das ein Bereich, der für mich einfach unsauber aussieht. Auf den Bildern kann man das nur erahnen. Ich habe noch versucht, ein Bild von links zu machen, aber das ist auch nicht besser erkennbar…ist vielleicht auch nicht so wichtig, aber ich habe es einfach gerne, wenn die Verarbeitung auch von links gut aussieht, gerade bei einem so einfachen Schnitt.

Vielleicht wäre es besser, das innenliegende Bündchen über die gesamte Kante zu führen und dann erst die Verschlingung zu machen. Möglicherweise wird dann aber der Knoten  zu knubbelig, oder bekommt er  erst das richtige Volumen? Joni III wird es zeigen!

Was trägt frau denn auf einer Fahrradtour im Frühling, wenn das Joni-Kleid irgendwann  zu kalt wird? Klar, einen Kelly-Anorak von Closet Case Pattern! Dieses fliederfarbene Prachtstück habe ich im letzten Frühling genäht. Ich liebe den Anorak sehr und finde ihn immer noch wunderschön. Allerdings muß ich zugeben, daß die praktische Einsatzfähigkeit gering ist..der Stoff ist weder wind- noch regendicht, auch nicht ein kleines bisschen…

Aber es gibt Tage, da ist sowohl farblich als auch wettertechnisch alles optimal, und bei der Fahrradtour, auf der diese Bilder entstanden sind, passte das alles. Ich liebe meinen fliederfarbenen Kellyanorak!

Zuletzt sollen aber auch die anderen Akteure dieser Radtour nicht unerwähnt bleiben. Damit meine ich zuerst den besten Ehemann aller Zeiten, der nicht müde wird, die Ehefrau in immer wieder neuen genähten Kleidern zu fotografieren (wobei er bei dem Anorak schon etwas irritiert war: „den hatten wir doch schon fotografiert?“) . Und nicht vergessen sollten wir auch die vielen hunderte Bienen, die den Apfelbaum der ersten Fotos belebt hatten. So viele Apfelblüten, so viele Bienen- ich freue mich jetzt schon auf die reifen Äpfel im Herbst!

Dieser Beitrag wird verlinkt mit dem Memademittwochsowie Afterworksewing

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Joni Dress von Tilly and the Buttons

Dieses Shirt war eigentlich nur als Testversion gedacht für den Schnitt des Joni-Kleides aus dem neuen Buch Stretch! von Tilly and the Buttons. Aber wie es manchmal so geht bei Testversionen, ist daraus ein absolutes Lieblingsteil geworden.

Der Schnitt des Joni-Dresses gefiel mir sofort, als ich ihn in der Vorschau gesehen hatte. Ich habe bisher wenig von der britischen Schnittdesignerein Tilly Walnes, besser bekannt als Tilly and the Buttons, genäht. Irgendwas hatte mich oft an den Schnitten gestört, manchmal erschienen sie mir auch einfach zu jugendlich. An diesem Schnitt, Joni, mochte ich sofort das Knotendetail im Vorderteil.

Nun gibt es ja auch viele andere Schnitte für  Oberteile mit Verschlingungen, oder Knoten, wie sie in der deutschsprachigen Nähszene genannt werden. Die englische Bezeichnung Twist trifft allerdings die Schnittkonstruktion viel besser, denn es wird ein Schnitteil, meistens im Oberteil, ein oder zweimal um sich selbst gedreht. Hierdurch ergeben sich reizvolle Raffungen im Oberteil.

Ich habe bisher einige Schnitte für Knotenkleider ausprobiert und war nie so ganz glücklich damit geworden. Ich hatte immer zwei Probleme bei diesen Schnitten. Das erste lag in der Schnittkonstruktion: die Verschlingung der Oberteile lag immer zwischen den Brüsten, dadurch wurde der Ausschnitt immer sehr, sehr tief, was zumindest  für mich dann das Tragen nur mit einem untergezogen Top möglich machte. Der tiefe Ausschnitt wurde dann auch noch durch die Ausschnittverarbeitung verstärkt, mein zweites Problem bei diesen Schnitten, denn die Ausschnittkanten wurden nur einfach umgeschlagen und hatten dadurch keinen Halt.

Beide Problem sind beim Joni-Dress vorbildlich gelöst, wie ich finde. Die Verschlingung der Oberteile liegt einige entscheidende cm oberhalb der Brustlinie. Ich trage zwar auch hier lieber ein Top darunter, abert auch ohne halten sich die Einblicke ins Dekollete durchaus in Grenzen.

Die Ausschnittkanten werden mit einem innenliegenden Bündchen versäubert, die Technik wird genau im Buch beschrieben. Ich hatte das bisher noch nicht so gemacht, mir aber immer gedacht, daß das gehen müßte- und es geht hervorragend und gibt einen schönen sauberen Abschluß, der vor allem nicht aufklafft.

Unterhalb der Verschlingung gibt es dann eine kurze senkrechte Naht in der vorderen Mitte. Durch den Knoten wird die Naht leicht nach oben gezogen. Bei gestreiften Stoffen kommt dieses Detail sicher sehr hübsch hervor, mein nächstes Joni nähe ich aus gestreiftem Stoff!

Die Länge der Tunika ergab sich bei mir aus der Menge des vorhanden Stoffes, oder besser gesagt aus der nicht vorhandenen Menge… ich wollte gern den wunderschönen beerenfarbigen Slubjersey von 1000Stoff für diesen Schnitt verwenden, da ich mir das Knotendetail aus diesem superweichen Stoff so gut vorstellen konnte. Ich hatte allerdings definitiv zu wenig Stoff, da ich die schöne Weite des Rockteiles nicht verkleinern wollten. Ich habe daher das Rockteil gekürzt, praktischerweise genau an der Linie, die für Verkürzungen oder Verlängerungen im Schnitt eingezeichnet ist. Als Tunika finde ich die Länge so sehr schön.

Die Taillennaht wird mit Framilonband verstärkt, auch das wird genau im Buch beschrieben, wie man das machen kann. Ich hatte bisher immer das Framilon mit großem Geradstich auf den Stoff aufgeheftet, bevor ich mit der Overlock die Nähte genäht habe. Tilly empfiehlt, das Framilon nur mit einigen Zickzackstichen am Anfang  der Naht zu befestigen und dann direkt mit der Overlock zu nähen. Das habe ich probiert und es ging überraschend gut.

Mit der Paßform des Schnittes war ich sehr zufrieden. Ich habe an den Seitennähten und vor allem unter der Achsel einige mm weggenommen, mein Stoff war aber auch sehr dehnbar. Das ist ja immer die Tücke beim Nähen mit dehnbaren Stoffen, daß man sich nie darauf verlassen kann, wie ein Schnitt paßt.

Die Anleitung im Buch finde ich sehr ausführlich und verständlich. Das Buch enthält Schnittmusterbögen mit (überlappenden) Mehrgrößenschnitten, aber  pro Seite ist nur ein Schnitt, so ist das Abpausen eine reine Freude.

Mein einziger Kritikpunkt an diesem Schnitt ist eigentlich die Nahtzugabe von 1,5 cm- das ist zum Nähen mit der Overlock sehr unpraktisch, und auch beim Nähen mit der normalen Nähmaschine einfach nicht notwendig bei  einem Jerseyschnitt.

Das Buch Stretch! finde ich insgesamt sehr lohnend und empfehlenswert. Es enthält einen umfangreichen Technikteil über das Nähen von dehnbaren Stoffen mit Materialkunde.Das Nähen mit der Overlock wird sehr ausführlich behandelt. Schade nur, daß das Vorhandensein einer Covermaschine überhaupt nicht erwähnt wird- das hätte ich schon von einem Buch über das Nähen mit dehnbaren Stoffen erwartet.

Das Buch enthält 5 Schnittmuster, von denen Joni sicher das originellste ist, die anderen sind eher Basic-Teile: ein Rock,  ein Shirt mit Raglanärmeln, ein Pulli aus Sweat und ein Hoodie mit Jogginghose. Da aber zu jedem Schnitt sehr viele Variationen gezeigt werden, hat man mit den Schnittmustern des Buches schon eine schöne Basisgarderobe aus dehnbaren Stoffen.  Die Aufmachung des Buches ist absolut hochwertig mit vielen schönen Fotos. Ich denke, daß dieses Buch sowohl für Nähanfänger als auch für Fortgeschrittene gut geeignet ist- ich hatte jedenfalls schon viel Freude daran!

verlinkt: Afterworksewing, RUMS