
Ich nähe ja am liebsten für mich. Das hat größtenteils egoistische Gründe: ich trage gern Selbstgenähtes, mag auch gern immer wieder mal was neues- also muß ich ich viel für mich nähen, um diesen beiden Ansprüchen gerecht zu werden. Und das tolle und umfangreiche Angebot, das wir mittlerweile im Bereich der Damenschnittmuster haben, trägt nicht gerade dazu bei, daß meine To-Sew-Liste im Bereich des Selfish-Sewings irgendwann abgearbeitet ist.

Nähen für andere ist auch mit Problemen behaftet. Das Hauptproblem ist, finde ich, daß derjenige, der benäht wird, es gar nicht zu schätzen weiß, was wir ihm da Gutes tun. Vielleicht gefällt es ihm auch nicht, oder es paßt nicht, und dann landen die genähten Sachen im Altkleidersack oder im Müll…oder noch schlimmer, die benähte Person weiß zwar den Wert der Näharbeit zu schätzen, aber das Teil gefällt nicht, und wohin dann damit? Ich hatte ein ähnliches Problem, als mit eine Bekannte (es war wirklich nur eine Bekannte, also keine Freundin oder so) mir mal ein selbstgemaltes Ölgemälde schenkte, Größe 80x 80 cm….ich fand es schön, handwerklich gut gemacht, aber aufhängen wollte ich es zuhause dann doch nicht. Zum Glück fand sich dann an meinem Arbeitsplatz ein Eckchen, in dem das Bild heute noch schön hängt und durchaus für Freude sorgt.
Also, Nähen für Andere ist nicht so meins. Die einzige Ausnahme, die ich mache, ist das Nähen für meinen Mann, denn das mache ich richtig gerne…natürlich nur, wenn ich gerade Zeit dafür habe und nicht grade was für mich nähen muß. Mein Mann liebt die selbstgenähten Klamotten, die ich für ihn mache, er weiß die Arbeit zu schätzen und die Paßform ist auch nicht so schwierig bei ihm, da er mit den üblichen Konfektionsgrößen auch gut zurecht kommt.

Ich zeige heute eine Shorts, die nach einem Schnitt aus der Knip entstanden ist. Der Schnitt war in einer Beilage der holländischen Knip aus dem Jahr 2014, vermutlich war diese Beilage nie in Deutschland erhältlich.


Eigentlich schade, denn es handelt sich um sehr gute Schnitte, wie ich finde: alles Basics, Shirts, Sweatshirts und einfache Hosen. Die Schnitte sind sicher nichts besonderes, aber sie sind so von der Art, daß sie vermutlich den benähten Männern gut gefallen. Unter „gut gefallen“ verstehe ich die Reaktion des Mannes nach der ersten Anprobe des Teiles, der sich zufrieden im Spiegel betrachtet, kurz nachdenkt und dann sagt: sehr schön, dieses Shirt(dieser Pulli, diese Hose) , davon machts Du mir jetzt noch fünf Stück nach dem gleichen Schnitt…

Diesen Schnitt hatte ich vor einigen Jahren schon mal genäht. Das entstandene Teil damals war weit von meinen heutigen Nähfertigkeiten entfernt. Die Hose war auch zu kurz, und Details wie die Taschen nicht gut im Schnittmuster gelöst. Trotz allem war diese Hose lange ein Lieblingsteil meines Mannes gewesen, was man der Hose auch bald ansah. Ein Ersatz mußte her, und dieses Modell zeige ich heute.

Ich habe den Originalschnitt etwas abgewandelt, habe die Länge geändert und andere Taschen eingefügt. Hier sind verschiedene andere Schnitte eingeflossen, unter anderem die Herren-Shorts aus dem Buch von Sebastian Hoofs. Über dieses Schnitttmuster berichte ich vielleicht noch mal an anderer Stelle- hier nur soviel, daß dieser Schnitt bei mir nicht zu einer tragbaren Herrenhose führte.

Die Knip-Shorts haben die typischen Stil-Merkmale einer Chino-Hose, also schräge Eingrifftaschen im Vorderteil und Paspeltaschen im Rückteil. Ich habe mich hier auf die bewährten Anleitungen von Closet Case verlassen, die ähnliche Taschen bei der Sasha Trousers zeigen.

Den Schnitt für die Sasha Trosuser habe ich zwar nicht, aber es gibt auf dem Blog von Closet Case ein umfangreiches Tutorial für diese Taschen. Danach habe ich an meinem Schnitt die Schnitteile für die Taschenspiegel vorne und die Pattentaschen hinten konstruiert.

Alle Taschenbeutel sind mit französischen Nähten genäht. Der Stoff für die Taschenbeutel war ein Rest von meinen Paperwaist-Shorts, so könne wir jetzt im Partnerlook gehen, zumindest was das Taschenfutter angeht…


Die Paspeltaschen hinten sind mir sicher noch nicht perfekt gelungen, es gibt noch etliche Beulen an dne Ecken der Taschen, die sich auch nicht wegbügeln liessen. Aber jedenfalls habe ich jetzt das Prinzip begriffen, wie sowas genäht wird. Diese Art Taschen war lange ein Angstgegner für mich, weil ich auch so viele verschieden Anleitungen dafür hatte und dann irgendwann überhaupt nicht mehr wußte, woran ich mich halten sollte. Aber da ich mit den Closet Case Anleitungen immer gut zurecht kamme, war das dieses Mal auch der beste Weg für mich.

Der Stoff der Hose ist ein Twill von Lebenskleidung, also ein Stoff in Bioqualität. Ich hatte mir etliche Stoffproben schicken lassen, und dieser Stoff, der auch als Chino-Stoff bezeichnet wird, war eindeutig der schönste. Eine wunderbare Qualität. ganz glatt und etwas glänzend, in einem nicht zu dunklen Marineblau. Ich hoffe sehr, daß Stoff und vor allem die Farbe des Stoffes die Strapazen der nächsten Sommer überstehen, denn auch diese Hose soll hoffentlich die nächsten Jahre überdauern.
Und so macht mir das Nähen auch für andere Spaß, wenn ich dabei ein langlebiges Kleidungsstück schaffen kann, mit desssen Verarbeitung ich zufrieden bin.
verlinkt : Afterworksewing, Sewlala









































































































