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Ninja-Kleid von Crafteln

Wieviele Schnittmuster für Hoodies, für Kapuzenkleider braucht frau eigentlich? Diese Frage  hatte ich mir gestellt, bevor ich den Ninja-Schnitt von Crafteln bestellte. Ninja ist ein Schnitt für einen Kapuzenpullover oder ein Kleid aus dem Label Crafteln, in dem die Schnitte der Berliner ModedesignerinLindy Stokes für uns Hobbynäherinnen verfügbar gemacht werden.

Natürlich besitze ich einige Schnitte für Kapuzenpullis, die ich gerne genäht habe  und die gerade jetzt in der kühlen Jahreszeit auch gerne getragen werden.

 Aber Ninja ist schon ein besonderer Schnitt, da hier die Kapuze mit einem Wasserfallkragen kombiniert wird. Das ist schnitttechnisch gar nicht so ganz einfach. Das Problem bei dieser Kombination ist, daß die Kapuze den Wasserfall nach hinten zieht, oder auch der Wasserfall die Kapuze nach vorne, wenn die Größe der beiden Teile nicht gut abgestimmt ist.

Bei Ninja ist das Problem dadurch gelöst, daß die Kapuze relativ klein ist, das scheint ein ausgewogenes Verhältnis zum Wasserfallkragen zu ermöglichen.. Die Kapuze ist ans Vorderteil angeschnitten und wird am Rückteil dann angenäht. Ich finde das sehr gelungen, die Kapuze sieht aufgesetzt gut aus, und sonst hängt sie eben dekorativ am Rücken herab und dient als rückwärtiger Kragen.

Ninja gibt es als Pullover oder verlängert als Kleid, ich habe die Kleid-Version genäht.

Vor das Nähen haben die Nähgötter allerdings die Anfertigung des Papierschnittes gestellt. Ninja gibt es nur als Download-Schnitt, und ich habe den Schnitt als A0 plotten lassen, so wie ich es eigentlich immer mache. In diesem Fall war ich schon sehr froh über diese Möglichkeit, denn die Schnittmusterteile des Kleides sind auf dem Bogen in ihrer ganzen Schönheit abgedruckt, so daß man auch in einfacher Stofflage zuschneiden könnte. Für manche Größen mag das hilfreich sein, in meinem Fall paßten die Teile für Vorder- und Rückenteil gut nebeneinander auf meinen Stoff und ich habe natürlich das Vorderteil im Bruch zugeschnitten.

Ich wußte schon aus vielen Blogbeiträgen, daß Ninja eher großzügig geschnitten ist und hatte daher eine Größe kleiner gewählt als sonst bei den Crafteln-Schnitten. Aber auch diese Größe fand ich noch zu weit. Ich habe dann an allen Teilungsnähten noch Weite herausgenommen und so eine  taillierte Form geschaffen. Das ist bei diesem Schnitt nicht weiter schwierig, da das Rückenteil eine senkrechte Teilungsnaht hat und somit gut angepaßt werden kann.

 Genauer gesagt ist es jetzt so, daß mein genähtes Modell im Taillenbereich noch ca 8 cm Bequemlichkeitszugabe hat, in der Originalversion sind es gut 20 cm. Mir gefällt es so besser, aber das ist sicher eine Geschmacksfrage und auch eine Frage des Stoffes.

Mein Stoff war absolut ein Traum. Ja , das denke ich bei vielen Stoffen, aber bei diesem habe ich es wieder mal gemerkt, wie wichtig der Stoff auch für das Wohlfühlen beim Nähen ist.

Der Stoff ist ein Viscosestrickstoff mit Anteilen von Polyester und Polyamid. Er ist ganz, ganz weich, fällt wunderschön und- war auch noch gut zu vernähen! Bezogen haben ich ihn hier.

Natürlich habe ich diesen Stoff aus Interesse einer Brennprobe unterzogen. Seit Constanze und Bele uns auf dem Bloggertreffen in Köln in die Geheimnisse der Stoffkunde eingeweiht haben, ist kein Stofffetzen mehr vor meinen Zündeleien sicher. Etliche Stoffe mit bekannter Zusammensetzung habe ich schon angezündet, und man erkennt schon oft ein Muster, finde ich. Bei diesem Stoff war es so, daß die gute Brenneigenschaft der Viscose gut erkennbar war, aber der deutliche Chemiegeruch auch die Kunstfasermischung anzeigte. Ich werde weiter zündeln, das ist hochinteressant!

Das Ninjakleid ist einfach und schnell zu nähen, die Anleitung habe ich nicht wirklich gebraucht, aber trotzdem voller Freude gesehen, daß sicher auch ein Nähanfänger damit gut klar kommmen würde.

Und das fertige Kleid ist wunderschön. Natürlich ist es ein sehr einfacher Schnitt, aber durch den schwingenden Rock hat es eine gewisse Eleganz und ich fühle mich damit sehr gut angezogen.  Bequem ist es natürlich wie ein Sweatshirt, und dann diese kuschelige Kragen-Kapuzenlösung- ich will es abends immer gar nicht ausziehen. Vielleicht sollte ich mir noch ein Schlaf-Ninja…?

Auf dem Blog des Memademittwoch findet man heute noch viele andere gut angezogene Frauen (leider wieder keine Männer, schade!). Angeführt wird die Riege heute von Wibke in einem wunderschönen Knipkleid…ich glaube, ich muß mal diese Knip raussuchen…

Und da das Grau so gut zum grauen November paßt, verlinke ich auch mit den 12coloursofhandmadefashion!

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Baukastenkleid aus der Oktober-Knip

Ich nähe nun seit einigen Jahren Kleidung überwiegend für mich, und natürlich hat sich auch bei mir ein gewisser Stoffvorrat angehäuft. Ich oute mich hier als überzeugte Verfechterin des hauseigenen Stofflagers. Es ist so schön, wenn man einen tollen Schnitt sieht und sofort weiß: dieser Schnitt ist ideal für den genialen Stoff, den ich damals aus xy mitgenommen habe.  Dann trift sich nämlich ein Traumpaar von Stoff und Schnitt, und das Nähen funktioniert und führt zu einem schönen Ergebnis. Der andere Weg, also einen tollen Schnitt zu haben, in den Stoffladen zu gehen und zu hoffen, dort einen passenden Stoff zu finden, klappt bei mir fast nie. Ich komme dann nach Hause mit diversen anderen Stoffen, die gerne im Stofflager deponiert werden, aber der tolle Schnitt kann nicht genäht werden. Und immer wieder ergeben sich bei mir Nähpläne, die dann auch sofort und gleich umgesetzt werden müssen, ohne Rücksicht auf Ladenöffnungszeiten oder Lieferfristen nehmen zu können.

Nachdem ich somit meinen hauseigenen Stoffstapel zur Genüge gerechtfertigt habe, zeige ich heute gerne ein Kleid,  das aus eben diesem Stoffstapel entstanden ist, und zwar aus einem Stoff der unteren Schichten des Stapels… wer sich noch nicht mit den verschiedenen Schichten des Stoffstapels auskennt, dem sei dringend diese Lektüre empfohlen (Heather B: Anatomy of a fabric stash), köstlicher kann man den geologischen Aufbau  eines Stofflagers nicht erklären!

Dieser Stoff also kam aus einer tieferen Schicht des Stofflagers. Warum war er dahin gerutscht? Sicher aus verschiedenen Gründen: die Farben sind schon sehr herbstlich, gefallen mir mittlerweile nicht mehr. Es war ein relativ kleines Stoffteil, ich hatte nur knapp 1,40 m . Der Stoff ist recht leicht und weich, er enthält sicher einen größeren Anteil von Polyester. Für einen Rock war mir der Stoff zu leicht, für eine Bluse gefiel er mir nicht, für ein Kleid war er zu wenig- so geriet dieser an sich hübsche Stoff immer weiter nach unten im Stoffstapel.

Er fiel mir wieder in die Hände, als ich für das Baukastenkleid aus der Oktober-Knip einen Stoff suchte, eigentlich nur zum Testen der Paßform. Die Knip hat ja oft Baukastenschnitte, ich finde das eigentlich sehr schön, wenn man verschiedene Schnittteile beliebig kombinieren kann. Wenn der Schnitt dann einmal angepaßt ist, hat man viele Variationsmöglichkeiten.

Bei diesem Schnitt handelt es sich um einen Kleiderschnitt, der als Besonderheit schräg verlaufende Abnäher an Oberteil und Rock hat. Es gibt verschiedene Ausschnitt, Rock und Ärmelvarationen, eben ein richtiger Baukasten.

Am besten gefiel mir auch den Bildern die Variante mit schmalem Rock und Dreiviertelärmeln:

Als Stoffverbrauch war hier 1,70 angegeben, aber da mir die Knipschnitte immer viel zu lang sind, hoffte ich noch etwas einsparen zu können und machte mich einfach mal ans Zuschneiden. Ich hatte die Schnittteile in meiner Größe (38) ausgemessen und fand sie ganz passend. Und wenn dieses Modell nicht passen sollte, hätte ich es auch nicht schlimm gefunden, dann hätte jedenfalls der wenig geliebte Stoff seine Verwendung gehabt.

Aber nach den ersten Anproben war klar, daß die Paßform gar nicht so schlecht werden würde, und so habe ich das Kleid dann komplett zu Ende genäht und ein Futter dazu konstruiert. Das Rückenteil habe ich um 2 cm gekürzt, den Rock um mindestens 7 cm, das weiß ich nicht so genau, es paßte jedenfalls so auf meinen Stoff. Belege und Ärmel sind nicht so ganz im Fadenlauf  zugeschnitten, aber dafür ist jetzt dieser Stoff bis zum letzten Fitzel aufgebraucht!

Auch das Futter kam aus dem Vorrat. Dieser pinkfarbene Futterstoff war mal in der engeren Wahl für meinen Wintermantel, aber da verließ mich dann irgendwann der Mut, den Mantel ganz pinkfarben zu füttern und ich reduzierte auf eine pinke Paspel. Dieses Kleid ist jetzt pink gefüttert- und ich freue mich jedesmal wenn ich es anziehe, gerade in der jetzigen trüben Jahreszeit. Auch der Reißverschluss ist übrigens pink, und den kleinen pinken Zipper unter meiner linken Achsel  sieht wahrscheinlich keiner ausser mir.

Das Kleid ist sehr figurbetont geworden, um nicht zu sagen etwas zu eng. 2 cm mehr im Bauchbereich würden eine bessere Bequemlichkeit ergeben, zumal mein Stoff auch nicht dehnbar ist. Laufen ist wiederum problemlos, durch den Schlitz im Rückteil. Fahrradfahren habe ich noch nicht probiert, ist wahrscheinlich aber auch nicht ideal. Ansonsten trage ich das Kleid ausgesprochen gern, vielleicht gerade wegen der herbstlich- unauffälligen Farben.

Ach ja, der Herbst- der hat uns ja bei unserer Foto-Session am letzten Wochenende doch etwas zugesetzt. Wie immer gab es nur ein kurzes Zeitfenster, um Blogfotos zu machen. Üblicherweise verbinden wir das Fotografieren der genähten Kleider für den Blog mit unseren Wochenendaktivitäten, die meistens Wanderungen oder Fahrradtouren sind. Bei Regenwetter macht beides nicht so wirklich Spaß, vor allem wenn der Regen mit eisigem Wind verbunden ist…

Wir fanden aber dann auf unserer Wanderung diesen Pavillon, der zumindest von oben  vor dem Regen schützte. Und die feuchten Stellen im Stoff sind zum Glück auf den Bildern kaum sichtbar!

Alle anderen Beiträge der mittwochs bloggenden Selbernäherinnen, ob bei Regen oder Sonne, finden sich hier in der Galerie des Memademittwochs!

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Tulpentop von Crafteln

Das Tulpentop von Crafteln ist wie alle Schnitte, die Meike bisher in Zusammmenarbeit mit Stokxherausgebracht hat, ein ganz besonderer Schnitt.

In diesem Fall liegt die Besonderheit in der Materialkombination: das Vorderteil mit dem Wasserfallkragen wird aus einem schön fließenden Webstoff ( Viscose, Seide) genäht, der Rest des Shirts aus Jersey. Diese Materialkombination war auch das, was mich in der Planung des Tops lange beschäftigt hat. Zweimal war ich im (zum Glück gutsortierten!) Stoffgeschäft vor Ort, habe Stoffballen mit Viscose zur Jerseyecke geschleppt und zurück, und auch schon mal eine andere Stoffkombination gekauft, die mir dann aber zuhause doch nicht mehr gefiel.

Was Ihr jetzt seht, ist eigentlich eine Zufallskombination: der gemusterte Stoff ist eine leichte Viscose, aus der ich eine langärmelige Bluse für den Herbst plante. Nach dem Waschen wurde der Stoff zunächst ins Regal einsortiert (man hat ja auch noch andere Projekte…), und da lag er dann im Regalbrett neben den Jerseystoffen. Dort lagerte ein Rest dieses bordeauxfarbenen Jersey vom Stoffbüro seit letztem Herbst, und nachdem ich die beiden dann einen Tag zusammen auf dem Nähtisch ausgebreitet hatte, war klar: diese beiden gehören zusammen!

Die Schnitte von Crafteln, die ich bisher kennengelernt habe, sind alle absolut professionell gemacht. Es ist einfach schön, wenn ein Schnitt alle notwendigen Bezeichnungen enthält und alle  Markierungen zusammenpassen. Die Anleitungen sind super beschrieben und ausführlich, die Grafiken verständlich. Ja, so wünsche ich mir ein Schnittmuster!

Daß mir beim ersten Zuschneiden dann doch ein gravierender  Fehler unterlaufen war, war wirklich meine eigene Schuld. Und ja, ich weiß, man soll nicht abends , wenn man schon müde ist, zuschneiden- aber ich wollte doch so gerne mit meinem Tulpentop anfangen! Und so ein Gedanke „ich schneide heute nur mal schnell noch die Viscose zu“- ja , das konnte nicht gut gehen.

Das Webstoffvorderteil wird im schrägen Vorderteil zugeschnitten. Steht eindeutig in der Anleitung, Fadenlaufpfeil auf dem Schnitt- und ich hatte das Teil beim ersten Versuch im geraden Fadenlauf zugeschnitten.

Zum Glück habe ich das dann erst am nächsten Tag gemerkt, als etwas mehr Nähzeit war. Ich hatte  kurz überlegt, ob ich es so lassen sollte und mich dagegen entschieden. Das Vorderteil braucht den schrägen Fadenlauf für die Bequemlichkeit und den schönen Fall des Wasserfallkragens, da wollte ich nicht drauf verzichten.

Und ich hatte ja noch genug Stoff, der war ja eigentlich für eine Bluse gedacht. Also konnte ich das Vorderteil problemlos noch mal zuschneiden. Lektion gelernt: abends nicht mehr zuschneiden!

Der Rest des Nähens war völlig unproblematisch, und das ganze Teil war auch unglaublich schnell genäht. Die Schulterpartie ist lustig konstruiert, so  daß ein Teil des Vorderteils an der Schulter nah hinten geführt wird und das Rückenteil überkreuzt. Das Rückenteil hat oben ein Bündchen für den guten Sitz, für dieses Bündchen gibt es ein liebevoll konstruiertes Schnittmusterteil mit schräg auslaufenden Ecken. Kleine Details, über die ich mich aber sehr gefreut habe!

Warum heißt das ganze eigentlich Tulpentop? Weil es auch noch eine Version mit kurzen Ärmeln gibt, die sind dann aus dem Webstoff und in Form einer Tulpenblüte kunstvoll gefaltet. Leider muß ich jetzt bis zum nächsten Frühjahr warten, um auch diese Version auszuprobieren.

Apropos Jahreszeit: das ist vermutlich der einzige Fehler, den dieser Schnitt hat: er ist doch eher luftig durch das dünne Viscosevorderteil. Ich trage daher jetzt ein farblich passendes Top darunter, damit es nicht ganz so zugig ist. Das Top sieht man auf den meisten Fotos etwas hervorblitzen.

Aber Windschutz war schon notwendig bei unserer Foto-Session:

Genäht habe ich das Top in der Größe 2, Crafteln hat ein eigenes Maß- und Größensystem. Geändert habe ich bei diesem Exemplar nichts. Allerdings sitzt der Brustabnäher für mich etwas zu hoch, das werde ich bei der nächsten Version ändern. Durch den weiten Schnitt des Tops fällt der nicht ganz optimale Sitz des Brustabnähers wenig auf.

Das Shirt ist durch den Jerseyanteil unglaublich bequem und zum Fahrradfahren bestens geeignet- damit schlage ich jezt mal elegant den Bogen zum heutigen Motto des Memademittwoch, bei dem es um die Frage geht, wie die genähten Sachen in unseren Alltag passen.

Da ist dieses Top natürlich der Held: schick, trotzdem bequem, in meiner Herbst-Winterlieblingsfarbe dunkelrot, paßt alles perfekt. Und da es dazu auch noch so schnell und einfach zu nähen ist, sind schon die nächsten Tulpentops in Planung!

Alle anderen genähten Kleidungsstücke, ob alltagstauglich oder nicht, sieht man heute auf der Galerie desMemademittwoch!

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Knip-Jerseykleid

Heute zeige ich wieder mal ein Jerseykleid aus der Knip. Es ist ein Schnitt, der in der Ausgabe…stop, in welcher Knip-Ausgabe denn eigentlich? Oder ist es doch die Fashion Style? Ich bemühe mich ja immer, die Quellen meiner Schnitte ordentlich anzugeben, damit sie auch gefunden werden. Aber in diesem Fall ist das schwierig.

Also, zurück zum Anfang. Vor ca. 10 Tagen, im Nähgeschäft vor Ort, das ich natürlich nur betreten hatte, um einen notwendigen Reißverschluß und Knöpfe zu besorgen. Nicht links, nicht rechts geschaut, Stoffballen mit neuen Stoffen ignoriert, benötigte Waren aus den Regalen gezogen, schnurstracks zu Kasse. Ja, ich war eine Heldin!

Bei der Kasse lag dann dieses Heft:

unzweifelhaft eine Knip, aber auf deutsch. Der stolze Preis ist auch deutlich erkennbar. Aber da ich den Besuch im Nähgeschäft bisher so tapfer durchgehalten hatte, mußte ich mich dringend belohnen, Ihr versteht? Also wanderte das Heft in meinen Einkaufskorb, zumal mich das Jerseykleid auf dem Titelbild interessierte.

Letzten Memade Mittwoch zeigte dann Katharina dieses Kleid, und erzählte, das sei aus einer Beilage ihrer holländischen Oktober-Knip, das fand ich ja dann doch interessant. Die Original-Knip vertreibt dieses Heft offensichtlich als kostenlose Beilage, und wir kaufen die deutsche Übersetzung für teuer Geld- interessante Geschäftspolitik! Zumal die deutsche Übersetzung grottenschlecht und voller Druckfehler ist.

 Der Schnitt selbst ist aber wirklich schön. Tailliert, der Rock leicht ausgestellt. Das Oberteil hat eine Kräuselung zwischen den Brüsten, das untere Vorderteil läuft entsprechend V-förmig aus.

Die Schultern sind etwas überschnitten, und etwas nach hinten gelegt, das Vorderteil an der Schulternaht leicht eingekraust.

Ich habe einen Jersey von stoffabrics, einer dänischen Stofffirma vernäht, den ich mal auf dem holländischen Stoffmarkt erstanden hatte. Es ist ein relativ kräftiger Baumwolljersey, der mir aber jetzt für diesen schlichten Schnitt gut geeignet schien.

Genäht habe ich das Kleid in Gr. 36, zur Taille hin zu Gr. 38 auslaufend, die Länge um 15cm(!) gekürzt.

Genäht war das Kleidchen natürlich schnell, wie alle Jerseykleider. Nur zwei Dinge haben mich aufgehalten: das eine war die furchtbare Anleitung, die ich leider doch wieder durchgelesen hatte und versucht hatte zu verstehen- zwecklos, wie ich mittlerweile glaube. Eine schlechte , lieblose Übersetzung aus dem Holländischen, dazu voller Druckfehler- also lieber gar nicht durchlesen!

Das andere Problem, das mich eine Weile beschäftigt hatte, war die Kräuselung im Vorderteil.

Nach der Anleitung sollte ich hier ein Gummiband gedehnt auf die linke Seite aufnähen, um die Raffung zu erreichen. Diese Technik wird oft empfohlen, wenn es um Raffungen in Jerseyschnitten geht. Ich habe es immer wieder probiert, aber entweder bin ich einfach zu blöd dazu, oder es liegt daran, daß mir die dafür notwendige dritte Hand immer noch nicht gewachsen ist…ich schaffe es einfach nicht, ein gedehntes Gummiband gleichmäßig und gerade auf einen Stoff aufzunähen.

Aber sollte es nicht auch eine andere Lösung für dieses Problem geben? Auch in der Konfektionsmode gibt es ja so geraffte Geschichten, und die Profi-Näherinnen nähen hier sicher keine mit der Hand gedehnten Gummibänder auf.

Da fiel mir ein, daß vor einigen Wochen eine meiner Instagram-Bekanntschaften  (leider weiß ich nicht mehr, wer es war) über den Gummiband-Nähfuß ihrer Overlock berichtet hat. Ich hatte damals gleich nachgeschaut und wußte seither, daß sich auch so ein Nähfuß unter meinem Zubehör befindet. Vielleicht konnte ich den jetzt nutzbringend einsetzen? Ich kramte also mein Overlock- Zubehörtäschchen heraus, und tatsächlich, da war der gesuchte Nähfuß. Das Einsetzen war kein Problem, ausprobiert- und siehe da, perfekte Raffungen und Versäuberungen in einem Arbeitsschritt!

Ich mußte lediglich noch ausprobieren, wie stark ich kräuseln wollte, das geht durch stufenloses Verstellen einer Schraube am Füßchen.

Nachdem ich dann die Kräuselnaht so schön hinbekommen hatte, wollte ich auch sonst eine saubere Versäuberung auch der Innenansicht und habe deswegen den Ausschnitt mit einem Beleg versehen. Ich habe den Beleg mit einer ganz dünnen Gewebeeinlage verstärkt und etwas gedehnt aufgenäht. Das finde ich jetzt ganz gut und der Ausschnitt steht (fast)  nicht ab.

Und wer sich spätestens jetzt denkt- diesen Schnitt kenne ich doch irgendwoher! – ja, der hat sicher recht. Der Schnitt hat große Ähnlichkeit mit Ajaccio von der Schnittquelle- auch hier findet sich die identische Raffung im Oberteil und auch eine ähnliche Silhouette. Aber Schnitte sind offensichtlich nicht patentgeschützt, und so existieren natürlich viele sehr, sehr ähnliche Schnittmuster auf dem Markt. In diesem Fall finde ich übrigens die Knipversion schöner als das Schnittquellekleid, das ich vor Jahren mal genäht hat. Die Schulter-und Ärmellösung gefällt mir besser und sitzt zumindest an mir besser. Bei der Schnittquelle paßten mir immer die Ärmel nicht. Das Schnittquelle-Kleid hat dafür eine etwas unorthodoxe, aber effektive Lösung für die Kräuselung im Vorderteil: die Naht wird mit der Nähmaschine gesteppt, die Nahtzugaben auseinandergebügelt und jeweils festgenäht. In die entstehenden Tunnels wird ein Satinband eingezogen und gerafft- auch das funktioniert!

Aber egal, ob ich jetzt den Schnitt Ajaccio oder Knip nenne, er ist jedenfalls absolut lohnend und ruft nach einer Wiederholung.

Die Bilder entstanden auf einer Fahrradtour, bei der nochmal spätsommerliche Temperaturen auch die Bienen hervorlockten. Ein letztes Mal Sonne tanken vor dem langen Winter!

Ich verlinke mein graues Jerseykleid mit demMemademittwoch, der wöchentlichen Parade der geübten Schneiderinnen, sowie mit den 12colours of handmade fashion, bei der im Oktober die Farbe grau als Thema gegeben wurde!

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Knitterbluse von Crafteln

Manche Schnitte, die ich mir kaufe, werden bei sofort genäht, andere schlummern erst mal ein Weilchen ihren Schönheitsschlaf auf der Festplatte, im Zeitschriftenregal oder im Ordner der „noch zu nähenden Schnitte“. Warum das so ist, kann ich meistens gar nicht sagen, wenn ich dann den Schnitt wieder entdecke.

Im Fall derKnitterbluse von Crafteln wußte ich allerdings schon, warum ich den Schnitt nach der ersten Begeisterung zwar gekauft, aber nicht umgesetzt hatte: ich wußte einfach nicht, welchen Stoff ich dafür nehmen sollte.

Das Original dieses Schnittes, ein Designermodell aus dem Hause Stokx, ist aus einem hauchzarten Stoff genäht, der in feine Knitter gelegt wird. Auch in der Schnittmusterbeschreibung vonCrafteln, die diesen Schnitt der nähenden Bevölkerung zugänglich gemacht hat, wird ein dünner Stoff empfohlen. Das Kleidungsstück wird nach dem Waschen feucht zu einer Spirale gedreht, dadurch entstehen dann die Knitterfalten.

So schön wie ich alle genähten Modelle dieses Schnittes fand, weckte diese Art des Knitterns doch unliebsame Erinnerungen in mir. Als Teenager, also in den 70er Jahren, besaß ich so ein ähnliches Kleidungsstücke, eine Bluse, die naß zu einer Rolle gedreht werden mußte, damit sie die gewünschten Falten bekam. Offensichtlich war das irgendwie modern zu dieser Zeit, oder jedenfalls in meinem Freundeskreis. Ich erinnere mich noch genau, daß dieses Einrollen bei mir nicht gut klappte, die Bluse verlor zunehmend mehr ihre Form, was ich dann durch Bügeln versuchte zu kompensieren und damit die ersehnten Knitterfalten wieder zerstörte. Allen meinen Freundinnen gelang das spielend, so meine Erinnerung, nur mir nicht- also das übliche Teenagerdrama, das sicher jede irgendwo kennt.

Aber deshalb stand ich dem Gedanken des Knitterns etwas skeptisch gegenüber. Nun kann man die Knitterbluse (oder auch das Knitterkleid, denn der Schnitt enthält ja beide Versionen) auch ungeknittert nähen, sehr schöne Versionen hat Claudia (bunte Kleider)genäht. Das gefiel mir auch sehr gut, aber eigentlich wollte ich doch eine geknitterte Version…

Dieses Dilemma habe ich letzte Woche gelöst, indem ich diesen Stoff in meinem Stoffstapel entdeckt  hatte: ein Stoff , der bereits in sich geknittert ist! Ich weiß gar nicht, wie die genaue Bezeichnung für diese Art Stoffe ist, ich glaube, es nennt sich Crash. Jedenfalls hat der Stoff zwei Schichten, die obere Schicht hat eine Knitterstruktur, die linke Seite ist eher glatt. Der Stoff enthält einen großen Anteile Polyester und ist sehr dehnbar, aber ein Webstoff. Hieraus sollte meine Knitterbluse entstehen, das konnte ich mir gut vorstellen!

In meiner ersten Begeisterung übersah ich geflissentlich alles , was die Designerin bei der Stoffbeschreibung vorgegeben hatte. Empfohlen wurde ein dünner, leichter und gut fallender Stoff- mein Stoff war alles andere, und im schrägen Fadenlauf konnte ich ihn auch nicht zuschneiden, da ich zuwenig Stoff hatte.  Es war ein Reststück von ca 1,70 m, leider nur bei einer Breite von 1,10m.

Mit etwas Puzzeln und Hin- und herschieben hat die Stoffmenge aber gereicht für die Bluse.

Genäht habe ich Größe 2. Wenn ich die Anleitung vorher gelesen hätte, hätte ich gemerkt, daß der Schnitt großzügig ausfällt, damit das Stück noch geknittert werden kann. Und auf so dehnbare Stoffe ist der Schnitt natürlich auch nicht ausgelegt. Aber wie heißt es so schön, wer lesen kann, ist klar im Vorteil…

Immerhin war ich dann doch intelligent genug, die Stoffteile erst mal zusammenzuheften, bevor ich sie endgültig genäht habe. Und hier merkte ich dann schon, daß ich einiges an Weite herausnehmen mußte. Ich habe an den Raglannähten überall 5mm weggenommen, an den Seitennähten 2 cm, jetzt finde ich die Paßform sehr schön.

Der Schnitt ist wirklich genial, und anders als viele anderen Schnitte, die ich kenne. Die Bluse bzw das Kleid haben Raglanärmel mit einem Schulterabnäher. Im Vorderteil sorgt ein Brustabnäher für die gute Paßform. Eigentlich werden alle Teile im schrägen Fadenlauf zugeschnitten, das habe ich mir wie gesagt geschenkt, da mein Stoff in der Querrichtung sehr dehnbar war.

Die Blusenversion ist nicht nur kürzer als das Kleid, sie hat auch ein Schößchen im Rückenteil- ich liebe Schößchen!

Knitterkleid und Bluse haben als typisches Designmerkmal einen interessanten Kragen: in den V-Ausschnitt wird ein im schrägen Fadenlauf zugeschnittener breiter Schlauch eingenäht. Das Einnähen des Kragens erfolgt mit einer so interessanten Technik, daß keine sichtbaren Nähte bleiben. Auf diesen Kragen wollte ich eigentlich verzichten, da ich mir schon dachte, daß mein doch recht steifer Stoff hierfür nicht geeignet ist.

Ich hatte deshalb schon einen Beleg für den Halsausschnitt konstruiert und zugeschnitten. Nach der ersten Anprobe kam mir aber der Halsausschnitt doch etwas weit vor, zumindest zu weit für die kommenden herbstlichen Tage. Und ich wollte meine schöne Bluse doch auf jeden Fall jetzt im Herbst viel anziehen!

Aus dem Stoffrest konnte ich tatsächlich noch den vorgesehenen Kragen zuschneiden, natürlich auch nur im geraden Fadenlauf. Ich hatte den Kragen dann zunächst nur mal angeheftet- und siehe da , er gefiel mir wider Erwarten gut! Durch das Material ergibt es sich, daß der Kragen einmal umgeschlagen wird und natürlich nicht den lockeren Fall des originalen geknitterten Kragens hat. Also, anders, aber auch schön!

Ich finde es ja immer wieder spannend, wie unterschiedlich ein Schnitt durch verschiedene Stoffe wirkt. Und auch wenn ich mich durch meine Stoffwahl vom Originalmodell weit entfernt habe, ist so ein für mich sehr interessantes Kleidungsstück entstanden. Der Tragekomfort eines T-Shirtes, kombiniert mit der Eleganz einer Bluse- mehr kann frau nicht wollen!

Natürlich kam mit auch schon der Gedanke, diesen Schnitt in Jersey oder Sweat zu probieren. Die Dehnbarkeit dieser Stoffe ist dann auch nicht viel anders. Oder ein dünner Jaquard? Oh, da fallen mir noch ganz viele Variationen ein für diesen schönen Schnitt!

Mittwochs treffen sich alle nähenden Anhängerinnen der guten Schnitte auf dem Memademittwoch, hier reihe ich mich gerne in die Galerie ein!

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Bluse Stella von Namedclothing

Heute zeige ich die Bluse Stella von Namedclothing aus der neuen Herbst-Winterkollektion. Die Schnitte von Named sind ja ausgesprochen beliebt in unserer Nähbloggerszene- zu recht, wie ich finde, denn alle Schnitte sind modisch, haben Besonderheiten und sind vor allem technisch ausgefeilt.

Auf die neue Herbst-Winterkollektion mit dem schönen Namen „Earth science“ war ich deshalb sehr gespannt. Neugierig wie ich war habe ich mir die Schnitte übrigens schon etliche Wochen vor dem eigentlichen Erscheinen angeschaut- sie werden ja auch von Lillestoff vertrieben, und da findet man die Schnitte, mit Beschreibung und technischen Zeichnungen, unter dem Stichwort „coming soon“ schon einige Wochen vor dem eigentlichen Schnitt-Launch. Ob das von Named wirklich so gedacht ist?

Von daher wußte ich auch schon, was ich nähen wollte, und die Bluse Stella stand da an erster Stella.

Stella gibt es in zwei Versionen, einmal als Bluse und auch als Kleid, ich zeige heute die Blusenversion. Die Besonderheit des Schnittes sind die Ärmel, es ist eine Mischung aus Raglan- und Kimonoärmel, die ich so noch nirgendwo gesehen hatte.

Abnäher hat die Bluse nicht, dafür aber schön geschwungene Raglannähte und zweiteilige Ärmel für den guten Sitz.Der Kragen hat eine witzige eckige Form.

Empfohlen wird ein leichter, gut fallender Webstoff für diesen Schnitt. Mein Stoff ist eine Mischung aus Tencel und Baumwolle- ein absoluter Traumstoff! Es ist wieder mal ein Stoff von Robert Kaufman, den ich über 1000Stoff bezogen habe. Er ist ganz leicht, etwas glänzend und hat einen wunderschönen Fall. Dazu trägt er auch noch meinen Namen, er heißt nämlich Santa Barbara– was will frau mehr?

Der Schnitt enthält alle Nahtzugaben, so wie es in der Anleitung beschrieben wird. Die meisten Nähte werden als französische Nähte gearbeitet, dann ist die Nahtzugabe 1,5 cm. Für alle anderen Nähte ist die Nahtzugabe 1cm. Die verschiedenen Nahtzugaben werden auf dem Schnitt auch angegeben- sehr hilfreich, wenn man den Schnitt nähen möchte, ohne auf die Anleitung zu schauen.

Ich habe Größe 40 genäht und lediglich die Ärmel um 1,5 cm verkürzt. Die Anleitung ist ausführlich und mit guten Grafiken illustriert. Die Ärmlelabschlüsse sind eine einfache gerade Manschette, die durch Druckknöpfe eingehalten werden.

Ach ja, die Druckknöpfe- die fand ich dann das Schwierigste an dem ganzen Nähprozess. Ich hatte mir erst perlmuttfabene Druckknöpfe ausgesucht, die mir gut gefallen hatten zu diesem etwas glänzenden Stoff. Leider hatte ich übersehen, daß sie für Jersey gedacht waren und für meinen Webstoff natürlich nicht geeignet. Also wieder ins Nähgeschäft, das an diesem Sonntag freundlicherweise offen hatte, und passende Knöpfe ausgesucht.

Die Knöpfe, die ich jetzt verwendet habe, sind sogenannte Anorakknöpfe von Prym in der kleinsten Größe, in einem matten Silber. Das Einschlagen geht eigentlich ganz gut, ich verwende dafür einen Hammer und die im Knopfset mitgelieferten Werkzeuge. Am schlimmsten finde ich ja immer noch das Perforieren des Stoffes mit der Ahle vorm Einschlagen des Knopfes- das kostet schon sehr, sehr große Überwindung…

Das Ärmelbündchen ist so sicher einfacher zu nähen als eine „richtige “ Manschette, trotzdem finde ich diese Lösung nicht optimal. Vielleicht hätte man die Knöpfe anders anbringen sollen, aber ich habe es entsprechend der Anleitung gemacht, und ein Aufkrempeln der Ärmel ist jetzt nicht mehr möglich.

 

 Bei der Kleiderversion des Schnittes wird unten am Ärmelsaum einfach ein Gummiband eingezogen, das ist sicher auch eine gute Lösung.

Die Raglanärmel sitzen gut und sind ausgesprochen bequem. Daß die Ärmel auf meinen Bildern so zerknittert wirken, liegt weder am Schnitt noch am Stoff, sondern daran, daß wir die Bilder auf einer Wanderung im Kleinwalsertal aufgenommen haben. Und die Kombination durchgeschwitzt, Kimonoärmel und darüber Jacke führt zwangsläufig zu Falten in der Bluse- Bügeleisen war da oben auch gerade nicht zur Hand.

Auch die Länge der Bluse mit dem leicht geschwungenen Saum finde ich sehr gelungen, und paßt gut zu meinem Wanderrock, den ichhier schon mal gezeigt habe.

Das hübsche Blüschen ist sicher keine typische Wanderkleidung, und zwischen all den funktionsstoff-gekleideten anderen Wanderern fiel ich durchaus etwas auf. Anderseits paßt diese Bluse eigentlich hervorragend in die Landschaft. Die Designerinnen von Named beschreiben ihre Herbst-Winterkollektion als inspiriert von Natur und Wissenschaft, insbesondere der Geologie- was könnte hier also geeigneter als Hintergrund sein als die wunderschöne, karge Gebirgslandschaft auf 1800m Höhe?

Die Stella -Bluse ist ausgesprochen bequem, was sicher auch an den Raglanärmeln liegt. Ich würde sogar sagen, sie ist die bequemste Bluse, die ich jemals getragen habe. Also, ein schöner und empfehlenswerter Schnitt, den ich gerne noch mal nähen werde!

Jetzt schaue ich aber erstmal, was andere heute am Memademittwoch zeigen. Vielleicht auch Modelle aus der neuen Named Kollektion?

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Etuikleid nach eigenem Schnitt

Nein, dies ist definitv kein Herbstkleid, kleidungstechnisch passe ich damit durchaus nicht in die derzeitige Witterung. Aber dieser Schnitt mußte unbedingt noch genäht werden!

Die Entstehungsgeschichte dieses Kleides begann im Spätsommer.  Für Anfang September hatte ich wieder einen Platz in einem Schnittkonstruktionskurs bei Peggy Morgenstern ergattert. Es war schon mein dritter Kurs bei Peggy, die ersten Kurse hatten sich mit der Konstruktion von Rock, Hose und Oberkörpergrundschnitt beschäftigt, hier hatte ich schon mal darüber berichtet. Diesmal sollte es um Etuikleider gehen.

Da wir passende Stoffe mitbringen sollten, hatte ich mir schon vorher Gedanken gemacht, was ich gerne nähen würde. Das war nicht schwierig, denn ich wußte schon lange, wie so ein Etuikleid für mich aussehen sollte. Aus Leinen, ärmellos für den Sommer, aber natürlich auch gefüttert für den schönen Fall des Kleides. Passenden Stoff fand ich hier, ein eher kräftiges Leinen mit einer schönen Oberflächenstruktur.  Bei der Farbe hatte ich dann die Qual der Wahl, da es so viele schöne Farbtöne gab, und dieses blasse Blaugrün hat dann das Rennen gemacht.

Die Kurse bei Peggy laufen immer sehr strukturiert ab. Auch diesmal gab es zur Einführung einen theoretischen Exkurs über Etuikleider und vor allem die verschiedenen Formen der Teilungsnähte wie Prinzessnähte, Wiener Nähte und Flankennähte. Eigentlich alles sehr einleuchtend, jeder hat sicher schon mal die Diagramme gesehen, wie die Brust- und Taillen-Abnäher in einer Teilungsnaht verschwinden.

Aber dann ging es ans praktische Zeichnen. Wir Teilnehmer hatten ja alle einen  angepassten Oberkörpergrundschnitt und standen nun vor der Aufgabe, daraus ein Kleid nach dem von uns gewünschten Entwurf zu konstruieren. Und was in der Theorie so einfach klingt, stellt einen vor ungeahnten Schwierigkeiten, wenn man dann vorm Schnittpapier steht…wo soll denn jetzt dieser Abnäher hin? welchen Schwung soll diese Naht bekommen? wie soll ich den Ausschnitt gestalten?

Zum Glück hatten wir Peggy, die mit ihrer gewohnten Geduld immer zwischen uns herpendelte und jedem helfend unter die Arme griff.

Mit war rasch klar, wie ich mein Kleid gestalten wollte. Im Vorderteil Wiener Nähte, ins Armloch ziehend, im Rücken Abnäher. Den Schulterabnäher im Rückenteil habe ich den Ausschnitt gedreht. Und natürlich einen kleinen Gehschlitz, um die nötige Beinfreiheit zum Laufen und Radfahren zu gewährleisten.

Nachdem der Schnitt gezeichnet war, wurde er aus Nessel probegenäht. Wie immer gab es hier beim Zuschneiden, Nähen und Bügeln viele kleine Tips von Peggy zwischendurch- unglaublich hilfreich für jemanden wie mich, der nie einen richtigen Nähkurs besucht hat.

Spannend waren dann die Anproben der Nesselmodelle. Wir waren vier Kursteilnehmerinnen, mit naturgemäß vier ganz verschiedenen Figuren und Anpassungsproblemen. Wie schön, daß Peggy für jedes Problem eine Lösung wußte! Die abgesteckten Änderungen am Modell wurden dann auf den Schnitt übertragen. Dann folgten natürlich noch die ergänzenden Arbeiten: es wurden auch Belege und Futter konstruiert, so daß wir mit einem kompletten Schnitt nach Hause fahren konnten..

Und diesen Schnitt mußte ich dann natürlich unbedingt und sofort nähen, ich war ja so neugierig, wie mein Etuikleid aussehen würde!

Eigentlich hatte ich mich auf diese Näharbeit ja unglaublich gefreut. Wann hat man schon mal den Luxus, daß man schon vor dem Nähen sich sicher sein kann, daß der Schnitt paßt? Ich nähe sonst fast nie Nesselmodelle und versuche eher, das nach den ersten Anproben irgendwie anzupassen.

Aber nun hatte ich einen fertigen Schnitt, einen passenden Stoff, Futter und Reißverschluss verkaufte mir gerne der lokale Stoff-Dealer.

Aber – ich hatte keine Lust mehr zum Nähen. Ich glaube, es lag am Wetter, das mittlerweile so herbstlich geworden war. Ich hatte keine Lust mehr auf ärmellose Kleider und Leinen, ich wollte langärmelige Schnitte und kuschelige Stoffe. Aber da es nicht meine Art ist, eine unvollendete Arbeit liegen zu lassen, habe ich mich durchgekämpft. Natürlich mit den üblichen Problemen einer ungeliebten Näharbeit, also viele Fehler, falsch zusammengenähte Teile, wieder auftrennen, das übliche Programm.

Über dem ganzen Ärger war ich aber doch froh, daß mein Schnitt eigentlich korrekt war. Alle zusammen gehörigen Nähte paßten auch zusammen. Wie gut erinnere ich mich da an manche Fertigschnitte, wo eben nicht zusammen paßt, was zusammengehört!

Der Ausschnitt hat eine etwas gebogen Form, ist also kein gerader V-Ausschnitt. Das sah im Nesselmodell sehr hübsch aus. Die endgültige Version finde ich nicht ganz so überzeugend, das mag aber auch an meinem doch eher kräftigen Stoff liegen. Der Ausschnitt steht ganz diskret ab.

Ganz gut gelungen finde ich den nahtverdeckten Reißverschluss im Rückenteil.

Mein Hauptproblem war letzendlich der Schlitz im Rückenteil, oder besser gesagt die Schlitzverarbeitung mit dem Futter.

Die Futterverarbeitung sonst war kein größeres Problem, und so zeige ich erstmal gerne die Innenansichten des Kleides:

Aber dieser Schlitz, der hat mich wirklich Nerven gekostet. Geplant war ein Schlitz mit Untertritt, dafür hatte ich eine Anleitung ohne Futter, die ich verstanden hatte,  und eine Anleitung mit Futter, die ich nicht verstanden hatte. Schon beim Zuschneiden gelang es mir nicht, den Knoten im Gehirn aus Untertritt, Beleg und Nahtzugaben aufzulösen, und so klaffte nachher über dem Schlitz eine große Öffnung im Futter, wo ich zu weit ausgeschnitten hatte (ich hatte hier die Nahtzugabe vergessen)

Da ich das erst gemerkt hatte, als das Futter schon eingenäht hatte, habe ich mich zu einer unkonventionellen Reparaturmethode entschlossen und einfach einen „Flicken“ auf die Öffnung gesetzt- nicht schön, aber zweckmäßig.

Das Kleid ist insgesamt ziemlich genau so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe. Die Paßform ist gut, der Stoff schön und bis auf das Malheur mit dem Saumschlitz ist es mir auch ganz gut gelungen.

Trotzdem bin ich nicht ganz glücklich damit. Liegt es daran, daß es zu schlicht ist? Aber ich wollte es ja schlicht und klassisch, jetzt denke ich manchmal, daß es einfach langweilig ist…

Aber ich glaube, das Hauptproblem ist doch, daß es nicht mehr in die Jahreszeit paßt. Vermutlich werde ich es im nächsten Jahr im Mai wieder gerne aus dem Schrank holen und mich über mein schönes, schlichtes Sommerkleid freuen.

Aber soll es jetzt wirkllich bis zum nächsten Sommer im Schrank hängen? Da habe ich dann doch noch mal nach einem passenden Herbst-Styling geschaut, und siehe da, das kam dabei heraus:

Das Papercut-Wickeljäckchen paßt farblich gut dazu, und mit Schal und passenden Schuhen fühle ich mit jetzt doch auch bei der heutigen Witterung gut angezogen!

Alle anderen gut angezogenen Damen des Memademittwoch, egal ob Herbst- oder Sommerkleidung, findet man hier!

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Undercover Hoodie von Papercut Patterns

Herbstzeit ist Hoodie-Zeit! Den Undercover-Hoodie von Papercut Patterns wollte ich nähen, seit ich bei Claudia so schöne Beispiele gesehen hatte. Hoodie-Schnitte gibt es ja wie Sand am Meer, aber dieser Schnitt schien mir  der ideale Mittelweg zwischen sportlichem und femininem Stil zu sein.

Die Papercut-Schnitte habe die Besonderheiten, daß die Papierschnitte aus Umweltschutzgründen auf einem braunen Recyclingpapier gedruckt sind. Ist ja prinzipiell nicht verkehrt, und das Papier ist schön stabil, wenn man es direkt ausschneidet. Sehr hübsch fand ich die Verpackung des Schnittes in einem braunen Karton, mit Griff zum Aufhängen- da könnte man sich dann alle Papercutschnitte auf einer Stange sortieren, würde sicher zur Ordnung im Nähzimmer beitragen!

Die Anleitung ist knapp, aber völlig ausreichend, zumal es sich ja um einen simplen Schnitt handelt.

Der Undercoverhoodie ist ein Raglansweater mit Kapuze, genäht habe ich Größe S. Mit der Paßform bin ich erstmal zufrieden- ich denke, für einen Raglanschnitt mit geraden Nähten ist das ok.

Die Kapuze hat eine schöne Größe. Natürlich kann man über den praktischen Sinn einer Kapuze am Sweatshirt streiten- vermutlich werde ich sie selten als Regen- oder Kälteschutz tragen, sondern meistens hängt sie mehr oder weniger dekorativ am Rücken. Aber da wärmt sie und bildet einen guten Windschutz am Hals, das ist für mich so der Grund, warum ich gerne Pullis mit Kapuze trage.

Und ein unschätzbarer Vorteil der Kapuze ist ja auch, daß man sich hier mit dem Futter so austoben kann: die ideale Resteverwertung von Jerseyresten, Farbtupfer, Ton-in-Ton-Kombinationen- da ist der Phantasie keine Grenze gesetzt.

Mein Pullis ist aus einem Nosh-Sweat genäht. Das ist ein  Stoff  mit einer interessanten Oberflächenstruktur aus 100% Baumwolle, also ohne Elastan.  Die Dehnbarkeit des Stoffes ist dadurch begrenzt, was für den Tragekomfort aber keine Rolle spielt, der Stoff fühlt sich absolut angenehm an.

Für Bündchen fand ich ihn aber doch nicht geeignet aufgrund der geringen Dehnbarkeit. Ich hatte zwar schon Bündchen zugeschnitten, etwas breiter als im Schnitt vorgesehen, konnte mich aber dann nicht zum Annähen entschliessen. Ich fand den Pulli und auch die Ärmel eigentlich auch lang genug und habe mir daher eine andere Lösung überlegt.

Vor kurzem hatte ich den Malaga Sweater von WafflePattern genäht, hier hatte mir die Saumlösung mit eingelegten Falten gut gefallen. Das habe ich jetzt kurzerhand auch für diesen Pulli übernommen und 4 offene schräge Abnäher am Saum genäht. Die Saumkante selbst habe ich mit einem „Beleg“ aus gestreiftem passenden Nosh-Jersey verstürzt.

Auch die Ärmelbünchen erhielten Belge aus gestreiftem Jersey. Wenn man die Bündchen umklappt, sieht man den gestreiften Jersey.

Für die Kapuze hat der gestreifte Jersey nicht mehr gereicht, deshalb mußte ein anderer Nosh-Jerseyrest daran glauben

Ich liebe es ja mittlerweile sehr, auch die Innenverarbeitung der selbstgenähten Kleidundsstücke schön zu gestalten. Natürlich sieht das erst mal keiner außer mir, aber ich freue mich darüber immer wieder, ich denke, das macht auch die Hochwertigkeit unserer selbstgenähten Kleidung aus.

Aber entscheidend ist sicher auch der Tragekomfort, insbesondere bei einem Hoodie. Und der ist in diesem Fall sehr hoch, der Pulli trägt sich toll und hat seine Fahrradtourentauglichkeit am letzten Wochenende bravourös bewiesen.

Und da das schönste bei einer Fahrradtour natürlich die Pausen sind, lasse ich hier auch mal ein paar Bilder sprechen:

Die Hose , die ich trage, ist übrigens die Morgan Jeans von Closet Case, hier  schon mal gezeigt. Erwartungsgemäß haben sich diese Hosen als ein absolutes Lieblingsstück entpuppt, das ich zu allen Gelegenheiten gerne trage, so auch zu  dieser Fahrradtour.

Was tragen denn die anderen Damen, die auf dem Memademittwochpräsentieren, heute?  Sicher auch lauter Lieblingsstücke! Katharina empfängt uns heute in einem traumhaften Hosenrock, der hat absolut Lieblingsstück-Potential!

verlinkt Memademittwoch, Ichnähbio

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gut kopiert ist halb konstruiert

Endlich wieder Memademittwoch, und dann noch mit dem tollen Motto: „mein schönstes Ferienerlebnis!“

Das ist doch der ideale Anlaß, mein neues Kleid zu zeigen, das ich in der Ferienzeit geplant, entworfen und genäht habe.

Die ganze Geschichte begann in meinem Ostseeurlaub. Das Sommerwetter 2017 im Norden war ja bekanntermaßen nicht so ganz toll, und so gab es immer wieder mal Tage, die ich dann lieber für Fahrradtouren als für Strandkorbleben nutzte. Eine der Touren führte ins nahegelegene Lübeck, das natürlich bei jedem Wetter eine Reise wert ist. Die vielen schönen Kirchen, die Einkaufsstraßen mit den kleinen Geschäften, der Flußring um die Innenstadt…mir gefällt Lübeck einfach unwahrscheinlich gut. Und da beim Bummeln dann der nächste Regenschauer drohte, betrat ich ein Modegeschäft mit skandinavischer Mode.

Eigentlich interessieren mich Klamottenläden nicht mehr, seit ich selbst nähe. In diesem Geschäft war das anders, ich fand alles toll, kaufte auch ein Strickjäckchen und ein einfarbiges Top, lag sicher auch einfach an meiner entspannten Urlaubsstimmung.

Den Ständer mit den Jerseykleidern streifte ich allerdings nur mit einem flüchtigen Blick. Nein, ein Jerseykleid würde ich hier sicher nicht kaufen, das nähe ich doch lieber selbst!

Dem flüchtigen Blick blieb allerdings ein sehr hübsches Kleid nicht verborgen, zumal auch eine der Verkäuferinnen dieses Modell trug. Wickeloberteil, darunter irgenein Knotendetail- sah wirklich hübsch aus.

Dieses Kleid ging mir dann in den nächsten Tagen nicht aus dem Kopf. Wickeloberteil ist klar, aber wie mochte dieses Knotendingens wohl konstruiert sein? Da war ja wohl ein Taillenband, war der Knoten, oder besser gesagt die Verschlingung, im Band? oder doch aus den Oberteilen kommend?

Wieder zuhause, durchforstete ich etliche Knip und Fashion-Style Jahrgänge nach einem ähnlichen Schnitt. Den mußte es doch einfach geben! In der Knip erscheinen jeden Monat 2-3 neue Jerseykleidschnitte. Wenn man davon ausgeht, daß die Anzahl der möglichen Kleiderschnitte endlich ist, mußte mein Schnitt hier zu finden sein.

Allein- die Mathematik half mit nicht weiter, ich fand diesen Schnitt nicht. Ja , es gab ähnliche Schnitte, wie den bekannten Ottobre SchnittTwist Knot,oder auch dieses Knip-Kleid. 

Alle hatten die Verknotung in der Mitte, das war  aber nicht  das, was ich wollte.

Mein skandinavischer Klamottenladen hatte auch einen Onlineshop, und da betrachtete ich mir mein Kleid nochmal. Auch wenn das Bildschlecht war- ich mußte diesen Schnitt haben und das Kleid nähen.

Und so kam es, wie es kommen mußte, ich bestellte mir das Kleid. Beim Bestellen hatte ich zugegebenermaßen noch den hinterhältigen Gedanken, den Schnitt zu kopieren und dann das Kleid zurückzuschicken. Dafür war ich dann doch zu anständig, denn nachdem ich den Knoten ausgiebig in alle Richtungen gezerrt und geschoben hatte, fand ich es unfair, dieses maltraitierte Stück zurückzuschicken. Außerdem gefiel mir der Stoff, und da ich soweiso das Motto habe, daß man Kleider nie genug hat, hängt es jetzt in meinem Schrank und wurde durchaus gerne getragen, auch wenn es „nur“ ein Kaufkleid ist… aber dafür kann es ja auch nichts.

Aber die Konstruktion war mir dann klar. Die Verschlingung im Taillenband kam aus beiden Oberteilen, wobei die linke Verschlingung nicht am Ende des Wickelteiles ansetzte, sondern weiter seitlich. Beide Bändel, die die Verschlingung bilden sollten, hatten an ihrer Basis eine Breite von ca 10 cm- klar, damit der „Knoten“ schön aussieht, braucht es einen breiteren Stoffstreifen.  Der rechte Bändel läuft konisch bis auf eine Breite von 5 cm, der Breite des rückwärtigen Taillenbandes, der linke wird an der linken Seitennaht auf die entsprechende Breite eingereiht.

Der Rock ist in der rechten Hälfte glatt und wird in der linken Hälfte oben eingereiht, so daß wirklich der Eindruck einer Verknotung  im linken Vorderteil entsteht. Wirklich ein schöner Schnitt, überraschend, daß die einschlägigen Schnittdesigner sowas noch nicht entdeckt haben!

 So sahen dann die Schnittteile für die Oberteile aus. Grundlage war ein einfacher Shirtschnitt, daraus die überlappenden Vorderteile für den Wickeleffekt  und die unten anhängenden Bändel. Das Bändel des linken Teiles wird dann um 90° nach links gedreht und die Seitenkante, die vorher etwas eingereiht wurde, an die Unterkante des Oberteiles genäht. Offen blieb nur eine sehr kleine Öffnung, durch die der Bändel des rechten Teiles gesteckt wurde, bevor auch hier die Seitenkante des Bändels an die Unterkante des rechten Oberteiles genäht wurde.

Das Rockteil ist in der rechten Hälfte glatt, in der linken Hälfte eingereiht. Die vordere Mitte des Rockteils befindet sich unterhalb des Verknotung, also in der linken Hälfte des getragenen Kleides. Ich finde, auf diese Art fällt der Rock sehr schön.

Im Rücken wollte ich Oberteil und Rockteil in der Mitte in Fältchen legen. Das war im Rockteil kein Problem, im Oberteil habe ich aber nur den unteren Teil des Schnittes aufgespreizt. Das war keine gute Idee, zumal der Stoff auch sehr, sehr weich ist und wenig Stand hat. Statt Fältchen habe ich jetzt eher eine Beule im Rücken über dem Taillenbund- na ja, kann ja auch nicht alles gleich klappen!

Der Stoff ist übrigens wieder mal ein Modaljersey von Lillestoff, mit dem schönen Namen Ringvivo.

Ich fand die Ringe auf dem Stoff so schön passend zu meinem verschlungenen Schnitt!

Der Ausschnitt von Wickelkleidern ist ja immer ein Problem, da er naturgemäß klafft und mehr oder weniger unerwünschte Einblicke gestattet. In diesem Fall habe ich die Ausschnittkanten zunächst mit Framilonband verstärkt, bevor ich mit der Cover abgesteppt habe. Das Framilon wollte ich leicht gedehnt aufnähen, bei einem Probestück hatte das ganz gut geklappt. Beim endgültigen Teil gelang es mir nur mäßig- der weiche Modal und Framilon sind kein wirkliches Dream-Team, das mußte ich dann einsehen. Zunächst wurde der Stoff zu stark eingereiht durch das gedehnte Band. Nachdem ich dann voller Ärger einen tüchtigen Dampfstrahl meines Bügeleisens auf den Ausschnitt gerichtet hatte, gaben wohl etliche Polyfasern des Framilonbandes ihre Funktion aus, der Ausschnitt wurde wieder glatt- und klaffte etwas auf, so wie immer.

Da ich mich auch außerhalb meines Gartens in dem Kleid  bewegen wollte, habe ich noch ein Unterhemdchen genäht, daß tiefere Einblicke verhindert.

Hierfür habe ich den Schnitt Julia aus der August-Seamwork genommen. An dem Schnitt ist nichts Originelles, aber ich fand es einfacher, die paar pdf-Seiten zusammenzu kleben als meine (zugegebenermaßen) umfangreiche Schnittsammlung nach etwas vorhandenem zu durchforsten.

Julia hat einen hübschen Ausschnitt, ist ansonsten aber sehr weit, ich habe an den Seitennähten noch einiges weggenommen, so 1-2 cm jeweils.

Aber unter dem Kleid macht sich das Top doch ganz gut, ich fühle mich dann doch etwas kompletter angezogen.

Insgesamt bin ich mit meinem „kopierten“ Kleid sehr zufrieden. Der Stoff trägt sich natürlich traumhaft, zumindest bei hohen Temperaturen, die Herbst-Tauglichkeit  wird sich erst noch zeigen, aber vielleicht geht es mit einem Strickjäckchen. Die Paßform ist natürlich um Klassen besser als bei dem Kaufkleid. Fahrradfahren geht einwandfrei- das ruft doch direkt nach einer Wiederholung!

Beim nächsten Exemplar würde ich dann die Rückenpartie reparieren, also Fältchen nur im Rockteil und das Oberteil glatt lassen. Dann würde ich gerne die Bändel des Taillenbandes auch im Vorderteil gedoppelt haben, im Rückteil ist das Taillenband bereits gedoppelt . Ein Jerseytaillenband, vor allem aus so einem weichen Stoff wie diesem Modaljersey, braucht wohl  doch die zwei Stofflagen, um die notwendige Stabilität zu haben.

Ich könnte auch die gesamten Vorderteile doppeln, mit den anhängenden Bändeln. Vielleicht würde das auch den Wickelteilrändern die notwendige Stabilität geben?

Ach , nähen ist so toll, das habe ich wieder mal an diesem Kleid gemerkt.  So schön, wenn man eigene Ideen umsetzen kann!

Jetzt schaue ich erstmal bei den anderen Damen desMemademittwoch,was die so im Urlaub genäht haben. Da gibt es sicher wieder viele Inspirationen!

verlinkt: MMM, LL (ab Freitag)

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Flint von Megan Nielsen

Die Flint Pants von Megan Nielsen sind mir in den letzten Wochen gefühlt auf jedem zweiten Nähblog begegnet, und überall sahen sie bzw. ihre Trägerin toll aus. Und so nähte ich mir auch noch in diesen Spätsommertagen eine Flint Pant.

Wobei- eine Hose ist das eigentlich nicht. Es ist ein Hosenrock, und der Schnitt ist ein Rockschnitt, mit dem entsprechenden Zwischenbeinteil für den Hosenrock. Und weil es eben keine Hose ist, sondern ein Rock, wirkt es auch so schön feminin. Die australische DesignerinMegan Nielsen hat das einfach gut raus mit den Rockschnitten, einer ist wirklich schöner als der andere.

Mein Stoff ist wieder mal eine Viskose der französischen Stoff-Designerfirma Atelier Brunette. Vor einigen Wochen wurde eine neue Stoffkollektion veröffentlich. Wie immer war ich vom Design und den Farben begeistert und habe direkt bei Atelier Brunette bestellt, sobald der Online-Shop in Paris die Stoffe anbot. Diese bildschöne Viscose trägt den Namen Moonstone blue.

Leider liess die Lieferung auf sich warten, und eine Erklärung kam dann irgendwann per Mail , zum Glück auf Englisch, denn so gut ist mein Französisch dann doch nicht. Es gab jedenfalls Probleme mit der Qualität und der Farbechtheit diese blauen Stoffes, offensichtlich waschen die braunen Sprenkel sich leicht aus. Wenn ich ihn trotzdem haben wollte, so der Hinweis in der mail von Atelier Brunette, dürfte ich ihn nur im Wollwaschgang waschen.

Da mir schon klar war, daß ich aus diesem Stoff einen Rock nähen würde, den man ja nicht so oft wäscht wie ein Kleid, hat mich das nicht weiter gestört, und ich habe ihn trotzdem bestellt. Ich habe dann mit 30° den Stoff vorgewaschen, und das hat er gut überstanden.

Atelier Brunette hat dieses Qualitätsproblem wohl nach wie vor nicht gelöst, denn der Stoff in dunkelblau ist immer noch nicht wieder im Onlineshop erhältlich. Schade eigentlich, denn ich finde diesen Stoff so unglaublich schön!

Also. Stoff und Schnitt waren da, da konnte ich mich voller Freude ans Nähen machen. Es gibt ja sehr viele Rezensionen dieses Schnittes, am meisten geholfen haben mir die Beiträge von Kleidermanie, die etliche wunderschöne Flint-Versionen genäht hat. Und so wußte ich auch schon, daß Flint eher groß ausfällt. Genäht habe ich Größe S, im Schrittbereich XS und die hintere Schrittnaht steiler gestellt und verkürzt. Um auf meine gewünschte Taillenweite zu kommen, die zwischen S und M liegt, habe ich Abnäher und Bundfalten verkleinert. Das war zwar rechnerisch richtig, aber trotz allem ist der Schnitt insgesamt irgendwie doch sehr, sehr weit…

Ich habe dann nach der ersten Anprobe in beiden Seitennähten jeweils 1 cm weggenommen. Und trotzdem saß der Bund nachher nicht da, wo er sitzen sollte, nämlich unbedingt in der Taille.

Aber nun ist ja die Konstruktion des Rockes so witzig, daß man eben keinen Reißverschluss hat, sondern der Rock über ein Bindeband an der Seite geschlossen wird. Eingestiegen in den Rock wird dann sozusagen über die Tasche. Zu Sicherheit gibt es noch einen Knopf auf der Innenseite des Bundes.

Diesen Knopf habe ich dann ca 1 cm weiter nach innen gesetzt, als es eigentlich gedacht war, und das Schleifchen läßt sich auch so straff schnüren, daß der Rock dann doch in der Taille sitzt.

Auf den Bildern sieht es so aus, als ob die hintere Mittelnaht verzogen wäre. Das hängt sicher mit dem versetzten Knopf zusammen, durch den die ganze Hose natürlich nach links gezogen wird. In echt fällt das glaube ich nicht so sehr auf. Ich hätte auch die hintere Schrittnaht noch mehr kürzen müssen, dann wären die Falten an der rückwärtigen Hose nicht so vorhanden (glaube ich jedenfalls).

Abgesehen von diesen Paßformproblemen war Flint sehr einfach und schnell zu nähen.

Es gibt ein technisches oder fertigungsspezifisches Problem bei dem Schnitt, für das ich aber zum Glück auch schon durch Ninas Posts vorbereitet war (sonst hätte ich es erst nach dem Nähen gemerkt und mich wahrscheinlich maßlos geärgert)

Die linke Tasche dient wie gesagt als Einstieg in den Rock und wird daher nicht bis oben zugenäht. Deshalb werden natürlich auch die Ränder der Tasche entsprechend strapaziert. Eine einfache Nähmaschinenversäuberung ist hier sicher keine gute Idee, und auch ein Overlocknaht macht auf Dauer bestimmt keine Freude- immerhin öffnet man dieses Teil aus naheliegenden Gründen etliche Male am Tag. Ich denke, daß an dieser Stelle ist wirklich mal eine Schrägstreifenversäuberung der Nahtzugaben die optimale Verarbeitung ist. Schade, daß das in dem sonst so ausführlichenSewalongauf der Website von Megan Nielsen nicht thematisiert wird!

Ich habe  das jedenfalls zum Anlass genommen, meine Schrägbandeinfasser an der Nähmaschine endlich seiner Bestimmung zuzuführen. Ich besitze das gute Stück zwar schon eine Weile, da ich es gemeinsam mit meiner Cover gekauft hatte, habe es aber bisher nicht ausprobiert.

Die erste Montage hat mich dann einiges an Nerven gekostet- nicht weil es schwierig ist, sondern weil die Beschreibung im mitgelieferten Prospekt zwar in drölfzig Sprachen , aber ansonsten völlig insuffizient ist. Das You Tube Video brachte rasch Klarheit, schwierig ist Montage und Einstellung eigentlich nicht. Hätte man das nicht in eine verständliche papiergebundene Anleitung bringen können, die man dem Bandeinfasser dazulegt? Das Bernina-Zubehör ist so hochpreisig, ich finde, das wäre hier angemessen gewesen.

Nachdem die Montage bewältigt war, saß ich staunend vor der Nähmaschine und schaute zu, wie das (ungefalzte!) Schrägband in eine saubere Einfassung verwandelt wurde. Ich hätte noch Stunden so weiternähen können und war richtig traurig, als meine vier Taschenbeutel eingefaßt waren!

Das Schrägband hatte ich übrigens auch aus einem Atelier Brunette Stoff zugeschnitten (Sparkle Melba gold), das paßte dann farblich perfekt. Sieht allerdings leider keiner ausser mir…

Über die Rock- oder Hosenlänge habe ich einen Tag nachgedacht. Ich hatte von vornherein schon um ca 6-7 cm gekürzt, da ich nicht genug Stoff hatte .  Nach der ersten Anprobe hatte ich mir auch eine gut knielange Version abgesteckt, also so, wie ich sonst auch einen Rock maximal tragen würde.

Aber da ich es nicht übers Herz brachte, den schönen Stoff abzuschneiden, blieb die Länge so, und nach dem ersten Tragen auch an einem warmen Tag  bin ich sehr glücklich über dieses schöne schwingende und luftige Gefühl bis an die Waden. Die Fahrradtauglichkeit ist noch nicht getestet, und ich fürchte, unliebsame Kontakte zwischen Stoff und Radbestandteilen sind nicht ganz ausgeschlossen. Na gut, dann eben eher ein Rock zum Flanieren zu Fuß!

Mein Fazit: Flint ist ein wunderschöner Schnitt für einen Hosenrock. Ich werde den Schnitt sicher noch mal nähen, aber dann vielleicht in einer Bearbeitung mit  Reißverschluss in der Seite. Mich hat die Verschlusslösung nicht überzeugt, auch wenn sie witzig und originell ist. Die „Bedienung“ im täglichen Leben mit Aufknöpfen der Schleife und des innenliegenden Knopfes ist umständlich, und für die Paßform ist die Schleife, die sich dann doch irgendwann lockert, nicht ideal. Und so viel mehr Arbeit ist es ja doch nicht, einen Reißverschluß in die Seitennaht einzunähen.

Mein Stoff hat sich als ideal für den Schnitt herausgestellt, das freut mich ja besonders. Das ist doch immer eine besondere Schwierigkeit, finde ich, da ich es mir oft nicht so vorstellen kann, wie ein  Kleidungsstück mit einem gewählten Stoff aussehen wird. Aber hier paßt alles gut! Ich wünsche mir, daß Atelier Brunette dieses Qualitätsproblem mit dem dunkelblauen Stoff bald lösen kann, denn ich finde die Farbe bei diesem Design ausgesprochen schön. Es gibt den Moonstone-Stoff ja auch noch in Rosa- aber hat jemand schon mal auf dem Mond rosa Steine gesehen? das muß doch einfach dunkelblau sein!

verlinkt: RUMS