Uncategorized

Nähcoaching bei Inge Szoltysik-Sparrer

Das schöne Kleid, das ich heute zeige, hat eine ganz besondere Geschichte- und sicher ist es auch deswegen ganz besonders schön geworden! Entstanden ist es an einem Wochenende, bei dem ich einen Nähcaoaching-Kurs bei Inge Szoltysik-Sparrergebucht hatte. Inge ist den meisten unter uns sicher bekannt- viele kennen sie aus ihrer Jurorinnen-Aufgabe in der Fernsehsendung „geschickt eingefädelt“, die vor einigen Jahren im deutschen Privatfernsehen lief, ein Remake der britischen Erfolgssendung  „the great british sewing bee„. Über Instagram wurde ich auch immer mal über die Aktionen von Inges Nähatelier in Kenntnis gesetzt, und so wußte ich auch, daß Inge Kurse für Hobbynäherinnen anbot. Bisher war es immer so gewesen, daß die Kurse ausgebucht waren, bevor ich davon Kenntnis bekommen hatte-Anfang des Jahres entdeckte ich einen Kurs, den ich noch buchen konnte. Nicht viel nachgedacht, und -klick-! war der Kurs im virtuellen Einkaufskorb, und ich war fürs Nähcoaching im Februar eingebucht.

Erst kurz vor dem Termin bekam ich dann richtig Bedenken. Ja, natürlich hatte ich mittlerweile mit Inge telefoniert und meine Pläne mitgeteilt, denn das Thema dieser Nähwochenenden ist völlig offen, jeder kann nähen, was ihm am wichtigsten ist. Und das Telefonat war so super freundlich, daß ich gerne meine Wünsche mitteilte, ein Oberkörperschnitt sollte es sein, gerne eng anliegend, mit einer trotzdem guten Beweglichkeit im Armbereich. Eine Bluse, oder ein Hemdblusenkleid? So ganz genau wußte ich es ja auch nicht, war jedenfalls sehr erleichtert nach diesem Telefongespräch und legte schon mal einige passende Blusenstoffe heraus.

Aber je näher der Termin wurde, umso verzagter wurde ich. Der Kurs war ja nun ausdrücklich als „nicht für Anfänger geeignet“ bezeichnet- würde ich da überhaupt hinpassen? Ich habe ja nun schon so einiges genäht, auch eigentlich ganz erfolgreich, aber trotzdem sehe ich mich absolut als Amateur im Nähen. Ich habe niemals einen Nähkurs besucht und mir das meiste autodidaktisch durchs Internet oder Bücher und Zeitschriften angeeigenet. Und dann ein Kurs bei einer so berühmten Massschneiderin- ich bekam Angst vor meiner eigenen Courage. Sicher würde ich bereits nach der ersten Stunde nach Hause geschickt werden- oder mir würde eine einfachere Aufgabe zugeteilt. Überhaupt, was hatte ich mir dabei gedacht, mir eine Bluse vorzunehmen? So was schwieriges, mit Kragen, Knopfleiste, Manschette- hätte ich nicht einfach eine Schürze, oder noch besser einen Kissenbezug nähen können?

Die anderen Teilnehmer würden sicher alle besser sein als ich, ich rechnete fest damit, im Kurs nur auf Supernäherinnen zu treffen, also solche, die schon vor dem Frühstück erst mal zwei Paspelknopflöcher nähen, um wach zu werden.

Solche Gedanken bewegten mich, als ich mich an einem milden Februarwochenende auf die Fahrt nach Hagen in Inges Nähatelier machte.

Wie schön, daß ich so herzlich von Inge empfangen wurde! Es war natürlich alles ganz anders als gedacht oder befürchtet, und nachdem ich gemerkt habe, daß auch die anderen Teilnehmer meine Ängste mehr oder weniger geteilt hatten, konnte ich den Kurs ganz entspannt geniessen.

Es begann mit dem Maßnehmen, denn wir sollten ja mit einem Schnitt arbeiten, der auf unsere Masse abgestimmt war. Ich hatte verschiedene Ideen zu meinem Projekt und vier Stoffe eingepackt. Ganz oben auf meinem Stapel lag ein Chambray, den ich erst in der Woche zuvor gekauft hatte und den ich aber unglaublich schön fand, ein Hanf-Baumwollgemisch. Ich hatte auch früher schon gelegentlich Hanfstoffe gesehen, auch bei Kaufkleidung, und hatte sie eher als derb und rustikal in Erinnerung. Dieser Stoff war ganz weich und hatte einen wunderschönen Fall, also ein idealer Kleiderstoff. Ich glaube ja, daß Inge vor allem das Streifenmuster reizte…jedenfalls wurden wir uns rasch einig, daraus sollte ein Hemdblusenkleid werden. Ich hatte mir einen Schnitt mit einem eng anliegenden Oberteil und einem angekrausten Rock vorgestellt, Inge schlug eine Variation ihres Etuikleidschnittes vor, bei der das Rockteil durch eine tiefe Kellerfalte im Vorderteil  Volumen bekommt. Damit war ich gerne einverstanden.

Der Masschnitt wurde mit ihrem Programm erstellt. Ein Traum für jeden, der sonst Schnitte abpaust, Schnittlinien mit der Hand ändert, Papierstücke an mehr oder weniger passenden Stellen anklebt und dann wieder abreisst, wenn es eben doch nicht so richtig ist. Inge hat natürlich ein professionelles CAD-Programm für ihre Schnitte, was sie dann mal so neben her bedient- ich weiß die Mühe und sicher auch die Kosten zu schätzen, mit denen dann der Plotter so einen Masschnitt nach einigen Minuten ausspuckt.

Dann ging es ans Zuschneiden, und hier gab es schon die ersten gewaltigen Offenbarungen für mich. Ich hätte ja, wenn ich schon so große Änderungen an einem Schnitt plane, mir erst mal einen neuen Schnitt für das Vorderteil gezeichnet. Inge wollte aber alles auf dem Stoff direkt anzeichnen- sehr sinnvoll bei meinem Streifenstoff. Völlig ungewohnt war für mich, daß ich auch die Nahtlinien anzeichnen sollte. Ich kannte das zwar schon aus einem von Inges Videos, hatte das aber bisher nie so gemacht. Meistens nähe ich ja auch nach Fertigschnitten aus dem englischsprachigen Raum, die die Nahtzugabe bereits erhalten, da wäre es dann sehr mühsam, sich auch noch eine Nahtlinie einzuzeichnen.

Schnittmarkierungen wurden entweder mit Kreidestiften eingezeichnet oder mit einem andersfarbigen Faden eingeheftet, das Einknipsen des Stoffrandes war nicht erlaubt. Das Durchschlagen der Markierungen und Nahtlinien auf die unten liegende Stoffhälfte geschah mittels Kopierpapier und Kopierrädchen. Jetzt wußte ich endlich, wozu man so ein Kopierrädchen braucht! Ich besitze nämlich eines schon seit vielen Jahren, aber die Einsatzmöglichkeiten dieses Werkzeuges hatten sich mir bisher nicht so wirklich erschlossen.

Und so ging es eigentlich das ganze Wochenende weiter. Viele Nähschritte, die ich für mich immer irgenwie gelöst hatte, wurden bei Inge anders gehandhabt. Das Schöne war aber, daß es immer plausible Erklärungen dafür gab, warum ich jetzt eine spezielle Technik anwenden sollte. Und wenn wir irgendetwas nicht richtig konnten oder verkehrt gemacht hatten, war es auch nicht schlimm- Inge war immer gern bereit, unsere Fehler zu korrigieren. Die Atmosphäre im Atelier war wunderschön, fand ich, konzentriert und dabei doch unglaublich entspannend, es wurde viel erklärt, erzählt, aber auch gelacht…wer sich das nicht vorstellen kann, für den habe ich mal beispielhaft eine Szene aufgeschrieben…

Ort: Inges Nähatelier

handelnde Personen: vier Kursteilnehmerinnen und Inge 

später Nachmittag bei Inges Nähcoaching. Alle Teilnehmerinnen sind konzentriert bei der Arbeit, heften, stecken, nähen mit der Hand. Die Ruhe im Atelier wird nur durch das gelegentliche Zischen der Dampfbügelstationen unterbrochen.

Teilnehmerin A eilt zu Inge , um neue Anweisungen für ihr Nähprojekt zu erhalten. 

Inge: „bügel doch erst mal diese Naht richtig aus“

Teilnehmerin A strebt zum Bügelbrett. Diesmal will sie alles richtig machen, hingebungsvoll bügelt sie die Naht (gefühlte ) 30 Minuten und bringt sie dann zu Inge- in Erwartung eines großen Lobes.

Inge, nach flüchtigem Blick auf das Werkstück  „ist das schon gebügelt??“ , ergreift dann selbst das Bügeleisen, und nach zwei gezielten Dampfstössen erstrahlt das Werkstück in ungeahntem Glanz.



Ende der Szene, Vorhang!

Alle Agierenden treten vor den Vorhang, verneigen sich unter dem anhaltendem Applaus und beschliessen , erst mal gemeinsam zum Abendessen zu gehen.



Aus: Inges Nähcoaching, Drama Lustspiel in vier Akten

Ich hatte ja ein spezielles Problem, was ich an diesem Wochenende lösen wollte, das war die Anpassung  im Schulter-Armbereich. Ich habe schon einige Kleidungsstücke aus Webstoffen genäht, und immer war ich mit dem Schulterbereich unzufrieden. Entweder saß es nicht richtig, oder ich konnte mich nicht gut darin bewegen, oft auch beides. Ich hatte ja schon die Schuld bei mir und meiner Schulterform gesucht, aber genau das sollte man ja beim Selbstnähen irgendwie berücksichtigen können. Nach diesem Wochenende bin ich mir aber sicher,  aber daß mein Hauptproblem in meiner fehlerhaften Technik des Ärmeleinsetzes lag. Natürlich wußte ich, daß man die Armkugel einreiht, das hatte ich schon immer so gemacht, und mich dann bemüht, die Paßzeichen übereinander zu bekommen. Ich hatte immer viel gesteckt und  versucht, den Ärmel ins Armloch zu bekommen, ging mal besser, oft schlechter. Oh, wie ich Ärmeleinnähen haßte! Aber da die klimatischen Bedingungen in Deutschland nicht nur ärmellose Oberteile erfordern, mußte ich mich irgendwie damit arrangieren.

Dabei geht es doch viel einfacher: die Armkugel wird eingereiht, und dann mit viel Dampf erst mal in Form gebügelt. Diesen Vorgang hatte ich schon kennengelernt, als ich meinen Blazer genäht habe, da fand ich es faszinierend, wie schön man einen Wollstoff in Form bügeln kann. Aber ich hätte nie daran gedacht, das auf andere Stoffe anzuwenden…dabei geht das so gut! Mein Hanf-Baumwollstoff nahm beim Bügeln willig die Schulterform an, und flutschte im Endeffekt wie von selbst ins Armloch. Na ja , nicht ganz, ein paar Stecknadeln halfen ihm dabei.

Dann wurde mit der Hand, auf der prospektiven Nahtlinie, geheftet und der Fall des Ärmels überprüft. Wenn das in Ordnung war, wurde genäht. So einfach, und so effektiv – ich liebe Ärmeleinsetzen!

Und so ging es weiter am Wochenende, es gab ganz viele von diesen „aha!!“ Ereignissen,  bei denen sich Nähprobleme, die ich immer schon  hatte, lösen liessen. Manchmal waren die Lösungen so einfach, daß ich mich heute noch frage, warum man uns Hobbynäherinnen mit solchen Problemen alleine läßt oder sogar immer wieder falsch anleitet.

Als Beispiel will ich nur meinen zierlichen Stehkragen nennen. Ich will jetzt nicht darauf hinaus, daß man diese Kragenform nicht so oft sieht, aber mir steht dieser Kragen einfach besser als so ein hohes Teil mit Kragensteg, das ist aber einfach meiner Anatomie geschuldet.

Ist ja auch egal, wie der Kragen aussieht, in jedem Fall muß der Unterkragen irgendwie mit dem Rücken auf der Innenseite verbunden werden…und da wird in den meisten Anleitungen, die ich so kenne, mit der Maschine gesteppt, sei es im Nahtschatten oder als Absteppung in einem gewissen Abstand  zur Naht. Das ist schwierig, weil es sich um Rundungen handelt, und mir ist das nie gut gelungen. Jetzt habe ich gelernt, diese Naht mit der Hand zu machen, das ist so viel einfacher und wird viel schöner, da unsichtbar. Und es ist natürlich nicht zeitaufwendiger, da es sich ja wirklich nur um ein kurzes Nahtstück handelt.

Wir waren vier Teilnehmerinnen, die sich alle verschiedene Nähprojekte vorgenommen hatten. Im nachhinein finde ich es sehr überraschend, wie Inge es geschafft hat, uns alle so gut und umfassend anzuleiten. Denn wir wurden alle mündlich angeleitet, es gab ja keine schriftlichen Arbeisanweisungen, wie ich es sonst von meinen Schnitten gewohnt war. Wir erhielten also alle unsere sehr detaillierten Anweisungen und Hilfestellungen direkt von Inge, und sie wußte auch immer genau, wo jeder der Teilnehmer gerade war. Es gab fast keinen Leerlauf, wo man dann mal auf neue Anweisungen warten mußte- das fand ich wiederum sehr schade, denn ich hätte auch zu gerne den Anleitungen der anderen mehr gelauscht, so interessant war das alles. Die Zeit verging wie im Flug, wir waren voll im Flow, wie es so schön auf Neudeutsch heißt.

Für unser leibliches Wohl wurde gut gesorgt..wäre gesorgt worden, wenn wir mehr darauf geachtet hätten, aber zumindest ich habe völlig vergessen zu essen und zu trinken, weil ich so konzentriert beim Nähen war. Und die äußeren Umstände des Kurses waren natürlich ideal, da wir in Inges Modeatelier arbeiten und die professionelle Ausstattung nutzen durften.

Es gabe moderne computergesteuerte Nähmaschinen eines bekannten Anbieters, mir wurde allerdings ein etwas älteres Modell zugewiesen,,,

…eine Industrienähmaschine, mit der ich am Anfang sehr fremdelte, zu ungewohnt war die Bedienung, die überwiegend über das Fußpedal stattfand. Aber am zweiten Tag wurden wir gute Freunde, die Maschine und ich, denn dann hatte ich ihr Bedienprinzip verstanden und freute mich über ihre ruhigen Laufeigenschaften und das stabile Stichbild auch auf der linken Stoffseite.

Viel zu schnell war das Wochenende vorbei, und ich befand mich wieder auf dem Heimweg. Im Gepäck ein neues Kleid, den dazu passenden Schnitt und -das Beste!- vielen neuen Fertigkeiten und Erkenntnissen.

Was habe ich jetzt denn gelernt in diesen beiden Tagen? Die Hauptsache ist sicher, daß es sich beim Nähen lohnt, sehr genau zu arbeiten. Das war ja auch schon meine Erkenntnis im letzen Jahr, daß dieses Schielen nach einem schnellen Nähergebnis, das einem dann „von der Maschine hüpft“, das ist nicht meines, ich möchte auch den Nähprozess geniessen.

Die andere Erkenntnis ist aber auch, daß die professionelle Schneiderkunst natürlich meilenweit entfernt ist für uns Hobbynäherinnen. Das ist aber nicht schlimm, finde ich, denn die Schneiderinnen lernen das und üben ihren Beruf jahrelang aus- wie schlimm wäre es denn, wenn wir so ohne weiteres das gleiche könnten! Und Schneidern ist absolut eine Profession, eine Kunst, das merke ich immer mehr, je länger ich mich damit beschäftige. Und ich finde, wir dürfen uns dabei auch helfen lassen von den Profis.

Ich hätte dieses Kleid alleine nie so gut hinbekommen. Die Schnittanpassung wäre mir nie so gut gelungen, mal ganz abgesehen davon, daß ich so einen Kleiderschnitt auch nicht kenne, jedenfalls nicht bei den mir bekannten Indie-Schnittmustererstellerinnnen. Dabei ist der Schnitt ganz einfach: ein Kleider-Schnitt mit Wiener Nähten im Oberteil,  die im Rockteil in eine tiefe Kellerfalte übergehen, vorne eine Knopfleiste und ein kleiner Stehkragen. Die Ärmel sind gerade geschnitten und werden hochgekrempelt.

Aber ich bin so froh und so dankbar, daß ich das Kleid mit professioneller Hilfe  nähen konnte! Ich habe jetzt schon das nächste Kleid nach diesem Schnitt in Arbeit, einfach damit ich mir die Arbeitsschritte noch besser einprägen kann. Und dann gibt es natürlich noch viele Ideen, wie ich diesen Schnitt abwandeln könnte…

Und wer sich wundert, warum auf allen Bildern oben keine Schuhe zu sehen sind- hier noch ein Bild des gesamten Outfits mit (natürlich nicht) passenden Wanderschuhen! Wie so oft haben wir eine unserer Sonntags-Wanderung zum Bildermachen genutzt. Das Kleid habe ich gerne im Rucksack getragen, passende Schuhe auch mit zu schleppen war mir dann doch zu umständlich. Aber so habe ich mich dann rasch an diesem schönen Teich umgezogen und kurzfristig die Kälte ertragen. Ehrlich gesagt war ich aber dann schon froh, als ich wieder in Jeans und Pulli schlüpfen konnte- das Kleid ist zwar sehr schön, aber für die Temperaturen am 1. März war es nicht geeignet.

Wer noch andere Frauen in selbstgenähter Kleidung sehen möchte, der schaue bitte hierauf dem virtuellen Laufsteg des Memademittwoch!

Uncategorized

Orageuse Berlin Rock der Dritte und Somersetshirt von Maven Pattern

Den Berlin-Rock von Orageuse hatte ich schon zweimal genäht, beide Versionen wurden keine Lieblingsteile.

Beim ersten Rock lag es sicher an der Stoffauswahl. Gedacht war er auch nur als Proberock, und ich hatte einen sehr ungeliebten Stoff verarbeitet. Erwartungsgemäß paßten die Farben wenig in meine Garderobe und der Rock wurde selten getragen. Wenn ich ihn dann doch mal anhatte, erhielt ich allerdings oft Komplimente dafür, aber wahrscheinlich auch wegen der an mir so ungewohnten Farben.

Die zweite Version war derWeihnachtsrock 2018. Ein schöner Stoff, aber die Midiversion, die ich dann genäht hatte, offenbarte ein entscheidendes Problem im Schnitt: der Futterrock ist in meinen Augen zu eng konstruiert und enthält nicht die Mehrweite, die sich durch die Falte im Vorderteil ergibt. Der Weihnachtsrock wurde jedenfalls auch kaum getragen, weil ich mich in dem Rock nicht gut bewegen kann. Das enge Futter ermöglicht nur damenhaft kleine Schritte, das ist nichts für mich.

Also wurde es eindeutig Zeit für eine dritte Version des Jupe Berlin, die hoffentlich mehr Potential zum Lieblingsrock hat. Ob mir das gelungen ist? Seht selbst, bisher bin ich sehr gücklich mit dem Rock!

Der Schnitt ist aber auch zu schön. Schlicht, mit einer kleinen Falte im Vorderteil, die in den leicht ausladenden Taschenbeutel überleitet. Eigentlich gibt es noch Gürtelschlaufen und einen breiten Bindegürtel mit einer Schluppe vor dem Bauch, aber ich finde, für das kurze Röckchen ist das zuviel.

Die kurze Version benötigt keinen Saumschlitz, da die Saumweite in dieser Länge ausreichend ist, um normal große Schritte zu machen. Fahrradfahren…hmm, ist möglich, aber nicht komfortabel. Entweder schiebt man den Rock ganz hoch, was keinen sehr großen öffentlichen Aufruhr erregt, wenn man wie ich eine Strumpfhose drunter trägt, oder man bewegt die Beine beim Treten der Pedale sorgsam nach innen, das geht auch…also egal wie, es ist kein Rock für eine Fahrradtour, das muß man glaube ich akzeptieren.

Der Stoff dieses Rockes ist ein Tweed-Wollstoff, der von der Schweizer Firma Hello Heidi designt und dann im Fränkischen von Zuleeg gewebt wurde. Der Stoff wurde eigentlich als Mantelstoff beworben, wobei er mir dafür fast zu dünn vorkommt. Aber der Stoff ist natürlich ein Traum, wie alle Stoffe, die ich bisher von Zuleeg gesehen udn vernäht habe.

Der Stoff trägt den schönen Namen Check Country, und das trifft es auch genau…ein Stoff fürs (britische) Landleben, man denkt an Fuchsjagden, abgetragene Tweedjackets vor Kaminfeuer oder zumindest Rosamunde-Pilcher-Romantik….wobei ich finde, daß der Stoff sich auch in der Februar-Tristesse der deutschen Rheinebene  ganz gut macht!

Mit der Karo-Anpassung habe ich mir große Mühe gegeben, und war teilweise auch erfolgreich. Die Karos passten nicht überall, was aber auch schwierig war durch die Form der Hüftrundung und der Taschen.

Der Rock ist natürlich gefüttert, und diesmal habe ich das Futter schön weit geschnitten. Ich habe die Mehrweite, die der Vorderteilschnitt durch die Falte erreicht, auch im Futterrock dazu gegeben und zusammen mit der Abnähermehrweite in kleine Fältchen verteilt. Also, an der Bequemlichkeit wird es nicht liegen, wenn dieser Rock kein Lieblingsteil wird!

Und auch am fehlenden Kombipartner wird es nicht scheitern. Der Rock ist natürlich gut mit hellen, naturfarbenen Shirts kombinierbar. Aber ein besonders schönes Shirt passt auch dazu, das ich heute zeige.

Den Stoff dafür, ein sogenannter Winterjersey, hatte ich auch diesen Herbst bestellt, als ich meine Vorliebe für Rost-Töne entdeckte. Die Winterjerseys zeichnen sich meistens durch einen Polyester-Anteil aus, der für das Kuschelige verantwortlich ist, und so enthält auch dieser Stoff 20% vom bösen Polyester. Das finde ich nur deshalb nicht verwerflich, weil ich aus dem Stoff ein (jetzt schon erkennbares) Lieblingsteil genäht habe, das ich sicher oft tragen werde.

Der Schnitt kommt von Maven Pattern, einem britischen Schnittmuster-Label, das mir bisher noch nicht begegnet war. Die Politik von Maven Pattern gefällt mir sehr gut, es handelt sich zumindest nach dem Online-Auftritt um ein Unternehmen, das Sinn für Nachhaltigkeit und Ökologie hat. Die Schnittdesignerin hat eine professionelle Ausbildung und bemüht sich um zeitlose Modelle.

Von ihren Schnitten gefällt mir allerdings bisher nur diesesSomerset-Shirt, das allerdings dafür ausgesprochen gut.

Somerset hat zwei typische Designmerkmale, die gekonnt kombiniert sind: die weiten Bischofs-Ärmel und einen U-Boot-Halsausschnitt. Die Ärmel gibt es in verschiedenen Längen und Versionen, ich zeige die Langarmversion mit extra langem Bündchen. Die Mehrweite der Ärmel wird am Handgelenk zunächst eingekraust, bevor das Bündchen angenäht wird, dies geschieht durch das Nähen mit elastischem Unterfaden. Diese Technik wird in der Anleitung genau beschrieben- ich war ja etwas skeptisch, ob es funktionieren würde, aber es ging problemlos. Der elastische Faden wurde auf die Unterfadenspule unter leichter Spannung aufgewickelt, die Oberfadenspannung deutlich erhöht und dann mit Geradstich zwei parallele Reihen am Saum genäht. Schon das ergab eine schöne Kräuselung des Ärmelabschlusses, die durch einen kurzen Dampfstoss mit dem Bügeleisen noch verstärkt wurde. Danach liess sich das recht enge Bündchen problemlos annähen.

Der U-Boot-Ausschnitt ist das einzige, mit dem ich bei diesem Schnitt nicht ganz glücklich bin. Das mag daran liegen, daß ich nicht den notwendigen Schwanenhals habe, mit dem so ein U-Boot-Ausschnitt gut aussieht, aber das wußte ich schon vorher und war mit dem Ergebnis eigenlich doch ganz zufrieden.

Das Problem bei den U-Boot-Ausschnitten liegt  meiner Meinung nach in der Art der Saumverarbeitung. Es handelt sich ja meistens um Jerseystoffe, und natürlich kann man die einfach umschlagen und festnähen, der dehnbare Stoff macht das  mit.

So ist es auch bei diesem Schnitt beschrieben, und zwar sehr umfassend und korrekt erklärt. Die ganze Anleitung für das Shirt ist sehr ausführlich und, wie ich finde, irgendwie liebevoll, sowohl den Schnitt als auch vermutlich die prospektive Näherin betreffend. Ich habe selten bei einem Jerseyschnitt so viele Paßzeichen gesehen, und die ausgeformte Armkugel ist wunderschön.

Auch der Ausschnitt ist sehr genau beschrieben, und man kann das genauso und gut nachnähen.

Allerdings klafft der Ausschnitt etwas, auf manchen meiner Bilder kann man es erahnen. Im normalen Leben fällt es zugegebenermassen nicht auf. Aber ich bin ja immer auf der Suche nach der Optimierung meiner Nähtechniken- was wäre denn hier die richtige Technik der Ausschnittversäuberung gewesen? Ein Bündchen kommt logischerweise für diese Ausschnittform nicht in Frage. Vielleicht doch ein Beleg, etwas kleiner zugeschnitten, und unter Spannung aufgenäht? Oder hätte man irgenwie ein Framilon-Band im Ausschnitt mitfassen können? Ich mache mir weiter Gedanken und werde sicher noch weitere Somerset-Varationen zeigen, denn der Schnitt ist einfach zu schön.

Das Schildchen mit der Markierung der Rückseite hatte ich schon früh im Nähprozess eingenäht und war wiederholt sehr dankbar dafür, denn so ganz eindeutig war es für mich beim Nähen oft nicht, was vorne und hinten war.

Die Bilder entstanden an einem ziemlich verregneten Februar-Sonntag, in einer kurzen Lücke zwschen zwei Regenschauern. Ich denke, damit haben Rock und Shirt ihren Test auf Outdoor-Tauglichkeit durchaus bestanden. Danke auch an den Fotografen, der alles wieder gut in Szene gesetzt hat!

Alle anderen genähten und fotografierten Modelle finden sich heute in der Galerie des Memademittwoch.

Uncategorized

Liebling 2019: Jasika Blazer von Closet Case

Ein neues Jahr, das gleich mit einem Memademittwoch beginnt, kann nur ein gutes Jahr werden!

Ich wünsche allen meinen Lesern ein frohes und gesundes neues Jahr und freue mich, wenn Ihr auch im Jahr 2020 Interesse an meinen genähten und gestrickten Dingen findet.

Der Januar-MMM hat den Liebling des Jahres 2019 zum Thema. Das ist für mich eine ganz einfache Aufgabe, denn der Jasika-Blazerist ganz klar mein liebstes genähtes Kleidungsstück 2019.

Warum? Dafür gibt es einige Gründe: ich finde ihn natürlich schick, ich denke er steht mir und ich trage ihn sehr gerne. Er ist sicher kein Stück für jeden Tag, aber ich habe ihn im Frühjahr oft an kühlen Morgen als Jackenersatz getragen. Er ist nicht so ganz einfach zu kombinieren, da der mittelblaue Wolltweed gar nicht zu vielen anderen Farben als dunkel- und jeansblau paßt. Aber da das sowieso die Farben sind, die ich gerne trage, stört mich das nicht.

Wenn ich ihn nicht trage, hängt der Blazer gut sichtbar an der Garderobe und ich freue mich jeden Tag aufs Neue, wenn ich ihn sehe. Ich habe so viele schöne Erinnerungen an den Nähprozess, und das ist glaube ich der Hauptgrund, warum ich dieses Stück so liebe. Einzelheiten habe ich hier beschrieben.

Es gibt Nähprojekte, da paßt einfach alles: ein guter Schnitt  gute Anleitung und ein schöner Stoff, und das war alles bei diesem Projekt gegeben. Natürlich war das keine Näherei, die an einem Nachmittag beendet wurde, nein, ich habe viele, viele angenehme Stunden damit verbracht. Immer wieder habe ich mich beim Nähen an diesen wunderbaren Stoffen von Zuleeg und Atelier Brunette erfreut. Es gab viel neues beim Blazer- Nähen zu entdecken, und alles brauchte und bekam seine Zeit. Für mich hat sich diese langsame und sorgfältige Näherei als das herausgestellt, was ich beim Nähen am meisten mag.

Zum Thema langsames und sorgfältiges Arbeiten paßt natürlich auch ein anderes großes Projekt, das mich dieses Jahr begleitet hat. Durch Zufall stieß ich im Internet auf die Aktion6Köpfe12Blöcke, hier veröffentlichen sechs Patchworkdesignerinnen jeden Monat eine Anleitung für einen Block, der dann am Jahresende zu einem Quilt zusammengefügt wird. 2019 lief die Aktion zum 3. Mal, und aus einer Laune heraus beschloss ich, das mal zu probieren.

Man muß dazu vielleicht wissen, daß sich meine Patchworkkenntnisse bisher auf das gelegentlich Nähen von Tischsets oder Kissen beschränkt hatten. Aber da der diesjährige Quilt als „skill builder“ bezeichnet wurde, hoffte ich hier ein paar Patchworktechniken kennen zu lernen. Außderdem hatte ich gar nicht unbedingt vor, das ganze ein Jahr durchzuziehen, ich erhoffte mir maximal ein paar Kissenbezüge aus den Blöcken.

Aber nach den ersten Blöcken war ich völlig fasziniert von der Technik. Man schneidet Stoffe klein, näht sie wieder zusammen, und dann entsteht etwas so völlig neues! Und dann das Spiel mit der Geometrie, mit den vielen Dreiecken, wie sie dann doch zusammenpassen- ich fand das immer wieder aufs neue spannend.

Und die Techniken wurden wirklich so gut erklärt, daß auch Anfänger wie ich mit neuen Techniken wie z.B. dem PaperPiecing zurecht kamen. Das ist nämlich gar nicht schwierig, und man näht auf Papier um einiges genauer als ohne Vorlage.

Ich glaube, daßmeine Nähgenauigkeit von dieser Aktion sehr profitiert hat. Wenn ich mir jetzt die ersten Blöcke des Jahres anschaue und mit den letzten vergleiche, ist die Anzahl der gut zusammenpassenden Ecken und Spitzen doch um einiges höher!

Es handelte sich um einen Mystery Quilt, also keiner wußte am Anfang, wie das fertige Quilttop aussehen würde. Das hat meine Farbwahl etwas erschwert. Ich bin ja sowieso etwas unbedarft an die Sache herangegangen und hatte mit einen Layer Cake einer Moda-Patchworkserie bestellt. Dabei handelt es sich um 42 vorgeschnittene Quadrate von jeweils 10 x10 inch.Aber schon beim Januarblock habe ich dann gemerkt, daß die vorgeschnittenen Stoffteilchen natürlich völlig ungeeignet für so ein Projekt sind. Ich habe dann einige der Stoffe nachbestellt, soweit das möglich war. Im nachhinein muß ich sagen, daß es besser gewesen wäre, sich vielleicht auf eine Farbe in verschiedenen Schattierungen zu beschränken. So wirkt das fertige Top schon sehr unruhig, da sowohl verschiedene Muster als auch verschiedene Formate vorkommen.

Die Lücken, die noch zu sehen sind, gehören zum November-Block, den hatte ich nicht zeitgerecht geschafft. Auch den September habe ich erst nach Weihnachten genäht- aber auch hier gilt ja, daß alles seine Zeit braucht und bekommen soll.

Außerdem glaube ich, daß ich den Januar-Block nochmal in Rot- Blautönen neu nähen werde. Er war ja der erste, und ich hatte mich dann gleich voller Freude auf die gelben Stoffstücke gestürzt- finde ich heute keine gute Idee mehr, mir ist es so zu bunt. Oder vielleicht lasse ich es doch so, und dann ist das eben die ganz persönliche Note dieser Decke.

Beim Zusammennähen und Quilten wird mich sicher auch noch so manches Abenteuer erwarten, das aber dann erst 2020!

Und was war sonst noch los in 2019? In Zahlen: genäht habe ich 7 Kleider, 5 T-Shirts, davon eines für meinen Mann, 4 Hosen, 4 Blusen, 3 Röcke, 2 Blazer, 1 Jacke, 1 Jumpsuit, 1 Sweatshirt, 1 Sonnenhut (für meinen Mann), 1 Tasche und 3 Unterhosen für meinen Mann. Die Unterhosen sind so schön, die muß ich jetzt doch mal zeigen:

Der Schnitt heißt  John (müssen eigentlich alle Herrenunterhosen John heissen?) und ist von Dessous Insider. Er ist wunderbar geeignet, um Viskosereste aufzubrauchen!

Und noch ein bisschen Statistik: ich habe 2019  ca 55m Stoff vernäht, aber auch 61 m gekauft. Nein, ich bin nicht auf Stoffdiät, aber diese Zahlen muß ich im Auge behalten.

Ich weiß die Bilanz jetzt so gut, da ich mittlerweile einen Nähtagebuch habe.  Sowas nennt sich mittlerweile Bullet Diary- eigentlich hätte hier ein einfaches Heft genügt, aber mehr Spaß macht es mit meinem gekauften Buch, das von Freddy Seemannsgarn gestaltet ist.

Auch das Eintragen und -kleben in dieses Buch gehört für mich zum Geniessen eines Nähprojektes dazu. Schliesslich braucht ja auch alles einen guten Abschluss!

Besonder Pläne für 2020 habe ich nicht. Mein Nähverhalten 2019 spiegelt in etwa das wieder, was ich gerne trage, also eher Hosen, Röcke und Oberteile und nicht nur Kleider. Ich freue mich sehr, weiterhin an der monatlichen Linkparty des Memademittwochs teilzunehmen. Den Austausch über die Nähblogs finde ich nach wie vor grandios. Es ist so toll, wie wir uns gegenseitig mit wertschätzenden Kommentaren geradezu überschütten!

Mein Stoffkaufverhalten muß ich sehr im Auge behalten. Die Dinge, die ich dieses Jahr genäht habe, kamen fast überwiegend aus neugekauften Stoffen. Ist ja eigentlich nicht schlimm, aber dann macht der Stoffvorrat natürlich keinen Sinn mehr, wenn man dann doch einen neuen Stoff für ein spannendes neues Projekt kauft. Andererseits ist es schon so, daß die Kombination Stoff-Schnitt sehr sensibel ist, und es macht wenig Sinn, einen nicht so gut passenden Stoff zu wählen, nur weil der halt schon im Stapel lag. Dann macht das Nähen keinen Spaß, und das Ergebnis ist dementsprechend.

Besser ist es dann schon, einen alten Stoff wegzugeben…und noch besser, wenn man dann feststellen darf, daß dieser Stoff bei einer anderen Bloggerin zu neuem Leben erweckt wurde.

So passierte es mir mit einem Bambusjaquard mit Rosenmuster, den ich vor einigen Jahren von der Schnittquelle bezogen hatte. Eigentlich ein schöner Stoff, den ich in anderen Farben auch gerne vernäht hatte, aber diese dunkelbraun-schwarze Version stand mir einfach nicht. Es war ein Onlinekauf, ich hatte mir den Stoff heller vorgestellt. So wanderte der Stoff 2017 auf den Stofftauschtisch beim Bloggertreffen in Köln. Da ich damals eher zum Zug musste, hatte ich den Verbleib des Stoffes nicht mehr im Blickfeld, es hat mich ehrlich gesagt damals auch nicht mehr interessiert. Ich war eigentlich ganz froh, daß der Stoff weg war.

Umso größer meine Überraschung, als ein Kleid aus eben diesem Stoff auf einem Nähblog gezeigt wurde- Gabi aka madewithblümchenhatte ein Kleid daraus genäht. Und nicht irgendein Kleid, sondernHeather von Sewoverit, und die Inspiration zu diesem Kleid kam auch von meinem Blog– ist das nicht lustig? nennen wir es Zufall, Schicksal oder Fügung, ist vielleicht egal…Tatsache ist einfach, daß die Nähbloggerszene eine unglaublich tolle Gemeinschaft ist, die für jede Überraschung gut ist!

Viele Überraschungen gibt es sicher auch bei den anderen Beiträgen des MMM heute, auf denen Lieblingsstücke gezeigt werden, da werde ich mich jetzt auch langsam und mit Genuß durchklicken!

Uncategorized

Frida, Gusta und Georgie

Frida, Gusta und Georgie- das könnte ja glatt auch der Titel für einen spannenden Jugendroman sein. Drei junge Mädchen, erste Liebe, ein bisschen was mit Pferden, oder zumindest ein Hund….aber nein, wer hier solche Belustigungen sucht, ist auf meinem Blog fehl am Platz.

Hier geht es um ernste Dinge, nämlich um das Finale des Weihnachtskleid-Sewalong auf dem Memademittwoch!

Dafür, daß ich an dem Sewalong eigentlich nicht teilnehmen wollte, sind in den letzten Wochen ganz schön viele Kleidungsstücke für Weihnachten entstanden. Oder hoffentlich nicht nur für Weinachten, denn mein Wunsch war ja wirklich, mit alltagstauglichen Kleidungsstücken am WKSA teilzunehmen.

Ob mir das gelungen ist? Schaut selber:

Beginnnen möchte ich mit dem Teil, auf das ich am meisten stolz bin, nämlich die Frida-Jacke. Der Schnitt war in der aktuellen FibreMood, und ich wollte diese Jacke nähen, sobald ich die ersten Vorschaubilder davon gesehen hatte. Eigentlich wollte ich sie ja im Originalstoff nähen,  der so schön dunkelrot und plüschig war- nachdem ich gemerkt hatte, daß der aus Polyester bestand, habe ich mich gerne umentschieden und einen Bouclestoff aus einem Wolle/Baumwollgemischverwendet. Der Stoff ist wunderschön, fusselte allerdings gnadenlos. Ich glaube, meine armen Nähmaschinen brauchen in den nächsten Tagen mal eine ausführlich Wellnessbehandlung mit Reinigung und Ölen!

Frida ist eine Kurzjacke im Bomberstil, also mit Bündchen an den Ärmeln und am Taillensaum. Sie hat zwei senkrechte Pattentaschen. Insgesamt also ein sehr schlichter, klassischer Schnitt, deshalb gefiel mir die Jacke sicher auch gleich so gut. Da der Schnitt so klassisch ist, gibt es natürlich auch viele andere Schnitte, die der Frida-Jacke sehr ähnlich sind, sowohl bei den Indie-Designerinnen als auch in den einschlägigen Zeitschriften. Aber dann wäre der Titel des Blogposts doch nur halb so schön gewesen! Und da die Fibremood ja so absolut in und modern ist bei uns allen , mußte es also dieser Schnitt sein.

Ich wollte Zeit sparen und habe mir ein PDF des Schnittes geleistet, um nicht abpausen zu müssen. Ging ja auch alles ganz gut, aber etwas entsetzt war ich ja dann doch, als der Schnitt vom Plotten zurückkam: nur eine Seite, und überlappend gedruckt! Das wars dann mit dem einfachen Ausschneiden, es mußte trotzdem abgepaust werden.

Sonst war ich aber mit Schnitt und Erklärung sehr zufrieden, die Jacke war gut und problemlos zu nähen. Zwei entscheidende Änderungen habe ich aber doch vorgenommen: als erstes habe ich die Jacke gefüttert und ihr noch ein wärmedämmendes Zwischenfutter gegönnt. Das Futter finde ich für diesen Schnitt absolut notwendig. Vielleicht nähen alle anderen ja ihre Pattentaschen so ordentlich, daß die auch von links ansehlich sind, oder tragen die Jacke nie offen. Für mich traf beides jedenfalls nicht zu, deshalb mußte ein Futter sein. Als Zwischenschicht habe ich Meida 120 verwendet, und mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden, das wärmt richtig schön. Und damit das Nähen nicht zu langweilig wurde, habe ich noch eine Flachpaspel zwischen Futter und Hauptstoff eingefügt. Ach, ich nähe so gerne Jacken und Mäntel!

Meine zweite Änderung am Schnitt betraf die vorgesehenen Bündchen. Es ist ja gar nicht so einfach, passende Bündchen zu einem vorgegebenen Stoff zu finden, insbesondere wenn es sich um einen Webstoff handelt. Ich hatte mir verschiedene Bündchenstoffproben schicken lassen und mich eigentlich schon für einen farblich perfekt passenden terrakottafarbenen Bündchenstoff entschieden…aber als ich den Stoff dann an die halbfertige Jacke mal probeweise angesteckt hatte, war mir der Farbkontrast doch zu groß. Außerdem war der Bündchenstoff natürlich viel dünner als der Bouclestoff. Es gibt durchaus auch kräftigeren Bündchenstoff, der dann eher für solche Art Jacken geeignet ist. Aber den habe ich dann nicht in einer passenden Farbe gefunden.

Ich weiß nicht, wie die anderen Frida-Näherinnen dieses Problem gelöst haben. Leider gibt es ja heutzutage kaum noch ausführliche Blogposts über einen Schnitt, man findet nur die Instagram- Bildchen. Auf den Bildern finde ich bei einigen die Kombination von Hauptstoff mir Bündchenstoff nicht sehr gelungen, bei vielen kann man es nicht so genau erkennen und thematisiert hat es keiner. Also ist es vielleicht mein persönliches Problem, aber ich habe mich dann dazu entschlossen, den Hauptstoff auch als Bündchen zu verwenden und die nötige Spannung durch ein eingezogenes breites Gummiband zu erreichen. Das war beim Nähen zwar etwas unschierig, zumal ich ja auch noch das Futter mit am Bund befestigen mußte, aber mit dem Ergebnis bin ich zufrieden.

Kommen wir zum eigentlichen Weihnachtskleid, also zum Kleid, das ich mir für Weihnachten vorgestellt habe. Genäht habe ich es schon vor einigen Wochen. Es handelt sich um das Gusta-Kleidaus der vorigen Fibremood, das ich in zwei Versionen schon genäht habe und hiervorgestellt habe. 

frisch gebügelt sieht es noch besser aus- aber Weihnachtsfeiern, Radfahren und Wandern hinterlassen ihre Spuren an einem Kleid. Das soll so!

Meine beiden Versionen waren aus dehnbaren Stoffen genäht, und ich wollte gerne auch noch eine Version aus einem Webstoff haben. Nein, nicht aus irgendeinem Webstoff, sondern aus dem tollen Schottenkaro von Zuleeg, den ich schon eine Weile in meinem Stoffvorat hütete. Da der Stoff so schön ist, wollte ich natürlich auch eine gute Paßform, und da war ich mir unsicher, ob ich die aus der Originalversion des Schnittes hinkriegen würde. So habe ich den Schnitt aus meinem Grundschnitt nachkonstruiert, was ja in diesem Fall nicht so schwierig war, da der Schnitt im Grunde auch sehr schlicht ist. Ich habe das Kleid etwas verlängert und einen rückwärtigen verdeckten Saumschlitz ergänzt- so ist es wunderbar wander- und fahrradtauglich!

Für Taschenfutter und die Ärmelabschlüsse hatte ich noch Reste eines farblich passenden Viskosestoffes. Mit den Ärmelabschlüssen bin ich noch nicht so ganz glücklich: ich hatte es mir so vorgestellt, daß die Schrägbandabschlüsse so genau mit den Unterarmen abschliessen, daß sie eben nicht hochrutschen, wenn man eine Jacke über das Kleid anzieht. Das hat auf der einen Seite auch perfekt geklappt, auf der anderen war es nie so ganz optimal, und mittlerweile haben sich beide Bündchen geweitet. Wenn ich jetzt eine Jacke über dem Kleid anziehe, rutschen die Ärmel hoch, und beim Ausziehen der Jacke muß dann wieder mühsam runtergezuppelt werden…vielleicht ein Luxusproblem, aber ich überlege mir , ob ich nicht die Bündchen abmache. Vielleicht wäre ein eingezogenese Gummiband die bessere Lösung.

Ja, und die Nummer drei, der Georgie-Dress von Sewoverit, der war eigentlich gar nicht eingeplant. Ich will jetzt aber auch nicht sagen daß mir das Kleid von der Nadel gehüpft ist, denn mir hüpft nichts von der Nadel, ich überlege mir schon , was ich nähe.

 Georgie war schon lange eingeplant und lag schon eine Weile als Plot-Ausdruck bei mir, nur mit dem Stoff war ich mir unsicher, da meine Vorräte keine ausreichend großen Stoffstücke von den infragekommenden Jerseys beinhalteten. So dachte ich jedenfalls, bis ich am Vormittag des 4. Adventes mal das Schnittmuster auf dem Tencel von Froy und Dind auslegte. Und siehe da, mit etwas Schieben und Drücken ging es ganz gut, statt den vorgegebenen 2,70 m kam ich mit meinen 1,80 m aus.

Ich habe allerdings den Rock um einiges gekürzt, der geht normalerweise  bis über die Knie, aber im Winter finde ich zu Strumpfhosen sowieso die kürzere Länge schöner. 

Georgie ist ein simpler Schnitt. Es ist ein Fake-Wickelkleid, also nur das Oberteil ist gewickelt. Für den Rock gibt es zwei Varianten, entweder die eingekrauste Version, die ich genäht habe, oder einen dreiviertel Tellerrock.

Auf Instagram sieht man sehr viele sehr schöne Variationen dieses Schnittes, und auch Lisa, die Designerin von Sewoverit, hat in einer ihrer Storys erzählt, daß sie selbst überrascht ist von dem Erfolg, den dieser Schnitt hat. Ich denke, daß es an der geschickten Verarbeitung des Wickelteiles liegt. Mittlerweile haben hoffentlich alles Schnittdesigner gemerkt, daß es keine gute Idee ist, so einen schrägen Wickelausschnitt ohne irgendeine Verstärkung zu lassen. Bei Georgie wird das Oberteil doppelt zugeschnitten und auf die Nahtzugabe eines Teiles ein elastisches Band genäht. Außerdem hat das oberer Wickelteil noch kleine Fältchen, die zusätzlich für Volumen über der Brust sorgen, und wird auch recht weit oben in der Seitennaht befestigt. Und so entsteht wirklich ein Wickelausschnitt, der nicht aufklappt, wunderbar!

Auch im Taillenbereich wird ein Gummiband auf die Nahtzugabe genäht, so daß auch hier die Form stabiliesiert wird. Von der Funktion her finde ich das sehr gut, leider sieht die Innenansicht des Kleides nicht schön aus. Da ich aber nicht vorhabe, das Kleid auf links gedreht zu tragen, ist das vielleicht nicht so schlimm.

Auch Georgie läßt sich gut mit Frida kombinieren und ist fahrradtauglich- und so bin ich mit meiner Weihnachtsgarderobe dieses Jahr rundum zufrieden! Mein Problem in den früheren Jahren war ja immer gewesen, daß ich mir große Mühe für meine Weihnachtsgarderobe gegeben hatte, diese dann aber im folgenden Jahr so gut wie nie mehr getragen habe. Ich bin jetzt schon gespannt, was ich im WKSA 2020 als Einleitung schreiben werde…werden ich wieder berichten, daß auch diese schönen Teile des WKSA 2019 wieder Schrankleichen wurden, oder bereits entsorgt? Ich werde dann berichten…

Jetzt wünsche ich erst mal all meinen Lesern ein wunderschönes Weihnachtsfest. Ich bedanke mich für die vielen, vielen Kommentare, die ich immer hier erhalte. Mir ist dieser Austausch mit Euch sehr wichtig, und ich hoffe und wünsche mir, daß wir diesen regen Austausch auch im nächsten Jahr weiterführen werden.

Mein besonderer Dank geht auch an das Team des MMM- wie schön, daß Ihr uns diese Plattform bereitstellt und auch dieses Jahr wieder den WKSA organisiert habt!

Uncategorized

Evans-Blazer von Heyjune und andere Herbstmode

In den letzten Wochen habe ich einige Kleidungsstücke in typischen Herbstfarben genäht- rot, gelb, orange, also alle Farben, die uns die Natur auch so schön im Spätherbst zeigt. Ich mag den Herbst, nicht nur den noch sonnigen und warmen September oder Oktober, sondern auch die Tage, wo das Licht dann fahler wird, die Blätter blasser und diese ganz besondere ruhige Stimmung einkehrt, die nur der November hat. Ja, ich oute mich jetzt mal, daß ich den November gerne mag und ganz besonders dieses Jahr den Wechsel der Jahreszeiten sehr genossen habe.

Natürlich gab es auch trübe und regnerische Tage, aber über Regen freuen wir uns doch alle nach dieser extremen Hitze und Dürre, die wir auch diesen Sommer wieder hatten. Und umso mehr genießt man dann die Sonnenstrahlen, die auch im November vorhanden sind!

Aber zurück zu den Kleidungsstücken, die ich heute zeigen möchte. Mein Lieblingsteil ist ja der Blazer, den ich nach dem Schnittmuster Evansvon Hey June genäht habe. Ich halte das für einen wirklich guten Schnitt, wieder mal ein Beispiel, warum ich so gerne die Indieschnittmuster nähe. Überraschenderweise taucht der Evansblazer in den sozialen Netzwerken, zumindest soweit ich sie überblicke, kaum auf. Vielleicht eher ein Schnitt für Kenner?

Der Evans-Blazer wird aus dehnbaren Stoffen, also Sweat, Romanit oder ähnlichem genäht. Es gibt auf dem Blog von Heyjune einen kleinen Sewalong, da wird auch ausführlich auf die Stoffwahl eingegangen.

Der Schnitt enthält viele Elemente, die auch beim Schneidern eines klassischen Blazers aus Webstoff auftauchen. So sind die Ärmel zweigeteilt, und es gibt sogar kleine Schulterabnäher. Rückennaht und Seitenteile formen eine schöne Silhouette.

Der Schnitt hat zwei Variationen- einmal eine ganz klassischen Blazerform mit Reverskragen und Paspeltaschen, und eine eher legere Form mit einem herunterhängenden offenen Kragen. Die zweite Version habe ich genäht, da ich das passender zu meinem Stoff fand.

Genäht habe ich meinen Blazer aus demOrganic Nep Sweat von Mindthemaker, die Farbe ist , wie unschwer erkennbar. currygelb. Das mag ich auch so gerne an den Herbstfarben, daß die Bezeichnungen so appetitlich sind- currygelb! senffarben!

Der Stoff enthält kein Elasthan, ist auch nur begrenzt dehnbar und hat eine mäßige Rücksprungkraft, das spielt aber für diesen Schnitt keine große Rolle. Dafür ist er schön weich und hat eine interessante linke Seit mit kleinen Schlingen, die ich für den großen Kragen nach außen gelegt habe.

Die Säume sind mit einem Schrägstreifen versäubert, den Stoff dafür zeige ich gleich noch bei der Bluse, die ich daraus genäht habe, näher. Natürlich wäre es jetzt schön gewesen, wenn ich alle Nahtzugaben mit Stoff eingefaßt hätte- schließlich sieht man die ja bei einem ungefütterten Blazer durchaus. Aber irgendwo hört auch für mich die Freude mit dem Schrägband auf (..wobei ich wirklich gerne so bunte Einfassungen mache, ich finde das macht richtig Spaß zu nähen!)

Deshalb sind die Nahtzugaben mit der Overlock versäubert, den Stich habe ich etwas dichter eingestellt und finde das so auch ganz attraktiv.

Und das passende Label durfte natürlich auch nicht fehlen!

Auf meinen Bildern sieht man das Problem des Schnittes, denn der Kragen mit dem großen Revers (ist das überhaupt noch ein Reverskragen? ) fällt oft nicht so ganz schön, da der Beleg ein Eigenleben entwickelt. Dieses Problem haben aber wohl alle ähnlichen Schnitte, ich erinnere mich jedenfalls an Diskussionen zum Morris-Blazer von Grainline, wo auch diese Frage behandelt wurde. Ich sehe es eigentlich nicht als Problem, da es mich beim Tragen nicht stört. Wenn ich allerdings vorm Spiegel stehe, fange ich oft an, den Kragen zurecht zu zuppeln.

Abhilfe würde es bringen, den Beleg am Hauptteil festzunähen- würde man aber sicher von der rechten Seite aus sehen und würde mir nicht gefallen. Oder den Blazer füttern, mit einem glatten Jersey- das habe ich mir tagsächlich schon überlegt für eine nächste Variante, dann hätte man auch nicht mehr das Problem mit den sichtbaren Nähten.

Die Bluse, die ich dazu trage, ist eines meiner Lieblingskleidungsstücke zur Zeit.  Der Schnitt ist ein Mix aus zwei anderen Schnittmustern von HeyJune. Da ich die Ausschnittlösung der Biscayne-Bluse so gerne mochte, habe ich sie mit den langen Ärmeln der Cheyenne- Bluse kombiniert .

Das geht natürlich nicht so ohne weiteres, ich mußte vorher den Armausschnitt der Biscayne -Bluse anpassen. Bei der Gelegenheit habe ich dann auch gleich den Schulterpunkt nach außen geschoben und die Schulternaht etwas nach vorne rotiert, so sitzt die Schulterpartie besser bei mir. Da der Cheyenne-Ärmel recht weit ist, gelang die Einpassung des Ärmels  gut und probemlos.

Der Stoff ist eine Viskose von Seeyouatsix, ein wunderschöner Stoff, recht stabil und doch weich. Ich finde es ja toll, daß es mittlerweile so wunderbare Viskosequalitäten gibt. Noch vor zwei Jahren dachte ich, jede Viskose ist dünn und flutschig und führt zum Nervenzusammenbruch beim Zuschneiden. Dieser Stoff ist dagegen ein Traum. Ich hatte ohne großen Plan 2m bestellt, sobald er  erhältlich war.  Natürlich habe ich für das Blüschen nicht alles verbraucht, die Reste verarbeite ich jetzt genußvoll zu kleinen Finessen anderer Kleidungsstücke, so z.B. die eingefaßten Nähte des Blazers. Auch in meinem Weihnachtskleid wird der Stoff wieder auftauchen!

Und das dritte Teil meiner kleinen Herbstkollektion ist ein Rock, nämlich der Reed Skirt von Grainline Patterns. Wieder mal ein so schlichter Schnitt, daß man ihn leicht übersieht.  Es handelt sich um einen A-Linien Rock mit Prinzessnähten und verschiedenen Taschenoptionen. Ich habe mich für die Version mit durchgehender Knopfleiste vorne und schrägen Eingrifftaschen entschieden.

 Die Grainline Anleitungen und Schnitte sind immer so perfekt, daß es eine reine Freude ist, danach zu nähen. So ein Rock näht sich dann sozusagen von selbst!

Ich habe zwischen den Größen 6 und 8 gradiert und bin mit der Paßform so zufrieden. Der Rockbund hat eine leichte Krümmung und sitzt sehr gut.

Der Stoff ist von Merchant and Mills und nennt sich Brick Sanded Twill. Ein wunderbarer stabiler Stoff und für eine Herbstwanderung gut geeignet.  Die vielen Falten, die er dann irgendwann machte, haben weder mich noch andere Wanderer an diesem traumhaften Herbsttag gestört!

Mit diesen Oktober-Impressionen beende ich meinen kleinen Rückblick auf meine Herbstgarderobe. Jetzt geht es ja mit der Weihnachts- und Wintergarderobe weiter…mal sehen, was auf dem Memademittwoch im Dezember gezeigt wird!

verlinkt: DDD, 

thecreativelover

Uncategorized

WKSA 2019: Kleid a la Gusta

Den ersten Teil des WKSA 2019 habe ich geschwänzt und bin aber nun sehr froh, jedenfalls zum 2. Teil einen Beitrag zu leisten. Es ist so eine wunderbare Tradition, und ich freue mich sehr und bin dem Team sehr dankbar, daß wir diese Linkparty auch dieses Jahr veranstalten.

Den ersten Teil habe ich wie gesagt geschwänzt- könnte ich jetzt einfach mit Zeitmangel und Vergessen („Weihnachten kommt immer so plötzlich!“) entschuldigen, aber das trifft die Wahrheit nur begrenzt. Natürlich habe ich keine Zeit zum Bloggen, aber wenn ich mir etwas vornehme und das wichtig finde, dann nehme ich mir auch die Zeit dafür.

Aber die Themen des ersten Treffens berühren durchaus wunde Punkte in meinem Nähverhalten, und um diese nicht bearbeiten zu müssen, ist natürlich die Vermeidung die naheliegende Strategie. Tatsache ist, daß ich alle bisher genähten und gezeigten Weihnachtskleider im nachweihnachtlichen Leben kaum getragen habe. Manchmal lag es am Schnitt, manchmal am Stoff, manchmal an meinen Nähfertigkeiten- der rote Faden, der sich durchzieht, ist aber einfach erkennbar – die Kleider passten einfach nicht in mein Leben.

Ich habe das ja schon im letzten Jahr erkannt und deshalb einen Weihnachtsrock (Berlin von Orageuse) und ein Sweatshirtkleid  (Lola vonVictorypattern) genäht und erhoffte mir von beiden Teilen eine gewisse Alltagstauglichkeit.

Den Rock finde ich immer noch schön, aber ich müßte immer noch das Futter reparieren, das zu eng ist. Das Kleid war zu lang- schon auf den Bildern sieht man das, und nach einigen Tagen auf dem Bügel hing sich der weiche Stoff immer mehr aus. Ich habe es dann gekürzt, mit dem Erfolg, daß die Proportionen des Kleides gar nicht mehr stimmten und vor allem die großen Taschen noch unmotivierter in der Gegend hingen. Ich trage das Kleid nur noch zuhause, wie zum Beispiel heute.

Soweit mein kurzer und ernüchternder Rückblick auf meine bisherigen Weihnachtskleider. Zu allen früheren Jahren und Ergebnissen der WKSAs könnte ich ähnliche Geschichten erzählen- die meisten Kleidungsstücke, die so entstanden sind, habe ich bereits entsorgt.

Und dann ist da natürlich die Sache mit der Nachhaltigkeit- ich glaube, an diesen Gedanken kommt heutzutage keiner mehr vorbei. Sicher, selber nähen ist nachhaltiger als jede Woche beim Klamottenschweden  einzukaufen. Aber wenn ich mir überlege, was ich brauche, dann brauche ich  bestimmt keine neuen Kleidungsstücke für Weihnachten. Der Schrank ist voll, und das naheliegende wäre, den Berlinrock vom letzten Jahr zu reparieren und nochmal zu tragen. Denn schick ist der!

Aber jetzt kommt natürlich der Spaßfaktor ins Spiel. Ich nähe ja nicht nur, um mich zu bekleiden, sondern auch und vor allem weil es mir unglaublich Freude macht, mit den Händen  etwas zu gestalten. Und ich denke, auf diesem Weg kann ich auch guten Gewissens meinen Stoffkonsum verantworten. Ich habe übrigens in diesem Jahr erstmals einen Nähplaner geführt und Stoffkauf und -verbrauch dokumentiert. Ich habe es noch nicht ausgewertet und bin selber sehr auf meinen Jahresrückblick im Januar gespannt.

Aber zurück zum Weihnachtskleid: ja, natürlich möchte ich an Weihnachten etwas Neues tragen. Allerdings ist dieses Kleid gar nicht als Weihnachtskleid gedacht gewesen, sondern entstand sozusagen „ganz normal“ im Rahmen meiner Herbst-Nähpläne. Ich hatte vomGusta-Kleid aus der Fibre-Mood zwei Exemplare aus Sweatstoff genäht und war von dem Schnitt so angetan, daß ich mir auch noch eine Version aus Webstoff vorgenommen hatte. Der Schnitt sieht beides vor, aber tatsächlich wurden die meisten Versionen, die in den sozialen Medien gezeigt wurden, aus dehnbaren Stoffen genäht.

Mit dem Sitz meiner Gusta-Kleider war ich nicht unzufrieden, zumal ich ja auch noch Rückenabnäher ergänzt hatte, aber so ein dehnbarer Stoff zieht sich ja immer irgendwie zurecht. Für eine Webstoffvariante hätte ich entweder nach Probemodell viel anpassen müssen- oder gleich neu konstruieren.

Für diesen Weg habe ich mich entschieden, da das Prizip des Gusta-Kleides sehr einfach ist. Ich habe in meinem Grundschnitt die Brustabnäher schräg nach unten gedreht als französische Abnäher und die Taschen darin eingepaßt. Statt Taillenabnäher habe ich die seitlichen Nähte etwas nach innen gestellt, der Rest des Taillenabnähers verschwindet in der Mehrweite des Kleides. Den Halsausschnitt habe ich etwas vertieft und das Kleid um ca 3 cm verlängert im Vergleich zur Miniversion des Originalschnittes. So reicht das Kleid bei mir bis knapp über das Knie, das ist für mich eine schöne Länge über Strumpfhosen.

Apropo Strumpfhose: natürlich braucht ein Winterkleid auch ein Futter, das habe ich dann ergänzt. Ergänzt habe ich auch einen rückwärtigen verdeckten Gehschlitz, um ausreichen Bewegungsfreiheit zum Laufen und Radfahren zu haben. Und besonders stolz bin ich ja, daß ich die Verbindung vom Futter mit dem Schlitz jetzt endlich begriffen habe.

Ich hatte dafür eine Anleitung in einem der schönen Bücher von Harumi Maruyama, in dem sie die Grundschnittvariationen von Röcken beschreibt. In dem Buch könnte ich ja stundenlang schmökern…aber abgesehen davon gibt es in diesem Buch einen Anhang, in dem auf ca 20 Seiten alle wichtigen Nähtechniken rund ums Rocknähen beschrieben werden. Ich habe bisher nicht begriffen, welchen Schatz ich da in meinem Bücherregal habe, aber ein Schatz, der erst entdeckt werden will.

Die Anleitung für einen verdeckten Schlitz mit Futter ist grandios, aber sehr, sehr kurz gefasst…ich würde sagen, eine Burda-Anleitung ist ein Unterhaltungsroman dagegen…

aus: Harumi Maruyama: Rock-Grundschnittvariationen, Stiebnerverlag

Ich saß jedenfalls lange vor der Anleitung, habe Rock und Futter immer wieder verzweifelt hin und her gewendet, bis der Nähgroschen dann doch irgendwann fiel. Jetzt bin ich sehr froh über diese Erkenntnisse- wieder was gelernt!

Das Kleid ist fertig, gestern abend wurden die letzten Handstiche gemacht. Das finale Bügeln steht noch aus, aber die Anproben waren schon sehr vielversprechend. Das Kleid paßt und gefällt mir sehr gut, und ich denke schon, daß ich das zumindest an einem Weihnachtstag anziehen werde. Also, Weihnachtskleid fertig! Bilder vom Kleid und Tragefotos folgen dann später zum Finale, ich verrate nur schon mal so viel, daß ich einen Zuleegstoff (Der Schotte) etwas aufgelockert habe mit Resten eines rotgeblümten Blusenstoffes.

Und was nähe ich jetzt in den Wochen bis Weihnachten? Natürlich gibt es ein neues Projekt, und die Reparatur des Berlinrockes muss noch ein bisschen warten…

Ich plane eine Jacke, und zwar die Frida Jacke aus der neuen FibreMood. Den Schnitt wollte ich nähen, seit die ersten Bilder vom FibreMood Cover in den sozialen Medien aufpoppten. Eine Bomberjacke, aus einem dicken plüschigen Stoff, und dann in diesem schönen rostrot- das war genau mein Beuteschema.

Allerdings nähe ich die Jacke nicht aus einem Plastikstoff wie die Originalvorlage, sondern aus einem Alpaka-Baumwollgemisch in nicht minder schönen Farben. Die Jacke bekommt bei mir auch noch ein Futter und eine wärmeisolierende Zwischenschicht.

Und so mache ich aus dem Weihnachtskleid-Sewalong kurzerhand einen Weihnachtsjackensewalong und bin schon sehr gespannt, ob ich diese beiden Teile dann auch in das Alltagsleben 2020 integrieren kann!

Und Ihr so? Alle anderen Weihnachtsnäherinnen finden sich auf dem Blog des Memademittwoch!

Gestricktes Uncategorized

Bluse Burda Modell 105 aus 11/2019

Heute zeige ich eine Bluse nach einem Burda-Schnitt.

Ich zeige eine Bluse nach einem Burda-Schnitt! Hej, ich habe mal was aus der Burda genäht! Trommelwirbel für mich, denn für mich ist es absolut ungewöhnlich, nach Burda zu nähen, tatsächlich ist dies der erste Burda-Schnitt, den ich für mich genäht habe.

Der Stil der Burda gefällt mir oft nicht. Ich finde die Modelle in der Zeitschrift schon sehr schick, genau wie ich Modelle ich anderen Modezeitschriften, die ich beim Frisör durchblättere, schick finde. Aber eine Notwendigkeit, diese Modelle in meinem täglichen Leben zu integrieren, sehe ich nicht. Bei vielen Burda-Modellen hätte mich durchaus die technische Umsetzung der Schnitt-Techniken gereizt. Aber wenn ich mir dann wirklich mal ein Heft gekauft und die Anleitung studiert habe, war die Lust zum Nähen gleich null, weil ich die Anleitung nicht verstanden habe.

Ich nähe überwiegend nach Anleitungen der sogenannten Indie-Schnittdesigner, gerne aus dem englischsprachigen Raum. Damit mache ich gute Erfahrungen, und ich gebe auch gerne zu, daß ich absolut verwöhnt bin durch deren ausführliche Anleitungen. Aber mittlerweilse sollte ich mir ja ausreichend Nähfertigkeiten  angeeignet haben , um auch einen Burda-Schnitt zu nähen!

Meine Meinung über die Burda hat sich übrigens nach dem Fernsehfilm über Aenne Burda, der im letzten Jahr ausgestrahlt wurde, doch entscheidend verändert. Mich hat die Unternehmerpersönlichkeit sehr beeindruckt, zumindest so, wie sie dargestellt wurde. Spannend fand ich auch die Rolle, die die Burda-Schnitte für die Frauen der 50er und 60er Jahre gespielt haben müssen. Alles in allem fand ich es an der Zeit, mein Ressentiment gegenüber der Burda aufzugeben.

Und so ergab es sich, daß das Modell 105 aus der November-Burda seinen Weg auf meinen Nähtisch fand.

Es ist allerdings auch ein sehr schlichtes Modell, wahrscheinlich hat es mir deshalb so gut gefallen. Weit geschnitten, aber nicht wirklich oversized, mit weiten Ärmeln, die an den Handgelenken mit Gummibändern gerafft werden. Der Ausschnitt hat einen kleinen Schlitz und wird mit Knopf und Garnschlinge verschlossen.

Um es vorwegzunehmen: ich mag die Bluse, und finde, es ist ein sehr schöner, schlichter Blusenschnitt. Und eigentlich wollte ich auch nicht in das allgemeine Burda-Bashing einstimmen…ich denke, es ist für eine Näh-Zeitschrift auch nicht einfach, auf die verschiedenen Grundkenntnisse ihrer Leserinnen einzugehen. Aber warum, um Himmels willen, wird in der Anleitung der Schlitzbeleg zunächst angenäht, sorgsam untersteppt – und erst dann die Kanten des Beleges versäubert? Viel einfacher ist es doch, zuerst die Belegkanten zu versäubern und ihn erst dann anzuznähen. Der Halsausschnitt wird mit einem Streifen versäubert, braucht deshalb keine Nahtzugabe- klar, aber muß ich dafür die Nahtzugabe erst anzeichnen und sie dann wieder abschneiden? Und etwas mehr Paßzeichen hätte ich mir im Schnitt schon gewünscht, ich weiß nicht, ob ich die Bedeutung eines hinteren Ärmeleinsatzpunktes wirklich überschätze, aber ich nähe Ärmel lieber mit ausreichenden Markierungen ein.

 Ich habe daraus gelernt, daß die Burda-Schnitte eigentlich sehr schön sind und mir auch prizipiell gut passen. Bei diesem  Schnitt habe ich fast nichts geändert, lediglich den vorderen Halsausschnitt um ca 2 cm nach unten gelegt. Dadurch bietet der Schlitz eine gewisse Einsichtmöglichkeit, die ich durch das Tragen eines Tops darunter lieber begrenze. Außerdem ist es dann wärmer.

Der Cordrock dazu ist ein viel getragener und mittlerweile etwas augeleierter Rock nach dem Schnittmuster Sandbridge von HeyJune. Ich habe den Rockhier schon mal gezeigt. Er hat einen gravierenden Fehler beim Einnähen des Reißverschlusses, der ist deshalb sichtbar und nicht verdeckt. Wenn ich nicht gerade Fotos für einen Blogartikel durchschaue, fällt mir dieser Fehler im täglichen Leben nicht auf. Wieder mal ein Beweis, daß wir viel zu pingelig mit unseren Nähwerken sind! Der Gesamteindruck eines Kleidungsstückes wird durch völlig andere Dinge geprägt, in diesem Fall glaube ich, daß Schnitt und Paßform für mich ideal sind, deshalb mag ich den Rock so gerne.

Der Blusenstoff ist eine Viscose aus dem örtlich Stoffgeschäft. Obwohl das Muster und die Farbe so schön herbstlich ist, braucht es natürlich um diese Jahreszeit ein passendes Darüber.

Und wie gut, daß meine Jacke mittlerweile fertig gestrickt ist! Die Rundstrickjacke No. 1 von RosaPhatte ich im Rahmen des Frühjahrsjäckchen-Knitalong des MMM begonnen (ja , im Jahr 2019!) . Mir war schon klar, daß jegliche Finaltermine damals für mich utopisch werden würden, ich stricke nicht so schnell und habe nicht so viele Gelegenheiten zum Stricken.

Aber jetzt ist sie fertig, und ich mag sie total gerne. Sie ist sehr, sehr weich- kein Wunder bei der Garnzusammensetzung. Ich habe mich an die Original-Garnempfehlung gehalten und zweifädig mit Lamana-Garnen gestrickt: einmal Modena, das 30% Kaschmir enthält (der Rest ist Merino), kombiniert mit Milano (10% Kaschmir).

Kaschmirwolle ist einfach ein tolles Material, unvergleichlich weich und leicht und überhaupt nicht kratzig. Aber darf man Kaschmir überhaupt noch kaufen? Früher hatte ich mir darüber überhaupt keine Gedanken gemacht. Was spricht schon dagegen, ein Schaf oder eine Ziege von seiner überdicken Wolle zu befreien? Ich trage im Winter gerne Wolle und freue mich über die guten Wärmeeigenschaften. Im diesjährigen Herbsturlaub hatte ich erstmals ein Merinowollshirt beim Wandern als unterste Schicht getragen und war begeistert. Es wurde nie feucht, egal wie schweißtreibend der Berganstieg war, und der Geruch hielt sich doch über viele Tage in Grenzen.

Aber auch bei der Wolle ist es offensichtlich so, wie bei fast allen tierischen Produkten, daß bei der Vermarktung der Profit im Vordergrund steht und das Tierwohl sehr in den Hintergrund rückt. Kaschmir-Wolle wird durch das Auskämmen des feinen Unterhaares von Kaschmir-Ziegen gewonnen, die überwiegend in China oder der Mongolei leben. Das Auskämmen sollte eigentlich im Frühjahr stattfinden, wenn die Tiere den dicken Pelz nicht mehr benötigen. Pro Ziege und Jahr kann so eine Wollmenge von etwa 140 g gewonnen werden. In meinem Jäckchen steckt eine Kaschmirmenge von 45 g, also weniger als eine halbe Ziege.

Leider bleibt es nicht immer beim Auskämmen der Ziegen, wer sich darüber informieren möchte, dem seien die Videos der einschlägigen Tierschutzorganisationen empfohlen. Kaschmir ist ein auf dem Weltmarkt stark nachgefragtes Garn, und der Tierschutz bleibt dabei auf der Strecke. Manche Hersteller von Naturtextilien haben deshalb Gewebe, das Kaschmir enthält, komplett aus dem Sortiment gestrichen, andere setzen es nur in geringen Prozentsätzen ein. Die Firma Lamanaerwähnt auf ihrer Website den Anspruch auf „faire Produktion“, arbeitet mit „sorgfältig ausgewählten Partnern“ – letztendlich sagt das aber alles nichts aus, ich weiß nicht, wo meine Wolle herkommt. Es gibt meines Wissens auch kein Label für Kaschmir-Wolle, das eine faire und tierschonende Herstellung garantiert. Und wenn es ein Label gäbe, hätte der ordentliche Nomade in der Mongolei, der seine Ziegen vernünftig behandelt, sicher nicht die Möglichkeiten, das Label zu beantragen.

Aber zurück zu meiner Jacke: ich hoffe sehr, daß ich mit diesem Stück, das so klassisch geschnitten ist und eine kombinationsfreudige Farbe hat, ein Kleidungsstück geschaffen habe, das ich viele Jahre tragen kann. Beim heutigen Memademittwoch findet man ganz viele andere Kleidungsstücke, an denen ihre Trägerinnen große Freude haben, bitte hier entlang zur Galerie!

Auch donnerstags gibt es schöne Sachen zu entdecken, bei SewlalaundDDD

Uncategorized

Fibre Mood Gusta

Die belgische Zeitschrift Fibre Mood habe ich schon einige Male gekauft, bisher aber nichts draus genäht. Mir gefielen  immer einige Modelle in den Heften, das ergab dann ja auch die Kaufentscheidung, aber so den letzten Kick, daß ich dachte, so ein Kleidungsstück unbedingt und jezt haben zu müssen, so ging es mir bisher mit keinem Modell. Es gibt ja nun auch so viel anderes zu nähen, und die innere to-sew-Liste ist üppig gefüllt.

Das änderte sich mit der aktuellen FibreMood und demGusta-Kleid, das dort gezeigt wurde. Hier wußte ich, dieses Kleid brauche ich, und zwar sofort.

Gusta ist ein schlichtes Kleid. Im Vorderteil hat es französische Abnäher, in die praktischerweise Taschen eingearbeitet sind. Über der Brust verläuft eine Teilungslinie, die aber wohl nur dekorativen Zweck hat- dazu mehr später. Der Schnitt ist sehr figurumspielend um nicht zu sagen oversized, und der eher kurze Rock etwas eingestellt.Die Ärmel sind gerade geschnitten, mit einer schön hohen Armkugel und gehen bis knapp über den Ellbogen.

Es gibt eine gewisse Ähnlichkeit dieses Schnittes mit dem Schnitt Raven aus der LaMaisonVictor. Auch hier ist die Gesamtsilhouette so etwas eiförmig, dabei aber durchaus proportioniert. Bei Raven hatte der Schnitt allerdings vertikale Teilungsnähte, in die die Taschen eingearbeitet werden. Diese schräge Version von Gusta finde ich um einiges eleganter.

Mich hat der Schnitt sehr anHeather von Sewoverit erinnert. Auch hier eine ähnliche Silhouette, wobe bei Heather die Teilungsnähte geschwungen verlaufen und dadurch das ganze Kleid etwas figurbetonter wird.

Zurück zu Gusta: Gusta mußte also ziemlich gleich genäht werden, sobald ich das Heft in den Händen hielt. Das ist ja nun das schöne an den Nähzeitschriften, daß man den Schnitt sich einfach abpausen und dann auch gleich loslegen kann. Bei manchen Zeitschriften ist dieses Abpausen aber so furchtbar, daß dadurch der Nähflow sicher und nachhaltig gebremst wird.

Den Schnittmusterbogen aus der Fibre Mood fand ich erfreulich übersichtlich. Nicht nur, daß ich auf Anhieb die richtigen Teile auf den richtigen Bögen gefunden habe , auch die Linien selbst fand ich zumindest in meiner Größe so gut zu differenzieren, daß mir das Abpausen wenig Mühe gemacht hat. Allerdings waren es auch nur wenig Schnittteile, und die waren auch von der Geometrie her nicht so schwierig.

Die Nähanleitung findet sich bei der Fibre Mood im Heft, allerdings nur in einer rudimentären Kurzfassung, die fast nur aus Zeichnungen besteht. Wer sich damit nicht zufrieden geben möchte, findet auf der Website von Fibre Mood die ausführliche Nähanleitung. Das ist alles kostenlos, man müßte dazu also weder Heft noch Schnitt gekauft haben, muß sich allerdings dafür anmelden- irgendwas ist immer.

Die Fibre Mood Seite ist auch sonst interessant und bemüht sich sehr, weitere Informationen zu geben. So gibt es auch einen Punkt Stilempfehlung zu jedem Schnitt. Hier geht es nicht darum, wie ich ursprünglich dachte, die richtigen Assessoires oder Schuhe zu einem genähten Teil zu empfehlen. Nein, es gibt ganz praktische Empfehlungen, welchem Figurtyp der Schnitt steht und welchem nicht. Die weiblichen Figuren werden hier durch Großbuchstaben katalogisiert- eine Einteilung, die ich immer schon mal am Rande registriert, aber nie für wichtig gehalten hatte. Ich empfand es immer als unangebrachte Vereinfachung, etwas so Persönliches und Individuelles wie die Figur einer Frau in Schubladen zu stecken, ob sie jetzt Buchstaben tragen oder nicht. Wie auch immer, ich las diese Stilempfehlungen, machte auch den angegebenen Test und fand mich als X-Typ wieder. Oder doch eher V-Typ? So ganz sicher war ich mir dann doch nicht, denn so eindeutig scheint die Typisierung nicht zu sein.

Für den X-Typ, las ich weiter, sei dieser Schnitt völlig ungeeignet. Und für den V-Typ sei er auch nicht günstig. Zum Glück hatte ich diese Erkenntnis erst gewonnen, als ich das Kleid schon zugeschnitten hatte, und ich habe das ganze erst mal ignoriert und frohgemut weiter genäht. Ich hatte übrigens die Größe 38 gewählt. Da ich mich mit dem Schnitt aus der ungewohnten Zeitschrift doch etwas im Neuland bewegte, habe ich einen Stoff gewählt, der mir zwar gefiel, aber in meinen Augen nicht so hochwertig war wie manche Schätze aus meinem Stoffvorrat.

Meine neue Nähassistentin war sehr bemüht, mir beim Zuschnitt zu helfen. Man beachte, wie sie mit iher linken Pfote perfekt den Papierschnitt fixiert!

Es ist ein Jaquard von Swafing, der als Besonderheit seinen eigenen Bündchenstoff in Form von Streifen am Stoffrand mitbringt- gute Idee, aber dann doch nicht gut genug, denn das Bündchen wird dann natürlich nicht in der besten Dehnrichtung des Stoffes zugeschnitten, sondern im rechten Winkel dazu. Aber es hat trotzdem funktioniert, ich mußte nur etwas mit der Bündchenlänge experimentieren.

Also , das Kleid wurde genäht, anprobiert- und war unmöglich an mir. Viel zu weit, sackförmig…ich erkannte, die Fibre Mood hatte recht, dieser Schnitt war nichts für mich. Aber sollte ich deshalb dieses Kleid gleich dem Altkleidersack überantworten? Das konnte doch nicht sein, immerhin hatte ich mir zumindest mit dem Bündchen so große Mühe gegeben. Ich zuppelte und drapierte das Kleid etwas an mir herum vor dem Spiegel, und siehe da, es fehlte eigentlich nur etwas Kontur im Taillenbereich. Kurz überlegte ich, ob ich die Seitennähte etwas enger nähen sollte, das ergab aber eine sehr eigenartige Form. Die rettende Idee waren Taillenabnäher im Rücken, das sah gleich viel besser aus, als ich die mal probeweise abgeheftet hatte.

Und so ergänzte ich dieses Kleid durch Rückenabnäher, mit einem relativ großen Abnäherinhalt, nämlich pro Abnäher 2x 1,5 cm, insgesamt habe ich also 6 cm in der Tailleinweite herausgenommen. Mir kam das eigentlich als ein recht gewaltsamer Eingriff in die Schnittkonstruktion vor, vor allem dieses nachträglich Einfügen der Abnäher, aber das Ergebnis fand ich für mich sehr überzeugend. Das Kleid saß deutlich besser, und plötzlich gefiel mir die Schnittführung mit den hübschen französischen Nähten im Vorderteil, die sonst völlig im „Zelt“ untergegangen waren.

Für mich ist das Kleid kein Lieblingskleid, sondern eher ein Alltagskleid, also eines, was ich nach seiner Fertigstellung ständig getragen habe. Deshalb hatte ich auch keine Hemmung, es zum Fahrradfahren anzuziehen. Ich mußte ja nicht drauf aufpassen, war ja nur ein Prototyp, und der Stoff nicht so sehr geliebt! Die Umwelt sah das anders, ich bekam ständig Komplimente dafür, die ich natürlich auch gerne entgegen genommen habe .

Nachdem der Gusta-Schnitt sich bei diesem Kleid so bewährt hatte, trotz mancher Holpereien, griff ich mir dann doch noch ein Schätzchen aus dem Stoffregal für Gusta No 2. Es handelt sich hier um einen French Terry der belgischen Firma Seeyouatsix, die sich durch hohe Stoffqualität und witzige Designs auszeichnen. Bei den Stoffdesigns bin ich mir oft nicht sicher, ob das Muster wirklich als ernsthaftes Damenmuster oder eher als Witz für Teenager gedacht ist…egal, diesen Stoff fand ich schön, sobald er im letzten Frühjahr auf den Markt kam und habe ihn lange und immer wieder mal im Regal gestreichelt.  Ach, Stoffesammeln ist auch so ein schönes Hobby!

Er heißt übrigens Darkest SpruceGreen Flower Garden, ich weiß nicht, ob er noch in irgendeinem Onlineshop erhältlich ist. Ich hatte ihn direkt in Belgien bestellt, das ist unproblematisch.

Genäht habe ich diesmal Gr 36, da ich die erste Fassung doch etwas zu groß fand und der belgische French Terry auch noch dehnbarer als der Jaquard war. Die horizontale Teilungsnaht im Vorderteil habe ich weggelassen, die hätten nur meine hübschen rosa Blümchen zerstört. Obwohl ich auch einen passenden Bündchenstoff gehabt hätte, habe ich diesmal den Ausschnitt mit Belegen gearbeitet, wie es der Schnitt auch vorsieht. Und das gibt doch einen etwas eleganteren Touch, wie ich finde.

 Beim zweitenmal Nähen ist mir dann aufgefallen, daß ich bei der ersten Version die Taschen verkehrt zugeschnitten hatte. Die Fibremood-Schnitt haben nämlich keine Nahtzugaben, die fügt man dann beim Zuschneiden dazu. Ausnahmen bestätigen die Regel, denn der Taschenschnitt hatte bereits Nahtzugaben, das stand auch in der Anleitung so. Und ich hatte mich beim ersten Kleid schon etwas gewundert, warum die Taschen so schlecht einzupassen waren. Also auch gilt eindeutig: wer lesen kann, ist klar im Vorteil!

Obwohl mir die Gr. 36 besser passte als die 38, habe ich auch hier Rückenabnäher eingefügt für den besseren Sitz. Diesmal allerdings ordentlich in den Schnitt eingezeichnet, mit einem Abnäher-Inhalt von 1,4 cm pro  Abnäher. So finde ich den Sitz für mich ideal.

Und nein, es gibt kaum Fotos, wo ich nicht die Hände in den Taschen habe. Diese Taschen sind so genial, da muß man einfach die Hände drin versenken!

Ich habe jetzt mit dem Gusta-Kleid einen neuen Lieblings-Schnitt gefunden und könnte mir gut auch noch weitere Versionen vorstellen. Der Schnitt kann übrigens auch aus Webware genäht werden , wie Madebyminoukimit ihrer Version sehr schön zeigt. Da hätte ich hier auch noch einige geeignete Stoffe liegen!

verlinkt:Memademittwoch

DufürDicham Donnerstag

Sewlala

Uncategorized

Pietra Pants von Closet Case

„Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren…“ dieser bekannte Spruch von Karl Lagerfeld geht mir immer durch den Kopf, wenn ich eine Hose mit Gummizug in der Taille sehe. Auch wenn dieser Hosenstil zur Zeit durchaus gesellschaftsfähig ist, habe ich um solche Schnittmuster eher einen Bogen gemacht. Ich hatte mal eine Hose mit Gummibandbund genäht, die Alexandria Peg Trousers von Named , das Ergebnis war so schlafanzugmäßig, daß diese Hose fast nie getragen wurde.

Deswegen war ich auch eher enttäuscht vom neuen Schnittmuster von Closet Case, den Pietra Pants. Ein Hosenschnitt, eher für Anfänger gedacht, mit rückwärtigem Gummizug in der Taille. Andererseits haben mich alle anderen Hosenschnittmuster von Closet Case so überzeugt, daß ich auch diesem Schnitt eine Chance geben wollte.

Der Pietra-Schnitt ist wirklich simpel. In der vorderen Mitte jeden Hosenbeines verläuft eine Naht, dies ermöglicht eine sehr einfache Taschenkonstruktion mit geraden Nähten, bei der das Taschenteil einfach einmal gefaltet wird.Die Vorderhose hat am Bund Belege, die rückwärtige Hose einen Tunnel, durch den ein breites Gummiband gezogen wird.

Der Schnitt enthält verschiedene Hosenformen und -längen. Sehr gut gefiel mir bei den Designbeispielen die Shorts-Version, aber die Zeit für Shorts ist für dieses Jahr weitgehend vorbei, das hebe ich mir für den nächsten Sommer auf.

Die Versionen mit weitem Hosenbein, egal ob 7/8 oder ganz lang, fand ich in allen gezeigten Beispielen sehr unförmig und nicht gut proportioniert. Aber es gibt auch eine Version mit am Knöchel  engem Bein („tapered“), und die habe ich genäht.

Wie immer bei Closet Case habe ich die Hose in Gr 8 genäht und zur Taille hin zu 10 gradiert. Das Gradieren zwischen den Größen ist in der Anleitung sehr ausführlich erklärt. Überhaupt ist die ganze Anleitung noch gründlicher, als man es von den ClosetCase Anleitungen sowieso schon gewohnt ist. Viele Nähtechniken wie“ understitching“ oder“ stitch in the ditch“ werden nochmal extra erklärt, das ist schon ein schöner Service für einen Nähanfänger.

Die Schrittkurve habe ich angepaßt und steiler gestellt und in der hinteren Mitte um ca 3 cm gekürzt. Wenn schon Jogginghose, dann jedenfalls eine gut sitzende!

Das Nähen ging erwartungsgemäß schnell und war sehr angenehm. Keine schwierigen Stellen, kein Reißverschluß, bei dem man immer wieder über die Sache mit dem rechts und links sinnieren muß…das Schwierigste war noch das Einnähen und Absteppen des Gummibandes, denn das muß schon sehr stark gedehnt eingenäht werden. Ich glaube, das hätte ich als Nähanfänger nicht so gut hinbekommen. Ich habe die Hose an zwei Abenden genäht, ohne mich groß davon gestresst zu fühlen.

Der Stoff ist einLeinen, den ich vom Atelier Goldfaden bezogen habe. Das ist ein Stoffgeschäft in Bern mit einem sehr interessanten Angebot. Viel Leinen, viele Naturfasern, das sprach mich alles sehr an. Bei der Bestellung hatte ich einen sehr netten Kontakt mit der Inhaberin Miriam, da die Lieferung der Stoffe außerhalb der Schweiz eigentlich nicht vorgesehen ist. Es fiel auch einiges an Nebenkosten an, Porto, Kosten für den Transfer meiner Euros in den Nicht-EU Staat Schweiz…und zuguterletzt landete das Päckli dann auf dem Hauptzollamt, da natürlich auch noch Einfuhrsteuer zu entrichten war.

Ich habe wirklich nichts gegen einen Besuch auf unserem Zollamt, das ist immer eine amüsante Erfahrung. Und das meine ich gar nicht ironisch! Aber es ist eine Behörde, die sich offensichtlich nicht überarbeitet, und die entspannten Mitarbeiter nehmen ihre Arbeit anscheinend sehr ernst. Warten mußte ich noch nie, und meine Erklärung, daß das Päckchen Stoff enthält, sorgt jedesmal für allgemeine Erheiterung im Amtsraum. Sonst befassen sie sich wohl überwiegend mit Elektronik aus Fernost, und da ist so Päckchen mit Leinenstoffen aus der Schweiz sicher eine willkommene Abwechslung. Wenn ich aber die ganzen Nebenkosten zusammenrechne, komme ich  doch auf erhebliche Kosten für meinen Leinenstoff…und leider bekommt das nicht der  litauischen Weber, der meinen Stoff hergestellt hat, sondern der Staat, die Post und irgendwelche Finanzdienstleister…beim nächsten Mal fahre ich lieber mit der Bahn nach Bern, geneiße ein Wochenende in der Schweiz und mache hemmungslos Shopping im Atelier Goldfaden!

Aber egal, der Stoff ist wunderschön, und ich finde ihn auch sehr geeignet für die Pietra- Hose. Er ist unglaublich  weich für einen Leinenstoff, so daß auch die Kräuselung im Rücken noch akzeptabel fällt.

Insgesamt bin ich mit der Hose nicht unzufrieden. Sie ist bequem, vor allem für eine Hose, die so hoch in der Taille sitzt. Die Kombination mit passenden Oberteilen finde ich nicht ganz so einfach, den mit weiten Blusen oder Shirts wird das Outfit an mir sehr unförmig. Ich habe es hier mit der Biscayne Bluse von Hey June kombiniert.

Biscayne ist sozusagen die kleine Schwester der bekannteren Cheyenne-Bluse, die ja vor einigen Jahren auf den Blogs so gern gezeigt wurde. Biscayne hat einen ähnlich hübschen kleinen Stehkragen, der mir auch an der Cheyenne Bluse so gut gefällt. Im Gegensatz zu ihrer bekannten Schwester hat sie eine verdeckte Knopfleiste in der vorderen Mitte. Beim Nähen habe ich dieses schöne Detail allerdings in eine Fake-Knopfleiste verwandelt, da ich die Knopflöcher zu nahe an die Bruchkante positioniert hatte. Diesen Fehler hatte ich bei meiner ersten Biscayne auch schon gemacht- aber wenn man schon Fehler macht, soll man sie doch auch konsequent durchziehen, oder? Letztendlich ist das kein größeres Problem, da man die Knopfleiste einfach  zunähen und Knöpfe aufnähen kann- der Ausschnitt ist weit genug.

Die Pietra-Hose ist Teil einer Kollektion, die Closet Case unter dem Namen Rome-Kollektion vermarktet. Gedacht ist es als  kleine Grundgarderobe, neudeutsch „capsule wardrobe“ , wie man sie z.B. auf einer Reise mitnimmt und bei der alle Teile kombinierbar sind.

Ich habe die Schnitte als Bündel gekauft, weil der Preis dann sehr günstig war und ich mir davon gut sitzende Basisteile erhofft habe. Es gibt noch ein Oberteil, das Cielo-Top, das auch als Kleid genäht werden kann, und einen Rockschnitt mit verschiedenen Variationen.

Genäht habe ich -außer den Pietra Pants- bisher nur das Cielo-Top. Der Schnitt ist weit und kastig – sehr weit und sehr kastig. Ich habe ihn aus einer Viskose genäht, da fällt die Weite nicht so sehr auf.

Natürlich habe ich auch die Kombination Pietra-Hose und Cielo zuhause anprobiert- davon habe ich keine Bilder gemacht, die wollte ich dem geneigten Leser ersparen…. 

Wenn ich das Top aber zu einem engen Rock kombiniere, finde ich die Form ganz
akzeptabel. Allerdings ich habe immer das Verlangen, es in den Rockbund
reinzustecken, damit es nicht gar so unförmig ist.

Da das Top aber auch recht kurz ist, rutscht es immer wieder aus dem Rockbund raus, sobald ich mal die Arme über die Horizontale hebe. Außerdem rutscht das ganze Teil immer über die Schultern nach hinten oder zur Seite. Ich müßte wahrscheinlich noch die Schulter anpassen und die Schulternaht etwas nach vorn rotieren, und den hinteren Ausschnitt etwas enger nähen. Vielleicht mache ich diese Änderungen noch, wenn ich die Kleiderversion nähe- das könnte ich mir tatsächlich ganz gut vorstellen, vielleicht aus Leinen- im nächsten Sommer!

Jetzt trage ich erst mal in diesem Herbst meine Pietra-Hosen und schaue, wie ich mich mit dem jogginghosen-mäßigen Outfit anfreunden kann. Bei Gelegenheit werde ich darüber berichten, ob ich wirklich dadurch die Kontrolle über mein Leben verliere…aber nach den bisherigen Trageerfahrungen kann ich nur sagen: Karl Lagerfeld hat in diesem Punkt nicht recht!

verlinkt: memademittwoch

              thecreativelover

              Sewlala

             DufürDichamDonnerstag

Uncategorized

Lizzie-Skirt von Sewoverit

„Der ist ja gar nicht blau!“ Das war die erste Reaktion meines Mannes, als ich ihm voller Stolz meinen neuen Rock , den Lizzie-Skirtdes britischen Schnittmuster-Labels Sewoverit vorführte. Nein, blau ist der Rock wirklich nicht, aber das ist so ziemlich das einzige, was man ihm vorwerfen kann.

Das Besondere an diesem Rock ist sicher der Stoff. Große korallfarbene Blüten tummeln sich etwas unkoordiniert auf tannengrünem Grund, das ist kein Design, was in mein sonstiges diskretes Farbschema von grau-blau und ein bisschen dunkelrot   passt. Ich hatte mir mit der Wahl des Stoffes auch  schwer getan und lange hin und her überlegt- zu schön fand ich alle Stoff-Designs und Farbkombinationen der dänischen Stoff-Firma „Mindthemaker„. Die naheliegende Idee, alle Stoffe zu kaufen, mußte ich leider wieder verwerfen (die Vernunft und so..), wobei ich trotzdem gerne zugebe, daß noch ein weiteres Stoff-Schätzchen dieser Firma in meinem Stofflager auf seine Bestimmung wartet.

Das Material ist aber auch zu toll. Eine feste Viskose, gut zu vernähen und ein traumhafter Fall, wie man vielleicht auch an den Bildern dieses Rockes sieht. Mindthemaker hängt wohl auch irgendwie mit den Herstellern des MeetMilk-Tencels zusammen, oder ist es die gleiche Firma? So ganz werde ich aus den Websites der beiden Firmen ja nicht schlau, zumal beide Websites kein Impressum haben. Aber das ist bei der Qualität der Stoffe vielleicht nicht so wichtig. Vertrieben werden die Mindthemaker-Stoffe über diverse deutsche und europäische Online-Shops, da muß ich hier keinen speziell verlinken.

Als ich den Stoff in den Händen hielt, war mir sofort klar, daß daraus ein Rock werden sollte. Manche Stoffe sprechen ja sofort zu mir, oder spätestens wenn ich sie um mich herum drapiere, merke ich, was sie werden wollen. Diese Viskose wollte ein Faltenrock werden.

Nun gibt es ja ganz viele Schnitte für Faltenröcke, man könnte den Schnitt auch selber machen, das ist nicht weiter schwierig, so eine Falte zu berechnen. Aber in diesem Fall hat sich der Kauf des Schnittmusters gelohnt, da der Lizzie-Rock eben nicht irgendein Faltenrock ist, sondern die Falten sehr gekonnt und mit Überlegung angeordnet sind.

Die Falten sind rechts und links von der vorderen und hinteren Mitte angeordnet, so daß an den Seiten  ein Bereich ohne Falten bleibt. Die Faltentiefe ist auch diskret unterschiedlich, die Falten an den Seiten sind etwas tiefer als die in der Mitte. Ich dachte ja zuerst, daß ich die Markierungen meiner Größe falsch übertragen hätte, aber das wirklich so gemeint. Der Unterschied ist nicht groß, macht etwa einen cm in meiner Größe aus und ist am fertigen Rock natürlich nicht zu erkennen. In der vorderen und hinteren Mitte des Rockes ist eine Naht, und beide Mitten sind nicht ganz parallel zum Fadenlauf.

Ich glaube, daß all diese kleinen Finessen dazu beitragen, daß der Rock einfach unglaublich gut und schmal fällt, trotz seiner objektiven Weite. Für mich war das wieder mal die Bestätigung, daß es sich lohnen kann, auch für einen anscheinend simplen Schnitt ein professionell erstelltes Schnittmuster zu verwenden.

Der Schnitt enthält übrigens auch noch einen Futterschnitt, der aber  glatt ohne Falten und nur in A-Form geschnitten ist. Auf das Rockfutter habe ich bei diesem Sommerrock natürlich verzichtet, aber ich könnte mir tatsächlich auch eine Version für den Herbst vorstellen, vielleicht aus einem karierten Stoff, dann zu Stiefeln und über eine Strumpfhose.

Ich habe den Rock in der Größe 12 genäht nach meiner Taillenweite, das war dann eigentlich doch etwas zu weit. Aber ich hatte so Angst, einen zu engen Taillenbund bei Hitze tragen zu müssen und habe mich deshalb für die weitere Version entschieden. Dadurch rutscht der Rock etwas unter meine natürliche Taille, was aber überhaupt nicht stört. Er ist wunderbar bequem, auch im Sitzen engt nichts ein.

 Der Rock hat natürlich Taschen, nämlich einfache Nahttaschen in der Seitennaht. Verschlossen wird er mit einem nahtverdeckten Reißverschluß in der hinteren Mitte.

die Pflaumen waren reif-ich konnte ihnen nicht widerstehen

Vielmehr kann ich über den Rock  nicht schreiben, denn es ist wirklich nur ein schlichter Faltenrock, der vor allem durch diesen wunderbaren Stoff wirkt. Aber ist das nicht die Aufgabe eines guten Schnittmusters, einen schönen Stoff wirken zu lassen?

lecker, so ein Pflaume vom Baum!

Ich freue mich sehr, heute wieder durch die Galerie des Memade-Mittwoch zu flanieren- es ist immer wieder schön zu sehen, welche Schätze durch unsere Handarbeit entstehen!

Und auch bei Sewlala gibt es schönes zu entdecken…