
Die Cheyenne Bluse von Hey June Handmade habe ich schon einige Male genäht- genauer gesagt ist dies mein 4. Exemplar. Über die erste Version habe ich 2018 einen Blogbeitrag geschrieben. Diese Bluse wird immer noch gerne getragen, genau wie die beiden nachfolgenden Versionen, die allerdings nicht verbloggt sind . Das spricht doch unbedingt dafür, noch eine Version zu nähen und diesen schönen Schnitt nochmals in Erinnerung zu rufen.
Gerade habe ich versucht, das Erscheinungsdatum des Schnittes nachzuvollziehen, denn so ganz neu ist der Schnitt natürlich nicht. Auf dem Blog von Hey June findet sich ein ausführlicher Sewalong , der im November 2015 datiert ist- dann ist der Schnitt tatsächlich etwas mehr als 10 Jahre alt. In der englischsprachigen und auch in der deutschen Nähbloggerszene ist dieser Schnitt unglaublich gerne genäht und rezensiert worden. So schön, diese ganzen ausführlichen Blogbeiträge zu sehen und zu lesen. Aber klar, das Instagram-Scrollen mit dem einschlägigen Hashtag geht natürlich schneller, und das ist ja auch der Zeitgeist der aktuellen Nähszene. Aber wenn ich schon so einen altmodischen Schnitt nähe, dann soll es jetzt auch wieder einen ganz altmodischen Blogbeitrag dazu geben!
Der Schnitt ist tatsächlich etwas altmodisch, freundlicher könnte man sagen: es ist ein klassischer Blusenschnitt. Die Schulter sitzt an der richtigen Stelle, und es gibt eine hohe und wohlgeformte Armkugel. Der Schnitt hat verschiedene Variationen, eine hat einen klassischen Blusenkragen mit Steg und Knopfleiste, die andere eine halbe Knopfleiste und eine Art Stehkragen. Wobei Stehkragen die falsche Bezeichnung ist, es handelt sich um einen Kragen, der nur aus dem Steg besteht und der sehr schön am Hals anliegt.
Diese Kragenform ist auch das, was mir an dem Schnitt so gut gefällt. Es wirkt für mich schicker oder irgendwie kompletter als eine simple Ausschnittversäuberung mit einem Beleg, aber nicht so formell wie ein klassischer Blusenkragen. Die Überlappungen der Knopfleisten ist relativ lang und wird zu einer Spitze geformt- das ist ein Detail, was mir heute nicht mehr so gut gefällt. Notiz an mich: bei Cheyenne No 5 Kragenleiste kürzen!

Geändert habe ich die Ärmelform. Der Originalschnitt hat eher schmale Ärmel, die Zeit der Statement-Ärmel war damals noch nicht gekommen. Ich habe den Ärmelschnitt aufgespreizt und wollte eigentlich am Saum ein Gummiband einziehen. Diese Ärmelform hat sich für mich im Alltag sehr bewährt, ich kann den Ärmel dann gut nach oben schoppen, wenn er stört wie z.b beim Spülen, oder er bleibt unten, dann hat man einen langen Ärmel. Aber als die Ärmel fertig genäht waren und ich sie bei der Anprobe einfach nach oben gefaltet habe, gefiel es mir diese Version so gut, daß ich es erstmal gelassen habe. Ein Gummi kann ich immer noch einziehen.

Die Besonderheit dieses Schnittes, der auch in der deutschen Nähbloggerszene in den Jahren kurz nach Erscheinen des Schnittes unglaublich oft genäht wurde, liegt sicherlich in der super ausführlichen Anleitung. Die Anleitung selbst ist schon gut, wurde auch auf deutsch übersetzt ( damals gab es eine Bloggerin, die unter dem Namen Nähconnection etliche englischsprachige Schnitte auf deutsch vertrieben hat), und es gibt auf dem Blog von Hey June einen wirklich tollen Sew-Along. Die Designerin von Hey June hat in den letzten Jahren keine neuen Schnitte mehr veröffentlicht, aber die Website wird weiterhin gepflegt. Ich hatte damals einige Schnitte von Hey June genäht, die Modelle sind alle sehr sportlich und gehen so in die Richtung amerikanisches College-Girl…aber das scheint meinem Stil sehr zu entsprechen.

Meinem Stil entspricht es unbedingt, irgendwo einen Rest Libertystoff mit zu verarbeiten, und so ist auch bei dieser Cheyenne der innere Teil der Schulterpasse ein besonders hübscher Libertystoff. Es macht mir gar nichts aus, daß dieses feine Detail nur für mich sichtbar ist, umso größer ist meine Freude immer dann, wenn ich die Bluse anziehe. Der Hauptstoff der Bluse ist, wie man unschwer sieht, ein Chambray. Ich weiß nicht mehr genau, wo er herkommt, glaube aber, es ist ein Robert-Kaufman Stoff. Er hat einen gewissen Anteil an Elasthan und ist dehnbar, das hätte es für diesen Schnitt natürlich nicht gebraucht, schadet aber auch nichts.

Wir haben Anfang März, da ist so ein dünnes Blüschen keine ausreichende Kleidung und erfordert ein wärmendes Obendrüber. Das ist in diesem Fall das Sweatshirt Neve von Sewlala Pattern, genäht aus dickem und kuscheligen Sweathirtstoff. Das Sweatshirt hat einen Kragen, der mit einem Reißverschluss verschlossen werden kann, die Innenseite des Kragens ist andersfarbig gefüttert.

Ich habe diesen Schnitt gleich zweimal genäht, weil er sich so gut in meinen Alltag einfügt. Es gibt natürlich auch viele andere ähnliche Schnitte für Sweater mit Reißverschluss vorne im Kragen, ich wollte auch erst einen Fibremoodschnitt („Didi“) nähen , der so ähnlich ist. Ausschlaggebend für den Sewlala-Schnitt war für mich dann die gute und sorgfältige Innenverabeitung mit einer gerundeten Rückenpasse, die Pullis sehen auch von innen einfach gut aus.
Da ich vergessen hatte, die Rückenansicht an mir zu fotografieren, hier die technische Zeichnung:

Im Schnitt ist auch noch ein Sweater ohne Kragen und ein T-Shirt enthalten, werde ich sicher auch noch nähen.

Jetzt freue ich mich erstmal an meinem Frühlingsoutfit und genieße diese wunderschönen ersten warmen Tage. Alle anderen genähten Frühlingsmodelle finden sich in der Galerie des Memademittwoch, bitte hier entlang!







































































































