
Mit der Paßform dieser Hose habe ich ziemlich gekämpft, und ich bin mir immer noch unsicher, ob sie mir so gut an mir gefällt. Dabei hatte ich es mir so einfach vorgestellt- vom Schnitt, der Bisque Trousers von Vivian Shao Chen war ich nach meiner Probeversion sehr begeistert. Die Probeversion war eine kurze Hose, hier gezeigt. Ich gehöre ja absolut zu der Fraktion neinichnähekeinNesselmodelldasistsolangweilig (besser bekannt als Fraktion norisknofun…). Bei Hosen liegt es da nahe, eine tragbare Testversion als kurze Hose zu nähen. Im schlimmsten Fall ist nicht viel Stoff verschnitten, und im zweitschlimmsten Fall lässt sich eine misslungene kurze Hose immer als Radfahrerdress oder Gartenhose auftragen. In diesem Fall war die Testversion nach meiner Meinung gut gelungen und wurde im Sommer gerne getragen.

Bei der Stoffauswahl für die lange Version habe ich lange zwischen verschiedenen Stoffen geschwankt und mich dann für einen naturfarbenen belgischen Leinenstoff entschieden, den ich hier bezogen habe. Ich wollte einen Stoff, der etwas Stand hat, um die Eigenheiten dieses Schnittes herauszuarbeiten. Die Designerin des Schnittes zeigt bei ihren Produktfotos auch eine Version aus einem eher dicken und kräftigen Leinenstoff, und diese Version sprach mit sehr an. So sollte meine Hose auch aussehen!
Ich hatte mich ja auch für diesen Hosenschnitt entschieden, weil ich die Website der Designerin und ihren ganzen Stil so ansprechend fand. Man kann aber auch ganz anders an die Wahl eines Schnittes herangehen und das ganze von der wissenschaftlichen Seite aufziehen- das habe ich an diesem Blogbeitrag gelernt. Die amerikanische Nähbloggerin Thecrookedhem vergleicht hier die Bisque-Hose mit einem Schnitt von Paper Theory, den Miller-Trousers. Beide sind vom Prizip her ähnlich, haben einen Gummizug in der Taille, eine Falte im Vorderteil und schräge Eingriffstaschen. Ich finde diesen Beitrag absolut interessant, hier wird wirkllich alles mögliche und unmögliche verglichen- von der Größenauswahl über die Schnittgestaltung bis hin zur Nähanleitung. Ich habe mich bei meiner Schnittwahl wie so oft nur vom Gefühl leiten lassen. Die Millerhose hätte ich nicht in Betracht für mich gezogen, da ich mit dem Zadiejumpsuit, ein bekannteres Schnittmuster von Paper Theory, so meine Last hatte. Dem Zadie-Fanclub, so groß wie er auch sein mag, bin ich definitiv nicht beigetreten.

Das Nähen der Hose war eine reine Freude, die Anleitung ist super und beim zweiten Mal näht sich so ein Teil ja noch mal einfacher. Für die Innentaschen habe ich natürlich wieder ein Liberty-Stöffchen verwendet (ja, ich weiß, ich bin in der gesamten Nähwelt schon als die Liberty-Tante verschrien…)

Die erste Anprobe verlief ernüchternd. Die Hose hatte schon sehr viel Mehrweite im Hüftbereich, mehr als mir gefiel. Ich hatte für die Anprobe dann wirklich mal den Bund umgeheftet und das Gummi eingezogen, sonst ist das ja immer so schwierig mit den Gummizughosen bei der Anprobe.
Jedenfalls war diese Hose mir zu weit. Ich habe dann sowohl an der inneren als auch an der äußeren Beinnaht einiges an Weite herausgenommen. Im Endeffekt habe ich jetzt die Hose vermutlich eher in Gr 6 genäht als in der ursprünglich zugeschnittenen Gr 8.

Hatte ich die Größe von vornherein verkehrt ausgewählt? Diese Frage stellt man sich ja immer, wenn mit einem Schnitt etwas nicht so klappt. Die Designerin empfiehlt bei der Größenwahl, vom Hüftumfang auszugehen. Gut, dann hätte ich mich für Gr 6 oder sogar 4 entscheiden müssen. Allerdings hat dieser Schnitt die pikante Eigenheit, daß die Taillenweite der Hose, also des Stoffes, bevor er durch ein Gummiband gekräuselt wird, geringer ist als die Hüftweite. Und diese Hose hat keinen Reißverschluss,und irgendwie muß man sich noch rein winden können. Ich denke schon, daß die Größe 6 richtig wäre für mich. In der Hinterhose hatte ich einiges an Weite vor dem Zuschneiden herausgenommen, also ein „small butt adjustment“ durchgeführt, das mache ich mittlerweile routinemäßig bei allen Hosenschnitten.

Ich denke, daß die Form der Hose schon so gedacht ist. Der Eindruck, dass sie „zu groß“ ist, kommt wahrscheinlich auch durch den etwas tiefer hängenden Schritt. Bei einer Gummizughose ist das mit der Position und Höhe der Schrittnaht allerdings so ein bisschen ein Tappen im Ungewissen, aber wenn ich die Hose eine Weile trage und sie sich auf ihre Position zurechtzieht, ist die Schrittnaht einige cm unter meiner anatomischen Schritthöhe. Man ist das glaube ich nicht so gewöhnt, zumindest meine Sehgewohnheiten hängen eher noch an Hosenformen wie der Gingerjeans, den Landerpants und wie sie alle heißen, jedenfalls an Hosenformen, an denen der Schritt recht anliegend ist an den Körper.

Die Hose ist jetzt seit einigen Wochen fertig, im Hochsommer habe ich sie nicht getragen. Aus naheliegenden Gründen, bei Temperaturen weit über 30°C war mir der Gedanke an eine langbeinige Leinenhose sehr, sehr fern. Irgendwann zog ich sie dann wieder mal aus dem Schrank und zog sie an. Und so toll fand ich die Hose! Hatte ich mich mittlerweile an die Form gewöhnt, oder genug andere Frauen in etwas weiteren Hosen gesehen? Hatte die wochenlange Hitze mein eigenes Körpergefühl geändert (oder im schlimmsten Fall mein Urteilsvermögen nachhaltig getrübt? bei den diesjährigen Temperaturen ist ja alles denkbar).

Jedenfalls gefiel sie mir gut, und so probierte ich munter verschiedene Oberteile dazu. Das Oberteil, das mit Abstand am besten aussah, war ein anderer Schnitt der gleichen Designerin, nämlich das Laurence-Top. Na, das ist ja nicht überraschend, wird die geneigte Leserin sich jetzt sagen, natürlich passen die Schnitte einer Designerin auch zusammen, wäre ja komisch wenn nicht…ist ja alles richtig, aber ich hatte es nicht so erwartet.
Das Laurence-Top ist ein Schnitt, den ich natürlich lang schon gesehen hatte auf der Schnittübersicht von Vivian Shao Chen, das ich aber für mich nicht so in Betracht gezogen hatte. Es ist ein simpler Schnitt- ein einfaches kastiges Oberteil mit einem Brustabnäher, kurz geschnitten und mit einer leichten A-Form. Es gibt zwei Versionen, die ärmellose Form hat einen V-Ausschnitt, die Version mit Ärmeln hat einen runden Ausschnitt. Das ist einer von den Schnitten, bei denen man denkt: na, den brauche ich nun wirklich nicht, so simpel wie der ist…
Aber irgendwann in diesem heißen Sommer brauchte ich noch ein ärmelloses Oberteil, und da fiel meine Wahl auf diesen Schnitt. Letzendlich ging es mir auch um eine nähtechnische Frage: der V-Ausschnitt des Tops ist mit Schrägband versäubert, und das war mir schon lange unklar, wie man das sauber und korrekt hinbekommt. Diese Antwort gibt die Anleitung des Laurence-Top, auch hier war ich wieder begeistert von der wirklich ausführlichen Beschreibung.

Es gibt auch vom Laurencetop eine erste Version, die ich hiernur am Bügel zeige . Ich habe sie aus einem Viskose/Leinengemisch genäht, blau-weiß gestreift, auch hier die gleiche Anpassung vorgenommen, also in Gr 8 zugeschnitten und dann alle Nähte auf Gr 6 verkleinert nach der ersten Anprobe. Dieses blauweiße Top hat mich wirklich über viele der ganzen heißen Tage hinweg gerettet. Es ist total luftig, trotzdem fühlt man sich noch halbwegs angezogen- es war mein Lieblingsteil in diesem Sommer.
Und so kam es, daß ich Laurence gerne nochmal nähen wollte. Der weiße Spitzenstoff lag schon viele Jahre in meinem Stoffvorrat. Er kam vom lokalen Nähgeschäft, das es mittlerweile leider nicht mehr gibt. Ich brauchte ein weißes Oberteil zu einem taillenhohen Rock, das fehlte mir schon lange in meiner Garderobe. Ich hatte verschieden Schnitte in der engeren Wahl und mich dann für das Laurencetop entschieden. Eine gute Wahl, wie ich finde, denn auch zum Rock sieht das Top sehr gut aus! Auch diese Kombination müßte mal fotografiert werden, jetzt geht es aber erst mal um die Bisque Hose.

Die Kombination von der Bisque Hose mit Laurence war für mich wirklich überraschend. Ich gehe sonst eher davon aus, daß ich zu einer weiten Hose lieber ein enges Top nehme. Ich hatte deshalb zu meiner Bisque Hose noch ein Biscayne Top von HeyJune genäht. Das Biscayne Top gehört zu meinen Standardschnitten für den Sommer, es gibt schon etliche Versionen davon. Biscayne ist ein ärmelloses Top, der Halsausschnitt ist mit einem sehr flachen Kragen eingefaßt und es gibt eine halbe verdeckte Knopfleiste im Vorderteil. Diese Version habe ich aus einer Atelier Brunette Viskose genäht, und ich mag sie auch sehr gerne.

Also, es gibt jetzt zwei sommerliche Oberteile zur Bisque-Hose, ist ja nett…aber schließlich kommt doch irgendwann der Herbst! Immerhin wird dieser Beitrag mit dem Septemberbeitrag des Memademittwoch verlinkt, und irgendwas Herbstliches brauchen wir jetzt schon noch, um der Jahreszeit gerecht zu werden.

Und natürlich ist die Lösung wie so oft eine Jacke obendrüber. Dieses weiße Jäckchen, erst wenige Wochen fertig, hat sich auch schon seinen festen Platz in meiner Garderober erobert. Schnitt ist wie so oft der Jamiecardigan von Readytosew , davon habe ich schon zwei Versionen in anderen Farben, alle gerne getragen. Das Material ist ein dicker, kuscheliger Sweat von Mindthemaker.

Soweit meine spätsommerliche Garderobe, fotografiert wie immer vom besten aller Ehemänner auf einer sehr, sehr ausgetrockneten Wiese im Spessart. Wer noch mehr selbstgenähte Garderobe anschauen möchte, bitte hier entlang zur Galerie des Memademittwoch!









































































































